Nachgefragt bei Roger Rychen, dem Sieger vom Hallenschwinget Niederurnen

Text: feldwaldwiesenblogger

Nachdem ich mich doch jetzt einige Mal dem Schlussgangverlierer gewidmet habe, fragte ich für einmal beim Sieger nach. Denn als Roger Rychen 2017 den Herbstschwinget Siebnen gewann, führte ich hinterher mit Florian Hasler ein Interview. Vor dem Hallenschwinget Niederurnen nahm ich mir zwar ebenfalls vor, den Schlussgangverlierer zu interviewen. Doch der Sieger hiess wieder Roger Rychen, dies schon zum zweiten Mal im noch jungen Jahr. Und: Roger gewann den besagten Hallenschwinget bereits zum fünften Mal in Folge. Während der Glarner Eidgenosse gegen Christian Bernold zum finalen Endkampf schritt, schwenkte ich um. Der Gründe waren also genug, Roger meine Fragen zu stellen.


Roger Rychen, der Sieger vom Hallenschwinget Niederurnen
Bild: Jakob Heer

Hallenschwinget Niederurnen: Roger Rychen’s fünfter Streich
Am 25. Februar fand im glarnerischen Niederurnen einmal mehr der traditionelle Hallenschwinget statt, welcher 1945 zum ersten Mal ausgetragen wurde. Dieser Anlass ist notabene bereits das dritte Schwingfest des Jahres auf Nordostschweizer Boden. Etwas ganz Besonderes zeichnet diesen Hallenschwinget aus: Es ist das einzige Schwingfest der Saison, bei welchem nicht in Sägemehl geschwungen wird. Als Unterlage dient dabei eine grosse Ringermatte, welche in zwei Schwingplätze unterteilt wurde.
Als Sieger durfte sich wie schon die letzten vier Jahre Roger Rychen ausrufen lassen. „Erstmals in der Geschichte dieses Traditionsanlasses ist es einem Schwinger gelungen, den Anlass fünf Mal in Serie zu gewinnen. Bis zum diesjährigen Anlass standen Hans Hämmerli (1980 bis 1983) und Roger Rychen (2014 bis 2017) gleichauf mit vier Siegen in Serie. Nun hat der Lokalmatador mit seinem fünften Streich den Rekord alleine inne“, wusste Jakob Heer, der Medienchef dieses Hallenschwingets, zu berichten.
500 Zuschauer fanden den Weg in die Mehrzweckhalle Linth-Escher, wo der Startschuss exakt um 11 Uhr fiel. Organisiert wird der Anlass vom Schwingklub Niederurnen und Umgebung. Fridolin Beglinger, seines Zeichens Klubpräsident, figurierte als Präsident vom Organisationskomitee. Er und sein Team waren verantwortlich für eine tadellose Organisation, bei der auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kam. In einer Ecke der Mehrzweckhalle war auch ein Gabentempel auszumachen. Der Sieger erhielt mit dem Kalb Lara gar einen Lebendpreis.
Laut Beglinger soll das Teilnehmerfeld im üblichen Rahmen wie in vergangenen Jahren gewesen sein. „Zehn Schwinger mehr wäre schön und ideal“, liess der Klubpräsident aber verlauten. Nebst dem besagten Glarner Eidgenossen Roger Rychen waren mit Christian Bernold, Pirmin Gmür, Marco Nägeli, Martin Roth, Christian Jöhl, Patrick Schmid, Reto Landolt, Bruno Graber oder Roland Kälin weitere starke Kranzschwinger im Teilnehmerfeld auszumachen. Insgesamt traten 51 Schwinger an. Nebst den Glarnern waren Schwinger aus den Kantonen St. Gallen, Appenzell, Zürich, Graubünden und aus dem benachbarten Schwyz auszumachen. Zudem waren Berner Gäste vom Schwingklub Worblenthal ins Glarnerland gereist, so unter anderen mit Alfred, Bänz und Bruno Graber gleich drei Brüder von Eidgenosse Willy Graber. Willy war als Unterstützung seiner Klubkameraden ebenfalls vor Ort.

