Nachgefragt bei Guido Gwerder, dem einzigen Schwyzer Brünig-Kranzgewinner

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: Guido Gwerder

Der Muotathaler Guido Gwerder gewann gestern den so begehrten Brünig-Kranz. Dies war kein leichtes Unterfangen. Denn der in Illgau SZ lebende Sennenschwinger war der einzige von 14 angetretenen Schwyzern, welcher gestern kranzgeschmückt heimkehren durfte.

Warum Guido diese Saison erst so richtig beim Brünigschwinget reüssieren konnte, wie die Gefühlslage nach dem Sieg über Thomas Sempach aussah und ob er mit diesem Kranz die Unspunnen-Qualifikation im Sack hat, fragte ich ihn bei einem Telefonat.

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Guido Gwerder, der glückliche Brünig-Kranzgewinner

Herzliche Gratulation zum Brünigkranz! Du warst zugleich der beste Schwyzer und der einzige, welcher den so begehrten Berg-Kranz gewann. Was bedeutet dir das?
„Sehr viel. Der Gewinn des Brünigkranzes ist immer speziell, vor allem auch bei dieser tollen Besetzung, welche gestern auf dem Brünig antrat.“

Der letzte Kranz vor dem 2017er-Brünigkranz war der Brünigkranz 2016. Weshalb hast du dazwischen keinen anderen Kranz gewonnen?
„Ich war dieses Jahr längere Zeit ausser Gefecht. Anfangs Saison trat ich beim Ob- und Nidwaldner Kantonalen an, bei welchem mir ein „Vierteli“ für den Kranzgewinn fehlte. Danach bekam ich beim Squash einen Ball ins Auge und durfte anschliessend sieben Wochen nicht schwingen. Ich erlitt dabei einen Knochenbruch und das Auge war geschwollen. Zudem war die Bindehaut kaputt.
Bei den beiden Bergkranzfesten auf dem Stoos und dem Schwarzsee-Schwinget war ich wieder dabei, bei welchen ich den Kranz aber nicht gewinnen konnte. Beim Innerschweizerischen zog ich mir einen Riss im Meniskus zu, und musste den Wettkampf nach drei Gängen aufgeben. Vor zwei Wochen konnte ich wieder mit dem Schwingtraining beginnen und entschied mich für eine Teilnahme auf dem Brünig.“

Wann glaubtest du gestern Sonntag daran, dass es für den Kranz reichen könnte?
Guido lacht. „Wann habe ich daran gedacht? Ich studierte eigentlich nie lange am Kranz herum. Nach dem fünften Gang wurde mir mitgeteilt, dass 56.00 Punkte eventuell für den Kranzgewinn reichen könnten. Erst ab diesem Moment machte ich mir Gedanken.“

Welches war dein Schlüsselgang zum Kranzgewinn?
„Der Sieg gegen Thomas Sempach im vierten Gang.“

Beschreibe doch bitte deinen Sieg über den letztjährigen Brünig-Sieger Thomas Sempach und die anschliessende Gefühlslage?
„Thomas hat mit innerem Haken angesetzt. Beim Fallen konnte ich ihn mit Schlungg nachziehen. Am Boden vermochte ich ihn zu fixieren und mit Nachdrücken konnte ich ihn bezwingen.
Für mich war es eine Riesenfreude. Denn ich konnte den letztjährigen Brünigsieger und einen mehrfachen Eidgenossen bezwingen. Das war für mich ein Riesenstolz. Beim Eidgenössischen in Estavayer verlor ich gegen ihn nämlich beim ersten Zug. “

Was meinst du, hast du mit diesem Kranz die Unspunnen-Qualifikation im Sack?
„Nein, ich glaube nicht. Es fehlt mir noch ein weiterer Kranz. Mit zwei Kränzen hätte es wahrscheinlich gereicht. Bei einer Vorselektion war ich nicht dabei, wohl aber mein Bruder Carlo. Er sollte mit drei Kränzen dabei sein.“

Welches sind deine nächsten Schwingfeste?
„So genau weiss ich das noch nicht. Ich denke, dass ich beim Herbstschwinget Unteriberg antreten werde, wahrscheinlich auch bei demjenigen in Siebnen. Der Chilbi-Schwinget Einsiedeln, welcher dieses Jahr in Alpthal SZ zur Austragung kommt, steht eventuell auch noch auf dem Programm.“

Du scheinst nun deine Verletzungen gut auskuriert zu haben und in Topform zu sein. Schade, dass die Kranzfestsaison vorbei ist?
„Ja, das ist so. Vermutlich wären in dieser Saison noch ein oder zwei Kränze drin gelegen.“

Schwingst du 2018 auch?
„Das weiss ich im jetzigen Moment noch nicht. Es kommt darauf an, wie es meinen beiden Knien, welche schon etliche Verletzungen erlitten haben, geht. Wenn diese das Wintertraining gut überstehen, bin ich 2018 auch in den Sägemehlringen anzutreffen.“

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim aufstrebenden Berner Oberländer Turnerschwinger Kilian von Weissenfluh

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Der junge Berner Oberländer Kilian von Weissenfluh ist definitiv einer der Saison-Aufsteiger. Der Turnerschwinger von der Schwingersektion Hasliberg hat in dieser Saison bisher sechs Kränze gewonnen. Im Umfeld von Kilian hat man vernommen, dass das Jungtalent vom Berner Team während dem letzten Winter am meisten Fortschritte erzielt hat. Diese äussern sich nun in Form von starken Resultaten.

Kilian wohnt in Hasliberg-Hohfluh BE und wird im September 21-jährig. Der gelernte Zimmermann ist ein halber Muotathaler, seine Mutter Myriam kommt von dort. Väterlicherseits stammt der Haslitaler von der Schwinger-Dynastie „von Weissenfluh“ ab. Vater Peter und Grossvater Peter senior waren schon erfolgreiche Schwinger und Kilian’s Onkel Christian war jahrelang einer der besten Berner Schwinger.

Am 24. Juli, am Montag vor dem Brünig-Schwinget, fuhr ich nach Hasliberg-Hohfluh und führte mit Kilian ein äusserst interessantes Gespräch. Dabei erfuhr ich auch, dass der 186 Zentimeter grosse und 90 Kilogramm schwere Athlet nebst dem Schwingen den Sport allgemein zu seinen Hobbys zählt. Weiter frönt der in breitestem Haslitaler-Dialekt sprechende Berner dem Schwyzerörgeli-Spiel und hält sich gerne in der Natur auf.

Kilian erzählte zudem, dass er beim Brünig-Schwinget drei oder viermal als „Täfelibuäb“ amtete. Später verkaufte er Getränke unter den Zuschauern. Auch heute noch können die Organisatoren auf die Hilfe des achtfachen Kranzschwingers zählen. Am Montag nach dem Brünig-Schwinget hilft er stets beim Aufräumen mit. Übrigens: Das wohl härteste aller Bergkranzfeste wird gemeinsam vom Ob- und Nidwaldner Schwingerverband und der Schwingersektion Hasliberg organisiert.


