„Ä chli stinkä muäss äs“ – Gedanken zur Herbstversammlung der Wetterschmöcker

Gestern Freitagabend fand also nun die Herbstversammlung der Innerschwyzer Wetterschmöcker statt. Der Winter soll dem Vernehmen nach viel Schnee und kalte Wintertage mit sich bringen.

wetterschmoeckerDie sechs Wetterpropheten
Bildquelle: basellandschaftlichezeitung.ch

Coop und die Wetterprognosen
Die Kurz-Zusammenfassung der Wetterprognosen für das kommende Winterhalbjahr freut Coop, eines der grössten Detailhandels- und Grosshandelsunternehmen der Schweiz. Die seit einiger Zeit geschaltete Werbung zeigt drei Wetterschmöcker in der Fondue-Pfanne stochern. Martin „Wettermissionar“ Horat meint denn zum Schluss des Spots vielsagend: „Ä chli stinkä muäss äs“. Derweil sich der neue Wetterkönig Peter „Sandstrahler“ Suter über seinen deutlichen Sieg freut. Dieser schaute nämlich lieber aufs Wetter statt aus dem Bodensatz des Fondue-Caquelon zu deuteln…

Ob Coop den Wetterschmöckern einen „harten Winter“ aufschwatzte, um möglichst viele und lauschige Fondue-Abende verkaufen zu können, würden wohl nur die allerbösesten Zungen behaupten.
Gleiches könnte man auch über Herr und Frau Touristiker sagen: Viel Schnee und Weisse Weihnachten und das halbe Wintergeschäft ist gerettet. Die Wetterprognosen sind für vielerlei Leute, Betriebe und Organisationen matchentscheidend. Schlechte Wettervoraussagen, ob sie dann eintreffen oder nicht, schaden nur dem Geschäft.
Ich behaupte aber, dass „unsere“ sechs Innerschwyzer Wetterschmöcker so unbestechlich sind wie der Papst. Höre ich da jemanden lachen?

Frölein Da Capo – die erste Wetterschmöckerin?
Die geheimen und eigenwilligen Beobachtungen aus und in der Natur war bisher eine reine Männersache. Auch in Zukunft? Jedenfalls liess Max Estermann aus Rickenbach LU im Bote der Urschweiz verlauten, dass die Zeit nun reif für eine Wetterschmöckerin sei. Für diesen Job würde er Frölein Da Capo in Betracht ziehen. Aha! Estermann fügte seinem Wunsch zudem an, dass er die Kollegialität und die fröhlichen Leute bei den Versammlungen der Wetterschmöcker schätze: „Es sei wie bei einem Schwingfest.“ Das kann ich nur bestätigen. Und lustig ist es jeweils, denn die sechs zum Teil grossbärtigen Herren spicken ihre Prognosen mit geharnischten Witzen und träfen Sprüchen. Das gefällt dem Publikum. Der Einsiedler Meinrad Kälin meinte denn auch zum „Bote“: „Für mich sind die Wetterschmöcker eine Art Cabaret Rotstift.“ Dazu würde das Frölein(-Wunder) Da Capo aus dem Luzerner Hinterland prima passen.

„Je älter desto reifer“
Diese Aussage trifft nicht nur auf Wein zu. Auch bei den Wetterschmöckern fand es in Form des neuen Wetterkönigs seine Bestätigung. Der 89-jährige Peter Suter aus Ried-Muotathal hatte für die letzten sechs Monate den richtigen Riecher und liess die anderen fünf Mitstreiter ziemlich deutlich hinter sich. Übrigens: Er sieht bereits für kommenden November Schnee bis ins Tal vor. Und: „Die Schneeschaufel bleibt im Hochwinter ein begehrtes Werkzeug.“ Ein harter Winter steht uns also bevor. Ein Hoffnungsschimmer für den Frühling bleibt: „Im Tal weidet das Vieh schon im April.“
Natürlich gibt es, wie immer, auch die anderen Meinungen. Alois „Tannzapfen“ Holdener prophezeit einen niederschlagsarmen Vorwinter. Später recht viel Schnee und kaltes Wetter. Auch er „schmöckt“ bereits schon für März den Frühling. Das klingt doch alles ganz schön, wenn man nicht Fan von einem Endlos-Winter ist.

Ideale Werbeträger?
Ob die sechs Wetterschmöcker ideale Werbeträger sind, wissen nur Petrus respektive entsprechend geschulte Fachleute. Man kann dem Treiben in der Werbung zuschauen oder nicht – dafür gibt es seit je her den berühmten Knopf. Letzte Woche hörte ich jemanden über die Coop-Werbung „wettern“, dass über die „Hobby-Meteorologen“ sowieso zu viel berichtet wird und sie selten bis nie das Wetter „tüpfen“. Ja, und? Bucheli und Co. sehe und höre ich auch täglich. Deren Kurzzeit-Prognosen sind manchmal auch nicht mehr wert als ein Pfifferling. Gehen sie mir deswegen auf die Nerven? Überhaupt nicht. Sie gehören zum Alltag wie die Konfi aufs Brot. So auch die sechs Innerschwyzer Wetterschmöcker. Ich möchte sie überhaupt nicht missen. Für mich sind diese Herren ein kleines Stück Heimat, mit einer gehörigen Portion Schalk und Humor bestückt. Dass sie zudem mit dem Wetter des Schweizers liebstes Gesprächsthema in Beschlag genommen haben, passt ausgezeichnet.

Ich bin schon seit einiger Zeit ein kleiner Fan der Wetterschmöcker. Sonst würde ich nicht in ihrem Sinn eine tägliche Wetterprognose im Muotitaler Dialekt auf Twitter verbreiten. Dabei gilt zu sagen, dass dies nicht mit den sechs abgesprochen ist. Es ist quasi eine im Hintergrund bleiben wollende „Fan-Seite“. Der Spass steht im Vordergrund, und dass man die Wetterprohezeierei wie auch sonst viele Dinge im Leben nicht bierernst nehmen sollte. Petrus macht mit dem Wetter sowieso was er will.

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Schwingen in Randregionen: Schwingklub Engadin –Teil 2

Beim Teil 1 erklärte ich meine Absicht, sich den beiden schwingerischen Randregionen Engadin und Tessin zu widmen. In drei Teilen wird als Erstes der Schwingklub Engadin mitsamt seinen Problemen etwas näher gebracht.
Im ersten Teil erwähnte ich meine Reise ins Engadin und stellte meinen Interviewpartner, den Technischen Leiter Bernie Locher, vor. Bernie ist ein Berner und schon seit 26 Jahren im Oberengadin zuhause. 2011 gründete er zusammen mit ein paar Kollegen den Schwingklub Engadin. Bei meinem Besuch erfuhr ich auch etwas über das Einzugsgebiet ihres Schwingklubs und eines der bisherigen Highlights: 2012 durfte mit Men Camichel ein Jungschwinger des Schwingklubs Engadin beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) in Hasle-Entlebuch LU starten.
Beim zweiten Teil handelt es sich um einen Interview-Teil. Bernie gab mir zu verschiedenen Fragen interessante Einblicke in den Schwingsport-Alltag im Engadin.

