Nachgefragt bei Jimmy Erard, dem neuen Präsidenten der Südwestschweizer Schwinger

Letztes Jahr traf ich mich im Rahmen meiner Vorschauen-Serie über das Eidgenössische in Estavayer unter anderem auch mit einem gewissen Jimmy Erard. Dieser Jimmy Erard wurde nun kürzlich am 21. Januar zum neuen Präsidenten des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes (SWSV) gewählt. Er tritt die Nachfolge von Blaise Decrauzat an, welcher während zwölf Jahren dieses Amt umsichtig versah.

Der Aufstieg von Jimmy zum höchsten Schwingerfunktionär in der Romandie hört sich fast wie ein Märchen an. Der Jurassier wurde nämlich erst vorletztes Jahr von einem Mitglied des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes angefragt, ob er über den Schwingsport berichten möchte. Seit Oktober 2015 verfasst Jimmy nun regelmässig für verschiedenste Medien stimmungsvolle Berichte rund um den Schwingsport in der Romandie.

Zur Erinnerung: Jimmy ist ein Westschweizer Medienschaffender, ausgebildeter Journalist und war einige Jahre Redaktor der Schweizerischen Eisenbahnerverbands-Zeitung. Heute arbeitet der schwingbegeisterte Mann als freischaffender Journalist und ist nebenbei auch Medienchef des Neuenburger Kantonalen Schwingerverbandes. Wohnhaft ist der 56-jährige Journalist seit gut 20 Jahren in Chaumont NE. Jimmy stammt vom Kanton Jura und ging dort auch zur Schule, verbrachte aber als Kind einige Jahre in Wilderswil BE. Später arbeitete der Romand zudem einige Jahre als Bahn-Gewerkschaftssekretär in Bern und war tätig als Dolmetscher. Er spricht deshalb auch sehr gut Deutsch. Jimmy hat selber nie geschwungen, spielte früher Eishockey und betreibt heute noch als Hobby den Schiess-Sport.

Am vergangenen Freitag führte ich mit dem frisch gebackenen Präsidenten ein längeres Gespräch. Dabei wollte ich auch wissen, ob der „Quereinsteiger“, ähnlich wie die Jungfrau zum Kind, zu diesem Amt kam.

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Jimmy Erard, der neue Präsident des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes
Bildquelle: Facebook-Seite von ARLS (Association Romande de Lutte Suisse)

Herzliche Gratulation zum neuen Amt als Südwestschweizer Präsident. Wie kam es eigentlich dazu? Du bist bekanntlich ein Quereinsteiger und noch nicht so lange mit dem Schwingsport verbunden.
Ich sagte es dir schon im vergangenen Juni: Wenn ich etwas mache, mache ich es mit vollem Einsatz. Bei den Schwingfesten habe ich mich mit verschiedenen Leuten rund um den Schwingsport angefreundet, auch mit Funktionären. Hinterher habe ich mich mit ihnen öfters an einen Tisch gesetzt. So wurden viele Beziehungen geknüpft.
Es war für mich als Neuenburger nicht selbstverständlich, zu kandidieren. Klar, ich bin ein Quereinsteiger. Aber: Blaise Decrauzat hat das sehr gut gemacht und ich bedanke mich bei ihm für seine Arbeit und die Einführung in mein Amt. Er hat das Team Romandie während 12 Jahren auf einen guten Kurs gebracht. Es macht es mir nun einfacher, das zu übernehmen. Ich sehe mich zudem auch als Manager, da sehe ich meine Stärken. Ich denke, die Südwestschweizer Schwinger haben jemanden gesucht, der auch als Manager arbeiten und verhandeln kann. Ich bringe zudem etwas Zeit mit, da ich als freischaffender Journalist arbeite.
Neben mir kandidierte nur noch ein Freiburger für das Amt. Weil die Freiburger mit Christian Schmutz aber den neuen Technischen Leiter stellen, wurde ich stillschweigend gewählt. Unsere Statuten besagen nämlich, dass der Präsident und der TK-Chef nicht aus dem gleichen Kanton stammen dürfen.

Was für Aufgaben kommen nun auf dich zu? Wirst du beim Zentralvorstand vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) auch eine Funktion übernehmen?
Ich werde weiterführen, was bisher schon gut lief und möchte nicht wie der französische Präsident Hollande alles kaputt machen. Ich möchte zudem gute Beziehungen aufbauen, auch in der Deutschschweiz. Das Gleis wurde bereits von Blaise gelegt. Er und sein Vorstand haben das gut aufgebaut, und ich möchte deren Arbeit dementsprechend weiterführen. Jetzt stelle ich einen Zug zusammen, der mich und mein Team mit verschiedenen Zwischenhalten von A bis Z bringt.
Weiter möchte ich unseren Verband auch medientechnisch voranbringen, damit auch kleine Kantonalverbände wie das Wallis profitieren können. Es müssen die richtigen Weichen gestellt werden. Ich arbeite gerne in flachen Hierarchien, bin durch und durch ein Demokrat und lösungsorientiert. Natürlich werde ich mich auch in die verschiedenen Dossiers einlesen.
Am 16. Februar findet ein Kickoff-Meeting statt, an welchem ich zum ersten Mal eine Vorstandssitzung leite. Wie bereits erwähnt, haben wir mit Christian Schmutz auch einen neuen TK-Chef. Wir haben vor, Vertrauen aufzubauen, und beabsichtigen von Seite des Vorstandes mit einer Stimme zu sprechen.
Welche Funktion ich im ESV-Vorstand übernehmen werde, weiss ich bis dato noch nicht. Ich gehe aber davon aus, dass ich die Arbeiten und Funktionen von Blaise übernehmen werde.

Was für Ziele hast du dir gesteckt?
Ich habe mir schon Ziele gesteckt, bin aber kein Politiker, der leere Versprechen abgibt. Ein Ziel ist sicher, die besten Schwinger an so wichtige Schwingfeste wie den Unspunnen-Schwinget zu schicken. Ich möchte, dass wir eine oder mehrere Lokomotiven im Verband haben, welche die übrigen mitziehen. Mit dem Neuenburger Samuel Dind haben wir übrigens beim Berchtold-Schwinget (Rang drei) das Schwinger-Jahr gut gestartet. Nebst guten Resultaten gehört auch die Präsenz der Schwinger dazu. Die technische Crew hat zudem meine volle Unterstützung.
Ein längerfristiges Ziel ist der Eidgenössische Nachwuchsschwingertag (ENST) von 2018. Wir haben ein junges und motiviertes Team, diese gilt es möglichst gut auszubilden und weiterzubringen.
Ein weiteres Ziel ist, 2017 alle Schwingfeste in der Romandie zu besuchen und wenn irgendwie möglich, mit allen Kommissionen einmal zusammenzusitzen. Meine Frau unterstützt mich und steht hinter mir, wenn ich in nächster Zeit weniger zuhause bin. Den Entscheid zu diesem Amt habe ich zusammen ihr gefällt.

Was denkst du, was erwartet die Südwestschweizer Schwingergemeinde von dir?
Viele Dinge, aber sicher nicht eine Revolution. Sie möchten, dass ich weiterführe, was bereits eingeführt wurde. Ich muss zuerst auch Erfahrungen sammeln und mit den Leuten reden. Dann sehen wir, welche Wege sich dabei eröffnen. Die Schwinger haben viele Erwartungen. Und: Ich möchte das so weiter pflegen wie das Blaise bereits begonnen hat.

Wirst du auch beim Trainingsgeschehen ein Wörtchen mitreden?
Mindestens verfolgen und beim Aufbau helfen. Die Trainingsansprüche werden immer höher angesetzt. Ich habe sehr gute Leute mit viel Erfahrung, und möchte ihnen nicht dreinreden. Das sind praktisch Halbprofis und sie wissen was zu tun ist. Zuerst arbeite ich mich ein und dann stelle ich sicher Fragen. Ich werde bei den Trainingscamps dabei sein und möchte auch die Jungschwinger motivieren. Das macht sich jeweils gut, wenn ein Vorstandsmitglied vor Ort ist.

Wie beurteilst du die momentane schwingerische Situation in der Südwestschweiz?
Ich will nicht auf Estavayer2016 zurückkommen. Für Blaise und sein Team war es nicht das, was sie erwartet haben. Der Kranz wurde knapp verpasst. Wir müssen jetzt viel arbeiten. Es gibt aber auch Positives zu berichten: Der Schwingklub Oberwallis hat kürzlich seinen Betrieb aufgenommen. Sie trainieren dort zweimal pro Woche, und ich möchte sie irgendwann besuchen.
Wenn die Resultate da sind, ist die Situation für uns auch gut. Stimmen diese nicht, wird es schwierig. Wir müssen mit den Medien mehr zusammenarbeiten und brauchen dafür ein neues Konzept. Da gibt es viel zu tun.
Den meisten Schwingern geht es gut. Wir haben zurzeit nicht viele Verletzte zu beklagen. Wir surfen nach wie vor auf der guten Stimmung von Estavayer, und das möchten wir noch eine Weile tun.
In der Deutschschweiz gibt es andere Unterstützungsmöglichkeiten von Seiten der Sponsoren. Diesbezüglich haben wir in der Romandie einfach Mühe. Ich denke, wenn die Resultate stimmen, werden sie schon kommen. Wir müssen einfach präsent sein, auch bei Schwingfesten in der Deutschschweiz.

War nach dem ESAF ohne Kranzgewinn Katzenjammer zu spüren?
Jeder war sehr enttäuscht, auf allen Ebenen. Es war wie ein Knockout. Wir sind am ESAF sehr schlecht bezahlt worden. Am Sonntagmorgen war ich noch überzeugt, dass es zum Kranzgewinn reicht. Das Kollektiv hat vielleicht ein bisschen versagt. Man sagt aber auch: „Stürzt man vom Pferd, soll man wieder aufstehen und weitermachen.“ Es kann also nur noch besser werden. Wir möchten dabei nicht zu grosse Erwartungen schüren. Die Plätze für künftige Grossanlässe sollen viel teurer werden. Es liegt nun an der Technischen Kommission, die besten Schwinger für solche Schwingfeste zu selektionieren. Einer, der ständig präsent ist, und regelmässig gute Resultate zeigt, ist dabei.
Trotz der Enttäuschung: Gratulation ans Team Romandie, wie sie sich am ESAF zeigten und dort auch wichtige Freundschaften pflegten. Aber eben, die Resultate fehlten. Die Zukunft liegt nun bei den Jungen. Dort haben wir ein grosses Potential.