Kilian von Weissenfluh beim Gespräch

Du bist ein der Aufsteiger der Saison. Hast du eine Erklärung dafür?
„Bis jetzt war es tatsächlich eine super Saison. Ich hatte schon 2014 ein gutes Gefühl. Im Jahr 2015 riss ich mir beim ersten Schwingfest der Saison (Hallenschwinget Oberdiessbach) im rechten Knie das Kreuzband. Die ersten drei Gänge gewann ich und wurde im vierten Gang mit Matthias Aeschbacher eingeteilt. Bei diesem Gang wollte ich vermutlich zu viel und zog so viel ich konnte, was wohl des Guten zu viel war. Der Unfall und die anschliessende Operation waren ein entscheidender Moment für meine Karriere. Der Heilungsprozess verlief ausgezeichnet. Von diesem Zeitpunkt an ging es Schritt um Schritt aufwärts. 2016 machte ich beim Mittelländischen Gauverbandsfest den ersten und beim Bern-Jurassischen den zweiten Kranz. Der Lohn dafür war die Selektion für das Eidgenössische in Estavayer. Ich hatte letztes Jahr schon keine schlechte Saison.
2016 absolvierte ich zudem die Rekrutenschule (RS) und konnte bis im November nur wenig trainieren. Nach der RS habe ich während dem Winter gut trainiert und blieb in dieser Zeit gesund. Ich fehlte praktisch bei keinem Training.
Ebenfalls letztes Jahr wurde ich ins Kader vom Bernisch Kantonalen Schwingerverband (BKSV) berufen. Wenn man in diesem Team trainieren darf, kann man eigentlich nur stärker werden. Man kann so viel davon profitieren. Ich denke, das ist die Erklärung dafür, dass es in dieser Saison so gut läuft.“

Was sind deine bevorzugten Schwünge? Welche hast du im vergangenen Winter neu ins Repertoire aufgenommen?
„Das sind der Hochschwung, Kurz, Innerer Haken und Brienzer. Letzten Winter habe ich den Kurz neu ins Repertoire aufgenommen. Ich war stets einer, der überhaupt nicht Kurz ziehen konnte. Während dem letzten Winter erlernte ich diesen Schwung. Wir haben auch viel Bodenarbeit trainiert, im Herbst haben wir uns praktisch nur dieser Schwingweise gewidmet. Daraus entnimmt man jeweils auch das eine oder andere.“

Wie sieht dein Trainingsprogramm in dieser Woche vor dem Brünig-Schwinget aus?
„Am Montag steht ein Krafttraining auf dem Programm. Am Dienstag bestreiten wir Oberländer Schwinger in Thun ein Schwingtraining. Am Donnerstag findet in Interlaken ein gemeinsames Schwingtraining mit den Schwingklubs Brienz, Meiringen, Hasliberg und Interlaken statt. Am Freitag vor einem Schwingfest gehe ich meistens locker joggen oder Velofahren, und am Samstag mache ich in der Regel nur wenig. Dazu gehören Dehnungsübungen und Lockerungsübungen mit der Blackroll, einer kleinen Übungsrolle zur Regeneration und Selbstmassage.“

Du bist familiär gesehen ein halber Muotathaler. Hast du einen grossen Bezug zu der Heimat deiner Mutter?
„Ja, sicher. Ich bin ein stolzer Muotathaler. Den Bezug habe ich natürlich durch die Verwandtschaft mit den vielen Cousinen sowie Cousins und dem Grosi. Drei- bis viermal im Jahr bin ich zu Besuch im Thal, immer auch an Weihnachten.“

Verfolgst du auch das Schwinggeschehen im Muotatal? Hast du dich auch schon mit Ralf Schelbert und Dario Gwerder gemessen?
„Nein, ich habe mit beiden noch nie geschwungen. Mich interessiert das Schwinggeschehen dort natürlich schon und ich verfolge es auch. Ich bekam auch mit, dass Ralf und Dario leider Unfallpech hatten.“


Der Haslitaler hält sich gerne in der Natur auf

Die Schwinger-Gene wurden dir aber vor allem väterlicherseits in die Wiege gelegt: von Weissenfluh ist ein bekannter Name in der Schwingerszene?
„Mein Vater Peter, Onkel Christian und Grossvater Peter senior haben alle geschwungen. Der erfolgreichste von ihnen war Christian. Ich profitiere natürlich von ihnen, am meisten von meinem Vater. Nebst wertvollen Tipps filmt er meine Gänge an den Schwingfesten, welche wir hinterher analysieren. Der ehemalige Schwinger war lange auch Technischer Leiter. Von Onkel Christian bekomme ich Tipps für den mentalen Bereich. Mit meinem Grossvater telefoniere ich praktisch jeden Sonntag nach einem Schwingfest und fachsimple mit ihm.“

Am kommenden Sonntag findet der Brünig-Schwinget statt. Hand aufs Herz: Ein Sieg praktisch vor deiner Haustür dürfte eines deiner grössten Ziele sein?
„Ja, das ist so. Es ist ein Kindheitstraum, da ich nur schon rein von der Distanz her einen Riesenbezug zum Brünig-Schwinget habe. Für mich ist es eines der speziellsten Feste. Die Vorfreude ist gross, man ist motiviert und kennt sehr viele Leute vor Ort.“

Das Ziel für den Brünig-Schwinget 2017?
„Das Ziel ist der Kranz. Wenn alles rund läuft, ist es möglich.“

Die Berner Schwinger haben ganz allgemein gesehen den Dreh draussen, um erfolgreich zu sein. Was macht ihr besser als beispielsweise die Innerschweizer?
„Was soll ich sagen? Wir Berner haben ein gutes Team. Wenn du an der Spitze stets gute Schwinger hast, werden auch diejenigen Athleten dahinter immer besser. Die einen ziehen die anderen mit. Die Trainingseinheiten vom Berner Team sind extrem hart. Bei denen versucht man alles aus sich herauszuholen.
Aber: In diesem Jahr haben die Innerschweizer sicher Pech mit etlichen verletzten Schwingern. Ich denke, auch sie machen ihre Sache gut. Und: Dazu gehört auch das nötige Quäntchen Glück.
Beim Unspunnen-Schwinget 2011 hat man im Vorfeld auch gesagt, dass die Berner dominant seien. Am Abend hat das Ganze wieder ganz anders ausgesehen. Auch auf dem Brünig wird erst am Abend abgerechnet.“

Die Qualifikation für den Unspunnen-Schwinget hast du im Sack, oder? Was liegt dort für dich drin?
„Ich denke, es sollte reichen. Die definitive Selektionierung ist aber noch nicht erfolgt. Ich vermute, dass es ein hartes Schwingfest wird. Letztes Jahr beim Eidgenössischen habe ich eine Nase voll von einem Grossanlass nehmen dürfen. Nach vier Gängen musste ich leider duschen gehen, denn es hat praktisch nichts zusammengepasst. Dieses Jahr ist die Situation sicher etwas anders. Ich befinde mich nicht in der RS, wie während dem ESAF2016 und konnte in dieser Saison gut trainieren. Wenn ich die Hälfte der Gänge gewinnen könnte, wäre das ein schöner Erfolg.“

Bei Zusammenzügen der Berner Schwinger hast du dich sicher schon öfters mit Kilian Wenger, Matthias Glarner, Matthias Sempach oder Christian Stucki gemessen. Hast du auch schon einen dieser vier Athleten im Training gebodigt? Was zeichnet diese vier Schwinger besonders aus?
„Im Training habe ich den einen oder anderen auch schon bezwungen. Dabei probiert man auch Dinge aus, und fällt halt auch mal auf den Rücken. Auch wenn man diese Schwinger nicht bezwingt, kann man viel von ihnen profitieren. Ich habe jede Woche die Möglichkeit, mit den momentan besten Athleten zu schwingen. Das ist natürlich super.
Stucki hat körperlich gesehen extrem gute Voraussetzungen und die anderen drei sind schwingerisch gesehen komplette Athleten. Diese vier beherrschen ihr Handwerk einfach. Auf menschlicher Ebene sind sie zudem flotte Kameraden, bodenständig und hilfsbereit.“


Kilian hat in dieser Saison bereits sechs Kränze gewonnen

Um auch einmal so ein Top-Crack zu werden: Woran denkst du, müsstest du noch arbeiten?
„Ich denke, ich muss so weitermachen. Dranbleiben, weiterhin viel und hart trainieren und für diesen Sport leben. Dann muss es irgendwann gut kommen. Wichtig ist auch, dass man die Motivation nicht verliert und sich immer wieder anstacheln kann, um Vollgas zu geben.“

