Vorschau mit Jasmin Gäumann auf den Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwinget

Text: feldwaldwiesenblogger

Übermorgen Samstag kommt im luzernischen Schachen der Eidgenössische Frauen- und Meitlischwinget zur Austragung. Ein Organisations-Komitee (OK) rund um Nicole Kurmann hat sich gut vorbereitet und freut sich auf den Anlass. Wie schon letztes Jahr in Siebnen SZ profitiert auch das diesjährige OK vom tags darauf stattfindenden Herbstschwinget ihrer männlichen Schwingkollegen. So wird die Infrastruktur und der Wettkampfplatz gemeinsam genutzt, was natürlich organisatorisch einiges vereinfacht.

Die Unterschiede zu den Männern
Anders als bei ihren männlichen Kollegen erküren die Frauen jedes Jahr eine Schwingerkönigin. Und noch etwas läuft anders: Schwingerkönigin wird diejenige Schwingerin, welche 2017 nach sieben Schwingfesten das beste Resultat (inklusive zwei Streichresultaten) ausweist. Der letzte Schwinget der Saison ist jeweils das Eidgenössische.
Anfangs Saison fand in Basel ein Trainingsschwingfest statt, also quasi ein Rangschwingfest. An diesem gab es keine Kränze. Bei allen nachfolgenden Frauenschwingfesten wurden Kränze abgegeben.
Die Mitgliederzahlen beim Eidgenössischen Frauenschwingverband (EFSV) sind zwar stetig steigend, trotzdem sind sie um einiges kleiner als bei den Männern und Buben. Aus diesem Grund werden die Schwingfeste der Aktiven (Frauen) und des Nachwuchses (Meitli) jeweils zusammen ausgetragen.

Jasmin Gäumann könnte zum ersten Mal Schwingerkönigin werden
Die amtierende Schwingerkönigin ist Sonia Kälin aus Egg SZ, welche sich kürzlich beim Schwingfest in Raron VS am Knie verletzt hat. Ihre Saison ist leider schon vor dem Saisonhöhepunkt zu Ende. Zurzeit grüsst Kälin von der Spitze der Zwischenrangliste. So wie es aussieht, kann sie ihren Titel aber nicht verteidigen. Denn ebenfalls auf Platz eins befindet sich Jasmin Gäumann. Für die junge Schwingerin wäre es der erste Schwingerköniginnen-Titel.
Grund genug also, wieder mal den Telefonhörer zur Hand zu nehmen. Ich hielt mit Jasmin Vorschau auf das Eidgenössische, und unterhielt mich zudem mit ihr über den Frauenschwingsport, welchen ich nicht sonderlich gut kenne. Immerhin besuchte ich letztes Jahr bei bestem Wetter den Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwinget. Die Bernerin erzählte mir weiter, wie sie zum Schwingsport kam und wieviel sie ins Training investiert.

Steckbrief von Jasmin Gäumann
Jasmin Gäumann ist erst 17 Jahre alt und wohnt in Häutligen BE im Emmental. Sie absolviert eine KV-Lehre und befindet sich derzeit im zweiten Lehrjahr. Nebst dem Schwingsport zählt sie das Reiten zu ihren Hobbys. So reitet sie regelmässig mit Pflegepferden aus. Die Emmentalerin hat zwei Brüder, welche ebenfalls schwingen. Stefan ist sogar Teilverbandskranzer. Jasmin schwingt erst das zweite Jahr bei den Aktiven, und dies ziemlich erfolgreich.


Jasmin Gäumann, nach dem Gewinn des Silberkranzes beim Eidgenössischen Frauenschwinget in Siebnen
Bild: Facebook-Seite von Jasmin Gäumann

Wie geht es dir? Bist du für den Saisonhöhepunkt bereit?
„Mir geht es sehr gut. Ich bin bereit und für den Saisonhöhepunkt parat. Man wird dann sehen, wie es herauskommt.“

So wie ich das beurteile, hast du gute Chancen, erstmals Schwingerkönigin zu werden.
„Letztes Jahr hatte ich einen zu grossen Rückstand auf Sonia Kälin. Dieses Mal könnte es allerdings reichen. So wie es aussieht, müsste ich dafür ziemlich sicher in die Kranzränge kommen.“

Macht dich die Tatsache, dass du Schwingerkönigin werden könntest, nervös?
„Nein, ich bin ziemlich entspannt. Ich lasse mich bei Schwingfesten ganz allgemein nicht gross unter Druck setzen.“

Wie lief es dir in der 2017er-Saison?
„Eigentlich sehr gut. Ich bin mit dem Erreichten sehr zufrieden. Daraus resultierten bisher ein Festsieg in Binningen BL und insgesamt drei Schlussgang-Teilnahmen. Bei den sechs bisher bestrittenen Kranzfesten gewann ich jeweils den Kranz.“

