Schwingsport im Tessin: Hat das Schwingen in der Sonnenstube eine Zukunft? (Teil 2)

In einer losen Serie berichte ich über den Schwingsport im Tessin. 2012 wurde der Kantonale Schwingerverband von zwei Elternteilen von Jungschwingern und Edi Ritter gegründet. Am 22. September traf ich mich mit Edi, dem Präsidenten und Technischen Leiter im Centro Sportivo in Tenero. Beim Gespräch war auch der junge Aktive Lorenzo Mignola anwesend.

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Edi Ritter und Lorenzo Mignola vor der kleinen aber feinen Trainingslokalität im Centro Sportivo
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wird der Schwingsport in der Bevölkerung wahrgenommen?
Der Schwingsport ist im Tessin nicht verankert. Er wird aber seit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest ESAF 2010 in Frauenfeld wahrgenommen. Edi erklärt: „Damals fragte mich das Tessiner Fernsehen, ob sie mich als Fachexperten für die TV-Übertragung engagieren können. Bis dahin zeigten sie jeweils nur den Schlussgang eines Eidgenössischen. Ich sagte zu. Vom ESAF in Frauenfeld wurde dann der ganze Samstag- und der ganze Sonntagnachmittag übertragen. Nach diesem Anlass erwachte im Tessin das Interesse am Schwingsport und man wusste nun, dass auch hier geschwungen wird. Das Ganze wurde aber mit einer gewissen Skepsis und Vorsicht registriert.“

Hat der Schwingsport im Tessin eine Zukunft?
Edi, das eidgenössische Ehrenmitglied, meint dazu: „Ja. Mit Leuten wie Lorenzo Mignola, Loris Di Pietro und den anderen hat er eine Zukunft. Weil wir eine kleine Gruppe sind, und ich darauf schaue, dass die Kleinen wie die Grossen einander kennen, zueinander stehen und einander helfen. Ich will auch, dass wir gemeinsam zu den Anlässen reisen, und sie die Gelegenheit haben, miteinander zu reden und weiter zu kommen. Wenn einer einmal wegen Unfall oder Verletzung einige Zeit das Training nicht besuchen kann, ist es immer ein freudiges Ereignis, wenn er wieder kommt. Sie schauen zu einander, was mir sehr wichtig ist. Ich will keine Einzelkämpfer und möchte, dass sie Freude am Sport haben. Es wird kein Leistungsdruck ausgeübt und sie müssen niemandem etwas beweisen. Momentan zählen bei mir Zweige und Kränze noch nicht. Wir sind froh und stolz, wenn ein Schwinger einen Zweig oder Doppelzweig macht. Aber ich führe keine Rangliste darüber. Bei uns darf jeder schwingen, ob er talentiert ist oder nicht.“

Bekommen die Tessiner Schwinger Unterstützung aus der Deutschschweiz?
„Wenn ich möchte, würden wir Unterstützung bekommen, vor allem finanziell“, beginnt Edi zu erzählen. Aber er will nicht, dass der Schwingsport im Tessin so quasi subventioniert wird. „Wir müssen uns das selber erarbeiten. Nur wenn wir das selber schaffen, können wir auch dahinter stehen und stolz darauf sein. Wenn wir alles annehmen würden, wäre die Wertschätzung nicht so, wie wenn wir es selber machen würden.
Technische Unterstützung benötigen wir keine, da ich diese selber reinbringe. Und wie man einen Verband zu führen hat, weiss ich mittlerweile auch.“

Wer half Edi Ritter 2009, den Tessinern den Schwingsport zu zeigen?
Der ehemalige Schwinger und Ringer erläutert: „Die nächsten sind für uns die Urner, respektive die Erstfelder. Der ehemalige Präsident vom Schwingklub Erstfeld, Robi Indergand, war zu der Zeit Urner Kantonalpräsident, als ich Präsident vom Basellandschaftlichen Kantonalverband war. Solche Kontakte bestehen gewöhnlich ein Leben lang. Als ich 2009 angefragt wurde den Tessinern den Schwingsport im Centro Sportivo zu zeigen, war mein erster Gedanke: Sägemehl und Schwinghosen müssen zuerst zur Verfügung stehen. Weiter nahm ich das Telefon zur Hand, und rief Robi Indergand an. Ich erklärte ihm die Situation und fragte, ob er nicht mit etwa sechs Schwingern kommen könnte. Die Erstfelder Kollegen kamen darauf 2009, 2010 und 2011 ins Centro Sportivo und halfen mit, das Schwingen im Südkanton zu demonstrieren. Sogar der Urner Eidgenosse Andi Imhof war dabei. Uns ging es am Anfang nicht darum, einen Verband oder Klub zu gründen. Wir wollten den Leuten im Tessin einfach den Schwingsport zeigen. Ich bin nämlich nicht mit der Absicht ins Tessin gezogen, um hier etwas aufzuziehen.“

Welche Schwierigkeiten und Probleme bereiten dem Tessiner Kantonalen Schwingerverband Sorgen?
„Ein Problem bereitet uns im Winter die Trainigslokalität“, beginnt Edi. Und weiter: „Uns steht auf dem Gelände des Centro Sportivo ein kleiner Raum zur Verfügung. Um meine Philosophie mit 12 bis 14 Schwingern weiter zu verfolgen, überkreuzen wir beim Wintertraining die Trainingsstunden. Wir beginnen um 18 Uhr und schwingen mit den Kleinen bis 19 Uhr. Die Grossen starten mit dem Training um 19 Uhr, welches um 21 Uhr endet. Die grösseren Schwinger kommen aber schon vorher und helfen den Kleinen. Ich will, dass sie sich auch im Winter sehen und Kontakt miteinander pflegen. Das funktioniert bestens. Bedingt durch die kleine Räumlichkeit haben wir das so gelöst. Hätte ich einen grösseren Trainingsraum zur Verfügung, würde ich mit den Kleinen von 18 bis etwa 20 Uhr voll durch trainieren. Im Sommer sieht das anders aus. Wir haben einen grossen Sägemehlplatz auf dem Gelände und trainieren auf diesem.
Da ich kürzlich ein scharfes Email geschrieben habe, wird man nun wohl einen Weg suchen, um uns entgegenzukommen. Die Verantwortlichen hier haben nämlich auch mitbekommen, dass wir vor einem Grossanlass wie dem Eidgenössischen von verschiedenen Radio- oder TV-Stationen mehr interviewt wurden als all die Fussballer. Die Burschen sind fast halbe Medienstars geworden. Von unserer Seite her fördern wir das aber nicht.“

In den Tessiner Printmedien werden ihre Schwinger aber immer noch relativ stiefmütterlich behandelt. Sie haben niemanden, der über sie schreibt. Das sieht bei den Print-Medien aus der Deutschschweiz anders aus: Der SCHLUSSGANG, Blick oder andere Zeitungen interessieren sich für sie und berichten darüber. Laut Edi wahrscheinlich auch deswegen, weil die Tessiner Schwinger in gewisser Weise Exoten sind. Vergleichbar mit den Jamaikanern im Bob-Sport.

