Trainingsbesuch beim Schwingklub Sumiswald

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Auf meiner Reise durch die Teilverbände, in welchem ich seit anfangs 2017 je einen Schwingklub besuche, bin ich nun bei den Bernern angelangt. Bei der Auswahl achtete ich diesmal auch auf meine Herkunft, respektive mit wem der Schwingklub Muotathal im Bernbiet gute Beziehungen unterhält. Darunter befindet sich der Schwingklub Sumiswald.

Am Donnerstag, 11. Januar, stattete ich den Emmentalern einen Trainingsbesuch ab. An diesem Abend trainierten die Aktivschwinger von 20 bis 22 Uhr im Schwingkeller in Sumiswald. Der Schwingklub Sumiswald trainiert in einem eigenen Schwingkeller, welcher 1990 bezogen werden konnte. Die Schwinger teilen sich den Keller mit den Kleinkaliber-Schützen.

Bevor das Training losging, konnte ich mit Ueli Steffen (Klubpräsident), Damian Gehrig (Aktiver und TK-Chef Aktive) sowie Marcel Brunner (Aktiver und TK-Chef Jungschwinger) ein ausführliches Interview führen. Denn in meinem Gepäck fanden sich nebst dem Fotoapparat auch ein Fragenkatalog mit 20 Fragen.


Von links nach rechts: Ueli Steffen (Klubpräsident), Damian Gehrig (TK-Chef Aktive) und Marcel Brunner (TK-Chef Jungschwinger)

Wann wurde der Schwingklub Sumiswald gegründet?
Ueli Steffen: „1928 taten sich ein paar Männer aus Sumiswald und Wasen zusammen und gründeten den Schwingklub Sumiswald.“

Mit wem erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten?
Ueli: „Es war laufend ein Auf und Ab. In den frühen Jahren existierte die Dynastie Eggimann, welche Eidgenossen hervorbrachte. Später kamen die Gebrüder Lüthi aus Waldhaus. Dann kam irgendwann ein Tief, auf welches die beiden Eigenossen Walter Moser und Hansruedi Sommer folgten. Die Neuzeit brachte mit Roland Gehrig und Fritz Bähler weitere Eidgenossen hervor. Man darf behaupten, dass wir derzeit einen Höhenflug erleben. Denn mit so vielen starken Schwingern, wie wir im Moment haben, sind wir im Kanton Bern sehr gut aufgestellt.“

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sumiswald aus?
Damian Gehrig:
„Das ist relativ gross, nebst Sumiswald sind das etwa acht bis zehn Gemeinden wie Lützelflüh, Rüegsau, Trachselwald, Affoltern, Dürrenroth, Hasle, Landiswil oder Obergoldbach.“

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
Damian:
„Für die Saison 2018 liess ich bisher 29 Aktive versichern. Es ist gut möglich, dass ich noch einige wenige nachversichern lasse.“
Marcel Brunner: „Wir zählen 41 Jungschwinger, welche in zwei Gruppen aufgeteilt sind. Am Dienstag ist Training mit den Kids, den fünf- bis zehnjährigen Buben. Am Donnerstag trainieren wir die älteren Jungschwinger, welche 9 bis 15 Jahre alt sind. Dabei gibt es eine altersmässige Überschneidung, bei der auch das aktuelle Können mitentscheidend ist.“

Wie sehen die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger für 2017 aus?
Damian:
„Wir sind grösstenteils zufrieden, es wäre aber noch mehr möglich gewesen. 30 Saisonkränze haben wir erreicht. Zehnmal fehlte leider ein Viertelpunkt für den Kranzgewinn. Schade ist, dass sich im Saisonverlauf einige Schwinger verletzt haben.“
Marcel: „Die Saison war gut, aber auch bei den Jungschwingern wäre noch mehr drin gelegen. Wir holten vier Festsiege und 104 Zweige. 21 Schwinger gewannen dabei Zweige und insgesamt zählten wir 16 Schlussgangteilnehmer.“

