Vor dem Muotathaler Schwinget: Gespräch mit Ralf Schelbert, Dario Gwerder und René Schelbert

Text und Bilder: feldwaldwiesenblogger

Letzten Herbst stellte ich folgenden Beitrag online: «Wie geht es den Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert und Dario Gwerder?» Dabei führte ich mit den jungen Muotathaler Schwingern Ralf Schelbert (22-jährig) und Dario Gwerder (20-jährig) ein längeres Gespräch. Sie erzählten mir ihre Verletzungsgeschichte, wie sie 2017 erlebten und den Trainingsplan für den Winter. Ich unterbreitete den beiden den Vorschlag, ihr Weg zurück auf die Schwingplätze in mehreren Blogbeiträgen zu begleiten. Im Verlaufe des Winters fasste ich aber den Entschluss, Ralf und Dario in Ruhe trainieren zu lassen und sie erst wieder im Frühling vor dem Muotathaler Schwinget zu kontaktieren. Darum traf ich die jungen Sennenschwinger kürzlich in der Schwinghalle Muotathal. Ich hielt mit ihnen Rückblick auf das Wintertraining, frage sie um ihre persönliche Einschätzung und hielt Vorschau auf die kommende Saison.


Dario Gwerder (links) und Ralf Schelbert geben Auskunft

Gesundheitszustand von Ralf und Dario
Beide sehen gesund und «zwäg» aus und fühlen sich nach eigenen Aussagen auch so. Ralf ergänzt: «Ich nahm mein Schwingtraining im Dezember auf. Zwischendurch spürte ich etwas, das ist aber inzwischen wieder gut. Ich fahre relativ viel Velo, und auch deshalb ist mit meinem Knie wieder alles in Ordnung.» Dario erklärt: «Mein Schwingtraining nahm ich um die Fasnacht im Februar wieder auf. Es ist soweit alles gut. Kürzlich gab es mir zwar ein kleines «Zwickli» beim operierten Knie. Deshalb lasse ich aus Sicherheitsgründen ein paar Schwingtrainings aus. Es ist aber nichts Ernsthaftes. Ansonsten geht es mir sehr gut, und ich bin auf einem guten Weg. Ein Schwingfest bestreite ich in nächster Zeit aber noch nicht.»

Wie sieht das Training der beiden derzeit aus?
Ralf: «Da ich nebenbei noch die Vorarbeiterschule besuche, liegen momentan wöchentlich «nur» vier Trainings drin. Es handelt sich dabei um zwei Schwingtrainings, ein Ausdauer- und ein Krafttraining. Insgesamt sind das etwa sechs Stunden. Ich brauche auch Zeit, um den Schulstoff zu vertiefen. Den Trainingsaufwand kann ich dann nächsten Winter, im Hinblick auf das Eidgenössische 2019, wieder etwas steigern. Die Rangschwingfeste, welche ich momentan bestreite, mache ich aus dem Training heraus. Diese bereite ich nicht speziell vor. Das Training vor den Kranzfesten wird dann entsprechend angepasst.»

Dario: «Ich trainiere momentan eigentlich genauso intensiv wie Ralf, und absolviere die gleichen vier Trainings. Zudem besuche ich am Dienstag manchmal das Training der Aktivriege vom KTV Muotathal. Diese Einheit sehe ich mehr als Ausgleich und Plausch und ist quasi das fünfte Training der Woche. Auch mein wöchentlicher Trainingsaufwand umfasst rund sechs Stunden. Im vergangenen Herbst begann ich mit intensivem Kraft- und Ausdauertraining. Dazu gehörten auch die Termine bei der Physiotherapie, welche bis in den Januar dauerten. Bis Ende März habe ich zuhause beim Stall-Bau mitgeholfen. Ab anfangs April arbeite ich wieder auf meinem erlernten Beruf als Netzelektriker bei der ebs Energie AG. Wie Ralf möchte ich den Trainingsaufwand im nächsten Winter auf das Eidgenössische 2019 etwas steigern.»