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Wie geht es eigentlich Benji von Ah?

Benji von Ah war einer der grossen Abwesenden beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Estavayer. Aber nicht nur dort. Der bärenstarke Turnerschwinger verletzte sich beim Nordostschweizerischen Schwingfest (NOS) in Wattwil unglücklich am linken Ellbogen. Die Saison war nach dem 26. Juni für Benji leider vorbei. Seither ist es still um den bärtigen Obwaldner geworden. Zeit, bei Benji nachzufragen. Der SBB-Spezialmonteur stand mir anfangs Woche am Telefon zu sieben Fragen Rede und Antwort.

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Benji von Ah, einer der bärenstarken Obwaldner
Bildquelle: schaererphotographs.ch / schwingenonline.ch

Benji, wie geht es dir? Ist die am Nordostschweizerischen erlittene Verletzung am linken Ellbogen vollständig ausgeheilt? Wie verlief der Heilungsprozess?
Es geht mir prima und bis jetzt ist alles gut verlaufen. Der Heilungsprozess schritt ebenfalls gut voran. Ich wurde im Inselspital Bern operiert, nachdem ich beim NOS am Ellbogen eine Bänderzerrung und einen Muskelabriss erlitt. Anschliessend absolvierte ich Physiotherapie, welche ich immer noch bestreite. Stand heute ist am Ellbogen alles wieder gut, und ich kann ihn wieder voll belasten. Ich bin aber noch vorsichtig. Zudem fehlt noch die Kraft, welche aber bis im neuen Jahr aufgeholt sein sollte.

Laut Information auf deiner Homepage durftest du den Ellbogen während dreier Monate nicht belasten. Hast du im Herbst bereits wieder trainiert?
Ich trainiere seit dem Herbst wieder normal. Nach der Operation machte ich wie erwähnt Physiotherapie und begann bald wieder mit Krafttraining. Am Anfang trug ich noch eine Schiene und trainierte nur die Körperpartien vom Rumpf abwärts. Nachdem mir die Ärzte grünes Licht gaben, nahm ich auch das Training im oberen Bereich und an den Armen wieder auf.

Wie war eigentlich deine Gefühlslage, als dir klar wurde, dass du am Eidgenössischen nicht starten konntest?
Natürlich nicht grad super. Ich habe beim Nordostschweizerischen gleich vermutet, dass es in dieser Saison nicht mehr weitergehen wird. Es gab eine starke Blutung und der ganze Ellbogen lief blau an. Die Situation war extrem bitter für mich. Ich habe mich aber leider schon ein bisschen daran gewöhnt, eine Saison nicht beenden zu können. Das kam in anderen Jahren wegen Verletzungen leider auch schon vor.

Beim ESAF warst du zum Zuschauen gezwungen. Was meinst du: Wieso hat auch diesmal kein Innerschweizer den Königstitel geholt?
Das ist schwierig zu sagen. Das nötige Wettkampfglück fehlte den Innerschweizern sicher ein wenig. Zudem drehten in Estavayer die beiden Nordostschweizer Armon Orlik und Sämi Giger gehörig auf. Die Berner „schmuggelten“ immerhin einen der ihren in den Schlussgang. Christian Schuler war sicher sehr gut unterwegs, bis ihm Remo Käser den „Knebel“ reinhielt. Vielleicht klappte das mit dem Königstitel auch deswegen nicht, weil zwei starke Innerschweizer fehlten… (Benji schmunzelt, und spielt damit auf das verletzungsbedingte Fehlen von Joel Wicki und ihm an…).

Ich habe das Gefühl, dass du auch schon stärkere Jahre hattest. Wie beurteilst du rückblickend deine Saison 2016?
Für mich war der Saisonverlauf bis zum verletzungsbedingten Ende im grünen Bereich. Ich muss zu deiner Kritik aber sagen, dass ich mein Training auf die zweite Saisonhälfte hin ausgerichtet habe. In der Vorbereitung trainierte ich härter als sonst. Schwingerkönig Matthias Glarner hat das übrigens ähnlich gemacht. Ich habe das intensivierte Krafttraining bis zum Beginn der Kranzfestsaison gezogen und erst danach mit dem Training der Schnellkraft begonnen. Das ergab eine Verzögerung von zwei bis drei Wochen. Überdies war es mir bei den Frühlingsfesten noch nie wirklich gut gelaufen. Mein Ziel wäre schon aufgegangen. Nur konnte ich leider nicht mehr zeigen, was ich mir erarbeitet habe. Letztes Jahr habe ich gezielt auf den Saisonhöhepunkt Brünig-Schwinget hin trainiert.

Hast du mit dem Winter-Training bereits begonnen? Wie wird das aussehen?
Ja, das Winter-Training wurde gestartet. Vor zwei Wochen haben wir mit dem Schulschwingen begonnen. Dabei geht es mir darum, wieder Sicherheit zu bekommen, auch wegen dem nun genesenen Ellbogen. Zudem trainiere ich Kraft und Kondition. Die Woche ist ausgeplant, denn ich trainiere derzeit fünf bis sechs Mal wöchentlich. Das sind zwei Schwingtrainings, zwei bis drei Mal Kraft- und einmal Konditionstraining. Manchmal trainiere ich auch zweimal am Tag, zum Beispiel am Freitag. An diesem Tag habe ich sowieso früher Feierabend.

Wie sehen deine Ziele für 2017 aus? An welchen Schwingfesten wirst du starten?
Mein Ziel ist es, den Einstieg wieder gut zu finden. Dann möglichst viele Kränze zu gewinnen. Weiter die Qualifikation für den Unspunnen-Schwinget zu schaffen und dort eine gute Klassierung zu erreichen. Fix terminierte Schwingfeste sind das Ob-/Nidwaldner Kantonale, „unser“ Innerschweizerische in Beckenried NW und der Brünig-Schwinget. Diese drei Schwingfeste sind für mich jedes Jahr gegeben. Die anderen Festtermine weiss ich zurzeit noch nicht genau.