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Bernie Locher beim Gespräch im Restaurant des Serlas-Parks
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Gibt es eine Schwingtradition im Engadin? Ehemalige bekannte Schwinger?
In den 1950iger- und 1960iger Jahren wurde im Engadin mal geschwungen. Einerseits vom Militärdienst her, andererseits von Bauern vom Plantahof in Landquart. Sie hatten damals sogar einen Schwingklub in St. Moritz. Das Schwingen wurde vor allem im Zusammenhang mit dem Nationalturnen ausgeübt. Diese Athleten gewannen gar Kränze im Nationalturnen. Turner gab es nämlich schon immer im Engadin. Irgendwann fand hier aber kein Schwingsport mehr statt. Und: Einen Engadiner Schwingerkranz gab es bis heute noch keinen zu feiern.
Ich kann dir keinen ehemaligen bekannten Schwinger aufzählen. Zwei Carpanettis vom Unterengadin haben einst geschwungen. Der eine von ihnen unterstützte uns anfänglich beim Training. Beide sind aber nicht mehr aktiv. Was die anderen Bündner Schwingklubs uns voraushaben, fehlt uns leider: Nämlich bekannte Kranzschwinger oder sogar Eidgenossen.
Übrigens: Der Schwingklub Flims (mit dem Eidgenossen Reto Attenhofer) hat zurzeit keine Jungschwinger. Was beweist, dass andere Schwingklubs auch Probleme haben.

Ist der Schwingsport im Engadin verankert?
Nein, das ist er nicht. Wir sind daran, das zu ändern. Nächstes Jahr findet bei uns am 1. Juli in S-chanf auf dem FLAB-Militärplatz das Bündner-Glarner Schwingfest statt. Unser Schwingklub darf diesen Anlass organisieren.
In Silvaplana fand 2012 das Nordostschweizerische Teilverbandsfest vor 4‘800 Zuschauern statt (1a Matthias Sempach, 1b Daniel Bösch). Viele Zuschauer kamen von aussen. Aber auch Engadiner kamen ans Schwingfest. Diese sind aber vom Schwingsport nicht so angefressen wie beispielsweise die Prättigauer.

Wird der Schwingklub Engadin in der Bevölkerung wahrgenommen?
Doch, schon. In der Lokalpresse haben wir jeweils Schwingfest-Berichte von unseren Jungschwingern. Die meisten Leute wissen, dass hier auch geschwungen wird. Hier gilt das Hauptaugenmerk aber dem Wintersport. Und: Das Interesse für das Schwingen ist etwa gleich gross wie für den Fussball.

Wie sieht die Zukunft des Schwingsportes im Engadin aus?
Was soll ich sagen? So rosig sieht es leider nicht aus. Wenn wir diesen Level halten können, ist es gut. Wir dachten, dass es nach dem Eidgenössischen einen kleinen Boom geben wird. Dieser blieb aber bisher aus. Wir fragen jeweils auch bei den Schulen nach. Danach kommen wieder zwei oder drei Schüler, und machen für ein Jahr mit. Es ist einfach ein extremer „Chrampf“ und eine schwierige Situation. Uns fehlen einfach zwei oder drei Aktive, die es durchziehen. Ich bin skeptisch, hoffe aber, dass es bald besser wird. Am Anfang hatten wir mehr Jungschwinger. Da war alles neu. Dann gingen wir an den ersten Bubenschwinget nach Davos-Sertig und schon war einer von uns im Schlussgang. Seit der Klubgründung standen fünf oder sechs unserer Jungschwinger in einem Schlussgang. Leider hat noch keiner gewonnen. Zweige hingegen haben wir schon einige geholt.
Einen Schwinger-Schnuppertag haben wir zudem an unserem Bubenschwinget ausgeschrieben. Während der Jagdsaison anfangs September, wenn der offizielle Eidgenössische Schwinger-Schnuppertag wäre, würde bei uns niemand kommen. Deshalb führten wir unseren Schnuppertag am 8. Oktober an der Viehausstellung in Zernez durch.

Wie sieht die Unterstützung vom Bündner Kantonalen und vom Nordostschweizerischen Schwingerverband (NOSV), wo ihr angegliedert seid, aus? Spürt ihr auch Unterstützung von Seiten des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV)?
Vom Bündner Kantonalen Schwingerverband und vom NOSV bekommen wir alle Informationen und jegliche Unterstützung wie die anderen Klubs auch. In erster Linie nicht finanziell. Wir bekommen einfach, was uns zusteht. Unser Schwingklub hat 150 Passivmitglieder. An Geld fehlt es uns nicht. So können wir mit unseren Jungschwingern auch auswärts übernachten, wenn der Weg für ein Schwingfest zu weit sein sollte.
Wir kennen alle Bündner Schwingklubs gut und werden von ihnen auch eingeladen. Wir könnten zum Beispiel zu anderen Schwingklubs trainieren gehen und deren Infrastrukturen nutzen. Das ist aber vom Weg her einfach schwierig. Dafür brauchst du Leute, die Zeit für die Autofahrten hätten.
Wir bekommen vom ESV alle Informationen und Unterlagen, welche wir benötigen. Für die Anmeldungen habe ich beim Extranet auch Zugriff.
Es liegt eigentlich nur an uns, wenn wir etwas nicht tun oder lassen.

An dieser Stelle brachte Bernie noch einige interessante Anregungen an: Der ESV könnte auch mal über die schwingerischen Randregionen wie die Oberwalliser, Tessiner und uns in der Schwingerzeitung oder in anderen Zeitungen berichten. Weiter könnten sie mit uns drei Randregionen zusammensitzen. Mit uns besprechen, was wir unternehmen könnten, das uns vorwärts brächte und uns mehr Nachwuchsschwinger bescheren würde. Wir haben schon Ideen. Aber man kann die Eltern schliesslich nicht zwingen, die Kinder ins Schwingtraining zu bringen.
Schön wäre es, wenn der ESV für uns drei „Randregiönler“ ein Weekend organisieren würde, wo wir gemeinsam trainieren und Erfahrungen austauschen dürften. Und vielleicht sogar noch ein gemeinsames Schwingfest durchführen könnten. Ich denke, die Oberwalliser, Tessiner und wir haben nämlich wirklich die gleichen Probleme.

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Der kleine, aber feine Schwingkeller im Serlas-Park
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Sind die relativ weiten Distanzen zu benachbarten Bündner Schwingklubs und allgemein im NOSV-Verbandsgebiet eure grössten Problempunkte? Welche anderen Schwierigkeiten kennt ihr noch?
Die Distanzen sind unser Hauptproblem. Wir müssen bei Schwingfesten ausserhalb des Kantons für eine Übernachtungsmöglichkeit sorgen. Die Tage wären sonst viel zu lang für die Jungschwinger. Wir fahren jeweils am Freitagabend ab, da die Nachwuchsschwingertage am Samstag durchgeführt werden. Innerhalb von Graubünden fahren wir gleichentags hin und zurück.
In unserem Vorstand konnten wir zwar jeden Posten besetzen und wir haben auch ein gutes Einvernehmen untereinander. Leider sind nicht alle Mitglieder gleich engagiert und motiviert, ihr Amt auszuführen. Da muss man immer dran bleiben. Es könnte einfacher sein, denn ich bin mir von diversen Schwingklubs anderes gewohnt.

Wie steht’s um euren Nachwuchs? Wie sehen die Zahlen aus?
Am Anfang waren wir um 17 Jungschwinger. Zurzeit haben wir etwa vier bis sechs Jungschwinger, im Alter von 8 bis 14 Jahren. Aktive haben wir momentan keine.