Die eigene Einschätzung und der momentane Formstand
Dario: «Wann ich wieder wettkampfmässig schwingen werde, weiss ich selber noch nicht so genau. Ich möchte beim Schwyzer Kantonalen (6. Mai) antreten, eventuell vorher noch bei einem Rangschwingfest. Das hängt davon ab, wie es mir geht. Beim Schwingtraining läuft es sehr gut. Mir fehlt einfach noch ein wenig die Kondition. Die Form ist aber im Kommen.»

Ralf: «Meine Grundlagen habe ich in den vergangenen Monaten erarbeitet, und ich bin mit meinem Formstand zufrieden. Bis zu den grossen Festen im Sommer arbeite ich noch an der Feinabstimmung. Die Spritzigkeit fehlt noch ein wenig, an dem arbeiten wir aber hinsichtlich der kommenden Kranzfeste. Mit den Schnellkraftübungen und den kürzeren aber intensiveren Gänge beginnen wir im April.»


Ralf Schelbert glückte ein starkes Comeback

Ralf’s Comeback in Oberarth (Rang 1b) und Ibach (Rang 3g) lief hervorragend. Ist das auf einen gezielten Aufbau im Winter zurückzuführen?
Ralf: «Das kann man schon sagen. Ich habe mich zum Beispiel in Oberarth so gut gefühlt wie eigentlich noch nie. Ich denke, mit dem Training für die Spritzigkeit und den Schnellkraftübungen wird es noch besser. Ich habe gespürt, dass ich «zwäg» und gut in Form bin. Ich habe wieder Vertrauen in mein linkes Knie, welches eine Verletzungsgeschichte hinter sich hat. Während dem Aufbau habe ich viel mit ihm gemacht und weiss nun, wie viel es leiden mag.»

Verlief Dario’s Heilungsprozess im Winter optimal?
Dario: «Der Heilungsprozess verlief gut und es fühlt sich auch gut an. Beim Schwingen spüre ich manchmal noch kleine «Zwicke». Das Vertrauen ins operierte Knie kommt langsam wieder zurück. Im Training kann ich praktisch schon wieder voll ziehen.»

Woran arbeiten Dario und Ralf momentan am intensivsten?
Dario: «Ich bin intensiv mit dem Schwingtraining beschäftigt und bin daran, dies nachzuholen, was verloren ging. Ich muss auf mein Knie achten und auch schonen, wenn es nötig ist. Das Knie lässt aber schon viel zu.»

Ralf: «Das Schwingtraining steht auch bei mir im Vordergrund. Es ist das wichtigste Training. Dazu kommen Kraft- und Ausdauereinheiten, und im April die Schnellkraftübungen. Damit man auf die Kantonalen hin auf einem guten Formstand ist. Dann fährt man wieder etwas runter, und vor den Berg- und Teilverbandsfesten versucht man die Formkurve wieder hoch zu drücken.»

Was rechnet sich Ralf fürs Muotathaler Schwinget aus?
Ralf: «Ich versuche das umzusetzen, was wir Woche für Woche im Schwingkeller trainieren. Die Rangschwingfeste sind quasi Trainings im Hinblick auf die Kranzschwingfeste. Es geht auch darum, auszuprobieren, was und wie viel es leiden mag.»


Dario Gwerder hofft, dass er beim Schwyzer Kantonalen antreten kann

Verfolgt Dario den Muotathaler Schwinget als Zuschauer, oder hat er einen Job?
Dario: «In erster Linie verfolge ich den Schwinget als Zuschauer. Einen Job habe ich dort keinen. Vermutlich betätige ich mich als «Sägemehl-Recheler».

Welches sind die nächsten Wettkämpfe von Ralf?
Ralf: «Nach den Frühjahrschwingfesten in Oberarth und Ibach starte ich nun bei unserem Schwinget. Eventuell trete ich beim Abendschwinget in Küssnacht an. Dann folgen im Mai das Schwyzer, Ob- und Nidwaldner und das Luzerner Kantonale. Dazwischen bestreite ich vielleicht noch ein weiteres Rangschwingfest.»

Welches sind die Erwartungen von Dario für die Saison 2018?
Dario: «Wieder gesund auf die Schwingplätze zurückkehren und schmerzfrei schwingen. Ziele stecke ich mir dabei eigentlich keine, das wichtigste ist die Gesundheit. Angemeldet habe ich mich fürs Schwyzer und Urner Kantonale.»

