Meine Schwingerwoche: Nachgefragt bei Hugo Abegg, dem Speaker vom Frühjahrsschwinget Oberarth

Text: feldwaldwiesenblogger / Fotos: feldwaldwiesenblogger und Facebook-Seite von Hugo Abegg

Letztes Wochenende fanden insgesamt drei Schwingfeste der Aktiven statt. Einerseits waren dies zwei Hallenschwingfeste, andererseits mit dem Frühjahrsschwinget Oberarth die Eröffnung der Freiluftsaison. Beim Hallenschwinget in Brunegg AG gab es mit Henryc Thoenen (1a) und Roman Fellmann (1b) zwei Sieger. In Engelberg OW landete Marcel Mathis mit sechs gewonnenen Gängen einen souveränen Sieg, wie schon letztes Jahr. Mike Müllestein konnte seinen Vorjahressieg in Oberarth SZ wiederholen und feierte nach dem Hallenschwinget Sarnen in überzeugender Manier seinen zweiten Saisonsieg.

Diese Woche widmen wir uns einer Person, welche für ein Schwingfest ebenso unerlässlich ist wie die Schwinger: Dem Speaker. In Oberarth versah dieser Job den vielen Schwingerfreunden bekannte Hugo Abegg. Auf seinem Facebook-Profil nennt er sich „Hugo Abegg Rigi-Speaker“. Da liegt man wohl ziemlich richtig, wenn man annimmt, dass Hugo Abegg erstens ein Speaker ist, und zweitens dies (unter anderem) auf der Rigi tut.
Um den „Rigi-Speaker“ aber etwas besser kennen zu lernen, telefonierte ich diese Woche mit ihm, und hatte etliche Fragen zu klären.


Hugo Abegg, Speaker in Oberarth

Wer ist Hugo Abegg?
Hugo Abegg wohnt seit eh und je in Rothenthurm, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Der Rothenthurmer arbeitet als Sicherheitsbeauftragter Infrastruktur bei der SOB (Schweizerische Südostbahn AG). Nebst dem Speaker-Job bei Schwingfesten besucht Hugo ziemlich viele Schwingfeste, damit er gemäss eigener Angabe auf dem Laufenden bleibt. Weiter ist er im Jodelklub Rothenthurm aktiv, wandert und fährt Velo.
Nebst Schwingfesten trifft man den „Eisenbähnler“ auch beim Badewannen-Rennen auf dem Stoos SZ und beim Iron Bike Race in Einsiedeln SZ als Speaker an.

Der Frühjahrsschwinget Oberarth war für Hugo die Saisoneröffnung als Schwingfest-Speaker. In Oberarth machte er diesen Job nach 2016 bereits zum zweiten Mal.
Auf die Frage, was dem Familienvater das „Speakern“ an Schwingfesten bedeutet, meint er: „Ich finde es schön, die Zuschauer auf dem Schwingplatz möglichst auf dem Laufenden zu halten. Dabei möchte ich einfach die wichtigsten Gänge vermitteln. In Oberarth kamen nach dem Schwingfest zwei ältere Herren zu mir und sagten, dass sie heute die Schwingerliste nie in die Hand nehmen mussten. Man muss sich halt mit dem Schwingsport befassen, und es ist eine Voraussetzung, dass man die Schwinger kennt.“

Angefangen hat alles 2006
Angefangen hat alles 2006 mit der Anfrage von Franz Schuler, ob Hugo nicht beim Schwyzer Kantonalen in Rothenthurm SZ den Speaker-Job übernehmen möchte. Franz meinte, dass er gut reden könne, viel an Schwingfesten sei und auch die Schwinger kenne. Nach reiflicher Überlegung sagte der Schwingbegeisterte zu. Im selben Jahr kam Walti Bisig auf ihn zu, erklärte, dass Hugo sein Amt am Schwyzer Kantonalen gut gemacht habe und fragte, ob er nicht auch beim Chilbi-Schwinget in Einsiedeln „speakern“ möchte. Natürlich mochte der leidenschaftliche Jodler. Auch beim Herbstschwinget Unteriberg, nachdem ihn „Dökti Marti selig“ ebenfalls anfragte. Diese beiden Rangschwingfeste gehören seither zu den festen Speaker-Jobs.
Etwa zwei Jahre später, so genau wusste das der Rothenthurmer nicht mehr, rief ihn Herbert Kenel, der ehemalige Präsident vom Schwingerverband am Rigi, an. Ob er beim Bergschwinget auf der Rigi auch „speakern“ möchte. Hugo sagte ebenfalls zu, und ist seither „Rigi-Speaker“. „Ich fügte deshalb diesen Zusatz zu meinem Facebook-Namen, da man diesen Berg-Schwinget in der ganzen Schweiz sehr gut kennt“, erklärt er. An so einem traditionsreichen Schwingfest am Mikrofon zu sein, bedeutete für ihn, eine Sprosse höher zu steigen. Hugo fühlte sich denn auch dementsprechend geehrt. Er bekam etliche Komplimente, und hatte dadurch das Gefühl, dass er seinen „Job“ nicht so schlecht erledige. „Das absolute Highlight als Speaker war für mich bisher das Innerschweizerische von letztem Jahr in Einsiedeln“, ergänzt der volkstümliche Mann.