Wurden die anvisierten Ziele 2017 erreicht?
Damian: „Einige Ziele wurden erreicht, andere nicht. Schade ist, dass es keine Neukranzer und keine neuen Kantonalkranzer gab. Wir hätten uns erhofft, dass es bei einem oder zwei klappen könnte. Dabei spielten die bereits angesprochenen „Viertelpunkte“ auch eine Rolle.“
Marcel: „Wir setzen uns jeweils das Ziel, 100 Zweige zu gewinnen. Dies haben wir erreicht. Bei den Festsiegen war das Ziel fünf, was mit vier Siegen knapp nicht geschafft wurde. Unsere Ziele haben wir im Grossen und Ganzen erreicht.“

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Emmentaler Schwingklubs und ganz allgemein im Berner Teilverbandsgebiet aus?
Damian:
„Die Zusammenarbeit unter den Emmentaler Schwingklubs und ganz allgemein im Kanton Bern funktioniert gut. Es findet wöchentlich ein Emmentaler Verbandstraining in Langnau statt, welches es allen Aktiven erlaubt, teilzunehmen. Je nachdem, was für eine Saison ansteht, finden monatlich ein bis zwei Trainingszusammenzüge des Bernisch-Kantonalen Schwingerverbandes statt. Für diese Trainings erfolgt vorgängig eine Kader-Selektionierung. Diese Kaderzusammenzüge finden auch in Jahren ohne Feste mit Eidgenössischem Charakter statt.“
Marcel: „Auch beim Nachwuchs wird relativ viel gemacht. Am Freitag findet jeweils ein Emmentaler Verbandstraining statt. Innerhalb des Kantons wurde Mitte der letzten Saison ein Novizen-Kader gebildet. Die rund zehn besten Jungschwinger pro Jahrgang wurden dabei selektioniert.“


Beim Besuch wurde unter anderem der Hüfter trainiert

Erlebte euer Schwingklub dank den beiden Eidgenössischen Kränzen (Estavayer2016) von Damian Gehrig und Philipp Schenk sowie mit Matthias Aeschbacher (einem der besten Nichteidgenossen) vergangene Saison einen Aufschwung?
Damian:
„Ich sehe dabei zwei Aspekte. Einerseits findet jährlich im Herbst der Eidgenössische Schnuppertag statt. Wir haben das so organisiert, dass einer oder zwei von uns dreien jeweils dabei ist. Man darf schon behaupten, dass die Schnuppertage ein Erfolg sind. Denn es nehmen relativ viele Buben teil. Andererseits: Klubintern hatten wir vorher schon ein gutes Team. Klar, die beiden Eidgenössischen Kränze und die Erfolge haben uns Freude bereitet und wir sind dadurch noch motivierter.“
Marcel:Wir haben nach den beiden Eidgenössischen Kränzen tatsächlich bessere Resultate erzielt. Aber, ob das mit diesen Erfolgen zusammenhängt, ist nicht so einfach zu beantworten.“
Damian: „Den Grundstein dieser Erfolge wurde vor gut zehn Jahren gelegt. Es wäre falsch, dies auf die letzten zwei oder drei Jahre abzuwälzen. 2013 in Burgdorf erkämpften wir uns keinen Eidgenössischen Kranz. Sechs Schwinger von unserem Klub haben sich damals fürs ESAF qualifiziert, und alle bestritten acht Gänge. Es war wohl nicht der grosse Coup, wir jüngeren Schwinger konnten dort aber wertvolle Erfahrungen sammeln. Für Estavayer2016 wurden wieder sechs Schwinger (plus zwei Ersatzschwinger) selektioniert.“

Wie lief es den Sumiswalder Schwingern beim Unspunnen-Schwinget?
Damian: „Matthias Aeschbacher belegte den sehr guten Rang 4d. Patrick Schenk landete auf Rang 10, Roman Sommer auf dem 11. und Gustav Steffen auf dem 16. Schlussrang. Alle vier Teilnehmer konnten sechs Gänge bestreiten. Schade war, dass sich der fünffache Saisonkranzer Philipp Gehrig verletzte und nicht teilnehmen konnte.“
Ueli: „Neben Philipp verletzte sich auch Damian. Beide wären für Unspunnen qualifiziert gewesen, konnten aber leider wegen Verletzungen nicht antreten.“

