flätt hüntsch sauft – Das digitale Muotathaler Wörterbuch

Text: Peter Betschart und feldwaldwiesenblogger

Kaplan Alois Gwerder’s Bestseller
Wie der Bote der Urschweiz am 25. Oktober berichtete, wurde der Bestseller „flätt – hüntsch – sauft“ von Kaplan Alois Gwerder in eine digitale Form aufbereitet. Der Muotathaler Volkskundler gab 2001 nach jahrzehntelanger Recherche ein Sammelwerk der Muotathaler Dialektwörter heraus.
Heutzutage eröffnen nebst der Buchform die digitale Technik längst andere Möglichkeiten, Wörter oder Ausdrücke im Internet nachzuschauen. So entschied sich die Kulturkommission der Gemeinde Muotathal zu diesem Schritt und setzte ihr Vorhaben in aufwendiger Kleinarbeit um.

flätt hüntsch sauft“ ist nun seit einigen Tagen online abrufbar. Das digitale Muotathaler Wörterbuch umfasst 11’833 Begriffe und ist bequem am PC, Tablett oder auf dem Handy abrufbar.
Um Jung und Alt auf dieses schöne und gelungene Werk aufmerksam zu machen, wurde nebst Hinweisen in schriftlicher Form auch eine Animation in einem Video erstellt.


Video-Animation: Michael Schelbert

tüütsch und tüütli!
Mundart ist in! Oder heisst das jetzt hip oder cool? Halt! Geht das auch auf Deutsch? Also, zweiter Versuch: Mundart isch diänig, aagseid, modä. Mit meiner Mundart gebe ich bekannt, woher ich komme. Am nüüd aa isch-es mäni ä Muätitaaler! hört man dann und wann. Schwyzer sagen nid, Illgauer niid und Zürcher nöd. Es braucht manchmal wenig, um zu zeigen woher man ist – oder eben nicht. Vielleicht will ich ja gar nicht als Muotathaler erkannt werden oder nicht eister. Zu meiner Jugendzeit vor 40 Jahren konnte es schon passieren, dass man in Schwyz verlachät oder gföppäläd wurde wegen dem Muätitaler-Tüütsch. Das Umgekehrte aber war häufiger der Fall. Mundarten sind auch ein Markenzeichen und viele Personen schätzen sie sehr.

Natürlich wandelt sich die Sprache dauernd. Ich weiss nicht genau, wie sich die heutige Jugend begrüsst. Salü? Guättag? Tschau? Hoi? Zu meiner Zeit war es nicht üblich, sich dabei abzuklatschen oder zu beküssen. Ein einfaches so oder ho genügte im Freundeskreis zur Begrüssung. Zum Abschied vor dem Gehen war es dann ein esä. Jede Zeit hat so ihre Mundart, denke ich manchmal.

Heutzutage fällt mir auf, dass das Wörtchen scho ganz anders gebraucht wird. Früher meinte man damit bereits wie z.B. I bi scho daa. I ha scho ggässä. Heute benutzt man es als Rückfrage, Quittung im Sinne von: Ja was? Sicher? Im Beispiel kann man es besser zeigen: Geschter hani änu ä chlii Glück gha! Der Zuhörer sagt: Scho? Aber vielleicht ist das auch schon out oder durä. Zum Schluss noch eine kurze Geschichte, die mich beeindruckt, aber auch nachdenklich gemacht hat.

Vor nicht langer Zeit war eine Muotathalerin als Lehrtochter im Spital Schwyz tätig. Von ihrer Vorgesetzten wurde ihr bald einmal empfohlen, beim Umgang mit den Patienten nicht so z’muätitaalärä. Die Begründung ist mir nicht bekannt. Witzig finde ich, dass die Lehrtochter aus dem Muotatal fremdsprachig war, also ausländische Eltern hatte. Offenbar war sie stolz darauf zu zeigen, woher sie kommt.
Wie erlebst du den Umgang mit Mundart?

Hinweis: Wenn du Mundartwörter hörst, die dir unbekannt sind, dann ist das digitale Wörterbuch sicher das richtige für dich.

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Nordostschweizer Schwinger – NOSV-Experte Jakob Heer gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Die 2017er-Saison war eine spannende Angelegenheit. Viele Höhepunkte, packende Duelle aber auch Überraschungen wurden uns Schwingerfreunden von Frühling bis Herbst serviert. Nach dem Ende der Saison gilt es jeweils auch, Bilanz zu ziehen. Heute folgt bereits die fünfte und letzte Experteneinschätzung, nämlich diejenige für den Nordostschweizerischen Schwingerverband.

Jakob Heer, ein fundierter Kenner der Schwingerszene in der Nordostschweiz, gab hier am 23. Februar seine Einschätzungen für die diesjährige Saison ab. Er rechnete mit einer spannenden Saison und gab zu Protokoll, dass die Nordostschweizer sich vor keinem anderen Verband verstecken müssen. Jakob erklärte auch, dass Armon Orlik und Samuel Giger in der vergangenen Saison das Zepter übernommen haben, und das Geschehen in der Nordostschweiz in den nächsten Jahren prägen werden.

Die beiden Jungstars sind eine wahre Bereicherung und haben das Schwinggeschehen in diesem Jahr in unterschiedlicher Form mitgeprägt. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir der Schlussgang beim Nordostschweizerischen in Davos. Ein Endkampf der Extraklasse! Trotzdem: Wie nahe Freud und Leid zusammenliegen, bekamen auch diese beiden Ausnahmeathleten zu spüren. So verletzten sich beide irgendwann während der Saison und mussten auf einige Ernstkämpfe verzichten. Beim Aargauer Kantonalen stockte wohl den meisten Schwingerfreunden der Atem, als Armon Orlik regungslos liegen blieb…

Aber: Nebst Orlik und Giger besteht die NOS-Mannschaft noch aus weiteren sehr guten Schwingern. Besonders erwähnenswert sind an dieser Stelle die Leistungen von Daniel Bösch beim Schwägalp-Schwinget oder diejenige von Martin Hersche beim Nordwestschweizerischen in Therwil BL.

Ich bedanke mich bei Jakob Heer, welcher mir die NOS-Bilanz schriftlich zukommen liess.


Jakob Heer, NOSV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Nordostschweizer?
Jakob Heer: Es gelang, den Sieg auf der Schwägalp und beim Nordostschweizerischen in den eigenen Reihen zu behalten. Beim Unspunnen-Schwinget resultierten Spitzenplatzierungen, auch wenn nicht alle Zugpferde ihre Leistung abrufen konnten. Vier verschiedene Sieger an den sieben Kantonalen zeugen davon, dass der NOS-Verband in der Breite zugelegt hat. Hinter Samuel Giger und Armon Orlik haben sich andere Schwinger der Spitze genähert.

Welches waren die Highlights für den Nordostschweizerischen Schwingerverband?
Heer: Sicherlich der mannschaftlich gute Auftritt auf dem Brünig. Samuel Giger hatte ein Notenblatt, das einem Eidgenössischen entspricht. Am Unspunnen überzeugten nicht alle, jedoch Samir Leuppi und Domenic Schneider sehr. Und natürlich der Schlussgang beim NOS in Davos zwischen Samuel Giger und Armon Orlik. Ein offener Schlagabtausch und der Abschluss eines vollauf gelungenen Anlasses. Auch „Burkis“ 100. Kranzgewinn auf der Rigi gehörte zu den Highlights des Jahres.