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Benji von Ah auf dem Weg zur Schwingerbar an der Hinterthaler Chilbi
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Mein Dank geht an Benji von Ah für seine interessanten Aussagen. Unlängst traf ich den Giswiler an der Hinterthaler Chilbi im Muotatal an. Ich war dort als Fotograf unterwegs und Benji auf dem Weg zur beinahe landesweit bekannten Schwingerbar. Diese vom Schwingklub Muotathal seit mehreren Jahren betriebene Chilbi-Lokalität zieht immer wieder den einen oder anderen prominenten Schwinger an. Was mich besonders freute: Der bald 30-Jährige wusste am Telefon sogleich, wer ich bin und erinnerte sich an unsere Begegnung.
Ich wünsche Benji, dass seine Ziele für 2017 in Erfüllung gehen und dass er die Saison gesund abschliessen kann. Wer weiss, vielleicht sogar als Unspunnen-Sieger?

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Schwingsport im Tessin: Gründung des Kantonalen Schwingerverbandes (Teil 1)

Wie das Engadin oder das Oberwallis zählt man auch das Tessin zu den Randregionen im Schwingsport. Nach dem Besuch im Engadin fuhr ich auch ins Tessin. Im Centro Sportivo in Tenero traf ich mich mit Edi Ritter. Der schwingbegeisterte Mann ist Präsident sowie Technischer Leiter Aktive und Jungschwinger des Tessiner Kantonal Schwingerverbandes. Edi ist im Baselbiet aufgewachsen, hat aber familiäre Wurzeln im Tessin. 2001 zog er in die Sonnenstube und liess sich dort nieder.

Kein Unbekannter in der Schwingerszene
Der bald 66-Jährige war selber Schwinger, Nationalturner und Ringer. In der Sportart Ringen kam er in jungen Jahren zu Kranz- und Medaillenehren. Nach seiner Aktivkarriere war Edi Jungschwinger-Leiter, Technischer Leiter und Vorstandsmitglied beim Schwing-Klub Pratteln. Später wurde er Kampfrichter, irgendwann sass der der gebürtige Berner-Seeländer im Kantonalvorstand und schaffte es bis zum Kantonalpräsidenten. Seit 1999 ist der schnauzbärtige Mann Doping-Kommissionspräsident des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV). Dieses Amt hat er noch bis Ende Jahr inne. Edi ist sogar ESV-Ehrenmitglied und ist seit praktisch 50 Jahren dem Schwingsport verbunden.

In loser Folge berichte ich in nächster Zeit über den Schwingsport im Tessin und was ich beim Interview mit Edi Ritter erfuhr.

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Edi Ritter im Trainingslokal auf dem Campus des Centro Sportivo
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Seit wann gibt es den Kantonalen Schwingerverband Tessin? Wer hat ihn gegründet?
Edi erklärt: „Den Schwingerverband Tessin gibt es seit 2012. Gegründet wurde er von zwei Elternteilen von Jungschwingern, welche 2011 mit dem Schwingen begannen, und mir. Diese jungen Sportler sind übrig geblieben nach der Sportissima im Jahr 2011. Die Sportissima findet jedes Jahr am ersten Septembersonntag hier auf dem Gelände des Centro Sportivo statt. Dabei können bis zu 47 verschiedene Sportarten ausprobiert werden. 2009 bot ich an der Sportissima zum ersten Mal die Sportart Schwingen an. 2010 machte ich das wieder und nach der Sportissima 2011 sind vier junge Sportler geblieben, welche weiterschwingen wollten. Ich sagte zu ihnen: Wenn ihr am nächsten Mittwoch mindestens zu viert kommt, trainiere ich mit euch. Es kamen dann fünf Interessierte. Darauf haben wir während dem ganzen nächsten Winter geschwungen. Zwischen Weihnachten und Neujahr schrieben wir die Statuten. 2012 konnten wir auf Anfrage beim Innerschweizerischen Schwingerverband (ISV) bei einem Jungschwingertag teilnehmen. Ich habe in der Folge die fünf Jungschwinger versichert und wir gründeten den Tessiner Schwingerverband. Als Angehörige des ISV wurden wir probeweise bis 2018 aufgenommen, dies ohne Einschränkungen. Ganz im Gegenteil: Ich bin im ISV-Vorstand und in der Technischen Kommission der Jungschwinger. Ich habe wohl kein Stimmrecht, was aber nicht heisst, dass ich kein Rederecht habe. Wir dürfen auch an sämtlichen Anlässen teilnehmen.“

Wieso wurde gleich ein Kantonaler Schwingerverband gegründet, und nicht bloss ein Klub?
„Das ist ganz bewusst so. Als wir diesen gründeten, habe ich darauf gedrückt, dass wir ein Kantonalverband werden“, erläutert Edi. Und weiter: „Wenn du von Norden nach Süden fährst, hat es in Bellinzona drei Burgen: Uri, Schwyz und Unterwalden. Dort drin haben die Landvögte gewohnt. Diese haben über Jahrhunderte die Tessiner geknechtet. Den Tessinern hat das natürlich nicht gepasst, und sie konnten sich nicht befreien. Wir hätten uns als Klub auch den Urnern anschliessen können. Ich weiss, dass die Urner uns nicht „gevogtet“ hätten. Aber um das Selbstbewusstsein der Tessiner zu stärken, habe ich klar gesagt: Wir machen einen eigenen Verband, auch wenn er noch so klein ist. Schaffhausen, Genf und Basel-Stadt haben übrigens ebenfalls kleine Kantonalverbände. Die Basel-Städter haben sogar weniger Schwinger als wir. Zudem spielten auch zwei wichtige Überlegungen mit: Wenn wir mal dabei sind, haben wir unser Stimmrecht und bei Grossanlässen profitieren wir auch vom Ticket-Verteiler.“