Bedeutete Estavayer2016 wirklich eine Signalwirkung für den Schwingsport in der Romandie? Sind beispielsweise die Jungschwinger-Zahlen anschliessend angestiegen und konnten neue Sponsoren hinzugewonnen werden?
Auf Basis der Resultate blieb diese Signalwirkung aus. Es fehlte eben der so wichtige Eidgenössische Kranz. Wir haben zwar treue Sponsoren. Aber neue Sponsoren zu gewinnen ist sehr schwierig. Das Risiko ist für sie einfach zu gross. Aber: In unseren Nachwuchs würde ich persönlich investieren.
Den Eidgenössischen Schwinger-Schnuppertag haben wir 2016 leider verpasst. Da müssen wir in Zukunft mehr machen. Uns auch bei den Schulen zeigen. Wir müssen Präsenz markieren. Denn: Gutes Material vom ESV ist vorhanden, wir müssen es nur einsetzen.
Wir müssen auch einen technischen Leiter für die Jungschwinger finden, das ist sehr wichtig. Wir hätten einige Kandidaten, die dafür prädestiniert wären. Leider sprechen sie nicht so gut Deutsch. Dies ist eine Voraussetzung für das Amt, auch wegen der Arbeit mit den anderen Teilverbänden. Zudem müsste so eine Person bereit sein, für die ganze Romandie zu arbeiten.
Trotzdem: Wir haben etliche gute Leute rund um den Schwingsport in der Romandie, und viele davon haben auch gute Beziehungen in die Deutschschweiz.

Hat das Interesse für den Schwingsport in der Bevölkerung der Romandie nach dem Eidgenössischen eher noch zugenommen oder ist es schon wieder am Verflachen?
Im Kanton Freiburg ist das Interesse nach wie vor gross. Dort war das Schwingen schon immer sehr präsent. In den anderen Kantonen ist das Interesse eher wieder am Verflachen. Das Eidgenössische war wunderbar, die Leute haben zugeschaut. Aber es gibt nun ein Leben nach dem ESAF, und die meisten beschäftigen sich wieder mit anderen Dingen. Deshalb müssen wir auch die Medienarbeit verstärken.

Wird man dich in Zukunft an Schwingfesten in einer Doppelfunktion antreffen: Einerseits als Journalist, welcher Schwingberichte verfasst, andererseits als SWSV-Präsident?
Das wird sicher so sein. Mindestens für ein Jahr, bis das neue Pressekonzept umgesetzt ist. Die Neuenburger Schwingerkameraden fragten mich nach der Wahl als erstes, ob ich sie nun fallen lasse. Ich entgegnete ihnen, dass ich das nicht tun werde. Klar ist, dass ich an den Schwingfesten nun auch andere Aufgaben haben werde. Aber: Ich schreibe nach wie vor Berichte über die Schwingfeste, denn es ist mein Hauptbroterwerb. In Zukunft einfach nicht mehr ganz so viele.

Du hast mir letztes Jahr gesagt, dass du betreffs Schwingsport ein neues Informations- und Pressekonzept für die gesamte Romandie einführen möchtest. Wie sieht der Stand der Dinge aus?
Der Stand heute sieht so aus, dass wir dafür eine gute Basis geschaffen haben und das Konzept nun dem Vorstand präsentieren wollen. Wir möchten dabei ein paar Neuerungen einführen. Wie zum Beispiel ein Internet-Streaming von den Kantonalen, vom Schwarzsee-Schwinget und vom Teilverbandsfest. Ich möchte auch, dass diese Übertragungen von guten Leuten kommentiert werden. Dieser Punkt muss noch ein wenig präzisiert werden. Ich habe dafür bereits eine Person gewinnen können.
Weiter möchte ich auch qualifizierte Leute für die Berichterstattungen rekrutieren. Diese müssen teilweise noch ausgebildet und dazu motiviert werden, leicht verständliche und interessante Berichte zu verfassen.
Mein Vorgänger Blaise hat uns signalisiert, dass er mithelfen wird. Wir werden das Ganze mit ihm zusammen aufbauen.

Wird man dich als neuen SWSV-Präsidenten auch ab und zu an Schwingfesten in der Deutschschweiz antreffen?
Natürlich, es ist ebenfalls ein Ziel. Meine Absicht ist es, mit meinen Deutschschweizer Kameraden gute Beziehungen zu pflegen. Ich werde mich auch um Austausch bemühen, wie beispielsweise Trainingsbesuche unserer Schwinger in der Deutschschweiz. Selbstverständlich auch umgekehrt.
Mir schwebt vor, dass ich nicht nur die grössten Feste in der Deutschschweiz besuche. Wenn es meine Zeit erlaubt, besuche ich auch Kantonale Schwingfeste. Dabei werde ich sicher auch beobachten, wie die Anlässe ablaufen. Vielleicht kann ich das eine oder andere für die Westschweiz übernehmen.

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Jimmy Erard, beim Gespräch im Juni 2016 (Murten FR)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Vom 4. bis 5. März findet in Marin im Kanton Neuenburg die Abgeordnetenversammlung (AV) vom Eidgenössischen Schwingerverband statt. Jimmy sagt dazu: „Ich habe bei der AV eigentlich zwei Ämter: Einerseits werde ich als Südwestschweizer Verbandspräsident anwesend sein und beispielsweise die Vorversammlung der Romands leiten. Ich arbeite aber auch als Sekretär für diesen Anlass, welchen ich mit meinem Team organisiere. In Marin werde ich unter anderem am Empfang sein. Ich habe nämlich grosse Freude, meine Deutschschweizer Kollegen im Kanton Neuenburg begrüssen zu können“.

Ich bedanke mich bei Jimmy für das gut einstündige Telefongespräch und wünsche ihm bei seinem verantwortungsvollen Präsidialamt viel Freude, Durchhaltewillen aber auch die so wichtigen Erfolge.

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Bad Sin – Die ultimative Rock’n’Roll-Band aus dem Muotatal

Am 19. Januar, einem Donnerstagabend, stattete ich der Muotathaler Rock’n’Roll-Band Bad Sin einen Besuch ab. In ihrem gemütlichen „Rümli“, wie sie ihren Proberaum fast liebevoll nennen, setzten wir uns auf die gemütliche Couch. Bei einem Bierchen erzählten mir die vier Jungs von ihrer Band, ihre Vorgeschichten und was alles rund um ihre „Böse Sünde“ abläuft.

Bad Sin wurde 2015 gegründet. Drei der vier Mitglieder proben aber schon seit 2002 gemeinsam im „Rümli“, vorher als Asskick und The Sinalcos. Wer aber spielt alles bei Bad Sin?

Sandro „Blundi“ Ablondi: Der 36-Jährige Muotathaler ist Leadsänger und Gitarrist von Bad Sin. Blundi erlernte den Beruf eines Maurers und arbeitet mittlerweile bei der Inderbitzin AG. Er sagt von sich, dass er nicht geschieden und nicht verheiratet sei. Blundis musikalische Laufbahn begann bei den Lumber Jack, zusammen mit Urs Imhof, Sandro Imhof und Marco Suter. Blundi dazu: „An einer Hinterthaler Chilbi spielten wir mal ein Konzert.“ Später kam die Band Morsachum hinzu, und irgendwann No Class, wo er heute noch spielt. Dann wurde aus Morsachum die Band Asskick. Nachdem Asskick Geschichte war, folgte The Sinalcos, die Vorgängerband von Bad Sin.

Beat Immoos: Der aus Morschach stammende Lead-Gitarrist ist 38-jährig und absolvierte eine Lehre als Elektromonteur. Beat arbeitet schon seit gut 16 Jahren bei der Firma Späni Zentralstaubsauger. Seine musikalischen Aktivitäten startete er um das Jahr 1995 bei Morsachum. Nach Morsachum kam Asskick. Später spielte Beat auch bei Beny Beny and the Loosers, Dirty Beats, Krolok, Five and half Thumbs und The Sinalcos. Zwischendurch betätigte er bei Five and half Thumbs auch den Bass. Inzwischen ist der Elektromonteur wieder an der Gitarre: „Back to the roots“, wie er dazu meint. Übrigens: Mit Blundi macht Beat schon seit etwa 20 Jahren gemeinsam Musik.

Sandro Köchli: Der Drummer ist der jüngste der Band, Muotathaler, 30-jährig und ausgedienter Zivilschützler. Köchli ist verheiratet und wird im kommenden April bereits zum dritten Mal Vater. Der gelernte Maurer arbeitet heute in einer Zimmerei. Den musikalischen Start erlebte Köchli im zarten Alter von 12 Jahren mit Entrails, bei welchen er mit Marcel Betschart, Carlo Gwerder und Jörg Gwerder musizierte. Im April 2000 kam der Schlagzeuger als 13-Jähriger zu Asskick. Beat: „Mit Sandro kam der Schnitt und wir machten aus Morsachum Asskick“. Mit Beat und Blundi macht Köchli bereits um die 17 Jahre Musik.

Heiner „Ozzy“ Suter: Der 33-jährige Illgauer zupft den Bass und ist für die Backing Vocals zuständig. Ozzy ist geschieden, hat zwei Kinder und ist von Beruf Treuhänder. Er begann seine musikalische Laufbahn bei der Illgauer Rockband Craft, welche sich inzwischen in Greatdane umbenannt hat. Nebst Greatdane spielt Ozzy auch noch bei Easy Daisy, bei welchen auch Köchli und Blundi dabei sind. Köchli ergänzt: „Unser aller erster gemeinsamer Auftritt spielten Ozzy und ich bereits in ganz jungen Jahren. Und zwar bei einem Konzert der Musikschule Muotathal-Illgau.“

Die Mitglieder von Bad Sin erklärten, dass sie einmal pro Woche jeweils an einem Dienstagabend proben. Letztes Jahr spielten sie neun Auftritte, insgesamt waren es bisher um die 20 Auftritte.

