Was darf man von den Nordostschweizer Schwingern 2017 erwarten? – Experten-Meinung vor Beginn der neuen Saison

Text: Jakob Heer und feldwaldwiesenblogger / Foto: Facebook

Bald beginnt der Frühling und so langsam, aber sicher wird die neue Schwingsaison in Angriff genommen. Zeit, nach dem nun langsam zu Ende gehenden Winter eine Bestandesaufnahme bei den einzelnen Teilverbänden vorzunehmen.

Da in der Nordostschweiz bereits drei Hallenschwingfeste Geschichte sind, widme ich mich als erstes diesem Teilverband. Wir erinnern uns: Zu Jahresbeginn siegte Armon Orlik beim Berchtold-Schwinget in der Saalsporthalle Zürich. Nach einem gestellten Schlussgang durfte sich Marcel Kuster in Gais AR beim Lichtmess-Schwinget als Sieger ausrufen lassen. Und beim Hallenschwinget Niederurnen GL schwang der einheimische Roger Rychen oben aus. Drei verschiedene Sieger, welche zudem in Estavayer zu Neueidgenossen gekürt wurden.

Jakob Heer, ein fundierter Kenner der Schwingerszene in der Nordostschweiz, gibt zu zehn Fragen Auskunft.

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Jakob Heer, NOS-Experte

Hast du mitbekommen, welche Schwinger bereits schon in einer ausgezeichneten Form sind?
Jakob Heer: Das ist über die Wintermonate immer schwierig zu sagen. Die ersten Frühjahrswettkämpfe werden darüber mehr Auskunft erteilen. Viel erfreulicher ist die Tatsache, dass fast alle Aktiven gesund sind und ein Grossteil über die Festtage ein Trainingslager im Bündnerland absolvierte. Leider hat sich dort Samir Leuppi eine Fingerblessur zugezogen.

Welche Schwinger werden 2017 für Furore sorgen? Könnte es gar Überraschungen geben?
Jakob Heer: Ich denke, dass Armon Orlik und Samuel Giger, welche in der vergangenen Saison das Zepter übernommen haben, das Geschehen in der Nordostschweiz in den nächsten Jahren prägen werden. Ihnen gehört die Zukunft. Beide sind noch jung und könnten über eine längere Dauer das Geschehen prägen.

Welche Schwinger könnten den Sprung nach vorne schaffen?
Jakob Heer: Naim Fejzaj traue ich zu, dass er noch einen weiteren Schritt nach vorne machen wird. Er hat 2016 schon sehr gute Ansätze gezeigt und in Estavayer um den Kranz geschwungen. Am Lichtmess-Schwinget überzeugte er zwar nicht restlos, aber die Wettkämpfe während des Winters sollte man sportlich nicht überbewerten. Für die meisten sind diese Schwingfeste ein gutes Training.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?
Jakob Heer: Obwohl die Nordostschweizer an den letzten zwei Eidgenössischen Nachwuchsschwingertagen unten durch mussten: Der NOS-Verband hat einige Talente in seinen Reihen.

Welche Arrivierten werden nach wie vor den Ton angeben?
Jakob Heer: Sicherlich Daniel Bösch, der am ESAF eine sehr starke Leitung gezeigt hat. Obwohl er im Schatten von Orlik und Giger 2016 einen Kranzfestsieg verpasste, zeigte er eine gute Saison. Auch Beat Clopath und Arnold Forrer traue ich noch Spitzenplatzierungen zu. Ebenso Michael Bless, welcher mit seinen 30 Jahren auch bereits zu den Arrivierten in der Nordostschweiz gehört. Gespannt blickt man auf Stefan Burkhalter, der im 43. Altersjahr den 100. Kranz anpeilt.

Werden die Neueidgenossen überzeugen?
Jakob Heer: Insgesamt denke ich schon. Es hat bei den Bernern, den Innerschweizern und bei den Nordostschweizern Überraschungseidgenossen gegeben. Dies gab es übrigens auch schon an früheren Eidgenössischen. Peter Horner war eine Überraschung, alle sieben anderen Neueidgenossen gehörten in Estavayer zu den Anwärtern auf Eichenlaub. Mit Tobias Krähenbühl und Marcel Kuster holten sich zwei Athleten (endlich) den Kranz, welche seit Jahren mit beständig guten Resultaten aufwarten.

Könnte die Unspunnen-Selektionierung für einige Schwinger zur „Nervenfalle“ werden?
Jakob Heer: Nein, davon gehe ich nicht aus. Klar, wenn Eidgenossen ihre Leistung nicht bringen, kann es eng werden. Hinter den Eidgenossen lauern einige Mittelschwinger, die auf einen Platz im Unspunnen-Team spekulieren.

Wo siehst du Negativpunkte oder gar Handlungsbedarf beim Verband?
Jakob Heer: Die Zahlen der Aktiven wie auch beim Nachwuchs waren 2016 erneut rückläufig. Da muss der Hebel angesetzt werden. Speziell im Nachwuchsbereich muss alles unternommen werden, damit die Zahlen nicht weiter nach unten schnellen.

Gibt es bei den Kantonalverbänden und Schwingklubs sogenannte „Problemkinder“?
Jakob Heer: Bei den Aktiven sind die Schaffhauser nach Jahren des Erfolges (Gebrüder Thomi und Bürgler) nach dem Rücktritt des letzten Eidgenossen Pascal Gurtner in ein Loch gerutscht. Es wäre schade, wenn sie den Anschluss verlieren würden. Auch die St. Galler haben nach den Rücktritten von Jörg und Urs Abderhalden, Urban Götte, Martin Glaus, Gerry Süess und Jakob Roth an Durchschlagskraft verloren. „Problemkinder“ ist aber das falsche Wort. Es gab und wird immer Schwankungen geben. Im Gegenzug drängen die Appenzeller, Bündner und speziell die Thurgauer nach oben.

Wie siehst du für 2017 das Stärkeverhältnis der Nordostschweizer im Vergleich mit den anderen Teilverbänden?
Jakob Heer: Die Nordostschweizer müssen sich, das hat Estavayer2016 eindrücklich gezeigt, vor keinem anderen Verband verstecken. Die Berner werden in der Breite wohl noch bis Zug 2019 am stärksten bestückt sein. Sie gelten auch als Favoriten auf den Sieg in Interlaken. Doch die Inner- und Nordostschweizer haben auch Chancen. Ich rechne mit einer spannenden Saison.

Jakob, besten Dank für die interessanten Einblicke ins Nordostschweizer Schwinggeschehen!

feldwaldwiesenblogger

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