Aber: Wenn deine Entwicklung so weiterläuft, stehst du 2019 in Zug im Schlussgang, oder?
Kilian lacht. „Ja, ja. Das wäre natürlich super, ich studiere aber noch nicht so weit. Bis dann sind noch zwei komplette Saisons, und es kann noch so viel passieren. Wenn ich mich noch etwas steigere und mit der Spitze mithalten kann, ist das nicht auszuschliessen. Aber dazu braucht es viel und es muss alles zusammenpassen. Ein Eidgenössisches findet alle drei Jahre statt und in diesen zwei Tagen musst du einfach auf Top-Niveau sein. Sonst funktioniert das nicht.“

Hast du eigentlich einen Coach?
„Im letzten November ging ich nach Zürich in eine Sportklinik und wollte wissen, wo ich im Vergleich mit anderen Sportlern stehe. Es wurden verschiedene Tests gemacht und anhand der Ergebnisse stellte mir ein Sportwissenschaftler einen Trainingsplan zusammen. Wie ich schlussendlich mein Training gestalte, liegt in meiner Entscheidung. Der erwähnte Wissenschaftler gibt mir dabei als Unterstützung wichtige Tipps. Schwingerisch gesehen ist es mein Vater, welcher mich trainiert. Er steht aber nicht mehr im Schwingkeller. Das Schulschwing-Training in Meiringen wird entweder von Matthias Glarner oder Simon Anderegg geleitet.“

Gibt’s nach dem Brünig-Schwinget Sommerferien?
„Von meiner Arbeitsstelle her nicht und das Training geht auch weiter. Eigentliche Ferien gibt es erst nach Saisonende. Im Oktober muss ich zudem für einen dreiwöchigen Wiederholungskurs ins Militär und mache dann auch eine Trainingspause. Anfangs November startet das Training für 2018 und wir widmen uns bis Neujahr dem Schulschwingen.“

Wie sieht deine Trainings-Planung bis zum Unspunnen-Schwinget aus?
„Es geht im gleichen Rahmen weiter, so wie ich es von Frühling bis Herbst gewöhnlich handhabe. Vier bis fünf Trainingseinheiten stehen pro Woche an. Je nachdem, ob ein Schwingfest ansteht, wird das Training unter der Woche angepasst. Im vergangenen Juni bestritt ich praktisch jedes Wochenende ein Schwingfest. Unter der Woche ging ich dann manchmal nur am Dienstag und Donnerstag ins Schwingtraining und absolvierte keine zusätzlichen Trainingseinheiten.
Nach dem Brünig-Schwinget steht auf Käserstatt ob Hasliberg ein zweitägiges Trainingslager mit dem Berner Team auf dem Programm. Weiter finden vor dem Unspunnen-Schwinget noch zwei oder drei Zusammenzüge mit den Berner Schwingern statt.“

Beim Bergklassiker auf dem Brünig nimmt Kilian nun zum zweiten Mal teil. Im August möchte Kilian noch das Schwing-und Älplerfest Engstlenalp bestreiten und ist für den Schwägalp-Schwinget gemeldet. Nach dem Saisonhöhepunkt in Interlaken gedenkt der Berner Oberländer auch beim Kemmeriboden Schwinget Schangnau und dem Chemihütte-Schwinget Aeschiried anzutreten.
Für den Brünig-Schwinget und den weiteren Saisonverlauf wünsche ich dem sympathischen Turnerschwinger aus Hasliberg-Hohfluh ToiToiToi und alles Gute.

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich auf dem Bergheimet Föhnenberg – Teil 2

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Andi Ulrich ist ein Publikumsliebling. Er spürt diese Wertschätzung und erhält in der ganzen Schweiz viele Komplimente. Einige haben schon staunend zu ihm gesagt: „Was, du bist ein Bergbauer, und schwingst an der Spitze mit?“ Oder er wird auch wegen seiner Technik gelobt. Andere meinten gar, dass sie ihm am liebsten zuschauen und seine Schwingweise sehr attraktiv finden.

Im Teil 1 behandelte ich mit Andi unter anderem sein Schwingtraining. Diesen Faden will ich hier erneut aufnehmen. Der Sennenschwinger erlernte die Schwünge als Jungschwinger relativ einfach. Mit 18 Jahren gewann er bei den Aktiven auf Anhieb in einer Saison vier Kränze. Der Gersauer wendete damals vor allem den „Lätz“ an. Sein Glück war, dass ihn die anderen Schwinger damals noch nicht kannten. Als Andi’s „Lätz“ in der Schwingerszene bekannt war, wusste er, dass er etwas ändern muss, um wieder erfolgreich zu sein. Der mittlerweile 78-fache Kranzschwinger setzte sich damals das Ziel, auch über die rechte Seite Schwünge zu beherrschen, wie beispielsweise den Kurz. Das Erlernen der neuen Schwünge fiel ihm relativ leicht, ebenso das Umsetzen an Schwingfesten. Dazu meint der vielseitige Techniker: „Schwünge schulschwingmässig oder im Wettkampf zu beherrschen sind zwei separate Schuhe.“ Andi setzte sich als weiteres Ziel, jedes Jahr einen neuen Schwung zu erlernen. Mehr noch: Dass er auf diese bei Schwingfesten auch setzen kann.

Andi Ulrich ist ein Instinktschwinger
Beim Südwestschweizerischen Schwingfest in Kerzers FR gewann der Familienvater mit vier verschiedenen Schwüngen: Wyberhaken, Lätz, Übersprung und Kurz. Beim Gespräch erklärt Andi weiter, dass er 2017 mit Kurz noch nicht viele Gegner besiegt habe. Zu seinem Repertoire an Schwüngen gehören der erwähnte Kurz, Lätz, Wyberhaken, Brienzer, Innerer Haken, Fussstich und Übersprung. Nebst diesen sieben Schwüngen wendete der vierfache Eidgenosse beim Schwyzer Kantonalen auch den Schlungg an.

Andi ist ein Instinktschwinger, denn manchmal weiss er nach einem Gang gar nicht mehr genau, mit welchem Schwung er zum Erfolg kam. Der „Mythenverbändler“ meint dazu: „Wenn du viel schwingst und viele Schwingtrainings absolvierst, bekommst du auch das nötige Gefühl fürs Schwingen und deren Abläufe. Durch das Schwingen bekommt man aber auch eine gute Fitness. Das Schwingtraining ist einfach das Wichtigste, auch für die Kondition.“

Weiter erklärt der Bergbauer, dass man beim Schwingen den ganzen Körper bewegt und braucht, vom Kopf bis hinunter zu den Füssen.
Pausen seien für die Muskeln und den Körper genauso wichtig wie das Training. „Um meinem Körper die nötige Erholung zu gönnen, verzichte ich auch auf Trainings. Dies ist in meinen Augen auch eine Vorbeugung für Verletzungen“, ergänzt Andi. Die schlimmste Verletzung, welche der achtfache Kranzfestsieger jemals erlitten hatte, war ein Rippenbruch.