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Heer: Martin Hersche am Nordwestschweizerischen mit einem überraschenden Sieg, nachdem er zuvor auf der Rigi noch untendurch musste. Domenic Schneider über die ganze Saison. Er hat seinen Eidgenössischen Kranzgewinn eindrücklich bestätigt. Samir Leuppi speziell mit seinem ersten Kranzfestsieg beim Zürcher Kantonalen in Weiach sowie beim Unspunnen-Schwinget. Aber auch Samuel Giger mit vier Kranzfestsiegen und Daniel Bösch mit den Erfolgen beim St. Galler und auf der Schwägalp.

Welche Schwinger haben überrascht?
Heer: Martin Hersche mit seinen Auftritten auf dem Brünig und beim Nordwestschweizerischen in Therwil BL, Domenic Schneider mit einem Spitzenplatz beim Berner Kantonalen. Dominik Oertig überzeugte speziell in der ersten Saisonhälfte. Er ist technisch sehr gut beschlagen. Auch Roger Rychen und Stefan Burkhalter sorgten für Glanzlichter.

Welcher Nordostschweizer Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Heer: Schwinger des Jahres, wenn man das so benennen darf, ist Samuel Giger mit Siegen beim Glarner, Appenzeller, Schaffhauser und beim NOS. Er war 2017 der stärkste Nordostschweizer.
Shane Dändliker vom rechten Seeufer ist der Aufsteiger des Jahres. Er gewann nicht nur seinen längst fälligen ersten Kranz (beim St. Galler). Nach einem Ferienaufenthalt, der im wohl die Unspunnen-Teilnahme kostete, kehrte er im August stark auf die Schwingplätze zurück. Er könnte dem Zürcher Verband noch viel Freude bereiten und dem ganzen Kanton einen Schub verleihen.

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Nordostschweizer?
Heer: Wie erwähnt der Brünig, wo sich die Nordostschweizer bis zuletzt erfolgreich den Bernern stellten. Leider erwischten die Innerschweizer einen schwachen Start, sonst wäre es um den Tagessieg womöglich noch zu einem spannenden Dreikampf gekommen.

Was lief weniger gut?
Heer: Zwei Kränze auf dem Stoos und drei auf der Rigi waren eine eher magere Ausbeute. Auch wenn auf dem Stoos Pech dabei war, dass 56,25 Punkte nicht zu Kranzehren reichten. Auch am Baselstädtischen wäre mehr als ein Kranz (Samir Leuppi) möglich gewesen. Unweigerlich kommt mir in diesem Zusammenhang auch das Aargauer Kantonalfest in Brugg in den Sinn. Beim Konter von Bruno Gisler gegen Armon Orlik, worauf der Schlussgangteilnehmer von Estavayer2016 für einige Momente regungslos liegenblieb, hatten wohl alle im Stadion ein mulmiges Gefühl. Vor allem mental machte dies dem Bündner in der Folge zu schaffen. Auf der Schwägalp und in Interlaken hat er aber angedeutet, dass er auf dem Weg zurück an die nationale Spitze ist.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget für den Nordostschweizerischen Teilverband?
Heer: Ein Fest mit Höhen und Tiefen. Armon Orlik zeigte bis zum Ausstich eine gute Leistung, auch Daniel Bösch hatte einmal mehr ein starkes Notenblatt vorzuweisen. Domenic Schneider, Samir Leuppi, Michael Bless und Fabian Kindlimann gehören zu den Siegern von Unspunnen. Enttäuschend waren einige Mittelschwinger, von denen ich mir mehr erhoffte, die es nicht einmal in den Ausstich schafften. Frühzeitig musste der Verband alle vier Ersatzschwinger aufbieten. Dass die Nordostschweizer nicht die Breite wie die Berner und Innerschweizer besitzen, hat sich dabei wieder gezeigt.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Nordostschweizerischen Teilverband?
Heer: Martin Hersche befand sich in ausgezeichneter Form und fiel eine Woche vor dem Saisonhöhepunkt im dritten Gang auf der Schwägalp aus. Das ist ein hartes Verdikt für einen Sportler. Samuel Giger verletzte sich am Schaffhauser im Duell gegen Daniel Bösch, wollte sich aber noch bis zum Saisonhöhepunkt durchquälen. Letztlich war sein Verzicht auf den Unspunnen-Schwinget der richtige Entscheid.
Ob sie am Sonntagmorgen Christian Stucki hätten aufhalten können, ist eine andere Sache. Stucki hat sich den Sieg in Interlaken verdient, unabhängig vom riesigen Verletzungspech der Inner- und Nordostschweizer. Und auch bei den Bernern fehlten ja ein paar bekannte Namen.

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welcher Schwinger hat dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Heer: Marcel Bieri. Der Zuger gefällt mir mit seinem unbändigen Siegeswillen und Offensivdrang. Er erinnert mich ein wenig an Geni Hasler, der auch stets aus allen Lagen die Entscheidung suchte.

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Berner Schwinger – BKSV-Experte Manfred Schneider gibt Auskunft

Text: feldwaldwiesenblogger / Foto: Manfred Schneider

Bei den Experteneinschätzungen sind wir nun bereits bei den Bernern angelangt. Für den zurzeit stärksten Teilverband fragte ich vor dieser Saison Manfred Schneider an. Das eidgenössische Ehrenmitglied sagte glücklicherweise zu. Manfred war bis 2016 Eidgenössischer Technischer Leiter Jungschwingen, und kennt das Schwinggeschehen im Bernbiet natürlich bestens.

Der Berner gab am 20. März seine Einschätzung für die bevorstehende 2017er-Saison ab. Dabei erwähnte er, dass die Berner im Moment noch die breiteste Spitze haben. Daran gibt es nichts auszusetzen. So wie die Berner Schwinger in den letzten Monaten aufgetreten sind, konnte man für den Saisonhöhepunkt, den Unspunnen-Schwinget, für die anderen Teilverbände nur das Schlimmste befürchten. Auch wenn zwei Mutzen den Schlussgang bestreiten durften: Soweit kam es dann doch nicht. Mit Christian Stucki gewann in Interlaken jener Schwinger, welcher nicht nur im Bernbiet alle überragte. Stucki war der beste Schwinger der Saison.

Aber auch die Berner hatten ihre Verletzten zu beklagen. So fielen nebst anderen die beiden Schwingerkönige Matthias Glarner und Matthias Sempach aus. Letzterer versuchte sich mit einem nicht vollumfänglich geglückten Comeback beim Unspunnen-Schwinget.
Dafür traten andere Schwinger positiv in Erscheinung. Beispielsweise der Haslitaler Kilian von Weissenfluh, mit welchem ich vor dem Brünig-Schwinget ein Gespräch führte.

Mein Dank geht an Manfred Schneider. Er übermittelte mir seine Antworten schriftlich.


Manfred Schneider, BKSV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Berner?
Manfred Schneider: Ich glaube, der Berner Kantonale Schwingerverband (BKSV) darf sehr zufrieden sein mit dem Verlauf der 2017er-Saison.

Welches waren die Highlights für den Berner Teilverband?
Schneider: An erster Stelle steht sicher der Sieg beim Unspunnen-Schwinget. Aber auch die Bergfestsiege am Schwarzsee, auf dem Weissenstein und Brünig gehören zu den Highlights der Saison.

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Schneider: Christian Stucki, Kilian Wenger, Matthias Aeschbacher, Simon Anderegg, Bernhard Kämpf, Thomas Sempach und Curdin Orlik sorgten in meinen Augen am meisten für Furore.

Welche Schwinger haben überrascht?
Schneider: Das ist einerseits sicher Phillipe Reusser mit dem Sieg auf dem Brünig. Andererseits aber auch die beiden jungen Kilian von Weissenfluh und Fabian Staudenmann.

