Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ – Teil 3

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute folgt bereits Teil 3 und der Abschluss der Reihe „Besuch beim vierfachen Eidgenossen Toni Steiner in Ingenbohl SZ“. Ich lauschte Toni beim Gespräch in Ingenbohl gespannt und war ob einigen Entscheidungen, Tatsachen und Vorkommnissen von damals ziemlich erstaunt. Hinterher beim Niederschreiben ertappte ich mich öfters, wie ich bei gewissen Aussagen des Ingenbohlers den Schwingsport von damals mit heute verglich. Ich musste aber auch eingestehen: Es waren andere Zeiten. Auf die Unterschiede kommen wir beim Teil 3 auch zu sprechen. Toni meint dazu: „Die Schwingerei als solches ist immer noch gleich. Der Stellenwert ist einfach anders und ist im Moment viel grösser als zu unserer Zeit.“


Toni Steiner, vierfacher Eidgenosse
Foto: feldwaldwiesenblogger

Welche Schwinger beeindruckten Toni während seiner Aktivzeit am meisten?
Toni erklärt: „Von den ganz Grossen haben mich Karl Meli und Ruedi Hunsperger am meisten beeindruckt. Weiter Karl Oberholzer: Zu ihm hatte ich beste Beziehungen, da ich während meiner Zeit in Zürich mit ihm trainiert habe. Auch Ruedi Kobelt war ein starker Schwinger. Bei einem Schwingfest in Domat-Ems bezwang Kobelt gar Meli, Oberholzer und Brändle. Für mich persönlich war es einer der grössten Siege, als ich Ruedi Kobelt beim Allweg-Schwinget einmal bezwingen konnte.
Von den ISV-Schwingern hinterliessen Remigi Niederberger, Adi Zurfluh und Hans Zurfluh für mich den grössten Eindruck. Gegen Remigi habe ich ein einziges Mal geschwungen. An den grossen Festen mussten wir halt meistens gegen Gäste aus anderen Teilverbänden antreten, ausser an den Jahren mit einem Eidgenössischen. An diesen waren damals bei den Teilverbandsfesten keine Gäste zugelassen.“

Erinnerungen an Eidgenössische Schwingfeste und an Schwingfeste mit Eidgenössischem Charakter
Toni nahm an sieben Eidgenössischen Schwingfesten teil, weiter dreimal beim Kilchberger Schwinget und zweimal beim Unspunnen-Schwinget. Der vierfache Eidgenosse ergänzt: „Früher hatte der Unspunnen-Schwinget nicht der Stellenwert, welcher dieser heute besitzt und war damals noch kein Schwingfest mit Eidgenössischem Charakter. Zu meiner Aktivzeit fiel einmal sogar der Rigi-Schwinget mit dem Unspunnen-Schwinget zusammen. Ich gewann an diesem Tag den Rigi-Kranz.“

Zwei Episoden zum „Südwestschweizer Kranz“
Als Toni beim Südwestschweizerischen Schwingfest den Kranz gewann, konnte er hinterher nicht wie üblich seine Gabe auslesen. Man musste in Lausanne eine Nummer ziehen, welche zu einer Gabe gehörte. Der leidenschaftliche Faustball-Spieler zog dann einen Stuhl: „Aber was wollte ich mit einem Stuhl auf der Rückreise im Zug? Ich gab diesen zusammen mit 5 Franken einem Burschen und erteilte ihm den Auftrag, mir diesen heimzuschicken. Der Stuhl traf dann tatsächlich per Post ein.“
Als Toni mit seinen Kameraden nach dem besagten Südwestschweizerischen mit dem Zug heimfuhr, wurden sie von einem Bekannten gefragt, ob sie denn an einem Hornusser-Anlass waren. Toni entgegnete, dass er an einem Schwingfest war und nahm zum Beweis den Kranz hervor. In diesem Moment fiel ihm auf, dass die Kranzschleife gar nicht angeschrieben war. Der Ärger war verständlicherweise gross. Der gelernte Maschinenschlosser empört: „Es stellte sich heraus, dass sie im Welschland Sparmassnahmen hatten und nur eine gewisse Anzahl Kränze vorgängig anschreiben liessen. Ich gab etwas später in Luzern einen ESV-Schwingkurs und erwähnte die Kranzschleifen-Geschichte vor dem Zentralvorstand, welcher dort anwesend war. Ich erklärte ihnen: Das schlimmste sei dieser Südwestschweizer Kranz, welcher nicht angeschrieben ist. ISV-Präsident Walter Kürzi wurde hellhörig, setzte sich dafür ein und zwei Wochen später wurde mir eine korrekt angeschriebene Kranzschleife heimgeschickt.“


