Den ersten Bergkranz auf der Rigi gewonnen: Nachgefragt bei Alex Schuler

Für einmal fragte ich bei einem anderen „Schuler“ nach: Alex Schuler, dem Cousin vom dreifachen Kranzfestsieger Christian. Alex gewann nämlich am letzten Sonntag verdient seinen ersten Bergkranz beim Rigi-Schwinget.

Bekanntlich räumten die Berner mit neun Eichenlaub-Exemplaren gehörig ab. Immerhin wehrte sich die „zweite Garde“ der Innerschweizer nach Kräften und holte sich schliesslich noch fünf Kränze. Dabei zeigten diese besonders im fünften Durchgang eine starke Leistung.

Man muss neidlos zugeben, dass die Mutzen derzeit einfach eine Macht sind. Man erinnert sich aber auch daran, dass es noch gar nicht so lange her ist, als es anders war. Zum Beispiel auf dem Brünig: Dort gab es während Jahren serienweise Siege von Innerschweizern (Eugen Hasler, Heinz Suter oder Martin Grab) und die Einteilung musste auch schon ab dem dritten Gang Direktbegegnungen ausrufen lassen. Wie am vergangenen Sonntag auf der Rigi.

Heute widme ich mich einem jungen Schwyzer, welcher dieses Jahr schon einige Male auf sich aufmerksam machte. Alex Schuler‘s Kranzgewinn auf der Rigi kam für viele überraschend. Letztlich war es aber eine Fortsetzung einer jetzt schon starken Saison. Der 24-jährige Sennenschwinger hat mittlerweile 20 Kränze auf seinem Konto. Sechs Exemplare fügte er 2016 hinzu. Der in Rothenthurm wohnende Metzger ist mit einer feinen Technik ausgestattet und verfügt auch über eine solide Defensive. Mit dieser rang er auf der Rigi Kilian Wenger, dem Schwingerkönig von 2010, ein viel umjubeltes Remis ab.

Am Dienstagabend telefonierte ich mit Alex und hielt unter anderem Rückblick auf den Rigi-Schwinget. Ein Thema war aber auch das intensivierte Training und seine beiden Cousins und Trainingspartner beim Schwingklub Einsiedeln, Christian und Philipp Schuler.

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Alex Schuler, der frisch gebackene „Bergkranzer“
Bildquelle: Alex Schuler

Herzliche Gratulation zum Rigi-Kranz! Was für Gedanken gingen dir durch den Kopf, einer der fünf Innerschweizer gewesen zu sein, welcher den Bernern Paroli bieten konnte?
Ich verspürte eine riesige Freude! Dass es bei so einer starken Besetzung zum ersten Bergkranz reichte, war umso schöner.

Ab wann glaubtest du am vergangenen Sonntag an den Kranzgewinn?
Ich glaubte schon am Morgen daran, denn ich fuhr mit diesem Ziel auf die Rigi hoch. Der gestellte Gang gegen Kilian Wenger gab mir viel Auftrieb. Nach den Siegkreuzchen beim vierten und fünften Gang glaubte ich fest daran.

Warst du ob deinem Kranzgewinn überrascht?
Ich war eigentlich nicht überrascht, da ich bei einem Bergkranzfest schon manchmal nahe dran war. Am Sonntag ging einfach alles auf.

Du hast diese Saison bisher sechs Kränze gewonnen. Das ist die beste Saison deiner bisherigen Karriere. Hast du in deiner Vorbereitung auf diese Saison etwas Entscheidendes geändert?
Ich trainierte auf diese Saison hin im Winter mehr als in anderen Jahren. Ich habe zum ersten Mal nach einem Plan trainiert, und machte vor allem mehr Krafttraining. Zudem habe ich auch an mich geglaubt.

Welchen Kranzgewinn stufst du bisher am höchsten ein?
Den Rigi-Kranz stufe ich als den bisher höchsten Kranzgewinn ein. Beim Bergkranzfest auf der Rigi waren 90 gute Schwinger am Start und es gab demzufolge nur wenige Kränze. Erschwerend kam hinzu, dass die Berner beinahe mit Bestbesetzung anwesend waren.

