Am Samstag, 10. Dezember öffnet der „Earl Music Club“ seine Tore

Nachdem die Tore des Konzertlokals „Vorhöll“ im Stalden sich anfangs dieses Jahres schlossen, fehlte im Muotatal regelrecht eine derartige Lokalität, wo verschiedenste Konzerte oder kleine Theateraufführungen durchgeführt werden konnten. Am kommenden Samstag wird mit der offiziellen Eröffnung des „Earl Music Club“ an der Industriestrasse 6 in Ried-Muotathal SZ diese Lücke wieder geschlossen. Auf der clubeigenen Facebook-Seite findet man dazu folgende Informationen: „Der EARL MUSIC CLUB ist das Vereinslokal des Earl-Verein-Muotathal. Hier werden in loser Folge Konzerte und andere kulturelle Anlässe (zum Beispiel Filmabende) veranstaltet.“ Die Betreiber des kleinen, aber feinen Lokals werden Hugo „Hügi“ Schelbert („Bächelers“), Ralph „Hoss“ Gwerder („Schmalauelers“) und Markus „Märki“ Betschart („Gigärä Pitschä“) sein. Am 10. Dezember wird der Einstand mit einem Konzert der HOLY JUICE aus Steinen SZ gefeiert.

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Die drei Club-Betreiber: Märki, Hoss und Hügi (von links)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Vorgeschichte
Hügi, Hoss und Märki redeten schon länger davon, irgendwann einen eigenen Music Club zu eröffnen. Sie schauten deswegen im Muotatal geeignete Räumlichkeiten an. Hölloch-Wirt Bruno Suter schlug ihnen vor einiger Zeit das geschlossene Restaurant Pragelpass vor. Da das Gebäude aber wegen Abbruch und Erstellung eines Neubaus nur etwa zwei Jahre zur Verfügung gestanden hätte, lehnten sie dieses Angebot ab. Ein leer stehender Raum in Hügi‘s Elternhaus war auch kurzzeitig ein Thema. Sie liessen die Idee aber wieder fallen, da es sich um ein Wohnhaus handelt und ringsherum Leute wohnen. Irgendwann sagte ihnen Daniel Inderbitzin, ein Bandkollege von Hügi, dass eine grössere Fläche bei der Inderbitzin AG im Ried schon seit mehr als einem Jahr zur Vermietung ausgeschrieben sei. Die Fläche erstreckt sich über vier Container mit dünnen Zwischenwänden. In diesen waren einst die alten Büros der Inderbitzin AG und provisorische Schulräume untergebracht. Hügi erklärt: „Als wir auf diese Räumlichkeit kamen, ergab sich Schritt um Schritt. Nachdem wir die Bareinrichtung der geschlossenen Vorhöll gekauft haben, begannen wir ernsthaft darüber nachzudenken, hier drin Konzerte zu veranstalten.“ Märki ergänzt: „Als wir wussten, dass wir das mieten werden, haben wir bewusst auf dieses Ziel hin gearbeitet.“ „Nachdem wir uns mit den Verantwortlichen der Inderbitzin AG einig waren, haben sie sogar die Zwischenwände rausgerissen und die Ausmasse des Raumes wurden ersichtlich“, fügt Hoss an.