Wo bestritten eure Jungschwinger dieses Jahr Schwingfeste? Gab es Zweiggewinne zu feiern?
Ja, zwei Zweige konnten wir feiern. Dieses Jahr nicht so viele wie in anderen Jahren. Wir nahmen nicht an allen für uns möglichen Kantonalen teil. Stattdessen besuchten unsere Jungschwinger sechs Bubenschwinget. In der Nordostschweiz gibt es eben keine Zweige an diesen Anlässen, nur an den Kantonalen. Andere Jahre gewannen unsere Nachwuchsschwinger auch schon sechs oder sieben Zweige. Dazu gilt zu erwähnen, dass wir diese Ausbeute mit den gleichen Jungschwingern erreichten. Es schwingen gewöhnlich immer zwei Jahrgänge zusammen. Somit ist klar, dass die Burschen weniger Zweige gewinnen, wenn sie mit älteren zusammengreifen müssen. Das spürt man einfach. Die vier bis sechs Jungschwinger, welche wir zurzeit haben, sind seit 2011 dabei. Diese sind teilweise die Söhne von Vorstandsmitgliedern.
Im Monat März fand das erste Schwingfest statt, und zwar in Trimmis GR. Später folgten bereits die ersten Kantonalen, wie der Bündner Kantonale Nachwuchsschwingertag, welcher im April war. Wir sind an vier Kantonalfesten startberechtigt: Nebst dem Bündner sind dies das Glarner, Zürcher und Appenzellisch Kantonale. Wir besuchen gewöhnlich um acht bis zehn Schwingfeste pro Jahr.

Wurden die Ziele für 2016 erreicht?
Sie wurden teilweise erreicht. Vom schwingerischen Aspekt her haben wir unsere Ziele erreicht. Hingegen von der Anzahl Jungschwinger nicht, wir wünschen uns mehr. Drei oder vier zusätzliche Sägemehlsportler wären schön.
Wie bereits erwähnt: Zwei Zweige haben wir geholt. Und ein Schwinger, welcher noch keinen Zweig gewann, kommt diesem Ziel immer näher. Mit den erreichten Resultaten unserer Jungschwinger sind wir zufrieden.

Gab es dieses Jahr auch Schwingfeste im Engadin?
Nebst unserem Klub-Schwinget, welches wir jedes Jahr durchführen, keines. Dieses fand am 20. August statt. Zu diesem Anlass laden wir jeweils den Schwingklub March-Höfe und die Bündner Klubs ein. Es sind jeweils zwischen 40 und 50 Buben am Start. Dieses Jahr waren weniger dabei, da am selben Tag der St. Galler Kantonale Nachwuchsschwingertag stattfand. Die Schwyzer kamen übrigens mit 20 Jungschwingern. Der Schwingklub March-Höfe lädt uns auch an ihr Schwingfest ein.

In diesem Beitrag erzählte uns Bernie Locher von den Problemen, mit welchen der noch junge Schwingklub Engadin zu kämpfen hat: „Es ist einfach ein extremer „Chrampf“ und eine schwierige Situation.“
Die Schwierigkeiten sind mir mittlerweile bewusst. Das Engadin ist wohl einer der schönsten Flecken der Schweiz. Die Distanz zu der „Schwinger-Schweiz“ ist sehr gross und die geografische Lage spricht eher für eine Wintersport- und Wander-Gegend. Trotzdem: Das Schwingsport-Virus wurde vom Bernbiet ins Oberengadin importiert und beginnt nun zu keimen. Einige Bewohner wurden inzwischen davon in Beschlag genommen. Damit das junge Pflänzchen am Leben bleibt, braucht es viel Geduld, Zeit, Idealismus und Input von aussen. Bernie’s Anregung an den ESV ist in meinen Augen mehr als eine Überlegung wert: Ein gemeinsames Weekend der „Randregiönler“, um zu trainieren, Erfahrungen auszutauschen und ein Schwingfest abzuhalten.

Beim dritten und letzten Teil über den Engadiner Schwingsport geht es inhaltlich unter anderem um die Ziele für 2017, Trainingsmöglichkeiten und Motivation. Weiter um Bernies Zeit-Investition für das Schwingen und was er sich wünscht.

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Schwingen in Randregionen: Schwingklub Engadin –Teil 1

Zu den Randregionen im Schwingsport gehören das Oberwallis, der Kanton Tessin und das Engadin. Über das Schwingen im Oberwallis wurde in der SCHLUSSGANG-Nummer 18 vom 17. November 2015 „Gornergrat-Schwinget verfehlte Wirkung“ berichtet. Auszug aus dem SCHLUSSGANG-Artikel: „Abhängigkeit von Einzelkämpfern – Trotz diesen erfreulichen Absichten im Wallis gelten Rolf Nussbaum in Leukerbad wie auch Bernhard Locher im Engadin und Edi Ritter im Tessin weiterhin als Einzelkämpfer. «Vieles hängt von ihnen ab und wenn es dereinst darum geht, für ihren immensen Aufwand einen Nachfolger zu finden, scheitert es vielerorts», gibt Manfred Schneider zu bedenken und ergänzt: «Die Leistungen in den Randgebieten werden zu wenig gewürdigt.»“

Als ich diese Zeilen las, keimte in mir die Idee, sich diesem Thema ebenfalls zu widmen. Die Ausführung brauchte allerdings einige Zeit, denn während der aktiven Wettkampfzeit setzte ich meine Prioritäten anders. Nun haben wir Herbst und der Schwingsport macht nun eine wohlverdiente Wettkampfpause. Eine gute Gelegenheit, sich zwei schwingerischen Randregionen zu widmen: dem Engadin und dem Tessin. Das Oberwallis lasse ich deshalb aussen vor, da es bereits in der erwähnten Schwingerfachzeitung thematisiert wurde. Kürzlich, im Frühherbst, fuhr ich ins Engadin und ins Tessin.

Reise ins Engadin
Der Schwingklub Engadin hat sich im Oberengadin, genauer gesagt in S-chanf, einen kleinen Schwingkeller eingerichtet. Dieser befindet sich im Serlas-Park, in einem separaten Raum neben der Tiefgarage. Laut Angabe auf der Serlas-Homepage ist Linard Godly der Präsident und Bernhard Locher der Technischer Leiter vom Schwingklub Engadin. Am 20. September traf ich mich beim besagten Serlas-Park mit Bernie Locher. Da er sich selber so nennt und er auch auf der entsprechenden Homepage so aufgeführt ist, werde ich ihn in der Folge auch „Bernie“ nennen.
Anwesend waren an diesem Dienstagabend nebst dem Technischen Leiter auch der Trainingsleiter Dani Sutter und die drei Jungschwinger Severin, Nico und Jens. Vorstandsmitglied Rico Melcher sass beim Gespräch ebenfalls am Tisch. Dienstag ist nämlich immer Schwing-Training, laut Bernie einmal pro Woche.

