Warum „Fliegender Ring“ erscheinen soll – Ein Gespräch mit Aldo Betschart (Teil 1)

Kürzlich erhielt ich vom Muotathaler Aldo Betschart, einem Schreiberling und Musiker, elektronische Post. Schnell war klar um was es ging: „Es handelt sich um einen Spendenaufruf zur Mitfinanzierung meines neuen Romans.“ Aha! Aldo hat also ein neues Buch geschrieben. „Mit einem Betrag von zirka 1500 Franken könnte ich eine erste Auflage von 100 Stück drucken lassen. Hierbei würden all jene, die zwischen 15 und 20 Franken spenden, nach der Buchproduktion ein Exemplar erhalten und als Dankeschön auch im Anhang des Buches erwähnt werden.“
Im Anhang der Email befand sich zudem ein pdf-File mit dem Titel „Der etwas andere Bettelbrief von Aldo Betschart“.

Anderntags erschien im Bote der Urschweiz zum Spendenaufruf von Aldo ein kurzer Beitrag. In meinem Kopf begann das Karussell zu drehen und verschiedene Gedanken flogen durchs Gehirn. Folgender Satz von Aldo blieb im Gedanken-Karussell hängen: „Mir geht es nur darum, den Roman herausgeben zu können. Leider verfüge ich zurzeit über keinerlei finanziellen Mittel. Das ist ziemlich frustrierend.“
Ich fasste den Entschluss, den Verfasser des „Bettelbriefs“ auf meine Weise zu unterstützen und begann ein längeres Interview mit ihm zu planen. Denn der erwähnte Bote-Beitrag war relativ kurz. Es war mir auch ein Anliegen, mit Aldo über verschiedene Aspekte ein Gespräch zu führen. Überdies hatte ich seinen Namen und sein künstlerisches Schaffen schon eine Weile auf meiner Pendenzenliste.

Der 45-Jährige schreibt als Einleitung im besagten Anhang: „Fundraising oder: Ein Bettelbrief, der hoffentlich mal gut ankommt.“ Weiter erwähnt er, dass er sich dafür nicht länger zu schade ist. Der Zeitpunkt für seinen Spendenaufruf legte Aldo geschickt kurz vor Weihnachten. „Wenige Wochen vor Weihnachten sehen wir uns von jener Sorte von Briefpost überschwemmt“, und: „Als ob ich nicht selbst eine Spende gebrauchen könnte!“ Er erklärt weiter, dass es ihm schon rein von der Erziehung her nicht leicht fiel. Gigers Aldo, wie er in Muotathal genannt wird, ist aber überzeugt von seinem neusten Roman „Fliegender Ring“: „Die Situation verlangt tatsächlich danach“, ergänzt er voll Selbstvertrauen.

Es ist Aldos viertes Buch, ihm fehlen für die Veröffentlichung aber die finanziellen Mittel, es drucken zu lassen. Dazu meint er ehrlich: „Als Freischaffender, der seine Kinder nicht nur abends sehen und ebenso wenig seine musikalischen und schriftstellerischen Tätigkeiten vernachlässigen möchte, verdiene ich momentan einfach zu wenig Geld für die Buchproduktion.“ Zudem beteuert er, dass alles, was hereinkommt, zur Produktion des Romans verwendet wird: „Auf Ehre und Gewissen!“
Zur Handlung seines neusten Streiches führt Aldo an, dass es ein temporeicher und ziemlich humorvoller Unterhaltungsroman ist. Ort der Handlung sei das heutige Zürich.

Mit 20 Fragen im Gepäck fuhr ich einen Tag vor Heiligabend nach Zürich. Aldo lebt mit seiner Frau Dana sowie den beiden Kindern Philon und Jemina (siebeneinhalb respektive viereinhalb Jahre) in einer heimeligen Wohnung. Die interessantesten Gespräche entwickeln sich immer in der Küche. Auch diesmal, und schon bald waren wir mitten drin.

