Joel Wicki ist der Topfavorit beim Innerschweizerischen Teilverbandsfest

Text: feldwaldwiesenblogger

Übermorgen Sonntag steht das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest, kurz ISAF genannt, auf dem Programm. Der Ehrentag der Innerschweizer, welcher dieses Jahr in Alpnach OW ausgetragen wird, sorgt im Vorfeld für viel Spannung. Allerdings wurde die Vorfreude durch den tragischen Sturz von Matthias Glarner getrübt. Von einer Gondel zwölf Meter hinuntergefallen und dabei „nur zwei operierbare“ Verletzungen erlitten, grenzt an ein Wunder. Ich wünsche dem sympathischen Schwingerkönig aus dem Berner Oberland alles Gute und vollständige Genesung! Und vor allem hoffe ich, Mätthel wieder im Sägemehlring schwingen zu sehen.

Solche Hiobs-Botschaften lassen einen kurz verstummen und führen vor Augen, wie unwichtig in solchen Momenten doch sportliche Siege, Kränze oder Niederlagen sind. Viel wichtiger ist die Gesundheit. Denn ohne diese ist im Leben alles andere zweitrangig.


In Alpnach wartet ein herrliches Festgelände samt Arena auf die Schwingerfreunde
Bild: 111. Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2017 (Facebook)

Trotzdem: The Show must go on
Zum Glück ist Glarner nichts Schlimmeres passiert. So darf morgen Samstag beim Bündner-Glarner und dann übermorgen Sonntag beim Appenzeller Kantonalen und beim ISAF die Show ohne grössere Bedenken weitergehen. In Alpnach ist man bereit. Eine herrliche Arena für 10’000 Zuschauer wurde errichtet und ringsherum befindet sich ein stimmungsvolles Schwingerdorf. Für das leibliche Wohl wird gesorgt sein und die musikalische sowie urchige Unterhaltung wird auch nicht zu kurz kommen.

Joel Wicki ist Topfavorit
Joel Wicki steigt am Sonntag als Topfavorit in die Alpnacher Schwingerarena. Sein bisheriger Saisonverlauf lässt keinen anderen Schluss zu. Bei den Frühjahrsschwingfesten zeigte der Sörenberger ein starkes Comeback. Die beim letztjährigen Schwägalp-Schwinget zugezogene Verletzung hatte der 20-Jährige gut überstanden. Dennoch zeigte sich, dass auch Wicki nicht vor Überraschungen gefeit ist. Das beste Beispiel dafür war der Bad-Schwinget vom 23. April in Wolhusen. Souverän erreichte der Schwinger vom Schwingklub Entlebuch den Schlussgang. In diesem brachte er den Kottwiler Michael Müller mehrmals an den Rand einer Niederlage. Dennoch konnte Müller eine Unachtsamkeit Wicki’s ausnützen und den Schlussgang für sich entscheiden.
Sein Trainier Daniel Hüsler liess am Frühling im BLICK verlauten: „Joel hat in den letzten Monaten während und nach der Sportler RS in Magglingen gemeinsam mit Remo Käser derart viel im Kraft- und Konditionsbereich gearbeitet, dass er schon fast in ein Übertraining gelaufen ist. Und im Sägemehl mangelt es ihm bei den Schwüngen noch an der letzten Präzision.“

Gestärkt aus den Frühjahrschwingfesten in die Kranzfestsaison
Trotz den leichten Unsicherheiten und dem angesprochenen Übertraining stieg Joel Wicki gestärkt und mit viel Selbstbewusstsein in die Kranzfestsaison. Nicht umsonst stand der kräftige Sennenschwinger in drei Schlussgängen und gewann der Reihe nach das Ob- und Nidwaldner Kantonale, den Stoos-Schwinget und das Basellandschaftliche Kantonalfest. Vor allem bei den beiden letztgenannten Kranzfesten zeigte der mittlerweile vierfache Kranzfestsieger praktisch keine Schwächen und gewann jeweils in überzeugender Manier. Diese starken Leistungen brachten dem Sörenberger Platz eins in der SCHLUSSGANG-Jahreswertung ein.

Wicki’s Stern ging 2015 beim Schwarzsee-Schwinget auf
Joel Wicki’s Stern ging beim Schwarzsee-Schwinget 2015 so richtig auf, als er diesen doch ziemlich überraschend für sich entscheiden konnte. Damals und anschliessend wurde der 182 Zentimeter und 105 Kilogramm schwere Athlet öfters von Schwingexperten wegen seiner einseitigen Schwingweise kritisiert. Ihm wurde vorgehalten, dass er den Sieg meist nur mit Kurz sucht. Da mag etwas dran sein. Aber: Wicki schwang 2015 und 2016 bis zu seiner Verletzung zweifellos stark (acht respektive fünf Kränze). Es zeigte sich aber auch, dass er dann und wann mit dem einen oder anderen gestellten Gang ausgebremst werden konnte. Ein Beispiel dafür ist das letztjährige Innerschweizerische, wo ihm beim Anschwingen „die lösbare Aufgabe“ Johann Borcard einen Gestellten anhängen konnte. Man darf aber auch nicht vergessen, dass Wicki Jahrgang 1997 hat. Also erst 20-jährig ist. So einem Jungspund sollte man also noch nicht seine Schwingweise vorhalten, da dieser immer noch in der sportlichen Entwicklung steckt.

Das schwingerische Repertoire erweitert
Was in dieser Saison aber auffiel: Joel Wicki hat sein schwingerisches Repertoire erweitert. Neben seinem gefürchteten Kurzzug kamen nun auch der innere Haken oder der Übersprung hinzu. Seine variantenreichere Schwingweise macht den Sörenberger noch gefährlicher und deswegen unberechenbarer. Dies zeigte sich, wie erwähnt, zuletzt auf dem Stoos oder in Oberdorf beim Basellandschaftlichen. Da war gegen ihn praktisch kein Kraut mehr gewachsen.

