Vor dem Zuger Kantonalen: Interview mit Marcel Bieri, dem zurzeit stärksten Zuger Schwinger

Text: feldwaldwiesenblogger

Der Zuger Turnerschwinger Marcel Bieri ist hervorragend in die neue Saison gestartet. Ein besonderes Glanzstück gelang ihm beim Sieg am Frühjahrsschwinget Pfäffikon, wo er im Schlussgang den grossen Favoriten Christian Schuler bezwingen konnte.
Marcel bestritt in dieser Saison bisher fünf Rangschwingfeste: Hallenschwinget Sarnen (Rang 3b), Rangschwinget Engelberg (Rang 4a), Frühjahrsschwinget Cham (Rang 2), Frühjahrsschwinget Pfäffikon (Rang 1) und Bad-Schwinget Wolhusen (Rang 2). Das sind allesamt starke Resultate!

Auf die einleitende Frage, ob Marcel nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Neueidgenosse Pirmin Reichmuth zurzeit die Nummer eins der Zuger sei, meint er: „Dass dies andere so sehen war mir bis zum Festsieg beim Frühjahrsschwinget Pfäffikon nicht bewusst. Schaut man auf die Resultate, könnte man das behaupten. Es gibt jedoch mehrere Zuger Schwinger, die zurzeit stark sind. In gemeinsamen Trainings zeigt sich, dass ich nicht die Nummer eins bin. Denn viele agieren auf gleichem Niveau. In Trainings schwinge ich nicht so stark wie an Wettkämpfen. Ich denke, dass ich zum Saisonstart bestimmt auch das Wettkampfglück auf meiner Seite hatte und hoffe, dass das so weitergeht.“

Marcel Bieri wurde am 2. Dezember 1994 geboren und wohnt in Edlibach, welches politisch zur Gemeinde Menzingen ZG gehört. Der 190 Zentimeter grosse und 110 Kilogramm schwere Athlet ist derzeit Student an der Pädagogischen Hochschule Zug (PHZG). In einem dreijährigen Bachelorstudium lässt er sich zum Primarlehrer ausbilden. Der ursprünglich erlernte Beruf des Edlibachers ist Zimmermann. Er kam über den zweiten Bildungsweg an die PHZG.

Der zehnfache Kranzgewinner gehört dem Schwingklub Ägerital an, welcher im Zuger Kantonalverband integriert ist. Nebst dem Sieg beim Frühjahrsschwinget Pfäffikon wurde der Teilverbandskranzer beim Bergschwinget Sörenberg 2016 Co-Sieger und belegte Rang 1b. Marcel’s älterer Bruder Christian schwingt auch, und wird ebenfalls als Teilverbandskranzer geführt.
Neben dem Schwingen gehören das Nationalturnen, der Turnverein und der Ausgang zu den Hobby’s des Studenten.

Nach dem überraschenden Sieg von Marcel beim Frühjahrsschwinget Pfäffikon und einem erneut starken Auftritt beim Bad-Schwinget Wolhusen war für mich klar: Vor dem Zuger Kantonalen führe ich mit dem jungen Turnerschwinger ein Interview. Im Verlauf der Woche stellte ich dem angehenden Primarlehrer zehn Fragen zu, welche er mir schriftlich beantwortete.


Marcel Bieri, nach dem Erreichen des 2. Platzes beim Badschwinget Wolhusen
Foto: feldwaldwiesenblogger

Du bist sehr gut in die neue Saison gestartet. Hast du eine Erklärung dafür?
Dafür habe ich eigentlich vier Erklärungen. Einerseits bestritt ich ein neues und intensiveres Herbst- und Wintertraining. Andererseits war bereits der letztjährige Saisonabschluss beim Herbstschwinget Unteriberg, bei welchem ich den Schlussgang erreichte, sehr gut. Weiter habe ich beim Eidgenössischen in Estavayer um den Kranz geschwungen. Erwähnen möchte ich aber auch das nötige Wettkampfglück, welches mir hold war.

Hast du in deiner Vorbereitung, deinem Training oder gar in deiner Schwingweise etwas verändert, dass du derart parat bist?
Ich praktizierte ein neues Krafttraining mit den Menzinger und Ägerer Schwingern. Dazu veränderte ich meinen Schwingstil, welchen ich über mehrere Jahre praktizierte. Vorher schwang ich sehr konterhaft und defensiv, heute agiere ich meist offensiv. Zudem nahm ich neue Schwünge wie der Kurz in mein Repertoire auf.

Wie hast du eigentlich das Kunststück geschafft, Christian Schuler beim Schlussgang des Frühjahrsschwingets Pfäffikon zu bezwingen?
Dies war so nicht geplant, und ich habe instinktiv gehandelt. Denn ich ziehe eigentlich nie die Kombination Kopfgriff/Kniestich. Da ich schon mehrmals gegen ihn verlor, wollte ich abwarten und auf einen Fehler seinerseits warten, um kontern zu können. Was sich letztendlich auszahlte.

Hast du bereits während dem Schwingfest gespürt, dass der Tagessieg durchaus drin liegen könnte?
Nein. Da ich bis anhin jeden Schlussgang verlor, kam der Tagessieg für mich erst nach dem Schlussgang in Frage.