Andi Ulrich beim Gespräch auf dem Föhnenberg

So wie ich dich einschätze, verbringst du nicht so viel Zeit im Krafttraining wie gewisse (junge) Schwinger. Wenn du nochmals 20-jährig wärst, würdest du mehr Krafttraining machen?
„Nein, denn mir sagt dieses Training nicht zu. Wenn ich im Winter das Krafttraining aufnehme, starte ich bei den Übungen meist bei null. Das heisst, ich muss wieder dort beginnen, wo ich bereits vor einem Jahr anfing. Bis zum Frühling kann ich mich schon steigern. Weil ich dann wieder aufhöre, fällt mein Level wieder ab. Eigentlich sollte man deswegen auch im Sommer Krafttraining machen. Ich mache es einfach nicht gerne. Denn ich trainiere lieber polysportiv. Früher spielte ich sogar Squash, Tennis oder Fussball, um mich möglichst vielseitig zu bewegen.
Aus meiner Sicht ist das Schwingtraining das Wichtigste. Klar, wenn ich nicht meine Technik hätte, sähe das vielleicht anders aus. Dann müsste ich wohl körperlich mehr machen, damit ich kräftiger wäre.“

Ganz allgemein gesehen: Was rätst du jungen Teamkollegen, wie sie trainieren sollen?
„Bei unserem Schwingklub Mythenverband haben wir zwei Schwingtrainings pro Woche. Daneben wird im Winter einmal wöchentlich ein Kantonaltraining durchgeführt, welches die jungen Schwinger auch besuchen können. Von unserem Klub aus wird im Winter auch ein Konditionstraining angeboten. Wenn sie diese vier Trainings besuchen, sind sie sicher auf einem guten Weg. Das Schwingtraining ist einfach das Wichtigste. Aber auch das Konditionstraining ist erforderlich, denn es gibt dir die nötige Härte. Ebenso Übungen für die Koordination, Beweglichkeit und Reaktion.
Meines Erachtens sollte man erst mit 20 Jahren in den Kraftraum gehen, wenn man das möchte. Für das Krafttraining und dessen Organisation ist bei uns „Mythenverbändler“ jeder Schwinger selber verantwortlich.
Man muss einfach gut auf den eigenen Körper hören. Was ich jetzt wohl genau tue, habe ich als ganz junger Schwinger weniger gemacht. Je älter man wird, desto wichtiger ist es, dem Körper die nötige Erholung zu gönnen.“


Das Gespräch fand an dem grossen Holztisch statt, welchen der Gersauer als Gabe aus Estavayer mit nach Hause nahm

Ein Ausblick auf den Unspunnen-Schwinget: Was traust du dir dort zu?
„Ich werde nach Interlaken gehen, um zu schwingen und Freude daran zu haben. Und schaue dann, was dabei rauskommt. Beim letzten Unspunnen-Schwinget lief es nicht schlecht. Ich war jedenfalls zufrieden. Schlussendlich spricht nachher sowieso nur jeder vom Sieger. Klar, wenn mir jemand sagen würde, dass ich in der Endabrechnung den zweiten Platz belegen würde, würde ich das unterschreiben.“

Du wirst im September 32-jährig. Man sieht dich sicher noch beim Eidgenössischen 2019 in Zug schwingen?
„Sicher ist das nicht. Ich schwinge diese Saison zu Ende und schwinge auch nächstes Jahr noch. Dann werde ich über die Bücher gehen. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen bin ich in Zug eher nicht dabei. Denn momentan habe ich keine Lust auf ein Eidgenössisches. Ich habe noch genug vom letzten, welches ein sehr strenges Schwingfest war. Wenn es so gelaufen wäre wie in Burgdorf, sähe es vielleicht anders aus. Mental war es für mich grausam, denn ich wusste, dass ich für den Kranz am zweiten Tag alle vier Gänge gewinnen muss. So etwas möchte ich am liebsten nicht mehr erleben. Es war ein Riesendruck vorhanden. Zum Glück habe ich es dann doch geschafft, und es war eine grosse Genugtuung. Körperlich war es keine Frage, aber mental. Dazu kam auch der Rummel vor Estavayer2016, welcher schon im Frühling begann. Du wurdest ständig und praktisch täglich an das Eidgenössische erinnert. Nicht nur ich empfand das als ziemlich mühsam, auch andere Klubkollegen.
Aber eben, wenn es nächstes Jahr auch sehr gut läuft, sieht das wieder anders aus.“

Der Brünig-Schwinget ist 2017 das letzte Kranzfest für Andi Ulrich. Ob er vor dem Unspunnen-Schwinget Mitte August allenfalls ein Rangschwinget bestreitet, wusste der Gersauer beim Gespräch noch nicht. Er sagt dazu: „Im Frühling kann ich es gut planen. Während der Saison nehme ich es wie es kommt. Wenn es für mich nicht stimmt, gehe ich nicht.“

Ich bedanke mich bei Andi für das interessante und aufschlussreiche Gespräch auf dem Föhnenberg und wünsche ihm für den weiteren Saisonverlauf alles Gute und beste Gesundheit.

feldwaldwiesenblogger

Besuch beim vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich auf dem Bergheimet Föhnenberg – Teil 1

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Am 17. Juli, ein Tag nach dem denkwürdigen Südwestschweizerischen Schwingfest in Kerzers FR, besuchte ich den vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich. Ich fuhr zum Bergheimet Föhnenberg hoch, welches sich auf knapp 1000 Metern über Meer auf der Gemeindefläche von Gersau SZ befindet. Auf dem Föhnenberg hat man eine atemberaubende Aussicht auf den Vierwaldstättersee und die umliegenden Berge. Andi wohnt hier mit seiner Frau Nadine und den beiden Kindern Damian und Julian in einer idyllischen Bergwelt.

Der gelernte Forstwart arbeitet in einem 80 Prozent-Pensum als Maschinist bei der Christen Gartenbau AG in Küssnacht SZ. Mit den restlichen 20 Prozent betreibt er das Bergheimet mit elf Kühen und acht Rindern, bei welchem ihm auch seine Eltern zur Hand gehen. Diese wohnen nämlich auch auf dem Föhnenberg. Die Wurzeln von Andi sind im Bisisthal SZ zu finden, geboren und aufgewachsen ist er aber hoch ob Gersau.

Der Sennenschwinger fing 1996 mit dem Schwingsport an und holte sich 2003 beim Schwyzer Kantonalen seinen ersten Kranz. Inzwischen nennt der 181 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet 78 Kranz-Exemplare sein eigen und durfte schon acht Kranzfestsiege feiern. Andi erkämpfte sich 2017 bisher sechs Kränze und gewann mit dem Schwyzer Kantonalen ein Kranzfest. Alles in allem eine starke Saison, welche sich mit grossen Schritten dem Saisonhöhepunkt nähert.


Andi Ulrich wohnt mit seiner Familie inmitten einer idyllischen Bergwelt

Du bist mit dem bisherigen Saisonverlauf sicher zufrieden. Was waren aus deiner Sicht die Highlights?
„Ein Highlight war sicher der Sieg beim Schwyzer Kantonalen, welcher für mich relativ unerwartet kam. Weiter die Schlussgang-Qualifikation beim Innerschweizerischen. Der Schlussgang selber war kein Highlight. Schön war aber, dass ich bei so einem Fest so weit gekommen bin.“

Gibt es etwas, was nicht ganz nach deinem Gusto verlief?
„Das Verpassen des Stoos-Kranzes, diesen hätte ich gerne gewonnen. Denn es wäre für mich der zehnte Stoos-Kranz gewesen. Es lief mir dort nicht nach Wunsch. Aber es ist ein Bergkranzfest und an diesen ist es einfach zäh.“

Was meinst du zu den fragwürdigen Entscheiden beim Südwestschweizerischen in Kerzers?
„Es lief eindeutig gegen die Gästeschwinger, und insbesondere gegen Reto Nötzli. Zum sechsten Gang von Reto gilt es zu erwähnen: Das Abrollen in einem Zug wird seit 2008 mit der Note Zehn gewertet. Die beiden Kampfrichter am Tisch waren wohl für die Zehn, der Platzkampfrichter hingegen nicht. Reto ist ein anständiger und korrekter Schwinger. Diese Notengebung liess er sich aber nicht gefallen und sagte, dass er im Einteilungsbüro vorsprechen werde. Mit der Begründung, dass das nicht korrekt sei, was gerade abgelaufen sei. Zum Glück ging man im Einteilungsbüro darauf ein und schrieb Reto nachträglich die Zehn. So kam er zum verdienten Co-Sieg. Denn ihm wurde im fünften Gang für einen Plattwurf die Maximalnote verwehrt. So wäre er sogar im Schlussgang gestanden.
Als Nötzli nach dem sechsten Gang die Maximalnote erst nicht geschrieben wurde, ging ISV-TK-Chef Thedy Waser nach dem fragwürdigen Entscheid zum Tisch der angesprochenen Kampfrichter. Waser fragte, ob sie den neuen Passus im technischen Regulativ betreffs des Abrollens in einem Zug kennen. Sie entgegneten ihm, dass sie das nicht wussten. Weiter mischte sich Waser bei dieser Situation aber nicht ein.“

