„Ä chli stinkä muäss äs“ – Gedanken zur Herbstversammlung der Wetterschmöcker

Gestern Freitagabend fand also nun die Herbstversammlung der Innerschwyzer Wetterschmöcker statt. Der Winter soll dem Vernehmen nach viel Schnee und kalte Wintertage mit sich bringen.

wetterschmoeckerDie sechs Wetterpropheten
Bildquelle: basellandschaftlichezeitung.ch

Coop und die Wetterprognosen
Die Kurz-Zusammenfassung der Wetterprognosen für das kommende Winterhalbjahr freut Coop, eines der grössten Detailhandels- und Grosshandelsunternehmen der Schweiz. Die seit einiger Zeit geschaltete Werbung zeigt drei Wetterschmöcker in der Fondue-Pfanne stochern. Martin „Wettermissionar“ Horat meint denn zum Schluss des Spots vielsagend: „Ä chli stinkä muäss äs“. Derweil sich der neue Wetterkönig Peter „Sandstrahler“ Suter über seinen deutlichen Sieg freut. Dieser schaute nämlich lieber aufs Wetter statt aus dem Bodensatz des Fondue-Caquelon zu deuteln…

Ob Coop den Wetterschmöckern einen „harten Winter“ aufschwatzte, um möglichst viele und lauschige Fondue-Abende verkaufen zu können, würden wohl nur die allerbösesten Zungen behaupten.
Gleiches könnte man auch über Herr und Frau Touristiker sagen: Viel Schnee und Weisse Weihnachten und das halbe Wintergeschäft ist gerettet. Die Wetterprognosen sind für vielerlei Leute, Betriebe und Organisationen matchentscheidend. Schlechte Wettervoraussagen, ob sie dann eintreffen oder nicht, schaden nur dem Geschäft.
Ich behaupte aber, dass „unsere“ sechs Innerschwyzer Wetterschmöcker so unbestechlich sind wie der Papst. Höre ich da jemanden lachen?

Frölein Da Capo – die erste Wetterschmöckerin?
Die geheimen und eigenwilligen Beobachtungen aus und in der Natur war bisher eine reine Männersache. Auch in Zukunft? Jedenfalls liess Max Estermann aus Rickenbach LU im Bote der Urschweiz verlauten, dass die Zeit nun reif für eine Wetterschmöckerin sei. Für diesen Job würde er Frölein Da Capo in Betracht ziehen. Aha! Estermann fügte seinem Wunsch zudem an, dass er die Kollegialität und die fröhlichen Leute bei den Versammlungen der Wetterschmöcker schätze: „Es sei wie bei einem Schwingfest.“ Das kann ich nur bestätigen. Und lustig ist es jeweils, denn die sechs zum Teil grossbärtigen Herren spicken ihre Prognosen mit geharnischten Witzen und träfen Sprüchen. Das gefällt dem Publikum. Der Einsiedler Meinrad Kälin meinte denn auch zum „Bote“: „Für mich sind die Wetterschmöcker eine Art Cabaret Rotstift.“ Dazu würde das Frölein(-Wunder) Da Capo aus dem Luzerner Hinterland prima passen.

„Je älter desto reifer“
Diese Aussage trifft nicht nur auf Wein zu. Auch bei den Wetterschmöckern fand es in Form des neuen Wetterkönigs seine Bestätigung. Der 89-jährige Peter Suter aus Ried-Muotathal hatte für die letzten sechs Monate den richtigen Riecher und liess die anderen fünf Mitstreiter ziemlich deutlich hinter sich. Übrigens: Er sieht bereits für kommenden November Schnee bis ins Tal vor. Und: „Die Schneeschaufel bleibt im Hochwinter ein begehrtes Werkzeug.“ Ein harter Winter steht uns also bevor. Ein Hoffnungsschimmer für den Frühling bleibt: „Im Tal weidet das Vieh schon im April.“
Natürlich gibt es, wie immer, auch die anderen Meinungen. Alois „Tannzapfen“ Holdener prophezeit einen niederschlagsarmen Vorwinter. Später recht viel Schnee und kaltes Wetter. Auch er „schmöckt“ bereits schon für März den Frühling. Das klingt doch alles ganz schön, wenn man nicht Fan von einem Endlos-Winter ist.

Ideale Werbeträger?
Ob die sechs Wetterschmöcker ideale Werbeträger sind, wissen nur Petrus respektive entsprechend geschulte Fachleute. Man kann dem Treiben in der Werbung zuschauen oder nicht – dafür gibt es seit je her den berühmten Knopf. Letzte Woche hörte ich jemanden über die Coop-Werbung „wettern“, dass über die „Hobby-Meteorologen“ sowieso zu viel berichtet wird und sie selten bis nie das Wetter „tüpfen“. Ja, und? Bucheli und Co. sehe und höre ich auch täglich. Deren Kurzzeit-Prognosen sind manchmal auch nicht mehr wert als ein Pfifferling. Gehen sie mir deswegen auf die Nerven? Überhaupt nicht. Sie gehören zum Alltag wie die Konfi aufs Brot. So auch die sechs Innerschwyzer Wetterschmöcker. Ich möchte sie überhaupt nicht missen. Für mich sind diese Herren ein kleines Stück Heimat, mit einer gehörigen Portion Schalk und Humor bestückt. Dass sie zudem mit dem Wetter des Schweizers liebstes Gesprächsthema in Beschlag genommen haben, passt ausgezeichnet.

Ich bin schon seit einiger Zeit ein kleiner Fan der Wetterschmöcker. Sonst würde ich nicht in ihrem Sinn eine tägliche Wetterprognose im Muotitaler Dialekt auf Twitter verbreiten. Dabei gilt zu sagen, dass dies nicht mit den sechs abgesprochen ist. Es ist quasi eine im Hintergrund bleiben wollende „Fan-Seite“. Der Spass steht im Vordergrund, und dass man die Wetterprohezeierei wie auch sonst viele Dinge im Leben nicht bierernst nehmen sollte. Petrus macht mit dem Wetter sowieso was er will.

feldwaldwiesenblogger

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