Du bist bereits beim Frühjahrsschwinget Cham mit Christian Schuler im Schlussgang gestanden. Dort hast du noch gegen ihn verloren. Wie lief dieser Schlussgang ab?
Ich hatte ihn schon beim Anschwingen, wo ich denselben Fehler machte wie beim Herbstschwinget in Unteriberg und angegriffen habe. Im Schlussgang konnte er mich mit seiner Bodenarbeit besiegen: Mit aufreissen am Boden und Kniekehlengriff.

Auch beim Badschwinget in Wolhusen lief es sehr gut. Fünf gewonnene Gänge, darunter der Sieg gegen den Eidgenossen Sven Schurtenberger im sechsten Gang. Wie hast du diesen doch relativ schweren Schwinger bezwungen?
Bis zur letzten Minute habe ich eher verhalten geschwungen, da ich gegen ihn bisher immer verlor und einmal stellte. In der letzten Minute konnte ich ihn mit einem Schlungg auskontern.

Letzte Saison hast du dir vier Kränze erschwungen: Nebst zwei Kantonalen auch den Innerschweizer und den Stoos-Kranz. Geht es in dieser Saison im gleichen Stil weiter, liegt gar der erste Kranzfestsieg drin?
Es wäre schön. Aber damit rechne ich nicht und will mir deswegen auch keinen Druck aufbauen. Wichtiger ist mir, an jedem Kranzfest den Kranz zu erkämpfen. Was auch wegen der neuen Beschickungsregel schwieriger wird als die letzten Jahre.

An welchen Schwingfesten wird man dich demnächst antreffen? Welche Kranzfeste sind bereits terminiert?
Folgende Kranzfeste stehen fix in meiner Agenda: Das Zuger, das Schwyzer und das Urner Kantonale. Weiter das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest und die Bergkranzfeste Stoos, Brünig und Schwarzsee. Zudem sind zwei Gastschwingfeste bereits geplant: Der Homberg-Schwinget (Reinach AG) und der Fraumatt-Schwinget (Oberwil BL).

Du gehörst dem Schwingklub Ägerital an. Mit welchen Ambitionen steigt euer Schwingklub am Sonntag beim eigenen Zuger Kantonalen in die Kranzfestsaison?
Die neue Beschickungsregel wird es nicht einfacher machen für die Nichtkranzer und die Kranzer. Trotzdem hoffe ich auf Neukranzer aus dem Ägerital. Unsere Kranzschwinger haben allesamt Chancen auf einen Kranz und eine gute Platzierung.

Wie sind die Zuger Schwinger derzeit aufgestellt? Was traut ihr euch beim Kantonalen in Baar zu?
Tatsache ist, dass wir viele Verletzungen im vorderen Feld zu beklagen haben. Rainer Betschart verletzte sich in Ibach, Dominik Waser in Cham und natürlich Pirmin Reichmuth. Ob Rainer und Dominik rechtzeitig fit werden, weiss ich nicht. Ich hoffe es jedoch. Starke Nichtkranzer aus allen vier Zuger Schwingklubs streben das Eichenlaub an. Zum Beispiel Christian Bucher, Thomas Bucher, Adrian Hurschler, Manuel Elsener, Lukas Baumann, Dominik Müller, Beat Suter oder Christoph Moos. Ein Exploit ist jederzeit möglich.


Marcel Bieri, der glückliche Sieger beim Frühjahrsschwinget Pfäffikon
Foto: schwingklub-aegerital.ch

Ich bedanke mich bei Marcel Bieri für seine aufschlussreichen Antworten! Von dem aufstrebenden Talent wird man in Zukunft sicher noch einiges hören. Dass der junge Zuger seine Führungsrolle von sich weist, finde ich mehr als verständlich. Denn mit solchen „Prädikaten“ werden die Athleten meist nur unter Druck gesetzt. Trotzdem: Marcel ist der zurzeit stärkste Zuger Schwinger und die eingangs erwähnten Resultate geben aus Innerschweizer Sicht zu berechtigter Hoffnung Anlass.
Vorderhand wünsche ich dem Turnerschwinger beim Zuger Kantonalen einen guten Wettkampf, das nötige Glück und ein gutes Resultat. Und natürlich, dass er sich verletzungsfrei durch die Saison schwingt!

feldwaldwiesenblogger

Trainingsbesuch beim Schwingklub Lenzburg und Umgebung

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Am Dienstag, 11. April, stattete ich dem Schwingklub Lenzburg und Umgebung einen Trainingsbesuch ab. Das Training der Aktivschwinger findet jeweils am Dienstag von 20 bis 22 Uhr im Schwingkeller in Möriken AG statt. Geleitet wird das Training vom technischen Leiter und Aktiven Yves Steinmann. Bevor am 11. April trainiert wurde, machte ich mit Yves ein ausführliches Interview.


Yves Steinman: Aktivschwinger und TK-Chef Aktive vom Schwingklub Lenzburg und Umgebung

Wann wurde der Schwingklub Lenzburg und Umgebung gegründet?
Yves verwies mich auf die clubeigene Homepage. Unter „Geschichte“ kann man nachlesen, dass am 26. Januar 1921 die Gründungsversammlung abgehalten wurde.

