Schwingsport im Tessin: Der erste Tessiner Aktive an einem Innerschweizerischen (Teil 3)

Bei den losen Folgen zum Schwingsport im Tessin bin ich bereits beim dritten Teil angelangt. Beim Teil 2 erfuhren wir, dass sich die Deutschschweizer Medien mehr für die Schwinger aus der Sonnenstube interessieren als die einheimischen. Wer möchte es ihnen verübeln. Im selben Beitrag erklärte Edi aber auch, dass die Bevölkerung seit dem Eidgenössischen 2010 den Schwingsport vermehrt wahrnimmt. Nach der Verbands-Gründung 2012 tat sich einiges, und das kleine Schwinger-Pflänzchen beginnt nach und nach zu gedeihen. In erster Linie dank Edi Ritter, dem Präsidenten und Technischen Leiter Aktive sowie Jungschwinger in Personalunion.

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Edi Ritter und Lorenzo Mignola vor dem Trainingsplatz im Centro Sportivo
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie sehen die Zahlen bei den Jungschwingern und Aktiven aus?
Edi erklärt: „Zurzeit zählen wir bei den 8- bis 15-Jährigen fünf Jungschwinger. Wir stagnieren, und haben auch nach Veranstaltungen wie der Sportissima keinen grossen Zuwachs zu verzeichnen. Die Sportissima ist ein Tessiner Sportanlass, welcher einmal im Jahr auf sechs Sportanlagen durchgeführt wird. Dabei werden alle möglichen Sportarten angeboten. Man will, dass die Tessiner Bevölkerung verschiedene Sportarten ausprobieren kann. Am diesjährigen Anlass haben sich etwa 160 Buben beim Schwingen auf einem grossen Sägemehlring versucht. Meine Schwinger stammen aus der Sportissima 2011.
Der Bestand der Aktiven umfasst sieben Schwinger. Insgesamt zählt unser Verband momentan ein Dutzend Schwinger.“

Wo besuchten die Tessiner Schwinger dieses Jahr Schwingfeste?
„Von Frühling bis Herbst wurden Schwingfeste besucht“, erzählt der Präsident der Tessiner Schwinger. „Das waren Jungschwingertage, Nichtkranzerfeste und zwei Kantonalschwingfeste. Jedes Jahr sind wir beim Urner Kantonalen eingeladen, dort sind wir quasi Fixstarter. 2016 hätten wir das erste Mal statt mit vier sogar mit sechs Schwingern antreten können. Wir kamen dann mit fünf Schwingern, da der eine oder andere verletzt war. Mit den Aktiven traten wir zudem am Luzerner Kantonalen an. Es ist wirklich schön, denn wir werden innerhalb der Innerschweiz praktisch überallhin eingeladen. Aber wir können nicht an jedes Schwingfest gehen, nur schon wegen den Reisezeiten. Zudem will ich unsere Schwinger auch nicht an zu viele Anlässe schicken, um sie weiterhin „giggerig“ auf ein Fest zu halten. Es soll immer noch etwas Spezielles sein.
Mit den Jungschwingern waren wir beim Urner Kantonalen Nachwuchsschwingertag in Andermatt eingeladen. Bei den Jungschwingern dürfen wir jeweils nur bei den Urnern antreten. Denn die anderen Kantonalverbände haben selber genug Jungschwinger.
Insgesamt traten wir an mehr als 16 Schwingfesten an. Die Anlässe sind etwa fifty-fifty auf die Jungschwinger und Aktiven verteilt.“

Der erste Tessiner Aktive an einem Innerschweizerischen
Dieses Jahr konnte der Tessiner Kantonalverband mit Diego Pedrazzini zum ersten Mal einen Aktiven ans Innerschweizerische schicken. Das war für sie eine Riesenehre. Denn in der 123 jährigen ISV-Geschichte startete bisher noch nie ein Tessiner an einem Innerschweizerischen. Edi ergänzt: „Auch wenn Diego in Einsiedeln vier Mal der Rücken abgeputzt wurde, wobei jeweils nicht grad beim ersten Zug, bedeutet das für uns schon das Erreichen von einem gewissen Level. Natürlich hing die Teilnahme auch mit der Anzahl der versicherten Aktiven zusammen. Da streiten sich vielleicht auch die Geister der anderen Kollegen, welche sagen: Wir haben zu viele Nichtkranzer an einem Innerschweizerischen. Wenn man diese aber nicht mehr will, muss das Starterfeld auch nicht 220 Schwinger aufweisen. Aber: Wir müssen unsere Athleten auch langsam an solche Anlässe heranführen, damit sie sehen und erleben, wie das ist, wenn man in eine Arena mit knapp 9000 Zuschauern einläuft und schwingt.“

Gab es 2016 Zweiggewinne zu feiern?
Einen Kranzgewinn gab es bisher noch keinen zu feiern. Die Zweig-Ausbeute ist für 2016 nicht so ausgefallen wie in anderen Jahren. Der heute im Tessin wohnhaftete Schwingerfreund meint dazu: „Das ist auch nicht schlimm. Ich weiss nicht, ob es damit zu tun hat, dass die Jungs mittlerweile so bekannt sind und dementsprechend auch eingeteilt werden. Ich analysiere übrigens jedes Notenblatt von allen Schwingfesten. Im Herbst treffen wir uns zu einem gemeinsamen Nachtessen. Dabei schauen wir uns nebst Fotos auch die einzelnen Auswertungen an.“
Edi gibt nicht so viel auf einen Zweig-Gewinn und sagt: „Ein Zweig-Gewinn ist eine tolle Sache. Deswegen machen wir aber kein grosses Theater. Dieser Schwinger hat vielleicht das Glück, dass er körperlich gute Voraussetzungen mitbringt. Ein anderer ist vielleicht der bessere Techniker, ist aber ein Leichtgewicht und verliert deshalb ziemlich oft.“ Ihm geht es eigentlich mehr darum, um zu schauen mit welchen Griffen sie gewinnen oder verlieren. Dementsprechend wird das Training angepasst. Im Winter wird dann versucht, gewisse Details zu verbessern. Ziel ist es, während dem Wintertraining einen neuen Schwung hinzu zu lernen, und die anderen im Sortiment zu repetieren.

Das frühe Aufstehen der Tessiner Schwinger
Edi erläutert weiter: „Mein Jahresbericht beinhaltet keine Rangliste, wer der beste Jungschwinger oder Aktive ist. Für mich sind alle, die pflichtbewusst trainieren und an die Schwingfeste kommen, gut. Ich hatte in all den Jahren einen einzigen Fall, wo einer am Morgen nicht angetreten ist. Dieser Schwinger hat mich aber sogar vorgewarnt, dass er wegen einem Hilfseinsatz bei einem Dorffest am Morgen eventuell nicht da sein werde. Einige Schwinger fahren teilweise bis zu einer Stunde, bis sie hier im Centro Sportivo sind. Es sind immer alle pünktlich. Für den Herbstschwingertag Siebnen fuhren wir hier beispielsweise am Morgen um fünf Uhr los. Das hiess für gewisse Athleten, dass sie um vier Uhr morgens von zuhause fortfahren mussten.“

Edi Ritter will überdies keinen Bonus vom ISV oder ESV. Dazu erklärt er: „Ich will nicht, dass man zu hören bekommt: Die Tessiner dürfen einfach. Das finde ich nicht gut.“
Beim vierten Teil zum Schwingsport im Tessin werde ich mich unter anderem dem ersten Nichtkranzer-Schwingfest in der Sonnenstube, welches in Gudo über die Bühne ging, widmen.

feldwaldwiesenbloggerer

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