Roger Rychen’s Saisonsieg Nummer zwei
Roger Rychen bezwang im Schlussgang in der zweiten Minute den St. Galler Christian Bernold mit einem freien Brienzer. Dies ist nach dem Sieg beim Lichtmess-Schwinget in Gais bereits der zweite Saisonsieg des sympathischen Glarners im laufenden Jahr. Der Sennenschwinger qualifizierte sich mit vier Siegen und einer Niederlage für den Schlussgang. Im fünften Gang bezwang Roger den Appenzeller Patrick Schmid und ebnete sich so den Weg ins Finale. Der Kurz-, Kreuzgriff- und Lätz-Spezialist stand verdient im finalen letzten Kampf. Trotz der Niederlage im vierten Gang gegen Christian Bernold grüsste Roger den ganzen Tag von der Tabellenspitze.
Der zweifache Saisonsieger, geboren am 6. November 1991, wuchs in Mollis auf und wohnt heute in Glarus. Der gebürtige Glarner bringt mit seiner Grösse (190 Zentimeter) und seinem Gewicht (105 Kilogramm) optimale Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Der Eidgenosse ist gelernter Landwirt und arbeitet bei einem Lohnunternehmer als Maschinist. Zu seinen Hobbys zählt er nebst dem Schwingen das Eishockey spielen, schwimmen und grillieren am Klöntalersee.
Roger ist Mitglied beim Schwingklub Niederurnen und Umgebung und hat bisher 33 Kränze herausgeschwungen. In der letzten Saison konnte der Maschinist gleich bei sieben Kranzfesten vor die Kranzdamen treten. Dabei ragen sicher die beiden Bergkränze vom Brünig und Stoos heraus. Als schwingerisches Vorbild benennt der fünffache Teilverbands- und vierfache Bergkranzer den Toggenburger Schwingerkönig Jörg Aberhalden. Dem 26-Jährigen ist zwar noch kein Kranzfestsieg gelungen, zu seinem Palmarès gehören aber mittlerweile 14 Rangfestsiege.


Hallenschwinget Niederurnen: Ein kleiner, aber feiner Anlass
Bild: feldwaldwiesenblogger

Herzliche Gratulation zum Sieg in Niederurnen! Was ging dir nach dem Schlussgang durch den Kopf?
Besten Dank für die Gratulation! Ich konnte nach dem Sieg erst nicht jubeln, da Christian Bernold nach dem Schlussgang nicht gleich aufstand und Schmerzen hatte. In so einer Situation jubelt man nicht drauf los und schaut, wie schlimm es ist. Da Christian Schmerzen in der Schulter bekundete, ging er hinterher zur Sanität und liess sich am Abend im Kantonsspital Glarus untersuchen. Er teilte mir diese Woche mit, dass das Band zwischen Schlüsselbein und Schulterblatt angerissen sei, dies aber in sechs Wochen wieder verheilt sein sollte. Weiter sagte der St. Galler, dass eine Operation nicht notwendig sei und die Schmerzen von Tag zu Tag nachlassen.

Ging deine Taktik im Schlussgang wie vorgenommen auf?
Ich habe aus der Situation heraus gehandelt und mit dem freien Brienzer, einem Gelegenheitsschwung von mir, Erfolg gehabt. Ich habe es einfach probiert, und es ging auf. Ich sagte mir: Wenn er in der Flanke schwingen will, dann mache ich das auch. Christian setzte vermutlich auf Konter, und ich stellte mich dem.

Wie verlief in deinen Augen der vierte Gang, welchen du noch gegen Christian Bernold verloren hast?
Am Anfang des Ganges hatte ich eine super Chance am Boden. Diese habe ich nicht genutzt. In der Folge probierte ich Druck zu machen und anzugreifen. Dabei lief ich ihm in einen Konter, und Christian hat seine Chance gepackt.