Wann erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten, und mit wem?
Weiter entdeckte ich auf der Online-Seite der Lenzburger, dass schon ein Jahr nach der Gründung einer ihrer Schwinger, Jakob Kull, in Münchenstein das Nordwestschweizerische Schwingfest gewann. 1929 gewannen die Brüder Jakob und Ernst Dössegger beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Basel den Kranz. 1931 tat es ihnen Bruder Hans Dössegger gleich, und holte in Zürich ebenfalls Eidgenössisches Eichenlaub. Soviel zur frühen Geschichte vom Schwingklub Lenzburg und Umgebung.

Yves: Vor etwa 30 Jahren zählte unser Schwingklub wirklich sehr viele Schwinger. Ich selber erlebte die Gebrüder Thürig, welche sehr erfolgreich sind und waren. Guido hat inzwischen seine Karriere beendet, Mario ist immer noch aktiv. Nun haben wir mit Nick Alpiger einen weiteren erfolgreichen Schwinger, welcher obenaus schwingt. Wir erleben momentan also auch gute Zeiten. Leider zählen wir derzeit nicht so viele Schwinger. Durchschnittlich sind jeweils um die sieben Aktive im Training.

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Lenzburg und Umgebung aus?
Yves: Unser Einzugsgebiet besteht aus der Region Lenzburg/Seetal. Vom Wohnort her wäre ich eigentlich Freiämter. Da mein Vater und Onkel schon in Lenzburg schwangen, kam ich schon von klein auf immer hierher.

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
Yves: Wir haben einen Bestand von etwa zehn Aktiven. Bei den Jungschwingern sind jeweils zwischen zwanzig und dreissig im Training. An den Schwingfesten nehmen so um 15 bis 20 Jungschwinger teil.

Wie sieht für 2016 die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger aus?
Yves: Wir blicken auf eine sehr erfolgreiche Saison zurück, auch dank unseren beiden Zugpferde Mario und Nick. Beide Schwinger kamen mit dem Eidgenössischen Kranz heim. Mario war lange verletzt und man wusste länger nicht, ob er überhaupt schwingen kann. Mit dem Erfolg beim Solothurner Kantonalen sah man einen Lichtblick. Leider verletzte er sich kurz vor dem Eidgenössischen wieder, konnte den Kranz in Estavayer dennoch realisieren.
Nick startete zum ersten Mal an einem Eidgenössischen, und gewann den Kranz auf Anhieb. Das ist natürlich sensationell.
Bei den Jungschwingern haben wir auch zwei, drei Zugpferde. Der eine Jungschwinger gewann 2016 zwölf Schwingfeste in der jüngsten Kategorie. Da sind wir sicher gut unterwegs, denn die Jungschwinger bringen regelmässig Zweige heim.

Wurden die anvisierten Ziele 2016 erreicht?
Yves: Der grösste Teil konnte realisiert werden. Da wir leider einige Verletzte zu beklagen hatten, konnten wir beim AMAG-Cup nicht das gewünschte Ziel erreichen. Das Ziel wäre der dritte Platz gewesen. Wir erreichten schlussendlich Platz vier.
Apropos AMAG-Cup: Das ist ein Aargauer Wettbewerb, bei welchem an jedem Schwingfest die besten vier Resultate zählen. Wir hatten wegen den angesprochenen Verletzungen teilweise Mühe, dass wir überhaupt vier Schwinger stellen konnten.

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Aargauer Schwingklubs aus?
Yves: Die Kantonaltrainings, welche meistens sehr gut besucht sind, finden hier bei uns statt. Diese fördern auch den Zusammenhalt, und die Schwinger lernen sich besser kennen. Das ist positiv für die jungen Aktiven. Ich sage unseren Jungen jeweils, dass sie auch teilnehmen sollen. Man kann in diesen Trainings nur voneinander profitieren.

Wie äussert sich bei euch die Tatsache, dass die Nordwestschweizer im Teilverbands-Vergleich „nur“ die Nummer vier sind? Ist das Motivation oder manchmal auch Frust?
Yves: Ich finde dies eigentlich eine freche Aussage, uns als Nummer vier zu bezeichnen! Wenn man das Eidgenössische Schwingfest von letztem Jahr unter die Lupe nimmt, dürfen wir mit unseren fünf Kränzen sehr zufrieden sein. Wir können überdies prozentual auch weniger Schwinger schicken. Von der Grösse her können wir nie mit den Bernern oder den Innerschweizern mithalten. Aber ich glaube, dass das Niveau dank den Kantonal- und Nordwestschweizer Trainings relativ hoch ist.


Aufwärmtraining der Aktiven

Erlebt euer Schwingklub dank den beiden Eidgenössischen Kränzen nun einen Aufschwung?
Yves: Soviel ich weiss, hatten wir deswegen keinen grossen Zuwachs zu verzeichnen. Wir sind zufrieden mit den Zahlen, welche wir derzeit haben. Natürlich dürfen jederzeit Neue kommen. Zudem machen wir jedes Jahr beim Eidgenössischen Nachwuchs-Schnuppertag mit.