Welcher Berner Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Schneider: Christian Stucki ist für mich der Schwinger des Jahres. Der Seeländer überzeugte mit Siegen beim Unspunnen-Schwinget, Bernisch Kantonalen, Brünig, Weissenstein, sowie am Mittelländischen und Seeländischen Schwingfest.
Als Aufsteiger der Saison bezeichne ich den Nachwuchsschwinger Fabian Staudenmann mit Jahrgang 2000. Fabian brillierte mit den Kränzen auf dem Brünig sowie beim Mittelländischen, Oberaargauischen und Seeländischen Schwingfest.

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Berner?
Schneider: Auch wenn einige Spitzenschwinger wegen Verletzungen ausgefallen sind: Andere haben sich ins Zeug gelegt und bescherten dem Bernisch Kantonalen Schwingerverband viel Erfolg.

Was lief weniger gut?
Schneider: Verbessern kann man sich immer. Aber ich denke, es wäre Jammern auf hohem Niveau, wenn man die 2017er-Saison der Berner Schwinger unter die Lupe nimmt.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget, für die Berner?
Schneider: Zwei Berner Schwinger im Schlussgang sagen eigentlich alles. Dazu braucht es vom Verantwortlichen in der Einteilung bis hin zu den Schwingern, Betreuern, Masseuren und dem Arzt alle, um solch einen Erfolg feiern zu können.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Berner Teilverband?
Schneider: Ich vermute, es wären gar noch ein paar Kränze mehr drin gelegen. Eventuell auch weitere „Bernerpaarungen“ …

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welche Schwinger haben dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Schneider: Einmal mehr die sogenannten jungen „Wilden“, angeführt von Samuel Giger, Joel Wicki, Nick Alpiger, Lario Kramer und Armon Orlik. Ihre angriffige Schwingweise hat uns in diesem Jahr wieder viel Freude bereitet und führte zu einigen Schwingfestsiegen.
Weiter erwähne ich Jeremey Vollenweider (Mitglied beim Schwingklub Schaffhausen), welcher im Frühling 2016 knapp am Tode vorbeiging. Von Herbst 2016 bis Februar 2017 besiegte der junge Mann mit einer Chemotherapie seine Krebs-Erkrankung. Jeremy durfte sich in der zu Ende gegangenen Saison beim Schaffhauser Kantonalen den Kranz aufsetzen lassen und wurde beim Eidgenössischen Nationalturntag in Eschenbach LU in der Leistungsklasse L2 Schweizermeister. Da ziehe ich einfach meinen Hut, Super und Bravo!

feldwaldwiesenblogger

Der Urner Kantonale Schwingerverband feiert sein 100-jähriges Bestehen

Text und Fotos: Elias Bricker

Es waren nicht Sennen, die das Schwingen in Uri anfänglich geprägt haben, sondern zugezogene Eisenbahnangestellte. Das zeigt die Festschrift zum 100-Jahr-Jubiläum des Urner Kantonalen Schwingerverbands.

Am kommenden Samstag feiert der Urner Kantonale Schwingerverband (UKSV) offiziell sein 100-jähriges Bestehen. An den Jubiläumsfeierlichkeiten in Schattdorf werden rund 230 geladene Gäste teilnehmen – Schwinger, Funktionäre, Ehrenmitglieder, Veteranen, Delegierte und Ehrengäste.

Neben einem Gedenkgottesdienst mit dem Jodelklub Bärgblüemli in der Pfarrkirche um 15 Uhr, dem anschliessenden Festumzug zur Aula Gräwimatt und den Ehrungen von verdienten Mitgliedern anlässlich des Festaktes, gibt es einen speziellen Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten: Der Kantonale Schwingerverband präsentiert eine 120 Seiten dicke Festschrift, welche angereichert mit vielen Bildern die Geschichte der Urner Schwinger Revue passieren lässt.


Die Schwingfeste wurden immer grösser, wie ein Foto vom „Kantonalen“ von 1938 in Schattdorf zeigt

Beim ersten Kantonalen kämpften 22 Schwinger um Kränze
Das Schwingen ist eine jahrhundertealte Tradition – vermutlich auch im Kanton Uri. Dennoch waren es nicht Urner Sennen, welche die Sportart vor hundert Jahren entscheidend geprägt hatten, wie man vielleicht annehmen könnte. Ende des 19. Jahrhunderts organisierten insbesondere Unterschächner Wirte sowie der Altdorfer Quartierverein Lehnstaat regelmässig so genannte Älplerfeste. Schwingen wurde aber auch populär, weil gerade die ersten Turnvereine im Kanton sich vor allem dem Nationalturnen verschrieben hatten – so etwa jene von Altdorf, Erstfeld oder Flüelen.

Einen regelrechten Innovationsschub erlebte das Schwingen im Kanton aber dank der Gotthardbahn. Viele auswärtige Schwinger aus dem Mittelland fanden bei der Eisenbahn eine Arbeitsstelle. Diese waren schliesslich auch die Initianten, neben einigen anderen Urnern, welche 1917 die Gründung des Urner Kantonalen Schwingerverbands vorantrieben. Und es ist daher kein Zufall, dass gerade Schwinger aus Erstfeld und Göschenen in den Anfangsjahren die grössten Erfolge feierten.

Inzwischen ist viel passiert. Nahmen am ersten Kantonalen Schwingfest 1919 in Göschenen gerade einmal 22 Schwinger teil, waren es am «Kantonalen» im vergangenen Mai mehr als 200 Athleten. Dazu kamen rund 3000 Zuschauer. «Nicht nur die Schwingfeste wurden immer grösser, sondern auch das ganze Drum und Dran», sagt UKSV-Präsident René Schuler aus Seedorf (Schwingklub Altdorf). «Schwingen ist heute so populär wie noch nie. Ich bin überzeugt, dass die friedliche Stimmung und die gelebten Traditionen an einem Schwingfest die Erfolgsfaktoren unserer Sportart sind.»


Der Sennenschwinger Ady Zurfluh aus Attinghausen ist mit 85 Kränzen und 16 Kranzfestsiegen bis heute der erfolgreichste Urner Schwinger

Die erfolgreichsten Jahre liegen weit zurück
Die Nachwuchsförderung nimmt beim Schwingerverband einen immer grösseren Stellenwert ein. Deshalb wurde ihr in der Festschrift ein eigenes Kapitel gewidmet. «Die Jungschwinger wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer jünger», weiss Schuler. Bis in die Siebzigerjahre hätten sie mindestens sechzehn Jahre alt sein müssen. «Heute trainieren aber bereits zum Teil Sechsjährige in der Halle», so der Präsident.

Doch so erfolgreich die Sportart heute ist, ein Blick in die Festschrift zeigt auch: Die Urner feiern längst nicht mehr so viele Erfolge wie noch vor Jahrzehnten. In den Sechziger- und Siebzigerjahren holten sie insgesamt regelmässig mehr als sechzig Kränze pro Jahr. Und alleine Ady Zurfluh aus Attinghausen gewann in seiner Karriere deren 85. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison gewannen die Urner 26 Kränze – auch dank den aktuellen Urner Aushängeschildern Andi Imhof und Stefan Arnold. «Damit sind wir zufrieden und auf dem richtigen Weg», sagt Schuler.

«Das hat man so noch nie gesehen»
Die Kranzerfolgsstatistiken machen wie in jeder Schwinger-Festschrift einen grossen Teil des neuen UKSV-Buches aus. «Doch eine solche Erfolgsstatistik hat man in einem Schwingerbuch noch nie gesehen», sagt Robi Indergand, Präsident der Jubiläumskommission. Denn es sind nicht nur einfach in einer Liste chronologisch alle Kranzerfolge und Festsiege der Urner Schwinger aufgeführt. Stattdessen würden die Erfolge grafisch dargestellt – und zwar sortiert nach Jahr, Klub und Schwinger. «So ist ein wunderbares Nachschlagewerk entstanden», so Indergand.