Im Tessin wurde in der Vergangenheit auch schon geschwungen
Eine Schwingtradition gibt es im Tessin nicht. Es gab aber Deutschschweizer, welche einst in der Sonnenstube schwangen. Dies waren vorwiegend solche, welche bei der Bahn arbeiteten und 1922 den Schwingklub Airolo gegründet haben. Wie mir Edi erzählte, wurde um 1895 auch in Bellinzona dem Schwingsport gefrönt, und es soll dort auch mal einen Schwingklub gegeben haben. Diese Angaben finden sich übrigens in der Chronik zum 100-jährigen Bestehen des Innerschweizerischen Schwingerverbandes. Als die Bahnarbeiter in ihre angestammten Lande in der Deutschweiz zurückkehrten, war es mit der Schwingerei im Tessin vorbei. Denn: Sowohl in Airolo wie auch in Bellinzona schwangen scheinbar keine Einheimischen mit. In den alten Schriften kann man auch nachlesen, dass Edi nicht der Erste vom Tessin ist, welcher Einsitz im ISV-Vorstand nimmt. Ein Herr Motta soll nämlich dereinst dem Gremium angehört haben.
Wie wir nun wissen, war Edi Ritter massgeblich daran beteiligt, dass das Schwingen im Tessin wieder belebt wurde. 1937 und 1971 fanden zudem Propaganda-Schwingfeste im Tessin statt. Edi ergänzt: „Diese Feste waren nicht nachhaltig. Es muss aber jemand sein, der das weiterträgt. Denn ein Fest organisieren ist das eine. Die Zukunft des kleinen Schwingerverbandes sind unsere Schwinger. Wenn diese ebenfalls vom Schwing-Virus befallen werden wie ich, dann geht das weiter. Die jungen Tessiner wachsen nun langsam in den Schwingsport hinein.“

Ist Edi Ritter ein Einzelkämpfer im Tessin?
Im SCHLUSSGANG (Nummer 18 vom 17. November 2015) konnte man unter anderem lesen, dass Edi ein Einzelkämpfer ist, und vieles von ihm abhängt. Wie sieht er das? Würde ohne ihn nicht viel laufen? Edi erläutert: „Man müsste die Frage vielleicht so stellen: Sollte ich an einem Herzinfarkt sterben, würden die Jungs nächsten Mittwoch ins Schwingtraining gehen? Würde die festgelegte Generalversammlung vom kommenden Dezember durchgeführt? Ich meine ja. Wenn jemand unseren Sport kennt, dann weiss er, dass nicht nur Sägemehl, Schwinghosen, zwei Schwinger, drei Kampfrichter und ein Verpflegungsstand dazugehören. Das braucht viel mehr dazu. Wir haben zudem ganz klare Strukturen auf den verschiedenen Verbandsebenen. Von diesen Strukturen soll man, will man und kann man nicht abweichen, denn sie funktionieren. Das sind natürlich Dinge, welche die Jungen noch zu wenig sehen und kennen. Sie sind erst seit drei oder vier Jahren dabei. Aber: Man sieht am Beispiel von den beiden jungen Aktiven Lorenzo Mignola und Loris Di Pietro, dass der Schwingsport im Tessin weitergetragen wird. Ich habe sie nicht überreden müssen, einen einwöchigen J+S-Basiskurs zu besuchen, damit sie später Trainings leiten können. Das ist ein Schritt vorwärts. Das heisst, die beiden werden künftig immer mehr vom Technischen übernehmen. Lorenzo teilt mit mir bereits die Instruktor-Aufgaben hier im Centro Sportivo. Das ist die Zukunft, und sie haben bereits den Schwingsport-Virus.“

Der Tessiner Schwingerverband zählt mittlerweile 151 Mitglieder. Etwa 55 Prozent der Mitglieder sind Tessiner, 45 Prozent Deutschschweizer von ennet dem Gotthard. Unter den Deutschschweizer Mitgliedern befinden sich acht Eidgenössische Ehrenmitglieder, auch aus anderen Teilverbänden. „Das ist einfach eine tolle Sache, dass diese uns unterstützen“, schwärmt Edi. „Das Interesse an unserem Schwingerverband ist in der Deutschschweiz sehr gross.“

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Muss sich die Welt vor US-Präsident Donald Trump fürchten?

Ich reibe mir immer noch die Augen, und denke: Das kann doch gar nicht sein. Und doch ist Trump nun Wirklichkeit. Er wird mit seiner Gefolgschaft am 20. Januar 2017 ins Weisse Haus einziehen, wo er gestern bereits zu Besuch bei Obama war. Ob da auch Details zum Umzug besprochen wurden? Nein, Spass beiseite. Weltweit machen sich Menschen Gedanken, wie eine Präsidentschaft von Trump wohl werden wird. Den Menschen, welche sich sorgen, Ängste, Bedenken und gar Furcht haben, wird momentan am meisten Gehör geschenkt. Kein Wunder: Angefangen vom Papst bis hin zum französischen Präsidenten Hollande hört man nach der Wahl von Besorgnis, Mauerbau oder gar Brechreiz. All dies kann einem ganz schön Angst und Bange machen.

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Donald Trump, der 45. US-Präsident
Bildquelle: news.at

Morgenspaziergang rund ums verschneite Muotathal
Über Donald Trump, den 45. US-Präsidenten, und seine schier unglaubliche Wahl erfährt man dieser Tage extrem viele Fakten. Alle möglichen Experten krochen aus ihren Löchern und geben ihren Senf dazu ab. Ich habe mir beim morgendlichen Spaziergang rund ums verschneite Muotathal auch so meine Gedanken gemacht. Natürlich will ich keine Zusammenfassung über das Gelesene, Gesehene und Gehörte schreiben. Zu diesen Fakten habe ich mir aber sehr wohl eine Meinung gebildet. Ich gebe vorweg zu, dass ich als Abonnent am meisten in der Weltwoche gelesen habe. Aber: Zur Ergänzung zog ich mir natürlich auch andere Medien rein. So zum Beispiel NZZ Online oder die Tagesschau vom Schweizer Fernsehen.
Bei all diesen Betrachtungen drängt sich bei mir eine Frage am meisten auf: Muss sich die Welt vor US-Präsident Donald Trump fürchten? Ich meine Nein. Sicher ist aber nur das Amen in der Kirche.