Woher stammt der Name des Clubs?
„Earl“ ist der Name eines Buses, den Hügi, Hoss und Märki einst besassen. Es handelt sich dabei um einen VW LT, Baujahr 1978, und war ursprünglich als Wohnmobil im Einsatz. Nach dem Kauf 2003 entfernten sie den Küchenteil, damit fünf Personen im Bus schlafen konnten. Mit Earl waren die drei Freunde bis 2015 regelmässig unterwegs. Ein Nachfolger musste inzwischen wieder her, dieser hört auf den Namen Tumbler.
Hoss malte als Erinnerung anhand einer Vorlage das Bild von Earl an eine Wand im neuen Club. Earl heisst eigentlich ausgesprochen „Extravagantes aussergewöhnliches Raumlastfahrzeug“. Wobei zuerst die Kurzform war und der lange Zusatz später dazu gedichtet wurde. Hoss sinniert: „Wir sind mehr als zehn Jahre mit diesem Bus rumgefahren. Er ist uns schon ans Herz gewachsen“, und Hügi meint: „Earl entwickelte sich besonders bei den Jungen im Thal zu einem Begriff.“ Märki weiter: „Es hat halt auch mit Musik zu tun. Zuerst war Earl der Band-Bus unserer Trashmetal-Band Ambrossia.“
Die drei gründeten den Earl-Verein-Muotathal als Trägerschaft für das Konzertlokal. Für sie ist es eine Absicherung sowie Stütze, und vereinfacht vieles bei der Organisation rund um den Club. Der Verein besteht nebst ihnen aus dem Ehrenmitglied Rolf Gwerder. Rolf war ursprünglich der „vierte Mann“, musste aber aus beruflichen und familiären Gründen etwas kürzer treten. „Rolf hat uns so oft wie möglich bei den Einrichtungsarbeiten geholfen. Putzte dabei alle Lüfter, schweisste und montierte Halterungen und half bei der Herrichtung des Vorhanges mit“, erzählt Hügi. Märki ergänzt: „Er war von Anfang an unser Ehrenmitglied. Wir wollen für unseren Verein momentan aber keine weiteren Mitglieder.“

Die Planung und Einrichtung
Am 5. November 2015 standen die drei zwecks Besichtigung zum ersten Mal vor der Tür des heutigen Music Clubs. Die anschliessende Planung führten sie selber durch. Die Überlegungen liefen in die Richtung, wo sich die Bühne befinden soll und dass wegen den Nachbarn die Wände isoliert werden müssen. Die bereits erstandene Bar-Theke zogen sie mit in die Planung ein. Im Voraus wurde Bruno Föhn, der Feuerschauer der Gemeinde Muotathal, angefragt, was sicherheitstechnisch alles zu machen ist. So zum Beispiel, dass ein Raum ab 50 Personen zwei Notausgänge haben muss. Hügi ergänzt: „Für das Gebäude, in welchem sich die Music Bar befindet, wurde eine Umnutzung vorgenommen. Damit hier auch ein Gastgewerbe-Betrieb untergebracht werden kann. Dies nahm sogar Stefan Inderbitzin von der Inderbitzin AG in die Hand. Dafür sind wir ihm dankbar. Wir haben selbstverständlich eine Bewilligung für die Betreibung des Clubs.“ Märki fügt an: „Wenn wir schon etwas investieren, soll auch alles korrekt abgesichert sein.“
Die Einrichtungsarbeiten liefen von März bis Oktober. Die Hauptarbeit ist verrichtet, ein paar kleine Details sind noch zu machen. Hoss erzählt: „Wir nahmen es locker und liessen uns Zeit. Die Arbeiten schritten aber jeweils gut voran, und machten uns auch Spass. Nebst der Bar sind auch die Tischchen, Hocker und die Lampen oberhalb der Theke von der Einrichtung der Vorhöll. Der feuerfeste Vorhang hinter der Bar und der Bühne bekamen wir als Sponsoring-Beitrag vom Theater Muotathal.“ Die Inderbitzin AG unterstützte die drei tatkräftig und installierte ihnen unter anderem Deckenradiatoren zur Beheizung des Raumes. Wie bereits erwähnt, griff ihnen bei der Einrichtung Rolf Gwerder unter die Arme. Weiter half ihnen bei vielen Arbeiten auch Beat Immoos, ein Kollege von der Band Bad Sin. Märki ist Elektromonteur, Ralph Möbelschreiner und Hügi Automechaniker: Drei Handwerker mit Berufen, welche ideal für viele Arbeiten waren. So konnten sie vieles selber machen und dabei auch einiges an Geld einsparen.
Eine neue Lichtanlage wurde angeschafft. Die komplette Musikanlage wurde von Märki beigesteuert. Der Club verfügt über eine Bühne und ist mit Musikinstrumenten eingerichtet, eine sogenannte Back-Line. Auftretende Bands dürfen davon Gebrauch machen, und müssen so nur ihre persönlichen Instrumente wie beispielsweise Gitarren mitnehmen.