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Bernie Locher beim Gespräch im Restaurant des Serlas-Parks
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Bernie Locher stammt aus dem Bernbiet
Bernie, der Technische Leiter, stammt von Heiligenschwendi bei Thun. Er ist dort aufgewachsen und hat als Jungschwinger beim Schwingklub Thun geschwungen. Der Berner Oberländer wurde schon seit Kindsbeinen an mit dem Schwing-Virus infiziert. Mit 16 Jahren hat er mit dem aktiven Schwingsport aufgehört, blieb diesem aber seither in anderen Funktionen treu.
Bernie hat als Jungschwinger einige Male mit dem berühmten Hanspeter Pellet zusammen gegriffen. Beide sind übrigens gleich alt. Zu seiner Jungschwingerzeit schwang der Thuner unter anderem auch mit Urs Matter, Res und Adrian Hadorn, Christian von Weissenfluh oder Adrian Käser. Ihre Vorbilder waren damals die etwas älteren Heinz Mühlethaler oder Johann Santschi. Bernie ist immer noch Passivmitglied vom Schwingklub Thun und hat mit einigen von ihnen noch Kontakt.

Durch Zufall verschlug es den schwingbegeisterten Berner ins Engadin. Nach der Rekrutenschule wollte er von zuhause fort, entweder ins Wallis oder ins Bündnerland. Bernie kam dann ins Bündnerland und fand im Prättigau als Metzger eine Anstellung. Später übersiedelte er ins Engadin, wo es ihm so gut gefiel, dass er blieb. Der ausgebildete Metzger ist nun seit 26 Jahren im Oberengadin zuhause. Vor 15 Jahren gründete er in Zuoz, eine Nachbargemeinde von S-chanf, eine eigene Metzgerei.
Bernie spricht immer noch einen kernigen Berner Dialekt. Wenn es die Zeit zulässt, fährt er hin und wieder ins Bernbiet, um Schwingfeste zu besuchen. Das Eidgenössische Schwingfest steht jeweils immer fett angestrichen in seiner Agenda. Zu diesen nimmt er inzwischen auch seine Engadiner Kollegen mit, welche sich vom Schwingsport-Virus ebenfalls anstecken liessen.

Die Gründung des Schwingklubs Engadin
Der Schwingklub Engadin wurde 2011 gegründet. Bernie dazu: „Schon 2008 organisierte ich mit zwei Kollegen ein Schwingfest – einen Schwinget für jedermann. Seit damals fanden etwa vier solcher Anlässe statt. Wir richteten dazu einen Sägemehlplatz her. Es nahmen jeweils um 15 bis 20 Personen (Erwachsene und Kinder) teil. Da ich einige Leute kannte und wir interessierte Buben hatten, nahmen wir die Schwingklub-Gründung in die Hand. Den Klub habe ich zusammen mit ein paar Kollegen gegründet. Wir vom jetzigen Vorstand sind mehrmals zusammen gesessen und haben Nägel mit Köpfen gemacht. Ich habe das unbedingt gewollt. Mein Sohn, zwei Knaben von einem anderen Vorstandsmitglied und noch weitere wollten unbedingt schwingen. Nach der Gründung suchten wir einen geeigneten Schwingkeller. Der Bündner Kantonale Schwingerverband nahm uns in der Folge als achten Schwingklub auf.“

Die Klub-Gründung fand in den Bündner Zeitungen Erwähnung. Später waren im SCHLUSSGANG auch zwei Berichte über den Schwingklub Engadin zu finden. An diesen Anlass kamen viele Interessierte.
Schwingerkönig Thomas Sutter war der Götti bei der Gründung des Schwingklubs und leitete an diesem Tag auch ein Probe-Training. Sutter ist ein guter Kollege von Bernie, und sie haben auch geschäftlich miteinander zu tun. Bernie: „Er hilft uns weiterhin. Wenn ich ein Problem habe, kann ich ihm telefonieren, und er weiss stets Rat. Es ist ihm klar, dass bei uns eine schwierige Situation vorherrscht.“

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Die Jungschwinger Severin, Nico und Jens sowie Trainigsleiter Dani Sutter beim Training im kleinen Schwingkeller
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Das Einzugsgebiet vom Schwingklub Engadin
Der Technische Leiter sagt dazu: „Wir würden eigentlich das ganze Engadin abdecken, von Silvaplana bis Schuol. Aber das Einzugsgebiet liegt schwerpunktmässig hier im Oberengadin. Als wir anfingen, hatten wir etwa 17 Jungschwinger im Training. Da wir zum Trainieren leider nicht so viel Platz zur Verfügung haben, bildeten wir sogar drei Trainingsgruppen (zwei Jungschwinger- und eine Aktiven-Gruppe). Am Anfang kam ein Jungschwinger sogar von Silvaplana, zwei von Zernez, und auch jemand von Brail. Wir hatten mal einen Schwinger aus dem Münstertal. Aber bis der junge Bursche bei uns im Training war, musste er eine Stunde fahren. Wir zählten sogar einige Aktive (16- und 17-Jährige). Aber die Aktiven sollten halt einmal pro Woche zu anderen Schwingklubs ins Training gehen können. Als sie in die Berufslehre kamen und erste Freundinnen hatten, begann es zu harzen. Sie hängten die Schwinghosen leider wieder an den Nagel.“
Heute liegt der Durchschnitt bei fünf bis sechs Jungschwingern. Die Jungschwinger vom Schwingklub Engadin sind polysportiv. Neben dem Schwingen spielen sie Hockey, fahren Ski oder betreiben Langlauf. Bei den Jungschwingern hat es Standschwinger, aber auch Bodenschwinger.

Nebst dem Jungschwingertag beim Schwyzer Schwingklub March-Höfe sind die Engadiner Schwinger auch zu Jungschwingertagen im Bernbiet eingeladen. 2016 waren sie in Trub. Die Jahre vorher wurden sie vom Schwingklub Münchenbuchsee zu ihrem Jungschwingertag eingeladen. An jenem Anlass nehmen die Mittelländer, Seeländer und Emmentaler Jungschwinger teil. Die Beziehung zu den Bernern läuft über die Churer. Beim vorletzten Jungschwingertag vom Schwingklub Münchenbuchsee machten die Churer keinen Zweig, die Engadiner hingegen einen. Bernie dazu: „Da ich als Berner weiss, wie sie dort schwingen, kann ich unsere Jungschwinger gezielt auf sie einstellen.“

Ein Jungschwinger am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) von 2012
Beim ENST 2012 in Hasle-Entlebuch LU konnte mit Men Camichel sogar ein Schwinger vom Schwingklub Engadin starten. Dieser war damals unter anderem mit Armon Orlik und einem weiteren Bündner zusammen am Start. Bernie hat ihn als Betreuer an den ENST begleitet. Men hat leider ein Jahr später im Alter von 17 Jahren seine Schwingsport-Karriere beendet. Wie Bernie erklärte, war er damals ähnlich gut und stark unterwegs wie Orlik, von der Statur her sogar noch etwas grösser. Der junge Engadiner war ein Super-Talent, hat dann leider zum Eishockey gewechselt, und spielt nun beim Eishockeyclub St. Moritz.
Übrigens: Men besiegte einst im zweiten Zug den Berner Kantonalkranzer Heinz Habegger beim Davoser Sertig-Schwinget. Bernie ergänzte: „Er gehörte zu den zwei oder drei Zugpferden, die wir damals hatten. Diese haben leider mit dem Schwingsport aufgehört.“ Die Teilnahme von Men Camichel am ENST 2012 war bisher eines der Highlights des Engadiner Schwingklubs.
Die Engadiner hatten in ihren Reihen bisher auch zwei oder drei Schwinger, welche das Maximum an Zweigen an den Jungschwingertagen gewannen.

