Besuch beim vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich auf dem Bergheimet Föhnenberg – Teil 1

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Am 17. Juli, ein Tag nach dem denkwürdigen Südwestschweizerischen Schwingfest in Kerzers FR, besuchte ich den vierfachen Eidgenossen Andi Ulrich. Ich fuhr zum Bergheimet Föhnenberg hoch, welches sich auf knapp 1000 Metern über Meer auf der Gemeindefläche von Gersau SZ befindet. Auf dem Föhnenberg hat man eine atemberaubende Aussicht auf den Vierwaldstättersee und die umliegenden Berge. Andi wohnt hier mit seiner Frau Nadine und den beiden Kindern Damian und Julian in einer idyllischen Bergwelt.

Der gelernte Forstwart arbeitet in einem 80 Prozent-Pensum als Maschinist bei der Christen Gartenbau AG in Küssnacht SZ. Mit den restlichen 20 Prozent betreibt er das Bergheimet mit elf Kühen und acht Rindern, bei welchem ihm auch seine Eltern zur Hand gehen. Diese wohnen nämlich auch auf dem Föhnenberg. Die Wurzeln von Andi sind im Bisisthal SZ zu finden, geboren und aufgewachsen ist er aber hoch ob Gersau.

Der Sennenschwinger fing 1996 mit dem Schwingsport an und holte sich 2003 beim Schwyzer Kantonalen seinen ersten Kranz. Inzwischen nennt der 181 Zentimeter grosse und 100 Kilogramm schwere Athlet 78 Kranz-Exemplare sein eigen und durfte schon acht Kranzfestsiege feiern. Andi erkämpfte sich 2017 bisher sechs Kränze und gewann mit dem Schwyzer Kantonalen ein Kranzfest. Alles in allem eine starke Saison, welche sich mit grossen Schritten dem Saisonhöhepunkt nähert.


Andi Ulrich wohnt mit seiner Familie inmitten einer idyllischen Bergwelt

Du bist mit dem bisherigen Saisonverlauf sicher zufrieden. Was waren aus deiner Sicht die Highlights?
„Ein Highlight war sicher der Sieg beim Schwyzer Kantonalen, welcher für mich relativ unerwartet kam. Weiter die Schlussgang-Qualifikation beim Innerschweizerischen. Der Schlussgang selber war kein Highlight. Schön war aber, dass ich bei so einem Fest so weit gekommen bin.“

Gibt es etwas, was nicht ganz nach deinem Gusto verlief?
„Das Verpassen des Stoos-Kranzes, diesen hätte ich gerne gewonnen. Denn es wäre für mich der zehnte Stoos-Kranz gewesen. Es lief mir dort nicht nach Wunsch. Aber es ist ein Bergkranzfest und an diesen ist es einfach zäh.“

Was meinst du zu den fragwürdigen Entscheiden beim Südwestschweizerischen in Kerzers?
„Es lief eindeutig gegen die Gästeschwinger, und insbesondere gegen Reto Nötzli. Zum sechsten Gang von Reto gilt es zu erwähnen: Das Abrollen in einem Zug wird seit 2008 mit der Note Zehn gewertet. Die beiden Kampfrichter am Tisch waren wohl für die Zehn, der Platzkampfrichter hingegen nicht. Reto ist ein anständiger und korrekter Schwinger. Diese Notengebung liess er sich aber nicht gefallen und sagte, dass er im Einteilungsbüro vorsprechen werde. Mit der Begründung, dass das nicht korrekt sei, was gerade abgelaufen sei. Zum Glück ging man im Einteilungsbüro darauf ein und schrieb Reto nachträglich die Zehn. So kam er zum verdienten Co-Sieg. Denn ihm wurde im fünften Gang für einen Plattwurf die Maximalnote verwehrt. So wäre er sogar im Schlussgang gestanden.
Als Nötzli nach dem sechsten Gang die Maximalnote erst nicht geschrieben wurde, ging ISV-TK-Chef Thedy Waser nach dem fragwürdigen Entscheid zum Tisch der angesprochenen Kampfrichter. Waser fragte, ob sie den neuen Passus im technischen Regulativ betreffs des Abrollens in einem Zug kennen. Sie entgegneten ihm, dass sie das nicht wussten. Weiter mischte sich Waser bei dieser Situation aber nicht ein.“