Hast du die schnelle Niederlage im Schlussgang des Innerschweizerischen inzwischen verdaut? Oder anders gefragt: Wie verarbeitet man so etwas?
„Verdaut habe ich es inzwischen. Wenn mich nicht jemand darauf anspricht, würde ich gar nicht mehr daran denken. In der Woche nach dem Innerschweizerischen war es natürlich sehr präsent. Betreffs Verarbeiten: Du musst einfach das Positive sehen, und es nützt nichts, sich zu ärgern wenn man im ersten Zug verloren hat. Das würde mich mental nur bremsen. Das Positive daran ist, dass ich es in den Schlussgang gebracht habe, und für mich so gesehen das Highlight des Tages war. Dies half mir auch, schnell darüber hinweg zu kommen.“


Der sympathische Sennenschwinger beim Gespräch

Inwiefern beschäftigt einen Schwinger die Tatsache, dass sich auf der Rigi gleich zwei ISV-Team-Kameraden zum Teil schwer verletzt haben?
„Das ist einfach Pech. Ich bin jeweils immer zufrieden, wenn ich am Abend gesund die Heimreise antreten kann. Klar gehört der sportliche Ehrgeiz dazu. Aber: Es ist sehr viel wert, gesund heimzukommen, auch ohne Kranz.“

Wie bringst du Familie, Schwingsport, Beruf und Bauernbetrieb unter einen Hut?
Andi lacht. „Mit einer guten Frau und guten Eltern. Sie unterstützen mich voll und ganz, damit ich unbeschwert an Schwingfeste und an Trainings fahren kann. Es kommt eher von mir aus, dass ich den Trainingsaufwand reduziert habe, vor allem im Sommer. Denn im Sommer trainiere ich nicht viel. Es ist einfach etwas Anderes, wenn man Familienvater ist, und daheim einen Betrieb hat. Es wird für einen wichtiger. Wenn ich im Sommer nach Hause komme, stehen diese und jene Arbeiten wie das Heuen an. Im Winter sieht das wieder anders aus. Da steht mir mehr Zeit für das Training zur Verfügung.“

Ist dein momentaner Trainingsaufwand geringer als in jüngeren Jahren? Hat sich dieser im Verlauf der letzten zehn Jahre gross verändert?
„Ja, das ist er. Früher habe ich im Winter fünfmal pro Woche trainiert, heute sind es maximal drei Trainings. Nebst zwei Schwingtrainings steht eine Einheit Kondition auf dem Programm. Manchmal bestreite ich zudem ein Krafttraining, dann gehe ich aber nur an ein Schwingtraining.
Im Sommer besuche ich meist nur ein Schwingtraining, ausnahmsweise zwei. Denn es stehen viele Schwingfeste an. Ich vertraue soweit auf meine Fähigkeiten und verzichte wegen den bei der vorherigen Frage angesprochenen Umstände auf mehr Trainings.“

Hast du bewusst relativ viele Vorbereitungs-Schwingfeste im Frühling bestritten, um so in den Rhythmus für die Kranzfeste zu kommen?
„Das ist unbestritten so, und man muss wegen der neuen Regelung auch mindestens an vier Rangschwingfesten teilnehmen. So startete ich beim Hallenschwinget Sarnen, beim Frühjahrsschwinget Oberarth, beim Muotathaler Rangschwinget und beim Frühjahrsschwinget Ibach. Mir gehen die Schwingfeste im Frühling viel einfacher von der Hand, als im Herbst. Da wir bei uns in der Innerschweiz vor dem Beginn der Kranzfestsaison relativ viele Rangschwinget haben, kann man die erwähnte Regelung ohne Probleme einhalten und hat vor dem Beginn des ersten Kranzfestes sogar noch eine genügend lange Pause.“

Der zweite Teil des Gespräches mit Andi Ulrich folgt in einigen Tagen. Dabei geht es unter anderem um Krafttraining, was er jüngeren Teamkollegen rät, um einen Ausblick auf den Unspunnen-Schwinget und ob er 2019 in Zug dabei ist.

feldwaldwiesenblogger

Gedanken zu den Regeländerungen und der schwingerischen Situation in der Innerschweiz

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Am 20. Februar dieses Jahres stellte ich folgenden Blogbeitrag online: Regeländerungen im Innerschweizer Verbandsgebiet – Schwingexperte René Schelbert gibt Auskunft. Ich vereinbarte damals mit René, im Verlauf des Jahres über die Regeländerungen ein weiteres Gespräch zu führen.

Zur Erinnerung nochmals die Regeländerungen
Im Verbandsgebiet der Innerschweizer trat eine neue Beschickung bei den Kantonalen Schwingfesten in Kraft. Auf 2017 hin wurde ein Verteiler anhand der Schwingerzahlen von 2016 gemacht. Den Verteiler nahm die Technische Kommission des Innerschweizerischen Schwingerverbandes (ISV-TK) im Herbst 2016 vor. Beim Schwyzer und dem Luzerner Kantonalen dürfen nun je 240 Schwinger antreten. Am Ob-/Nidwaldner, Urner und am Zuger je 200. Von diesen Schwingern dürfen maximal 45 Prozent Kranzschwinger sein, der Rest sind Nichtkranzer.
Für die Schwinger hat dies folgende Auswirkungen: Jeder Schwinger kann nebst seinem eigenen Kantonalen maximal an zwei auswärtigen Kantonalen im ISV-Gebiet antreten. Wenn ein Schwinger ein auswärtiges Kantonales im ISV-Gebiet besuchen will, muss er im Vorjahr mindestens vier Rangschwingfeste im ISV-Gebiet besucht haben. Über Ausnahmen entscheidet die ISV-TK.

Betreffs Einteilung gibt es auch eine Änderung: Neu stellt der durchführende Kantonalverband den Obmann plus zwei Einteilungsmitglieder. Dazu stellt jeder andere Kantonalverband je ein Einteilungsmitglied.
Die Kampfrichter-Beschickung sieht nun so aus: Der durchführende Kantonalverband stellt bei jedem Schwingplatz einen eigenen Kampfrichter. Die restlichen Kampfrichter werden gemäss Schwingerzahl aus den anderen Kantonalverbänden aufgeteilt.

René erklärte mir im Februar, dass von 2017 bis 2019 mit diesen Neuerungen eine Versuchsphase laufe. Weiter gab er mir zu Protokoll, dass nach dem letzten Kantonalen eine Standortbestimmung durchgeführt wird. Allenfalls werden Anpassungen vorgenommen. Das Ziel ist, dies 2020 so weiterzuführen.

René Schelbert ist Präsident vom Schwingklub Muotathal, Vorstandsmitglied im Schwyzer Kantonalverband und im Innerschweizer Schwingerverband. Im Schwyzer Kantonal-Vorstand nimmt der ehemalige Schwinger als Vertreter vom Schwingklub Muotathal und als Vertreter vom ISV-Vorstand Einsitz. Im ISV-Vorstand versieht René das Amt des Sekretärs.