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Bad Sin auf dem Sofa: Blundi, Köchli, Beat und Ozzy (von links nach rechts)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie kam es zur Gründung von Bad Sin?
Blundi: Mit The Sinalcos machten Beat, Köchli und ich zu dritt Musik. Ich sagte zu Beat schon lange, dass er wieder an die Lead-Gitarre soll. Eigentlich ist das wie Perle vor die Säue geworfen, wenn er Bass spielt. Uns war dann klar, dass wir einen Bassisten brauchen. Ich hatte schon von Anfang an einen im Kopf, und das war Ozzy. Der perfekte Mann für uns.
Beat: Nebenher lief sowieso das Projekt Easy Daisy. Deshalb kannten Köchli und Blundi Ozzy bereits. The Sinalcos gibt es nun nicht mehr. Aus dieser Formation entstand zusammen mit dem Illgauer Bad Sin.
Köchli: Als wir Ozzy anfragten, sagte er eigentlich sofort zu. Dann kam das Ganze ins Rollen, und wir starteten im Frühling 2015 mit den Proben. Das „Sahli Rock“ 2015 war unser erstes Konzert als Bad Sin.
Blundi: Als wir zu proben begannen, hatten wir es sehr lustig miteinander.
Beat: Es ist zwar schön, im Trio zu musizieren. Man ist aber auch eingeschränkt bei den Songs, die man spielen kann. Zudem klingen die Songs im Quartett einfach voller. Mit Ozzy haben wir eine weitere Möglichkeit, welche wir bisher nicht hatten: Background-Gesang.

Wo seht ihr eure Einflüsse?
Köchli: Zu diesen gehören AC/DC, Rose Tattoo, Status Quo, Chuck Berry, CCR, Johnny Winter oder Motörhead.
Beat: Rock aus den 1970iger-Jahren beeinflusste uns sehr. Weiter auch viele gute Klassiker der Rockgeschichte, wie von den Black Sabbath oder Led Zeppelin.

Von welchen Bands spielt ihr „Covers“?
Beat: Wir versuchen tolle Covers von nicht unbedingt bekannten Songs im Programm zu haben. Übrigens: Mit Bad Sin spielen wir nicht die gleichen Songs wie bei The Sinalcos. Ins Repertoire wurden neue Songs aufgenommen.
Ozzy: Es handelt sich dabei um Covers von Rose Tattoo, AC/DC, Status Quo, Rolling Stones, CCR, The Faces oder Aerosmith.
Blundi: In unserem Programm sind natürlich Songs von Bands, von welchen wir beeinflusst wurden. Bei uns kann jeder Songvorschläge bringen. Wir spielen im Proberaum die Songs an, und wenn sie allen gefallen, nehmen wir sie ins Repertoire auf.
Beat: Viele Bands, welche uns beeinflussten, und von welchen wir Covers nachspielen, sind zugleich unsere Lieblingsbands.

Wie sieht es mit Eigenkompositionen aus?
Köchli: Im jetzigen Repertoire befinden sich bereits drei Eigenkompositionen, welche wir mittlerweile regelmässig live spielen.
Blundi: Der Stil ist wie gehabt Rock’n’Roll, so wie ihn heutzutage nicht mehr viele bringen. Wie der Rock’n’Roll früher war, ohne grossen Schnickschnack. Zudem sind wir an weiteren eigenen Songs dran.
Beat: Blundi kommt mit den Ideen. Wir beide sitzen zusammen und arrangieren diese. Er schreibt auch die Texte, welche in Englisch verfasst sind.
Blundi: Es ist schon viel wert, wenn die Gitarristen wissen, was sie spielen sollen. Und: Bisher war es bei jeder neuen Song-Idee so, dass der Bassist und der Drummer so spielten, wie ich es mir vorgestellt habe.
Ozzy: Lange darüber diskutiert haben wir bisher noch nie. Wir spielten diese Songs einfach.

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Bad Sin an ihren Instrumenten
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Was für Ambitionen hegt ihr, oder anders gefragt: Verfolgt ihr gesteckte Ziele?
Beat: Nein, nicht mehr. Früher hätte man vielleicht mehr Ambitionen gehabt.
Blundi: Wir tun es aus Spass. Darum fühlt es sich auch so gut an, weil wir nichts müssen. Ziel ist es, gute Shows zu spielen.
Köchli: Wir wollen nichts erzwingen. Schön ist es, wenn es bei den Auftritten etwas zu essen gibt. Das ist gewöhnlich die erste Frage von Ozzy.
Ozzy: Ich möchte einfach den Plausch haben. Wir proben auch nicht stur, manchmal ist es mehr ein „jammen“.

Ist gar eine CD im Gespräch?
Ozzy: Ich sehe es als Fernziel.
Blundi: Ich denke, wenn wir einige Eigenkompositionen beisammenhaben, möchten wir sie sicher aufnehmen. So eine CD würde nur eigene Songs beinhalten. Wir sind nämlich nicht KROKUS!
Beat: KROKUS haben Coverversionen auf ihrem neusten Tonträger verewigt, die man gar nicht besser als das Original spielen kann. Wenn wir Covers ins Programm aufnehmen, schauen wir oft darauf, dass diese eher die „B-Seiten“ von bekannten Singles waren.

Im Raum Schwyz habt ihr einen exzellenten Ruf als Rock’n’Roll-Band. Wie weit kennt man euch inzwischen?
Ozzy: Wie weit geht der Raum Schwyz?
Köchli: Wir spielten bisher im Raum Schwyz, Einsiedeln und in Ausserschwyz auf.
Beat: Für dieses Jahr erhielten wir auch Anfragen für Sennwald SG oder Bubendorf BL. Hinter der Anfrage von Bubendort steckt Cello Hertner, der Tastenmann von dustyboots. Aber wir müssen natürlich darauf schauen, ob die Termine allen passen.
Blundi: Letztes Jahr spielte ich insgesamt 42 Konzerte, sehr viele mit No Class. Aber die Termine liessen sich immer gut vereinbaren, auch mit Bad Sin. Diesen Umstand verdanke ich meiner übersichtlichen „Analog-Agenda“.

Wo sieht man euch dieses Jahr live?
Köchli: Den ersten Auftritt des Jahres spielten wir bereits am 14. Januar im Bastards Place. Der nächste Termin ist das Handballfest vom KTV Muotathal am 25. März.
Beat: Beim Grümpi in Muotathal sind wir gebucht, weiter bei den Einsiedler Musiktagen. Offen ist die bereits angesprochene Anfrage betreffs Sennwald und eine für November im Zürich-Oberland.
Blundi: Wenn ich mit den No Class unterwegs bin, rühre ich für Bad Sin stets auch die Werbetrommel.
Ozzy: Die Anfragen kommen meistens über unsere Facebook-Seite rein. Diese Seite hat Beat in Betrieb genommen, und unterhält sie auch.
Beat: Eine Facebook-Seite ist sehr praktisch, und sie kann einfach auf dem neusten Stand gehalten werden. Eine Homepage zu betreiben ist so eigentlich gar nicht nötig. Auf Facebook sehen nämlich relativ viele Leute, was läuft.

Wie bereitet ihr euch jeweils auf ein Konzert vor?
Beat: Mental, jeder auf seine Weise. Einige sind schon ein wenig nervös vor einem Gig.
Blundi: Vor einem Konzert spielen wir in einer Probe nochmals alles durch. Kurz vor dem Auftritt trinken wir zusammen ein Bier, und erzählen uns schmutzige Witze.

Lebt ihr eigentlich ein Rock’n’Roller-Leben, gemäss dem Motto „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“?
Alle lachen.
Blundi: Ja!
Köchli: Das kann man schon sagen!
Ozzy: Der Sex dürfte noch mehr sein!
Beat: Heutzutage heisst das „Kuschelsex, Laktoseintoleranz und Helene Fischer“!

Was denkt ihr über das aktuelle Musikgeschehen hier im Raum Schwyz?
Köchli: Es hat einige gute Bands, schon immer gehabt. Kanton Schwyz rockt – der Rock’n’Roll boomt hier einfach! Wir erlebten das im vergangenen Dezember beim Konzert im Gaswerk.
Ozzy: Muotathal, Illgau – da geht einiges an Musik ab. Auch mit jungen Bands. Wenn es nur überall so wie bei uns wäre.
Beat: Auch in Gersau oder Einsiedeln hat es eine lebendige Musikszene.

Wie sieht das in der übrigen Schweiz aus?
Blundi: Ich durfte schon einige Auftritte erleben, auch mit No Class. Aber die Stimmung ist nirgends so wie bei uns im Muotatal, wo das noch richtig zelebriert wird. Keinem ist es hier in den Kopf gestiegen und man kann sich praktisch mit allen unterhalten. Auswärtige Bands spielen einfach anders, moderner. Wenn du hier Rock’n’Roll spielst, wissen die Leute, wie es klingen muss. Das ist auswärts einfach anders.
Köchli: Es ist das Muotatal selber, es ist nicht mal Schwyz. Hier ist es einfach speziell, mit dem rauen Sound.
Ozzy: Eine so tolle Stimmung an Konzerten wie im Bastards Place oder früher in der Vorhöll triffst du fast nirgends an.
Beat: Wir traten vor einigen Jahren mit The Sinalcos als Vorband von den Backstreet Girls in der Vorhöll auf. Das war schon spitze!