Eine seiner liebsten Gaben: Die Allweg-Truhe
Foto: feldwaldwiesenblogger

Die begehrte Allweg-Truhe
In Toni’s Stube steht eine Allweg-Truhe, welche dannzumal ein Erinnerungs-Symbol an den Allweg-Schwinget war. Diese Gabe gibt es heute nicht mehr. Als der 15-fache Rangfestsieger diese mit nach Hause nehmen durfte, stand er mit Karl Meli im Schlussgang. Zu der für ihn sehr bedeutsamen Allweg-Truhe meint er: „Es gab auch Klopfen und Schellen als Preise. Diese waren in der Regel wertvoller als die Truhe. Aber alle wollten zu dieser Zeit diese Allweg-Truhe. Beim besagten Schwinget war Michael Bütler vor mir platziert und sagte zu mir: Hast du bereits so eine Holzkiste? Ich verneinte. Darauf erwiderte er, dass er deshalb eine Schelle nehme. So kam ich zu dieser Truhe. Für mich ist das ein schönes Andenken an diesen Anlass.“

Das beste Schwingfest in Toni’s Karriere
Toni meint zu diesem Thema: „Mein bestes Schwingfest war das Urner Kantonale Jubiläumsschwinget 1967 in Bürglen, welches ich gewann. Die Urner feierten damals das 50-jährige Bestehen ihres Kantonalen Schwingerverbandes. Bei diesem Fest gestaltete ich fünf Gänge siegreich und musste im fünften Gang mit Franz Emmenegger stellen.“ Der Schwyzer zog in Bürglen einen Supertag ein und bezwang Toni Zurfluh, Albert Imfeld, Adi Zurfluh, Remigi Niederberger und im Schlussgang Werner Sturzenegger. Von der Besetzung her war das Schwingfest fast wie ein „Mini-Innerschweizerisches“. Denn es trat praktisch die gesamte Innerschweizer Elite an. „Die Gebrüder Adi, Sepp und Theo Zurfluh haben gar den Kranz verpasst. Gäste von anderen Teilverbänden waren übrigens keine anwesend“, schliesst Toni ab.
Apropos: Den Mythenverbändlern scheinen die Jubiläumsschwingfeste der Urner zu liegen. Denn: Toni gewann beim 50. Geburtstag des Urner Kantonalen Schwingerverbandes und Daniel von Euw beim 75. Geburtstag. Beinahe hätte Philipp Laimbacher heuer beim Jubiläumsschwingfest zum 100. Geburtstag obenaus geschwungen. Leider stellte Philipp im Schlussgang mit Benji von Ah und der Sieg trug schlussendlich der Luzerner Sven Schurtenberger davon.


Toni (links) schwingt mit Hans Neukomm beim Eidgenössischen 1974 in Schwyz
Foto: Toni Steiner

Keine Kranzfeier nach dem Eidgenössischen in Schwyz
Wie bereits erwähnt, war das Eidgenössische 1974 in Schwyz Toni’s letztes Schwingfest. Nach dem Grossanlass, an welchem der Familienvater als einziger Schwyzer den Kranz gewann, musste er am darauf folgenden Morgen um sieben Uhr wieder zur Arbeit. Es gab weder am Abend noch später eine Kranzfeier. Selbst bei der Generalversammlung des Schwingerverbandes am Mythen blieb dies unerwähnt. Einzig die OK-Mitglieder vom Eidgenössischen wurden geehrt. Ganz ohne Geschenk blieb Toni dann doch nicht. „Beim Traktandum „Verschiedenes“ wurde mir von Jost Stössel eine Flasche Chrüter übergeben. Diese besorgte Stössel vor der GV im Restaurant Rose. Das war früher halt schon anders. Heutzutage werden für die Kranzgewinner an Eidgenössischen hüben und drüben Kranzfeiern abgehalten“, meint der Mythenverbändler zu diesem Thema.