René Schelbert im Gespräch

Wurde die angesprochene Standortbestimmung durchgeführt? Wer war dabei?
„Es fanden zwei Standortbestimmungen statt. Bei der ersten trafen sich die fünf Kantonalen Technischen Leiter und der ISV-TK-Chef Thedy Waser. Bei der anderen Standortbestimmung kamen alle Einteilungsmitglieder der diesjährigen Kantonalen Schwingfeste zusammen.“

Was resultierte aus der Standortbestimmung? Werden allenfalls Anpassungen vorgenommen?
„Was bei den Gesprächen genau herauskam, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute aber, dass es leichte Anpassungen geben wird.“

In der SCHLUSSGANG-Ausgabe Nr. 9 vom 20. Juni wurde die neue Beschickung ebenfalls thematisiert. Darin kann man lesen, dass Thedy Waser überzeugt ist, damit den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Sehen das alle so?
„Die fünf Kantonalverbände haben nach den Kantonalen Schwingfesten ein positives Fazit gezogen. Dabei gab es sicher kritische Stimmen. Man ist aber gewillt, diesen Weg so weiterzugehen.“

In einem SCHLUSSGANG-Kommentar von Werner Schönbächler konnte man aber auch lesen, dass sich das neue Beschickungsrecht noch nicht vollends bewährt hat. Er schreibt: „Aus wirtschaftlicher Sicht war eine Steigerung der Zuschauerzahlen zu verzeichnen. Es fragt sich nur, ob die kleinen Kantonalverbände den Mehraufwand über Jahre hinweg stemmen können.“ Sind den Verantwortlichen gar grössere Probleme von Seiten der Kantonalverbände gemeldet worden?
„Eigentlich sind keine grösseren Probleme bekannt. Beim Luzerner Kantonalen bestand ein zeitliches Problem. Das ist aber kein Wunder bei der grossen Anzahl Schwinger. Es ist mir aber nicht bekannt, dass 2018 weniger Schwinger an dieses Kantonale gehen könnten. Ich denke, dass die Zahlen so beibehalten werden. Bei den sogenannt kleinen Kantonalen wie dem Urner, Zuger und Ob-/Nidwaldner möchte man überdies nicht mehr als die vorgegebenen 200 Schwinger zulassen.“

In oben erwähnter SCHLUSSGANG-Ausgabe erwähnte Waser zudem, dass mit der neuen Regelung auch mehr attraktive Gänge zu sehen waren. Welche sportlichen Auswirkungen wurden noch festgestellt?
„Neben mehr attraktiveren Gängen gab es bedeutend mehr Neukranzer, nämlich insgesamt 29 (Vorjahr 14). Weitere sportliche Auswirkungen habe ich keine festgestellt.“

Welches Feedback habt ihr von den Schwingern vernommen?
„Ich beziehe mich auf die Muotathaler Schwinger, da ich von den anderen eigentlich nichts Weiteres vernommen habe. Unsere Schwinger äusserten Vor- und Nachteile bei der Umstellung. Vorher gingen sie zusammen als ganzes Team ans Schwyzer und Zuger Kantonale. Jetzt gehen sie wohl gemeinsam ans Schwyzer, aber in kleineren Gruppen an die anderen Kantonalen. Für ältere Schwinger war dies sicher eine grössere Umstellung. Die kleineren Gruppen werden von einzelnen Schwingern nicht unbedingt geschätzt.“

Was stach dir wegen dem neuen Beschickungsrecht persönlich am meisten ins Auge, sowohl positiv wie negativ?
„Negativ war sicher, dass man diejenigen Schwinger, die schlecht geschwungen haben, nicht miteinander um den Kranz eingeteilt hat.
Positiv ist, dass Schwyzer Schwinger den ersten Kranz gewannen, welche schon länger reif dafür gewesen waren. Weiter darf man als positiv erwähnen, dass es eine bessere Durchmischung der Paarungen gab, da die Schwinger nun an verschiedenen Kantonalen starten durften.“

Wie beurteilst du nach den Kantonalen und dem Teilverbandsfest die schwingerische Situation in der Innerschweiz?
„Die Situation in der Innerschweiz präsentiert sich gut. Wir konnten beispielsweise die Gäste beim Innerschweizerischen, sowie auf dem Stoos und der Rigi in Schach halten. Mit Marcel Bieri und René Suppiger durften zwei Schwinger ihren ersten Kranzfestsieg feiern. Aber: Ich vermisste teilweise die angriffige Schwingweise. Es wurde manchmal zu passiv geschwungen und man wollte eine Niederlage mit allen Mitteln verhindern. Auf das „Gut“ des Kamprichters habe ich sehr viel gesehen, dass der rechte Griff losgelassen wird, um mit der rechten Hand zusätzlich zu sperren. Ich verstehe zudem nicht, dass um die Kränze manchmal gleich geschwungen wird. Wegen so einer Schwingweise bekomme ich den Eindruck, dass einige Schwinger den Kranz eigentlich gar nicht wollen und sich mit einem Unentschieden zufrieden geben.“

Der Innerschweizerische Teilverband hat wohl am meisten Schwinger. Dennoch gehören nur einige wenige Schwinger zur absoluten Spitze in der Schweiz, welche beim Unspunnenfest um den Titel mitreden können. Woran mag das liegen?
„Woran das liegt, ist schwierig zu sagen. Ich denke, es wird für die Innerschweizer hart werden beim Unspunnen-Schwinget. Dennoch: Wenn alles optimal läuft, haben wir sicher eine Chance für einen Schlussgangteilnehmer, oder gar Sieg. Die Ausgangslage präsentiert sich momentan total offen. Es wird vermutlich ähnlich ablaufen wie in Estavayer. Beim Unspunnen-Schwinget wird es keine einfachen Gänge geben. Vor sechs Jahren hat man auch gedacht, dass es über die Berner läuft.“

Erhofft man sich insgeheim mit dem neuen Beschickungsrecht auch mehr Leistungsbreite, damit man dereinst den Bernern das Leben an Eidgenössischen Anlässen wieder schwerer machen kann?
„Ja, das erhofft man sich damit. Das Ziel ist, dass das Team Innerschweiz dadurch stärker wird.“

feldwaldwiesenblogger

Vorschau mit TK-Chef Christian Schmutz auf das Südwestschweizerische Teilverbandsfest

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: freiburger-nachrichten.ch

Am kommenden Sonntag steht mit dem „Südwestschweizerischen“ bereits Teilverbandsfest Nummer vier auf dem Programm. Der Ehrentag der Romands findet dieses Jahr in Kerzers FR statt und wird vom ortsansässigen Schwingklub organisiert. Als OK-Präsident amtet Daniel Brand, ein ehemaliger Kranzschwinger.

Bei keinem anderen Teilverbandsfest rechnet man den Gästeschwingern aus den anderen vier Teilverbänden so viele Chancen zu. Die Südwestschweizer werden also gefordert sein. Folgende Gäste werden erwartet: Niklaus Zenger, Bernhard Kämpf (BKSV), Andreas Ulrich, Reto Nötzli (ISV), Roger Rychen, Raphael Zwyssig (NOSV) und David Schmid, Christoph Bieri (NWSV).

Als Vorschau auf das Südwestschweizerische in Kerzers führte ich kürzlich mit Christian Schmutz, dem TK-Chef der Südwestschweizer Schwinger, ein Gespräch. Christian war selber aktiver Kranzschwinger und schwang bis 2012. Er war parallel dazu TK-Chef vom Schwingklub Sense (2002 bis 2012). Von 2012 bis Ende 2016 bekleidete der Sensler das Amt des TK-Chefs des Freiburger Kantonalverbandes. Im Januar dieses Jahres wurde er zum TK-Chef des Südwestschweizerischen Schwingerverbandes gewählt.


