Gedanken zu den Regeländerungen und der schwingerischen Situation in der Innerschweiz

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Am 20. Februar dieses Jahres stellte ich folgenden Blogbeitrag online: Regeländerungen im Innerschweizer Verbandsgebiet – Schwingexperte René Schelbert gibt Auskunft. Ich vereinbarte damals mit René, im Verlauf des Jahres über die Regeländerungen ein weiteres Gespräch zu führen.

Zur Erinnerung nochmals die Regeländerungen
Im Verbandsgebiet der Innerschweizer trat eine neue Beschickung bei den Kantonalen Schwingfesten in Kraft. Auf 2017 hin wurde ein Verteiler anhand der Schwingerzahlen von 2016 gemacht. Den Verteiler nahm die Technische Kommission des Innerschweizerischen Schwingerverbandes (ISV-TK) im Herbst 2016 vor. Beim Schwyzer und dem Luzerner Kantonalen dürfen nun je 240 Schwinger antreten. Am Ob-/Nidwaldner, Urner und am Zuger je 200. Von diesen Schwingern dürfen maximal 45 Prozent Kranzschwinger sein, der Rest sind Nichtkranzer.
Für die Schwinger hat dies folgende Auswirkungen: Jeder Schwinger kann nebst seinem eigenen Kantonalen maximal an zwei auswärtigen Kantonalen im ISV-Gebiet antreten. Wenn ein Schwinger ein auswärtiges Kantonales im ISV-Gebiet besuchen will, muss er im Vorjahr mindestens vier Rangschwingfeste im ISV-Gebiet besucht haben. Über Ausnahmen entscheidet die ISV-TK.

Betreffs Einteilung gibt es auch eine Änderung: Neu stellt der durchführende Kantonalverband den Obmann plus zwei Einteilungsmitglieder. Dazu stellt jeder andere Kantonalverband je ein Einteilungsmitglied.
Die Kampfrichter-Beschickung sieht nun so aus: Der durchführende Kantonalverband stellt bei jedem Schwingplatz einen eigenen Kampfrichter. Die restlichen Kampfrichter werden gemäss Schwingerzahl aus den anderen Kantonalverbänden aufgeteilt.

René erklärte mir im Februar, dass von 2017 bis 2019 mit diesen Neuerungen eine Versuchsphase laufe. Weiter gab er mir zu Protokoll, dass nach dem letzten Kantonalen eine Standortbestimmung durchgeführt wird. Allenfalls werden Anpassungen vorgenommen. Das Ziel ist, dies 2020 so weiterzuführen.

René Schelbert ist Präsident vom Schwingklub Muotathal, Vorstandsmitglied im Schwyzer Kantonalverband und im Innerschweizer Schwingerverband. Im Schwyzer Kantonal-Vorstand nimmt der ehemalige Schwinger als Vertreter vom Schwingklub Muotathal und als Vertreter vom ISV-Vorstand Einsitz. Im ISV-Vorstand versieht René das Amt des Sekretärs.


René Schelbert im Gespräch

Wurde die angesprochene Standortbestimmung durchgeführt? Wer war dabei?
„Es fanden zwei Standortbestimmungen statt. Bei der ersten trafen sich die fünf Kantonalen Technischen Leiter und der ISV-TK-Chef Thedy Waser. Bei der anderen Standortbestimmung kamen alle Einteilungsmitglieder der diesjährigen Kantonalen Schwingfeste zusammen.“

Was resultierte aus der Standortbestimmung? Werden allenfalls Anpassungen vorgenommen?
„Was bei den Gesprächen genau herauskam, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute aber, dass es leichte Anpassungen geben wird.“

In der SCHLUSSGANG-Ausgabe Nr. 9 vom 20. Juni wurde die neue Beschickung ebenfalls thematisiert. Darin kann man lesen, dass Thedy Waser überzeugt ist, damit den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Sehen das alle so?
„Die fünf Kantonalverbände haben nach den Kantonalen Schwingfesten ein positives Fazit gezogen. Dabei gab es sicher kritische Stimmen. Man ist aber gewillt, diesen Weg so weiterzugehen.“