Christian Stucki und Daniel Bösch sind die stärksten Gäste
Beim Seeländischen und Mittelländischen Gauverbandsfest war gegen Christian Stucki auch kein Kraut gewachsen. Beim ISAF hängt meines Erachtens viel davon ab, wie der Seeländer Hüne „zwäg“ ist und ob ihn die Einteilung „auszubremsen“ weiss. Sonst droht die Gefahr, dass der sanfte Riese durchzieht. Ob ihn Joel Wicki stoppen könnte?
Bei Daniel Bösch scheint die Gefahr geringer. Denn diesem wurde unlängst (wieder) aufgezeigt, dass er im Nordostschweizer Teilverband hinter Sämi Giger und Armon Orlik (nur noch) die Nummer drei ist. An einem guten Tag ist für den 130 Kilogramm schweren St. Galler einiges möglich. Dennoch: Wicki traue ich einen Sieg über Bösch zu.


Joel Wicki, die Nummer eins der Innerschweizer
Bild: joelwicki.ch

Aus einem Jahrhundert-Talent reift nun ein absoluter Spitzenschwinger heran
In einem Blogbeitrag vom 26. Juni 2015 thematisierte ich ebenfalls den Sörenberger: Joel Wicki: Ein Jahrhundert-Talent? Das war damals kurz nach dem sensationellen Schwarzsee-Sieg. Dass der gelernte Baumaschinenmechaniker ein Riesentalent ist, weiss mittlerweile jeder Schwingerfreund. Nun reift er zu einem absoluten Spitzenschwinger heran. Dieser Reifeprozess ist spätestens seit diesem Frühling bemerkbar. Schwang er 2015 noch ungestüm und erwischte mehrere Topcracks quasi auf dem linken Fuss, gehört er inzwischen zu den „Gejagten“. Seit den drei 2017er-Kranzfestsiegen und Christian Schuler’s verletzungsbedingter Abwesenheit wird Wicki nun als Nummer eins der Innerschweizer gehandelt. Der „Noch-nicht-Eidgenosse“ aus dem Sörenberg gilt als grosse Innerschweizer Hoffnung. Und zwar nicht nur am nächsten Sonntag. Sondern auch an zukünftigen Grossanlässen, wie beispielsweise dem Ende August stattfindenden Saisonhöhepunkt Unspunnen-Schwinget.

feldwaldwiesenblogger

Langsam aber sicher trennt sich die Spreu vom Weizen: Eine Momentaufnahme bei den Teilverbänden

Text: feldwaldwiesenblogger

Die ersten beiden Bergkranzfeste der Saison 2017 sind bereits Geschichte, ebenso mit dem Nordostschweizerischen (NOS) das erste Teilverbandsfest. Langsam aber sicher beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Oder anders gesagt: Bei den sogenannt „härteren“ Kranzfesten wie den Bergfesten oder den Teilverbandsfesten haben bisher Schwinger gewonnen, welche dieses Jahr bereits ein Kantonal- oder Gaufest gewinnen konnten. Nachfolgend eine Momentaufnahme bei den Teilverbänden.


Joel Wicki bezwingt beim Stoos-Schwinget im Schlussgang Philipp Laimbacher
Bildquelle: srf.ch

Die neue Nummer 1 in der Innerschweiz
Joel Wicki kommt nach seinem Comeback immer besser in Fahrt und gewann der Reihe nach das Ob- und Nidwaldner Kantonale, den Stoos-Schwinget und nun auch das Basellandschaftliche Schwingfest. Obwohl der junge Sörenberger (noch) kein Eidgenosse ist, hat er sich damit zu der neuen Nummer 1 der Innerschweizer hochgearbeitet. Nicht umsonst führt Wicki derzeit die SCHLUSSGANG-Jahreswertung an.
Auf Platz fünf dieser besagten Wertung folgt der Aufsteiger der diesjährigen Saison, der Zuger Marcel Bieri. Nach dem Sieg beim Zuger Kantonalen folgten in überzeugender Manier vier weitere Kränze.
Gleich hinter Bieri folgt mit Benji von Ah der nächste Innerschweizer. Er gewann in dieser Saison zwar noch kein Kranzfest. Nach einem eher harzigen Start bei den Frühjahrsschwingfesten ist der Obwaldner nun gut in der Saison drin und holte sich mit starken Leistungen (sieben bezwungene Eidgenossen!) bereits vier Kränze.

Die neue Nummer 1 in der Ostschweiz
Samuel Giger gewann am Pfingstmontag souverän das Glarner-Bündner Kantonalfest. Der erst 19-Jährige wurde beim Stoos-Schwinget mit zwei Gestellten kurzzeitig etwas gebremst. Aber schon eine Woche später gewann „Sämi“ in überzeugender Manier das Nordostschweizerische Teilverbandsfest in Davos. Dank seinen Siegen über Daniel Bösch (5. Gang) und im Schlussgang über Armon Orlik darf man den Thurgauer getrost als neue Nummer 1 der Ostschweizer benennen.
In der SCHLUSSGANG-Wertung folgt hinter Giger wohl als nächster Samir Leuppi, welcher das Zürcher Kantonale zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Dennoch erwähne ich Armon Orlik wegen seinen starken Auftritten vor seiner Nackenverletzung und bei seinem überzeugenden Comeback vor Wochenfrist in Davos gleich nach Giger. Überhaupt: Wenn Orlik da weitermacht, wo er vor seiner Verletzung aufhörte, werden die beiden Nordostschweizer-Youngsters zur Freude des Publikums um die Nummer 1 in ihrem Teilverband wetteifern.
Als Nummer 3 hat sich die ehemalige Nummer 1 eingeordnet: Daniel Bösch. Mit ihm ist immer zu rechnen, sollte einer der beiden Jungstars nicht am Start sein. Das beste Beispiel ist der überzeugende Sieg beim diesjährigen St. Galler Kantonalen.