Was wünscht ihr Euch für dieses Jahr?
Blundi: Ein neues Velo! (Alle lachen)
Köchli: Das Ziel wäre, den Proberaum ein wenig zu renovieren. Ein neuer Boden samt neuem Teppich wäre schön. Wenn dieser Boden sprechen könnte, wüsste er einiges zu erzählen…

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Bad Sin live im Gaswerk in Seewen SZ (17. Dezember 2016)
Bildquelle: schulerfotos.ch

Auf der bandeigenen Facebook-Seite beschreibt sich Bad Sin so: „Rock’n’Roll ehrlich und laut, mal lustig mal versaut, und durstig wenn’s haut!“ Beim Interview sprachen die vier lustigen und durstigen Rock’n’Roller oft ihren Proberaum an. Hier haben sie gewissermassen ihr zweites Zuhause. Nebst den Proben gehört auch das Gesellige dazu. Zudem hatten sie schon etliche Male Besuch. So fand 2007 im „Rümli“ eine legendäre Jamsession mit einem Rose Tattoo-Gitarristen statt. Die australischen Rocker spielten damals in der Konzerthütte hinter dem Restaurant Alpenrösli. Die musikalische Party ging dann im Proberaum weiter, bis ihnen die Vermieterin den Strom abdrehte. Blundi dazu: „Aber ansonsten haben wir es sehr gut mit unserer Hausmeisterin. Mit ihr haben wir ein gutes Los gezogen! Sie hatte es sicher nicht immer einfach mit uns. Wir haben uns aber etwas gebessert.“
Nebst der erwähnten Jamsession waren auch schon die Backstreet Girls, eine Rockband aus Oslo, im Proberaum. Die Norweger spielten tags darauf in der Vorhöll.
Beat ergänzt: „Es wurden schon einige Feste hier unten gefeiert. Einst waren unsere Proben wie kleine Konzerte, und es befanden sich fast jedes Mal um die zehn Zuschauer oder gar mehr im Rümli.“ Köchli lud gar dereinst zum Polterabend. Der Proberaum wüsste also einige Geschichten zu erzählen.
„Mit Krolok spielten wir hier unser letztes Konzert. Damals wurden 43 Personen hier drin gezählt“, rundet Köchli dieses Thema ab.

Ich bedanke mich bei Bad Sin für das Gespräch, bei welchem sehr viel gelacht wurde, und wünsche ihnen für ihren weiteren Weg alles Gute. Zum Schluss des Interviews meinte Blundi: „Jetzt trinken wir noch ein Bier!“ In dem Sinne: Prost zusammen!

feldwaldwiesenblogger

Wie geht es eigentlich Michael Bächli, dem hoffnungsvollen Talent aus dem Aargau?

Michael Bächli gewann 2014 mit erst 16 Jahren beim Baselstädtischen Schwingertag den ersten Kranz. Im Jahr darauf lancierte der 203 Zentimeter grosse Sennenschwinger mit vier Kränzen eine hoffnungsvolle Karriere. Leider verletzte er sich im August 2015 schwer und musste darauf eine längere Pause einschalten. Um Michael wurde es seither ruhig. Wie geht es eigentlich dem Wirtschaftsmittelschüler, welcher am 18. Juli 19 Jahre jung wird?
Ich wollte es genauer wissen, griff zum Telefonhörer und stellte dem in Würenlingen AG wohnenden Talent einige Fragen.

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Michael Bächli
Bildquelle: Facebook-Seite von Michael Bächli

Wie geht es dir? Kannst du wieder ganz normal trainieren?
Im August 2015 riss ich mir beim Basellandschaftlichen Kantonalschwingfest das Kreuzband im rechten Knie. In der Folge machte ich Rehabilitation und nahm das Training wieder auf. Im Mai 2016 zog ich mir im Training erneut einen Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Seither sind nun sieben Monate vergangen. Das Kraft- und Konditionstraining gehen nun ohne Einschränkung, und es läuft gut dabei. Jetzt steht für mich der Schritt zurück ins Sägemehl bevor: Schwingtraining kann ich zurzeit noch nicht absolvieren, das werde ich wohl in einem Monat aufnehmen.

Wie sah dein bisheriger Weg zurück aus?
Ich wurde beide Male von Doktor Hennig Ott operiert. Darauf folgte die Physiotherapie bei Felix Zimmermann im ALTIUS Swiss Sportmed Center in Rheinfelden. Die Rehabilitation, welche gut verlief, ist noch nicht ganz abgeschlossen und befindet sich in der finalen Phase. Ich hatte dabei praktisch keine Rückschläge zu verzeichnen und bin zuversichtlich, dass der Weg zurück weiterhin gut verlaufen wird.

Wer oder was hat dich in dieser, sicher nicht immer ganz einfachen Zeit unterstützt und begleitet?
Sicher mein ganzes Umfeld. Meine Familie und mein Trainer Tommy Herzog waren in dieser Phase sehr wichtig für mich. Natürlich sind sie es auch jetzt noch.
Nach der ersten Verletzung war das bevorstehende Eidgenössische in Estavayer meine Motivation. Ich absolvierte im Frühjahr 2016 einige wenige Schwingtrainings, die mich sehr positiv stimmten. Als ich mich wieder verletzte, halfen mir diese positiven Eindrücke die Motivation zu behalten.

Wie geht man mit so einer Verletzungsgeschichte eigentlich um?
Es war natürlich schon schwierig, da ich im Jahr 2015 gerade eine erfolgreiche Phase erlebte. Ich bin quasi von einem Hoch in ein Tief gefallen. Es gab danach Tage, in welchen es mir nicht so gut ging. Dann wieder Tage, wo es besser lief. Ich war aber immer motiviert, den
Weg zurück zu finden. Meine Motivation hat mir dabei sehr geholfen.

Wie sieht dein Training zurzeit aus?
Ich gehe momentan zweimal pro Woche in die Physiotherapie, absolviere ebenfalls zweimal pro Woche ein Athletiktraining bei Tommy Herzog und auf dem Programm steht noch eine weitere Kraft- und Ausdauereinheit.

Was für Schwerpunkte setzt du dir beim Training?
Momentan geht es um die Maximalkraftsteigerung. Bald geht es zum Schnellkrafttraining über, um die Rehabilitation abschliessen zu können.

Beinhaltet dein Training auch gezielte Prophylaxe und Vorbeugung hinsichtlich Verletzungen?
Ja. Wichtig ist vor allem, dass ich die Muskeln wieder aufbauen und so Stabilität generieren kann. Bei der Physiotherapie arbeitet man sowieso daran, Verletzungen vorbeugen zu können. Das hat viel mit Stabilität und Koordination zu tun.

Ich habe gesehen, dass die beiden Zuger Schwinger Pirmin und Marco Reichmuth auch bei Tommy Herzog trainieren?
Wir bilden zwar keine Trainingsgemeinschaft, aber wir haben den gleichen Trainier und die Trainingszeiten überschneiden sich manchmal. Wir absolvieren aber nicht jedes Training gemeinsam.

Du konntest mit Pirmin Reichmuth sicher Erfahrungen austauschen?
Ja, Pirmin durchlebte praktisch die gleiche Verletzungsgeschichte und dient mir gewissermassen als Beispiel. Da ich in gut einem Monat ins Sägemehl zurückkehren möchte, fragte ich ihn, wie er das damals erlebte und angestellt hat.

Du hast 2015 als 17-Jähriger gleich vier Kränze gewonnen, als Krönung den Brünigkranz. Ist das die Folge von gezieltem Aufbau und Training?
Vor den Erfolgen habe ich in die Sport-Kantonsschule gewechselt und begann mit Tommy Herzog zu trainieren. Dabei habe ich im physischen Bereich zugelegt, da das ganze Training professionalisiert wurde.

Bei welchem Schwingfest planst du dein Comeback?
Wenn alles gut läuft, sollte ich beim Aargauer Kantonalen in Brugg (7. Mai) starten können. Ganz genau kann ich das natürlich noch nicht sagen.

Wie sieht deine weitere Saisonplanung aus?
Wir können als Gäste ans Zürcher Kantonale, welches eine Woche nach dem Aargauer auf dem Programm steht. Diese Saison richte ich den Fokus darauf aus, an die vergangenen Erfolge anknüpfen zu können. Wichtig ist für mich, dass ich ein Fundament nach der langen Verletzungspause legen kann.

Welche Ziele hast du dir für 2017 gesteckt?
Das Wichtigste ist, dass ich gesund bleibe und auf die Sägemehlplätze zurückkehren kann. Mein Ziel ist es wieder das Level zu erreichen, das ich vor der Verletzung hatte, oder gar zu steigern. Ich kann momentan aber nicht richtig einschätzen auf welchem Level ich mich befinde.

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Michael Bächli und Steven Moser beim Weissenstein-Schwinget 2015
Bildquelle: Facebook-Seite von Michael Bächli

Mein Dank für die Informationen geht an die Adresse von Michael Bächli. Das hoffnungsvolle Schwing-Talent ist nun daran, seine 2015 unterbrochene Karriere wieder fortzusetzen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er in selbem Jahr den Brünigkranz gewann. Da verrichtete ein baumlanger Jüngling beste Arbeit im Sägemehl und überraschte die meisten Zuschauer mit seiner effizienten Schwingweise.
Für den Wiedereinstieg und seine weitere Karriere wünsche ich dem jungen Aargauer alles Gute, viel Erfolg und in erster Linie beste Gesundheit!

feldwaldwiesenblogger

„zwilch.ch“ – Die Schwingresultate-Datenbank: Nachgefragt bei Patrick Rohrer

Von „zwilch.ch“ schon gehört und allenfalls genutzt? Hierbei handelt es sich um eine Schwingresultate-Datenbank, laut Homepage mit allen Schwingresultaten seit 1998: „Mit über 6’700 Schwingern, 1’400 Schwingfesten und über 360’000 Paarungen.“
Patrick Rohrer, der Betreiber dieser äusserst interessanten Homepage, sagt dazu: „Nach viereinhalb Jahren Arbeit war es im Juni 2015 soweit und ich konnte mit zwilch.ch online gehen.“ Wie kam Patrick eigentlich dazu, „zwilch.ch“ ins Leben zu rufen? Seine Erklärung: „Ich war vor ein paar Jahren mit einigen Feuerwehrkameraden am Innerschweizerischen in Küssnacht SZ. Einige von ihnen waren das erste Mal an einem Schwingfest. Sie hatten eine Menge Fragen zu den laufenden Paarungen. Ich konnte ihnen dabei nicht alles erklären und dachte, dass es im Internet sicher etwas gibt, um dies nachzuschlagen. Gab es jedoch nicht. Ich habe das dann selbst in die Hand genommen. So ist in kurzen Worten zwilch.ch entstanden.“

Ich wollte über zwilch.ch, seine Entstehung und den Betreiber mehr in Erfahrung bringen. Aus diesem Grund stellte ich Patrick zehn Fragen.
Patrick Rohrer ist 37 Jahre alt und arbeitet bei der Primus Brandschutz AG in der Aussendienst-Beratung und im Verkauf. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne im Alter von fünf und acht Jahren und wohnt in Meggen LU. Zu seinen Hobbys zählt er die Feuerwehr, die Trychlergruppe, die Schwingfeste und das Rudern.