Gräben tun sich nicht erst jetzt auf
Trump’s Wahl ist für die meisten Europäer nicht zu begreifen. Dennoch versuche ich zu verstehen, oder zumindest im Ansatz. Gräben tun sich nicht erst jetzt, nach Trumps Erfolg über Clinton, auf. Diese wurden schon länger aufgerissen. Und zwar von der unsäglichen politischen Kaste in Washington. Von diesem sogenannten Establishment haben aber so dermassen viele Leute die Schnauze voll, dass Trump gerade richtig kam. Dazu muss man leider auch die Medien zählen, welche Trump als „korrupt“ bezeichnete.
Man kann behaupten, dass die Nichtwahl von Clinton in erster Linie eine Absage ans Establishment bedeutet. Die vielen Menschen im Lande wollen vermutlich nicht unbedingt Trump, noch weniger aber wollen sie eine typische Vertreterin des Polit-Lügenpacks in Washington. Man hörte viele Gutmenschen, darunter auch etliche Prominente, wie sie die Stimme für Clinton ergriffen. Das aber war wohl ein entscheidender Fehler. Denn diese Leute stammen auch vom verhassten Klüngel, leben mit ihresgleichen in ihrer eigenen Welt, und haben keine Ahnung, wo dem „Volk“ der Schuh drückt. Den Milliardär Trump aber nun als einen Mann des Volkes zu bezeichnen wäre mehr als vermessen. Der Unternehmer wusste aber, wie er die Ängste, Sorgen und Nöte des kleinen Mannes bewirtschaften kann. Er machte sich für sie zum Sprachrohr und Ventil.

Die stille Revolution
Man darf getrost behaupten, dass Trump von der schweigenden Masse gewählt wurde. Die Menschen haben ihre Chance gepackt und im Stillen eine Revolution durchgeführt. Donald Trump zerschlug zwar während dem Wahlkampf so ziemlich alles Geschirr, dass ihm in den Weg gestellt wurde. Er beleidigte und verschmähte alle möglichen Gruppierungen. Frauen, Ausländer, angehörige von anderen Religionen: Sie allen bekamen ihr Fett ab. Von aussen betrachtet ist so ein Mensch schlicht nicht wählbar, geschweige denn in der Lage Verantwortung zu übernehmen.
Dennoch: Bei all dem Lärm rund um sein Tun und Wirken hat er sich nie gegen den kleinen Mann und das Volk gestellt. Diese blieben verschont von seinen Tiraden. So wie ich das beobachtete, schützte er diesen Kern auf seiner anderthalb jährigen Wahlkampf-Tour. Mehr noch: Seinen Siegeszug baute er auf sie, die schweigende Mehrheit. Denen kam das nämlich gerade recht, dass einer die da oben mal so richtig aufs Korn nimmt. Sie mit Schimpf und Schande eindeckt. Endlich getraute sich einer, dass zu sagen, was vermutlich Millionen von US-Bürgern auch mal gerne tun würden: Dass Amerika nämlich langsam aber sicher vor die Hunde geht.

Wie geht es nun weiter?
Kann Trump all seine Versprechen einhalten? Wird er den Polit-Betrieb in Washington so richtig aufmischen? Niemand weiss das, vermutlich nicht mal Trump genau. Der Wahlkampf aber ist vorbei und der Pulverdampf am Verrauchen. Die ersten Worte nach der Wahl und das Treffen gestern mit Obama lassen darauf schliessen, dass der Mann auch versöhnliche Töne kennt. Und ja, er hat ein Programm. Obwohl er einiges davon während dem fast nicht mehr enden wollenden Wahlkampf so ziemlich auf den Kopf gestellt hat. Seine Kernanliegen wie die Grenz-Mauer zu Mexiko, weniger Engagement im Ausland, tiefere Steuern, mehr Jobs für Amerika, Investitionen in die eigenen Strukturen, das Hinterfragen von internationalen Handels-Abkommen und das Sich gut-Stellen mit Putin wiederholte Trump aber Mantra-mässig. Wenn das nicht der Ansatz eines Programmes ist, dann ist dem neuen US-Präsidenten nicht zu helfen.
Wie man aus der heutigen Presse erfuhr, sind bereits einige Namen wie Rudy Giuliani oder Newt Gingrich im Umlauf. Sie sollen dereinst wichtige Posten bekleiden.

Die Ungewissheit bleibt
Zugegeben, die Ungewissheit bleibt. Aber wie eingangs gefragt und weiter oben ganz kurz mit „Ich meine Nein“ beantwortet, kocht auch Donald Trump nur mit Wasser. Um einen Krieg anzuzetteln, eine Atombombe zu zünden und die ganze Welt ins Chaos zu stürzen, braucht es sehr viel Zerstörungswut und einen absolut krankhaften Geist. Beides sehe ich eigentlich nicht. Zudem ist die USA immer noch eine funktionierende Demokratie. Wichtige Entscheide muss auch der eben gewählte US-Präsident weiterhin durchs Zweikammer-Parlament mit Repräsentantenhaus und Senat bringen. Mehr noch: Sie haben einige Kontrollfunktionen gegenüber dem Präsidenten.
Trump behauptet stets, dass er sein Land liebt. Das kann er nun unter Beweis stellen. Der mächtigste Mann der Welt soll dem Volk und seinen Wählern aber auch beweisen, dass er es ernst gemeint hat. Wie weit Trump das Washingtoner Establishment vom hohen Ross zu holen vermag, wird sich zeigen. Er jedenfalls darf sich mit seinem zukünftigen Stab nicht noch weiter von der Basis entfernen, ganz im Gegenteil. Gelingt ihm eine Annäherung ans Volk, kommt vieles gut. Denn einige seiner Anliegen wie die Job-Beschaffung, weniger Engagement im Ausland oder Investitionen in die eigene Infrastruktur klingen nicht so verkehrt.
Das Prinzip Hoffnung hat sich in mir breit gemacht.

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Auf der Suche nach schwingerischen Objekten: Besuch im Schweizer Sportmuseum

Am 28. Oktober stattete ich dem Schweizer Sportmuseum in Münchenstein BL einen Besuch ab. Schweizer Sportmuseum? Auf deren Homepage findet man folgende Erklärung: „Das Sportmuseum Schweiz ist als sogenanntes «Begehlager» mit öffentlicher Objektsammlung, den Archiven, einer Dauer- und Sonderausstellung und dem Museumskaffee auf dem Basler Dreispitz zuhause.“ Zum Begehlager erfährt man: „Das Sportmuseum zeigt seine hervorragende Sammlung zur Kulturgeschichte des Schweizer Sports. Auf über 800m2 sind mehrere zehntausend Objekte und zahlreiche Archive in einem begehbaren Lager zugänglich.“ Was mir in Münchenstein sofort auffiel: Dieses Museum ist persönlich, klein und fein.