Christian Schmutz, seit Januar 2017 TK-Chef der Südwestschweizer

Was erwartest du von den Südwestschweizer Schwingern beim eigenen Teilverbandsfest?
Christian lacht. „Gute Frage. Wenn acht Eidgenossen aus der Deutschschweiz kommen, werden wir sehr gefordert sein. Und: Wenn der Festsieg in unseren Reihen bleiben würde, wäre das eine grosse Überraschung. Trotzdem: Chancenlos sind wir nicht. Denn letztes Jahr stand Steven Moser beim Südwestschweizerischen in Aigle VD im Schlussgang. Wenn unsere Schwinger dem einen oder anderen Gast ein Bein stellen können, wäre das für uns sicher schön.“

Nach den schönen Kranz-Erfolgen in den letzten Wochen von Steven Moser, Pascal Piemontesi, Johann Borcard, Victor Cardinaux, Marc Gottofrey und Samuel Dind erkennt man in meinen Augen eine Trotzreaktion nach dem missglückten Eidgenössischen. Auf was führst du die jüngsten Erfolge zurück?
„Trotzreaktion würde ich dem nicht sagen. Für mich ist das eine normale Entwicklung. Ausser Piemontesi und Dind sind das alles junge Schwinger, welche sich entwickeln und stetig steigern. Diese haben nach dem Eidgenössischen den Kopf nicht in den Sand gesteckt und haben weiter trainiert und an sich gearbeitet.“

Habt ihr nach dem ESAF2016 eigentlich bewusst an einigen Stellen den berühmten Hebel angesetzt?
„Hebel ansetzen ist vielleicht der falsche Ausdruck. Dass es nach dem Eidgenössischen Änderungen gibt, ist normal. Ich übernahm anfangs Jahr als TK-Chef das Team. Da gibt es zwangsläufig Veränderungen. Übrigens: Die Entscheidung, TK-Chef der Südwestschweizer zu werden, fiel nicht gleich nach dem ESAF2016. Ich wurde an der Delegiertenversammlung im vergangenen Januar gewählt. Und: Ich bin aktuell noch nicht dort, wo ich betreffs Strukturen und Organisation sein möchte.“

Starke Gästeschwinger werden an eurem Teilverbandsfest erwartet. Wer könnte am Ende obenaus schwingen?
Der TK-Chef schmunzelt. „Sicher die acht Gäste. Wie bereits erwähnt, der Festsieg wird erwartungsgemäss über sie laufen. Ich hoffe, dass Steven Moser, Lario Kramer oder Pascal Piemontesi ein Wörtchen mitreden werden, und die Gäste allenfalls ärgern können.“

Wären gar die angesprochenen Steven Moser oder Pascal Piemontesi bereit für den ganz grossen Coup in Kerzers?
„Das ist schwierig zu sagen. Rein vom Leistungsausweis her gesehen traue ich das am ehesten Steven Moser zu. Beim Waadtländer Kantonalen gewann er kürzlich sein erstes Kranzfest und beim Schwarzsee-Schwinget erkämpfte sich Steven mit einem guten Notenblatt den Bergkranz. Beim Bernisch-Kantonalen gewann der Schwinger vom Schwingklub Sense zudem den begehrten Teilverbandskranz. Ob das reicht, wird sich zeigen. Eventuell gibt es eine Überraschung.“

Nebst den oben erwähnten Schwingern: Welche weiteren Südwestschweizer Schwinger siehst du in Zukunft auch an der Spitze eures Verbandes?
„Sicher Lario Kramer und Steve Duplan. Das sind zwei junge Schwinger, welche ein grosses Potenzial aufweisen. Es gibt sicher noch andere. Zum Beispiel Benjamin Gapany, welcher derzeit einen Kreuzbandriss auskuriert. Marc Guisolan, der momentan wegen Problemen mit einer Entzündung im Rücken lädiert ist, könnte auch eine Leaderfunktion übernehmen.“

Zum Teilverbandsfest: Darf man in Kerzers quasi ein Mini-Eidgenössisches erwarten?
„Die Stimmung wird sicher gut sein. Werner Jakob, welcher beim ESAF2016 als Resort-Leiter Sport amtete, und seine Leute vom Schwingklub Kerzers haben sicher den guten Geist von Estavayer mitgenommen. Diesen wird man am kommenden Sonntag garantiert spüren. Denn der Schwingklub Kerzers war sehr stark beim Eidgenössischen engagiert. So wird beispielsweise zum ersten Mal eine gedeckt Tribüne beim Südwestschweizerischen aufgebaut.“

Wie ist die Stimmung bei den Südwestschweizer Schwingern vor ihrem Ehrentag?
„Sicher gut. Das eigene Teilverbandsfest spielt eine zentrale Rolle im Kalender unserer Schwinger. Sie sind motiviert, sich mit den Gästen zu messen.“

Welche Zielsetzungen gebt ihr hinsichtlich Unspunnen-Schwinget heraus? Wann erfolgt die Selektionierung?
„Die Selektionierung erfolgt am Abend des 13. Augustes, nach dem Walliser Kantonalen. Zehn Schwinger können wir selektionieren. Die Zielsetzung dabei ist folgende: Die Schwinger sollen wertvolle Erfahrung sammeln und möglichst gute Resultate erreichen. Am Unspunnenfest spricht man eigentlich nur vom Sieger. Wenn das ein Westschweizer sein sollte, wäre das eine Riesenüberraschung. Wir werden aber sehr wahrscheinlich nicht um den Festsieg kämpfen. Deshalb: Wir wollen so gute Resultate wie möglich erreichen.“

Zum Schluss: Wie beurteilst du deine Arbeit seit deinem Amtsantritt im vergangenen Januar?
„Im Prinzip sollten eigentlich die anderen mich beurteilen, nicht ich mich selber. Aber: Ich habe mir auch Ziele gesetzt, und bin noch nicht dort, wo ich sein möchte. Ende Saison werden wir das ganze begutachten und ein Fazit ziehen. Dann schauen wir, wo ich noch ansetzen muss.“

feldwaldwiesenblogger

Stefan Burkhalter könnte auf der Rigi zum Hunderterklub aufsteigen – Ein Gespräch

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Der Turnerschwinger Stefan Burkhalter könnte bereits schon an diesem Sonntag beim Rigi-Schwinget zum erlauchten Hunderterklub aufsteigen. Diesem gehören bisher 22 Schwinger an. Ein Kranzgewinn fehlt dem Thurgauer dazu noch. Den 99. Kranz erkämpfte sich der 43-Jährige kürzlich beim Nordostschweizerischen Teilverbandsfest in Davos. Diese Ausgangslage war für mich Grund genug, am Dienstag dieser Woche nach Homburg TG zu fahren und den ältesten noch aktiven Eidgenossen zu besuchen. Im Gespräch konfrontierte ich „Burki“, wie er von seinen Fans genannt wird, mit zehn Stichworten.


Stefan Burkhalter beim Gespräch

Der schwingerische Werdegang
„Ich habe spät mit dem Schwingsport begonnen. Das war an einem Mittwoch, 1. Juni 1988, notabene an meinem 14. Geburtstag. Ich bekam ein Moped und fuhr an mein erstes Schwingtraining. Den ersten Kranz erkämpfte ich mir am 1. Mai 1994. Ende Dezember 1998 gewann ich den Niklaus-Schwinget und am 2. Januar 1999 den Berchtold-Schwinget. Den eigentlichen Durchbruch gelang mir 1999, wo ich fünf oder sechs Festsiege feiern konnte.
Ab dem 1. Januar 1999 sind wir Schwinger der Dopingkontrolle unterstellt und am 3. Januar standen sie bereits bei mir auf der Matte.
Ich gewann 2001 in Nyon und 2010 in Frauenfeld den Eidgenössischen Kranz. Meine beste Saison war sicher 2014, in welcher ich acht Kränze gewinnen konnte.
Soweit ich mich erinnere, fiel ich in meiner bisherigen Karriere während vier Saisons verletzungsbedingt aus.
Mein erstes Ziel ist der 100. Kranz und mein zweites und eigentliches Ziel sind 103 Kränze. Damit wäre ich im Thurgau der alleinige Rekordhalter. Denn dieser Rekord hält derzeit mit 102 Kränzen der legendäre Otto Brändli.“

Die grössten Erfolge
„Das sind sicher die beiden Siege auf der Schwägalp (2006 und 2010) und die beiden Eidgenössischen Kränze. Zudem gewann ich je einmal den Stoos-Schwinget (2004) und das Appenzeller Kantonale (2001).“

Die Motivation, mit 43 Jahren immer noch zu schwingen
„Die Hauptmotivation ist die Freude. Ich sage immer, wenn du an etwas Freude hast, geht alles andere einfacher. Ich vergleiche das ein wenig mit der Arbeit am Computer: Einer der gern daran arbeitet, beherrscht das ohne Probleme. Derjenige, welcher das nicht gerne macht, weiss nicht mal recht, wie dieser funktioniert. Klar, es ist ebenfalls wichtig, dass der Erfolg da ist. Gerade mit dem Aufwand, den ich und mein Umfeld betreiben, sollte Aufwand und Ertrag schon stimmen. Denn lächerlich machen möchte ich mich sicher nicht.“