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Gigers Aldo, Autor von „Fliegender Ring“
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Zum Bettelbrief:

Was für ein Echo hat dein „Bettelbrief“ bislang ausgelöst?
Bisher ziemlich verhalten, aber auf der anderen Seite sehr erfreulich für mich. Ich habe bereits sechs oder sieben Spenden bekommen, teilweise von Leuten, die ich nicht kenne. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht mit viel gerechnet habe. Zuerst sehen die Leute halt, dass da einer nur Geld möchte. Ich habe aber auch von solchen gehört, die noch etwas spenden möchten, meine Adresse aber nicht hatten. Ich denke, wer spenden will, wird mich via Internet schon finden.

Am 27. Dezember schrieb mir Aldo:
„Seit du am 23. Dezember hier gewesen bist, haben weitere Personen gespendet. Die Freude ist gross, habe ich doch angenommen, die Sache sei bereits im Sand zerlaufen. Inzwischen sind rund 700 Franken zusammengekommen; das reicht zwar nicht ganz für den Druck, zeigt aber, dass mein Aufruf nicht vergebens gewesen ist.“

Fiel es dir schwer, einen Bettelbrief in Umlauf zu bringen?
Als ich es machte, nicht. Aber vorher. Ich habe jahrelang von Bands, die zum Beispiel für Aufnahmen gesammelt haben, gedacht, dass ich es nicht so machen möchte. Irgendwann konnte ich mich auch dazu durchringen, sagte mir aber: Man muss den Leuten etwas dafür geben. Mit einer Garantie, dass etwas zurückkommt. Mit dieser Idee fiel es mir nicht schwer, den Bettelbrief in Umlauf zu bringen. Mich nahm es zudem extrem Wunder, wie die Leute darauf reagieren.

Nenn mir drei Gründe, warum ich dein Buchprojekt unterstützen soll?
Grund eins: Weil ich seriös schreibe, dran bin und nicht einfach nur ein Geschreibsel abliefere. Grund zwei: Jeder, der mich dabei unterstützt, fördert die ganze Tätigkeit. Es ist für mich auch eine Anerkennung, die gut tut. Grund drei: Der Stoff, den ich niederschrieb, ist sehr unterhaltsam. Ist aus dem Leben gegriffen und handelt nach einer wahren Geschichte. Mit dem Voyeurismus, den jeder in sich hat, könnte es für die Leser sehr spannend und unterhaltsam sein!

Zum Roman „Fliegender Ring“:

Woher hattest du die Idee zum neusten Buch?
Es handelt sich um eine wahre Geschichte, welche stattgefunden hat. Und ich habe sie bis auf ganz wenige Abweichungen so niedergeschrieben, wie ich sie gehört habe. Es ist eine wirklich verrückte Geschichte! Das Resultat sind 110 Seiten, so wie ich es wollte: Eine kurze prägnante Geschichte, die man in einem „Schnurz“ lesen kann. Eigentlich grad das Gegenteil zum Vorgängerroman „Ewig die Dummen“.

Ist der Inhalt des Romans nicht nur eine Selbstreflexion der Romanfigur Andres Binder, sondern gar auch von dir?
Klar, in dieser Geschichte schwingt sicher auch einiges von mir mit. So wie ich die Figur gesehen habe. Es steckt viel von mir drin.

Zu Aldo‘s Leben:

Wie verdienst du deinen Lebensunterhalt?
Ich gehe derzeit keiner Festanstellung nach und halte mich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Im Frühling und Sommer ist es vor allem eine Anstellung beim Theater Kanton Zürich. Ich war mit ihnen bisher schon siebenmal auf Sommer-Tournee, welche uns im Kanton Zürich von Gemeinde zu Gemeinde führt. Es handelt sich dabei um ein Freilichttheater. Ende Mai ist jeweils Premiere und die Saison dauert bis Mitte Juli. Das ist stets eine ganz intensive Zeit. Meine Aufgabe besteht darin, beim Bühnenbau oder beim Tribünenbau mitzuhelfen.
Das besagte Theater Kanton Zürich ist wohl in Winterthur stationiert, gibt dort aber sehr selten Gastspiele. Sie verfügen über mehrere Stücke, von welchen sie das Bühnenbild in verschiedenen Lastwagen-Anhängern verstauen können. Im Winter hat das Theater hier und dort einige Gastspiele im Kanton Zürich oder auch ausserkantonal. Wenn Bedarf besteht, kontaktiert mich der Technische Leiter.
Weiter arbeite ich für eine Eventagentur, wo ich Auf- und Abbauten mache. Zudem helfe ich auch in einer Schreinerei mit, welche von zwei guten Typen betrieben wird. Nicht eine Schreinerei im herkömmlichen Sinn. Sie machen dort einfache Möbel, modern gestaltet. Wenn sie mich brauchen, rufen sie mich an.
Ich arbeite halt dann, wenn was reinkommt. Es ist ein zweischneidiges Schwert, mit Monaten, wo sehr wenig läuft.

Was bedeutet für dich Familie?
Sie bedeutet für mich ziemlich alles. Klar, ich habe auch andere Dinge, die mir wahnsinnig wichtig sind. Aber im Augenblick ist für mich die Familie mit Abstand das Wichtigste. Ich habe mich entschieden, Kinder zu haben. Ich will einfach da sein für die Familie, und habe mich deswegen sehr eingeschränkt. Kinder grossziehen ist für mich eine Lebensaufgabe. Aber ich vergesse auch mich selber nicht. Und meine Frau und ich vergessen uns nicht. Es ist wichtig, dass man als Paar funktioniert, und sich selber nicht vernachlässigt.

Wie teilst du dir deine Zeit zwischen Familie, Beruf und künstlerischem Schaffen ein?
Mit Hilfe meiner Agenda, ohne sie wäre ich aufgeschmissen. Vor siebeneinhalb Jahren, als Philon geboren wurde, habe ich meine erste Agenda gekauft. Bis dahin hatte ich nie eine Agenda benutzt. Seit Philon’s Geburt ist alles komplett anders. Ich musste lernen, meine Sachen wie die Musik oder das Schreiben, einzuteilen. Dabei habe ich mich am Anfang schwer getan, wusste aber dass es notwendig ist. Denn ich wollte meine Frau unterstützen. Dana und ich haben mittlerweile so einen guten Ablauf miteinander, dass alles mühelos geht und ich auch zu einem freien Morgen oder Nachmittag komme. So kann ich mich darauf vorbereiten und bin dann parat.

Was für Dinge des Weltgeschehens bewegen oder beschäftigen dich derzeit?
Was mich momentan am meisten beschäftigt, ist Syrien. Was dort alles abläuft und passiert. Das geht mir viel durch den Kopf. Und natürlich der Terrorismus allgemein, welcher durch die Massenmedien omnipräsent ist. Wenn ich die Nachrichten höre, stelle ich fest, dass die religiösen Unterschiede immer stärker an den Tag kommen. Ich möchte unbedingt anfügen, dass ich, was die Menschheit und ihre Regierungen anbelangt, ganz klar ein Pessimist bin. Ich bin der Meinung, die Menschen haben sich selbst im jetzigen Zustand verdient. Assad, Erdogan, Putin, Kim Jong-un, Trump…: Alles Grössenwahnsinnige. Die Liste liesse sich beliebig verlängern.
Mehr als die meisten Länder der Erde ist die Schweiz ein gebildetes Land, mit einer direkten Demokratie. Bewohnt von Menschen, die hart arbeiten und dadurch unseren Wohlstand sichern. Es gibt so gut wie keinen gerechtfertigten Grund, mit der gegenwärtigen Lage bei uns unzufrieden zu sein. Ich bin einfach nur froh, hier leben zu dürfen. Es geht uns hier verdammt gut; das dürfen wir nicht vergessen.

Im zweiten Teil, welcher in Bälde aufschaltet wird, behandle ich ausgiebig die künstlerische Tätigkeit von Aldo und den Bezug zu seiner Heimat Muotathal.

feldwaldwiesenblogger

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