Vor dem Stoos-Schwinget: Rückblick auf die bisherigen Kranzfeste

Text: feldwaldwiesenblogger

Am kommenden Sonntag beginnt mit dem Stoos-Schwinget bereits die Bergkranzfestsaison. Die Kantonalen Schwingfeste liefen in der Innerschweiz wie im Nu ab, und sind bereits alle abgewickelt. Die anderen vier Teilverbände sind diesbezüglich noch mittendrin. Vor dem Kracher auf dem Stoos, bei welchem gestern Abend 19 Eidgenossen eingeteilt wurden, halten wir auf den nachfolgenden Zeilen Rückschau auf die bisherigen Kranzfeste. Nebst den Innerschweizern sind beim ersten Bergkranzfest der Saison 2017 Gästeschwinger aus dem Nordostschweizerischen und Nordwestschweizerischen Schwingerverband gemeldet.


Luzerner Kantonales: Bruno Nötzli, einer der neuen Kranzfestsieger
Foto: luzernerzeitung.ch

Viele neue Kranzfestsieger
Was auffällt: Mit Marcel Bieri, René Suppiger, Niklaus Zenger, Bruno Nötzli, Samir Leuppi und Nick Alpiger feierten sechs Schwinger ihre Premiere als Kranzfestsieger. Und: Mit Bruno Gisler hat ein einziger Schwinger bisher zwei Kranzfeste gewonnen. Die neuen Kranzfest-Gewinner lassen darauf schliessen, dass in allen Teilverbänden etliche Athleten nachdrücken und den etablierten Schwingern paroli bieten können. Das ist natürlich erfreulich, und macht die Ausgangslage an den weiteren Kranzfesten, auch auf dem Stoos, sehr spannend.
Weiter freut das Schwingerherz, dass bewährte Kräfte wie Armon Orlik, Bruno Gisler, Joel Wicki, Christian Schuler, Andreas Ulrich, Simon Anderegg, Christian Stucki, Daniel Bösch, Sven Schurtenberger, Matthias Sempach, Matthias Aeschbacher und Samuel Giger einen weiteren Kranzfestsieg zu ihrem Palmarès hinzufügen konnten.
Am eindrücklichsten unterwegs war diesbezüglich Christian Stucki mit einem Punktetotal von 60.00 Punkten beim Seeländischen und Bruno Gisler mit sechs gewonnen Gängen am Solothurner Kantonalen. Speziell erwähnen darf man aber auch Matthias Sempach, welcher „sein“ Oberaargauisches bereits zum siebten Mal zu seinen Gunsten entschied. Dies bei einer sehr starken Besetzung und einem Super-Notenblatt. Hervorheben möchte ich aber auch Armon Orlik und Samuel Giger: Orlik gewann zu Beginn der Kranzfestsaison und vor seiner Nackenverletzung in überlegener Manier das Thurgauer Kantonale. Ebenso souverän und überlegen gewann der erst 19-jährige Giger das Glarner-Bündner Kantonalfest.

Die Situation bei den Teilverbänden
Aus Innerschweizer Sicht müssen mit Christian Schuler und Pirmin Reichmuth zwei gewichtige Ausfälle beklagt werden. Hinsichtlich Unspunnen-Schwinget ist in meinen Augen die absolute Spitze, welche um den Tagessieg mitreden kann, ziemlich dünn (geworden). Zu dieser Spitze gehören Philipp Laimbacher, Benji von Ah, Joel Wicki, Andreas Ulrich und allenfalls Andi Imhof oder Mike Müllestein.

Bei den Berner Schwingern präsentiert sich die Ausgangslage anders: Da wären etliche Schwinger zu erwähnen, welche das Format zum Unspunnen-Sieger haben. Angefangen von den drei Königen, über Christian Stucki, Remo Käser bis hin zu Bernhard Kämpf oder Thomas Sempach. Allesamt Schwinger mit Sieg-Potenzial.

Bei den Nordostschweizern sieht die Situation ähnlich wie bei den Innerschweizern aus. Aber mit einem kleinen und sehr wichtigen Unterschied: Dieser Teilverband verfügt mit Armon Orlik, Samuel Giger, und Daniel Bösch gleich über drei potenzielle Sieganwärter. Vielleicht darf man den Thurgauer Domenic Schneider auch nicht vergessen, der im Schatten der erwähnten Verbandskollegen immer stärker wird.

Die Sieganwärter aus dem Nordwestschweizerischen Schwingerverband kann man an zwei Fingern abzählen: Bruno Gisler und mit Abstrichen Nick Alpiger. Die anderen Eidgenossen sind unterschiedlich unterwegs, oder verletzt.