Wurde letzte Saison mehr als sonst ins Training investiert und so beim ESAF den Lohn in Form von Eichenlaub eingefahren?
Yves: Es wurde auf jeden Fall mehr ins Training investiert. Es ist von jedem Schwinger das Ziel, an einem Eidgenössischen starten zu dürfen. Und wenn man dort antreten kann, ist es sicher auch das Ziel, dass man möglichst sechs oder acht Gänge bestreiten darf. Oder gar Eichenlaub mit heimnehmen kann.

Wann erfolgte der Trainingsstart in die neue Saison?
Yves: Der Trainingsstart für die Saison 2017 erfolgte in der letzten Oktoberwoche 2016, mit dem grossen Ziel Unspunnen-Schwinget.

Sind alle Aktiven fit und gesund?
Yves: Nein, leider nicht. Von etwa zehn Aktiven sind sieben fit. Ein Schwinger hat gebrochene Rippen, ein anderer erlitt eine Handverletzung.
Nick Alpiger ist heute wieder zum ersten Mal hier im Training. Er hat soeben die Rekrutenschule (RS) für Sportler beendet. Nick absolvierte dabei eine normale RS, bei welcher er zwei- bis dreimal pro Woche ins Training durfte.

Auf was habt ihr im Wintertraining besonderen Wert gelegt?
Yves: Wir haben auf das Schulschwingen grossen Wert gelegt. Um neue Schwünge zu erlernen, und jene die man beherrscht, zu perfektionieren. Auf das Bodenschwingen richteten wir auch einen besonderen Fokus. Ich finde, dass ganz allgemein zu wenig Wert auf das Bodenschwingen gelegt wird.

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Yves: Ich glaube, dass jeder Schwinger von uns das Potenzial hat, erfolgreich zu sein. Es kommt immer darauf an, wie viel ein Schwinger bereit ist, zu investieren, um wirklich an die Spitze zu kommen. Aber ich würde es jedem zutrauen.


Jeweils drei Schwing-Paare massen sich gleichzeitig, derweil die anderen pausierten und Tipps zuriefen

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Yves: Einmal pro Woche wird hier ein Jungschwingertraining durchgeführt. Weiter bilden wir Fahrgemeinschaften, damit unsere Jungschwinger die Kantonal- und Teilverbands-Trainings besuchen können. Mittlerweile teilen sich drei Trainer die Trainings für unsere vielen Jungschwinger. Da ist sicher eine grosse Unterstützung vorhanden.

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
Yves: Pro Woche absolvieren unsere Aktiven hier ein Klubtraining und das Kantonaltraining. Das Kantonaltraining wird deshalb hier durchgeführt, da unser Schwingkeller relativ gross ist. Weiter geht der grösste Teil unserer Aktiven am Donnerstag noch bei einem anderen Schwingklub ins Training, um mit anderen Gegnern schwingen zu können.
Die Jungschwinger trainieren hier einmal die Woche, und individuell besuchen sie auch Trainings bei anderen Schwingklubs.

Du bist aktiver Schwinger. Seit wann bist du zusätzlich TK-Chef der Aktiven? Wie viele Kränze besitzt du?
Yves: Seit 2010 übe ich dieses Amt aus. Ich schwang mir bisher einen Kranz heraus.

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
Yves: Eigentlich eine sehr erfreuliche. Als ich mein Amt antrat, waren wir relativ wenig Aktive. Damals waren wir öfters nur zu dritt oder zu viert im Training. Diese Zahl haben wir inzwischen verdoppelt. Die Trainings werden von allen Schwingern regelmässig besucht. Das ist sehr erfreulich!

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2017?
Yves: Wir haben unser Schwingfest, das Hallenschwingen Brunegg, bereits hinter uns. An jenem Samstag nahmen rund 65 Aktivschwinger daran teil und am Sonntag darauf wurde an gleicher Stätte der Aargauer Kantonale Jungschwingertag durchgeführt. Dabei zählten wir etwa 270 Jungschwinger. Es lief alles sehr gut ab.

Wie lauten die Ziele für 2017?
Yves: Ich vereinbare mit jedem Schwinger eigene Ziele, welche wir gemeinsam besprechen. Diese Ziele sind sehr individuell, und können von einem Topresultat beim Unspunnen-Schwinget bis hin zu regelmässiger Teilnahme beim Ausstich lauten. Sehr verschieden halt.

Wo treten die Lenzburger Schwinger zu den nächsten Schwingfesten an?
Yves: Der nächste Anlass unserer Athleten wird der Guggibad-Schwinget sein, welcher der Schwingklub Freiamt organisiert.


Die beiden Eidgenossen schauen nicht nur vom Plakat (rechts oben) zu, Nick Alpiger (linkes Schwing-Paar) und Mario Thürig (rechtes Schwing-Paar) packten auch kräftig zu

Nach dem Interview begann Yves das Training mit den Aktiven. Erst liefen die Schwinger draussen ein, ehe sie sich im Sägemehl mit gezielten Übungen aufwärmten. Danach wurde frei geschwungen, und zwar in zeitlich gestoppten Drei Minuten-Blöcken. Anwesend waren nebst Yves unter anderem auch die beiden Eidgenossen Nick Alpiger und Mario Thürig. Insgesamt waren neun Aktive im Training, welches nach dem Training der Jungschwinger begann.

