„In Estavayer haben wir zwei neue Tage und dann kann alles wieder anders aussehen“: Interview mit ISV-TK-Chef Thedy Waser

Nach dem Innerschweizerischen Schwing- und Älplerfest (ISAF) in Einsiedeln ist vor dem Rigi-Schwinget. Vieles konnte man nach dem schönen Anlass lesen, sehen und hören. Mich freute natürlich der souveräne Sieg von Christian Schuler und die drei gewonnen Muotathaler Kränze. Alles in allem war es ein toller, sportlich hochstehender und freudiger Anlass. Die Einsiedler scheuten keine Mühen und brachten trotz misslichen Wetterbedingungen in letzter Zeit ein tolles Fest über die Bühne. Die schön errichtete Arena war ein echter Augenschmaus.

Folgender Satz stach mir am letzten Dienstag ins Auge: „Berner heimliche Sieger ohne grosse Beteiligung“. Diesen Titel fand ich in der SCHLUSSGANG-Zeitung. Im Text dazu wird eine zwiespältige Bilanz nach dem Innerschweizerischen und vom Innerschweizer Verband gezogen. Ich erschrak ein wenig ab diesem Titel und der Einschätzung, und fand, dass der SCHLUSSGANG zu Schwarz malt.

Da ich sowieso vorhatte mit Thedy Waser ein Interview zu führen und mit ihm auf das Innerschweizerische zurückzublicken, konfrontierte ich ihn auch mit der schwarzgefärbten Bilanz des SCHLUSSGANG’s.
Waser ist TK-Chef des Innerschweizerischen Schwingerverbandes und amtierte in Einsiedeln als Einteilungs-Chef.

ThedyWaser
Thedy Waser, TK-Chef der Innerschweizer
Bildquelle: esv.ch

Wann ist man mit der Einteilung zufrieden?
Wenn am Abend der Beste gewonnen hat. Und, wie nach dem Innerschweizerischen in Einsiedeln geschehen, das Verhältnis der Kränze auf die Kantone verteilt stimmt.

Das heisst also, dass du mit dem Festverlauf und mit der Einteilung vom ISAF zufrieden bist?
Ja, ich bin zufrieden mit dem Festverlauf. Auch innerhalb des Einteilungs-Teams herrschte ein gutes Klima.

Wie teilt man eigentlich fair ein?
In erster Linie schaut man auf die Punktzahl. Weiter zieht man die Stärke und die Klasse eines Schwingers in Betracht.

Was für Grundregeln beachtet man dabei?
Einerseits, dass es zu anderen Paarungen als an den vergangenen Schwingfesten kommt. Andererseits gilt das Hauptaugenmerk dem Athleten, seiner Stärke und Klasse.

Wie weit lässt sich ein Festverlauf mit der Einteilung steuern?
Der Verlauf eines Schwingfestes kann sich mit der Einteilung ziemlich steuern lassen. Bei einem guten Festverlauf verfügen der Gewinner und die nächst platzierten über ein gutes Notenblatt. Bei einem schlechten Festverlauf hat der Sieger ein schlechtes Notenblatt. Dies wäre natürlich nicht gut. Zudem: Wenn es dank der Einteilung zu schönen Gängen kommt, freut dies das Publikum und hebt die Stimmung.

Wart ihr euch in Einsiedeln bei der Einteilung relativ schnell einig?
Die fünf Kantonal-TK-Chefs und ich bildeten die Einteilung. Es ging relativ gut in Einsiedeln. Wir haben sowieso ein gutes Verhältnis untereinander.

Wie ist das mit den Gästen an einem Teilverbandsfest: Versucht man die als „Gäste“ zu behandeln oder lädt sie mit möglichst harten und zähen Gegnern?
Das Ziel ist es, die Gäste als Gegner aber auch als Gast fair zu behandeln. Sie werden dabei aber auch nicht speziell geschont.

Eine Überlegung von mir: Sollte man die Gäste-Regelung für Teilverbandsfeste nicht überdenken? Die spielen ja teilweise überhaupt keine Rolle… Wäre es zum Beispiel nicht interessanter, wenn anstatt je zwei Gäste pro Teilverband zehn Gäste eines einzelnen Teilverbandes eingeladen würden. Turnusgemäss kommt jedes Jahr ein anderer Teilverband dran.
Wir können jeweils auch nur zwei Schwinger schicken. Mit so einer Regelung dürfte es relativ schwierig werden, dass gute Schwinger den Kranz an einem anderen Teilverbandsfest gewinnen könnten. Ich sehe das eher weniger.

