Vorschau mit Armon Orlik auf das Rheintal Oberländische Schwingfest

Text: feldwaldwiesenblogger

An Ostermontag stehen fünf Schwingfeste der Aktiven auf dem Programm. Ich habe mir jenes ausgepickt, welches wohl mit der besten Besetzung aufwartet: Das Rheintal Oberländische Schwingfest in Thal SG. In der aktuellen Ausgabe der «Schwingerzeitung» konnte man dazu folgendes lesen: «Zu den Hauptanwärtern auf den Sieg zählen die neun gemeldeten Eidgenossen, angeführt vom Bündner Armon Orlik, der sich nach Wangs 2016 und Trübbach 2017 nur allzu gerne ein drittes Mal in die Siegerliste eintragen lassen würde. Orlik gewann zum Jahresanfang den traditionellen Berchtoldschwinget. Die Thurgauer delegieren ihre vier ganz «Bösen» Samuel Giger, Tobias Krähenbühl, Routinier Beni Notz und Domenic Schneider. Das Appenzeller Team wird angeführt vom Quartett der Eidgenossen Michael Bless, Martin Hersche, Marcel Kuster und Raphael Zwyssig.» Nebst den gemeldeten Eidgenossen werden weitere starke Teilverbands-, Berg- und Kantonalkranzer in Thal am Start sein. Der Freiluftauftakt in der Nordostschweiz verspricht von der Besetzung her ein hochkarätiger Anlass zu werden.


Trübbach 2017: Armon Orlik bezwingt im Schlussgang den Nidwaldner Lutz Scheuber
Bild: Werner Schärer

Nach 2005 ist Thal erneut Austragungsort
Thal ist eine politische Gemeinde im St. Galler Rheintal und liegt, wie der Name schon andeutet, in einem klimatisch geschützten Talkessel zwischen dem Buechberg im Norden und Lutzenberg im Süden und liegt am Bodensee. Als Organisatoren zeichnen sich der Schwingerverband Rheintal-Oberland und die Männerriege Thal verantwortlich. Der Schwingplatz befindet sich beim Festplatz Engelwies, angeschwungen wird am Ostermontag (2. April) am 10.30 Uhr. Mit dem etwa 900 Kilogramm schweren Muni «King KISON» wartet ein attraktiver Preis auf den Sieger und als zweiter Lebendpreis winkt das braune Hengst-Fohlen «Hiro von Kappensand». Zudem warten weitere wertvolle Gaben auf die Aktiven.
Nach 2005 findet das Rheintal-Oberländische Verbandsschwinget erneut in Thal statt. Wie 2018 hiess auch damals schon der OK-Präsident Xaver Martin.

Armon Orlik’s dritter Streich?
In Trübbach nahmen letztes Jahr 125 Schwinger teil. 3’800 Zuschauer sahen, wie Armon Orlik im Schlussgang nach gut sechs Minuten Lutz Scheuber mittels Kurz und Nachdrücken bezwingen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war die Welt von Armon noch schwer in Ordnung. Denn der Bündner gewann absolut souverän alle sechs Gänge, darunter mit Michael Bless und Daniel Bösch zwei renommierte Eidgenossen. Wie wir alle wissen, verlief die Geschichte beim Aargauer Kantonalen für den Bündner tragisch und hätte böse enden können. Nach einer Pause und dem starken Comeback beim Nordostschweizerischen in Davos konnte Armon und die Schwinger-Schweiz aufatmen. Der Schlussgangteilnehmer von Estavayer war zurück, aber bis Ende Saison noch nicht ganz der «Alte».
Armon nahm die Saison 2018 gleich wieder mit einem Sieg in Angriff und gewann den Berchtold-Schwinget am 2. Januar in Zürich. Er liess dabei aufblitzen, dass dieses Jahr wieder mit ihm zu rechnen ist. Seither ist wieder einige Zeit vergangen und der bärenstarke Sennenschwinger hat keinen weiteren Ernstkampf bestritten. Ob Armon Orlik in Thal zum dritten Streich ansetzen wird und wie es ihm ganz allgemein geht, wollte ich heute vom Bündner am Telefon wissen.


Armon Orlik nach dem Co-Festsieg auf der Schwägalp 2016
Bild: armonorlik.ch

Telefon-Interview mit Armon Orlik

Was geht dir durch den Kopf, wenn du an den Sieg beim Rheintal-Oberländischen von letztem Jahr denkst?
«Ich erwischte dort einen Supertag und es lief von Anfang an gut. In Trübbach konnte ich jeden Gegner bezwingen. Das Rheintal-Oberländische ist jeweils der erste Freiluftanlass in der Nordostschweiz, und man weiss nicht so genau wie man selber und die Gegner drauf sind. Es ist ein abtasten und es ist auch gut, wenn noch nicht alles auf dem Spiel steht. So kann man doch einiges riskieren.»

Du gabst beim Unspunnen-Schwinget verletzungsbedingt nach dem fünften Gang auf. Was ist genau passiert?
«Ich zog mir eine Rippenquetschung zu. Es lohnte sich nicht, etwas zu erzwingen. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht, ob etwas gebrochen war.»