Zudem werden in der Festschrift sämtliche noch lebende «Eidgenossen» und Kranzfestsieger in einem Porträt vorgestellt – von Hans Schaffner, der Ende der Vierzigerjahre seine ersten grossen Erfolge feierte, bis hin zum heutigen Spitzenschwinger Andi Imhof. «Diese Festschrift ist eine sehr gelungene Sache», freut sich auch René Schuler.

Die Festschrift kostet 25 Franken. Diese wird ab kommender Woche bei Imholz Sport in Bürglen, am Ticketcorner der Urner Zeitung in Altdorf sowie im Kiosk vom früheren Spitzenschwinger Adelbert Gisler am Fleschsee erhältlich sein. Zudem verkaufen auch die Schwingklubs die Festschrift, oder man kann man sie unter www.uksv.ch bestellen.


Die Jubiläumskommission, von links: Robi Indergand, Bruno Aschwanden, Stefan Bissig, Peter Arnold, Sepp Schilter, Elias Bricker und Sepp Arnold.

Jubiläumskommission leistete zwei Jahre Arbeit
Für die 100-Jahr-Feierlichkeiten bestellte der Urner Kantonale Schwingerverband (UKSV) extra eine Jubiläumskommission. Diese hat in den vergangenen zwei Jahren die Festschrift verfasst und zusammen mit dem Schwingklub Schattdorf den Jubiläumsanlass vom kommenden Samstag vorbereitet.
In der Jubiläumskommission sind alle sechs Urner Schwingklubs sowie der Kantonalverband durch eine Person vertreten. Präsident der Kommission ist Robi Indergand (Schwingklub Erstfeld). Er kümmerte sich zusammen mit Sepp Schilter (Vizepräsident UKSV) und Bruno Aschwanden (SK Schattdorf) für die Organisation des Festanlasses. Für die Erstellung der Festschrift waren Peter Arnold (SK Altdorf), Sepp Arnold (SK Bürglen), Stefan Bissig (SK Altdorf) sowie Elias Bricker (SK Flüelen) verantwortlich.

feldwaldwiesenblogger

Wie geht es den Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert und Dario Gwerder?

Text: feldwaldwiesenblogger

Kürzlich führte ich mit den jungen Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert (22-jährig) und Dario Gwerder (wird im Dezember 20-jährig) ein Gespräch. Zur Erinnerung: Ralf fiel wegen einer Verletzung die ganze Saison aus, Dario musste nach dem Luzerner Kantonalen die Saison abbrechen. Ich wollte von beiden wissen, wie es ihnen geht und wie sie 2017 mit ihrer Verletzungsgeschichte erlebt haben. Weiter unterbreitete ich den beiden Jungtalenten den Vorschlag, sie auf dem Weg zurück mit weiteren Blogbeiträgen zu begleiten. Beide bejahten das Unterfangen. Heute folgt in dem Sinn also der Startschuss.


Ralf Schelbert konnte 2017 kein Schwingfest bestreiten
Foto: feldwaldwiesenblogger

Kurzer Rückblick auf die Verletzungsgeschichte
Ralf: Meine Verletzungsgeschichte ist etwas kompliziert. Zwei oder drei Trainings vor dem Hallenschwinget Sarnen (12. März) begann ich im linken Knie ein Ziehen zu spüren. Beim Turntraining unserer Aktivriege konnte ich wegen den Schmerzen einige Übungen gar nicht mehr mitmachen. Darauf ging ich zum Arzt und es folgte ein MRI-Untersuch. Ich hatte mir ja vor gut zwei Jahren das Innenband jenes Knies gerissen. Bei der Operation wurde damals das Ganze am Knochen angeankert. Man vermutete nun, dass ein Anker zu nah beim Gelenk ist, und deswegen Schmerzen verursachte. Es kam zu einer Operation. Bei dieser wurde der Knochen angebohrt, und der störende Anker entfernt. Während der Operation stellten die Ärzte dann fest, dass ich einen Knorpelriss beim Kniegelenk habe. Wie mir erklärt wurde, kann man bei einem Knorpelriss nicht viel machen, ausser diesen zu glätten. Ich habe versucht, die Heilung mit Eigenblut-Spritzen anzuregen, damit der Riss gut zusammenwächst. Die Heilung hat auch darum lange gedauert, weil der Knochen angebohrt war und er nahe beim Gelenk ist. Der Knochen musste wieder vollständig zusammenwachsen. Deshalb konnte ich gar nie in die Saison einsteigen. Denn es wäre ein zu grosses Risiko gewesen, dass etwas absplittern könnte. Es sollte nun aber wieder alles gut sein.

Dario: Meine Verletzungsgeschichte begann beim Luzerner Kantonalen. Beim fünften Gang lief ich mit meinem Gegner zum Platzrand. Ich liess los, und dachte der Kampf sei vorbei. In diesem Moment packte er mich am Knie und wollte mich hochheben. Dabei drehte ich mich aus und hörte einen Knacks im Knie. Ich kümmerte mich aber nicht weiter darum. Denn gut zwei Wochen später hätte ich sowieso wegen der bevorstehenden Lehrabschlussprüfung (LAP) mein Training unterbrochen. Ich wollte dann nach den Prüfungen weiterschauen. Das Knie war nach dem Luzerner Kantonalen geschwollen. Vor der LAP ging ich sogar noch heuen und ich konnte mich soweit ohne Probleme bewegen. Der Schwarzsee-Schwinget stand etwas später auf dem Programm, und ich dachte mir, dass es bis dahin wieder gehen sollte. Ich bat trotzdem meinen Arzt um einen Untersuch. Dieser ordnete ein MRI an, bei welchem festgestellt wurde, dass das vordere Kreuzband gerissen ist. Ich entschied mich für eine Operation, welche am 30. Juni erfolgte.

Wie verlief der Heilungsprozess? Sind die Verletzungen vollständig ausgeheilt?
Ralf: Zuerst hatte ich das Gefühl, dass die Heilung etwas schleppend verläuft, da ich noch länger etwas spürte. Ich fuhr dann viel Velo, damit es mir durch die Bewegungen das Knie durchspült. Als ich wieder mehr Sport trieb, ging einen Ruck durch meinen Körper und es ging immer besser. Ich bin inzwischen wieder voll im Training und trainiere derzeit viermal pro Woche. Ich spüre mein operiertes Knie zwar schon ein wenig. Aber: Es ist gut, wenn man etwas spürt. Das Gegenteil wäre wohl nicht so gut. Mittlerweile ist alles gut verheilt und ich bin zufrieden, wie es verlief. Denn es läuft immer besser.
Nach der Operation Ende März durfte ich während sechs Wochen mein linkes Knie überhaupt nicht belasten. Anschliessend begann ich mit der Physiotherapie. Dort wurde mir einiges gezeigt und ich durfte langsam wieder mit dem Velofahren beginnen. Bei der Physio habe ich zudem viel gelernt. Vor gut einem Monat stieg ich wieder ins normale Kraft- und Konditionstraining ein. In der Zeit, wo ich nicht trainieren konnte, habe ich einiges an Muskelmasse verloren. Darum ist jetzt ein richtiger Aufbau sehr wichtig, damit ums Knie wieder genügend Muskeln gebildet werden. Wenn die Basis wieder vorhanden ist, beginne ich mit dem Schwingtraining. Dies wird im Dezember der Fall sein.

