Nachgefragt bei Jimmy Erard, dem neuen Präsidenten der Südwestschweizer Schwinger

Letztes Jahr traf ich mich im Rahmen meiner Vorschauen-Serie über das Eidgenössische in Estavayer unter anderem auch mit einem gewissen Jimmy Erard. Dieser Jimmy Erard wurde nun kürzlich am 21. Januar zum neuen Präsidenten des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes (SWSV) gewählt. Er tritt die Nachfolge von Blaise Decrauzat an, welcher während zwölf Jahren dieses Amt umsichtig versah.

Der Aufstieg von Jimmy zum höchsten Schwingerfunktionär in der Romandie hört sich fast wie ein Märchen an. Der Jurassier wurde nämlich erst vorletztes Jahr von einem Mitglied des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes angefragt, ob er über den Schwingsport berichten möchte. Seit Oktober 2015 verfasst Jimmy nun regelmässig für verschiedenste Medien stimmungsvolle Berichte rund um den Schwingsport in der Romandie.

Zur Erinnerung: Jimmy ist ein Westschweizer Medienschaffender, ausgebildeter Journalist und war einige Jahre Redaktor der Schweizerischen Eisenbahnerverbands-Zeitung. Heute arbeitet der schwingbegeisterte Mann als freischaffender Journalist und ist nebenbei auch Medienchef des Neuenburger Kantonalen Schwingerverbandes. Wohnhaft ist der 56-jährige Journalist seit gut 20 Jahren in Chaumont NE. Jimmy stammt vom Kanton Jura und ging dort auch zur Schule, verbrachte aber als Kind einige Jahre in Wilderswil BE. Später arbeitete der Romand zudem einige Jahre als Bahn-Gewerkschaftssekretär in Bern und war tätig als Dolmetscher. Er spricht deshalb auch sehr gut Deutsch. Jimmy hat selber nie geschwungen, spielte früher Eishockey und betreibt heute noch als Hobby den Schiess-Sport.

Am vergangenen Freitag führte ich mit dem frisch gebackenen Präsidenten ein längeres Gespräch. Dabei wollte ich auch wissen, ob der „Quereinsteiger“, ähnlich wie die Jungfrau zum Kind, zu diesem Amt kam.

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Jimmy Erard, der neue Präsident des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes
Bildquelle: Facebook-Seite von ARLS (Association Romande de Lutte Suisse)

Herzliche Gratulation zum neuen Amt als Südwestschweizer Präsident. Wie kam es eigentlich dazu? Du bist bekanntlich ein Quereinsteiger und noch nicht so lange mit dem Schwingsport verbunden.
Ich sagte es dir schon im vergangenen Juni: Wenn ich etwas mache, mache ich es mit vollem Einsatz. Bei den Schwingfesten habe ich mich mit verschiedenen Leuten rund um den Schwingsport angefreundet, auch mit Funktionären. Hinterher habe ich mich mit ihnen öfters an einen Tisch gesetzt. So wurden viele Beziehungen geknüpft.
Es war für mich als Neuenburger nicht selbstverständlich, zu kandidieren. Klar, ich bin ein Quereinsteiger. Aber: Blaise Decrauzat hat das sehr gut gemacht und ich bedanke mich bei ihm für seine Arbeit und die Einführung in mein Amt. Er hat das Team Romandie während 12 Jahren auf einen guten Kurs gebracht. Es macht es mir nun einfacher, das zu übernehmen. Ich sehe mich zudem auch als Manager, da sehe ich meine Stärken. Ich denke, die Südwestschweizer Schwinger haben jemanden gesucht, der auch als Manager arbeiten und verhandeln kann. Ich bringe zudem etwas Zeit mit, da ich als freischaffender Journalist arbeite.
Neben mir kandidierte nur noch ein Freiburger für das Amt. Weil die Freiburger mit Christian Schmutz aber den neuen Technischen Leiter stellen, wurde ich stillschweigend gewählt. Unsere Statuten besagen nämlich, dass der Präsident und der TK-Chef nicht aus dem gleichen Kanton stammen dürfen.