Matthias Sempach bettete beim Schwarzsee-Schwinget Kilian Wenger ins Sägemehl
Bildquelle: schlussgang.ch

Zwei neue alte Nummern 1 bei den Bernern
Schwingerkönig Matthias Sempach findet je länger je mehr wieder zu alter Stärke zurück. So gewann er mit einem starken Notenblatt das Oberaargauische und holte sich den mittlerweile dritten Sieg beim Schwarzsee-Schwinget. Im Schlussgang beim Bergklassiker in den Freiburger Alpen bodigte der Oberaargauer niemand geringeren als den Schwingerkönig von 2010, Kilian Wenger. Vergangene Saison hatte der zweifache Familienvater seine Höhen und Tiefen. Diese scheinen sich inzwischen etwas verflacht zu haben, abgesehen von der schnellen Niederlage in Plaffeien FR gegen den Schwyzer Mike Müllestein.
Christian Stucki gewann in dieser Saison bereits zwei Gauverbandsfeste (das Seeländische und das Mittelländische). Dies in absolut überzeugender Weise und mit je sechs Siegen. Zudem gab’s in den zwölf Gängen elf Zehner und nur einmal eine „9.75“. Der Seeländer Hüne hat auch wieder zu alter Stärke zurückgefunden.
Deshalb: Die beiden Routiniers Sempach und Stucki darf man zum jetzigen Zeitpunkt zweifellos zu den neuen alten Nummern 1 der Berner erküren.
Aber: Vergessen möchte ich nicht den wieder erstarkten Kilian Wenger. Seine Leistungen beim Oberaargauischen und zuletzt beim Schwarzsee-Schwinget (beide Male im Schlussgang gegen den nachmaligen Festsieger Matthias Sempach) lassen die Leistungskurve eindeutig nach oben zeigen.

Gisler weiterhin die Nummer 1 bei den Nordwestschweizern
Bruno Gisler ist weiterhin die Nummer 1 der Nordwestschweizer. Der Solothurner belegt den hervorragenden vierten Platz in der aktuellen SCHLUSSGANG-Wertung. Gisler gewann in dieser Saison bisher das Aargauer und Solothurner Kantonale und realisierte fünf Kränze. Seine Leaderposition wird ihm einzig durch Neueidgenosse Nick Alpiger streitig gemacht. Der erst 20-jährige Neueidgenosse realisierte beim Baselstädtischen seinen ersten Kranzfestsieg (Schlussgangsieg über Bruno Gisler) und belegte auf dem Stoos den ausgezeichneten zweiten Platz.
Die nächstfolgenden Nordwestschweizer in der SCHLUSSGANG-Wertung sind Marcel Kropf, Roger Erb, Christoph Bieri und Patrick Räbmatter. Ein paar Plätze weiter hinten folgen Mario Thürig und Henryc Thoenen. Diese Schwinger sind alleweil für eine Sptzenrangierung gut. Die beiden Routiniers Bieri und Thürig haben wohl ihren Zenit überschritten. Bei den jüngeren Schwingern, allen voran Patrick Räbmatter, wird sich zeigen, wohin die Entwicklung führt. In diesem Zusammenhang möchte ich auch Neueidgenosse David Schmid erwähnen, welcher erst letzten Sonntag nach einer Verletzungspause sein Comeback gab. Beim Basellandschaftlichen belegte er gemeinsam mit Mario Thürig den starken vierten Platz.

Keine eindeutige Nummer 1 bei den Südwestschweizern
Nimmt man bei den Südwestschweizer Schwingern auch die SCHLUSSGANG-Wertung zu Hilfe, wird man erst auf Rang 33 (Pascal Piemontesi) fündig. Piemontesi aber deswegen als Nummer 1 der Südwestschweizer zu bezeichnen wäre nicht seriös. Klar hat der Waadtländer kürzlich das Neuenburger Kantonale gewonnen und bisher drei Kränze errungen. Vielmehr zählt im Vergleich mit den anderen vier Teilverbänden aber, ob die Romands auch Kränze ausserhalb ihres Territoriums oder beispielsweise beim Schwarzsee-Schwinget gewannen. Und in dieser Hinsicht kann man in dieser Saison doch einige schöne Erfolge der Südwestschweizer vermelden.
Da wäre der Baselstädtische Kranz von eben erwähntem Piemontesi und von Johann Borcard zu erwähnen. Weiter die beiden NOS-Kränze von Victor Cardinaux und Marc Gottofrey. Im Vergleich: Die beiden ISV-Vertreter verliessen Davos ohne Kranz… Der Bergkranz von Steven Moser gehört da zweifellos auch dazu. Diese fünf sehr wichtigen Kränze zeigen einen eindeutigen Trend nach oben und belegen, dass gute Arbeit geleistet wird. Der Kopf wurde nach dem eher missglückten Eidgenössischen also nicht in den Sand gesteckt.
Einen eindeutigen Leader lässt sich derzeit aber keinen ausmachen. Diese Rolle dürfte künftig Steven Moser zufallen. Viel wichtiger sind aber die momentanen Erfolge, und dass diese von mehreren Schwingern realisiert wurden.

feldwaldwiesenblogger

Endlich würdiger Platz für erste Schwingerverbands-Fahne

Text und Fotos: Winterthurer Stadtanzeiger

Die erste Fahne des Eidgenössischen Schwingerverbands bekam einen neuen Ausstellungsplatz. Sie ist in einen Holztisch mit Glasplatte eingefasst, der in der Schwingerstube des Restaurants Sternen in Veltheim steht. Der Vater der Wirtin Irène Bodenmann-Meli, Karl Meli, war Sieger des letzten Schwingfests, an dem die heute 123-jährige Fahne im Einsatz war.


Bei der Einweihung mit dabei: Schwingerverbands-Obmann Paul Vogel (l.) und sein Stellvertreter Hanspeter Rufer sowie die „Sternen“-Wirtin Irène Bodenmann-Meli, in deren Schwingerstube der Tisch steht.