Die Familie
„Das ist natürlich etwas Wichtiges. Denn ohne sie geht es schlicht und einfach nicht, auch mit dem Bauernbetrieb den ich führe. Ich kann aus dem Haus, und weiss, dass es zuhause funktioniert. Ich stehe zwar im Vordergrund. Man darf aber nie die Leute im Hintergrund vergessen.“


„Burki“ auf seinem Hof

Die verschiedenen beruflichen Tätigkeiten
„Meine Haupttätigkeit ist Landwirt. Ich führe einen Landwirtschaftsbetrieb mit 38 Kühen. Daneben habe ich ein zweites Standbein mit einem Personenschutz- und Limousinen-Service aufgezogen. Das heisst, dass ich dabei unter anderem Leute chauffiere oder heikle Dokumente von A nach B transportiere.
Die Landwirtschaft nimmt dabei etwa 80 Prozent meiner Tätigkeit ein, und der angesprochene Service rund 20 Prozent.“

Das intensive Training
„Gerade heute Morgen habe ich mit meinem Personaltrainer ein intensives Training absolviert. Im Winter betreibe ich einen relativ grossen Aufwand. Als Landwirt habe ich den Vorteil, dass im Winter weniger Arbeit anfällt. Denn die Hauptvorbereitungszeit für den Schwingsport ist im Winter. Während dieser Zeit trainiere ich zwischen 20 und 22 Stunden pro Woche. Im Sommer finden mehr sogenannte Erhalts-Trainings statt, und ich fahre den Trainingsaufwand herunter. Denn ich mache relativ viele Schwingfeste.
In dieser Woche, vor dem Rigi-Schwinget, trainiere ich etwa acht Stunden. Das sind Kraft, Koordination, Kondition und Schwingen. Ich absolviere dabei zwei Schwingtrainings.“

Das Team Burki
„Dahinter steckt die Betreuung durch eine Masseurin, einen Personaltrainier, einen Ernährungs-Coach, einen Anwalt und einige weitere Personen. Der Personaltrainer stellt mir dabei ein komplettes Trainings-Programm zusammen, welches das Schwingtraining aber nicht beinhaltet. Das Schwingtraining bestreite ich bei meinem Schwingklub Ottenberg, wo auch Samuel Giger und die Gebrüder Schneider (Domenic und Mario) angehören.“

Burki, das unverwüstliche Stehaufmännchen
„Als Beispiel kann man sicher den Kilchberg-Schwinget 2014 erwähnen. Ich verletzte ich mich dort schon im ersten Gang gegen Christian Schuler, und riss mir dabei das Syndesmoseband an. Bei jenem Schwingfest wurde mir nach jedem Gang eine Spritze verabreicht, damit ich keine Schmerzen verspürte. Ob dies schlau war oder nicht, sei jetzt mal dahingestellt. Auf jeden Fall ging es trotz Verletzung einigermassen gut und ich konnte zu Ende schwingen. Dabei stellte ich unter anderem mit Matthias Glarner und gewann gegen Reto Nötzli. Trotzdem war es nicht das, was ich mir erhofft habe. Der Ausdruck „Stehaufmännchen“ passt also schon.
Letztes Jahr hatte ich eine Verletzung an den Adduktoren. Die linke war dabei zu zweidritteln gerissen und die rechte zu einem Drittel. Das passierte am 3. April 2016. Ich habe mich dann mit Schmerz- und Eigenblut-Spritzen durch die ganze Saison hindurch geseucht, auch durch das Eidgenössische. Am 3. September nahm ich noch beim Hochwacht-Schwinget teil. Anschliessend liess ich ein MRI machen und nach dem genauen Befund habe ich sieben Monate nicht mehr geschwungen. Ich trainierte in dieser Zeit nur was möglich war, wie beispielsweise Kondition. Jetzt spüre ich an den Adduktoren nichts mehr. Deshalb muss ich sagen, dass diese Saison bisher recht gut verlief. Das Ganze ist jeweils schon ein Kampf.“


Gelingt Stefan Burkhalter auf der Rigi der 100. Kranz?

Allgemeine Gedanken zum Schwingsport
„Schön ist, dass man die Regelung mit der Teilnahme an mindestens vier Regionalschwingfesten durchgebracht hat. Denn auf diese Regelung habe ich schon länger gepocht. Ich bestreite relativ viele Rangschwinget, denn diese Feste haben auch ihre Daseinsberechtigung. Mit dieser Massnahme zwingt man die Spitzenschwinger zur Teilnahme. Ich verstehe nicht, dass gewisse Schwinger solche Schwingfeste sonst nicht bestreiten würden. Denn sie sind in meinen Augen das beste wettkampfmässige Training. Und die Ausrede wegen der Verletzungsgefahr lasse ich nicht gelten. Verletzen kann man sich auch beim Training.
Wo man in Zukunft noch mehr den Hebel ansetzen sollte, ist die Notengebung bei gestellten Gängen. Meine Idee ist, dass die Grundnote bei gestellten Gängen auch eine 8.50 wäre. Eine 9.00 muss man sich mit einer aktiven Schwingweise regelrecht verdienen. Denn eine 8.75 tut einem Schwinger, der sich absolut passiv verhält, nicht unbedingt weh. Aber: Zwei gestellte Gänge mit je einer Note 8.50 tun dann sicher weh.
Zudem könnten die Kampfrichter an den Tischen die aktiven Züge der beiden Schwinger zählen und so in die Bewertung einfliessen lassen.
Weiter sollte in meinen Augen ab Stufe Kantonal- oder Gauschwingfest die Gangdauer von Anfang an sechs Minuten betragen. Eine Gangdauer von vier Minuten bei den Aktiven sollte sowieso abgeschafft werden. Die Basisdauer bei Regionalschwingfesten sollte auf fünf und bei Kantonal- oder Gauschwingfesten auf sechs Minuten angesetzt sein.“

Die Zukunft
„Die Zukunft ist unter anderem die Arbeit mit meinem Sohn Thomas. Mein Junior ist jetzt 14-jährig, 179 Zentimeter gross, 85 Kilogramm schwer und trägt Schuhgrösse 47. Beim diesjährigen NOS der Jungschwinger belegte er den zweiten Rang mit 58.50 Punkten. In der Nordostschweiz zählt er zur absoluten Spitze. Wenn das so weitergeht, wird das eine gute Sache. Denn er wird von den denselben Trainern betreut, welche sich dereinst auch um Samuel Giger oder die Gebrüder Schneider gekümmert haben. Zurzeit kümmere ich mich, was den Schwingsport anbelangt, noch nicht um ihn.
Was ich mir in Zukunft auch vorstellen könnte, wäre der Job des Technischen Leiters.
Diese Saison schwinge ich sicher zu Ende und mein Hauptziel bleibt das Erreichen der angesprochenen 103 Kränze. Ich starte diese Saison noch bei vier Kranzfesten. Nämlich auf der Rigi, dem Brünig, der Schwägalp und beim Schaffhauser Kantonalen. Bisher erreichte ich beim Thurgauer Kantonalen und beim NOS insgesamt zwei Kränze. Beim Glarner-Bündner und beim Zürcher Kantonalen fehlte mir jeweils das berühmte Vierteli.
Seit 2010 plane ich nicht mehr auf drei Jahre hinaus, sondern nehme Saison um Saison. Ende September geht die Schwingfestsaison zu Ende und ich mache zwei Monate Pause, während der ich trainingsmässig überhaupt nichts mache. Dann überlege ich mir, ob ich auch 2018 schwingen werde. Und meine Familie muss natürlich bei der Entscheidungsfindung auch miteinbezogen werden.“

feldwaldwiesenblogger