Trainingsbesuch beim Schwingerverband Entlebuch

Der Entlebucher Schwingerverband ist im Kanton Luzern der grösste Schwingklub. Aber nicht nur dort. Von den Jungschwinger- und Aktivschwinger-Zahlen her zählt er auch in der Innerschweiz zu einem der grössten Klubs.
Am 5. Januar stattete ich den Entlebuchern in Hasle einen Besuch ab. An diesem Donnerstagabend trainierten erst die Jungschwinger, später die Aktiven.

Nebst dem Beobachten des Trainings führte ich mit Franz Murpf (Präsident) und Beat Fankhauser (TK-Chef Aktive I) ein Gespräch. Beide sind seit anfangs 2017 im Amt. Daniel Bachmann, TK-Chef Aktive II, und Pirmin von Rickenbach (Chef der Jungschwingerbetreuer) waren währenddessen aktiv mit Trainingsarbeit beschäftigt.
Beim Vorstand der Entlebucher Schwinger gab es auf 2017 hin einige Veränderungen. Es konnten aber alle Posten wieder besetzt und gute Lösungen gefunden werden.

Erich Fankhauser war ebenfalls in der Schwinghalle anwesend, kann aber wegen einer Ellenbogen-Operation im Spätherbst noch kein Schwingtraining absolvieren. Da Joel Wicki über Weihnachten/Neujahr Ferien von der Sportler-RS in Magglingen genoss, war er auch in Hasle und machte fit und motiviert beim Training mit.

Die Entlebucher haben das Privileg, seit 1979 über ein eigenes Haus samt Schwinghalle zu verfügen. Etwas später erfolgte der Anbau des Aufenthaltsraums und irgendwann wurde über der Schwinghalle eine Wohnung gebaut, in welcher nun der Abwart der Trainingsstätte wohnt. Neben dem Haus befindet sich ein grösserer Platz, aus welchem im Sommer mit Sägemehl ein Trainings-Schwingplatz gemacht wird. In der wärmeren Jahreszeit wird draussen trainiert.

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Franz Murpf (Präsident, links) und Beat Fankhauser (TK-Chef Aktive I, rechts)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Ab 1600 lässt sich das Schwingen als Wettkampfform der Alphirtenkultur nachweisen. Dabei wurde schon vor mehr als vierhundert Jahren rund um das Haslital, auf dem Brünig, aber auch im Entlebuch dem Schwingsport gefrönt. Verfügt der Schwingerverband Entlebuch über Aufzeichnungen von Schwingfesten oder Schwingern, welche vor der Gründung des Schwingklubs datiert sind?
Toni Schüpfer aus Hasle weiss sehr viel über das Geschichtliche vom Entlebucher Schwingen und besitzt dazu auch etliche schriftliche Dokumente.

Mit Toni Schüpfer werde ich zu einem späteren Zeitpunkt ein Gespräch führen und darüber einen separaten Beitrag verfassen. Zudem habe ich am 11. Januar zu diesem Thema bereits einen Beitrag mit dem Titel „Fragmente über Entlebuch“: Vom „Fleutischwung“ und vom „Fleugedätsch“ online gestellt.

Wann wurde der Schwingerverband Entlebuch gegründet? Wann erlebte er seine besten Zeiten, und mit wem?
Gegründet wurde der Schwingerverband Entlebuch 1918, welcher nächstes Jahr sein 100 Jahr-Jubiläum feiert. Mit Albert Lötscher sowie Fridolin Lustenberger (Eidgenössische Kränze 1923), Louis Hofstetter (Eidgenössischer Kranz 1940 und 1945) und Josef Hofstetter (Eidgenössischer Kranz 1945 und 1948) erlebte unser Schwingklub bereits früher goldene Zeiten. 1953 erschwang sich Hans Portmann den Eidgenössischen Kranz. 1964 gelang dies Fritz Habegger und 1969 sicherte sich Josef Bieri Eidgenössisches Eichenlaub. In der Neuzeit wurde mit Ueli Banz (Eidgenössischer Kranz 2004 und 2010) und dem leider verstorbenen Benno Studer (Eidgenössischer Kranz 2010) wieder eine erfolgreiche Ära eingeläutet. 2013 gewann Erich Fankhauser den Eidgenössischen Kranz und 2015 begann der Aufstieg von Joel Wicki.