Vorgeschichte
Vom Schweizer Sportmuseum hatte ich bis zur Realisierung der „Schwingerbildli“ („DER SCHWINGERKÖNIG – SAMMELBOX & Sammelbuch“) noch nie gehört. Projektleiter Patrick Gut erklärte mir diesen Februar, dass das besagte Museum auch mit von der Partie sei und sie im Jahr 2010 gar die Idee dazu hatten. Diese Information, respektive das Existieren eines solchen Museums, welches sich in den Schwingsport einbringt, merkte ich mir für später. So meldete ich mich kürzlich bei den Verantwortlichen, fragte nach schwingerischen Objekten und vereinbarte einen Besuchstermin. Hans-Dieter Gerber (Museumsleiter ad interim) händigte mir vor dem Besuch fünf Listen mit Objekten aus, welche sie über den Schwingsport vor Ort haben. Dazu gehören „Abzeichen“, „Festkarten/Postkarten/Plakate“, „Fotografien“, „Grafische Darstellungen“ und „Objekte“.
Laut den Listen sind das etliche Objekte. Gerber erklärte mir, dass diese Objekte nicht „ausgestellt“ seien, sondern eingelagert in ihrem „Begehlager“. Er versprach mir aber, eine kleine Auswahl zu treffen, welche ich besichtigen und fotografieren konnte.

tisch-mit-objektenEin Tisch voller Objekte über den Schwingsport
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Lukas Märki und seine Masterarbeit
Bei der Besichtigung der Objekte betreute mich Lukas Märki, zurzeit Mitarbeiter im Schweizer Sportmuseum. Ich stellte bald fest, dass der junge Mann äusserst viel aus der Vergangenheit des Schwingsportes wusste. Seine Erklärung dazu: Er studierte Sportwissenschaften an der Uni Basel und verfasste eine Masterarbeit mit dem Titel „Schwingen und Turnen – Das wechselseitige Verhältnis von Schwingen und Turnen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“. Die für mich ideale Auskunftsperson in Münchenstein. Nebst seinen Ausführungen zu einzelnen Ausstellobjekten lieferte er auch tiefgründige Erklärungen. Wissen, welches er sich bei den Arbeiten rund um seine Masterarbeit angeeignet hatte. Märki händigte mir hinterher dankenswerter Weise seine Masterarbeit aus.

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Lukas Märki, Verfasser einer Masterarbeit übers Schwingen und Turnen
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Verschiedene Ausstellobjekte
Lukas Märki suchte zwei Abzeichen aus dem Museumssortiment heraus und erklärte: „Wir haben viele Abzeichen im Sortiment. Das ist eines der ältesten, welches ich in der Liste gefunden habe. Anscheinend von einem Schwingfest in der Romandie, 1873 in Freiburg. Das andere Abzeichen stammt vom Berner Kantonalen Schwingfest 1937.“
Des Weiteren legte der Sportwissenschaftler drei Postkarten-Beispiele bereit. Märki dazu: „Von den Beispielen her Basel- und Norwestschweiz-lastig, da diese hier im Museum auch zentral gesammelt worden sind. Hier haben wir eine Postkarte vom Eidgenössischen Schwingfest in Basel 1898, mit offiziellem Festabzeichen. Auf der Rückseite der Karte ist sogar das Programm aufgedruckt. Weiter fand ich eine Fotopostkarte von 1940, mit einem Porträt des Kranzschwingers Friedrich Stalder, einem Turnerschwinger vom Schwingerverband Basel-Stadt. Von diesen Postkarten befinden sich ebenfalls etliche im Besitz des Schweizer Sportmuseums.“

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Postkarte vom Eidgenössischen Schwingfest in Basel 1898, mit offiziellem Festabzeichen
Bildquelle: Schweizer Sportmuseum / feldwaldwiesenblogger

Zu einem Kleinplakat weiss Märki folgendes zu berichten: „Dieses ist deshalb interessant, weil 1912 an einem Eidgenössischen Turnfest ein Schwinger auf dem Plakat abgebildet ist. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Schwingsport innerhalb des Turnverbandes schon damals an Bedeutung gewonnen hat. Ich schrieb in meiner Masterarbeit unter anderem darüber, dass im 19. Jahrhundert die Turner das Schwingen in den Turnsport importierten. Die Turner haben sich demzufolge bei den Schwingern bedient.“
Ein grösseres Plakat weist für den Mai 1943 auf einen Mittelländischen Jubiläums-Schwinget im Stadion Wankdorf hin.

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Plakat Mittelländisches Jubiläums-Schwinget (Mai 1943)
Bildquelle: Schweizer Sportmuseum / feldwaldwiesenblogger

Fotografien wurden im Sportmuseum viele digitalisiert. Spannend ist eines der Bilder, welche mir Märki bereitlegte. Auf einem erkennt man Willy Lardon beim Eidgenössischen Turntag in Luzern (vermutlich 1945), welcher seinen gefährlichen Nackengriff anbringt. Lardon gewann 1943 das ESAF in Zug. Sehr oft gibt es keine Informationen zu den alten Fotografien, wer sie fotografiert hat, wo das Schwingfest stattfand oder wer sich auf den Fotos befindet. Manchmal stand nur dazu geschrieben: „Schwinger im Sägemehl.“
Zu den sogenannten Objekten erläuterte Märki: „Bei den Objekten habe ich nur diesen Pokal gefunden. Ein Pokal ist an Schwingfesten sonst unüblich. Der kelchförmige Silberpokal ist von einem Schwingfest, welches am 10. Mai 1903 in Baden stattfand.“

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Silberpokal von einem Schwingfest in Baden (Mai 1903)
Bildquelle: Schweizer Sportmuseum / feldwaldwiesenblogger

Grafische Darstellungen
Grafische Darstellungen hat es ebenfalls einige im Museum. Dazu Lukas Märki: „Das ist ein spannendes Beispiel, welches mir bei der Durchsicht in die Hände kam. Eine Farblithografie aus dem 19. Jahrhundert, mit dem Titel „Zwei Schwingerpaare mit Zuschauern in Alpenlandschaft“. Darauf erkennt man oben links das Banner mit dem Turnerspruch „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“. Dieses Bild stellt für mich bereits die Symbiose zwischen Schwingen und Turnen dar. Es gab damals beiderlei, und dass in einem städtischen Kontext plötzlich auch geschwungen wurde. Obwohl das Schwingen damals auf die Alpen- und Voralpen-Regionen beschränkt war.“

farblitografieFarblithografie: „Zwei Schwingerpaare mit Zuschauern in Alpenlandschaft“
Bildquelle: Schweizer Sportmuseum / feldwaldwiesenblogger