Ist diese Verletzung wieder vollständig ausgeheilt? Auch die Nackenverletzung?
«Ja, die Rippenquetschung ist vollständig ausgeheilt. Ich bin beschwerdefrei und kann voll schwingen und trainieren. Die Nackenverletzung war relativ schnell ausgeheilt. Es war mehr eine mentale Geschichte und es dauerte seine Zeit, bis alles wieder im Lot war. Denn die Unbeschwertheit war weg. Ich konnte mein Training für die neue Saison Ende Oktober starten.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du über die Saison 2017?
«Eher ein durchzogenes Fazit, es hätte besser sein können. Nach der Nackenverletzung habe ich nicht so schnell den Tritt gefunden. Diese Erfahrung hat es aber wohl gebraucht, um damit umgehen zu können. Ich habe dabei etwas gelernt und nehme das als positive Tatsache mit.
Die Resultate waren ebenfalls durchzogen. Der Schwägalp-Schwinget war für mich auch ein Lehrplatz. Denn ich verlor im vierten Gang blöd und unnötig gegen Thomas Sempach. Ich habe daraus meine Lehren gezogen und versuche wieder auf den Kampfstil von 2016 zurückzukommen. Das heisst, auf beiden Seiten agieren, unberechenbar und unbeschwert schwingen. Was mich 2016 stark gemacht hat.»

Bist du, Stand heute, trainings- und leistungsmässig gleich weit wie vor einem Jahr?
«Das ist schwierig abzuschätzen. Ich hoffe und denke es aber. Ich war erst kürzlich in einem Trainingslager und bin deswegen noch müde. Aber sonst bin ich sehr gut «zwäg». Ich konnte während dem Winter so trainieren wie ich mir das vorgestellt habe. Es ist möglich, dass ich bei den ersten Schwingfesten noch nicht ganz top bin. Ich habe aber keine Bedenken, dass ich wieder an meine Bestleistungen herankomme.»


Armon Orlik (hinten) zieht Philipp Laimbacher kräftig (Anschwingen Schwägalp-Schwinget 2016)
Bild: armonorlik.ch

Vor einiger Zeit habe ich gelesen, dass du trainingsmässig noch härter arbeitest als in vergangenen Jahren. Welche Veränderungen hast du in dein Training integriert?
«Vom Zeitaufwand her ist mein Training etwa gleich geblieben. Das Krafttraining versuche ich nun effizienter zu gestalten und habe dabei ein paar Sachen angepasst. Mein Athletiktrainier hat das so zusammengestellt, dass ich dank der Effizienz weniger Krafttraining brauche und mir dadurch mehr Erholungspausen zur Verfügung stehen. Wie bereits erwähnt, habe ich mich im Schwingtraining wieder an den Kampfstil von 2016 angepasst, und zwar auf beiden Seiten.»

Was meinst du, liegt der erneute Sieg beim Rheintal-Oberländischen Schwingfest drin?
«Ja, der liegt definitiv drin. Das Teilnehmerfeld ist ähnlich gut wie letztes Jahr, fast wie bei einem Nordostschweizer Schwingfest, einfach ohne Gäste. Für den Tagessieg braucht es sicher eine starke Leistung. Es mag, ähnlich wie beim Berchtold-Schwinget, bei welchem ich zum Auftakt stellte, sicher auch einen gestellten Gang leiden. Man darf in der Folge nicht aufgeben, denn es ist immer noch alles möglich. Weiter braucht es eine gute Tagesform, einen guten Lauf und man sollte sich gut fühlen.»

Wirst du 2018 praktisch wieder der „Alte“ sein, ähnlich wie 2016?
«Das ist schwierig zu sagen. Ich habe beim Schwingtraining vieles darangesetzt, dass ich wieder so bin wie 2016. Von der Schwingart und von der Bodenarbeit her habe ich viele Stärken gefördert, auf der rechten und linken Seite sowie am Boden. Zu Beginn der Saison sind die Kraft- und Ausdauerkomponenten schwierig zu analysieren. Ich fühle mich aber gut und sollte parat sein. Ich werde alles daransetzen, damit ich an den wichtigen Schwingfesten topfit bin. Ich denke dabei ans Nordostschweizerische und Nordwestschweizerische Teilverbandsfest, bei welchem ich Gast bin, und an die Bergkranzfeste.»

Welches Studium absolvierst du derzeit?
«Ich absolviere momentan ein Studium zum Bauingenieur an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Chur. Begonnen habe ich mein Studium in Rapperswil, die Situation hat dort aber nicht so gepasst. Ich wohne inzwischen wieder zuhause in Maienfeld und der Weg nach Chur ist nicht weit. Zudem kann ich das Training bei meinem Klub und Verband optimal durchziehen.»

Wie sieht momentan deine Trainingswoche aus?
«Ich habe an zwei bis drei Tagen in der Woche Schule. Es liegen dabei drei Schwingtrainings, zwei strenge und ein technisches, drin. Im Winter waren es vier Schwingtrainings. Weiter beinhaltet meine Trainingswoche ein Rumpftraining und entweder drei Kraft- oder drei Ausdauertrainings. Da ich mit meinem Athletiktrainer einen Trainingsplan zusammengestellt habe, sind diese drei Trainings wochenabhängig. Es folgt dazwischen auch wieder eine Woche, wo ich mich der Regeneration widme und nur die Schwingtrainings absolviere. Das Ganze ist abgestimmt auf die Schwingfeste und berücksichtigt, wann und wo ich fit sein sollte. Im Trainingsplan sind Kraft- und Ausdauereinheiten sowie Erholungsphasen vorgesehen.»

Für den Freiluftauftakt in der Nordostschweiz wünsche ich Armon alles Gute und viel Erfolg! Wohl die ganze Schwinger-Schweiz möchte es dem sympathischen Bündner gönnen, wenn er wieder an die grossen Erfolge von 2016 anknüpfen könnte.

feldwaldwiesenblogger

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