Wie sah die Finanzierung aus?
Hügi, Hoss und Märki finanzierten alles selber. Jeder investierte eine grössere Summe in das Unterfangen Earl Music Club. Die endgültige Abrechnung wurde noch nicht gemacht. Für laufende Rechnungen errichtete der Earl Verein ein eigenes Bankkonto. Wie Hügi erklärte, ist es deshalb ihre Absicht, einmal im Monat ein Konzert durchzuführen. Damit Geld reinkommt, um die Investitionen abzahlen zu können. Märki: „Schön wäre es, wenn die getätigten Investitionen irgendwann abbezahlt sind.“
Der Raum des Clubs ist etwa 79 Quadratmeter gross und erfüllt gerade noch die Grösse für einen Raucherraum. Die Betreiber rechnen damit, dass um die 100 Personen Platz im Club finden werden. Zudem sind genügend Parkplätze zwischen den beiden Firmen Imhof Carrosserie- und Spritzwerk sowie der Inderbitzin AG vorhanden. Dies in einem abgegrenzten Bereich, damit auf der Seite, wo sich Wohnhäuser befinden, keine Lärmemissionen entstehen können.

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„Earl“, der Namensgeber des Clubs
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was wird im Earl Music Club alles angeboten?
Das Ziel ist, dass der Club einmal im Monat an einem Samstag geöffnet hat, und ein Anlass durchgeführt wird. Die Tore werden dann jeweils von 19 bis maximal 4 Uhr in der Früh offen sein. Dafür wird vorgängig eine Bewilligung für die Verlängerung eingeholt. Es werden nur kleine Snacks, aber keine warmen Speisen serviert. Bei den Getränken ist keine grosse Karte vorgesehen. Im Angebot werden Mineralwasser, Bier, Wein und ein paar Spirituosen sein. Die drei wollen nicht eine Bar in dem Sinne betreiben, sondern einen Konzertraum mit beschränktem Verpflegungs-Angebot.
Nebst Konzerten wollen sie auch Filmabende durchführen. Zu diesem Zweck haben die Betreiber eine Leinwand beim Bühnenbereich samt einem Beamer und einem entsprechenden Dolby Surround-System installiert. Hügi erklärt: „Möglich wäre auch das Aufführen von Kleintheatern mit etwa fünf Personen, wie sie auch schon in der Vorhöll stattgefunden haben. Wir sind für alles offen.“ Märki ergänzt: „Ganz allgemein gesagt, können hier verschiedene kulturelle Sachen gezeigt werden. Künstler von der Kleinkunst-Szene würden hier gewissermassen Platz finden. Es steht nächstes Jahr auch eine Techno-Party auf dem Programm. Einen Filmabend kann es aber durchaus auch spontan dazwischen geben.“
Die drei betonen, dass sie kein Aufnahmestudio seien, wie im Bote der Urschweiz geschrieben wurde. Aufnahmen für Bands könnten aber durchaus getätigt werden.

Welche Schwierigkeiten galt es seit der Idee bis zur Eröffnung des Clubs zu meistern?
Märki dazu: „Eigentlich überhaupt keine. Es lief alles relativ gut ab. Alle Bewilligungen und Genehmigungen wurden uns ohne Probleme und rasch erteilt. Da waren wir am Anfang im ungewissen und wussten nicht, wie das ablaufen würde.“ Hügi sieht es so: „Es gab schon manchmal Zeiten, wo es ein wenig stockte und nicht vorwärts ging. Dazu kamen auch kleine Verzögerungen. Zudem mussten wir auch manchmal zusammen sitzen und das weitere Vorgehen besprechen. Wir drei sind jedoch unkompliziert und konnten uns immer auf gute Lösungen einigen.“ Hoss weiter: „Ich habe nebst anderem auch die Ausschankbewilligung eingeholt. Was die Gemeindebehörde und den Gemeinderat von Muotathal betrifft kann man sagen, dass alles sehr unkompliziert ablief. Wir sprechen ihnen dafür unseren Dank aus. Das einzige, was uns ab jetzt in die Quere kommen könnte, könnten die Nachbarn sein. Wenn wir eventuell zu laut sein sollten.“
Die Nachbarn rings um den Music Club haben die drei vorgängig mit einem Flugblatt informiert und luden sie am 12. November zu einem Apéro ein. Ein paar von ihnen kamen, und konnten so die Clubbetreiber und das Lokal kennen lernen. An jenem Tag fand zudem ein „Soft-Opening“ mit ein paar geladenen Kollegen und Mitmusikern statt. Eingeladen waren auch die Verantwortlichen der Inderbitzin AG. Es waren um die 40 Personen anwesend. Die drei erzählten, dass es für sie zudem auch ein kleiner Test war, da sie bisher noch nie einen Club führten. Unisono erklärten die drei Freunde, dass es ein guter und gemütlicher Abend war.