Zu einer sehr interessanten Darstellung erklärte der Museums-Mitarbeiter: „Bei meiner Masterarbeit wurde ich öfters mit diesem Bild konfrontiert, welches das Ostermontagsschwinget 1785 in Bern auf der Grossen Schanze darstellt. Im 19. Jahrhundert wird dieser Anlass so quasi zum ersten zentralen Schwingfest der Berner. Das Schwingfest auf der Grossen Schanze fand schon im 18. Jahrhundert statt. Gemäss meinen Recherchen wurde im 19. Jahrhundert dies der erste Anlass, wo die Sennenschwinger gemeinsam mit den Turnern schwangen. Die Sennen wie Turner haben bis dahin mehrheitlich untereinander geschwungen. Der Ostermontags-Schwinget weist eine lange Tradition mit Umzug und Fest auf, und wird anfangs 19. Jahrhundert durch die Teilnahme der Turner neu ausgerichtet. Speziell ist die Tatsache, dass es am Ostermontags-Schwinget Preisgelder gab. Das wurde damals kritisiert, weil dies nichts mit einem ursprünglichen Schwingfest zu tun habe, an welchen sonst keine Preisgelder üblich waren. Beim Lesen der dazugehörigen Quellen erinnerte mich das an die Diskussion: „Wie urchig kann der Schwingsport bleiben, wenn er sich doch bereits zum Spitzensport entwickelte und dabei Geld immer wie wichtiger wird?“ Wie man sieht, fanden ähnliche Diskussionen schon im 19. Jahrhundert statt.“

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Darstellung des Ostermontagsschwingets 1785 in Bern auf der Grossen Schanze
Bildquelle: Schweizer Sportmuseum / feldwaldwiesenblogger

Lukas Märki bemerkte zum Schluss meines Besuches: „Das Sportmuseum hat vor kurzem hierher gezügelt und die Sammlung ist noch nicht komplett digital inventarisiert.“ Dieser Hinweis verknüpfte der sportinteressierte Mann mit einem Rundgang durch das ganze Museum samt Begehlager. Dabei wies er mich darauf hin, dass das Sportmuseum Schweiz auch die Möglichkeit hat, auf Beiträge der Schweizer Filmwochenschau zuzugreifen. Diese enthalten auch Beiträge über den Schwingsport.
Ach ja: Vor dem Fotografieren wurde ich dazu angehalten, die Objekte als Schutz nur mit Handschuhen zu bewegen. Natürlich habe ich dem Folge geleistet. Denn man darf nicht vergessen, wie kostbar und einmalig solche historischen Stücke sind. Ein Stück Schweizer Geschichte. Tragen wir Sorge zu dem!

Ich bedanke mich bei Hans-Dieter Gerber für die Möglichkeit, die schwingerischen Objekte besichtigen zu können. Ein grosser Dank geht an Lukas Märki, welcher mir während zwei Stunden viel Wissenswertes rund um die gezeigten Objekte mit auf den Weg gab. Aber auch für die Erklärungen zu seiner Masterarbeit und die Symbiose „Schwingen – Turnen“ im Allgemeinen.

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Schwingen in Randregionen: Schwingklub Engadin –Teil 3

Beim Teil 2 erfuhren wir von Bernie Locher, dem Technischen Leiter, von den Problemen des noch jungen Schwingklubs. Der aus der Region Thun stammende Metzger ist mittlerweile im Oberengadin zuhause und führt in Zuoz eine eigene Metzgerei. Bernie brachte das Schwing-Virus ins Engadin. Es begann dort heftig zu keimen, ist mittlerweile aber der nüchternen Realität ausgesetzt. Der Berner wünscht sich zu den momentan vier bis sechs Jungschwingern weitere interessierte Sägemehlathleten.
Kleinere Erfolge konnten die jungen Schwinger auch schon verbuchen. So zählt der Klub zu seinem Palmarès schon einige Zweige und mit Men Camichel konnte 2012 einer der ihren beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) in Hasle-Entlebuch LU starten.

Der dritte Teil ist wie der zweite, nämlich auch ein Interview-Beitrag. Bernies‘ Antwort zur Schlussfrage „Was wünschst du dir?“ fasst nochmals die ganze Problematik beim 2011 gegründeten Schwingklub Engadin zusammen.

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Bernie Locher im Schwingkeller des Schwingklubs Engadin
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie lauten eure Ziele für 2017?
Ein Highlight wird das Bündner-Glarner Kantonale Schwingfest vom 1. Juli in S-chanf auf dem FLAB-Militärplatz. Unser Hauptziel für 2017 ist denn auch die Organisation dieses Anlasses, welchen wir gut über die Bühne bringen möchten. Wir hoffen, dass das Wetter mitspielt und um die 3000 Zuschauer kommen werden. Dieser Schwinget findet an einem Samstag statt, damit die Leute bei uns übernachten können. Wir werden auch ein Unterhaltungsprogramm am Samstagabend anbieten. Wir hoffen, dass dieses Schwingfest bei uns einen Boom auslöst. Von unseren Schwingern kann leider noch keiner teilnehmen. Ausser diejenigen, welche aufgehört haben, würden wieder mit schwingen beginnen.
Zudem ist wieder unser Klub-Schwinget für die Jungschwinger für Mitte August geplant.

Ein weiteres Ziel ist das gleiche wie dieses Jahr: Mehr Jungschwinger.
Apropos Bündner Kantonales Nachwuchsschwingfest: Diesen Schwinget würden wir schon erhalten. Nur, der Terminkalender des Nordostschweizerischen Schwingerverbandes hat diesen Anlass für die Bündner immer für den Monat April fixiert. Das kann man im Engadin aber vergessen, weil bei uns dann noch Schnee liegt. Der Schwinget müsste bei uns im Juli oder August stattfinden können.

Wo trainieren eure Schwinger hauptsächlich? Finden auch Trainings bei anderen Bündner Schwingklubs statt?
Unsere Schwinger trainieren hauptsächlich im klubeigenen Schwingkeller im Selas-Park. Ab und zu auch draussen im Prättigau oder in Untervaz, wo die Kantonalen Trainings stattfinden. Wir werden dazu auch eingeladen, die Möglichkeit würde schon bestehen. Das Problem sind die angesprochenen Distanzen. Die Trainings dauern dort bis 21 Uhr. Bis unsere Buben zuhause im Bett sind, ist es etwa 22.30 Uhr. Und wenn sie am nächsten Tag Schule haben, ist das nicht unbedingt ideal. Während den Schulferien spielt das keine Rolle.