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Patrick Rohrer, der Betreiber von „zwilch.ch“
Bildquelle: Patrick Rohrer

Patrick Rohrer, hast du eine Vorgeschichte im Schwingsport?
Nein, ich habe im Schwingsport keine Vorgeschichte. Mich faszinieren der Schwingsport sowie das gesamte Ambiente sehr.

Wie kamst du dazu, mit „zwilch.ch“ eine Schwingresultate-Datenbank auf die Beine zu stellen?
Wie bereits eingangs erwähnt, war ich 2011 zusammen mit Feurwehr-Kameraden am Innerschweizerischen Schwingfest in Küssnacht SZ. Meine Kollegen wollten immer wissen, wer denn in den jeweiligen Gängen der Favorit sei. Ich wusste dabei auch nicht alles… Schon bald antwortete ich ihnen: Schaut doch im Internet nach, da gibt es sicher etwas, wo man bisherige Paarungen eingeben kann und deren Ausgänge ersichtlich sind. Ich staunte jedoch sehr, dass es dies nicht gab.
Ich dachte mir, wenn es das nicht gibt, machst du es halt selbst.

Wer hat dich bei deiner riesigen Arbeit unterstützt?
Ich habe es alleine gemacht.

Wie lange hast du an dieser Homepage gearbeitet?
Bis die Daten aktuell waren, hatte ich etwa vier Jahre daran gearbeitet.

Woher bezogst du eigentlich alle Resultate?
Die jeweiligen Ranglisten beziehe ich aus dem Internet. Von einigen Schwingfesten bekomme ich die Ranglisten bereits direkt.

Die Datenbank ist einfach zu bedienen. Woher stammt das Knowhow, um so eine Homepage zu entwickeln?
Ich habe die Seite mit einer Informatikfirma zusammen erstellt. Mein Ziel war, dass die Seite auf das wesentliche reduziert werden soll, jedoch dem aktuellsten Stand der Technik entspricht. Das ist meines Erachtens auch gelungen.

Du betreibst diese Seite ganz allein und bist auf der Suche nach Sponsoren. Wie sah der finanzielle Aufwand bisher aus?
Ja, ich betreibe die Seite alleine und finanziere sie auch selbst. Bis anhin hatte ich Ausgaben von etwa 8’000 Franken. Die monatlichen Kosten betragen um 400 Franken. Dazu gehören die Wartung der Seite, das Hosting, die Implementierung der Daten sowie die Kosten für die Erstellung der Seite.
Um die Seite weiter den Schwingern, Schwingbegeisterten und Medien anbieten zu können, bin ich dringend auf finanzielle Unterstützung von Sponsoren angewiesen.

Du sitzt nun nach jedem Wochenende an deine Homepage und fütterst sie mit den neusten Resultaten. Geht dir dabei noch jemand zur Hand?
Die Daten führe ich selbst zusammen. In die Homepage implementiert werden diese von der Informatikfirma.

Wie gross sieht der zeitliche Aufwand während der Schwingfestsaison aus?
Pro Schwingfest beträgt mein Arbeitsaufwand etwa 30 Minuten. Bei etwa 160 Festen pro Jahr ergibt dies um die 80 Stunden Arbeit pro Jahr, nur um die Ergebnisse aller Schwingfeste zu erfassen. Daneben fallen noch diverse Arbeiten an.

Wie sieht eigentlich ganz allgemein betrachtet das Feedback zu „zwilch.ch“ aus?
Das Feedback von Festbesuchern, Kampfrichtern und Medien ist enorm und ausschliesslich positiv. Auch von Seiten der Schwinger ist das Feedback sehr erfreulich und positiv. Gewisse Schwinger, Eidgenossen, Könige usw. verweisen auf ihrer Homepage mittels einem Link auf meine Seite und auf die Facebook-Seite von zwilch.ch.

Zum Schluss fügte Patrick an: „Mit dem SCHLUSSGANG besteht eine Partnerschaft. Das heisst, dass ihr Logo auf meiner Seite ist und mein Logo auf ihrer Seite. Es bestehen beiderseits keine Verpflichtungen.“ Wie wir nun erfuhren, ist der finanzielle und der zeitliche Aufwand für den zwilch.ch-Betreiber beträchtlich.
Ich bedanke mich bei Patrick für die schriftlichen Antworten und wünsche ihm, dass er noch lange Freude am Betreiben der Schwingresultate-Datenbank hat. Damit ihm der Spass nicht abhandenkommt, hoffe ich für ihn, dass er die für ihn nötige Unterstützung finden und kriegen wird.

feldwaldwiesenblogger

Wie funktioniert eine Schwinger-Trainingsgruppe? – Nachgefragt bei Eveline Steinemann

Die momentan wettkampffreie Zeit nutzen die Schwinger für Training und Aufbau. Zeit für mich, auch bei diesem Aspekt ein Blick hinter die Kulissen zu werfen. Wie allgemein bekannt ist, gibt es auch im Schwingsport verschiedene Trainingsgruppen. Wie aber funktioniert so eine Trainingsgruppe, und wie wird sie betreut?

Ich erfuhr kürzlich, dass Eveline Steinemann eine Trainingsgruppe mit Berner Schwingern betreut. Eveline Steinemann? Der Name sagt wohl nicht allen Schwingerfreunden etwas. Sie hat aber sehr wohl schwingerische Wurzeln. Ist doch Christian Dick, der Berner Eidgenosse mit 101 gewonnenen Kränzen, ihr Bruder.

Wissbegierig und interessiert an allen Dingen, die mit dem Schwingsport zu tun haben, tippte ich zehn Fragen in meine PC-Tastatur. Für einmal machte ich ein schriftliches Interview. Die Antworten stellte mir Eveline per Email zu.

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Eveline Steinemann
Bildquelle: Eveline Steinemann

Wer ist alles bei deiner Schwinger-Trainingsgruppe dabei?
Stefan Marti, Fabian Winiger, Marcel Kobel, Dominik Roth, Patrick Kohli und Adrian Zbinden.

Wann und wie entstand diese Trainingsgruppe?
Die Trainingsgruppe entstand 2011, damals noch mit meinem Bruder Christian Dick. Das Ziel der Gruppe war, ergänzend zum Schwingklub und den Klubtrainings, bessere und häufigere Trainingsmöglichkeiten zu schaffen sowie die Trainings effizienter zu gestalten.

Du machst für diese sechs Schwinger Trainingsberatung und Coaching. Wie sieht das konkret aus?
Für Diagnostik, Training und Ernährung ist mein Mann Matthias zuständig. Er erstellt anhand der aktuellen Diagnostik die Trainingspläne (Kraft/Ausdauer). Ich bin für die Organisation, das Sportmanagement und das Coaching zuständig. So plane ich die Trainings, reserviere die Infrastruktur und frage externe Kursleiter an. Im mentalen Bereich erarbeiten wir die Zielsetzung und definieren die Massnahmen für die Umsetzung. Im Management erstelle ich die Dossiers sowie Verträge und unterstütze die Schwinger hinsichtlich Einhaltung der Vorschriften des Eidgenössischen Schwingerverbandes (ESV).

Betreust du deine Schützlinge in der Gruppe oder individuell?
Sowohl als auch. In den Gruppentrainings übernehmen die Schwinger den grössten Teil selbst. Das heisst, sie gestalten das Einlaufen und das Schwingen. Neben den regelmässigen Gruppentrainings betreut Matthias die Schwinger individuell im Kraftraum. Die Häufigkeit der begleiteten Trainings variiert, und richtet sich nach den Wünschen der Schwinger. Mit der wachsenden Erfahrung im Training kann hier die Frequenz angepasst werden. Die Qualität der Trainings soll mit dieser Massnahme hoch bleiben, und allfällige Defizite im Prozess oder in der Regeneration sollen frühzeitig erkannt und Massnahmen eingeleitet werden. Im mentalen Bereich arbeite ich gleich. Das Ziel ist, den Schwingern mentale Stärke zu vermitteln, so dass sie an den Schwingfesten gute Leistungen abrufen können.

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Die komplette Trainingsgruppe: Adrian Zbinden, Dominik Roth, Marcel Kobel, Patrick Kohli, Fabian Winiger und Stefan Marti (von links)
Bildquelle: Eveline Steinemann

Wie viel Zeit wendest du für diese Tätigkeiten auf? Wann machst du das?
Pro Woche wende ich vier bis acht Stunden für die Trainingsgruppe auf. Im Moment findet wöchentlich ein Gruppentraining statt. Im Januar steht das erste, und im April das zweite Trainingslager auf dem Programm. Da alle Schwinger zu 100 Prozent arbeiten, finden die Trainings entweder am Wochenende oder am Abend statt.