Sind die Muotathaler Schwinger bereit für die neue Saison? Wie viele werden am Sonntag antreten?
Ralf: «Es sind bis auf André Bürgler und Josef Heinzer alle fit. André hatte letztes Jahr einen heftigen Unfall und zog sich dabei eine schwere Knieverletzung zu.»

Dario: «Antreten werden rund zwölf Muotathaler Schwinger.»


Die Muotathaler Schwinger beim intensiven Schwingtraining

Gute Besetzung beim Muotathaler Schwinget
OK-Präsident des Muotathaler Schwingets ist René Schelbert, seines Zeichens auch Klubpräsident vom Schwingklub Muotathal. Laut René ist man bereit, er sagt im Vorfeld zu diesem Traditionsanlass: «Die Einladungen wurden an sämtliche Innerschweizer Schwingklubs verschickt, zudem sind zehn Schwinger vom Schwingklub Glarus-Mittelland als benachbarter Klub eingeladen. Weiter luden wir acht Schwinger vom Schwingklub Niedersimmental und zwölf Schwinger vom Schwingklub Sumiswald ein. Angemeldet sind unter anderem Christian Schuler, Alex Schuler, Damian Gehrig, Matthias Aeschbacher und Ruedi Roschi. Anmeldeschluss ist eine halbe Stunde vor Beginn des Schwingets.» Laut Bericht im heutigen «Bote der Urschweiz» ist auch Mike Müllestein mit von der Partie. Hinter die Teilnahme von Damian Gehrig darf ein Fragezeichen gesetzt werden. Denn der Turnerschwinger und TK-Chef vom Schwingklub Sumiswald gab beim Frühjahrsschwinget Zäziwil (Ostermontag) nach dem ersten Gang verletzungsbedingt auf.
Am Tag vor dem Muotathaler Rangschwinget steht zudem der Schwyzer Kantonale Nachwuchsschwingertag auf dem Programm, bei welchem der ehemalige Spitzenschwinger Heinz Suter als OK-Präsident die Fäden in der Hand hält.
Apropos Gaben: Am Nachwuchsschwingertag wird es eine grosse Stabelle für die jeweiligen Kategoriensieger und zwei kleinere Stabellen für die nächst rangierten geben. Am Sonntag erhält der Tagessieger 800 Franken an Bargeld. Für die nächstplatzierten liegen Holzpreise sowie Fleisch- und Käsepreise parat. «Für einen grösseren Gabentempel ist man beim nächsten Kantonalschwingfest in Muotathal wieder besorgt», ergänzt René Schelbert.

Idealer Zeitpunkt
Die Wetterprognosen sind günstig und die beiden Schwingfeste können bei frühlingshaften Bedingungen ausgetragen werden. Der Zeitpunkt des Rangschwingets ist sehr ideal, da er sich zwei Wochen vor dem ersten Kranzfest in der Innerschweiz, dem Zuger Kantonalen, befindet. René und sein Team hoffen, dass viele Schwinger im Muotatal nochmals ihre Form testen möchten. Es sind bisher rund 90 Schwinger angemeldet und etwa so viele werden wohl am Sonntag antreten. Ein Blick auf die bisher angemeldeten Schwinger zeigt, dass nebst den oben erwähnten Spitzenschwingern auch die Berg- und Teilverbandskranzer Carlo Gwerder (Unterägeri), Christian Gwerder (Oberarth), Guido Gwerder (Illgau), Stefan Heinzer (Muotathal), Thomas Hurschler (Grafenort) und Bruno Linggi (Goldau) sich angemeldet haben. Wie bereits erwähnt, ist auch Ralf beim eigenen Rangschwinget am Start.

Mit den besten Innerschweizer Schwingern wurde im Hinblick auf das Eidgenössische 2019 in Zug das Team «Zugpferde» gebildet. Dazu gehören auch Ralf und Dario. Ihnen beiden wünsche ich für die Saison 2018 alles Gute und beste Gesundheit. Ich bedanke mich bei Ihnen für ihre interessanten Aussagen und Informationen, ebenso beim umsichtigen Muotathaler Klubpräsidenten René Schelbert.

feldwaldwiesenblogger