Was für ein Fazit ziehst du vom Hallenschwinget Niederurnen?
Im Grossen und Ganzen ein positives. Es war schön, dass ich gewinnen konnte. Der Schluss verlief etwas negativ, und die Verletzung von Bernold trübt den Erfolg ein wenig. Es ist schade, dass er sich dabei verletzt hat. Ich kenne ihn sehr gut, und weiss, dass er sich gut auf die neue Saison vorbereitet hat. Dabei wird einem wieder mal vor Augen geführt, dass man auch zufrieden sein darf, wenn man die Heimreise gesund antreten kann.

Wie siehst du deine letztjährige Saisonbilanz?
Es war eine gute Saison. Auf dem Brünig und dem Stoos konnte ich mit guten Notenblättern zwei Bergkränze hinzufügen. Weiter war ich bei allen Kranzfesten immer bei den Leuten. Schön war zudem, dass ich bei fünf Rangschwingfesten den Sieg davontragen konnte. Weniger positiv lief es mir beim Unspunnen-Schwinget. Ich habe das Resultat analysiert und nun geht es weiter. Beim Herbstschwinget Siebnen erlebte ich einen schönen und versöhnlichen Saisonabschluss.


In Niederurnen kam es zu zwei packenden Duellen zwischen Roger Rychen und Christian Bernold
Bild: Jakob Heer

Du hast deinen ersten Kranz beim Bündner-Glarner Kantonalschwingfest 2011 in Chur gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?
2016 war meine bisher erfolgreichste Saison. Ich gewann insgesamt acht Kränze, unter anderem den Eidgenössischen Kranz, und zwei Rangschwingfeste.

Nach sieben Saisonkränzen letztes Jahr und nach dem zweiten Festsieg im laufenden Jahr bist du reif für den ersten Kranzfestsieg. Wann wirst du diesen einfahren?
Darauf werde ich öfters angesprochen. Ich wäre schon länger reif dafür, und war bereits ein paar Mal nahe dran. Es hat bei einem Kranzfest bisher noch nicht alles zusammengestimmt wie bei einem Rangschwinget. Ich setze mich deswegen aber nicht unter Druck. Es ist eine Frage der Zeit und es kommt, wie es muss. Wegen dem werde ich nicht nervös.

Apropos Sägemehl: Was meinst du zu der doch etwas unüblichen Schwingunterlage? Hast du deswegen deine Schwingweise anpassen müssen?
Ich bin es inzwischen gewohnt und nehme an diesem Schwingfest teil, seit ich bei den Aktiven schwinge. Die Schwingweise habe ich deswegen nicht angepasst. Man hat weniger Platz, braucht mehr Kampfübersicht und muss darauf achten, dass ein Angriff am Platzrand nicht ins Nichts führt. Ein Vorteil ist sicher, dass ich schon einige Male gestartet bin. Es gibt tatsächlich Unterschiede: Auf dem Mattenboden kann man seinen Gegner weniger gut fixieren, denn er rutscht leichter weg. Dadurch, dass die Fläche ebenmässig ist, ist es schwieriger eine Zehn zu machen. Der Gegner muss „schöner“ fallen als im Sägemehl, welches doch ein wenig nachgibt und einen Plattwurf eher ermöglicht.

Du bist bereits jetzt schon sehr gut „drauf“. Woran wirst du bis zum eigentlichen Saisonstart noch arbeiten?
In werde in allen Bereichen arbeiten. Hinsichtlich Kraft und Kondition wird es noch einen intensiven Block geben. In Sachen Schwingtechnik und im mentalen Bereich bin ich ebenfalls dran, und probiere mich auf allen Ebenen stetig weiterzuentwickeln.

Welches werden deine nächsten Schwingfeste sein?
Meine nächsten Wettkämpfe werden der Frühjahrschwinget Pfäffikon und der Rapperswiler Verbandschwinget in Schänis sein. Dann beginnt mit dem Thurgauer Kantonalen und dem Mittelländischen Gauverbandsfest für mich bereits die Kranzfestsaison.

feldwaldwiesenblogger