Zwei Tage vor meinem Trainingsbesuch gewann Nick souverän in Klingnau AG den Schwinget im Zurzibiet. Dass der 20-Jährige parat ist, stellte ich auch beim Beobachten des Schwing-Trainings fest. Der Neueidgenosse gewann nicht nur etliche Zweikämpfe. Er motivierte auch seine Kameraden und gab ihnen wertvolle Tipps. Solche Schwinger sind für jeden Klub extrem wertvoll!

Zum Schluss spreche ich Yves und den Lenzburger Schwingern für ihre Gastfreundschaft meinen Dank aus! Für die bevorstehende Kranzfestsaison wünsche ich ihnen viel Erfolg und zahlreiche Kränze. Aber auch, dass sie verschont vor Verletzungen bleiben und ihre rekonvaleszenten Schwinger wieder in die Sägemehlringe zurückkehren können.

feldwaldwiesenblogger

Meine Schwingerwoche: Von Kaltbrunn über Lenzburg bis nach Brienz

Text: feldwaldwiesenblogger

Rapperswiler Verbandsschwingfest Kaltbrunn


Simon Kid (links) und Roger Rychen (rechts) im Schlussgang in Kaltbrunn
Foto: schwingerverband.ch

Am vergangenen Sonntag besuchte ich das Rapperswiler Verbandsschwingfest in Kaltbrunn SG. Ich berichtete ausführlich darüber im Schwinger-Blog auf Facebook. Zwei Schwinger sind mir dort sehr positiv aufgefallen: Der Sieger Roger Rychen und Simon Kid, welcher dem Glarner im Schlussgang gegenüber stand. Roger gewann souverän alle seine sechs Gänge. Notabene ist dies bereits der dritte Saisonsieg für den Schönschwinger aus Mollis GL.
Simon gab nach rund 20 Monaten Verletzungspause ein eindrückliches Comeback. Mit fünf gewonnen Gängen sicherte er sich die Schlussgang-Teilnahme, wo er nach gut fünfeinhalb Minuten mit einem Kurz bezwungen wurde.
Daniel Bösch, ebenfalls Mitfavorit auf den Tagessieg, brach sich beim zweiten Gang die Nase und musste den Wettkampf vorzeitig beenden.

Trainingsbesuch beim Schwingklub Lenzburg und Umgebung


Nick Alpiger (rechts) beim Schwing-Training
Foto: feldwaldwiesenblogger

Am Dienstagabend stattete ich dem Schwingklub Lenzburg und Umgebung einen Trainingsbesuch ab. Dies war übrigens bereits der dritte Besuch eines Schwingklubs im Kalenderjahr 2017. Im Januar besuchte ich die Entlebucher Schwinger und im Monat Februar diejenigen vom Schwingklub Glarus-Mittelland. Findige Leser könnten nun darauf kommen, dass ich mir bisher von jedem Teilverband einen Klub herausgepickt habe. Genauso verhält sich’s!
Wie schon bei den ersten beiden Besuchen führte ich ein Interview, machte zahlreiche Fotos und beobachtete die Aktiven beim Training. Von meinen Eindrücken und Notizen folgt in Bälde ein ausführlicher Blogbeitrag. Eines aber vorne weg: Nick Alpiger, welcher in Estavayer zum Neueidgenossen gekürt wurde, scheint parat zu sein. Dies bewies er nicht nur bei seinem Sieg am vergangenen Sonntag beim Schwinget im Zurzibiet. Auch beim Training gab er Vollgas!

Knatsch im Reich der Bösen


Foto: Screenshot blick.ch

Diese Geschichte stammt vom 29. März, ist also schon mehr als zwei Wochen her. Ursprünglich wollte ich überprüfen, ob es sich genauso verhielt wie dargestellt. Leider fehlte mir aber die Zeit dazu. Denn: Man hat ja auch noch einen Beruf und spielt liebend gern Schlagzeug.
Ich bezweifle nämlich, dass es sich bei diesem „Gstürm“ tatsächlich genauso verhielt. Dies wegen zwei Tatsachen: Im Fachorgan SCHLUSSGANG war dieser „Knatsch“ nie ein Thema. Und bei der Abgeordneten-Versammlung des Eidgenössischen Schwingerverbandes von Ende März ebenfalls nicht. Darum lassen wir das jetzt mal so stehen.