Wie hast du seinerzeit deinen Bruder Christian gecoacht und begleitet?
Zu Beginn seiner Karriere begleitete ich meinen Bruder „nur“ als Schwester. Bedingt durch die Krankheit und den frühen Tod unserer Schwester im Jahr 1999 standen wir uns nahe. Der Gewinn des ersten Eidgenössischen Kranzes 2001 unter schwierigen Bedingungen war für uns beide ein sehr spezielles und schönes Erlebnis. Die gemeinsamen Gespräche waren schon damals sehr wichtig.

Wie lange hast du deinen Bruder betreut?
Christian hatte an den Schwingfesten immer etwas mit seiner Nervosität zu kämpfen. Meine Ausbildung als Mentalcoach habe ich primär für mich absolviert. Als er 2007 am Schwarzsee den Kranz verpasste, sprachen wir über die Möglichkeit, dass ich das mentale Coaching bei ihm übernehme. Die Rollenklärung war dabei sehr wichtig. Wann agiere ich als Schwester und wann als Coach? Das musste definiert werden. Hilfreich war sicher, dass wir uns sehr gut kannten und vertrauten, und so zielorientiert arbeiten konnten. 2007 beim Eidgenössischen in Aarau trug diese gemeinsame Arbeit zum ersten Mal Früchte. 2010 übernahm zudem mein Mann die Betreuung im athletischen Bereich. Gemeinsam betreuten wir Christian bis zu seinem Karriereende 2014.

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Schwinger der Trainingsgruppe
Bildquelle: Eveline Steinemann

Wieso meintest du bei der Vorbereitung auf dieses Interview, dass deine Schwinger-Trainingsgruppe die meist belächelteste Gruppe sei?
Früher bin ich sicher in das eine oder andere Fettnäpfchen getreten und die Gepflogenheiten des Schwingens waren mir nicht von Anfang an bekannt. So war ich beispielsweise auch auf, statt neben dem Platz anzutreffen. Die intensive Betreuung für Christian war nicht für alle nachvollziehbar, und für manche sicher suspekt. Zudem kann ich mich sehr lautstark über allfällige Erfolge freuen.
Und: Dass eine Trainingsgruppe von einer Frau und einem Handballtrainier geleitet werden, ist sicher gewöhnungsbedürftig.

Von wem wirst du beim Coaching der Trainingsgruppe unterstützt?
Wie bereits erwähnt, werde ich in allen Bereichen von meinem Ehemann Matthias unterstützt. Er ist Leistungssporttrainer BTA Swiss Olympic und Handball-Trainer mit A-Lizenz, sowie Leistungs- und Ernährungsdiagnostiker. Er hat den Handballverein TV Solothurn erfolgreich in die NLB zurückgeführt. Gemeinsam betreuen wir Sportler aus den verschiedensten Sportarten wie Handball, Fussball, Karate, Snowboard, Radsport, Schiesssport usw.
Seit zwei Jahren arbeiten wir in diesem Bereich selbständig. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Wir standen vor der Entscheidung, die Aufgaben im Sport entweder drastisch zu reduzieren oder diese zu unserer Haupterwerbstätigkeit zu machen. Wir versuchen dabei immer die Leistungen den finanziellen Möglichkeiten unserer Sportler anzupassen. Viele Mandate machen wir nach wie vor zum Selbstkostentarif.

Wie kam es, dass du erst deinen Bruder, später auch andere Schwinger coachst?
Auf den Wunsch von Christian habe ich sein mentales Coaching 2007 übernommen. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass mit seinem Rücktritt auch mein Engagement im Schwingsport endet. Dank der Trainingsgruppe darf ich aber weiterhin noch einen Fuss im Schwingsport haben. Sicher hat hier auch die Entwicklung von Stefan Marti zum regelmässigen Kranzsammler geholfen. Vor der Zusammenarbeit mit Matthias und mir hatte Stefan bis 2012 gerade mal drei Kränze auf seinem Konto. Seit 2013 kamen insgesamt acht weitere Kränze hinzu.
Matthias und mir ist es sehr wichtig, dass wir Sportlern Möglichkeiten und Wege aufzeigen können. Wie sie Beruf und Sport unter einen Hut bringen, und das Training effizient gestalten können. Wir freuen uns, wenn ein gestecktes Ziel erreicht werden kann und eine sportliche Entwicklung stattfindet.

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Schwinger der Trainingsgruppe
Bildquelle: Eveline Steinemann

Wie allgemein bekannt ist, trainieren auch die Schwinger nach neuen Methoden und Erkenntnissen. Sie werden dabei vielfach auch von Fachleuten in den Bereichen Diagnostik, Training und Ernährung gecoacht. Wie wir nun erfuhren, gehören nebst dem Erstellen von Trainingsplänen auch die Organisation, das Sportmanagement und das Planen von Trainings dazu.
Ich bedanke mich bei Eveline für die sehr interessanten Ausführungen und wünsche ihr und ihrer Trainingsgruppe alles Gute und viel Erfolg!

feldwaldwiesenblogger

Trainingsbesuch beim Schwingerverband Entlebuch

Der Entlebucher Schwingerverband ist im Kanton Luzern der grösste Schwingklub. Aber nicht nur dort. Von den Jungschwinger- und Aktivschwinger-Zahlen her zählt er auch in der Innerschweiz zu einem der grössten Klubs.
Am 5. Januar stattete ich den Entlebuchern in Hasle einen Besuch ab. An diesem Donnerstagabend trainierten erst die Jungschwinger, später die Aktiven.

Nebst dem Beobachten des Trainings führte ich mit Franz Murpf (Präsident) und Beat Fankhauser (TK-Chef Aktive I) ein Gespräch. Beide sind seit anfangs 2017 im Amt. Daniel Bachmann, TK-Chef Aktive II, und Pirmin von Rickenbach (Chef der Jungschwingerbetreuer) waren währenddessen aktiv mit Trainingsarbeit beschäftigt.
Beim Vorstand der Entlebucher Schwinger gab es auf 2017 hin einige Veränderungen. Es konnten aber alle Posten wieder besetzt und gute Lösungen gefunden werden.

Erich Fankhauser war ebenfalls in der Schwinghalle anwesend, kann aber wegen einer Ellenbogen-Operation im Spätherbst noch kein Schwingtraining absolvieren. Da Joel Wicki über Weihnachten/Neujahr Ferien von der Sportler-RS in Magglingen genoss, war er auch in Hasle und machte fit und motiviert beim Training mit.

Die Entlebucher haben das Privileg, seit 1979 über ein eigenes Haus samt Schwinghalle zu verfügen. Etwas später erfolgte der Anbau des Aufenthaltsraums und irgendwann wurde über der Schwinghalle eine Wohnung gebaut, in welcher nun der Abwart der Trainingsstätte wohnt. Neben dem Haus befindet sich ein grösserer Platz, aus welchem im Sommer mit Sägemehl ein Trainings-Schwingplatz gemacht wird. In der wärmeren Jahreszeit wird draussen trainiert.

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Franz Murpf (Präsident, links) und Beat Fankhauser (TK-Chef Aktive I, rechts)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ab 1600 lässt sich das Schwingen als Wettkampfform der Alphirtenkultur nachweisen. Dabei wurde schon vor mehr als vierhundert Jahren rund um das Haslital, auf dem Brünig, aber auch im Entlebuch dem Schwingsport gefrönt. Verfügt der Schwingerverband Entlebuch über Aufzeichnungen von Schwingfesten oder Schwingern, welche vor der Gründung des Schwingklubs datiert sind?
Toni Schüpfer aus Hasle weiss sehr viel über das Geschichtliche vom Entlebucher Schwingen und besitzt dazu auch etliche schriftliche Dokumente.

Mit Toni Schüpfer werde ich zu einem späteren Zeitpunkt ein Gespräch führen und darüber einen separaten Beitrag verfassen. Zudem habe ich am 11. Januar zu diesem Thema bereits einen Beitrag mit dem Titel „Fragmente über Entlebuch“: Vom „Fleutischwung“ und vom „Fleugedätsch“ online gestellt.

Wann wurde der Schwingerverband Entlebuch gegründet? Wann erlebte er seine besten Zeiten, und mit wem?
Gegründet wurde der Schwingerverband Entlebuch 1918, welcher nächstes Jahr sein 100 Jahr-Jubiläum feiert. Mit Albert Lötscher sowie Fridolin Lustenberger (Eidgenössische Kränze 1923), Louis Hofstetter (Eidgenössischer Kranz 1940 und 1945) und Josef Hofstetter (Eidgenössischer Kranz 1945 und 1948) erlebte unser Schwingklub bereits früher goldene Zeiten. 1953 erschwang sich Hans Portmann den Eidgenössischen Kranz. 1964 gelang dies Fritz Habegger und 1969 sicherte sich Josef Bieri Eidgenössisches Eichenlaub. In der Neuzeit wurde mit Ueli Banz (Eidgenössischer Kranz 2004 und 2010) und dem leider verstorbenen Benno Studer (Eidgenössischer Kranz 2010) wieder eine erfolgreiche Ära eingeläutet. 2013 gewann Erich Fankhauser den Eidgenössischen Kranz und 2015 begann der Aufstieg von Joel Wicki.

Wie sieht eigentlich euer Einzugsgebiet aus?
Von Wolhusen bis Sörenberg und Marbach, an die Berner Grenze. Dazwischen liegen einige Gemeinden in unserem Einzugsgebiet.

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger zurzeit aus?
Momentan zählen wir gut 100 Jungschwinger. Bei den Aktiven sind total 45 Schwinger versichert.

Wie sieht für 2016 die Saison-Bilanz der Aktiven aus?
37 besuchte Schwingfeste, 19 Kränze, sechs Schlussgangteilnahmen, drei Festsiege an Rangschwingfesten und mit Seppi Felder ein Neukranzer. Joel Wicki gewann den Michaelskreuz-Schwinget und den Bergschwinget Sörenberg. Reto Fankhauser stand beim Herbstschwinget Schachen zu oberst.