Gaben bei euch auch schon bekannte Schwinggrössen Schwingkurse?
Wie erwähnt, war Thomas Sutter schon hier. Damals, als 2012 das Nordostschweizerische in Silvaplana durchgeführt wurde, konnten unsere Jungschwinger auch an einem Training mit Jörg Abderhalden teilnehmen.
Als wir Aktive hatten, kamen ein paar Bündner Schwinger wie Roman Hochholdinger oder Mike Peng, welche hier im Oberengadin vorübergehend gearbeitet hatten, ins Training.
Armon Orlik war leider noch nie bei uns zum Training, wohl aber zur Jagd. Für unsere Jungschwinger ist er natürlich das grosse Vorbild.

Wie motivierst du eure Schwinger?
Extra motivieren müssen wir unsere Jungschwinger nicht, das wäre sowieso schwierig. Sie müssen von sich aus wollen. Wir trainieren darauf, dass wir bei den Schwingfesten nicht weit entfernt von den anderen sind. Wir sind jeweils immer nahe dran, und holen auch unsere Zweige. Das ist schon eine Motivation.
Das Problem sind vor allem die Fahrwege, und das frühe Aufstehen am Morgen. Wenn wir dort sind, sind unsere Jungschwinger dann hellwach und motiviert. Sie kennen ausserhalb vom Engadin auch andere Schwingkollegen und sind mit einigen von ihnen befreundet.

Wie viel Zeit investierst du eigentlich in den Schwingsport?
Das sind um die sechs bis sieben Wochenenden pro Jahr, wo ich weg bin. Weiter gehören auch das Organisieren und Treffen mit anderen Technischen Leitern dazu. Mit allen Arbeiten inklusive einigen Schreibarbeiten sind es pro Monat zwei bis drei Abende. Im Sommer natürlich mehr als im Winter. Als ich selber noch die Trainings leitete, war der zeitliche Aufwand noch grösser. Das macht inzwischen Dani Sutter.

Habt ihr keine Schwierigkeiten, den Vorstand des Schwingclub Engadin zu besetzen?
Unser Vorstand ist vollzählig. Ganz einfach ist es nicht und wir mussten auch schon einige Male nachfragen, um einen Posten zu besetzen. Es ist auch nicht dringend erforderlich, dass alle vom Schwingsport gleich viel verstehen. Beispielsweise ein Kassier. Aber: Zwei oder drei Vorstandsmitglieder sollten schon eine gewisse Ahnung vom Schwingen haben.
Von Vorteil ist, dass ich in der Ostschweiz mittlerweile viele Leute rings um die Schwingszene kenne und gut vernetzt bin.

Was wünschst du dir?
Mehr Jungschwinger! Und dass von unserem Vorstand mehr „Pfupf“ kommt. Weiter wünsche ich mir mehr Verständnis von Seiten des Nordostschweizerischen Schwingerverbandes: Wir können nicht immer an Trainings und NOS-Zusammenzüge kommen. Das ist von der Distanz her einfach schwierig für uns.
Einen Wunsch samt Anregung an den ESV habe ich bereits geäussert: Ein gemeinsames Weekend mit den Oberwallisern und den Tessinern, den beiden anderen schwingerischen Randregionen. (Siehe dazu beim Teil 2). Klar, zwischen uns dreien bestehen grosse Wege, von einem Ecken der Schweiz zum anderen. Das Tessin würde in der Mitte liegen. Ich bin der Meinung, dass der ESV das in die Hand nehmen, und dort etwas organisieren sollte. Im Übrigen werde ich mit Edi Ritter, dem Technischen Leiter der Tessiner, nächstens Kontakt aufnehmen. Wir würden auch zu ihnen fahren.

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Die Jungschwinger Severin, Nico und Jens sowie Trainigsleiter Dani Sutter beim Aufwärmtraining
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zum Schluss unseres längeren Gesprächs erzählte mir Bernie Locher, dass der Schwingkeller im Serlas-Park einfach zu klein ist: „Solange wir nur diesen kleinen Schwingkeller haben, kann ich keinen Schwingklub mit 15 bis 20 Jungschwingern zum Training einladen. Wir suchen einen grösseren Raum und führten diesbezüglich bereits Gespräche. Wir müssen da einfach dran bleiben. Wenn wir einen grösseren Schwingkeller hätten, könnten wir auch andere Schwingklubs, zu denen wir trainieren gehen, einladen. Stell dir vor, wir hätten 10 oder 12 Aktive, der momentane Raum wäre schlicht zu klein. Bei einem grösseren Schwingkeller könnten wir auch Aktive einladen. Aber bei den momentanen Platzverhältnissen kann ich niemandem etwas anbieten.
Die Mitglieder vom Schwingklub Münchenbuchsee würden sofort zu einem Training kommen, auch im Winter. Zu ihnen habe ich immer noch beste Kontakte. Auch Thomas Sutter würde mit den Appenzeller Schwingern kommen. Das wären Wintertrainings, super für die Athleten! Sie könnten neben dem Schwingtraining auch Langlauf ausüben oder Skifahren. Das wäre nämlich so eine Art Höhentraining für diese Schwinger. Es fehlt uns einfach ein geeigneter Schwingkeller. Übernachtungsmöglichkeiten wie Jugendherbergen oder Massenlager sind genügend vorhanden. Auch andere Trainingsmöglichkeiten könnten wir nutzen.“

Am 1. Juli 2017 findet in S-chanf auf dem FLAB-Militärplatz das Bündner-Glarner Schwingfest statt. Der Schwingklub Engadin darf diesen Anlass organisieren. Ich wünsche Bernie und seinen Mitstreitern heute schon viele Besucher, die den Weg ins Oberengadin finden werden. Ich wünsche ihnen aber auch, dass dieser Schwinget einen kleinen Boom im Engadin auslösen wird. Den Schwingsport im Engadin zu etablieren dürfte aber so oder so ein schwieriges Unterfangen sein. Die Distanzen und die Lage sprechen diesbezüglich nicht wirklich dafür.
Trotzdem: Ich freue mich, dass es im Engadin auch einen kleinen Schwingklub gibt, und hoffe für Bernie, dass seine unermüdliche Arbeit Früchte trägt. Ein herzliches Dankeschön für den freundlichen Empfang und das überaus interessante Gespräch!

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