Die Vorfreude zur bevorstehenden Club-Eröffnung ist gross
Der Club wird in erster Linie von den drei betrieben, bei Bedarf mit Unterstützung von Rolf und Alex Gwerder. Hoss erklärt: „Wenn uns Kollegen helfen wollen, können sie dies gerne tun. Einige haben uns bereits ihre Hilfe angeboten. Es wird sich dann zeigen, wie viele Leute es in Zukunft benötigt.“ Märki: „Wir waren schon an vielen Konzerten und sahen dabei viele Dinge, die man eigentlich besser machen könnte. Auch als Musiker bringen wir unsere gemachten Erfahrungen mit ein.“ Hügi ergänzt: „In den meisten kleinen Lokalen musst du jeweils alles selber mitnehmen und aufstellen. Das fällt hier weg. Fast nirgends triffst du auf eine komplette Musik- und Instrumenten-Einrichtung.“ Sie haben eine grosse Freude, dass es nun bald losgeht und erwarten coole Abende.
Das Echo zur bevorstehenden Eröffnung des Clubs sah bisher äusserst positiv aus. So erschien im Bote der Urschweiz am 30. November ein Bericht, und im Muotathaler Info-Blatt fanden sie ebenfalls Erwähnung. Weiter erhielten Hügi, Hoss und Märki auch positive Feedbacks via Facebook, wo sie vor kurzem eine eigene Seite eröffneten. Hügi dazu: „Viele Leute freuen sich, dass es ein kleiner Club wie im Stil von den nicht mehr geöffneten Vorhöll oder Kult-Turm geben wird. Für die Bands wird es von der Grösse her ein dankbarer Ort zum Auftreten sein.“ So haben schon etliche Bands um eine Auftrittsmöglichkeit nachgefragt. Bis und mit März ist schon jeder Monat ein Anlass geplant.

Die Philosophie des Earl Music Clubs
Die Clubbetreiber möchten kleine Konzerte für ein kleines Publikum durchführen und dabei Rockmusik in den verschiedensten Facetten anbieten. Die Stilrichtung soll dabei möglichst breit gefächert sein. Hügi ist folgendes wichtig: „Im Bastards Place werden auch Konzerte durchgeführt, und wir möchten sicher nicht deren Konkurrenz sein. Unser Club ist ein Konzertlokal und wir möchten in erster Linie eine Auftrittsmöglichkeit für kleine Künstler bieten. Das Bastards Place ist im Gegensatz zu uns ein Restaurant und kein Konzertlokal im üblichen Sinne. Ein Restaurant, wo auch Konzerte angeboten werden.“ Hoss erläutert weiter: „Nick Betschart vom Bastards Place organisiert zwar schon verschiedenste Bands. Schlussendlich fährt er aber eher die Rock-Schiene. Wir möchten aber auch Death Metal-Konzerte oder Techno-Partys anbieten. Wir sehen uns daher quasi als Ergänzung. Es schadet gar nicht, den Muotathalern auch andere Musikrichtungen nahe zu bringen. Es ist zudem unser Ziel, dass auch Leute von Schwyz und Umgebung in den Club kommen.“

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Der kleine aber feine Earl Music Club
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Hügi, Hoss und Märki erklärten zum Schluss, dass sie bei der Einrichtungsarbeit eine gute Zeit hatten. Sie sahen sich dadurch wieder viel mehr, wie in ganz jungen Jahren. Das schweisste sie wieder zusammen. Früher spielten die drei Musiker gemeinsam bei der Death Metal-Band Ambrossia. Als die Band aufgelöst wurde, sahen sie sich automatisch weniger. Man kann wirklich sagen: Drei Freunde verwirklichten sich mit dem Earl Music Club einen lang gehegten Traum.
Ich erhielt beim Gespräch einen hervorragenden Eindruck von dem Lokal: Ein gemütlicher und angenehm eingerichteter Konzertraum. Man fühlt sich dort sofort wohl.

feldwaldwiesenblogger

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