Kritische Blicke auf die Einteilung beim Eidgenössischen – Ein Fall für den Täfälibuäb

Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) ist zwar mittlerweile fünf Wochen her. Im heutigen Beitrag komme ich aber nochmals darauf zu sprechen. Im Speziellen interessiert mich die Einteilung, die anschliessend teilweise harsch kritisiert wurde. Stellvertretend picke ich folgenden Leserbrief zu diesem heiklen Thema heraus:

leserbrief
Bildquelle: Neue Luzerner Zeitung

Nach dem Studium dieses kritischen Dokumentes nahm ich mein Schreibzeug zur Hand, und verfasste sieben Fragen, welche auf den Vorwürfen des Leserbriefes von Oswald Gasser basieren. Des Weiteren schaute ich gleich auf die Einteilung der ganzen nun zu Ende gehenden Saison.

Für solch knifflige Fälle kontaktiere ich stets den „Täfälibuäb“, welcher mir auch diesmal mit Antworten weiterhelfen konnte.

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Auch diesmal wusste der Täfälibuäb gekonnt zu antworten
Bildquelle: unbekannt

Was meint der Leserbrief-Schreiber konkret: Welchen unangenehmen Fragen und Vorwürfen müssen sich der ISV-Vorstand und Thedy Waser stellen?
Sie werden sich der Frage stellen müssen, warum gestandene Eidgenossen relativ einfach zum Kranz kamen, derweil gewisse Athleten auf nicht sportliche Art am Kranzgewinn gehindert wurden. Grosse Unterschiede beim Blick auf die Notenblätter sind leider Tatsache. Und: Der Frage, warum Thedy Waser in der Einteilung untendurch musste und kaum Unterstützung erhielt. Es gilt Ursachenforschung zu betreiben.

Ist dem wirklich so, dass sich der Vertreter des ISV beim Eidgenössischen in Estavayer praktisch nie durchsetzen konnte?
Die Stimmen, die ich hörte, sind eindeutig: In der Einteilung herrschte kein gutes Klima. Beat Abderhalden, und speziell Thedy Waser, waren am Samstagabend nicht mehr gut zu sprechen. Kein Wunder, denn die beiden waren stets in der Minderheit im sechsköpfigen Einteilungsgremium.

Es scheint grad, dass sich hinsichtlich Einteilung bei den letzten beiden ESAF‘s Parallelen zwischen Thedy Waser und dem TK-Chef anno 2013, Geni Hasler, ergaben. Siehst du das auch so?
Eugen Hasler wurde hauptsächlich angeprangert, weil er nicht zu Martin Koch schaute. Der Luzerner belebte das Fest in Burgdorf und fiel dennoch aus den Kranzrängen. Ich sah die Schuld damals nicht bei Geni. Was mir bisher zugetragen wurde: Waser wurde nach Estavayer hauptsächlich innerhalb des eigenen Kantonalverbandes kritisiert, weil er die Ob- und Nidwaldner Schwinger zu hart einteilte. Diese Kritik hat im Blick auf die Notenblätter von Lutz Scheuber oder Martin Zimmermann gewisse Richtigkeit.

Wie liessen sich ungerechtfertigte Einteilungen und Unfairness vermeiden, welche der Leserbrief-Schreiber anspricht?
In Bezug auf die im Leserbrief genannten Schwinger müsste natürlich Thedy Waser persönlich Stellung nehmen. Weiter ist klar, dass nach jedem Eidgenössischen Diskussionen entstehen. Dass man zum Beispiel Martin Zimmermann im letzten Gang den Schwingerkönig Kilian Wenger vor die Nase stellte, war sicherlich nicht angebracht. Im Duell Lutz Scheuber gegen Henryc Thoenen dachte Waser wohl, dass Scheuber diese Chance packen würde. Bei Stefan Stöckli, der kein Eidgenosse zugeteilt bekam, ging man vermutlich davon aus, dass er mit 64,50 Punkten nach sieben Gängen nicht mehr um den Kranz schwingen könnte. Stöckli hat einfach das bestmögliche daraus gemacht und das nötige Glück gehabt.

Ist die Situation für den ISV wirklich so dramatisch, wie man nach dem Studium dieses Leserbriefes meinen könnte?
Nein, dramatisch ist der falsche Begriff. Ich glaube, die Zuständigen im ISV-Vorstand machen einen guten Job. Bei den Innerschweizern macht sich sportlich unweigerlich eine Wachtablösung bemerkbar. Zahlreiche langjährige Teamstützen befinden sich im Herbst ihrer Laufbahn. Sie schwangen in Estavayer nicht schlecht, es ragte aber auch keiner heraus. Die starke 2015er-Saison war schwer zu übertreffen. Dazu fehlten Namen wie Benji von Ah oder speziell Joel Wicki, der das ESAF bestimmt belebt hätte. Am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2015 in Aarburg AG schnitt der Innerschweizer Nachwuchs sehr gut ab, von einem Nachwuchsproblem kann nicht gesprochen werden.

Wie siehst du ganz allgemein die Einteilungs-Arbeit über die ganze Saison betrachtet?
Zu reden gab hauptsächlich die Behandlung der Gästeschwinger an den Teilverbandsfesten: Mit dem unschönen Höhepunkt am Berner Kantonalen, wo Patrick Räbmatter nach Siegen über Willy Graber und Schwingerkönig Matthias Sempach am Abend mit leeren Händen dastand. Wenn man mit Namen bekannter Schwinger Zuschauer anlocken will, sollte man den Athleten nicht bestraffen, nur weil er Gast ist.
Und, wie bereits angesprochen: Am Eidgenössischen war die Einteilung unbefriedigend.

Siehst du Handlungsbedarf hinsichtlich Einteilung, wo der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) aktiv werden müsste?
Der ESV muss dafür besorgt sein, dass der Einteilungspräsident objektiv und sachlich vorgeht. Das war in Estavayer nicht immer der Fall. Nach dem dritten Gang, als die Berner Angst bekamen den Königstitel zu verlieren, spürte man, dass zwei Berner in der Einteilung amteten. Unverständlich war, dass sich die Vertreter der zwei „Kleinen“ (Nordwest- und Südwestschweiz), den Bernern anschlossen. Diese vier-zu-zwei- Situation war spürbar und wurde auf dem Rücken der Athleten ausgetragen.

Der Täfälibuäb ist immer ganz nah beim Geschehen. Kein Wunder bekommt er viel mit und kann richtiggehend aus dem Nähkästchen, respektive in seinem Fall natürlich vom Sägemehlrand, „plaudern“. Einige Aussagen sind hochinteressant und richtiggehend brisant!

Vielen Dank Herr „Täfälibuäb“ für deine wohl überlegten und fundierten Antworten. Ich denke, so können wir uns nun ein besseres Bild über die Einteilung dieser Saison, und im Speziellen beim Eidgenössischen machen.

feldwaldwiesenblogger

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