Aus dem Besuch im Oberengadin sammelte ich so viele Informationen, dass ich mich für drei Teil-Beiträge entschied. In nächster Zeit folgen der zweite und dritte Teil, bei welchen deutlich ersichtlich wird, mit welchen Problemen der noch junge Schwingklub Engadin zu kämpfen hat.

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Wirbel um die Austragung des ESAF 2022 in Aesch – Sieben Fragen an einen Vertreter des Natur- und Vogelschutzes

Ein Beitrag vom 5. Oktober in der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) sorgte in Schwingerkreisen für einigen Wirbel: „«Zerstörte Natur»: Umweltschützer bekämpfen das Aescher Schwingfest“. Am vergangenen Freitag suchte ich dazu die verschiedenen Online-Artikel. Denn das Thema wurde unter anderem auch von der Berner Zeitung, Watson oder 20 Minuten aufgegriffen. Beim Vergleich dieser Texte stellte ich fest, dass sich die letzteren News-Portale alle auf den bz-Artikel beriefen. Dieser beschrieb denn auch am ausführlichsten, um was es bei diesem „Wirbel“ geht.

Um die Problematik kurz aufzuzeigen, zitiere ich zwei Abschnitte aus besagtem Artikel: „Natur- und Umweltschützer haben sich gegen den Grossanlass im Birstal ausgesprochen, seit die ersten Pläne vor bald einem Jahr publik geworden waren. Nun nimmt ihr Widerstand Form an: Die Sektionen Aesch-Pfeffingen und Reinach des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbandes haben eine Petition gegen das «Eidgenössische» lanciert. Sie richtet sich an die Baselbieter Regierung. Das geplante Schwingfest, schreiben die beiden Vereine, sei für das vorgesehene Gebiet und die dortige Bevölkerung «nicht zumutbar». Für die dreitägige Veranstaltung soll im Nordwesten Aeschs ein provisorisches Stadion für über 50 000 Zuschauer errichtet werden, das Festgelände würde eine Fläche von gegen 100 Fussballfeldern beanspruchen – es läge teilweise in Arealen, in denen seltene Tierarten brüten.“

Und weiter: „Somit würde der Anlass «eine zerstörte Natur und verdichtete Böden» zurücklassen, heisst es im Text zur Petition, die am Montag publiziert wurde. Es sei auch mit Ertragseinbussen für die betroffenen Bauern zu rechnen. Unterstützt werden die zwei Sektionen von ihrem kantonalen Dachverband sowie von Pro Natura Baselland.“

Im bz-Beitrag wird auch erwähnt, dass die Regierung vom Baselbiet grundsätzlich positiv einem Eidgenössischen in Aesch gegenübersteht. Die Petitionäre fordern die Regierung auf, das idyllische Naherholungsgebiet zwischen Aesch und Reinach zu erhalten und ein Fest im St. Jakob-Park zu unterstützen. Bereits am 29. August kam es an einem runden Tisch zu einer Aussprache mit Vertretern des kantonalen Schwingerverbandes und verschiedenen Umweltschutzorganisationen. Geleitet wurde die Sitzung von Regierungsrätin Monica Gschwind, Vorsteherin der kantonalen Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Bei diesem Treffen versuchte Urs Lanz, Präsident des Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverbandes (BLKSV), die Bedenken auszuräumen. In dem er darlegte, wie die besonders sensiblen Gebiete bei den Planungen berücksichtigt werden könnten. Die Bedenken von Seiten der Umweltschützer blieben aber weiterhin bestehen. Ein Spannungsfeld ist also nach wie vor vorhanden.

Aus diesem Grund kontaktierte ich beide Parteien und hatte die Absicht, sie mit je sieben Fragen zu dieser Problematik zu konfrontieren. Urs Lanz, der BLKSV-Präsident, erklärte mir freundlich aber bestimmt, dass er zurzeit keine Auskunft erteile. Er möchte nämlich die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie abwarten, deren Ergebnis anfangs November vorliegen soll. Danach sei er bereit, mir zu antworten. Dies akzeptierte ich selbstverständlich und signalisierte, dass ich mich wieder melden werde.
Fabio Di Pietro, Präsident des Vereins für Natur- und Vogelschutz Reinach, hingegen war sofort bereit, mir auf die folgenden sieben Fragen Antworten zu geben.

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Auf diesem Gelände zwischen Reinach und Aesch ist das ESAF 2022 geplant
Bildquelle: Martin Töngi, bz

Wird Ihre Petition gegen das Eidgenössische erfolgreich sein?
Ja, ich denke schon. Sonst würden wir es nicht machen. Wir bitten darin den Regierungsrat von Baselland, ein Eidgenössisches im St. Jakob-Park und Umgebung zu unterstützen.

Di Pietro fügte hier sozusagen eine Zwischenklammer ein und stellte eine Gegenfrage: „Urs Lanz erklärte uns mündlich, dass der Schwingerverband Basel-Stadt parallel zum Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverband auch eine Machbarkeitsstudie für ein ESAF in Auftrag gab. Ist das bloss ein Lippenbekenntnis von Urs Lanz, oder ist dem wirklich so?“
Da mich diese Frage auch interessiert, schickte ich per Email eine Anfrage an den Präsidenten des Schwingerverbandes Basel-Stadt, Felix Rappo. Eine Antwort steht bis dato leider noch aus.

Wie viele Leute haben bereits Ihre Petition unterschrieben?
Stand Mitte Oktober haben mehrere hundert Personen unterschrieben. Wir sind aber noch nicht ganz dort, wo wir sein möchten.

Wie begründen Sie Ihre Bedenken gegen ein Eidgenössisches Schwingfest in Aesch?
Das Eidgenössische soll auf der Ebene zwischen Aesch und Reinach stattfinden. In den letzten Jahren wurden in diesem Gebiet viele Naturaufwertungsprojekte zusammen mit den dort ansässigen Bauern umgesetzt. Die Bauern, Jäger und Naturschützer haben dabei mitgemacht. In diesem Landwirtschaftsgebiet sind nun eine der höchsten Hasendichten im Kanton Baselland und grosse Populationen von seltenen Vogelarten zu beobachten. Es ist unser Antrieb, das erreichte zu schützen. Wenn nämlich ein mögliches Eidgenössisches vorbei ist, sind die Hasen wieder weg und die seltenen Brutvögel wie Feldlerche, Schwarzkehlchen und Wendehals auch.

Laut Zeitungsberichten kam es am 29. August mit Vertretern des BLKSV und verschiedenen Umweltschutzorganisationen zu einem Treffen. Dabei konnten die Bedenken aus Sicht der Umweltschutzorganisationen nicht ausgeräumt werden. Wo liegen in Ihren Augen die grössten Knacknüsse?
Dass der Baselbieter Schwingerverband trotzdem eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gab. Wir wissen nicht, wie gross ökologische Gesichtspunkte in die Studie miteinfliessen. So wie wir am runden Tisch mitbekamen, soll es eine rein technische Studie werden. Wir haben Bedenken, dass die Natur dabei zu wenig berücksichtigt wird. Dort wo nämlich die Arena stehen soll, ist der sogenannte Hotspot: Genau dort hatten wir den grössten Erfolg mit dem Hasen-und den Brutvögel-Projekten.
Eine Verschiebung der temporären Arena nach Süden ist auch keine Option für uns, denn das ganze befindet sich nach wie vor im Kerngebiet des Naturschutzes. Wir haben noch nie einen Plan gesehen und wissen daher nicht genau, wie das umgesetzt werden soll. Da sich die Organisatoren sehr bedeckt halten, scheint uns ein Weg des Kompromisses unmöglich.