Was für Aufgaben kommen nun auf dich zu? Wirst du beim Zentralvorstand vom Eidgenössischen Schwingerverband (ESV) auch eine Funktion übernehmen?
Ich werde weiterführen, was bisher schon gut lief und möchte nicht wie der französische Präsident Hollande alles kaputt machen. Ich möchte zudem gute Beziehungen aufbauen, auch in der Deutschschweiz. Das Gleis wurde bereits von Blaise gelegt. Er und sein Vorstand haben das gut aufgebaut, und ich möchte deren Arbeit dementsprechend weiterführen. Jetzt stelle ich einen Zug zusammen, der mich und mein Team mit verschiedenen Zwischenhalten von A bis Z bringt.
Weiter möchte ich unseren Verband auch medientechnisch voranbringen, damit auch kleine Kantonalverbände wie das Wallis profitieren können. Es müssen die richtigen Weichen gestellt werden. Ich arbeite gerne in flachen Hierarchien, bin durch und durch ein Demokrat und lösungsorientiert. Natürlich werde ich mich auch in die verschiedenen Dossiers einlesen.
Am 16. Februar findet ein Kickoff-Meeting statt, an welchem ich zum ersten Mal eine Vorstandssitzung leite. Wie bereits erwähnt, haben wir mit Christian Schmutz auch einen neuen TK-Chef. Wir haben vor, Vertrauen aufzubauen, und beabsichtigen von Seite des Vorstandes mit einer Stimme zu sprechen.
Welche Funktion ich im ESV-Vorstand übernehmen werde, weiss ich bis dato noch nicht. Ich gehe aber davon aus, dass ich die Arbeiten und Funktionen von Blaise übernehmen werde.

Was für Ziele hast du dir gesteckt?
Ich habe mir schon Ziele gesteckt, bin aber kein Politiker, der leere Versprechen abgibt. Ein Ziel ist sicher, die besten Schwinger an so wichtige Schwingfeste wie den Unspunnen-Schwinget zu schicken. Ich möchte, dass wir eine oder mehrere Lokomotiven im Verband haben, welche die übrigen mitziehen. Mit dem Neuenburger Samuel Dind haben wir übrigens beim Berchtold-Schwinget (Rang drei) das Schwinger-Jahr gut gestartet. Nebst guten Resultaten gehört auch die Präsenz der Schwinger dazu. Die technische Crew hat zudem meine volle Unterstützung.
Ein längerfristiges Ziel ist der Eidgenössische Nachwuchsschwingertag (ENST) von 2018. Wir haben ein junges und motiviertes Team, diese gilt es möglichst gut auszubilden und weiterzubringen.
Ein weiteres Ziel ist, 2017 alle Schwingfeste in der Romandie zu besuchen und wenn irgendwie möglich, mit allen Kommissionen einmal zusammenzusitzen. Meine Frau unterstützt mich und steht hinter mir, wenn ich in nächster Zeit weniger zuhause bin. Den Entscheid zu diesem Amt habe ich zusammen ihr gefällt.

Was denkst du, was erwartet die Südwestschweizer Schwingergemeinde von dir?
Viele Dinge, aber sicher nicht eine Revolution. Sie möchten, dass ich weiterführe, was bereits eingeführt wurde. Ich muss zuerst auch Erfahrungen sammeln und mit den Leuten reden. Dann sehen wir, welche Wege sich dabei eröffnen. Die Schwinger haben viele Erwartungen. Und: Ich möchte das so weiter pflegen wie das Blaise bereits begonnen hat.

Wirst du auch beim Trainingsgeschehen ein Wörtchen mitreden?
Mindestens verfolgen und beim Aufbau helfen. Die Trainingsansprüche werden immer höher angesetzt. Ich habe sehr gute Leute mit viel Erfahrung, und möchte ihnen nicht dreinreden. Das sind praktisch Halbprofis und sie wissen was zu tun ist. Zuerst arbeite ich mich ein und dann stelle ich sicher Fragen. Ich werde bei den Trainingscamps dabei sein und möchte auch die Jungschwinger motivieren. Das macht sich jeweils gut, wenn ein Vorstandsmitglied vor Ort ist.