Wann und wie kamst du eigentlich zum Schwingsport?
„Ich kam durch meine beiden Brüder zum Schwingsport. 2008 begann ich mit schwingen und gewann bei den Meitli-Kategorien viermal die Jahreswertung sowie 37 Zweige. Übrigens: Bei den Meitli spricht man in der Endabrechnung nicht von „Schwingerkönigin“, sondern von Siegerin der Jahreswertung.“

Wie viele Kränze und Festsiege hast du bisher bei den Aktiven gewonnen?
„Mit dem Silberkranz von Siebnen sind es insgesamt elf Kränze. Den Silberkranz gibt es jeweils für die Zweitplatzierte der Jahreswertung. Die Schwingerkönigin wird mit dem Goldkranz gekrönt. Für die nachfolgend rangierten Kranzgewinnerinnen gibt es einen grünen Kranz.
Ich konnte bei den Aktiven bisher zwei Schwingfeste gewinnen, eines 2016 und eines dieses Jahr.“

Wie oft trainierst du pro Woche? Wie sehen diese Einheiten aus?
„Meistens gehe ich ein bis zweimal pro Woche in den Schwingkeller, und je nach Zeit ein oder zweimal ins Krafttraining. Wenn noch etwas Zeit übrigbleibt, gehe ich ausreiten.“

Was sind deine bevorzugten Schwünge?
„Ich bin eher eine Standschwingerin und wende am meisten den Kurz an. Je nach Gegnerin und Situation kommen aber auch andere Schwünge zum Einsatz.“

Hattest du in deiner bisherigen Karriere auch schon Verletzungen zu beklagen?
„Nein, zum Glück nicht. Kleinere Blessuren oder Muskelkater habe ich natürlich auch schon davongetragen.“

Wo siehst du die grössten Unterschiede zwischen dem Frauen- und dem Männerschwingsport? Gibt es auch unterschiedliche Regeln?
„Das Eidgenössische Schwingfest findet bei uns alle Jahre statt. Ein weiterer Unterschied ist die Ermittlung der Schwingerkönigin anhand der Jahreswertung, bei welcher das ganze Jahr eine gute Leistung gefragt ist. Bei den Männern kommt es beim Eidgenössischen hauptsächlich auf die Form an den beiden Tagen an.
Wenn man mit Männern schwingt, spürt man zweifellos, dass sie stärker und auch grösser sind. Hinsichtlich Technik gibt es wohl kaum Unterschiede. Es gibt sowohl bei den Frauen wie auch bei den Männern technisch versierte und technisch weniger versierte Schwingerinnen oder Schwinger.
Die Regeln sind prinzipiell gleich wie bei den Männern. Bei uns ist die Kampfdauer generell immer fünf Minuten. Beim Schlussgang wird sie auf zehn Minuten angesetzt.“

Hast du das Gefühl, dass der Frauenschwingsport immer noch ein wenig belächelt wird?
„Ja, definitiv. Zum Teil belächeln uns junge Leute. Mittlerweile wurde der Frauenschwingsport aber ziemlich bekannt und erhält auch sehr viel Lob. Es gibt halt immer beide Seiten. Die Akzeptanz ist aber je länger je grösser.“

Was würde es brauchen, um den Frauenschwingsport noch populärer zu machen?
„Ich denke, Werbung ist immer gut. Jedes Meitli muss für sich aber selber entscheiden, ob sie schwingen will oder nicht. Der Schwingsport ist nicht unbedingt ein einfacher Sport.
Mittlerweile wird in den Medien immer mehr über unseren Sport berichtet. Natürlich, im Vergleich zum Männerschwingsport ist es immer noch viel weniger. Die Verantwortlichen unseres Verbandes schauen aber gut für Werbung und Erwähnung in den Medien.“

Wenn du Schwingerkönigin werden solltest, würdest du dich, ähnlich wie Sonia Kälin, vermarkten lassen?
„Die Berufslehre steht momentan klar an erster Stelle. Zu Sponsoren sage ich prinzipiell nicht Nein. Man muss das Ganze aber im Einzelfall anschauen und die Bedingungen näher prüfen.“

Zu guter Letzt darfst du Werbung für das Eidgenössische Schwingfest der Frauen machen.
„Ich empfehle den Schwingerfreunden, unbedingt nach Schachen zu kommen! Es war schon lange nicht mehr so spannend um die Entscheidung in der Jahreswertung, und um den Königinnen-Titel. Denn in den letzten Jahren stand die neue Schwingerkönigin schon oftmals vor dem letzten Schwingfest der Saison, dem Eidgenössischen, fest.
Zudem können wir Frauen und Meitli jegliche Unterstützung gebrauchen! Und: In Schachen wartet ein gut organisierter Anlass auf die Zuschauer.“

feldwaldwiesenblogger

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