Wann erfolgte der Trainingsstart für die neue Saison?
Ueli:
„Der Trainingsstart für die Saison 2018 erfolgte anfangs November.“

Sind alle Aktiven fit und gesund?
Damian:
„Leider nicht ganz. Philipp Gehrig ist zurzeit rekonvaleszent, und noch nicht im Schwingtraining. Weiter laboriert Philipp Röthlisberger an einer Fussverletzung.“

Auf was legt ihr im Wintertraining besonderen Wert?
Damian:
„Auf die neue Saison hin legen wir den Wert, rein physisch gesehen, auf die Beweglichkeit. Denn dort fiel uns Trainern ein Defizit auf. Da wir praktisch immer die gleiche Haltung einnehmen, sei es beim Schwingen oder im Kraftraum, ist dies von der Anatomie her nicht unbedingt ideal. Wir widmen uns nun vermehrt und intensiver entsprechenden Dehnübungen.“

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
Damian:
„Unser Ziel ist es, auch in Zukunft ein breites Team zu haben. Weiter ist es unser Bestreben, dass möglichst viele Junge in die Nähe der Kranzränge gelangen. Namen möchte ich hier aber keine nennen.“
Marcel: „Dies ist immer schwierig zu sagen. Beispielsweise Matthias Aeschbacher: Als er neu zu den Aktiven kam, hätte damals fast niemand gedacht, dass dieser Athlet mal eine Wahnsinns-Granate werden könnte.“
Damian: „Für uns ist es wichtig, dass sie den Übergang von den Jungschwingern zu den Aktiven schaffen und dabeibleiben. Denn für diese Jungen ist das eine recht intensive Zeit mit Ausbildung, Training oder Ausgang. Wichtig ist auch, dass sie Freude am Schwingsport haben. Wenn uns das gelingt, wird einiges fast wie zum Selbstläufer.“
Ueli: „Wir haben schon seit längerem auf eine bestimmte Breite im Team hingearbeitet. Vom Klub her unterstützen wir dieses Vorgehen und schauen dabei nicht explizit auf einzelne Schwinger. Wenn es einer nach oben schafft, haben alle Freude daran. Das ist ein längerer Prozess und ich hoffe, dass er noch länger nicht abgeschlossen ist.“


Vor dem Training der Aktiven übten die Jungschwinger fleissig Schwünge

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
Marcel: „Wie bereits erwähnt, haben wir die Jungschwinger-Schar in zwei Gruppen aufgeteilt. Bei den jüngeren erfolgt das Training vor allem auf spielerische Art. Ich schaue darauf, dass wir beim Training am Dienstag zu zweit, und bei demjenigen am Donnerstag mindestens zu dritt sind. Damit wir dem Nachwuchs möglichst viel weitergeben können. Dabei helfen auch die Aktiven mit. Im Dezember gehen wir mit dem Nachwuchs in die Turnhalle, um mit ihnen auch vielseitig trainieren zu können. Ab diesem Jahr werden wir zusammen mit den älteren Nachwuchsschwingern und den Aktiven am Samstag zusätzlich Trainingstage absolvieren.
Wichtig ist für uns auch der angesprochene Schnuppertag, bei welchem letztes Jahr 18 Buben teilnahmen. Von diesen kommen nun acht ins Training.“

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
Damian: „Jeder Aktive hat die Möglichkeit drei Klub-Trainings zu besuchen. Am Donnerstag ist Schwingtraining, am Freitag trainieren wir in der Turnhalle Kondition. Weiter bieten wir vom Klub aus ein Kraft- und Ausdauertraining an. Und am Dienstag findet zudem das erwähnte Verbandstraining der Emmentaler Schwinger statt. Die restlichen Trainings gestalten die Schwinger individuell, einige sind auch bei den Kantonalen Zusammenzügen dabei.“
Marcel: „Nebst dem Klubtraining und den angesprochenen Trainingstagen können die älteren Nachwuchsschwinger am Montag ein Konditionstraining besuchen.“