Die erste Fahne des Eidgenössischen Schwingerverbands fand endlich einen würdigen Platz. Sie wurde letzten Dienstagabend in einen Holztisch mit Glasplatte eingefasst. Der rund 80 Kilogramm schwere Eichentisch, den Markus Thomi von der Kämpf Holzbau AG angefertigt hat, steht in der Schwingerstube des Restaurants Sternen in Veltheim.

Die Wirtin Irène Bodenmann-Meli kam 2012 in den Besitz der Fahne und bewahrte sie von da an im Schwingermuseum oberhalb des „Sternens“ auf. Aus Mangel an Alternativen lag die Fahne über vier Jahre schön ausgerollt am Boden. Zuvor hing das Stück Schwinggeschichte lange in einem Fahnenkasten in der Schwinghütte des Schwingklubs Baden-Brugg, ohne dass dessen Mitglieder wussten, welchen Schatz sie da horteten. Erst bei einer Aufräumaktion erkannten die Badener die Bedeutung der Fahne, worauf sie das heute 123-jährige Stück Irène Bodenmann-Meli für ihr Schwingermuseum übergaben.

Fahne kommt nun zur Geltung
Schwingerverband-Obmann Paul Vogel freut sich über den neuen Ausstellungsplatz der Fahne: „Nun kommt sie endlich richtig zur Geltung. Jetzt sieht man ihr auch das Alter an.“ Er habe – bevor die Idee mit dem Fahnentisch entstand – abklären lassen, ob man die Fahne restaurieren oder konservieren könne. Weil beides nicht möglich sei, könne die Fahne nicht mehr aufgehängt werden.

Nun kann die Schwingerverbands-Fahne liegend ihre Pracht entfalten. Damit Irène Bodenmann-Meli das geschichtsträchtige Stück Stoff bei sich aufbewahren darf, schloss sie mit dem Eidgenössischen Schwingerverband einen Leihvertrag ab. Die Fahne ist weiterhin Verbandseigentum.


Mehr als vier Jahre lang lag die Verbands-Fahne schön trappiert am Boden im Schwingermuseum von Irène Bodenmann-Meli.

Karl Meli war letzter Sieger unter der Fahne
Dass die Fahne nun in der „Sternen“-Schwingerstube ihre womöglich letzte Ruhestätte fand, ist durchaus sinnig. Der mittlerweile verstorbene Winterthurer Schwinger Karl Meli, Vater von Irène Bodenmann-Meli, gewann 1970 das Jubiläumsschwingen in Baden. Es war das letzte Schwingfest, an dem die erste Fahne des Eidgenössischen Schwingerverbands im Einsatz war.

Der Tag der Einweihung des Holztisches mit der eingefassten Fahne war jedoch für die perfekte Abrundung zwei Tage zu früh. Karl Meli wäre heute Donnerstag, 22. Juni, 79 Jahre alt geworden.

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Martin Grab kommt aufs Haldi – Vorschau auf den Haldiberg-Schwinget

Text und Foto: Elias Bricker

Am kommenden Sonntag findet zum 40. Mal der traditionelle Haldiberg-Schwinget statt. Die Hoffnungen der Urner ruhen dabei auf dem «Eidgenossen» Andi Imhof – aber nicht nur.


Martin Grab trat 2013 letztmals auf dem Haldi an (auf dem Bild mit Melk Britschgi)

Los geht es bereits um 9 Uhr. Schwinger aus der ganzen Innerschweiz und dem Tessin werden am kommenden Sonntag auf dem Haldi um das Siegerrind Vigora kämpfen. Der Traditionsanlass, der seit 1938 regelmässig vom Schwingklub Schattdorf durchgeführt wird, findet in diesem Jahr bereits zum 40. Mal statt. Das 30-köpfige Organisationskomitee unter OK-Präsident Beat Arnold und Ehrenpräsident Bernhard Arnold steckt nun in den letzten Vorbereitungen und hofft heuer wieder einmal auf Sonnenschein. Denn bei den drei letzten Austragungen hatte es geregnet.

Andi Imhof gilt ebenfalls als Topfavorit
Rund siebzig Schwinger haben sich angemeldet – davon vierzig Urner. Als Favorit gilt unter anderem Martin Grab. Der 38-jährige Rothenthurmer gilt nach wie vor als einer der besten Schwinger. Sein Palmarès ist eindrücklich. Während seiner Karriere heimste er 123 Kränze ein – nur gerade vier Schwinger konnten sich bisher mehr Eichenlaub aufsetzen lassen. Sieben Mal wurde er zum «Eidgenossen» gekürt, gewann als einziger Schwinger bisher sämtliche Bergfeste, ging an 32 Kranzfesten als Sieger hervor und gewann auch das Expo-Schwingfest 2002 sowie das Unspunnen-Schwinget 2006. Und auch auf dem Haldi war er bereits einmal erfolgreich – und zwar vor genau zehn Jahren. Grab erhält auf dem Haldi mit den beiden Muothatalern Andreas und Carlo Gwerder zudem starke Unterstützung aus dem Kanton Schwyz. Carlo Gwerder konnte immerhin Ende Mai am Urner «Kantonalen» Andi Imhof auf den Rücken legen.

Die Hoffnungen der Urner ruhen denn auch auf den Schultern von Andi Imhof. Der «Eidgenosse» konnte den Haldiberg-Schwinget zwar noch nie gewinnen. Doch am Wochenende könnte viel möglich sein. Da viele Innerschweizer Spitzenleute am Sonntag beim Bergklassiker am Schwarzsee mitmischen werden, dürfte Imhofs Konkurrenz kleiner sein als auch schon. Dadurch erhalten aber auch andere Urner auf dem Haldi die Möglichkeit, sich auf einem absoluten Spitzenrang zu klassieren.