Seit ihr mit der Saison 2016 zufrieden? Wurden die anvisierten Ziele erreicht?
Nicht ganz. Wir hatten 2016 einige Verletzungen zu beklagen. Im Frühling erwischte es Marco Fankhauser beim Rottal-Schwinget. Zwei Wochen vor dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) verletzte sich Joel Wicki auf der Schwägalp und beim ESAF Erich Fankhauser. Diese drei Verletzten wogen ziemlich schwer, denn sie wären Kranzkandidaten in Estavayer gewesen.
Den Jungschwingern lief es sehr gut. Beim Luzerner Kantonalen Nachwuchsschwingertag gewannen wir nun schon zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren alle Kategorien. Dazu kamen 30 Tagessiege und insgesamt etwa 360 Zweigewinne.
Die Ziele bei den Jungschwingern wurden natürlich mehr als erfüllt. Das Ziel bei den Aktiven waren Eidgenössische Kränze, was leider nicht erreicht werden konnte. Da zwei wichtige Teamstützen fehlten und sich mit Erich ein dritter beim Eidgenössischen verletzte, verspürten die anderen einen umso grösseren Druck. Es war für sie in Estavayer nicht einfach.

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Der rekonvaleszente Erich Fankhauser und der wieder genesene Joel Wicki im Gespräch
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Joel Wicki und Erich Fankhauser sind momentan eure Zugpferde. Wer ist es noch?
Die beiden sind nur schon rein von dem bisher Erreichten und den Resultaten unsere Zugpferde. Erwähnen darf man sicher auch Marco Fankhauser, wenn er wieder gesund ist. Weiter Jonas Brun und Remo Vogel, welcher letztes Jahr ziemlich aufgetrumpft hat. Die Jungen drücken zudem spürbar nach.

Erlebte euer Schwingklub dank den Zugpferden gar einen Aufschwung?
Das kann man schon sagen. Einen ersten Aufschwung erlebten wir nach dem ESAF 2010, wo Benno Studer den Eidgenössischen Kranz gewann. Vorher hatten wir etwa 40 Jungschwinger, dann stieg die Zahl 2012 auf 60 bis 70 an. Wir führten damals die ersten Gespräche über eine Schwinghallen-Erweiterung. Die Anzahl Jungschwinger sank dann wieder leicht und stieg nach dem Eidgenössischen Kranz von Erich Fankhauser 2013 wieder an. Dank dem ESAF 2016 boomt der Schwingsport sowieso und weitere Jungschwinger kamen hinzu. Ohne gross Werbung zu machen, kamen beim letzten Schnuppertag etwa 35 Knaben. Wie bereits erwähnt, haben wir momentan um die 100 Jungschwinger.
Die Zahl der Aktiven stieg leicht an, blieb aber in der Folge mehr oder weniger gleich. Das Problem besteht darin, dass wir die jungen Schwinger, welche zu den Aktiven wechseln, halten können. Etliche kehren in diesem Übergang dem Schwingsport den Rücken. Wir probieren sie von unserer Seite her so gut wie möglich zu betreuen und zu unterstützen. Wir benötigen dazu natürlich mehr Personal und das richtige Fingerspitzengefühl.

Wer oder was macht euch derzeit so stark?
Bei den Jungschwingern ist es nur schon die Grösse der Mannschaft und bei den Aktiven ist es der Zusammenhalt innerhalb des Teams. Joel und Erich sind zudem der Ansporn für die anderen. Weiter ist der Schwingsport im Entlebuch geschichtlich bedingt in der Bevölkerung verwurzelt. Auch von den Medien her sind wir hier hinten gut bedient. Wir erlebten aber von 1969 bis 2004 eine lange Durststrecke ohne Eidgenössischen Kranz.

Joel Wicki ist im Schwingsport inzwischen eine nationale Grösse. Interessieren sich dank oder wegen ihm nun mehr Medienschaffende für den Schwingerverband Entlebuch?
Ja, das ist so. Verschiedene Medien berichten regelmässig über das Schwinggeschehen im Entlebuch. Uns liegt zurzeit eine Anfrage vom Schweizer Fernsehen für einen Bericht über unsere Jungschwinger vor. Auch Tele 1 berichtet regelmässig über unseren Schwingerverband. Man muss diese Sache aber immer mit Vorsicht geniessen.

Am 12. Dezember starteten die Entlebucher Aktivschwinger die Vorbereitung für die Saison 2017 mit einem Schwingkurs des Emmentalers Eidgenossen Thomas Zaugg. Wird es bis zu Saisonbeginn noch weitere solche Trainings geben?
Am 26. Januar kommt Thomas Zaugg für einen weiteren Schwingkurs zu uns. Wir möchten auch unsere ehemaligen Spitzenschwinger für solche Kurse berücksichtigen, denn es ist für sie eine Ehre, wenn sie ein Training leiten dürfen. Letztes Jahr war Jörg Käser hier und gab einen Schwingkurs, vorher war auch schon Willy Graber bei uns. Wir können nun praktisch jedes Jahr einen Schwingkurs eines ehemaligen Spitzenschwingers anbieten.
Vor dem Eidgenössischen 2004 in Luzern betrieben wir einen grossen Aufwand und konnten Adrian Käser und Geni Hasler für sechs Schwingkurse engagieren.

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Bei den Jungschwingern wären das etliche. Bei den jungen Aktivschwingern darf man Ronny Schöpfer hervorheben, welcher beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2015 in Aarburg einen Kategoriensieg landete. Weiter auch Martin Felder, Niklaus Scherer und Simon Schmid. Es sind einige, die nachdrücken und während den letzten zwei Jahren grosse Fortschritte gemacht haben.

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Training der Jungschwinger
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Da wir um die 100 Jungschwinger haben, müssen wir sie aus Platzgründen auf drei Trainings pro Woche verteilen. Die Trainings sind hart und wir schauen für Ordnung und Disziplin. Die Resultate der Kantonalen, Innerschweizerischen und Eidgenössischen Nachwuchsschwingertage zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir versuchen dran zu bleiben und sind viel auf den Schwingplätzen anzutreffen. Um unsere Schwinger gut betreuen zu können.
Die grösseren Jungschwinger trainieren zweimal pro Woche, die kleineren einmal. In der Winterpause bieten wir zudem sechs bis acht Konditionstrainings an. Für die Trainings sind fünf Trainer zuständig, zudem fordern wir auch Aktive dafür an, um alle Trainings abdecken zu können.

Wie oft trainieren die Aktiven?
Die Aktiven haben am Dienstag und Donnerstag Schwingtraining. Weiter findet jede zweite Woche ein Kantonaltraining in Wolhusen statt und in regelmässiger Folge auch Innerschweizer Kaderzusammenzüge. Konditions-, Kraft- oder Mentaltrainings bieten wir vom Schwingklub aus nicht an. Dies machen die Schwinger individuell. Der Trainingsfleiss von den Aktivschwingern dürfte aber besser sein. Das betrifft natürlich nicht alle Athleten.

Wie lauten die Ziele für 2017?
Das absolut Wichtigste ist sicher, dass alle gesund sind. Wir möchten an die erfolgreiche 2015er-Saison mit Kranzfestsiegen von Joel und Erich anknüpfen. Weiter hoffen wir auch, dass einige Neukranzer hinzukommen. 2016 gab es nur einen. Etwa fünf Schwinger sind nahe an diesem Unterfangen.

Letzte Saison verletzten sich erst Marco Fankhauser, später Joel Wicki und beim Eidgenössischen Erich Fankhauser. Sind alle wieder fit und im Training?
Joel durfte Ende Dezember wieder das Schwingtraining aufnehmen. Erich kann wegen einer Ellenbogen-Operation erst im Februar oder März wieder mit Schwingen beginnen. Zurzeit befindet er sich im Aufbautraining und betreibt Kondition und Kraft. Marco ist auf dem Weg zurück, musste sich aber erst vor kurzem an zwei Zehen operieren lassen. Geplant ist, dass er noch im Januar wieder sein Schwingtraining aufnimmt.
Übrigens: Nebst den Aktiven hatten wir auch bei den Jungschwingern Verletzte zu beklagen.

Was wünscht ihr euch für 2017?
Zuerst das gleiche wie bei den Zielen: Dass wir unfallfrei durch die Saison kommen, und die momentan Rekonvaleszenten wieder gesund werden.
Die Schwingerei boomt, auch im Entlebuch. In letzter Zeit merkten wir aber in den verschiedenen Gremien, dass praktisch niemand mehr mithelfen möchte. Es ist jeweils schwierig, genügend Leute zu finden. Ein Beispiel sind fehlende Kampfrichter. Für einen grossen Klub mit einem grossen Einzugsgebiet sollte dies eigentlich kein Problem darstellen. Schön wäre, wenn ehemalige Aktivschwinger bereit wären, eine Funktion im Schwingklub zu übernehmen. Und so dem Schwingklub etwas zurückgeben. Uns ist bewusst, dass andere Schwingklubs mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben.
Wir sind seit gut einem Jahr am Suchen von Kampfrichtern, um abtretende zu ersetzen. Viele merken das noch nicht, aber wir spüren das extrem. Allerdings: Beim Punkt Kampfrichterwesen bekundet man mit den Medien manchmal schon Mühe. Man liest beispielsweise, dass die Kampfrichterleistung beim Bergschwinget Stoos oder Rigi zu wünschen übrigliess. Die Kampfrichter stehen dabei absolut im Fokus. Viele Bereiche wie die Sponsorengelder oder die grossen Budgets einiger Anlässe boomen enorm. Die Kampfrichter liess man dabei aber fast alleine stehen. Da muss man sich einfach etwas überlegen.

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Schwingtraining der Aktiven
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie Präsident Franz Murpf zum Schluss des Gespräches erklärte, sind sie nun daran, die Garderoben zu erweitern. Die grosse Anzahl Jungschwinger ruft nämlich nach mehr Platz. Diese Tatsache und die vielen Aktiven im Schwingerverband Entlebuch geben zu grosser Freude Anlass. Die Verletzungshexe letztes Jahr bremste aber den Elan von 2015. Stoppte sie doch just im dümmsten Moment die Zugpferde und hinderte sie am Gewinn des so wertvollen Eidgenössischen Kranzes.