Der Schwingsport während Toni’s Aktivzeit und heute
Angesprochen auf dieses Thema und ob er dabei Unterschiede ausmache, meint Toni: „Eigentlich keine. Die Schwingerei als solches ist immer noch gleich. Der Stellenwert ist einfach anders und ist im Moment viel grösser als zu unserer Zeit. Damals war man ein einfacher Schwinger und nebst den Schwingsport-Fans hat uns praktisch niemand gekannt. Wenn ich zum Beispiel beim Faustballspiel auf meine Schwingerkarriere angesprochen werde und erkläre, dass ich vier Eidgenössische Kränze habe, erschrecken einige Leute beinahe. Was auch auffällt, ist die Tatsache, dass heutzutage viel mehr Frauen an den Schwingfesten anzutreffen sind. Das zeigt, dass die jungen Schwinger beliebt sind bei den Frauen.“
Der ehemalige Sennenschwinger stellt aber auch fest, dass die Schwinger heute mehr Gelegenheiten erhalten, an Kranzfeste zu gehen und einen Kranz zu gewinnen. Aber noch etwas Anderes sticht Toni ins Auge: „1964 traten nach dem Eidgenössischen in Aarau beim Allweg-Schwinget 24 (!) Eidgenossen an. Jenes Schwingfest gewann Adi Zurfluh. Heute bringen sie nach einem Grossanlass bestenfalls fünf Eidgenossen ins Starterfeld. Sogar Thomas Sutter startete 1995 als frischgebackener Schwingerkönig beim Allweg-Schwinget. Heute käme ein neuer Schwingerkönig ganz sicher nicht mehr auf den Allweg.“

Diskussion mit Martin Grab vor dem diesjährigen Haldiberg-Schwinget
Als Toni dieses Jahr zum Haldiberg-Schwinget fuhr, führte er bei der Anfahrt eine interessante Diskussion mit Martin Grab. Der rüstige Senior sagte zu Grab, welcher beim diesjährigen Haldiberg-Schwinget Rang 2b belegte: „Es klingt zwar etwas komisch. Aber: Wir nahmen damals vermutlich lieber an Schwingfesten teil als die Schwinger heute. Die besten Schwinger wollen heutzutage nämlich auf keinen Fall ein schlechtes Fest abliefern. Wenn wir früher mal an einem Fest verloren haben, nahm man es nicht gleich tragisch wie in der Neuzeit. Heutzutage wird das in den Medien gleich ziemlich breitgeschlagen, wenn ein Eidgenosse an einem Kranzfest den Kranz nicht gewinnt. Und: Mit Sponsoren im Rücken darfst du dir kaum mehr ein schlechtes Fest erlauben.“


Toni (rechts) im Bodenkampf mit Ernst Wyrsch beim Alpenrösli-Schwinget in Schwyz (Jahr unbekannt)
Foto: Toni Steiner

„Es ist tragisch, dass man heute vier Teilnahmen an Rangschwingfesten pro Jahr vorschreiben muss“
Der 78-fache Kranzgewinner findet es tragisch, dass man heute vier Teilnahmen an Rangschwingfesten pro Jahr vorschreiben muss. Für ihn gehörte die Teilnahme an den Rangschwingfesten in der Region einfach dazu. Sie mussten sich damals sogar für den Herbstschwinget Siebnen qualifizieren. Toni durfte glücklicherweise immer antreten. Teilweise konnten aber Kranzschwinger aus seinem Klub nicht teilnehmen, da sonst zu viele angetreten wären. Der ehemalige Liegenschaften-Schätzer führt weiter aus, dass die Organisatoren in der Neuzeit manchmal darum betteln müssen, um genügend Teilnehmer an einem Herbstschwinget zu haben. Toni ergänzt: „Aber: Diese Herbstschwingfeste haben von der Tradition und vom Namen her nichts eingebüsst. Das Wetter ist ziemlich massgebend. Die Zuschauer kommen in grossen Scharen, auch wenn nicht 20 Eidgenossen teilnehmen.“
Der 76-Jährige beobacht dabei eine Negativ-Spirale: Die grossen Schwingfeste werden noch grösser und man bläst sie noch mehr auf. Einige Rangschwingfeste hingegen müssen teilweise ums Überleben kämpfen.

Welche Schwinger beeindrucken Toni heute am meisten?
Der sechsfache Kranzfestsieger kontert mit einer Gegenfrage: „Soll ich etwas Böses sagen? Es sind die Schwinger, welche an alle Schwingfeste gehen. Ich bin zwar nicht der grösste Fan von ihm, denke dabei aber an Stefan Burkhalter. Der Thurgauer geht mit 43 Jahren noch an praktisch alle Schwingfeste. In meinen Augen dürften sich einige Schwinger den Oldie als Vorbild nehmen.“

Ich bedanke mich bei Toni Steiner für das lebendige Gespräch: Für die interessanten, spannenden und teilweise lustigen Fakten sowie Anekdoten! Der 76-jährige war zu seiner Zeit einer der erfolgreichsten Innerschweizer Schwinger. Seine statistischen Zahlen sind äusserst beeindruckend.
Ich wünsche dem rüstigen Rentner noch viele spannende Schwingfestbesuche, beste Gesundheit und alles Gute für die Zukunft!

feldwaldwiesenblogger

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