Michael Nydegger weiss noch nicht, ob er 2017 schwingt – Das etwas andere Interview

Michael Nydegger erwähnte mir bereits Mitte August, beim Abschluss-Interview zu meiner Vorschauen-Serie zum ESAF 2016, dass er sich Zeit lässt. Zeit für den Entscheid, ob er weitermachen soll oder nicht. Und genau in diese Entscheidungsfindung bin ich bei unten folgender Eingangsfrage wohl geplatzt.
Ich nehme es vorweg: Michael weiss zurzeit noch nicht, ob er weitermachen soll. Deshalb musste ich beim Gespräch improvisieren und die vorbereiteten Fragen umändern.

Der Südwestschweizer Eidgenosse mit Jahrgang 1985 sicherte sich den eidgenössischen Kranz als 21-Jähriger 2007 beim ESAF in Aarau. Der heute 31-jährige Sennenschwinger ist sechsfacher Kranzfestsieger, hat 44 Kränze auf seinem Konto und schwingt seit 1992. Michael wohnt in Oberschrot FR und schwingt für den Freiburger Kantonalverband. Der Angehörige des Schwingklubs Sense ist gelernter Maschinenbauingenieur und studiert momentan an der Uni Freiburg die Fachrichtung Sport.

michael-nydegger
Michael Nydegger
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Eingangsfrage: Schwingst du nächste Saison auch noch?
Ich weiss es selber noch nicht und mache momentan sowieso eine längere Pause, um meine gegen Ende Saison erlittenen Verletzungen auskurieren zu lassen. Denn: Vier Wochen vor dem Eidgenössischen habe ich mir im linken Oberschenkel einen Muskel angerissen. Und: Beim ersten Gang am ESAF in Estavayer habe ich mir beim operierten rechten Knie das Innenband lädiert.
Aber: Wenn meine Motivation zurückkehrt, mache ich weiter.

Wann wirst du den Entscheid fällen, weiter zu machen?
Ich lasse die Entscheidung reifen und werde wohl intuitiv spüren, ob ich weiter mache. So ein Entscheid muss gut überlegt sein. Denn ein späteres Comeback schliesse ich aus. Wenn Schluss ist, ist Schluss.

Was könnte dich dazu bewegen, weiter zu machen?
Das ist schwierig zu sagen. Aber: Die Motivation, Freude und der Biss zum Weitermachen müssen vorhanden sein.
Wenn es für uns Südwestschweizer beim Eidgenössischen besser gelaufen wäre, wäre die Motivation vermutlich da. Der Technische Leiter trug leider nicht viel dazu bei. Wenn das Umfeld stimmen würde, wäre das auch ein Grund weiter zu schwingen. Christian Schmutz wird als neuer Technischer Leiter für die Südwestschweizer Schwinger gehandelt. Mit ihm könnte ich mir vorstellen, weiter zu machen. Das wäre ein Ansporn. Zugleich gehe ich davon aus, dass er sich besser durchsetzen kann, als der abtretende Ruedi Schläfli. Aber natürlich kann das nicht der einzige Grund sein, um weiter zu machen.

Wie geht es dir? Hast du keine Verletzungen oder Blessuren?
Da ich nicht im Schwingkeller trainiere, verheilt nun alles gut. Es geht mir sonst tipptopp. Auch beim Sportstudium läuft es mir prima. Ich habe übrigens ein eigenes Ingenieurbüro gegründet, wo ich bereits kleinere und mittlerweile auch schon zwei grössere Aufträge erhielt. So verliere ich auch nicht den Anschluss zu meinem Erststudium als Maschinenbauingenieur.

Ist das Wintertraining momentan ein Thema?
Eigentlich wäre der Zeitpunkt gekommen, um mit dem Aufbautraining zu starten. Bei welchem man sich vermehrt dem technischen Bereich widmet. Um neue Sachen zu probieren, bestehende Schwünge zu repetieren und Verbesserungen vorzunehmen.
Derzeit mache ich regelmässiges Fitnesstraining. Dabei schwimme ich wöchentlich und an der Uni betätige ich mich sowieso polysportiv. Ich mache sportlich immer etwas.

Wie würden deine Zielsetzungen für den Schwingsport aussehen?
Ich sage mir, dass man ein Fernziel haben muss, sich dabei aber nicht versteifen darf. Das Antreten können beim Unspunnenfest von Ende August wäre so ein Fernziel.
Ich erlebte in den letzten Jahren mehrere verletzungsbedingte Unterbrüche. Ich nehme das zwar nicht gerne als Entschuldigung. Aber die Verletzungen warfen mich jeweils immer wieder zurück.
Ein Ziel wäre es auch, die Spitze in der Westschweiz wieder zu übernehmen. Wichtig ist dabei, dass man Freude am Schwingsport hat.
Wenn ich weitermachen würde, muss es auch ein Ziel sein, an meine Bestleistungen anzuknüpfen und dort weiter zu machen.
Und: Der Schwingsport interessiert mich nach wie vor sehr.

Wie siehst du das Abschneiden der Südwestschweizer beim ESAF?
Der Technische Leiter Ruedi Schläfli hat leider versagt. In Estavayer konnten am Sonntagnachmittag noch zwei unserer Schwinger, nämlich Steven Moser und Benjamin Gapany, um den Kranz schwingen. Unser technischer Leiter hat in der Folge den siebten Gang verschlafen, um Moser einen anständigen Gegner zu verpassen. Das konnte ich nicht begreifen. In meinen Augen versteht Schläfli einfach zu wenig vom Schwingen.
Gapany ging es praktisch gleich, er verliert ebenfalls den siebten Gang. Und auch dort verhielt sich Ruedi meines Erachtens unglücklich in der Einteilung.
Wenn alles gut gegangen wäre, hätte niemand von Versagen gesprochen. Aber so stehen wir wieder ohne Neueidgenossen da.
In der Westschweiz muss man regelrecht um gute Trainings kämpfen. Bei den Bernern sieht das nur schon von der Leistungsdichte her ganz anders aus. Man muss ebenfalls die Schwinger zur Rechenschaft ziehen. Damit sie auch mehr trainieren.
Zu meinen eben gemachten Aussagen stehe ich. Das ist meine persönliche Meinung. Diese konnte und wollte ich natürlich nicht rund um das Eidgenössische kundtun. Auch andere Teilverbände hatten ihre Krisen. Wie diese sollten wir in der Westschweiz auch wieder herausfinden.

Ich bedanke mich bei Michael für seine ehrlichen Antworten. Das Telefonat war so interessant, dass es noch länger hätte dauern können. Während dem Gespräch kam mir die Idee, den Freiburger zu meinem Schwingexperten für die Südwestschweiz zu ernennen. Egal, ob er weiter aktiv schwingen wird oder nicht. Michael stimmte sofort zu. Ich freue mich darauf, in loser Folge zum Schwinggeschehen „ennet dem Röschtigraben“ in Zukunft eine Expertenmeinung mit einfliessen lassen zu können.
Dir Michael wünsche ich vorerst alles Gute, die richtige Entscheidung und natürlich beste Gesundheit!

feldwaldwiesenblogger

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