Schwingen in der Romandie: Gespräch mit dem Westschweizer Medienschaffenden Jimmy Erard

Am letzten Montag traf ich mich in Murten mit Jimmy Erard, einem Westschweizer Medienschaffenden. Dies im Rahmen meiner Vorschauenserie auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest von Ende August. Mir fiel auf der Socialmedia-Plattform Facebook auf, dass seit einiger Zeit ein welscher Schreiberling seine schwingerischen Spuren hinterlässt, auch auf deutsch.
Für den Juni-Beitrag lasse ich darum sozusagen einen Kollegen von mir zu Wort kommen. Wobei Jimmy natürlich ein echter Journalist ist, und ich „nur“ ein (feldwaldwiesen)blogger.
Bei unserem Gespräch sprachen wir über verschiedenste Aspekte rund um den Schwingsport in der Romandie. Natürlich vor allem aus der Sicht eines Journalisten, welcher stimmungsvolle Berichte über die Schwingfeste abfasst.

Jimmy Erard ist ausgebildeter Journalist und besuchte die Journalistenschulen in Lausanne und Paris. Er war einige Jahre Redaktor der Schweizerischen Eisenbahnerverbands-Zeitung.
Heute arbeitet der schwingbegeisterte Mann als freischaffender Journalist, ist Medienchef des Neuenburger Kantonalen Schwingerverbandes und unterhält zudem deren Homepage.
Wohnhaft ist der 55-jährige Journalist seit gut 20 Jahren in Chaumont im Kanton Neuenburg. Jimmy stammt vom Kanton Jura und ging dort auch zur Schule, verbrachte aber als Kind auch einige Jahre in Wilderswil BE. Später arbeitete der Romand zudem einige Jahre als Bahn-Gewerkschaftssekretär in Bern und war tätig als Dolmetscher. Er spricht deshalb auch sehr gut Deutsch.
Jimmy hat selber nie geschwungen. Er spielte früher Eishockey und betreibt auch heute noch den Schiess-Sport.

Der Jurassier wurde letztes Jahr von einem Mitglied des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes (SWSV) angefragt, ob er für den Schwingsport berichten möchte. Seit Oktober verfasst Jimmy nun zu einem grossen Teil Texte über den Schwingsport, schreibt aber auch über die Sozial- und die Verkehrs-Politik.
Sein Ziel ist es, mehr Leben in die Beiträge zu pflanzen um dadurch den Schwingsport besser an die Leute bringen zu können. Er sucht dabei die Nähe zu den Leuten und erhofft sich so kreative und persönliche Artikel.
Er findet, dass die Berichterstattung im Kanton Bern einfacher sei. Ganz einfach, weil die Resultate stimmen.
Jimmy möchte beim Schwingsport ein neues Informations- und Pressekonzept für die gesamte Romandie einführen. Er stiess dabei beim SWSV auf offene Ohren und hofft auf deren Unterstützung.

Der welsche Medienschaffende freut es, dass beim diesjährigen Neuenburger Kantonalen mit Samuel Dind nach 29 Jahren endlich wieder einmal ein einheimeischer Neuenburger gewonnen hat. Für ihn ist Dind das Zugpferd der Neuenburger Schwinger.

Jimmy hofft, dass Estavayer2016 eine Signalwirkung für den Schwingsport in der Romandie bedeutet, und dadurch einiges bewirkt werden kann. Einer oder mehrere Kranzgewinne könnte dies zusätzlich noch befeuern. Sei es hinsichtlich Jungschwinger-Zahlen oder aber auch zum Gewinnen von Sponsoren.

jimmy erardJimmy Erard, Westschweizer Medienschaffender
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie viele Schwingbeiträge hast du dieses Jahr bereits verfasst?
Ich habe dieses Jahr bisher etwa 18 Berichte über den Schwingsport geschrieben und an die Neuenburger Zeitungen L’Express und L’Impartial weitergeleitet sowie auf die Homepage der Neuenburger Schwinger gestellt.