Dario: Nach der Operation verspürte ich keine grossen Schmerzen. Die Krücken als Gehhilfe benötigte ich nur während drei Wochen und die Muskelmasse verkleinerte sich darum auch nicht gross. Ich machte dann bis Ende August eine Trainingspause, machte aber bis viermal pro Woche Physiotherapie. Jetzt trainiere ich wieder leicht. Ich fahre vor allem Velo und mache Krafttraining. Ich kann aber noch nicht alle Übungen mitmachen, da ich das Knie noch spüre. Das ist aber sicher ein gutes Zeichen. Mit dem Schwingtraining kann ich voraussichtlich im kommenden Februar oder März beginnen. Es wurde mir gesagt, dass man sechs Monate nach der Operation allenfalls mit Schulschwingen ein bisschen starten kann. In der Regel sollte man aber acht bis neun Monate mit dem Schwingtraining warten. Der Heilungsprozess verlief bis anhin sehr gut.


Dario Gwerder gewann 2017 immerhin zwei Kränze, bevor er verletzungsbedingt ausfiel
Foto: feldwaldwiesenblogger

Wie habt ihr das mental verarbeitet, dass ihr in letzter Zeit bei Schwingfesten nur zuschauen durftet? Was gab euch besonders Mut und Zuversicht?
Ralf: Am meisten hat es mich anfangs Saison beschäftigt, auch dass ich nicht ans Schwyzer Kantonale konnte. Ich wäre parat gewesen. Mit der Zeit habe ich es aber akzeptiert und konnte damit gut umgehen.
Ich habe in diesem Jahr sehr viel dazu gelernt, und hatte gute Leute zur Seite. Ich lernte einiges über den Körper und wie man richtig aufbaut. Ich mache das Krafttraining nun anders als vorher. Diese Erkenntnisse haben mir Mut gegeben, damit es gut weitergeht. Daran konnte ich mich festhalten.

Dario: Im Gegensatz zu Ralf durfte ich 2017 immerhin ein paar Schwingfeste bestreiten und konnte zwei Kränze gewinnen. Für mich war es so gesehen sicher weniger schlimm. Trotzdem hat mir die Verletzung zu denken gegeben. Und das Innerschweizerische musste ich vom Spitalbett aus im TV verfolgen, das war schon hart. Als dann die Physiotherapie losging, begann ich je länger je weniger an die Verletzung, dafür umso mehr an die nächste Saison zu denken. Auch ich konnte von der Physio profitieren und habe seither viel gelernt. So zum Beispiel wie man richtig aufbaut. Überdies habe ich meinen Körper vorher gar nicht gross gekannt. Ich lernte zudem, welche Positionen man beim Training einnimmt.

Für was fandet ihr während eurer Zwangspause Zeit, was sonst während einer normalen Schwingsaison zu kurz gekommen wäre?
Ralf: Ich hatte mehr Zeit für meine Freundin und meine Kollegen. Es ging auch dann und wann mal in den Ausgang, was man vor einem Schwingfest nicht machen würde. Weiter fuhr ich viel Velo. Und in den Vordergrund trat auch meine Arbeit. Ich habe in dieser Zeit mit der Vorarbeiterschule begonnen. Dies erfordert, dass ich in meiner Freizeit lernen muss. Schwingfeste schauen wurde in dieser Zeit auch zu einem Hobby.

Dario: Auch ich hatte mehr Zeit für meine Freundin. Und es blieb auch Zeit für die Planung unseres neuen Stalles zuhause. Dies brachte mich auf andere Gedanken. Weiter lernte man die Schwingfeste von einer anderen Seite kennen.

Wie lange habt ihr wegen den Verletzungen eigentlich an euren Arbeitsplätzen gefehlt? Was macht ihr derzeit beruflich?
Ralf: Ich fehlte zwei Monate an meinem Arbeitsplatz. Ich arbeite als Zimmermann und absolviere wie erwähnt seit dem Juni eine Weiterbildung als Vorarbeiter.

Dario: Ich schloss im vergangenen Juni meine Lehre als Netzelektriker ab. Seit der Operation am 30. Juni fiel ich unfallbedingt aus. Ab dem 16. Oktober darf ich wieder zu 50 Prozent arbeiten. Ich arbeite dann zuhause auf dem elterlichen Bauernbetrieb und helfe beim Bau des neuen Stalles.


Ralf schwang in Estavayer gar mit dem späteren Schwingerkönig Matthias Glarner
Foto: Rolf Eicher

Ich nehme an, ihr habt eure Kameraden vom Schwingklub Muotathal während der 2017er-Saison trotzdem bei Schwingfesten unterstützt. Wie sieht die Saisonbilanz eures Klubs aus?
Ralf: Dario gewann in der ersten Saisonhälfte zwei Kränze. Es traten dann andere Schwinger in den Vordergrund. Einer ist Carlo Gwerder, welcher sich Kränze beim Schwyzer und Urner Kantonalen sowie auf der Rigi erkämpfte. Dies ermöglichte ihm die erstmalige Teilnahme beim Unspunnen-Schwinget. Wir hatten leider einige Verletzte zu beklagen. Nebst mir und Dario erwischte es auch unseren Cousin Andre Bürgler.

Dario: Zeitweise fiel auch Guido Gwerder verletzungsbedingt aus. Die Situation mit den verletzten Schwingern schlug ein wenig auf die Moral unserer Kollegen.

Ralf: Deswegen war auch keine Konstanz vorhanden, auch bei den Trainings nicht. Denn wenn zwei oder drei fehlen die ziehen, fehlt es den anderen auch ein wenig an der Motivation. So ist man halt nicht bei den Leuten und kann höchstens mal einen Exploit landen. Trotzdem: Zwei oder drei unserer Kollegen haben sich diese Saison gemacht und machten einen Schritt nach vorne. Ich bin gespannt wie es ist, wenn wieder alle im Training sind.

Dario: Nebst Carlos Erfolgen konnten wir den Brünigkranz von Guido und den Innerschweizer Kranz von Stefan Heinzer feiern. Trotz allem waren das doch schöne Erfolge!

Ralf: Diese Highlights haben auch mich überrascht. Erwähnen darf man auch Stefan’s Auftritt beim Schwyzer Kantonalen, welcher zur Mittagspause mit drei gewonnen Gängen an der Spitze lag. Leider fiel er noch unglücklich aus dem Kranz. Über alles betrachtet dürfen wir aber sicher zufrieden sein.

Wie sieht euer Training momentan aus?
Ralf: Ich bin wie erwähnt wieder voll im Training. Das sind wöchentlich zweimal Krafttraining in unserem Schwingkeller und zwei Ausdauereinheiten auf dem Velo. Jetzt ist Grundlagentraining angesagt. Das, was mal war, kommt nun relativ schnell wieder. Anfangs Dezember beginnt beim Schwingklub Muotathal wieder das Schwingtraining, bei welchem ich auch wieder einsteigen werde.

Dario: Wie bereits erklärt, trainiere ich noch nicht mit voller Intensität. Wöchentlich trainiere ich wie Ralf auch viermal. Ich mache jene Übungen, welche gehen und bei einigen muss ich mich noch zurückhalten und auf mein Knie achten. Die Ausdauereinheiten absolviere ich zuhause auf einem Hometrainer. Dies als Vorsichtsmassnahme, um allenfalls Stürze beim Velofahren zu vermeiden. Ins Schwingtraining steige ich voraussichtlich im kommenden Februar oder März.