Viel Folklore gehört einfach dazu
Ebenso wichtig wie das Schwingen ist auf dem Haldi auch das ganze Drum und Dran. So findet um 11 Uhr ein Berggottesdienst statt und am Nachmittag werden sich die Steinstösser messen. Die Alphornbläser- und Fahnenschwingervereinigung Uri, der Jodlerklub Bärgblüemli sowie das Ländlertrio Armin, Bruno und Michi werden zudem für eine einmalige Ambiance sorgen.

Hinweis
Bei zweifelhafter Witterung kann man sich am Samstagabend ab 18 Uhr unter der Telefonnummer 1600 erkundigen, ob das Schwingfest durchgeführt wird. Das Verschiebedatum ist am 25. Juni.

feldwaldwiesenblogger

Vor dem Stoos-Schwinget: Rückblick auf die bisherigen Kranzfeste

Text: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Sonntag beginnt mit dem Stoos-Schwinget bereits die Bergkranzfestsaison. Die Kantonalen Schwingfeste liefen in der Innerschweiz wie im Nu ab, und sind bereits alle abgewickelt. Die anderen vier Teilverbände sind diesbezüglich noch mittendrin. Vor dem Kracher auf dem Stoos, bei welchem gestern Abend 19 Eidgenossen eingeteilt wurden, halten wir auf den nachfolgenden Zeilen Rückschau auf die bisherigen Kranzfeste. Nebst den Innerschweizern sind beim ersten Bergkranzfest der Saison 2017 Gästeschwinger aus dem Nordostschweizerischen und Nordwestschweizerischen Schwingerverband gemeldet.


Luzerner Kantonales: Bruno Nötzli, einer der neuen Kranzfestsieger
Foto: luzernerzeitung.ch

Viele neue Kranzfestsieger
Was auffällt: Mit Marcel Bieri, René Suppiger, Niklaus Zenger, Bruno Nötzli, Samir Leuppi und Nick Alpiger feierten sechs Schwinger ihre Premiere als Kranzfestsieger. Und: Mit Bruno Gisler hat ein einziger Schwinger bisher zwei Kranzfeste gewonnen. Die neuen Kranzfest-Gewinner lassen darauf schliessen, dass in allen Teilverbänden etliche Athleten nachdrücken und den etablierten Schwingern paroli bieten können. Das ist natürlich erfreulich, und macht die Ausgangslage an den weiteren Kranzfesten, auch auf dem Stoos, sehr spannend.
Weiter freut das Schwingerherz, dass bewährte Kräfte wie Armon Orlik, Bruno Gisler, Joel Wicki, Christian Schuler, Andreas Ulrich, Simon Anderegg, Christian Stucki, Daniel Bösch, Sven Schurtenberger, Matthias Sempach, Matthias Aeschbacher und Samuel Giger einen weiteren Kranzfestsieg zu ihrem Palmarès hinzufügen konnten.
Am eindrücklichsten unterwegs war diesbezüglich Christian Stucki mit einem Punktetotal von 60.00 Punkten beim Seeländischen und Bruno Gisler mit sechs gewonnen Gängen am Solothurner Kantonalen. Speziell erwähnen darf man aber auch Matthias Sempach, welcher „sein“ Oberaargauisches bereits zum siebten Mal zu seinen Gunsten entschied. Dies bei einer sehr starken Besetzung und einem Super-Notenblatt. Hervorheben möchte ich aber auch Armon Orlik und Samuel Giger: Orlik gewann zu Beginn der Kranzfestsaison und vor seiner Nackenverletzung in überlegener Manier das Thurgauer Kantonale. Ebenso souverän und überlegen gewann der erst 19-jährige Giger das Glarner-Bündner Kantonalfest.

Die Situation bei den Teilverbänden
Aus Innerschweizer Sicht müssen mit Christian Schuler und Pirmin Reichmuth zwei gewichtige Ausfälle beklagt werden. Hinsichtlich Unspunnen-Schwinget ist in meinen Augen die absolute Spitze, welche um den Tagessieg mitreden kann, ziemlich dünn (geworden). Zu dieser Spitze gehören Philipp Laimbacher, Benji von Ah, Joel Wicki, Andreas Ulrich und allenfalls Andi Imhof oder Mike Müllestein.

Bei den Berner Schwingern präsentiert sich die Ausgangslage anders: Da wären etliche Schwinger zu erwähnen, welche das Format zum Unspunnen-Sieger haben. Angefangen von den drei Königen, über Christian Stucki, Remo Käser bis hin zu Bernhard Kämpf oder Thomas Sempach. Allesamt Schwinger mit Sieg-Potenzial.

Bei den Nordostschweizern sieht die Situation ähnlich wie bei den Innerschweizern aus. Aber mit einem kleinen und sehr wichtigen Unterschied: Dieser Teilverband verfügt mit Armon Orlik, Samuel Giger, und Daniel Bösch gleich über drei potenzielle Sieganwärter. Vielleicht darf man den Thurgauer Domenic Schneider auch nicht vergessen, der im Schatten der erwähnten Verbandskollegen immer stärker wird.

Die Sieganwärter aus dem Nordwestschweizerischen Schwingerverband kann man an zwei Fingern abzählen: Bruno Gisler und mit Abstrichen Nick Alpiger. Die anderen Eidgenossen sind unterschiedlich unterwegs, oder verletzt.

So leid es mir tut, aber von den Südwestschweizer Schwingern kann ich keinen aufzählen, welcher beim Unspunnen-Schwinget ganz nach vorne dringen könnte. Fortschritte sind bei den Romands zwar augenscheinlich erzielt worden. Aber mit Michael Nydegger und Benjamin Gapany fehlen zudem zwei wichtige Teamstützen.