Wie kommen die Schwing-Beiträge in der Romandie an?
Das hängt natürlich davon ab, was gerade geschieht. Der Sieg von Samuel Dind löste im Kanton Neuenburg eine kleine Euphorie aus, und wir versuchten das so in den Zeitungsbeiträgen zu verkaufen.
Der Kanton Freiburg bildet in der Romandie eine Ausnahme. Dort wird der Schwingsport als „richtiger“ Sport betrachtet und demzufolge auch ausführlich darüber berichtet. Das ist in den anderen Westschweizer Kantonen leider anders. Vielfach werden die Artikel von den Redaktionen vor dem Erscheinen ziemlich zusammen gekürzt.

Spürt man wegen dem ESAF ein grösseres Interesse als sonst?
Das Interesse wurde spürbar grösser. Viele Leute sind bestrebt, am Anlass teilnehmen zu können. Ein Ticket in der Schwingerarena ist heiss begehrt. Unser Ziel ist es, nicht nur für die Schwingerzeitung zu schreiben, sondern auch den anderen Zeitungen etwas offerieren zu können. Wir versuchen deswegen auch wichtige Kontakte zu knüpfen.

Ich nehme an, dass in der Romandie dieses Jahr wegen dem ESAF mehr Zeitungsartikel über den Schwingsport gewünscht sind. Wie sieht der Vergleich mit anderen Jahren aus?
Ja, es sind mehr Artikel als in anderen Jahren erwünscht. Als Beispiel möchte ich das Neuenburger Kantonale in Couvet erwähnen, wo zwölf Medienstationen (Zeitungen, Regionalfernsehen und Lokalradio) vor Ort waren. So viele wie noch nie.

Was beinhalten deine Artikel über den Schwingsport?
Meine Beiträge beinhalten den eigentlichen Festverlauf, aufgepeppt mit speziellen Beschreibungen. Beispielsweise über den Festsieger. Ich versuche auch spezielle Fotos zu machen, und verwende diese für die Artikel. Ich beachte dabei, dass die Beiträge so kurz wie möglich sind, damit sie auch gelesen werden.

Besuchst du regelmässig Schwingfeste und schreibst darüber?
Ich besuche beinahe alle Schwingfeste in der Romandie. Dazu gehören auch die Jungschwingertage, bei welchen ich auch über Familien, welche ihre Söhne begleiten, berichte. Ich schreibe gerne über die verschiedenen Seiten des Schwingsportes und versuche mit Text und Bild die Ambiance einzufangen. Meine Artikel sind meist Stimmungsberichte.

Fährst du auch an Schwingfeste in der Deutschschweiz, und schreibst darüber?
Das werde ich in Zukunft auch machen. Ich bin der Meinung, dass wir Romands auch über Schwingfeste in der Deutschschweiz berichten sollten. Auch wenn keine welschen Schwinger am Start sind. Ich möchte gerne einmal im Kanton Graubünden ein Bündner-Glarner besuchen und einen Bericht darüber schreiben.

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Jimmy Erard spricht sehr gut deutsch
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie lautet dein Fazit aus Sicht der Südwestschweizer Schwinger nach dem Schwarzsee-Schwinget?
Unsere Schwinger waren klar unterlegen. Ich habe bei ihnen keinen Siegerwillen gespürt. Gut ist, dass Marc Guisolan einen Kranz für den Südwestschweizer Schwingerverband gewann. In meinen Augen wäre mehr drin gelegen. Man darf verlieren, es kommt dabei immer darauf an, wie es geschieht. Die Schwinger traten leider schon mit einer Verlierer-Stimmung an. Es fehlen zudem in der Romandie die Zugpferde.