Dario durfte 2016 als Neukranzer gleich einen Lebendpreis in Empfang nehmen
Foto: Dario Gwerder

Wie sieht der Trainingsplan im Winter aus?
Ralf: Auf dem Programm stehen zwei Schwingtrainings, sowie Kraft- und Ausdauereinheiten. Wir trainieren nach einem Plan und die Grundlagen werden jetzt erarbeitet. Jetzt gilt es, diesbezüglich Vollgas zu geben. Während dem Winter trainiere ich etwa fünf- bis sechsmal pro Woche. Dabei kann man natürlich nicht bei jedem Training 100 Prozent geben. Dazu gehört beispielsweise auch eine lockere Ausfahrt mit dem Velo. Da ich zu 100 Prozent arbeite, muss ich alles irgendwie unter einen Hut bringen.
Im Dezember beginnen wir erst mit dem Schulschwingen. Wir halten es so, dass wir beim Mittwoch-Training das Schulschwingen praktizieren und am Freitag bereits ein wenig wettkampfmässig schwingen.

Dario: Beim Schulschwingen zeigen wir uns gegenseitig Schwünge. Das heisst, jeder Schwinger führt in jedem Training einen Schwung vor.

Ralf: Wenn einer einen Schwung gut beherrscht, zeigt er ihn den anderen. Seit diesem Jahr besitzt unser Klub eine Kamera, welche uns beim Training filmt. So können wir uns überprüfen und hinterher besprechen, was gut ist oder was es zu verbessern gibt. Es gilt auch, die Schwünge, welche man schon hunderte Male gemacht hat, weiterhin zu üben. Damit diese bei einem Schwingfest ohne Probleme abrufbar sind. Für einen neuen Schwung braucht es etwa zwei bis drei Jahre, bis man ihn richtig beherrscht. Ich bin froh, wenn ich drei oder vier Schwünge gut beherrsche und diese auch bei Wettkämpfen anzuwenden weiss.

Dario: Während den kommenden ein bis zwei Monaten muss ich trainingsmässig noch etwas vor- und nachgeben. Danach möchte ich genauso intensiv Kraft und Ausdauer trainieren, wie es Ralf jetzt schon handhabt. Ich denke, dass ich etwa fünfmal pro Woche trainieren werde. Und ab Februar oder März möchte ich auch wieder ins Schwingtraining steigen. Das wird dann sicher happig für mich werden.

Auf was legt ihr beim Wintertraining besonderen Wert?
Dario: Dass die einzelnen Übungen fürs Krafttraining korrekt ausgeführt werden. Ich habe dabei sehr viel aus der Physiotherapie mitgenommen.

Ralf: Die grundlegendste Änderung wird bei mir, wie auch bei Dario, das Training im physischen Bereich sein. Das ist doch ziemlich anders als bisher. Das Schwingtraining wird in etwa gleichbleiben und unser TK-Chef hat seine Linie. Denn die letzten Jahre bin ich dabei immer einen Schritt nach vorne gekommen. Ich denke, ich werde physisch noch bereiter sein als in anderen Jahren. Das Ziel ist auch, gut darauf zu achten, was man macht.

Dario: Da wir nun gezielter vorgehen, machen wir dabei sicher weniger unkontrollierte Dinge.

Ralf: Das mentale Training ist sicher ein Thema bei mir. Ich habe letztes Jahr wieder einen Anlauf gekommen. Dann kam leider die Operation und der Unterbruch dazwischen. Momentan mache ich diesbezüglich eigentlich nichts. Das wird sich wohl vor der Wettkampfzeit wieder ändern.

Dario: Ich denke, wenn ich das Schwingtraining aufnehme, schaue ich darauf, wie es mir geht. Denn zu diesem Zeitpunkt geht es bald schon Richtung Saisonstart. Ich möchte dann die Verletzung gewissermassen aus meinem Kopf gelöscht haben. Es wird sich zeigen, wie gut ich das ausblenden kann.

Ralf: Wegen der Verletzung mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Denn wenn man einen guten Aufbau macht, denkt man eigentlich gar nicht mehr daran. Wenn es nach ein paar Schwingtrainings wieder zu laufen beginnt, kommt sicher auch das Selbstvertrauen zurück.

Habt ihr euch eigentlich schon Ziele für die 2018er-Saison gesteckt? Wie würden die aussehen?
Ralf: Sportliche Ziele habe ich mir noch nicht gesteckt. Ich möchte im Training Schritt um Schritt vorwärtskommen. Meine grössten Ziele sind dabei, noch weiter nach vorne zu rücken, auch im physischen Bereich. Dass ich die Schwünge, welche ich im letzten Winter anzutrainieren begann, im kommenden Frühling beherrsche. Und dass ich diese Schwünge auch in einem Wettkampf anwende, nicht bloss im Training.

Dario: Mein grösstes Ziel ist, dass ich nächstes Jahr mein Comeback geben und dabei beschwerdefrei schwingen kann. Ich weiss sowieso noch nicht, ob ich bereits anfangs Saison Schwingfeste bestreiten kann. Vermutlich kann ich bei den Frühjahrsschwinget noch nicht antreten.

feldwaldwiesenblogger

Saison-Bilanz der Innerschweizer Schwinger – ISV-Experte Daniel von Euw gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Zurzeit ziehe ich Bilanz über die mit vielen Highlights und Überraschungen gespickte 2017er-Saison. Nach den Experteneinschätzungen für die Nordwest- und die Südwestschweiz folgt heute diejenige für den Innerschweizerischen Schwingerverband.

Daniel von Euw konnte ich vor der nun zu Ende gegangenen Saison als Experte für die Innerschweizer Schwinger gewinnen. Der vierfache Eidgenosse war von 1981 bis 2002 selber ein erfolgreicher Spitzenschwinger und kennt als Kommentator auf Radio Central die Schwing-Szene natürlich bestens.

Am 13. März gab Daniel seine Einschätzung zur diesjährigen Saison ab. Dabei erwähnte der Geschäftsführer der Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz unter anderem Spitzenschwinger und Talente wie Christian Schuler, Mike Müllestein, Ralf Schelbert oder Dario Gwerder, auf welche er setzte. Sie verletzten sich leider allesamt und konnten die Saison nicht beenden. Ralf fehlte verletzungsbedingt gar die ganze Saison. Daniel bringt weiter unten die diesjährige Verletztenmisere der Innerschweizer mit einer Aussage auf den Punkt: „Die Verletzungshexe hat extrem gewirkt – es hat einem fast das Herz gebrochen.“
Dennoch durften die Innerschweizer trotz allem auch Glanzlichter feiern. So bezeichnet der ISV-Experte den Auftritt von Joel Wicki beim Unspunnen-Schwinget schlicht und einfach als Extraklasse.

Ich bedanke mich bei Daniel von Euw, welcher mir meine Fragen schriftlich beantwortete.


Daniel von Euw, ISV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Innerschweizer?
Daniel von Euw: Trotz den vielen Verletzten haben die Innerschweizer Schwinger sehr gute Leistungen gezeigt. Die Kantonalen in der Innerschweiz sind sehr ausgeglichen verlaufen. Schön war, dass neben den erwarteten Siegschwingern wie Christian Schuler, Andi Ulrich, Sven Schurtenberger und Joel Wicki mit Marcel Bieri, René Suppiger und Bruno Nötzli auch drei neue Kranzfestsieger gefeiert werden konnten. Aber auch die Eidgenossen Philipp Laimbacher, Benji von Ah, Reto Nötzli, Erich Fankhauser, Mike Müllestein, Philipp Gloggner, Andy Imhof und Marcel Mathis liessen teilweise ihr Können aufblitzen.

