Saison-Bilanz der Südwestschweizer Schwinger – SWSV-Experte Michael Nydegger gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Michael Nydegger, zurzeit einziger aktiver Südwestschweizer Eidgenosse und sechsfacher Kranzfestsieger, bestritt diese Saison keine Ernstkämpfe. Nichtsdestotrotz konnte ich ihn vor dieser Saison als Experte für die Südwestschweizer Schwinger gewinnen. Am 7. März gab er hier seine Einschätzung zur bevorstehenden Saison ab. Michael sprach dabei von vier oder fünf Schwingern, welche ein Riesenpotenzial haben.
Wie wir Schwingerfreunde während den letzten Monaten feststellen durften, konnten die Südwestschweizer diese Saison doch den einen oder anderen Kranzerfolg ausserhalb ihres Teilverbandes feiern. Zudem drücken vielversprechende Talente nach, welche doch einige Akzente setzten konnten. Alles in allem sind das positive Signale, welche die Südwestschweizer Schwingergemeinde positiv stimmen dürfen.

Mein Dank geht an Michael Nydegger, welcher mir seine Sicht der Dinge am Telefon übermittelte.


Michael Nydegger, SWSV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Südwestschweizer?
Michael Nydegger: Im Vergleich zu 2016 und 2015 verlief diese Saison im Grossen und Ganzen gut. Es geht wieder aufwärts! Wir haben Newcomer wie Lario Kramer und Johann Borcard, welche sich gut entwickeln. Der Schwingsport ist im Prinzip ein träges System und man kann nicht gleich Schwingerkönige erwarten. Es entwickelt sich aber etwas Positives und eine Aufwärtstendenz ist deutlich erkennbar.

Welches waren die Highlights für den Südwestschweizerischen Teilverband?
Nydegger: Riesengrosse Highlights gab es nicht. Dafür gab es in meinen Augen einige Überraschungen. Eine solche war der Kranzfestsieg von Michel Dousse, welcher zusammen mit Curdin Orlik das Walliser Kantonale gewann. Michel hatte in der Vergangenheit mit Verletzungen zu kämpfen und konnte nun seinen Aufbau bestätigen. Er ist technisch ein sehr versierter Schwinger.
Weiter zeigte Steven Moser mit dem Schwarzsee- und dem Berner Kantonal-Kranz, dass auch Südwestschweizer Schwinger wieder mithalten können. Dies bestätigten unsere beiden Schwinger, welche beim Nordostschweizerischen Teilverbandsfest in Davos den Kranz gewannen. Unsere Schwinger zeigten 2017 ausserhalb unseres Teilverbandes gute Leistungen und schwangen um Kränze mit.
Zu erwähnen gilt auch Johan Borcard’s Entwicklung während der Saison. Beim Unspunnen-Schwinget bezwang er gar zwei Eidgenossen!

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Nydegger: Mir hat Lario Kramer sehr gut gefallen. Lario schwingt angriffig und selbstsicher. Weiter erwähne ich Fredy Riedo, ein junger Schwinger aus unserem Klub. Er holte dieses Jahr den ersten Kranz beim Freiburger Kantonalen. Fredy hat zwar spät mit dem Schwingsport begonnen. Er bringt aber ein gewisses Talent mit, schwingt locker und lernt die Schwünge relativ einfach. Wenn er dranbleibt, kann er in nächster Zeit für Furore sorgen. Weiter Florian Minder, welcher diese Saison zwei Kränze gewann. Er trainiert sehr viel und sein Aufwand trägt langsam Früchte. Das sind junge Schwinger, welche langsam nachstossen.

Welche Schwinger haben überrascht?
Nydegger: Überrascht hat mich der bereits erwähnte Johann Borcard. Vom Unspunnen-Schwinget konnte er ein gutes Notenblatt und einen guten Rang nach Hause nehmen.
Lario Kramer hat auf der Schwägalp überrascht, obwohl er den Kranz verpasst hat. Sein Auftritt hat mich überzeugt. Es zeigt mir, dass Siegeswillen vorhanden ist. Diese Schwinger agieren kämpferisch, das ist enorm wichtig im Schwingsport.