Wie beurteilst du die momentane schwingerische Situation in der Südwestschweiz?
Ich will nicht auf Estavayer2016 zurückkommen. Für Blaise und sein Team war es nicht das, was sie erwartet haben. Der Kranz wurde knapp verpasst. Wir müssen jetzt viel arbeiten. Es gibt aber auch Positives zu berichten: Der Schwingklub Oberwallis hat kürzlich seinen Betrieb aufgenommen. Sie trainieren dort zweimal pro Woche, und ich möchte sie irgendwann besuchen.
Wenn die Resultate da sind, ist die Situation für uns auch gut. Stimmen diese nicht, wird es schwierig. Wir müssen mit den Medien mehr zusammenarbeiten und brauchen dafür ein neues Konzept. Da gibt es viel zu tun.
Den meisten Schwingern geht es gut. Wir haben zurzeit nicht viele Verletzte zu beklagen. Wir surfen nach wie vor auf der guten Stimmung von Estavayer, und das möchten wir noch eine Weile tun.
In der Deutschschweiz gibt es andere Unterstützungsmöglichkeiten von Seiten der Sponsoren. Diesbezüglich haben wir in der Romandie einfach Mühe. Ich denke, wenn die Resultate stimmen, werden sie schon kommen. Wir müssen einfach präsent sein, auch bei Schwingfesten in der Deutschschweiz.

War nach dem ESAF ohne Kranzgewinn Katzenjammer zu spüren?
Jeder war sehr enttäuscht, auf allen Ebenen. Es war wie ein Knockout. Wir sind am ESAF sehr schlecht bezahlt worden. Am Sonntagmorgen war ich noch überzeugt, dass es zum Kranzgewinn reicht. Das Kollektiv hat vielleicht ein bisschen versagt. Man sagt aber auch: „Stürzt man vom Pferd, soll man wieder aufstehen und weitermachen.“ Es kann also nur noch besser werden. Wir möchten dabei nicht zu grosse Erwartungen schüren. Die Plätze für künftige Grossanlässe sollen viel teurer werden. Es liegt nun an der Technischen Kommission, die besten Schwinger für solche Schwingfeste zu selektionieren. Einer, der ständig präsent ist, und regelmässig gute Resultate zeigt, ist dabei.
Trotz der Enttäuschung: Gratulation ans Team Romandie, wie sie sich am ESAF zeigten und dort auch wichtige Freundschaften pflegten. Aber eben, die Resultate fehlten. Die Zukunft liegt nun bei den Jungen. Dort haben wir ein grosses Potential.

Bedeutete Estavayer2016 wirklich eine Signalwirkung für den Schwingsport in der Romandie? Sind beispielsweise die Jungschwinger-Zahlen anschliessend angestiegen und konnten neue Sponsoren hinzugewonnen werden?
Auf Basis der Resultate blieb diese Signalwirkung aus. Es fehlte eben der so wichtige Eidgenössische Kranz. Wir haben zwar treue Sponsoren. Aber neue Sponsoren zu gewinnen ist sehr schwierig. Das Risiko ist für sie einfach zu gross. Aber: In unseren Nachwuchs würde ich persönlich investieren.
Den Eidgenössischen Schwinger-Schnuppertag haben wir 2016 leider verpasst. Da müssen wir in Zukunft mehr machen. Uns auch bei den Schulen zeigen. Wir müssen Präsenz markieren. Denn: Gutes Material vom ESV ist vorhanden, wir müssen es nur einsetzen.
Wir müssen auch einen technischen Leiter für die Jungschwinger finden, das ist sehr wichtig. Wir hätten einige Kandidaten, die dafür prädestiniert wären. Leider sprechen sie nicht so gut Deutsch. Dies ist eine Voraussetzung für das Amt, auch wegen der Arbeit mit den anderen Teilverbänden. Zudem müsste so eine Person bereit sein, für die ganze Romandie zu arbeiten.
Trotzdem: Wir haben etliche gute Leute rund um den Schwingsport in der Romandie, und viele davon haben auch gute Beziehungen in die Deutschschweiz.