Informationen auf dem Schwingplatz
Nebst dem eigentlichen Schwingsport nahm ich auch andere Dinge unter die Lupe. So beispielsweise die Informationen auf dem Schwingplatz. Denn: Bei gewissen Schwingfesten erwähnte der Speaker lieber eine Brille, welche seinen Besitzer wiederfand, statt den Tagessieger nach einem gestellten Schlussgang relativ zügig auszurufen. Überhaupt: Gewisse Speaker finden es einfach (immer noch) nicht nötig, eine gewisse Spannung aufrecht zu halten und alle Spitzengänge zu erwähnen. Ich habe gedacht, dass diese „Marotte“ ins Reich der Geschichte gehört. Aber nein, leider (immer) noch nicht. Zu einem Schwingfest gehört ganz klar die Folklore und viel Tradition. Was aber nicht vergessen werden darf: Schwingen ist auch ein Sport, und als Sportfan möchte man auch daran teilhaben, wenn zum Beispiel der Schlussgang ausgemarcht wird.
Bei Gesprächen habe ich rausgehört, dass dies jüngere Speaker zum guten Glück gleich sehen wie ich. Ältere Speaker fürchten sich scheinbar immer noch vor den „älteren“ Zuschauern, welche sie als „Schwafli“ beschimpfen könnten. So ein Unsinn! Der Schwingsport ist für Jung und Alt da. Zu stark Rücksicht auf die eine oder andere Gruppe zu nehmen ist schlicht nicht nötig.
Zum Glück gibt’s ja noch die SCHLUSSGANG-App oder die Facebook-Kanäle der besagten Schwingerzeitung oder diejenige von schwingenonline.ch. Da ist man manchmal schneller im Bild als live vor Ort.

Die neue Beschickungs-Regelung in der Innerschweiz und die Einteilung
Die neue Beschickungs-Regelung im Teilverband der Innerschweizer werde ich zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Experten eingehend besprechen. Was aber auffiel, ist die Tatsache, dass die Kantonalen spannender als auch schon waren. Weiter wurden etliche neue Kranzer gekürt. Und man hörte auch Stimmen, die einen etwas „leichteren“ Kranzgewinn gesehen haben wollen.

Die Einteilung ist nach wie vor ein Thema für sich. Aber allen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Dabei fiel mir ein Kranzfest besonders auf: Das Emmentalische. Bei diesem Gaufest standen alle drei aktiven Berner Schwingerkönige im Einsatz und zudem etliche Eidgenossen. Dennoch schaffte es ein Nichtkranzer in den Schlussgang. Als Aussenstehender fragt man sich da zwei Dinge: Ist dieser Schwinger (Adrian Schenk) über sich hinausgewachsen, wie man es nur selten sieht? Oder aber hat die Einteilung die Geschicke dermassen vergeigt, dass es so weit kommen konnte? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Trotzdem wage ich eine leise Kritik anzubringen: Die geballte Ladung an schwingerischem Know-how in einem Einteilungskampfgericht sollte doch den Verlauf eines Schwingfestes praktisch „lesen“ können. Und zwar rechtzeitig. Denn in einem fünften Gang sollte die Einteilung (immer noch) genug Möglichkeiten haben, einen attraktiven Schlussgang „planen“ zu können. Um ein totales Fiasko mit zu vielen gestellten Gängen um die Schlussgang-Ausmarchung abwenden zu können, müssen die Weichen halt schon beim vierten Gang gestellt werden. Ein gutes Beispiel war in meinen Augen das Urner Kantonale, wo die Einteilung sehr umsichtig agierte und trotz Überraschungen oder gestellten Gängen einen attraktiven Schlussgang ausrufen konnte.


Schlussgang Emmentalisches Schwingfest: Eidgenosse Niklaus Zenger bezwingt den Nichtkranzer Adrian Schenk
Foto: jungfrauzeitung.ch

Nach dem Niederschreiben einiger Gedanken zu den bereits stattgefundenen Kranzfesten erhoffe und wünsche ich mir weitere spannende Schwingfeste in der zweiten Saisonhälfte. Denn nun geht es bei den Berg- und Teilverbandsfesten quasi um die heissbegehrte Wurst. Etwas später schwingen die besten Tenöre dann um den prestige-trächtigen Unspunnen-Titel.

feldwaldwiesenblogger

„Alpäröslers Werner“ geht am 11. Juni zum 70. Mal an den Stoos-Schwinget

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Werner Schelbert, im Muotathaler Volksmund „Alpäröslers Werner“ genannt, darf demnächst ein seltenes Jubiläum feiern: Der rüstige Rentner besucht zum 70. Mal den Stoos-Schwinget! Dieses freudige Ereignis nahm ich zum Anlass, mit dem Jubilar ein Gespräch zu führen. Dabei liess Werner seine Erinnerungen durch die vergangenen 69 Besuche schweifen und erzählte einige amüsante Geschichten.


„Alpäröslers“ Werner beim Gespräch

Werner wurde am 27. Oktober 1932 in Muotathal geboren. Er ist der Jüngste von 16 Geschwistern (zehn Buben und sechs Mädchen). Seine Eltern Peter („ds Sigärschtä“) und Fridolina („ds Tällä“) führten das Restaurant Alpenrösli und bewirtschafteten auf dem „Herrenmattli“ einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb. Der bald 85-Jährige erklärt lachend: „Mein Vater hatte vier Räder – er war Verwaltungsrat, Genossenrat, Gemeinderat und Kantonsrat.“
Werner ist mit Rosi verheiratet und Vater von drei Töchtern: Doris, Susanne und Yvonne. Mittlerweile sind die Beiden achtfache Grosseltern sowie elffache Urgrosseltern. Der Schwingfan wohnte zeitlebens im Muotatal und arbeitete in seinem Berufsleben an einigen Orten, wo er verschiedene Berufe ausübte. Unter anderem kaufte Werner 1975 das bei Schwingerfreunden weitherum bekannte „Alpenrösli“ (Muotathal) von seinem Bruder Paul ab. Er wirtete mit seiner Frau während 14 Jahren und verkaufte es dann an Tochter Yvonne und dessen Mann Franz Föhn weiter.
Der Schwingsport ist für Werner das wichtigste Hobby und hat ihn ein Leben lang begleitet. Erst als Jungschwinger, später als Aktiver und nun schon seit etlichen Jahren als treuer Zuschauer. Der Muotathaler besucht heute noch regelmässig Schwingfeste.
Ein weiteres Hobby ist das Skifahren, sowohl als Pisten- wie auch als Tourenfahrer. Bis zum stolzen Alter von 82 Jahren hat der humorvolle Rentner Skitouren bestritten.