Vorschau auf den Ballenberg-Schwinget in Brienz


Ballenbergschwinget von 2015
Foto: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Ostermontag stehen fünf Rangschwingfeste auf der Agenda. Es ist zu hoffen, dass Petrus auch ein Schwinger ist, und die Regenschleusen geschlossen hält.
Um auch die Berner Schwinger 2017 erstmals zu beobachten, nahm ich den Ballenberg-Schwinget (Brienz BE) in mein Programm auf. Dieser herrlich gelegene Schwinget, welcher jeweils im Freilichtmuseum Ballenberg (Eingang West) durchgeführt wird, fiel 2016 wegen schlechtem Wetter buchstäblich ins Wasser.
Laut Jungfrau Zeitung ist eine vielversprechende Ausgangslage „mit allen starken Berner Oberländer Schwingern und einem Gast, der ihnen die Suppe durchaus versalzen könnte“, zu erwarten. Bei diesem Gast handelt es sich um niemand geringeres als Samuel Giger, ein Riesen-Talent aus dem Nordostschweizerischen Schwingerverband. Der 19-Jährige, welcher vor Wochenfrist souverän das Thurgauer Frühjahrsschwingfest gewann, hat einen familiären Bezug zum Berner Oberland. Samuel’s Grossvater Christian Schild stammt nämlich von Brienzwiler.
Der Thurgauer Sennenschwinger wird mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit im Freilichtmuseum auf Matthias Glarner, den Schwingerkönig von Estavayer treffen. Samuel rang dem späteren Schwingerkönig dort einen „Gestellten“ ab. Matthias gewann übrigens 2015 die bisher letzte Austragung des Ballenberg-Schwinget’s und konnte sich auch 2014 als Festsieger ausrufen lassen.
Apropos Matthias Glarner: Der Schwingerkönig startete beim Jahresschwinget in Thun mit einer Niederlage gegen Patrick Räbmatter in die Saison. Angeblich hat Matthias bei einem Angriff eine neue Fussstichvariante ausprobiert und fiel prompt einem Konter zum Opfer. Der Berner Oberländer liess gegenüber der Jungfrau Zeitung verlauten, dass die neue Fussstichvariante im Training jeweils gut geklappt habe.
Anschwingen ist am Montag um 10.00 Uhr. Definitiv entschieden wird morgen Samstagvormittag, ob das Schwingfest ausgetragen werden kann.

feldwaldwiesenblogger

Meine Schwingerwoche: Nachgefragt bei Hugo Abegg, dem Speaker vom Frühjahrsschwinget Oberarth

Text: feldwaldwiesenblogger / Fotos: feldwaldwiesenblogger und Facebook-Seite von Hugo Abegg

Letztes Wochenende fanden insgesamt drei Schwingfeste der Aktiven statt. Einerseits waren dies zwei Hallenschwingfeste, andererseits mit dem Frühjahrsschwinget Oberarth die Eröffnung der Freiluftsaison. Beim Hallenschwinget in Brunegg AG gab es mit Henryc Thoenen (1a) und Roman Fellmann (1b) zwei Sieger. In Engelberg OW landete Marcel Mathis mit sechs gewonnenen Gängen einen souveränen Sieg, wie schon letztes Jahr. Mike Müllestein konnte seinen Vorjahressieg in Oberarth SZ wiederholen und feierte nach dem Hallenschwinget Sarnen in überzeugender Manier seinen zweiten Saisonsieg.

Diese Woche widmen wir uns einer Person, welche für ein Schwingfest ebenso unerlässlich ist wie die Schwinger: Dem Speaker. In Oberarth versah dieser Job den vielen Schwingerfreunden bekannte Hugo Abegg. Auf seinem Facebook-Profil nennt er sich „Hugo Abegg Rigi-Speaker“. Da liegt man wohl ziemlich richtig, wenn man annimmt, dass Hugo Abegg erstens ein Speaker ist, und zweitens dies (unter anderem) auf der Rigi tut.
Um den „Rigi-Speaker“ aber etwas besser kennen zu lernen, telefonierte ich diese Woche mit ihm, und hatte etliche Fragen zu klären.


Hugo Abegg, Speaker in Oberarth

Wer ist Hugo Abegg?
Hugo Abegg wohnt seit eh und je in Rothenthurm, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Der Rothenthurmer arbeitet als Sicherheitsbeauftragter Infrastruktur bei der SOB (Schweizerische Südostbahn AG). Nebst dem Speaker-Job bei Schwingfesten besucht Hugo ziemlich viele Schwingfeste, damit er gemäss eigener Angabe auf dem Laufenden bleibt. Weiter ist er im Jodelklub Rothenthurm aktiv, wandert und fährt Velo.
Nebst Schwingfesten trifft man den „Eisenbähnler“ auch beim Badewannen-Rennen auf dem Stoos SZ und beim Iron Bike Race in Einsiedeln SZ als Speaker an.

Der Frühjahrsschwinget Oberarth war für Hugo die Saisoneröffnung als Schwingfest-Speaker. In Oberarth machte er diesen Job nach 2016 bereits zum zweiten Mal.
Auf die Frage, was dem Familienvater das „Speakern“ an Schwingfesten bedeutet, meint er: „Ich finde es schön, die Zuschauer auf dem Schwingplatz möglichst auf dem Laufenden zu halten. Dabei möchte ich einfach die wichtigsten Gänge vermitteln. In Oberarth kamen nach dem Schwingfest zwei ältere Herren zu mir und sagten, dass sie heute die Schwingerliste nie in die Hand nehmen mussten. Man muss sich halt mit dem Schwingsport befassen, und es ist eine Voraussetzung, dass man die Schwinger kennt.“