Wie sieht eigentlich euer Einzugsgebiet aus?
Von Wolhusen bis Sörenberg und Marbach, an die Berner Grenze. Dazwischen liegen einige Gemeinden in unserem Einzugsgebiet.

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger zurzeit aus?
Momentan zählen wir gut 100 Jungschwinger. Bei den Aktiven sind total 45 Schwinger versichert.

Wie sieht für 2016 die Saison-Bilanz der Aktiven aus?
37 besuchte Schwingfeste, 19 Kränze, sechs Schlussgangteilnahmen, drei Festsiege an Rangschwingfesten und mit Seppi Felder ein Neukranzer. Joel Wicki gewann den Michaelskreuz-Schwinget und den Bergschwinget Sörenberg. Reto Fankhauser stand beim Herbstschwinget Schachen zu oberst.

Seit ihr mit der Saison 2016 zufrieden? Wurden die anvisierten Ziele erreicht?
Nicht ganz. Wir hatten 2016 einige Verletzungen zu beklagen. Im Frühling erwischte es Marco Fankhauser beim Rottal-Schwinget. Zwei Wochen vor dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (ESAF) verletzte sich Joel Wicki auf der Schwägalp und beim ESAF Erich Fankhauser. Diese drei Verletzten wogen ziemlich schwer, denn sie wären Kranzkandidaten in Estavayer gewesen.
Den Jungschwingern lief es sehr gut. Beim Luzerner Kantonalen Nachwuchsschwingertag gewannen wir nun schon zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren alle Kategorien. Dazu kamen 30 Tagessiege und insgesamt etwa 360 Zweigewinne.
Die Ziele bei den Jungschwingern wurden natürlich mehr als erfüllt. Das Ziel bei den Aktiven waren Eidgenössische Kränze, was leider nicht erreicht werden konnte. Da zwei wichtige Teamstützen fehlten und sich mit Erich ein dritter beim Eidgenössischen verletzte, verspürten die anderen einen umso grösseren Druck. Es war für sie in Estavayer nicht einfach.

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Der rekonvaleszente Erich Fankhauser und der wieder genesene Joel Wicki im Gespräch
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Joel Wicki und Erich Fankhauser sind momentan eure Zugpferde. Wer ist es noch?
Die beiden sind nur schon rein von dem bisher Erreichten und den Resultaten unsere Zugpferde. Erwähnen darf man sicher auch Marco Fankhauser, wenn er wieder gesund ist. Weiter Jonas Brun und Remo Vogel, welcher letztes Jahr ziemlich aufgetrumpft hat. Die Jungen drücken zudem spürbar nach.

Erlebte euer Schwingklub dank den Zugpferden gar einen Aufschwung?
Das kann man schon sagen. Einen ersten Aufschwung erlebten wir nach dem ESAF 2010, wo Benno Studer den Eidgenössischen Kranz gewann. Vorher hatten wir etwa 40 Jungschwinger, dann stieg die Zahl 2012 auf 60 bis 70 an. Wir führten damals die ersten Gespräche über eine Schwinghallen-Erweiterung. Die Anzahl Jungschwinger sank dann wieder leicht und stieg nach dem Eidgenössischen Kranz von Erich Fankhauser 2013 wieder an. Dank dem ESAF 2016 boomt der Schwingsport sowieso und weitere Jungschwinger kamen hinzu. Ohne gross Werbung zu machen, kamen beim letzten Schnuppertag etwa 35 Knaben. Wie bereits erwähnt, haben wir momentan um die 100 Jungschwinger.
Die Zahl der Aktiven stieg leicht an, blieb aber in der Folge mehr oder weniger gleich. Das Problem besteht darin, dass wir die jungen Schwinger, welche zu den Aktiven wechseln, halten können. Etliche kehren in diesem Übergang dem Schwingsport den Rücken. Wir probieren sie von unserer Seite her so gut wie möglich zu betreuen und zu unterstützen. Wir benötigen dazu natürlich mehr Personal und das richtige Fingerspitzengefühl.