1948 zum ersten Mal am Stoos-Schwinget
Der schwingbegeisterte Mann ging 1948 als 16-Jähriger zum ersten Mal an den Stoos-Schwinget, und amtete gleich als „Täfälibuäb“. Er erklärt: „Willi Gwerder („ds Poscht’s Willi“), ein Jahrgänger von mir, absolvierte damals die Metzger-Lehre bei der Metzgerei Müller in Schwyz. Willi, ein ehemaliger Schwinger, fragte mich, ob ich beim Stoos-Schwinget als Täfälibuäb dabei sein möchte.“
Bei Werner’s Premiere auf dem Stoos gewann übrigens Walter Haldemann aus Baar ZG. Seine Begleiter waren damals die Schwinger Klemenz und Josef Rickenbacher („ds Rütelers“). Weiter vermutet der Jubilar, dass auch Paul Schelbert („ds Längä“) und Alois Schelbert („ds Schmids Dominis“) mit von der Partie waren. Damals durfte er dank seiner Tätigkeit als „Täfäli-Buäb“ gratis ans Schwingfest und bekam ein Mittagessen sowie Wurst und Brot zum „Zabig“.
Werner ergänzt: „Früher fuhren wir mit dem Velo ins Schlattli, später mit dem Auto. Auf den Stoos hoch ging’s stets mit der Standseilbahn.“

Selber aktiver Schwinger
Werner war früher selber aktiver Schwinger und gehört dem Schwingklub Muotathal an. Er startete als Jungschwinger, bestritt fleissig Buäbä-Schwinget und gewann dabei einige Diplome, mit welchen man damals ausgezeichnet wurde. Als der Jungspund noch zur Schule ging, fand auf dem elterlichen Hof „Herrenmattli“ einmal ein Buäbä-Schwinget statt, an welchem er auch teilnahm.
Werner gewann einen Kranz, und zwar als 22-Jähriger 1954 beim Schwyzer Kantonalen in Muotathal. Im Jahr darauf bekam er Probleme mit dem Meniskus und hängte seine Aktivkarriere an den Nagel. Das Jahr vor dem Kranzgewinn brach sich der Kranzschwinger das Bein. Werner sagt dazu: „Wenn ich über die Statur und Kraft wie gewisse Schwinger verfügt hätte, hätte ich sicher nicht aufgehört. Ich bin relativ klein und war damals um 65 Kilogramm schwer. Ich wurde dabei von anderen Schwingern manchmal regelrecht herumgeworfen. Aber das schwingerische Einmaleins habe ich beherrscht. Leider war ich vom Körperbau her nicht prädestiniert dafür.“
Nach seiner Aktivkarriere blieb der Muotathaler Passivmitglied vom dorfeigenen Schwingklub und half stets bei Schwingfesten im Thal mit.

Zwei aktive Teilnahmen am Stoos-Schwinget
Werner trat zweimal beim Stoos-Schwinget als Aktiver an: 1951 und 1954. Wie er erklärt, wurde damals beim Seminar- und Wellnesshotel Stoos auf der anderen Seite geschwungen. Heute ist der Schwingplatz quasi rechts vom Hotel, früher befand er sich linkerhand auf einer Wiese.
Zu den beiden Teilnahmen meint der ehemalige Schwinger: „1951 habe ich meines Wissens zweimal gewonnen, einmal gestellt und dreimal verloren. 1954 ging ich als Neukranzer auf den Stoos und habe damals einmal gewonnen und fünfmal gestellt. Wenn ich mich richtig erinnere, figurierten auf meinem Notenblatt auch Eidgenössische Kranzschwinger.“

Der Stoos-Schwinget fiel nie aus
Die 69 Besuche von Werner fanden jährlich und ohne Unterbruch statt. „Ich erinnere mich, dass das Schwingfest 1970 nach Brunnen verlegt wurde. Weshalb das so war, weiss ich nicht mehr. Gut möglich, dass der Schwingplatz auf dem Stoos der Grund dafür war“, sinniert der Schwingfan. Beim Thema Wetter lacht Werner. Er erinnert sich, dass es bei einem Sieg von Leo Betschart (Sins) so stark regnete, dass sogar ein Bach über den Schwingplatz lief. Weiter erläutert der bald 85-Jährige: „Es herrschte schon nicht immer schönes Wetter in all den Jahren. Ich denke, das schöne und das schlechte Wetter hielten sich in etwa die Waage. In den letzten siebzig Jahren wurde das Schwingfest nicht oft verschoben. Wenn möglich wurde der Schwinget am ersten Termin abgehalten. Ich erlebte auf dem Stoos so viele tolle Schwingfeste, an welchen wir es schön hatten. Ein spezielles könnte ich gar nicht aufzählen.“