Angefangen hat alles 2006
Angefangen hat alles 2006 mit der Anfrage von Franz Schuler, ob Hugo nicht beim Schwyzer Kantonalen in Rothenthurm SZ den Speaker-Job übernehmen möchte. Franz meinte, dass er gut reden könne, viel an Schwingfesten sei und auch die Schwinger kenne. Nach reiflicher Überlegung sagte der Schwingbegeisterte zu. Im selben Jahr kam Walti Bisig auf ihn zu, erklärte, dass Hugo sein Amt am Schwyzer Kantonalen gut gemacht habe und fragte, ob er nicht auch beim Chilbi-Schwinget in Einsiedeln „speakern“ möchte. Natürlich mochte der leidenschaftliche Jodler. Auch beim Herbstschwinget Unteriberg, nachdem ihn „Dökti Marti selig“ ebenfalls anfragte. Diese beiden Rangschwingfeste gehören seither zu den festen Speaker-Jobs.
Etwa zwei Jahre später, so genau wusste das der Rothenthurmer nicht mehr, rief ihn Herbert Kenel, der ehemalige Präsident vom Schwingerverband am Rigi, an. Ob er beim Bergschwinget auf der Rigi auch „speakern“ möchte. Hugo sagte ebenfalls zu, und ist seither „Rigi-Speaker“. „Ich fügte deshalb diesen Zusatz zu meinem Facebook-Namen, da man diesen Berg-Schwinget in der ganzen Schweiz sehr gut kennt“, erklärt er. An so einem traditionsreichen Schwingfest am Mikrofon zu sein, bedeutete für ihn, eine Sprosse höher zu steigen. Hugo fühlte sich denn auch dementsprechend geehrt. Er bekam etliche Komplimente, und hatte dadurch das Gefühl, dass er seinen „Job“ nicht so schlecht erledige. „Das absolute Highlight als Speaker war für mich bisher das Innerschweizerische von letztem Jahr in Einsiedeln“, ergänzt der volkstümliche Mann.

Die Vorbereitungen als Speaker
Wie hat sich Hugo auf den Frühjahrsschwinget Oberarth vorbereitet? Dazu sagt er: „Ich habe mich im Vorfeld informiert, was beim Hallenschwinget Sarnen passiert ist. Ich las dazu die Berichte in der lokalen Presse, wie beispielsweise im Bote der Urschweiz. Weiter entnehme ich auch viele Information aus dem SCHLUSSGANG. Aus diesen Infos mache ich mir meine eigenen Notizen.“
Hugo erklärt weiter, dass er bei vier Schwingplätzen praktisch alle Zweikämpfe mitbekommt. Ausser er ist am Herunterlesen der Paarungen, da kann ihm schon der eine oder andere Gang entgehen. In Oberarth hatte der Rothenthurmer keine Hilfe zur Seite. Bei grösseren Schwingfesten hingegen kann Hugo auf die Hilfe von Adi Abegg vom Schwingklub Einsiedeln zählen. Adi kennt die Schwinger ausgezeichnet. Er ist jeweils auf der Rigi eine grosse Stütze, und war es letztes Jahr auch beim Innerschweizerischen. Der Einsiedler wird ihm auch beim Schwyzer Kantonalen in Arth zur Seite stehen. „Wenn du einer dabei hast, der die Schwingerei so gut kennt, kannst du als Speaker die Zuschauer sehr gut informieren“, weiss Hugo zu berichten.

Hugo Abegg ist laut seinen Aussagen bei grossen Schwingfesten im Organisations-Komitee (OK) integriert. Er besucht im Vorfeld jeweils auch die OK-Sitzungen und bringt seine Inputs rein. So unter anderem auch bei der Technik. „Ich bringe meine Wünsche an, und bin auch bestens informiert, wie alles abläuft,“ meint Hugo dazu.
Als er auf der Rigi begann, waren damals nur die „Villigerstumpen“-Lautsprecher montiert. Er wurde an jenem Sonntag darauf angesprochen, dass man ihn gar nicht richtig verstand. Hugo regte beim Rigi-OK an, in eine gute Anlage zu investieren. Gesagt – getan: Inzwischen wird der Rigi-Schwinget optimal beschallt.

Um eine Vorstellung davon zu haben, wieviel Vorbereitungszeit ein Innerschweizerisches Schwingfest benötigt, sei erwähnt, dass das OK in Einsiedeln dafür zwei Jahre aufwendete. Hugo wies darauf hin, dass am kommenden Montag bereits die erste OK-Sitzung für den diesjährigen Rigi-Schwinget angesetzt ist. Die einzelnen Mitglieder wissen was sie zu tun haben, und sie seien ein eingespieltes Team.
Für den Ablauf eines grossen Schwingfestes gibt es ein Grund-Drehbuch, welches der mittlerweile routinierte Speaker für sich anpasst. Dieses wird dann fast auf die Minute genau für den Tag abgestimmt. „Wie viel Zeit ich für die Vorbereitungen investiere, kann ich nicht sagen. Das schönste ist für mich, wenn die Leute zufrieden sind“, ergänzt Hugo.