Angeblich haben die Organisatoren des ESAF bereits den Naturschutz in die Planung miteinbezogen. So soll die temporäre Arena weg von der Ebene Aesch-Reinach, hin zum Aescher Sportzentrum Löhrenacker verlegt werden. Was meinen Sie, könnten Sie sich mit weiteren Anpassungen in der Planung trotzdem für den Standort Aesch einverstanden erklären?
Von einer Verschiebung in Richtung Sportzentrum Löhrenacker habe ich erst später aus der Presse erfahren. An der Aussprache von Ende August wurde von einer möglichen Verschiebung nach Süden gesprochen. Da dies bloss eine Verschiebung von etwa 300 Metern ist, scheint uns das keine Option. Auch dort befinden sich die erwähnten Hotspots mit den Tieren. Zurzeit sehe ich keine Möglichkeit oder eine Alternative für ein Eidgenössisches in Aesch. Die Organisatoren sind an flachem Gelände interessiert, und auf diesen befinden sich die schützenswerten Tiere.
Übrigens: Man kann doch nicht jedes Mal in einem neuen Landwirtschaftsgebiet ein Eidgenössisches Schwingfest aufziehen. Wir empfehlen daher, einen Anlass in der Grössenordnung nur noch an drei oder vier Standorten in der Schweiz durchzuführen.

Sie haben in der Schwingerwelt für ziemliches Aufsehen gesorgt. Was meinen Sie, würden sich ihre Kollegen in Schwingerhochburgen wie der Innerschweiz oder Bernbiet auch getrauen, eine Petition gegen ein Eidgenössisches zu lancieren?
Ich weiss nicht, ob das mit „sich getrauen“ oder Mut zu tun hat. Vielleicht gibt es dort einfach keine Möglichkeiten, sich für Projekte zum Schutz von Hasen oder Brutvögeln einzusetzen. Wir engagieren uns in der Freizeit für die Natur. Daher kann man sagen, dass im Fall ESAF Aesch 2022 „Freizeit-Beschäftigung“ gegen „professionelle Organisation“ antritt.
Ich möchte aber auch betonen, dass Anlässe in dieser Grössenordnung auf intensiv genutzten Wiesenflächen sicher mehr Sinn machen als auf extensiv genutzten. An solchen Orten richtet ein ESAF weniger Schaden an. Dabei erwirtschaftetes Geld kann in diesen Gebieten investiert werden, um dort die Biodiversität aufzuwerten. Darin sehen wir grosses Potenzial. In unseren Augen sind Anlässe auf landwirtschaftlichen Flächen mit hoher Biodiversität schlicht katastrophal.

Wie geht es nun weiter? Was für Schritte werden Sie und ihre Kollegen hinsichtlich der Causa ESAF 2022 in Aesch als nächstes unternehmen?
Im Moment sammeln wir mit unseren Vereinen in der Freizeit Unterschriften für die Petition. Ende Oktober übergeben wir die Petition mit den gesammelten Unterschriften dem Baselbieter Regierungsrat. Der Termin wurde natürlich nicht zufällig so gewählt. Denn zu diesem Zeitpunkt sollte auch die Machbarkeitsstudie für ein ESAF in Aesch auf dem Tisch liegen. Weitere konkrete Dinge sind zurzeit nicht geplant.

Ich bedanke mich für die ausführlichen und interessanten Aussagen von Fabio Di Pietro. Mir ist es wichtig, beide Parteien zu Wort kommen zu lassen. Deshalb hoffe ich, dass ich im November auch die Sicht von Urs Lanz, dem Baselbieter Schwingerpräsidenten, darstellen kann. Denn: Fairness und Respekt, zwei hehre Begriffe aus dem Schwingsport, sind mir bei meinem Tun und Handeln ein steter Begleiter.

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Hinterthaler Chilbi mit DJs und einer neuen Bar

MUOTATHAL: Zum 48. Mal findet vom 14. bis 16. Oktober die Hinterthaler Chilbi statt.

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Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

„Statt is Näscht, gömmer a d‘Hinterthaler Chilbi!“: Ländlerzelt, Altä Tällä, Kuhl Kids-Festzelt, Schwinger-Bar, TC Pragel-Bar, Qüöllfrisch-Bar, Restaurant Schlüssel, Restaurant Bödeli und Bastards Place. Lüpfige Unterhaltung, rockige Klänge, feine Chilbi-Spezialitäten und viel Gemütlichkeit werden im Angebot sein. Am Freitag ist um 17.00 Uhr im Altä Tällä Chilbi-Eröffnung. Auch dieses Jahr ist das Motto „Oktoberfest“: Wer mit Dirndl oder Lederhose erscheint, geniesst am Samstagabend Gratiseintritt im Festzelt.
Als Highlight wird am Samstagabend DJ Matty Valentino gehandelt. Weitere DJ’s, Ländlerkapellen und Rockbands werden die Stimmung garantiert zum Sieden bringen. Als spezieller Gaumenschmaus wird von Freitag bis Sonntag „Hafächabis“ im Ländlerzelt angeboten. Der Chilbi-Verein organisierte zudem grosse Mengen „Magäbrot“.

Neue Chilbi-Attraktionen
Das grosse Festzelt auf dem „Sunnäplatz“ wird nicht mehr vom Ambri-Fanclub sondern von den „Kuhl Kids“, einer Muotathaler Jungmänner-Gäng, geführt. Weiter öffnet mit der Qüöllfrisch-Bar eine neue Bar bei „ds Bätschäts-Huus“ ihre Türen. In der Schwingerbar trifft man nebst Schwingern auf originelle DJ‘s.
Am Sonntag wird um 10.15 Uhr beim Chappeli eine Jodlermesse mit dem Jodlerklub Muotathal gefeiert. Bei schlechtem Wetter wird die Messe in der Pfarrkirche abgehalten. Anschliessend wird im Festzelt zu Ländlermusik und Jodelgesang das Mittagessen serviert. Diverse Unterhaltungsmöglichkeiten wie Spiel und Spass mit dem Müttertreff, Kinderschminken, Hüpfburg, Bullriding, Clown (um 14 Uhr) und weitere Attraktionen runden das Ganze ab. Im Ländlerzelt erfolgt am Sonntagabend mit Freinacht der Ausklang der Chilbi.
Die attraktive Hinterthaler Chilbi ist für Jung und Alt ein Besuch wert!

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Saison-Bilanz mit ESV-TK-Chef Samuel Feller

Die Freiluft-Saison im Schwingsport ist nun zu Ende. Zeit um Bilanz zu ziehen. Dies tat ich kürzlich bei einem Telefonat mit dem ESV-TK-Chef Samuel Feller. ESV-TK-Chef? Auf der Homepage vom ESV, dem Eidgenössischen Schwingerverband, wird in der Liste der Technischen Kommission Feller’s Funktion als Ressortleiter Technik angegeben. Der Berner gab mir zu zehn Fragen ausführlich Auskunft.

