Saison-Bilanz der Innerschweizer Schwinger – ISV-Experte Daniel von Euw gibt Auskunft

Text und Foto: feldwaldwiesenblogger

Zurzeit ziehe ich Bilanz über die mit vielen Highlights und Überraschungen gespickte 2017er-Saison. Nach den Experteneinschätzungen für die Nordwest- und die Südwestschweiz folgt heute diejenige für den Innerschweizerischen Schwingerverband.

Daniel von Euw konnte ich vor der nun zu Ende gegangenen Saison als Experte für die Innerschweizer Schwinger gewinnen. Der vierfache Eidgenosse war von 1981 bis 2002 selber ein erfolgreicher Spitzenschwinger und kennt als Kommentator auf Radio Central die Schwing-Szene natürlich bestens.

Am 13. März gab Daniel seine Einschätzung zur diesjährigen Saison ab. Dabei erwähnte der Geschäftsführer der Oberallmeindkorporation (OAK) Schwyz unter anderem Spitzenschwinger und Talente wie Christian Schuler, Mike Müllestein, Ralf Schelbert oder Dario Gwerder, auf welche er setzte. Sie verletzten sich leider allesamt und konnten die Saison nicht beenden. Ralf fehlte verletzungsbedingt gar die ganze Saison. Daniel bringt weiter unten die diesjährige Verletztenmisere der Innerschweizer mit einer Aussage auf den Punkt: „Die Verletzungshexe hat extrem gewirkt – es hat einem fast das Herz gebrochen.“
Dennoch durften die Innerschweizer trotz allem auch Glanzlichter feiern. So bezeichnet der ISV-Experte den Auftritt von Joel Wicki beim Unspunnen-Schwinget schlicht und einfach als Extraklasse.

Ich bedanke mich bei Daniel von Euw, welcher mir meine Fragen schriftlich beantwortete.


Daniel von Euw, ISV-Experte

Kurz zusammengefasst: Wie verlief aus deiner Sicht die Saison für die Innerschweizer?
Daniel von Euw: Trotz den vielen Verletzten haben die Innerschweizer Schwinger sehr gute Leistungen gezeigt. Die Kantonalen in der Innerschweiz sind sehr ausgeglichen verlaufen. Schön war, dass neben den erwarteten Siegschwingern wie Christian Schuler, Andi Ulrich, Sven Schurtenberger und Joel Wicki mit Marcel Bieri, René Suppiger und Bruno Nötzli auch drei neue Kranzfestsieger gefeiert werden konnten. Aber auch die Eidgenossen Philipp Laimbacher, Benji von Ah, Reto Nötzli, Erich Fankhauser, Mike Müllestein, Philipp Gloggner, Andy Imhof und Marcel Mathis liessen teilweise ihr Können aufblitzen.

Welches waren die Highlights für den Innerschweizerischen Schwingerverband?
Von Euw: Das erste Highlight für den Innerschweizerischen Schwingerverband ist für mich eindeutig der neue Verteiler bei den Kantonalen im ISV-Verbandsgebiet. Die Besetzung dieser Feste wird dadurch ausgeglichener. Die Favoriten werden über alles gesehen mehr gefordert. Für die guten Nichtkranzer gibt es zudem mehr Startmöglichkeiten und ihre Chance, den ersten Kranz zu gewinnen, steigt.
Das zweite Highlight war ganz klar Joel Wicki. Wie er sich im Verlauf der Saison gesteigert und was er beim Unspunnen nach seiner auf der Rigi zugezogenen Verletzung gezeigt hat, war Extraklasse!

Welche Schwinger sorgten besonders für Furore?
Von Euw: Joel Wicki war über die ganze Saison gesehen klar der beste Innerschweizer Schwinger. Sein Auftritt am ersten Bergkranzfest auf dem Stoos war überragend. Seine Leistung beim Unspunnen-Schwinget hätte mindestens mit der Schlussgangqualifikation gegen Christian Stucki belohnt werden sollen. Das wäre das i-Tüpfelchen für dieses Fest gewesen.
Sven Schurtenberger machte ebenfalls einen grossen Schritt vorwärts und muss keinen Gegner fürchten. Christian Stucki hat sich beim Innerschweizerischen und beim Unspunnen an Sven die Zähne ausgebissen. Besonders gefreut haben mich auch die angriffsfreudigen Auftritte von Marcel Bieri.