Hat das Interesse für den Schwingsport in der Bevölkerung der Romandie nach dem Eidgenössischen eher noch zugenommen oder ist es schon wieder am Verflachen?
Im Kanton Freiburg ist das Interesse nach wie vor gross. Dort war das Schwingen schon immer sehr präsent. In den anderen Kantonen ist das Interesse eher wieder am Verflachen. Das Eidgenössische war wunderbar, die Leute haben zugeschaut. Aber es gibt nun ein Leben nach dem ESAF, und die meisten beschäftigen sich wieder mit anderen Dingen. Deshalb müssen wir auch die Medienarbeit verstärken.

Wird man dich in Zukunft an Schwingfesten in einer Doppelfunktion antreffen: Einerseits als Journalist, welcher Schwingberichte verfasst, andererseits als SWSV-Präsident?
Das wird sicher so sein. Mindestens für ein Jahr, bis das neue Pressekonzept umgesetzt ist. Die Neuenburger Schwingerkameraden fragten mich nach der Wahl als erstes, ob ich sie nun fallen lasse. Ich entgegnete ihnen, dass ich das nicht tun werde. Klar ist, dass ich an den Schwingfesten nun auch andere Aufgaben haben werde. Aber: Ich schreibe nach wie vor Berichte über die Schwingfeste, denn es ist mein Hauptbroterwerb. In Zukunft einfach nicht mehr ganz so viele.

Du hast mir letztes Jahr gesagt, dass du betreffs Schwingsport ein neues Informations- und Pressekonzept für die gesamte Romandie einführen möchtest. Wie sieht der Stand der Dinge aus?
Der Stand heute sieht so aus, dass wir dafür eine gute Basis geschaffen haben und das Konzept nun dem Vorstand präsentieren wollen. Wir möchten dabei ein paar Neuerungen einführen. Wie zum Beispiel ein Internet-Streaming von den Kantonalen, vom Schwarzsee-Schwinget und vom Teilverbandsfest. Ich möchte auch, dass diese Übertragungen von guten Leuten kommentiert werden. Dieser Punkt muss noch ein wenig präzisiert werden. Ich habe dafür bereits eine Person gewinnen können.
Weiter möchte ich auch qualifizierte Leute für die Berichterstattungen rekrutieren. Diese müssen teilweise noch ausgebildet und dazu motiviert werden, leicht verständliche und interessante Berichte zu verfassen.
Mein Vorgänger Blaise hat uns signalisiert, dass er mithelfen wird. Wir werden das Ganze mit ihm zusammen aufbauen.

Wird man dich als neuen SWSV-Präsidenten auch ab und zu an Schwingfesten in der Deutschschweiz antreffen?
Natürlich, es ist ebenfalls ein Ziel. Meine Absicht ist es, mit meinen Deutschschweizer Kameraden gute Beziehungen zu pflegen. Ich werde mich auch um Austausch bemühen, wie beispielsweise Trainingsbesuche unserer Schwinger in der Deutschschweiz. Selbstverständlich auch umgekehrt.
Mir schwebt vor, dass ich nicht nur die grössten Feste in der Deutschschweiz besuche. Wenn es meine Zeit erlaubt, besuche ich auch Kantonale Schwingfeste. Dabei werde ich sicher auch beobachten, wie die Anlässe ablaufen. Vielleicht kann ich das eine oder andere für die Westschweiz übernehmen.

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Jimmy Erard, beim Gespräch im Juni 2016 (Murten FR)
Bildquelle: feldwaldwiesenblogger

Vom 4. bis 5. März findet in Marin im Kanton Neuenburg die Abgeordnetenversammlung (AV) vom Eidgenössischen Schwingerverband statt. Jimmy sagt dazu: „Ich habe bei der AV eigentlich zwei Ämter: Einerseits werde ich als Südwestschweizer Verbandspräsident anwesend sein und beispielsweise die Vorversammlung der Romands leiten. Ich arbeite aber auch als Sekretär für diesen Anlass, welchen ich mit meinem Team organisiere. In Marin werde ich unter anderem am Empfang sein. Ich habe nämlich grosse Freude, meine Deutschschweizer Kollegen im Kanton Neuenburg begrüssen zu können“.

Ich bedanke mich bei Jimmy für das gut einstündige Telefongespräch und wünsche ihm bei seinem verantwortungsvollen Präsidialamt viel Freude, Durchhaltewillen aber auch die so wichtigen Erfolge.

feldwaldwiesenblogger

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