Welchen deiner bisherigen Gänge wirst du wahrscheinlich dein Leben lang nie mehr vergessen?
Derjenige gegen Schwingerkönig Matthias Sempach beim Brünigschwinget 2014. Ich brachte Matthias an den Rand einer Niederlage und verlor erst kurz vor Gang-Ende gegen ihn.

Mit deinen körperlichen Massen (95 Kilogramm, 178 Zentimeter Grösse) gehörst du eher zu den kleineren und leichteren Schwingern. Hast du deine Schwingweise extra darauf abgestimmt?
Ja, eigentlich schon. Da ich körperlich unterlegen bin, versuchte ich mein technisches Talent im Schwingen umzusetzen. Ich denke, das ist mir bisher recht gut gelungen.

Der eidgenössische Kranz scheint dank den starken Leistungen im Bereich des Möglichen. Siehst du das auch so?
Ja, das sehe ich auch so. Es ist mein grosses Ziel und ich habe deshalb auch mein Training intensiviert. Wenn ich zwei super Tage einziehe und gesund bleibe, ist der Kranzgewinn in Estavayer durchaus machbar.

Mit Christian und Philipp Schuler hast du zwei starke Cousins und Trainingspartner beim Schwingklub Einsiedeln. Haben deine diesjährigen Erfolge auch mit ihnen zu tun? Wie konntest du von ihnen profitieren?
Von ihnen beiden konnte ich sehr viel profitieren. Sie sind zwei hervorragende Trainingspartner und gaben mir überdies viele gute Tipps. Sie sind ein wenig älter als ich und ich durfte mich bei Fragen immer an sie wenden. Ich habe viele schwingerische Sachen mit ihnen angeschaut.

Wie geht es weiter? Welche Schwingfeste wirst du als nächstes bestreiten?
Der nächste Wettkampf ist der Brünigschwinget. Dann folgt am Sonntag, 14. August, zwei Wochen vor Estavayer2016, der Einsiedler Schwinget. Und natürlich Ende August das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest.

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Alex Schuler im Gang gegen Christoph Löw beim Baselstädtischen (5. Mai)
Bildquelle: Alex Schuler

Ich bedanke mich bei Alex Schuler für das lockere und interessante Gespräch. Der Rothenthurmer hat mich beim Rigi-Schwinget überzeugt. Ich bin der Meinung, dass Alex in Estavayer-le-Lac gute Chancen hat, sein grosses Ziel zu erreichen. Der eidgenössische Kranz liegt dank den bisherigen Leistungen absolut im Bereich des Möglichen.

Was mich weiter freut, ist die Tatsache, dass körperlich etwas unterlegene Schwinger durchaus ihre Chancen auf Kranzgewinne haben. Klar, so Brocken wie beispielsweise Christian Stucki sind nur schon von ihren Voraussetzungen her im Vorteil. Alex Schuler verfügt nicht über solche Körpermasse und hat seine Schwingweise deshalb mit technischem Geschick verfeinert.

Mir fiel beim Gespräch mit Alex auf, dass der sechsfache Saisonkranzer über genügend Selbstvertrauen verfügt und weiss, was er will. Diese Voraussetzung, gepaart mit seinem Talent und der schwingerischen Umgebung im Schwingklub Einsiedeln, liessen ihn 2016 erfolgreich sein.

So richtig auf sich aufmerksam machte der versierte Schwinger dieses Jahr beim Baselstädtischen, als er vier Siege realisierte und letztendlich den hervorragenden Rang 5b mitsamt dem Kranz heimnehmen durfte.
Es spricht nichts dagegen, dass der Metzger auch bei seinen nächsten Einsätzen eine gute Falle machen wird.
Ich wünsche Alex für den weiteren Saisonverlauf alles Gute und beste Gesundheit, und dass sein grosses Ziel in Erfüllung geht!

feldwaldwiesenblogger

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