Hast du die schnelle Niederlage im Schlussgang des Innerschweizerischen inzwischen verdaut? Oder anders gefragt: Wie verarbeitet man so etwas?
„Verdaut habe ich es inzwischen. Wenn mich nicht jemand darauf anspricht, würde ich gar nicht mehr daran denken. In der Woche nach dem Innerschweizerischen war es natürlich sehr präsent. Betreffs Verarbeiten: Du musst einfach das Positive sehen, und es nützt nichts, sich zu ärgern wenn man im ersten Zug verloren hat. Das würde mich mental nur bremsen. Das Positive daran ist, dass ich es in den Schlussgang gebracht habe, und für mich so gesehen das Highlight des Tages war. Dies half mir auch, schnell darüber hinweg zu kommen.“


Der sympathische Sennenschwinger beim Gespräch

Inwiefern beschäftigt einen Schwinger die Tatsache, dass sich auf der Rigi gleich zwei ISV-Team-Kameraden zum Teil schwer verletzt haben?
„Das ist einfach Pech. Ich bin jeweils immer zufrieden, wenn ich am Abend gesund die Heimreise antreten kann. Klar gehört der sportliche Ehrgeiz dazu. Aber: Es ist sehr viel wert, gesund heimzukommen, auch ohne Kranz.“

Wie bringst du Familie, Schwingsport, Beruf und Bauernbetrieb unter einen Hut?
Andi lacht. „Mit einer guten Frau und guten Eltern. Sie unterstützen mich voll und ganz, damit ich unbeschwert an Schwingfeste und an Trainings fahren kann. Es kommt eher von mir aus, dass ich den Trainingsaufwand reduziert habe, vor allem im Sommer. Denn im Sommer trainiere ich nicht viel. Es ist einfach etwas Anderes, wenn man Familienvater ist, und daheim einen Betrieb hat. Es wird für einen wichtiger. Wenn ich im Sommer nach Hause komme, stehen diese und jene Arbeiten wie das Heuen an. Im Winter sieht das wieder anders aus. Da steht mir mehr Zeit für das Training zur Verfügung.“

Ist dein momentaner Trainingsaufwand geringer als in jüngeren Jahren? Hat sich dieser im Verlauf der letzten zehn Jahre gross verändert?
„Ja, das ist er. Früher habe ich im Winter fünfmal pro Woche trainiert, heute sind es maximal drei Trainings. Nebst zwei Schwingtrainings steht eine Einheit Kondition auf dem Programm. Manchmal bestreite ich zudem ein Krafttraining, dann gehe ich aber nur an ein Schwingtraining.
Im Sommer besuche ich meist nur ein Schwingtraining, ausnahmsweise zwei. Denn es stehen viele Schwingfeste an. Ich vertraue soweit auf meine Fähigkeiten und verzichte wegen den bei der vorherigen Frage angesprochenen Umstände auf mehr Trainings.“

Hast du bewusst relativ viele Vorbereitungs-Schwingfeste im Frühling bestritten, um so in den Rhythmus für die Kranzfeste zu kommen?
„Das ist unbestritten so, und man muss wegen der neuen Regelung auch mindestens an vier Rangschwingfesten teilnehmen. So startete ich beim Hallenschwinget Sarnen, beim Frühjahrsschwinget Oberarth, beim Muotathaler Rangschwinget und beim Frühjahrsschwinget Ibach. Mir gehen die Schwingfeste im Frühling viel einfacher von der Hand, als im Herbst. Da wir bei uns in der Innerschweiz vor dem Beginn der Kranzfestsaison relativ viele Rangschwinget haben, kann man die erwähnte Regelung ohne Probleme einhalten und hat vor dem Beginn des ersten Kranzfestes sogar noch eine genügend lange Pause.“

Der zweite Teil des Gespräches mit Andi Ulrich folgt in einigen Tagen. Dabei geht es unter anderem um Krafttraining, was er jüngeren Teamkollegen rät, um einen Ausblick auf den Unspunnen-Schwinget und ob er 2019 in Zug dabei ist.

feldwaldwiesenblogger