Jubiläum im Entlebuch: Vorschau 50. Schybi-Schwinget Escholzmatt

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Entlebucher feiern morgen am Auffahrtstag (10. Mai) ein schönes Jubiläum. Der Schybi-Schwinget wird dieses Jahr zum 50. Mal ausgetragen. «Wir sind stolz und freuen uns, dieses Jahr den Jubiläumsschwinget durchführen zu dürfen», schreibt das OK und der Entlebucher Schwingerverband als Einleitung im schön gestalteten Festführer.
Meine Wenigkeit entdeckte diesen Anlass auch in der Schwinger-Agenda und strich ihn gleich rot an. Heisst: Ich werde morgen Donnerstag auch ins Entlebuch reisen. Denn der Jubiläumsanlass lockt einige Spitzenschwinger an, und ist nach zwei Kranzfestanlässen in der Innerschweiz ein weiterer Wettkampf, an welchem die Schwinger ihre Form testen können.


Jersey-Rind LAUREN (1. Preis) mit Züchter Christoph Steffen (links) und den Spendern Thomas Portmann (mitte) und Bruno Bucher (rechts)
Bild: Entlebucher Schwingerverband

Drei Lebendpreise
Das Organisationskomitee rund um den Präsidenten Daniel Portmann scheute keinen Aufwand und organisierte im Vorfeld einen beachtlichen Gabentempel, zu dem auch drei schöne Lebendpreise gehören. Der erste Preis ist das Jersey-Rind LAUREN von Züchter Christoph Steffen (Escholzmatt), welches von der Clientis EB Entlebucher Bank AG (Escholzmatt) gespendet wird. Fohlen NELINA von der Züchterin Ruth Bieri (Wiggen) ist der zweite Lebendpreis und wird von den Gründungsmitglieder Schybi-Schwinget und dem Landgasthof Krone gespendet. Beim dritten Preis handelt es sich um Kalb TROJA, welches von der Züchter-Familie Bieri (Escholzmatt) gespendet wird.

1965: Erster Schybi-Schwinget
Aus dem Gabentempel vom Kantonalen Schwingfest 1963 in Escholzmatt blieben noch einige Gaben zurück. Aus diesem Grund wurde im Jahr darauf der Entlebucher-Schwinget in Escholzmatt durchgeführt. Nach vielen organisatorischen Abklärungen entschloss man sich, den Schwingern als Preis Wappenscheiben abzugeben. Diese wurden vom damaligen Gemeindepräsident Ernst Bucher entworfen und zeigen die historische Figur «Christian Schybi». Und so kam es, dass der Traditionsanlass in der Folge «Schybi-Schwinget» genannt wurde. 1965 erfolgte die erste Austragung unter diesem Namen. Bei der Premiere gab es mit Josef Portmann (Wiggen) und Fritz Habegger (Escholzmatt) gleich zwei Sieger.
Beim Studieren des Festführers fällt auf, dass anno 1988, 1998, 2007 und 2016 der Schybi-Schwinget nicht zur Austragung gelangte. Der Grund war dreimal das Luzerner Kantonale und einmal das Innerschweizerische, welche der Entlebucher Schwingerverband in diesen Jahren organisierte. Ansonsten wurde bisher 49-mal in Escholzmatt geschwungen und es liessen sich so illustre Namen wie Alois Boog, Adelbert Gisler, Hansruedi Gloggner, Heinrich Knüsel, Werner Vitali, Daniel von Euw, Edi Kündig, Heinz Suter, Ueli Banz, Matthias Siegenthaler, Philipp Laimbacher, Thomas Sempach, Erich Fankhauser, Thomas Zaugg oder zuletzt Joel Wicki in die Siegerliste eintragen.