Die Vorbereitungen als Speaker
Wie hat sich Hugo auf den Frühjahrsschwinget Oberarth vorbereitet? Dazu sagt er: „Ich habe mich im Vorfeld informiert, was beim Hallenschwinget Sarnen passiert ist. Ich las dazu die Berichte in der lokalen Presse, wie beispielsweise im Bote der Urschweiz. Weiter entnehme ich auch viele Information aus dem SCHLUSSGANG. Aus diesen Infos mache ich mir meine eigenen Notizen.“
Hugo erklärt weiter, dass er bei vier Schwingplätzen praktisch alle Zweikämpfe mitbekommt. Ausser er ist am Herunterlesen der Paarungen, da kann ihm schon der eine oder andere Gang entgehen. In Oberarth hatte der Rothenthurmer keine Hilfe zur Seite. Bei grösseren Schwingfesten hingegen kann Hugo auf die Hilfe von Adi Abegg vom Schwingklub Einsiedeln zählen. Adi kennt die Schwinger ausgezeichnet. Er ist jeweils auf der Rigi eine grosse Stütze, und war es letztes Jahr auch beim Innerschweizerischen. Der Einsiedler wird ihm auch beim Schwyzer Kantonalen in Arth zur Seite stehen. „Wenn du einer dabei hast, der die Schwingerei so gut kennt, kannst du als Speaker die Zuschauer sehr gut informieren“, weiss Hugo zu berichten.

Hugo Abegg ist laut seinen Aussagen bei grossen Schwingfesten im Organisations-Komitee (OK) integriert. Er besucht im Vorfeld jeweils auch die OK-Sitzungen und bringt seine Inputs rein. So unter anderem auch bei der Technik. „Ich bringe meine Wünsche an, und bin auch bestens informiert, wie alles abläuft,“ meint Hugo dazu.
Als er auf der Rigi begann, waren damals nur die „Villigerstumpen“-Lautsprecher montiert. Er wurde an jenem Sonntag darauf angesprochen, dass man ihn gar nicht richtig verstand. Hugo regte beim Rigi-OK an, in eine gute Anlage zu investieren. Gesagt – getan: Inzwischen wird der Rigi-Schwinget optimal beschallt.

Um eine Vorstellung davon zu haben, wieviel Vorbereitungszeit ein Innerschweizerisches Schwingfest benötigt, sei erwähnt, dass das OK in Einsiedeln dafür zwei Jahre aufwendete. Hugo wies darauf hin, dass am kommenden Montag bereits die erste OK-Sitzung für den diesjährigen Rigi-Schwinget angesetzt ist. Die einzelnen Mitglieder wissen was sie zu tun haben, und sie seien ein eingespieltes Team.
Für den Ablauf eines grossen Schwingfestes gibt es ein Grund-Drehbuch, welches der mittlerweile routinierte Speaker für sich anpasst. Dieses wird dann fast auf die Minute genau für den Tag abgestimmt. „Wie viel Zeit ich für die Vorbereitungen investiere, kann ich nicht sagen. Das schönste ist für mich, wenn die Leute zufrieden sind“, ergänzt Hugo.


Hugo Abegg (links) und Dagobert Cahannes (rechts)

Kurs bei der Speaker-Legende Dagobert Cahannes
Hugo hat vor gut einem Jahr einen Speaker-Kurs bei Dagobert Cahannes besucht. Was konnte er von diesem Kurs für sich mitnehmen? Dazu erklärt der zweifache Familienvater: „Der Kurs fand in Zürich statt. Eine gute Beziehung zu einem Top-Speaker zu pflegen ist für mich sehr viel wert. Wir schauten dabei einige wichtige Dinge an. So zum Beispiel: Verletzt sich ein Schwinger, soll der Speaker dazu gar nichts sagen. Damit die Aufmerksamkeit für den Betroffenen nicht zu gross wird. Ein Speaker kann ein Fest nämlich brutal prägen und führen. Man muss ein Fingerspitzengefühl dafür entwickeln, was die Leute hören möchten. Mit Rollenspielen übten wir verschiedene Situationen. Wie man etwa ein Siegerinterview richtig führt, und dass dabei aktuelle Fragen gestellt werden sollen. Nebst richtiger Kommunikation bei einem Siegerinterview übten wir auch die korrekte Sprachführung auf dem Schwingplatz. Dagobert konnte mir bei diesem Kurs viel mitgeben. Zudem war es auch ein guter Erfahrungs-Austausch mit anderen Speaker-Kollegen.“