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Samuel Feller, ESV-TK-Chef
Bildquelle: blick.ch

Welche Bilanz ziehst du für die nun zu Ende gegangene Saison?
Vom Wetter her war es ein harziger Start. Sonst erlebten wir eine super Saison. Was sehr positiv ist, sind die steigenden Zuschauerzahlen. Die schönste Bilanz sind für mich die vielen Neu-Eidgenossen, welche in Estavayer ihre bisherigen Leistungen bestätigen konnten. Schade, dass mit Joel Wicki ein weiterer junger und aufstrebender Schwinger nicht dabei sein konnte. Ich ziehe eine positive Bilanz für diese Saison.

Was waren für dich die Höhepunkte dieser Saison?
Der Höhepunkt war das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF). Es war vorher ein gewisser Druck vorhanden, den haben wir auch beim Einteilungskampfgericht gespürt. Der absolute Höhepunkt in Estavayer war der Schlussgang, wo es eine Entscheidung gegeben hat. Es ist immer schön, wenn ein Sieger aus einem Schlussgang hervorgeht. Das war gewissermassen das Tüpfelchen auf dem „i“.

Welche Dinge beurteilst du eher kritisch?
Das ist schwierig zu sagen. Dazu gehören unter anderem eine gewisse Grösse der Feste und gewisse Begehrlichkeiten von Seiten der Veranstalter. Weiter: Dass wir nach wie vor genügend Funktionäre haben. Viele von ihnen waren neu, was sicher ein kritischer Punkt darstellt. Sie haben aber ihre Arbeit gut gemacht. Man muss auch bedenken, dass diese Leute ihre Ämter ehrenamtlich ausführen, und sie sich dabei teilweise stark positionieren.

Was sagst du zu der teilweise harschen Kritik aus Innerschweizer Sicht zur Einteilung beim ESAF?
Die Innerschweizer haben zum Teil nicht das erreicht, was sie sich erwartet haben. Es war hinterher eine Ernüchterung da. Sie stellten die grösste Mannschaft und hatten trotzdem keine Chance auf den Königstitel. Zwei Ostschweizer dominierten neben den Bernern das Geschehen. Am Schluss scheiterten die Innerschweizer Schwinger bei zwei oder drei entscheidenden Gängen.
Auch die Einteilung kann unbewusst das Glück oder Pech beeinflussen. Aus meiner Sicht wurden keine Einteilungsfehler gemacht. Es muss am Schluss einfach jemand schuld sein. Aber: Jeder Innerschweizer Kantonalverband hat seine Kränze gemacht. So gesehen hätte es also noch schlechter kommen können.

Wie beurteilst du die Arbeit der verschiedensten Schwing-Funktionäre über die Saison gesehen?
Ich bin sehr stolz auf die Funktionäre, sie haben einen guten Job gemacht. Man spürte, dass jeder sein Bestes gab. Natürlich sind diese Tätigkeiten auch abhängig von der Tagesform. Die Strukturen und ein entsprechendes Reglement sind vorhanden. Die Kampfrichterleistungen waren teilweise durchzogen, was aber auf eine bodenständige Kontinuität zurückzuführen ist. Die Funktionäre haben in Estavayer ihre Arbeit gut gemacht. Die Teambildung im Vorfeld hat etwas gebracht.

Wo siehst du als oberster TK-Chef aus den Erkenntnissen der 2016er-Saison Handlungsbedarf?
Wichtig ist nun, dass nach einem Eidgenössischen Jahr die Teilverbände mit den neuen Einladungsbegehren arbeiten können. Riesige Baustellen sind keine vorhanden, es ist alles gut aufgegleist. Der grösste Punkt ist das Tenue der Schwinger. Wir werden dabei strenger sein und genau schauen, was für T-Shirts die Schwinger unter dem Tenue tragen. Dabei werden wir das technische Regulativ rigoros durchsetzen.
Wir werden zudem ein Konzept erarbeiten, um die Schwingklubs noch besser unterstützen zu können. Was für sie eine zusätzliche Motivation bedeuten soll. Die Schwingklubs sind nämlich die Basis vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV). Es ist wichtig, dass flächendeckeckend die Jungschwinger gefördert werden. Wir dürfen uns dabei nicht blenden lassen von den Klubs, bei denen es gut läuft.

Was meinst du ganz allgemein zum gezeigten Schwingsport dieses Jahr?
Ich habe Freude an den jungen Schwingern wie Wicki, Reichmuth, Käser, Giger oder Alpiger. Es wurde gut gearbeitet und eine Basis gelegt, damit diese jungen Burschen an die Spitze gelangen konnten. Es ist guter Nachwuchs vorhanden. Dieses Jahr wurde ganz allgemein schöner und hochstehender Schwingsport gezeigt.

Wie beurteilst du die Nachwuchsarbeit nach dieser Saison?
Der Nachwuchs konnte diese Saison die verdienten Lorbeeren einfahren. Wir müssen bei der Nachwuchsarbeit aufpassen und diese weiterhin gezielt fördern und in den Mittelpunkt stellen. Ebenfalls wollen wir die Teilverbands-Nachwuchsschwingertage noch mehr in den Mittelpunkt stellen. Die wahren Helden sind die Funktionäre und Trainer, welche in die Nachwuchsarbeit involviert sind. Die Bandbreite ist dabei aber zu gross. Wir wollen dort, wo es nicht so gut läuft, gezielt unter die Arme greifen und entsprechende Hilfsmittel zur Verfügung stellen.
Das kürzlich erarbeitete Schwingerlehrbuch ist dafür ein erster Schritt. Wir wissen, dass nicht alles Gold ist was glänzt. Manchmal sprengt es halt auch unsere Kapazitäten und Möglichkeiten.

Die Südwestschweizer verpassten am Eidgenössischen leider wieder einen Kranzgewinn. Was denkst du ganz allgemein zur Entwicklung des Schwingsportes in der Südwestschweiz?
Wir müssen dies leider so zur Kenntnis nehmen. Die Südwestschweizer hätten sich den Kranz in Estavayer wirklich verdient. Sie erreichten dabei gute Notenblätter und viele Schwinger konnten acht Gänge schwingen. 2013 in Burgdorf und 2014 in Kilchberg hatten sie noch keine Chance. Sie sind auf einem guten Weg. Wenn die Südwestschweizer weiterhing gut arbeiten, erkämpfen sie sich beim ESAF in Zug zwei Kränze. Sie befinden sich nämlich auf einem aufsteigenden Ast, und es ist Potenzial vorhanden. Etliche Schwinger sind noch jung, wie beispielsweise der 20-jährige Steven Moser.

Gedenkst du die schwingerischen Randregionen wie das Oberwallis, Engadin oder Tessin vermehrt sportlich zu unterstützen?
Es wird für sie keine Sonderregelungen geben. Wichtig ist, dass nicht nach dem Giesskannen-Prinzip vorgegangen wird. Entwicklungshilfe kann nicht „Geld geben“ bedeuten. Sonst fruchtet deren Arbeit nicht. Wir lassen ihnen Unterstützung zukommen und können ihnen helfen, wenn beispielsweise Sägemehl fehlt. Manchmal fehlt es auch an Räumen.
Wir sagen ihnen: Ihr braucht vier Leute – Einen Präsidenten, einen TK-Chef für die Aktiven und einen für die Jungschwinger, sowie einen Sekretär. Wir können mit ihnen vor Ort reden und Sitzungen abhalten.
Wichtig ist, dass die Klubs Schwingfeste organisieren können. Das ist der Pulsschlag und hilft deren Region. Das Ganze muss vor Ort, von der Basis her, gedeihen. Es wäre schön, wenn der Schwingsport in allen Regionen wachsen könnte.