Welches waren die Highlights für den Innerschweizerischen Schwingerverband?
Von Euw: Das erste Highlight für den Innerschweizerischen Schwingerverband ist für mich eindeutig der neue Verteiler bei den Kantonalen im ISV-Verbandsgebiet. Die Besetzung dieser Feste wird dadurch ausgeglichener. Die Favoriten werden über alles gesehen mehr gefordert. Für die guten Nichtkranzer gibt es zudem mehr Startmöglichkeiten und ihre Chance, den ersten Kranz zu gewinnen, steigt.
Das zweite Highlight war ganz klar Joel Wicki. Wie er sich im Verlauf der Saison gesteigert und was er beim Unspunnen nach seiner auf der Rigi zugezogenen Verletzung gezeigt hat, war Extraklasse!

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Von Euw: Joel Wicki war über die ganze Saison gesehen klar der beste Innerschweizer Schwinger. Sein Auftritt am ersten Bergkranzfest auf dem Stoos war überragend. Seine Leistung beim Unspunnen-Schwinget hätte mindestens mit der Schlussgangqualifikation gegen Christian Stucki belohnt werden sollen. Das wäre das i-Tüpfelchen für dieses Fest gewesen.
Sven Schurtenberger machte ebenfalls einen grossen Schritt vorwärts und muss keinen Gegner fürchten. Christian Stucki hat sich beim Innerschweizerischen und beim Unspunnen an Sven die Zähne ausgebissen. Besonders gefreut haben mich auch die angriffsfreudigen Auftritte von Marcel Bieri.

Welche Schwinger haben überrascht?
Von Euw: Zuerst hat mich überrascht, wie stark Joel Wicki von seiner Verletzung vom letztjährigen Schwägalp-Schwinget zurückgekommen ist. Dass er auf der Rigi Daniel Bösch, mit dem er sich die Verletzung zugezogen hatte, souverän zum Sieg kurzte, zeugt von Joel’s grossem Selbstvertrauen und seiner Klasse. Schwingfeste leben von Überraschungen! So war der Sieg von Marcel Mathis am Innerschweizerischen mit sechs gewonnenen Gängen eine riesige Überraschung, nachdem Marcel an den Kranzfesten zuvor zum Teil sehr unglücklich geschwungen hatte.
Im Weiteren waren natürlich die Siege von Mike Müllestein (am Schwarzsee) und von Reto Nötzli (am Unspunnen) jeweils über Schwingerkönig Matthias Sempach absolute Höhepunkte. Es hat noch einige Schwinger gegeben, welche einen Schritt vorwärts gemacht haben – so zum Beispiel der Urner Stefan Arnold, der sich nicht weniger als sechsmal vor die Ehrendamen begeben durfte.

Welcher Innerschweizer Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Von Euw: Joel Wicki ist nach seiner letztjährigen Verletzung körperlich noch stärker und technisch vielseitiger zurückgekehrt. Deshalb ist er für mich klar der Innerschweizer Schwinger des Jahres.
Marcel Bieri ist für mich der Aufsteiger der Saison. Er ist mit seinen Leistungen zur Spitze aufgerückt und hat sogar noch Potenzial nach oben!

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Innerschweizer?
Von Euw: Die Innerschweizer Schwinger haben sich trotz den vielen Ausfällen nicht entmutigen lassen und haben versucht, das Beste aus der Situation herauszuholen. Wie schon erwähnt, wird sich der neue Kranzfestverteiler positiv auf die Leistungen der Schwinger auswirken. Die Spitzenschwinger werden mehr gefordert. Zudem gibt es mehr Neukranzer, welche dann hoffentlich motiviert weiter trainieren, um noch bessere Leistungen zu zeigen.

Was lief weniger gut?
Von Euw: Die Verletzungshexe hat extrem gewirkt – es hat einem fast das Herz gebrochen, wie ein Spitzenschwinger nach dem anderen die Segel streichen musste.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget für den Innerschweizerischen Teilverband?
Von Euw: Aufgrund der vielen Abwesenden durften wir Innerschweizer die Erwartungen nicht allzu hochschrauben. Umso schöner war es, dass Joel Wicki einen sensationellen Tag eingelöst und mit fünf Siegen und einem Gestellten gegen Schwingerkönig Kilian Wenger (extrem nahe am Sieg) verdient den zweiten Schlussrang belegt hat. Joel’s Leistung hätte mindestens die Schlussgangqualifikation verdient. Das wäre spannend geworden…
Auch die Leistungen von Marco Fankhauser, Reto Nötzli, Benji von Ah und Sven Schurtenberger waren sehr gut. Leider war beim einen oder anderen Schwinger nach einem ausgezeichneten Gang wieder ein Ausrutscher drin. Das war schade. Erwähnenswert war auch die Leistung von Andreas Höfliger, der im sechsten Gang mit Ruedi Roschi um einen absoluten Spitzenplatz geschwungen, diesen aber leider verloren hat.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Innerschweizerischen Teilverband?
Von Euw: Christian Schuler, Philipp Laimbacher, Mike Müllestein, Bruno Nötzli, Pirmin Reichmuth und Philipp Gloggner hätten in Bestform sehr viel ausrichten können. Aber eben, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär…

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welcher Schwinger hat dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Von Euw: Ganz klar Samuel Giger! Er hat schon eine unglaubliche Frühform ins Sägemehl gelegt und am selben Rangschwinget im Bernbiet (Ballenberg-Schwinget) mit Kilian Wenger und Matthias Glarner gleich zwei Könige souverän auf den Rücken gelegt.
Mit dem gewonnenen Schlussgang gegen Armon Orlik holte er zudem zum ersten Mal den Sieg am Nordostschweizerischen Teilverbandsfest. Eindrücklich war natürlich auch sein Auftritt auf dem Brünig, als er Christian Stucki souverän mit Kurz ins Sägemehl gebettet hat. Seine verletzungsbedingte Absage für den Unspunnen-Schwinget war natürlich extrem schade.

feldwaldwiesenblogger

Politiker und ihr anderes Ich

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

„Politker und ihr anderes Ich“ ist das neue Buch von Christina und Christian Boss. Viele Schwingerfreunde erinnern sich sicher noch an zwei von ihnen verfasste Bücher: „Christian Stucki und seine Herausforderer am 16. Kilchberger Schwinget“ sowie an „Goldenes Eichenlaub“. Ich las beide Bücher mit viel Genuss und veröffentlichte am 7. August 2015 den Blogbeitrag Der Weg zum 100. Schwingerkranz-Gewinn“ – Nachgefragt bei Christina und Christian Boss.


Die Autoren Christina und Christian Boss
Foto: Christina und Christian Boss

Mir gefiel bei diesen beiden „Schwinger-Büchern“ insbesondere der Schreibstil von Christina und Christian, welcher mir dann und wann ein Schmunzeln entlockte. Zudem entdeckten sie von den einzelnen Schwingern lebendige Geschichten, welche man so noch nie gehört hatte. Die beiden bringen das jeweils sehr feinfühlig aufs Papier und gekonnt in Buchform. Zudem verstehen es die beiden Autoren, die Texte mit passenden Bildern und Illustrationen zu unterlegen.

Im Reinhardt Verlag sind nebst dem „Goldenen Eichenlaub“ noch „Schiedsrichter sind auch nur Menschen“ sowie „Der steile Weg ins Rampenlicht“ erhältlich. Der neuste Wurf heisst wie eingangs erwähnt „Politker und ihr anderes Ich“. Christina und Christian waren so freundlich, mir ein Exemplar von diesem Buch zuzustellen. Das Buch ist erst seit kurzem bei mir zuhause, und ich habe es noch nicht gelesen.