In einem SCHLUSSGANG-Kommentar von Werner Schönbächler konnte man aber auch lesen, dass sich das neue Beschickungsrecht noch nicht vollends bewährt hat. Er schreibt: „Aus wirtschaftlicher Sicht war eine Steigerung der Zuschauerzahlen zu verzeichnen. Es fragt sich nur, ob die kleinen Kantonalverbände den Mehraufwand über Jahre hinweg stemmen können.“ Sind den Verantwortlichen gar grössere Probleme von Seiten der Kantonalverbände gemeldet worden?
„Eigentlich sind keine grösseren Probleme bekannt. Beim Luzerner Kantonalen bestand ein zeitliches Problem. Das ist aber kein Wunder bei der grossen Anzahl Schwinger. Es ist mir aber nicht bekannt, dass 2018 weniger Schwinger an dieses Kantonale gehen könnten. Ich denke, dass die Zahlen so beibehalten werden. Bei den sogenannt kleinen Kantonalen wie dem Urner, Zuger und Ob-/Nidwaldner möchte man überdies nicht mehr als die vorgegebenen 200 Schwinger zulassen.“

In oben erwähnter SCHLUSSGANG-Ausgabe erwähnte Waser zudem, dass mit der neuen Regelung auch mehr attraktive Gänge zu sehen waren. Welche sportlichen Auswirkungen wurden noch festgestellt?
„Neben mehr attraktiveren Gängen gab es bedeutend mehr Neukranzer, nämlich insgesamt 29 (Vorjahr 14). Weitere sportliche Auswirkungen habe ich keine festgestellt.“

Welches Feedback habt ihr von den Schwingern vernommen?
„Ich beziehe mich auf die Muotathaler Schwinger, da ich von den anderen eigentlich nichts Weiteres vernommen habe. Unsere Schwinger äusserten Vor- und Nachteile bei der Umstellung. Vorher gingen sie zusammen als ganzes Team ans Schwyzer und Zuger Kantonale. Jetzt gehen sie wohl gemeinsam ans Schwyzer, aber in kleineren Gruppen an die anderen Kantonalen. Für ältere Schwinger war dies sicher eine grössere Umstellung. Die kleineren Gruppen werden von einzelnen Schwingern nicht unbedingt geschätzt.“

Was stach dir wegen dem neuen Beschickungsrecht persönlich am meisten ins Auge, sowohl positiv wie negativ?
„Negativ war sicher, dass man diejenigen Schwinger, die schlecht geschwungen haben, nicht miteinander um den Kranz eingeteilt hat.
Positiv ist, dass Schwyzer Schwinger den ersten Kranz gewannen, welche schon länger reif dafür gewesen waren. Weiter darf man als positiv erwähnen, dass es eine bessere Durchmischung der Paarungen gab, da die Schwinger nun an verschiedenen Kantonalen starten durften.“

Wie beurteilst du nach den Kantonalen und dem Teilverbandsfest die schwingerische Situation in der Innerschweiz?
„Die Situation in der Innerschweiz präsentiert sich gut. Wir konnten beispielsweise die Gäste beim Innerschweizerischen, sowie auf dem Stoos und der Rigi in Schach halten. Mit Marcel Bieri und René Suppiger durften zwei Schwinger ihren ersten Kranzfestsieg feiern. Aber: Ich vermisste teilweise die angriffige Schwingweise. Es wurde manchmal zu passiv geschwungen und man wollte eine Niederlage mit allen Mitteln verhindern. Auf das „Gut“ des Kamprichters habe ich sehr viel gesehen, dass der rechte Griff losgelassen wird, um mit der rechten Hand zusätzlich zu sperren. Ich verstehe zudem nicht, dass um die Kränze manchmal gleich geschwungen wird. Wegen so einer Schwingweise bekomme ich den Eindruck, dass einige Schwinger den Kranz eigentlich gar nicht wollen und sich mit einem Unentschieden zufrieden geben.“

Der Innerschweizerische Teilverband hat wohl am meisten Schwinger. Dennoch gehören nur einige wenige Schwinger zur absoluten Spitze in der Schweiz, welche beim Unspunnenfest um den Titel mitreden können. Woran mag das liegen?
„Woran das liegt, ist schwierig zu sagen. Ich denke, es wird für die Innerschweizer hart werden beim Unspunnen-Schwinget. Dennoch: Wenn alles optimal läuft, haben wir sicher eine Chance für einen Schlussgangteilnehmer, oder gar Sieg. Die Ausgangslage präsentiert sich momentan total offen. Es wird vermutlich ähnlich ablaufen wie in Estavayer. Beim Unspunnen-Schwinget wird es keine einfachen Gänge geben. Vor sechs Jahren hat man auch gedacht, dass es über die Berner läuft.“

Erhofft man sich insgeheim mit dem neuen Beschickungsrecht auch mehr Leistungsbreite, damit man dereinst den Bernern das Leben an Eidgenössischen Anlässen wieder schwerer machen kann?
„Ja, das erhofft man sich damit. Das Ziel ist, dass das Team Innerschweiz dadurch stärker wird.“

feldwaldwiesenblogger

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