Bist du mit der Leistung der Innerschweizer am ISAF2016 zufrieden?
Zum Teil bin ich sehr zufrieden, vor allem mit den Jungen. Gewisse Kantonalverbände wie beispielsweise die Ob-/Nidwaldner konnten ihre Leistung, welche sie zweifellos drauf haben, nicht abrufen. Der eine oder andere Schwinger muss sich noch steigern und wird es sicher noch tun.

Der SCHLUSSGANG zieht in ihrer Zeitung vom 5. Juli nach dem Innerschweizerischen eine zwiespältige Bilanz und erklärt die Berner zu „den heimlichen Siegern ohne grosse Beteiligung“. Siehst du das hinsichtlich Eidgenössisches auch so?
Nein, absolut nicht. In Estavayer haben wir zwei neue Tage und dann kann alles wieder anders aussehen.

Haben die Innerschweizer bei dieser starken Berner Mannschaft überhaupt eine realistische Chance auf den Königstitel in Estavayer?
Das ist eine schwierige Frage. Wir verfügen über Schwinger, welche etwas dazu zu sagen haben. Wie es herauskommen wird, sehen wir dann.

Wer ist verantwortlich für die Selektionierung der 85 Innerschweizer? Wann werden diese bekanntgegeben?
Verantwortlich für die Selektionierung sind die fünf Kantonal-TK-Chefs und ich. Wir reichen einen Vorschlag zur Genehmigung an den ISV-Vorstand ein. Am letzten Mittwoch führten wir eine erste Vorselektion durch. Dabei wurden etwa 75 Prozent der Schwinger vorselektioniert. Diese Liste ist nur für den verbandsinternen Gebrauch und wir nicht publiziert.
Nach dem Brünig-Schwinget führen wir am 2. August die definitive Selektion durch. Diese Liste wird dann veröffentlicht. Unsere 85 selektionierten Schwinger müssen wir bis am 4. August dem Estavayer2016-OK melden.
Bei zwei und mehr Kränzen, welche dieses Jahr gewonnen wurden, ist ein Schwinger selektioniert. Folgende Kriterien sind massgebend: Die Anzahl Kränze, die Leistung an Kranzfesten, die Leistung an Rangschwingfesten und die Trainingsbesuche.

Innerschweizerisches
Innerschweizerisches Schwing- und Älplerfest in Einsiedeln
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ich bedanke mich bei Thedy Waser für seine interessanten Antworten und klaren Aussagen, und bin froh, dass er für den Innerschweizerischen Schwingerverband auch nicht so schwarzsieht. Klar, die Berner verfügen über viele gute Spitzenschwinger und können an einem guten Tag das Schwinggeschehen diktieren. Wie unlängst beim Schwarzsee-Schwinget. Ob es morgen Sonntag auf der Rigi zu einer ähnlichen Machtdemonstration kommt wie anno 2013, wird sich zeigen. Die ISV-Mannschaft tritt aus verschiedenen Gründen nicht in Bestbesetzung an. Die Berner hingegen können mehr oder weniger aus dem Vollen schöpfen.

Man könnte sich nun fragen, woran es liegen mag, dass die Innerschweizer dezimiert auf die Rigi reisen. Dazu gehören sicher die Saisonplanung aber auch Verletzungen einiger Topathleten. Einige Schwinger haben die Rigi nun mal nicht im Programm und reisen stattdessen auf den Weissenstein, Brünig oder die Schwägalp. Spinnt man den Faden weiter, käme man gar zur Einsicht, dass die Innerschweizer 2016 vielleicht doch zu vielen Bergfesten zugelassen sind. So überlässt man die Rigi halt den Bernern und misst sich dann auf dem Brünig wieder mit vereinten Kräften…
Ich bin aber überzeugt, dass die antretenden Innerschweizer alles geben werden.

So oder so wird es nicht nur auf der Rigi oder auf dem Brünig zu einem Duell zwischen den Innerschweizern und den Bernern hinauslaufen. Auch beim Eidgenössischen in Estavayer werden sich diese beiden Verbände wohl auf höchstem Niveau duellieren. Die anderen drei Teilverbände, allen voran die Nordostschweizer, werden nicht über die Rolle der Spielverderber hinauskommen.

feldwaldwiesenblogger

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