So leid es mir tut, aber von den Südwestschweizer Schwingern kann ich keinen aufzählen, welcher beim Unspunnen-Schwinget ganz nach vorne dringen könnte. Fortschritte sind bei den Romands zwar augenscheinlich erzielt worden. Aber mit Michael Nydegger und Benjamin Gapany fehlen zudem zwei wichtige Teamstützen.

Informationen auf dem Schwingplatz
Nebst dem eigentlichen Schwingsport nahm ich auch andere Dinge unter die Lupe. So beispielsweise die Informationen auf dem Schwingplatz. Denn: Bei gewissen Schwingfesten erwähnte der Speaker lieber eine Brille, welche seinen Besitzer wiederfand, statt den Tagessieger nach einem gestellten Schlussgang relativ zügig auszurufen. Überhaupt: Gewisse Speaker finden es einfach (immer noch) nicht nötig, eine gewisse Spannung aufrecht zu halten und alle Spitzengänge zu erwähnen. Ich habe gedacht, dass diese „Marotte“ ins Reich der Geschichte gehört. Aber nein, leider (immer) noch nicht. Zu einem Schwingfest gehört ganz klar die Folklore und viel Tradition. Was aber nicht vergessen werden darf: Schwingen ist auch ein Sport, und als Sportfan möchte man auch daran teilhaben, wenn zum Beispiel der Schlussgang ausgemarcht wird.
Bei Gesprächen habe ich rausgehört, dass dies jüngere Speaker zum guten Glück gleich sehen wie ich. Ältere Speaker fürchten sich scheinbar immer noch vor den „älteren“ Zuschauern, welche sie als „Schwafli“ beschimpfen könnten. So ein Unsinn! Der Schwingsport ist für Jung und Alt da. Zu stark Rücksicht auf die eine oder andere Gruppe zu nehmen ist schlicht nicht nötig.
Zum Glück gibt’s ja noch die SCHLUSSGANG-App oder die Facebook-Kanäle der besagten Schwingerzeitung oder diejenige von schwingenonline.ch. Da ist man manchmal schneller im Bild als live vor Ort.

Die neue Beschickungs-Regelung in der Innerschweiz und die Einteilung
Die neue Beschickungs-Regelung im Teilverband der Innerschweizer werde ich zu einem späteren Zeitpunkt mit einem Experten eingehend besprechen. Was aber auffiel, ist die Tatsache, dass die Kantonalen spannender als auch schon waren. Weiter wurden etliche neue Kranzer gekürt. Und man hörte auch Stimmen, die einen etwas „leichteren“ Kranzgewinn gesehen haben wollen.

Die Einteilung ist nach wie vor ein Thema für sich. Aber allen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Dabei fiel mir ein Kranzfest besonders auf: Das Emmentalische. Bei diesem Gaufest standen alle drei aktiven Berner Schwingerkönige im Einsatz und zudem etliche Eidgenossen. Dennoch schaffte es ein Nichtkranzer in den Schlussgang. Als Aussenstehender fragt man sich da zwei Dinge: Ist dieser Schwinger (Adrian Schenk) über sich hinausgewachsen, wie man es nur selten sieht? Oder aber hat die Einteilung die Geschicke dermassen vergeigt, dass es so weit kommen konnte? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Trotzdem wage ich eine leise Kritik anzubringen: Die geballte Ladung an schwingerischem Know-how in einem Einteilungskampfgericht sollte doch den Verlauf eines Schwingfestes praktisch „lesen“ können. Und zwar rechtzeitig. Denn in einem fünften Gang sollte die Einteilung (immer noch) genug Möglichkeiten haben, einen attraktiven Schlussgang „planen“ zu können. Um ein totales Fiasko mit zu vielen gestellten Gängen um die Schlussgang-Ausmarchung abwenden zu können, müssen die Weichen halt schon beim vierten Gang gestellt werden. Ein gutes Beispiel war in meinen Augen das Urner Kantonale, wo die Einteilung sehr umsichtig agierte und trotz Überraschungen oder gestellten Gängen einen attraktiven Schlussgang ausrufen konnte.


Schlussgang Emmentalisches Schwingfest: Eidgenosse Niklaus Zenger bezwingt den Nichtkranzer Adrian Schenk
Foto: jungfrauzeitung.ch

Nach dem Niederschreiben einiger Gedanken zu den bereits stattgefundenen Kranzfesten erhoffe und wünsche ich mir weitere spannende Schwingfeste in der zweiten Saisonhälfte. Denn nun geht es bei den Berg- und Teilverbandsfesten quasi um die heissbegehrte Wurst. Etwas später schwingen die besten Tenöre dann um den prestige-trächtigen Unspunnen-Titel.

feldwaldwiesenblogger

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