Wer oder was macht euch derzeit so stark?
Bei den Jungschwingern ist es nur schon die Grösse der Mannschaft und bei den Aktiven ist es der Zusammenhalt innerhalb des Teams. Joel und Erich sind zudem der Ansporn für die anderen. Weiter ist der Schwingsport im Entlebuch geschichtlich bedingt in der Bevölkerung verwurzelt. Auch von den Medien her sind wir hier hinten gut bedient. Wir erlebten aber von 1969 bis 2004 eine lange Durststrecke ohne Eidgenössischen Kranz.

Joel Wicki ist im Schwingsport inzwischen eine nationale Grösse. Interessieren sich dank oder wegen ihm nun mehr Medienschaffende für den Schwingerverband Entlebuch?
Ja, das ist so. Verschiedene Medien berichten regelmässig über das Schwinggeschehen im Entlebuch. Uns liegt zurzeit eine Anfrage vom Schweizer Fernsehen für einen Bericht über unsere Jungschwinger vor. Auch Tele 1 berichtet regelmässig über unseren Schwingerverband. Man muss diese Sache aber immer mit Vorsicht geniessen.

Am 12. Dezember starteten die Entlebucher Aktivschwinger die Vorbereitung für die Saison 2017 mit einem Schwingkurs des Emmentalers Eidgenossen Thomas Zaugg. Wird es bis zu Saisonbeginn noch weitere solche Trainings geben?
Am 26. Januar kommt Thomas Zaugg für einen weiteren Schwingkurs zu uns. Wir möchten auch unsere ehemaligen Spitzenschwinger für solche Kurse berücksichtigen, denn es ist für sie eine Ehre, wenn sie ein Training leiten dürfen. Letztes Jahr war Jörg Käser hier und gab einen Schwingkurs, vorher war auch schon Willy Graber bei uns. Wir können nun praktisch jedes Jahr einen Schwingkurs eines ehemaligen Spitzenschwingers anbieten.
Vor dem Eidgenössischen 2004 in Luzern betrieben wir einen grossen Aufwand und konnten Adrian Käser und Geni Hasler für sechs Schwingkurse engagieren.

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Bei den Jungschwingern wären das etliche. Bei den jungen Aktivschwingern darf man Ronny Schöpfer hervorheben, welcher beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2015 in Aarburg einen Kategoriensieg landete. Weiter auch Martin Felder, Niklaus Scherer und Simon Schmid. Es sind einige, die nachdrücken und während den letzten zwei Jahren grosse Fortschritte gemacht haben.

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Training der Jungschwinger
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Da wir um die 100 Jungschwinger haben, müssen wir sie aus Platzgründen auf drei Trainings pro Woche verteilen. Die Trainings sind hart und wir schauen für Ordnung und Disziplin. Die Resultate der Kantonalen, Innerschweizerischen und Eidgenössischen Nachwuchsschwingertage zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir versuchen dran zu bleiben und sind viel auf den Schwingplätzen anzutreffen. Um unsere Schwinger gut betreuen zu können.
Die grösseren Jungschwinger trainieren zweimal pro Woche, die kleineren einmal. In der Winterpause bieten wir zudem sechs bis acht Konditionstrainings an. Für die Trainings sind fünf Trainer zuständig, zudem fordern wir auch Aktive dafür an, um alle Trainings abdecken zu können.

Wie oft trainieren die Aktiven?
Die Aktiven haben am Dienstag und Donnerstag Schwingtraining. Weiter findet jede zweite Woche ein Kantonaltraining in Wolhusen statt und in regelmässiger Folge auch Innerschweizer Kaderzusammenzüge. Konditions-, Kraft- oder Mentaltrainings bieten wir vom Schwingklub aus nicht an. Dies machen die Schwinger individuell. Der Trainingsfleiss von den Aktivschwingern dürfte aber besser sein. Das betrifft natürlich nicht alle Athleten.