Vielleicht wundern sich einige weniger schwingkundige Personen, dass ich den ESV-TK-Chef im Interview „duze“. Das mache ich bewusst so, denn innerhalb der grossen Schwingerfamilie ist das einfach Usus. Wieso also sollte ich das bei meinen Interviews im Schwingsport anders handhaben?
Ein herzliches Dankeschön an die Adresse von Samuel Feller für die wohlüberlegten und interessanten Antworten!

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Kritische Blicke auf die Einteilung beim Eidgenössischen – Ein Fall für den Täfälibuäb

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) ist zwar mittlerweile fünf Wochen her. Im heutigen Beitrag komme ich aber nochmals darauf zu sprechen. Im Speziellen interessiert mich die Einteilung, die anschliessend teilweise harsch kritisiert wurde. Stellvertretend picke ich folgenden Leserbrief zu diesem heiklen Thema heraus:

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Bildquelle: Neue Luzerner Zeitung

Nach dem Studium dieses kritischen Dokumentes nahm ich mein Schreibzeug zur Hand, und verfasste sieben Fragen, welche auf den Vorwürfen des Leserbriefes von Oswald Gasser basieren. Des Weiteren schaute ich gleich auf die Einteilung der ganzen nun zu Ende gehenden Saison.

Für solch knifflige Fälle kontaktiere ich stets den „Täfälibuäb“, welcher mir auch diesmal mit Antworten weiterhelfen konnte.

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Auch diesmal wusste der Täfälibuäb gekonnt zu antworten
Bildquelle: unbekannt

Was meint der Leserbrief-Schreiber konkret: Welchen unangenehmen Fragen und Vorwürfen müssen sich der ISV-Vorstand und Thedy Waser stellen?
Sie werden sich der Frage stellen müssen, warum gestandene Eidgenossen relativ einfach zum Kranz kamen, derweil gewisse Athleten auf nicht sportliche Art am Kranzgewinn gehindert wurden. Grosse Unterschiede beim Blick auf die Notenblätter sind leider Tatsache. Und: Der Frage, warum Thedy Waser in der Einteilung untendurch musste und kaum Unterstützung erhielt. Es gilt Ursachenforschung zu betreiben.

Ist dem wirklich so, dass sich der Vertreter des ISV beim Eidgenössischen in Estavayer praktisch nie durchsetzen konnte?
Die Stimmen, die ich hörte, sind eindeutig: In der Einteilung herrschte kein gutes Klima. Beat Abderhalden, und speziell Thedy Waser, waren am Samstagabend nicht mehr gut zu sprechen. Kein Wunder, denn die beiden waren stets in der Minderheit im sechsköpfigen Einteilungsgremium.

Es scheint grad, dass sich hinsichtlich Einteilung bei den letzten beiden ESAF‘s Parallelen zwischen Thedy Waser und dem TK-Chef anno 2013, Geni Hasler, ergaben. Siehst du das auch so?
Eugen Hasler wurde hauptsächlich angeprangert, weil er nicht zu Martin Koch schaute. Der Luzerner belebte das Fest in Burgdorf und fiel dennoch aus den Kranzrängen. Ich sah die Schuld damals nicht bei Geni. Was mir bisher zugetragen wurde: Waser wurde nach Estavayer hauptsächlich innerhalb des eigenen Kantonalverbandes kritisiert, weil er die Ob- und Nidwaldner Schwinger zu hart einteilte. Diese Kritik hat im Blick auf die Notenblätter von Lutz Scheuber oder Martin Zimmermann gewisse Richtigkeit.

Wie liessen sich ungerechtfertigte Einteilungen und Unfairness vermeiden, welche der Leserbrief-Schreiber anspricht?
In Bezug auf die im Leserbrief genannten Schwinger müsste natürlich Thedy Waser persönlich Stellung nehmen. Weiter ist klar, dass nach jedem Eidgenössischen Diskussionen entstehen. Dass man zum Beispiel Martin Zimmermann im letzten Gang den Schwingerkönig Kilian Wenger vor die Nase stellte, war sicherlich nicht angebracht. Im Duell Lutz Scheuber gegen Henryc Thoenen dachte Waser wohl, dass Scheuber diese Chance packen würde. Bei Stefan Stöckli, der kein Eidgenosse zugeteilt bekam, ging man vermutlich davon aus, dass er mit 64,50 Punkten nach sieben Gängen nicht mehr um den Kranz schwingen könnte. Stöckli hat einfach das bestmögliche daraus gemacht und das nötige Glück gehabt.

Ist die Situation für den ISV wirklich so dramatisch, wie man nach dem Studium dieses Leserbriefes meinen könnte?
Nein, dramatisch ist der falsche Begriff. Ich glaube, die Zuständigen im ISV-Vorstand machen einen guten Job. Bei den Innerschweizern macht sich sportlich unweigerlich eine Wachtablösung bemerkbar. Zahlreiche langjährige Teamstützen befinden sich im Herbst ihrer Laufbahn. Sie schwangen in Estavayer nicht schlecht, es ragte aber auch keiner heraus. Die starke 2015er-Saison war schwer zu übertreffen. Dazu fehlten Namen wie Benji von Ah oder speziell Joel Wicki, der das ESAF bestimmt belebt hätte. Am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2015 in Aarburg AG schnitt der Innerschweizer Nachwuchs sehr gut ab, von einem Nachwuchsproblem kann nicht gesprochen werden.

Wie siehst du ganz allgemein die Einteilungs-Arbeit über die ganze Saison betrachtet?
Zu reden gab hauptsächlich die Behandlung der Gästeschwinger an den Teilverbandsfesten: Mit dem unschönen Höhepunkt am Berner Kantonalen, wo Patrick Räbmatter nach Siegen über Willy Graber und Schwingerkönig Matthias Sempach am Abend mit leeren Händen dastand. Wenn man mit Namen bekannter Schwinger Zuschauer anlocken will, sollte man den Athleten nicht bestraffen, nur weil er Gast ist.
Und, wie bereits angesprochen: Am Eidgenössischen war die Einteilung unbefriedigend.

Siehst du Handlungsbedarf hinsichtlich Einteilung, wo der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) aktiv werden müsste?
Der ESV muss dafür besorgt sein, dass der Einteilungspräsident objektiv und sachlich vorgeht. Das war in Estavayer nicht immer der Fall. Nach dem dritten Gang, als die Berner Angst bekamen den Königstitel zu verlieren, spürte man, dass zwei Berner in der Einteilung amteten. Unverständlich war, dass sich die Vertreter der zwei „Kleinen“ (Nordwest- und Südwestschweiz), den Bernern anschlossen. Diese vier-zu-zwei- Situation war spürbar und wurde auf dem Rücken der Athleten ausgetragen.

Der Täfälibuäb ist immer ganz nah beim Geschehen. Kein Wunder bekommt er viel mit und kann richtiggehend aus dem Nähkästchen, respektive in seinem Fall natürlich vom Sägemehlrand, „plaudern“. Einige Aussagen sind hochinteressant und richtiggehend brisant!

Vielen Dank Herr „Täfälibuäb“ für deine wohl überlegten und fundierten Antworten. Ich denke, so können wir uns nun ein besseres Bild über die Einteilung dieser Saison, und im Speziellen beim Eidgenössischen machen.

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