Bestell-Talon

Auf einem Bestell-Talon wird man auf den Inhalt des Buches „gluschtig“ gemacht. Des Weiteren erkennt man auf einen Blick, von welchen Politikern das Autoren-Paar persönliche Geschichten entlockte und ausgrub. Ich für meinen Teil entschied mich dazu, Dich, liebe Leserin oder lieber Leser, auf eine Erkundungstour durch das Buch mitzunehmen.


Adrian Amstutz

Da treffen wir zu Beginn auf einen schon ziemlich älteren Haudegen der SVP, Adrian Amstutz. Der Berner mit Jahrgang 1953 ist Nationalrat und SVP-Bundeshausfraktionschef. Der stets auf den Punkt kommende Hardliner ist es auch privat. Man erfährt, dass Amstutz mehrfacher Schweizermeister im Zielspringen ist. Toni Brunner gibt über seinen Parteikollegen persönliche Noten preis: „Adrian ist voller Lebensfreude und Zuversicht“ oder: „Adrian geht. Nein er rennt. Vom Typ her unbekümmert statt detailversessen.“


Isidor Baumann

Isidor Baumann, Urner Ständerat mit Geburtsdatum 23. September 1955. Er sagt von sich: „Auf der Göscheneralp zwischen 2000 und 3000 Meter über Meer fühle ich mich am wohlsten.“ Mit schönen Bildern wird die Geschichte eines Berglers erzählt, welcher im urnerischen Wassen geboren wurde und dort immer noch lebt. Baumann erlernte einst den Beruf eines Vermessungszeichners und Vermessungstechniker. Heute hat der 62-Jährige Vollblutpolitiker mehrere Mandate inne.


Pirmin Bischof

Und wieder ein Ständerat: Der Solothurner Pirmin Bischof. Die Speaker-Legende Dagobert Cahannes erläutert die Charaktereigenschaften des im Sternzeichen „Fisch“ geborenen Bischof. Man erfährt weiter, dass der CVP-Politiker im Alter von zwei Jahren einen Schädelbruch erlitt. Oder, dass er sich auf die Fahne schrieb, seinen Kanton Solothurn so zu repräsentieren, dass er in der übrigen Schweiz nicht mehr vergessen wird. Bischof ist 58-jährig und Inhaber einer Anwaltskanzlei. Ihm wurden auch schon Bundesrats-Ambitionen nachgesagt.


Jonas Fricker

Jonas Fricker, Jahrgang 1977, war mir bis vor gut zwei Wochen kein Begriff. Der Nationalrat der Grünen, welcher in Baden AG wohnt, machte mit einer der grössten rhetorischen Entgleisungen in der jüngeren Schweizer Parlamentsgeschichte von sich reden. Kurz darauf trat Fricker als Nationalrat zurück.
Im Buch von Christina und Christian Boss kann man entnehmen, dass der Familienvater ein versierter Taktiker und Schnelldenker ist. Oder dass sich Fricker durch seine offene Art auch sehr beliebt gemacht hat. Scheinbar hat ihm aber eine Eigenschaft seines Sternzeichens „Widder“, nämlich das eines manchmal stürmischen Politkers, nun einen Streich gespielt.


Petra Gössi

Die im schwyzerischen Küssnacht lebende Petra Gössi, ihres Zeichens FDP-Parteipräsidentin, wird inzwischen in der ganzen Schweiz als sympathische Politikerin wahrgenommen. Erst recht seit ihrem gelungenen Auftritt beim „Dunnschtig-Jass“ in Muotathal SZ. Im Buch ist die Rede von „der Taucherin mit dem Mut zum Risiko“. In der Tat scheint sie ziemlich unerschrocken zu sein, absolvierte sie doch im Vorfeld der besagten Jass-Sendung einen Tandem-Fallschirmsprung. Die nächste FDP-Bundesrätin?


Karin Keller-Sutter

Auf den obigen Bildern wird sie wahrscheinlich nur von ganz wenigen erkannt: Die St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter. Der Frau mit Jahrgang 1963 werden ebenfalls beste Chancen für eine Wahl in den Bundesrat eingeräumt. Keller-Sutter’s Lebensmotto heisst „Carpe diem“ (Geniesse den Tag). Man erfährt, dass sie im Sternzeichen Steinbock geboren wurde, und sie eine echte Hardlinerin ist. Die Stadtpräsidentin von Wil SG, Susanne Hartmann, meint denn auch über ihre Kollegin: „Für sie trifft das Wort zielorientiert bestens zu.“


Martin Landolt

Martin Landolt sei ein ziemlich umstrittener Politiker, schrieb jedenfalls schon mehrfach die „Weltwoche“. In der Tat hat es der Glarner Nationalrat und seine BDP alles andere als einfach. Sind sie doch gewissermassen die Lieblingsfeinde der SVP und deren Hausblatt. Im Buch erfährt man, dass Landolt’s Traum einst vom Papst-Amt handelte, oder dass er die Abgeschiedenheit und ein einfaches Leben sucht. Der Näfelser gibt als Tätigkeit „Politiker, Strategie- und Kommunikationsberater“ an. Weiter ist Landolt ein passionierter Jäger und spielt im FC Nationalrat mit.


Christian Levrat

Und noch ein umstrittener Politiker, dazu ein erfolgreicher: Ständerat Christian Levrat. Der Freiburger mit Jahrgang 1970 ist zudem SP-Parteipräsident.
Ich rechne es den beiden Autoren hoch an, dass sie die Politiker querbeet auswählten. So erfährt man auch von unbequemen Politikern wie Levrat einiges, was man so noch nie gehört oder gelesen hat. Der Ständerat war angeblich schon auf 5010 Meter über den Anden, und nicht kalkulierbare Risiken sind nicht sein Ding. Oder: Als Levrat in Bulle FR das Gymnasium besuchte, war er Mitglied einer Theatergruppe. In dieser war damals auch Géraldine Savary. Beide sind heute die Freiburger Vertreter im Ständerat.


Filippo Lombardi

Filippo Lombardi, wortwörtlich ein Schwergewicht in der Schweizer Politik, bekleidet nebst dem Ständerats-Amt auch den Präsidenten Job beim krisengeschüttelten Tessiner Eishockey-Verein Ambri-Piotta. Nach den persönlichen Angaben erfährt man, dass der Tessiner „der starke Mann zwischen den Fronten“ ist. Nach der Ausbildung zum Journalisten absolvierte Lombardi ein Studium in Recht und Volkswirtschaft. Man weiss aus den Medien, dass der in Bellinzona geborene CVP-Politiker auch schon über die Stränge schlug. Und zum Schluss meint er zu seinen Energiequellen: „Der Schlaf kommt immer zu kurz.“ Dafür tankt er seine Energie in der schönen Bergwelt oder auf dem Luganersee.


Albert Rösti

Über den 50-jährige Nationalrat Albert Rösti kann man lesen, dass in seiner Brust zwei Herzen schlagen. Im Privaten soll er offen für die Probleme der Mitmenschen sein. Auf dem harten Politparkett ist er aber weniger warmherzig. Kein Wunder, der Berner ist SVP-Parteipräsident. In meinen Augen aber nicht von Blocher’s Gnaden, sondern mit einem eigenen Weg. Als Bergbauernsohn war Rösti viel in der Bergwelt unterwegs. Zu seinen Hobbys zählt der Familienvater auch das Schlagzeug und Trompete spielen, was im Moment aber zu kurz käme. Man erfährt weiter, dass der Frutiger ein eigenes Kleinunternehmen führt und Dölf Ogi früher sein „Dorfidol“ war.

Meine Reise ist hier zu Ende. Denjenigen, welche mit mir bis zum Schluss ausharrten, empfehle ich den Kauf dieses wirklich lesenswerten Buches!

feldwaldwiesenblogger