Denkmal auf dem Dorfplatz von Escholzmatt als Andenken an Christian Schybi und Hans Emmenegger
Bild: Entlebucher Schwingerverband

Wer war Christian Schybi?
Um dieser Frage nachzugehen, blätterte ich ebenfalls im Festführer. Unter dem separaten Kapitel «Christian Schybi» erfährt man, dass dies eine wichtige Persönlichkeit im Entlebuch war. Christian Schybi (1595 bis 1653) war Landeshauptmann und Anführer der Untertanen im Schweizer Bauernkrieg. Schybi führte am 5. Juni 1653 in Gisikon sein letztes grosses Gefecht, bei welchem er und seine Mitstreiter ihren Mut mit der Hinrichtung bezahlten.
1903 wurde anlässlich des 250. Gedenkjahres der tapferen Helden (Christian Schybi und Hans Emmenegger) ein Denkmal in Escholzmatt enthüllt. Im Jahr 1953 wurde zum 300-jährigen Jubiläum bereits ein Schybi-Schwinget durchgeführt. Zum Schluss der Erklärungen wird festgehalten: «Schybi soll übrigens über enorme Kraft verfügt haben und sei in der Lage gewesen, ein ganzes Pferd zu schultern.»


Joel Wicki gewann 2017 den traditionellen Schybi-Schwinget
Bild: Entlebucher Schwingerverband

Favoriten auf den Tagessieg
Vom Geschichtsexkurs kehren wir zurück in die Neuzeit, und widmen uns den diesjährigen «starken Mannen». Nebst den einheimischen Schwingern sind, wie bei einem Jubiläumsanlass erlaubt, auch Gäste von ausserhalb der Innerschweiz eingeladen. Schwinger vom Schwingklub Appenzell werden mit zwölf Schwingern (darunter sechs Kranzschwinger sowie Eidgenosse Martin Hersche) die Entlebucher beehren. Zudem ist der Schwingklub Lenk mit dem aufstrebenden Patrik Gobeli dabei, und werden sich mit den einheimischen Spitzenkräften messen. Vom organisierenden Entlebucher Schwingerverband ist mit Joel Wicki ein ehemaliger Sieger am Start. Weiter brennen Marco Fankhauser, Remo Vogel, Bruno Fink, Ronny Schöpfer, Josef Portmann, die beiden Neukranzer Niklaus Scherer und Christian Stucki sowie weitere Entlebucher Kranzschwinger darauf, sich einen Spitzenplatz zu ergattern. Aus der Innerschweiz und dem benachbarten Emmental sind verschiedene Spitzenschwinger angemeldet und möchten auch ein Wörtchen um den Tagessieg mitreden. Insgesamt werden rund 100 Schwinger erwartet.
Franz Murpf, Präsident vom Entlebucher Schwingerverband, meint zur Besetzung: «Da der Schybi-Schwinget immer an Auffahrt, also zwischen zwei Kranzfest-Wochenenden durchgeführt wird, ist es nicht einfach, eine grosse Anzahl Kranzschwinger zu motivieren.» Ein Blick auf die Schwingerliste beweist aber, dass es dem OK und dem Entlebucher Schwingerverband gelungen ist, eine stattliche Zahl an Spitzenschwingern anzulocken. Wer schlussendlich die Lebendpreise mit nach Hause nehmen darf, entscheidet sich am Auffahrtstag. Laut Programm ist das Anschwingen auf 11.00 Uhr festgelegt. Eine Stunde vorher wird übrigens zum Gratisapéro geladen.

Unterhaltung
Man soll die Feste schliesslich feiern wie sie fallen, und so freue ich mich heute schon auf viele packende Duelle beim 50. Schybi-Schwinget. Natürlich bereitet mir eine Reise ins Entlebuch stets grosse Freude, da sie mit der UNESCO Biosphäre auch landschaftlich gesehen etwas vom Schönsten in der Schweiz zu bieten haben. Des Weiteren ist ein Schwingfest immer auch ein traditioneller und volksverbundener Anlass und hat für die Schwinger wie für die Festbesucher eine grosse Bedeutung. Und so gehört auch die Unterhaltung an einem Schwinget dazu wie das Amen in der Kirche. Auf dem Festplatz werden die Schwingerfreunde vom Jodlerklub Escholzmatt unterhalten. Nach dem Schlussgang sei noch lange nicht Schluss und man wird zum Verweilen ins Festzelt (lüpfige Musik mit «Äntlibucher Giele») und in die Schwingerbar eingeladen.

feldwaldwiesenblogger