Hugo Abegg (links) und Dagobert Cahannes (rechts)

Kurs bei der Speaker-Legende Dagobert Cahannes
Hugo hat vor gut einem Jahr einen Speaker-Kurs bei Dagobert Cahannes besucht. Was konnte er von diesem Kurs für sich mitnehmen? Dazu erklärt der zweifache Familienvater: „Der Kurs fand in Zürich statt. Eine gute Beziehung zu einem Top-Speaker zu pflegen ist für mich sehr viel wert. Wir schauten dabei einige wichtige Dinge an. So zum Beispiel: Verletzt sich ein Schwinger, soll der Speaker dazu gar nichts sagen. Damit die Aufmerksamkeit für den Betroffenen nicht zu gross wird. Ein Speaker kann ein Fest nämlich brutal prägen und führen. Man muss ein Fingerspitzengefühl dafür entwickeln, was die Leute hören möchten. Mit Rollenspielen übten wir verschiedene Situationen. Wie man etwa ein Siegerinterview richtig führt, und dass dabei aktuelle Fragen gestellt werden sollen. Nebst richtiger Kommunikation bei einem Siegerinterview übten wir auch die korrekte Sprachführung auf dem Schwingplatz. Dagobert konnte mir bei diesem Kurs viel mitgeben. Zudem war es auch ein guter Erfahrungs-Austausch mit anderen Speaker-Kollegen.“

Zum Frühjahrsschwinget Oberarth
Was meint Hugo zur Leistung von Sieger Mike Müllestein? „Er hat sehr souverän geschwungen. Beim Innerschweizerischen in Einsiedeln hatte ich bereits das Gefühl, dass Mike einen weiteren Schritt nach vorne machte. Er war schon immer ein angriffiger Schwinger, aber jetzt geht er noch entschlossener ans Werk. Er zeigte eine Topleistung in Oberarth, und man hätte ihm wohl jeden Gegner hinstellen können. Ich hoffe, dass er diese Form noch lange behalten kann“, resümiert der Speaker.
Den Rothenthurmer beeindruckte der Schlussgang sehr. Weil es trotz gestelltem Ergebnis ein attraktiver Gang war. Beide Schwinger haben den Sieg gesucht.
Für den Fünfzigjährigen stellt es kein Problem dar, sich als Speaker neutral zu verhalten. Er gesteht sich ein, dass er innerlich auch schon dem oder diesem Athleten den Sieg gegönnt hätte. Aber äusserlich bleibt er neutral. In Oberarth gratulierte Hugo nach dem Schlussgang neutral und fair wie er ist, dem Festsieger Mike Müllestein und dem Zweitplatzierten Dario Gwerder. „Ich denke, dass ich meinen Job neutral mache“, schliesst der Mann am Mikrofon dieses Thema ab.

Welche Schwinger sind in seinen Augen so richtig parat für die bald beginnende Kranzfest-Saison? Das sei eine schwierige Frage, meint der Speaker. Er hofft, dass die Innerschweizer bereit sind. Dass der wieder genesene Joel Wicki an seine Leistungen anknüpfen kann, welche er vor der Verletzung gezeigt hat. Weiter setzt der schwingbegeisterte Mann auf Christian Schuler, welcher weiterhin das Zugpferd der Innerschweizer sein könnte. Er erwähnt aber auch die Berner, welche mit dem amtierenden König sicher wieder eine Macht sein werden. Und die Ostschweizer mit den jungen Armon Orlik und Sämi Giger, welche die Zukunft prägen könnten. „Letztes Jahr haben mir auch die Südwestschweizer gut gefallen. Da sind einige Schwinger parat. Im Grossen und Ganzen wird man im Vorfeld des Unspunnen-Schwingets sicher viel attraktive Schwingerkost erleben“, mutmasst der Kenner.


Hugo Abegg, „Rigi-Speaker“

Wieviel darf oder muss ein Speaker sagen?
In meinen Augen tätigt Hugo seinen Job ausgezeichnet. Konzentriert kündigt er alle wichtigen Gänge an, und sagt weder zu viel noch zu wenig. An einigen Schwingfesten wird meines Erachtens meist nur spärlich informiert. Sagt aber ein Speaker relativ viel, wurde dieser von älteren Schwingerfreunden auch schon als „Schwafli“ geschimpft. Was sagt Hugo dazu? „Ich bin nicht einer, der als Speaker Witze erzählt. Mein Ziel ist es, die Leute gezielt zu informieren. Beim Kurs von Dagobert Cahannes haben wir gelernt, dass man auch zu viel reden kann. Zudem ist es halt nicht jedem gegeben, in ein Mikrofon zu sprechen. Klar kann man schon zu viel sprechen. Es ist auch interessant, was dabei gesagt wird. Oder: Wie stellt man zum Beispiel die Lebendpreise vor? Da ist es wichtig, ein gutes Mittelmass zu finden. Früher hat man vielleicht viele Details erwähnt, heutzutage sind es eher weniger. Wichtiger sind in meinen Augen die Informationen rund um das Schwingen. Dank der vielen positiven Rückmeldungen denke ich, dass ich auf einem guten Weg bin.“

Dieses Jahr wird man Hugo Abegg an folgenden Schwingfesten als Speaker hören: Beim Schwyzer Kantonalen am 14. Mai in Arth SZ. Weiter beim Rigi-Schwinget (9. Juli), beim 16. Innerschweizer Nachwuchsschwingertag in Alpthal SZ (13. August) und einen Tag vorher an gleicher Stätte beim vorgezogenen Chilbi-Schwinget der Einsiedler. Anfangs Oktober beschliesst der „Rigi-Speaker“ seine Saison beim Herbstschwinget in Unteriberg SZ.

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