Wie lauten die Ziele für 2017?
Das absolut Wichtigste ist sicher, dass alle gesund sind. Wir möchten an die erfolgreiche 2015er-Saison mit Kranzfestsiegen von Joel und Erich anknüpfen. Weiter hoffen wir auch, dass einige Neukranzer hinzukommen. 2016 gab es nur einen. Etwa fünf Schwinger sind nahe an diesem Unterfangen.

Letzte Saison verletzten sich erst Marco Fankhauser, später Joel Wicki und beim Eidgenössischen Erich Fankhauser. Sind alle wieder fit und im Training?
Joel durfte Ende Dezember wieder das Schwingtraining aufnehmen. Erich kann wegen einer Ellenbogen-Operation erst im Februar oder März wieder mit Schwingen beginnen. Zurzeit befindet er sich im Aufbautraining und betreibt Kondition und Kraft. Marco ist auf dem Weg zurück, musste sich aber erst vor kurzem an zwei Zehen operieren lassen. Geplant ist, dass er noch im Januar wieder sein Schwingtraining aufnimmt.
Übrigens: Nebst den Aktiven hatten wir auch bei den Jungschwingern Verletzte zu beklagen.

Was wünscht ihr euch für 2017?
Zuerst das gleiche wie bei den Zielen: Dass wir unfallfrei durch die Saison kommen, und die momentan Rekonvaleszenten wieder gesund werden.
Die Schwingerei boomt, auch im Entlebuch. In letzter Zeit merkten wir aber in den verschiedenen Gremien, dass praktisch niemand mehr mithelfen möchte. Es ist jeweils schwierig, genügend Leute zu finden. Ein Beispiel sind fehlende Kampfrichter. Für einen grossen Klub mit einem grossen Einzugsgebiet sollte dies eigentlich kein Problem darstellen. Schön wäre, wenn ehemalige Aktivschwinger bereit wären, eine Funktion im Schwingklub zu übernehmen. Und so dem Schwingklub etwas zurückgeben. Uns ist bewusst, dass andere Schwingklubs mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben.
Wir sind seit gut einem Jahr am Suchen von Kampfrichtern, um abtretende zu ersetzen. Viele merken das noch nicht, aber wir spüren das extrem. Allerdings: Beim Punkt Kampfrichterwesen bekundet man mit den Medien manchmal schon Mühe. Man liest beispielsweise, dass die Kampfrichterleistung beim Bergschwinget Stoos oder Rigi zu wünschen übrigliess. Die Kampfrichter stehen dabei absolut im Fokus. Viele Bereiche wie die Sponsorengelder oder die grossen Budgets einiger Anlässe boomen enorm. Die Kampfrichter liess man dabei aber fast alleine stehen. Da muss man sich einfach etwas überlegen.

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Schwingtraining der Aktiven
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Wie Präsident Franz Murpf zum Schluss des Gespräches erklärte, sind sie nun daran, die Garderoben zu erweitern. Die grosse Anzahl Jungschwinger ruft nämlich nach mehr Platz. Diese Tatsache und die vielen Aktiven im Schwingerverband Entlebuch geben zu grosser Freude Anlass. Die Verletzungshexe letztes Jahr bremste aber den Elan von 2015. Stoppte sie doch just im dümmsten Moment die Zugpferde und hinderte sie am Gewinn des so wertvollen Eidgenössischen Kranzes.

Neues Jahr neues Glück: So sind die Verletzten auf dem Weg zurück und der Vorstand des Entlebucher Schwingerverbandes ist mit neu besetztem Vorstand unterwegs. Allerdings gibt es trotz boomendem Schwingsport auch an harten Brocken zu kauen: Fehlende Kampfrichter müssen beispielsweise gefunden werden.

Ich bedanke mich beim Entlebucher Schwingerverband für den freundschaftlichen Empfang und wünsche ihnen auf ihrem weiteren Weg alles Gute.

feldwaldwiesenblogger

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