Wie beurteilst du die momentane schwingerische Situation in der Südwestschweiz, gut zwei Monate vor dem Eidgenössischen?
Es ist wie in der Deutschschweiz: Die Ansprüche sind hoch. Es gibt für keinen unserer Schwinger eine Garantie für einen Startplatz. Sie müssen sich alle qualifizieren, und sich beim Wettkampf und beim Training beweisen. Entscheidend sind dabei das Engagement und die Einstellung. Diese Schwinger müssen auch ein Vorbild für den Nachwuchs sein.
27 Schwinger von unserem Verband dürfen in Estavayer-le-Lac antreten. Wir wünschen uns, dass die Hälfte, also 14 Athleten, am Sonntag den fünften Gang bestreiten dürfen. Weiter erhoffen wir uns, dass die Hälfte dieser Schwinger, also sieben, am Sonntagnachmittag den siebten und achten Gang bestreiten dürfen. Und natürlich wünschen wir uns so viele Kränze wie möglich.

Daniel von Euw hat mir kürzlich in einem Interview gesagt, dass die Südwestschweizer Schwinger mehr Zeit im Schwingkeller statt im Kraftraum verbringen sollten. Was meinst du dazu?
Ich teile Daniel‘s Meinung nicht unbedingt. Es war vielleicht früher mal so. Heutzutage aber nicht mehr. Unsere Schwinger investieren viel Zeit ins Training. Man muss aber auch sehen, dass sie weniger Sponsoren und weniger finanzielle Unterstützung erfahren als Deutschschweizer Schwinger. Die Südwestschweizer Sägemehl-Athleten arbeiten vermutlich auch in grösseren Arbeitspensen. Natürlich: Wir Westschweizer haben eine lateinische Lebenseinstellung, unsere Schwinger trainieren trotzdem seriös. Marc Gottofrey führt beispielsweise ein spezielles Trainingsprogramm durch. Wir hoffen, dass dieses Programm Schule macht und allen Schwingern angeboten werden kann.

Wie gross ist in der Romandie bereits das „Fieber“ betreffs Estavayer2016?
Ich würde meinen, dass es an einigen Orten schon ziemlich erhöhte Temperatur aufweist. Im Kanton Freiburg ist das „Fieber“ schon sehr hoch. Sie machten im Vorfeld auch viel gute Werbung. In der Romandie wissen mittlerweile fast Zweidrittel der Leute, was Estavayer2016 bedeutet.

Was meinst du, erfreuen sich die jungen Leute in der Romandie einfach am ESAF oder werden auch vermehrt Jungschwinger deswegen hervorgehen?
Ich würde beides meinen. Wir haben gute Jungschwinger in der Romandie und hoffen, dass nach dem für uns sehr wichtigen Anlass die Jungschwinger-Zahlen weiter ansteigen werden.

Was wirst du während dem Eidgenössischen Schwingfest machen?
Wenn ich eine Akkreditierung erhalte, werde ich auf der Pressetribüne sein. Oder ich werde ausserhalb der Arena versuchen, die Ambiance einzufangen. Ich werde so oder so verschiedene Artikel schreiben und sie breit streuen.

Jimmy Erard lebt den Schwingsport, wie wenn er das schon seit Jahr und Tag gemacht hätte. Mit viel Engagement und Herzblut geht er an die Sache und brachte schon einige neue Ideen rein. Ihm wurden deswegen auch schon neue Aufgaben zuteil. So fungiert er 2017 bei der Delegiertenversammlung (DV) vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) als Generalsekretär. Vom 3. bis 5. März findet diese nämlich in Marin im Kanton Neuenburg statt.
Abschliessend lässt Jimmy wissen, dass für ihn die Freude am Schwingsport zugleich seine Motivation ist. Ich wünsche ihm deshalb, dass seine Ideen wie das Einführen eines neuen Informations- und Pressekonzeptes in Erfüllung gehen und er dem Schwingsport in der Romandie noch lange erhalten bleibt.

feldwaldwiesenblogger

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