Damian Gehrig, du bist aktiver Schwinger. Seit wann bist du zusätzlich TK-Chef der Aktiven?
Damian:
„Im November 2015 habe ich dieses Amt von Marcel übernommen, welcher nun seither die Jungschwinger betreut.“

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
Damian:
„Meine eigentliche Bilanz wird erst in fünf bis zehn Jahren zum Vorschein kommen. Das Amt ist eine spannende Aufgabe und bei so vielen Schwingern anspruchsvoll. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Niveaus zu beachten und Trainings zu gestalten, welche alle fordern.“

Wie lauten die Ziele für 2018?
Marcel:
„Die Ziele sind gleich wie für 2017. Wir streben wieder 100 Zweige und fünf Festsiege an. Weiter gilt ein Fokus dem ENST 2018 in Landquart. Es wäre schön, wenn von uns vier oder fünf Jungschwinger teilnehmen könnten und Doppelzweige gewonnen würden.“
Damian: „Aus Sicht der Aktiven ist 2018 eine Zwischensaison. Ein Ziel ist, dass wir uns gut für die Saison 2019 mit dem ESAF in Zug vorbereiten können. Weiter hoffen wir diese Saison auf Neukranzer, was wir 2017 leider nicht erreichten.“

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2018?
Damian:
„Wir organisieren zwei Anlässe mit drei Wettkämpfen. Das eine ist der Buebeschwinget Schonegg im Mai. Weiter im Juni: Wenn der Gotthelf-Märit stattfindet, steht am Freitag der Abendschwinget und am Samstag der Jungschwingertag auf dem Programm.“

Wann und wo treten die Sumiswalder Schwinger 2018 zu den ersten Schwingfesten an?
Damian:
„Das erste Schwingfest wird der Hallenschwinget Kirchberg (10. Februar) sein. In den vergangenen Jahren waren immer um die fünf Schwinger von uns am Start. Weiter folgt am 24. Februar der Hallenschwinget Büren a. Aare, bei welchem bisher um zwei bis drei Schwinger von unserem Klub teilnahmen. Beim Hallenschwinget Oberdiessbach (11. März), dem ersten Schwingfest der Saison im Emmental, rücken jeweils mehr als zehn Schwinger von uns aus.“
Marcel: „Beim Jungschwingertag Büren a. Aare (24. Februar) werden wir teilnehmen. Weiter auch in Oberdiessbach, beim Hallen-Jungschwingertag (10. März) und am 18. März beim Hallen-Nachwuchsschwingertag Langenthal.“


Den Aktiven machte das Aufwärmtraining sichtlich Spass

Nach dem Interview begann der Eidgenosse Damian Gehrig das Training mit den 14 anwesenden Aktiven. Man sah deutlich, dass der Spass beim Training, in welches unter anderem spielerische Reaktionsübungen integriert wurden, nicht zu kurz kam. Der andere Eidgenosse, Patrick Schenk, und Matthias Aeschbacher waren beim Training nicht anwesend. Beide absolvierten zu diesem Zeitpunkt einen Spitzensport-WK in Magglingen BE.

Wie man beim Schwingtraining beobachten konnte, wird der Fokus momentan auf je einen Boden- und einen Standschwung gelegt. Beim Besuch wurde der „Münger Murks“ und der „Hüfter“ geübt. Wie mir Philipp Gehrig, wegen einem 2017 erlittenen Kreuzbandriss derzeit rekonvaleszent, erklärte, wird im Januar vor allem das Schulschwingen praktiziert. Philipp, welcher zurzeit noch kein Schwingtraining absolvieren darf, ergänzte: „Anfangs Februar starten die Schwinger mit wettkampfmässigem Schwingtraining.“

Zum Schluss bedanke ich mich bei Ueli, Damian, Marcel und den Sumiswalder Schwingern für ihre Gastfreundschaft! Für die weiteren Trainingswochen und die im Frühling beginnende Schwingfestsaison wünsche ich ihnen viel Erfolg und zahlreiche Kränze. Aber auch, dass sie verschont vor Verletzungen bleiben und ihre rekonvaleszenten Schwinger wieder in die Sägemehlringe zurückkehren können.

feldwaldwiesenblogger

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