Zum Frühjahrsschwinget Oberarth
Was meint Hugo zur Leistung von Sieger Mike Müllestein? „Er hat sehr souverän geschwungen. Beim Innerschweizerischen in Einsiedeln hatte ich bereits das Gefühl, dass Mike einen weiteren Schritt nach vorne machte. Er war schon immer ein angriffiger Schwinger, aber jetzt geht er noch entschlossener ans Werk. Er zeigte eine Topleistung in Oberarth, und man hätte ihm wohl jeden Gegner hinstellen können. Ich hoffe, dass er diese Form noch lange behalten kann“, resümiert der Speaker.
Den Rothenthurmer beeindruckte der Schlussgang sehr. Weil es trotz gestelltem Ergebnis ein attraktiver Gang war. Beide Schwinger haben den Sieg gesucht.
Für den Fünfzigjährigen stellt es kein Problem dar, sich als Speaker neutral zu verhalten. Er gesteht sich ein, dass er innerlich auch schon dem oder diesem Athleten den Sieg gegönnt hätte. Aber äusserlich bleibt er neutral. In Oberarth gratulierte Hugo nach dem Schlussgang neutral und fair wie er ist, dem Festsieger Mike Müllestein und dem Zweitplatzierten Dario Gwerder. „Ich denke, dass ich meinen Job neutral mache“, schliesst der Mann am Mikrofon dieses Thema ab.

Welche Schwinger sind in seinen Augen so richtig parat für die bald beginnende Kranzfest-Saison? Das sei eine schwierige Frage, meint der Speaker. Er hofft, dass die Innerschweizer bereit sind. Dass der wieder genesene Joel Wicki an seine Leistungen anknüpfen kann, welche er vor der Verletzung gezeigt hat. Weiter setzt der schwingbegeisterte Mann auf Christian Schuler, welcher weiterhin das Zugpferd der Innerschweizer sein könnte. Er erwähnt aber auch die Berner, welche mit dem amtierenden König sicher wieder eine Macht sein werden. Und die Ostschweizer mit den jungen Armon Orlik und Sämi Giger, welche die Zukunft prägen könnten. „Letztes Jahr haben mir auch die Südwestschweizer gut gefallen. Da sind einige Schwinger parat. Im Grossen und Ganzen wird man im Vorfeld des Unspunnen-Schwingets sicher viel attraktive Schwingerkost erleben“, mutmasst der Kenner.


Hugo Abegg, „Rigi-Speaker“

Wieviel darf oder muss ein Speaker sagen?
In meinen Augen tätigt Hugo seinen Job ausgezeichnet. Konzentriert kündigt er alle wichtigen Gänge an, und sagt weder zu viel noch zu wenig. An einigen Schwingfesten wird meines Erachtens meist nur spärlich informiert. Sagt aber ein Speaker relativ viel, wurde dieser von älteren Schwingerfreunden auch schon als „Schwafli“ geschimpft. Was sagt Hugo dazu? „Ich bin nicht einer, der als Speaker Witze erzählt. Mein Ziel ist es, die Leute gezielt zu informieren. Beim Kurs von Dagobert Cahannes haben wir gelernt, dass man auch zu viel reden kann. Zudem ist es halt nicht jedem gegeben, in ein Mikrofon zu sprechen. Klar kann man schon zu viel sprechen. Es ist auch interessant, was dabei gesagt wird. Oder: Wie stellt man zum Beispiel die Lebendpreise vor? Da ist es wichtig, ein gutes Mittelmass zu finden. Früher hat man vielleicht viele Details erwähnt, heutzutage sind es eher weniger. Wichtiger sind in meinen Augen die Informationen rund um das Schwingen. Dank der vielen positiven Rückmeldungen denke ich, dass ich auf einem guten Weg bin.“

Dieses Jahr wird man Hugo Abegg an folgenden Schwingfesten als Speaker hören: Beim Schwyzer Kantonalen am 14. Mai in Arth SZ. Weiter beim Rigi-Schwinget (9. Juli), beim 16. Innerschweizer Nachwuchsschwingertag in Alpthal SZ (13. August) und einen Tag vorher an gleicher Stätte beim vorgezogenen Chilbi-Schwinget der Einsiedler. Anfangs Oktober beschliesst der „Rigi-Speaker“ seine Saison beim Herbstschwinget in Unteriberg SZ.

feldwaldwiesenblogger

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