Welcher Südwestschweizer Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Nydegger: Es ist schwierig, einen einzelnen Schwinger zu benennen. Diese Saison lief gut. Die Südwestschweizer müssen aber als Team auftreten, müssen einander pushen und zusammen gut trainieren. Deshalb möchte ich hier keinen besonders hervorheben. So jemand kristallisiert sich dann schon heraus. Wie einst unsere Grössen Yerly, Pellet, Zbinden oder Schläfli. Wenn du mir diese Frage in zwei Jahren stellst, kann ich dir wahrscheinlich mehr sagen.
Der Aufsteiger der Saison ist für mich Lario Kramer. Er besitzt ein vielseitiges technisches Repertoire. Technische Mängel gilt es beim Training noch auszumerzen.

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Südwestschweizer?
Nydegger: Besonders erwähnenswert ist, dass man bei auswärtigen Schwingfesten Kränze machte. Oder dass wir beim gut besetzten Schwarzseeschwinget auch einen Kranzgewinn feiern durften.
Der neue Technische Leiter Christian Schmutz hat in seinem ersten Jahr gute Arbeit geleistet. In einer Saison, welche nach dem Eidgenössischen ohne Kranz doch schwierig war. Christian hat einen starken Charakter und kennt die Schwinger gut. Er studiert sie regelmässig an Schwingfesten. Zudem vermag sich der TK-Chef gut in einem Einteilungsbüro zu behaupten.

Was lief weniger gut?
Nydegger: Wir hatten einige Verletzte zu beklagen. Darunter Benjamin Gapany oder Rolf Kropf, welcher während der Saison verletzungsbedingt aufgeben musste. Rolf hatte im letzten Winter gut trainiert. Mir gefällt seine Schwingweise, seine Hakenschwünge und seine Defensive. Ich habe es bedauert, dass Rolf seine Saison nicht beenden konnte.
Gapany und Kropf befinden sich nun im Aufbau. Benjamin steht wieder im Sägemehl und Rolf wird Ende Jahr wieder in den Schwingkeller gehen. Die beiden sind eine Verstärkung für das SWSV-Team, was natürlich sehr wichtig ist.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget, für die Südwestschweizer?
Nydegger: Wie bereits erwähnt: Johann Borcard war der Mann des Tages aus Südwestschweizer Sicht. Schade war, dass Steven Moser keinen guten Tag einzog. Der Druck war vermutlich gross und Steven erreichte nicht das, was er sich vorstellte. Er sollte sich in meinen Augen technisch noch verbessern. Physisch kann er mit Topleuten aus anderen Teilverbänden mithalten, technisch nicht ganz. Man durfte von den Südwestschweizern nicht erwarten, dass sie einen Schlussgangteilnehmer stellen. Sie konnten die Saison aber gut abschliessen und dürfen nun die neue Saison zuversichtlich in Angriff nehmen.
Es ist eine alte Weisheit, dass man die Kränze im Winter gewinnt. Indem man gut trainiert und sich vorbereitet. Wichtig ist zudem, dass man die gesteckten Ziele in der neuen Saison umsetzen kann.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Südwestschweizerischen Teilverband?
Nydegger: Gapany und Kropf waren zwei gewichtige Ausfälle. Die beiden fehlten natürlich dem Südwestschweizer Team. Von der Verletzunghexe waren auch noch andere Schwinger betroffen.

Ein Blick über den Teilverband hinaus: Welcher Schwinger hat dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Nydegger: Für mich ganz klar Joel Wicki! Nicht unbedingt nur wegen den guten Resultaten. Sondern wegen seinem starken Auftritt beim Unspunnen-Schwinget. Und dies nach einer Fussverletzung, welche er sich anfangs Juli auf der Rigi zuzog. Ich weiss aus eigener Erfahrung, was es für eine Rückkehr nach einer Verletzung braucht. So ein starkes Comeback ist nicht selbstverständlich. Er ist zwar noch jung, aber seine Regenerationszeit wird sich mit zunehmendem Alter auch verändern. Ich hoffe, dass er zusammen mit seinem Umfeld seine Gesundheit im Auge behält. Dass er nachhaltig denkt und dass er mit seinem Talent noch lange schwingen kann.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Schwingst du 2018 wieder?
Nydegger: Voraussichtlich nicht. Ich denke, ich werde in nächster Zeit meinen Rücktritt bekannt gegeben.

feldwaldwiesenblogger

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