Neues Jahr neues Glück: So sind die Verletzten auf dem Weg zurück und der Vorstand des Entlebucher Schwingerverbandes ist mit neu besetztem Vorstand unterwegs. Allerdings gibt es trotz boomendem Schwingsport auch an harten Brocken zu kauen: Fehlende Kampfrichter müssen beispielsweise gefunden werden.

Ich bedanke mich beim Entlebucher Schwingerverband für den freundschaftlichen Empfang und wünsche ihnen auf ihrem weiteren Weg alles Gute.

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„Fragmente über Entlebuch“: Vom „Fleutischwung“ und vom „Fleugedätsch“

Schon vom „Fleutischwung“ oder vom „Fleugedätsch“ gehört? Von diesen beiden Schwüngen wusste ich bis vor kurzem ebenfalls nichts. Da ich zurzeit einen Beitrag über den Entlebucher Schwingerverband schreibe, stöberte ich auch ein wenig über dessen Geschichte. Dabei stiess ich auf ein altes Buch: „Fragmente über Entlebuch“, 1797 von Franz Josef Stalder veröffentlicht.
Stalder und sein Buch entdeckte ich im „Historischen Lexikon der Schweiz“. Im Kapitel „Schwingen“ schreibt Hans Peter Treichler (ein Schweizer Journalist sowie Interpret von Volksliedern und Chansons): „Eine ausführliche Beschreibung mit historischem Rückblick liefert der Entlebucher Pfarrherr Franz Josef Stalder 1797 in seinen „Fragmenten über Entlebuch“: Die von ihm postulierten festen Regeln scheinen nicht die einzigen gewesen zu sein. Andere Quellen belegen, dass an Stelle der heute gebräuchlichen kurzen Überhosen auch Mähergurten oder ein um den Oberschenkel geknüpftes Tuch zum Einsatz kamen. Auch die Dauer des einzelnen Wettkampfs, Gang genannt, war keineswegs einheitlich reglementiert.“

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Franz Josef Stalder, Entlebucher Pfarrherr
Bildquelle: de.wikipedia.org

Franz Josef Stalder
Im oben erwähnten „Historischen Lexikon der Schweiz“ finden sich auch Angaben zum Leben von Franz Josef Stalder, welcher am 14.9.1757 in Luzern geboren und am 25.7.1833 in Beromünster starb. Der Sohn von Jakob Anton und Maria Theresia Dula studierte am Jesuitenkollegium Luzern. 1780 wurde Stalder zum Priester geweiht, war erst Vikar in Schüpfheim und von 1781 bis 1785 Pfarrhelfer in Luzern. Später war er Pfarrer in Romoos und ab 1792 in Escholzmatt. 1791 wurde Stalder Mitglied der Helvetischen Gesellschaft, die er mehrmals präsidierte. Von 1799 bis 1821 bekleidete der Pfarrherr zudem das Amt eines Oberschulinspektors des Amts Entlebuch. 1809 wurde der Stadtluzerner Dekan des Kapitels Sursee und amtete ab 1822 als Chorherr von Beromünster. Stalder widmete sich über seine seelsorgerischen Pflichten hinaus besonders der Förderung des Schulwesens und betrieb auch volkskundliche Studien. Er gilt als Begründer der Dialektologie in der Schweiz.

Das Schwingen
Im Buch „Fragmente über Entlebuch“ schreibt Stalder: „ (…) ich nenne das Schwingen, worin die Entlebucher lange schon um den Vorzug mit ihren benachbarten Hirten stritten.“ Schwingen definiert er folgendermassen: „Das Schwingen, eine Art von Ringen, gehört eigentlich zur schwereren Kampfgymnastik und unter den jetzigen gymnastischen Spielen mag es weit die allerschwerste Übung sein, weil solche einerseits viel Nervenskraft und Geschmeidigkeit des Körpers, anderseits viel Geschicklichkeit in schneller Benutzung der Schwächen des Gegners sowohl als verschiedener regelmässiger Listen und Trugwendungen voraussetzt. Vermutlich mag der Name Schwingen und Schwinger daher rühren, weil der Kämpfer mit überwiegender Kraft seinen Gegner emporhebt, ihn gleichsam in der Luft herumschwingt, und dann auf die Erde schleudert.“
Man bedenke, dass diese Zeilen um 1797 geschrieben wurden. Ich beliess die Worte und Sätze, wie sie Franz Josef Stalder verfasste. Erlaubte mir aber ein paar orthographische Korrekturen. Beispielsweise machte ich aus „beyde“ – heute korrekt „beide“ oder aus „thun“ – entsprechend „tun“.

Der Fleutischwung
Stalder erwähnt einen gewissen Jakob Cooks, welcher bei seinen Reisen eigene Beobachtungen anstellte: „Im Angriff sowohl als im Niederwerfen stimmt die Ringart der Südsee-Insulaner mit jener der schweizerischen Gebirgsbewohner ganz überein.“ Der Pfarrherr verglich Cook’s Beobachtungen mit den seinen und ergänzte: „Und besonders eigen ist ihnen beiden eine der Liebligsarten, den Gegner an sich heranzuziehen, und, ehe man ihn auf die Erde wirft, zwei oder dreimal herumzuschwingen. Der Entlebucher heißt diese Kampfart den Fleutischwung, wie man nachgehends sehen wird.“
Den „Fleutischwung“ beschreibt Stalder so: „Wenn beide Teile auf erwähnte Art zusammengegriffen haben, fangen sie an, wechselseitig zu ziehen und zu stossen; hierauf allmählich schneller, und oft so schnell, dass Einer den Andern (besonders wenn sie lustig kämpfen) im weiten Zirkel der Zuschauer herumwirbelt, ohne jeden Griff zu lassen, so dass der Kreis zersprengt wird und endlich Einer dem Andern das rechte Bein um das linke schlägt, ihn überspringt, und auf den Rücken wirft.“

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Buchumschlag von „Fragmente über Entlebuch“
Bildquelle: e-rara-ch

Vom Fleugedätsch
Besonders viel Platz lässt Stalder dem Beschreiben von verschiedenen Schwüngen. Nebst dem Fleutischwung erwähnt er auch den „Fliegendätsch, oder wie der Entlebucher sagt, Fleugedätsch“. Der ehemalige Oberschulinspektor vom Amt Entlebuch schreibt dazu: „Hier zieht er mit vieler Geschicklichkeit blitzschnell die rechte Hand vom Hosengurt los, schlägt dieselbe flach beim Angesicht vorbei auf der linken Seite in den Nacken; mit der linken behält er immer den Griff im Gstöss, und springt beim Nackendätsch ein wenig rückwärts, doch so, dass er nie seinen Griff fahren lässt; und dieser wohl angebracht tut so gute Dienste, dass der Getroffene drei bis viermal über und über trollt, und unter lautem Gelächter der Zuschauer auf dem Rücken liegt.“
Die Erläuterungen darüber wie der Gegner auf den Rücken zu liegen kommt, lassen darauf schliessen, dass damals beim Schwingsport viel gelacht wurde. Das Schwingen war seinerzeit wohl mehr Unterhaltung als Sport. Bei gewissen Situationen wurde das komische oder ungeschickte Verlieren mit lautem Lachen quittiert. Das wäre heute undenkbar.

„Letz, oder eigentlicher, nach der Mundart der Entlebucher, Lätz“
„Die kreisförmig herumstehende Volksmenge macht das Publikum aus, das Beifall klatscht, oder Missfallen zischt; und alterfahrene Schwinger von beiden Teilen sind das richterliche Tribunal in streitigen Fällen.“ Stalder erwähnt auch das Publikum, welches beim Zuschauen noch stand. Ein sogenanntes Kampfgericht, „das richterliche Tribunal“ mit erfahrenen Schwingern, durfte damals schon nicht fehlen. Was den heutigen Schwingfestbesucher irritieren mag, ist das bereits erwähnte „Auslachen“, oder das Publikum, welches „Missfallen zischt“.
Bekannte Schwünge wie der „Lätz“ wendeten schon die alten Entlebucher an: „Der Siegsuchende sucht den Gegner kurz zu ziehen; das heisst er springt rechts an des Gegners rechte Seite, so dass er mit seiner rechten Huft an seine Huft anstellt; dann schlägt er augenblicklich sein rechtes Bein um des Andern rechtes. Kann er aber sein Bein nicht ganz hackenförmig anklammern, trittet er ihm flugs auf den rechten Fuß, scheint ganz vorwärts mit ihm zu fallen – und gewiss stürzt der Andere unter ihm auf den Rücken.“

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Bild von Sörenberg, aus dem Buch „Fragmente über Entlebuch“
Bildquelle: museum-junkerstube.npage.de

Franz Josef Stalder beschrieb in „Fragmente über Entlebuch“ ausführlich das Schwingen. Nicht nur einzelne Schwünge wurden detailliert erklärt. Auch die noch heute gültigen Grundregeln fanden Erwähnung: „Jeder Schwinger reicht vor dem Angriff dem Andern freundschaftlich die Hand; und sie geloben einander brüderlichen Frieden. Dann schlagt jeder seine Rechte in den Hosengurt seines Gegners, und seine Linke in die aufgerollten Hosen des rechten Schenkels, oder, wie’s der Entlebucher heisst: In’s Gstöss des rechten Dickbeins.“

Stalder’s Buch über das damalige Entlebuch beinhaltet viele interessante Dinge über das Leben jener Zeit. Ich konzentrierte mich vor allem auf das Schwingen und überflog dazu einige Seiten. Etliche Mühe bekundete ich mit der alten Schrift. Glücklicherweise sind die PC’s aber so schlau und wandelten beim Kopieren ins „Word“ das Geschriebene in eine leserliche Schrift um.
„Fragmente über Entlebuch“ hat die ETH Bibliothek übrigens als pdf-File online gestellt.

feldwaldwiesenblogger