Welche Schwinger haben überrascht?
Von Euw: Zuerst hat mich überrascht, wie stark Joel Wicki von seiner Verletzung vom letztjährigen Schwägalp-Schwinget zurückgekommen ist. Dass er auf der Rigi Daniel Bösch, mit dem er sich die Verletzung zugezogen hatte, souverän zum Sieg kurzte, zeugt von Joel’s grossem Selbstvertrauen und seiner Klasse. Schwingfeste leben von Überraschungen! So war der Sieg von Marcel Mathis am Innerschweizerischen mit sechs gewonnenen Gängen eine riesige Überraschung, nachdem Marcel an den Kranzfesten zuvor zum Teil sehr unglücklich geschwungen hatte.
Im Weiteren waren natürlich die Siege von Mike Müllestein (am Schwarzsee) und von Reto Nötzli (am Unspunnen) jeweils über Schwingerkönig Matthias Sempach absolute Höhepunkte. Es hat noch einige Schwinger gegeben, welche einen Schritt vorwärts gemacht haben – so zum Beispiel der Urner Stefan Arnold, der sich nicht weniger als sechsmal vor die Ehrendamen begeben durfte.

Welcher Innerschweizer Schwinger war für dich der Schwinger des Jahres, welcher der Aufsteiger der Saison? Warum?
Von Euw: Joel Wicki ist nach seiner letztjährigen Verletzung körperlich noch stärker und technisch vielseitiger zurückgekehrt. Deshalb ist er für mich klar der Innerschweizer Schwinger des Jahres.
Marcel Bieri ist für mich der Aufsteiger der Saison. Er ist mit seinen Leistungen zur Spitze aufgerückt und hat sogar noch Potenzial nach oben!

Was lief in deinen Augen besonders gut für die Innerschweizer?
Von Euw: Die Innerschweizer Schwinger haben sich trotz den vielen Ausfällen nicht entmutigen lassen und haben versucht, das Beste aus der Situation herauszuholen. Wie schon erwähnt, wird sich der neue Kranzfestverteiler positiv auf die Leistungen der Schwinger auswirken. Die Spitzenschwinger werden mehr gefordert. Zudem gibt es mehr Neukranzer, welche dann hoffentlich motiviert weiter trainieren, um noch bessere Leistungen zu zeigen.

Was lief weniger gut?
Von Euw: Die Verletzungshexe hat extrem gewirkt – es hat einem fast das Herz gebrochen, wie ein Spitzenschwinger nach dem anderen die Segel streichen musste.

Wie verlief der Saisonhöhepunkt, der Unspunnen-Schwinget für den Innerschweizerischen Teilverband?
Von Euw: Aufgrund der vielen Abwesenden durften wir Innerschweizer die Erwartungen nicht allzu hochschrauben. Umso schöner war es, dass Joel Wicki einen sensationellen Tag eingelöst und mit fünf Siegen und einem Gestellten gegen Schwingerkönig Kilian Wenger (extrem nahe am Sieg) verdient den zweiten Schlussrang belegt hat. Joel’s Leistung hätte mindestens die Schlussgangqualifikation verdient. Das wäre spannend geworden…
Auch die Leistungen von Marco Fankhauser, Reto Nötzli, Benji von Ah und Sven Schurtenberger waren sehr gut. Leider war beim einen oder anderen Schwinger nach einem ausgezeichneten Gang wieder ein Ausrutscher drin. Das war schade. Erwähnenswert war auch die Leistung von Andreas Höfliger, der im sechsten Gang mit Ruedi Roschi um einen absoluten Spitzenplatz geschwungen, diesen aber leider verloren hat.

Welche Auswirkungen hatte die Verletzungshexe für den Innerschweizerischen Teilverband?
Von Euw: Christian Schuler, Philipp Laimbacher, Mike Müllestein, Bruno Nötzli, Pirmin Reichmuth und Philipp Gloggner hätten in Bestform sehr viel ausrichten können. Aber eben, wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär…

Zum Schluss ein Blick über den Teilverband hinaus: Welcher Schwinger hat dich nebst dem Unspunnen-Sieger Christian Stucki diese Saison am meisten beeindruckt? Warum?
Von Euw: Ganz klar Samuel Giger! Er hat schon eine unglaubliche Frühform ins Sägemehl gelegt und am selben Rangschwinget im Bernbiet (Ballenberg-Schwinget) mit Kilian Wenger und Matthias Glarner gleich zwei Könige souverän auf den Rücken gelegt.
Mit dem gewonnenen Schlussgang gegen Armon Orlik holte er zudem zum ersten Mal den Sieg am Nordostschweizerischen Teilverbandsfest. Eindrücklich war natürlich auch sein Auftritt auf dem Brünig, als er Christian Stucki souverän mit Kurz ins Sägemehl gebettet hat. Seine verletzungsbedingte Absage für den Unspunnen-Schwinget war natürlich extrem schade.

feldwaldwiesenblogger

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