Der Jubilar erzählt von seinen bisherigen 69 Besuchen beim Stoos-Schwinget

Karl Meli, Walter Haldemann und Peter Vogt hinterliessen einen starken Eindruck
Wie Werner berichtet, wurde in all den Jahren immer sehr guter Schwingsport auf dem Stoos gezeigt. Besonders in Erinnerung blieben ihm Karl Meli, welcher mehrere Siege auf dem Stoos feiern konnte. Weiter Walter Haldemann, welcher zu seiner Zeit einer der besten Schwinger war. Und nicht zu vergessen Peter Vogt: Dieser konnte 1951 beim Innerschweizerischen in Zug antreten, und gewann souverän mit sechs siegreichen Gängen. Vogt war ein grosser und starker Athlet. Als er in Zug hinter der Tribüne zum Ausruhen lag, kamen etliche Zuschauer, nur um seine imposante Gestalt zu bestaunen.
Diese genannten Athleten waren nebst den Muotathaler Schwingern Werner’s Favoriten. Auch deshalb, weil sie überragend schwangen und Schlussgänge an Eidgenössischen Schwingfesten bestritten. Zwei von ihnen, Karl Meli und Peter Vogt, wurden zu Schwingerkönigen gekrönt. Erwähnung findet beim grossen Schwingerfreund auch Leo Betschart aus Sins, welcher viele Schwingfeste gewann. Der bald 70fache Stoos-Schwinget-Besucher weist aber darauf hin, dass man noch viele andere Namen aufzählen könnte. Heutzutage hat er im eigentlichen Sinne keine Favoriten mehr.

Schon seit vielen Jahren der gleiche Sitzplatz
Während vieler Jahren ging Werner mit dem inzwischen verstorbenen Armin Betschart („ds Daniels Armin“) an den Stoos-Schwinget. Die beiden Schwingerfreunde besuchten überdies viele Schwingfeste. Der ehemalige „Alpenrösli-Wirt“ erzählt, dass er einmal während einem Jahr an 36 Schwingfeste ging.
Zu seinem Sitzplatz auf dem Stoos erklärt er: „Den jetzigen Tribünenplatz habe ich schon seit etlichen Jahren. Früher gab es überhaupt keine Tribünen. Um die Sägemehlringe befanden sich Holzlatten auf Bierkisten, auf welchen man die Schwingkämpfe beobachtete. Damals bezahlte man vor Ort den Eintritt und Tickets konnten zu jener Zeit noch nicht vorbestellt werden. Heutzutage finden gut 3’500 Zuschauer beim Stoos-Schwinget Platz. Früher waren viel weniger Zuschauer anwesend. Wenn man tausend Zuschauer zählte, waren es wohl viele.“
Werner ergänzt, dass schon „während der guten alten Zeit“ Verkäufer um die Zuschauer liefen und „Bier, Most, Mineral“ feilboten. Natürlich konnte man auch Wurst und Brot kaufen. Getränke- und Essensstände wurden nach und nach auch beim Schwingplatz errichtet. Werner pflegt selbst beim Essen seine Traditionen, und nimmt schon seit vielen Jahren mit einigen Muotathalern im Restaurant Balmberg das Mittagessen ein.

Das Innerschweizerische auch schon 63 Mal besucht
„Am Innerschweizerischen war ich auch schon 63 Mal. Und so viele Male wäre ich wohl auch schon an einem Schwyzer Kantonalen gewesen. Ganz genau weiss ich das aber nicht“, sagt der leidenschaftliche Schwingerfreund. Überhaupt: Werner besuchte etliche auswärtige Schwingfeste. Wenn Schwinger vom Schwingklub Muotathal antreten dürfen, ist er meist auch dort. So besuchte Werner auch etliche Male den Basel Städtischen Schwingertag. Er war dabei, als Alois Schelbert, Peter Schelbert I und Peter Schelbert II („ds Längä“) in Basel antraten. Der aufgestellte Zeitgenosse begleitete die Muotathaler Schwinger auch ans Berner Kantonale oder an das Nordostschweizerische Teilverbandsfest. Kein Weg war ihm zu weit. Als nämlich Richard Heinzer („ds Wissäwands“) als Gast beim Südwestschweizerischen in Savièse VS antreten durfte, fuhr ihn Werner ans Schwingfest.
Den Stoos-Schwinget bezeichnet der Familienvater als sein Lieblingsschwingfest. Auch aus dem Grund, weil jeweils nur 90 Schwinger teilnehmen und der Kampf um den Kranz härter ist als an anderen Kranzfesten. Dazu kommt die spezielle Atmosphäre eines Bergschwingfestes. Nebst dem Stoos-Schwinget besuchte Werner auch die anderen Bergkranzfeste. So war er sicher auch um 20 Mal auf dem Brünig und einige Male weniger auf der Rigi anzutreffen.

Die Veränderungen im Schwingsport
In Werner’s Augen hat sich der Schwingsport in den letzten 10 bis 15 Jahren gemausert und wurde extrem beliebt. Heute ist ein regelrechter Aufschwung zu beobachten und das Interesse hat enorm zugenommen. „Das sieht man nur schon an den deutlich gestiegenen Zuschauerzahlen. Auch gibt es viel tollere Preise als früher zu gewinnen. Verschiedene Dinge wurden zudem beschlossen. Zum Beispiel, dass alle Schwinger jährlich mindestens vier Rangschwingfeste in ihrem Teilverband besuchen müssen, wollen sie das Jahr darauf an einem Kantonalen ausserhalb ihres Teilverbandes teilnehmen“, weiss der Muotathaler. Weiter meint Werner, dass sich die Schwingtechnik im Vergleich zu früher verbessert hat. Die Athleten können einfach besser schwingen als früher.


Werner Schelbert, ein leidenschaftlicher Schwingerfreund

Neben Werner haben auch seine Brüder Edwin, Alois und Toni geschwungen. Die „Alpäröslers“ haben nicht nur das Schwingen im Blut. Einige davon, wie Werner, sind regelrecht von diesem Schwingsport-Virus infiziert. Anders ist nicht zu erklären, dass ein Mann auf bisher 69 Besuche beim Stoos-Schwinget kommt.
Für das bevorstehende Jubiläum wünsche ich Werner in erster Linie beste Gesundheit, und dass er den Bergschwinget auf dem Stoos so geniessen kann, wie wenn er zum ersten Mal dort wäre.

feldwaldwiesenblogger