Gespräch mit Steven Moser, einem Team-Leader der Südwestschweizer

Text: feldwaldwiesenblogger

Nach dem Genfer Kantonalen und vor dem Neuenburger Kantonalen traf ich Steven Moser am 19. Mai zum Gespräch. In der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, belegte Steven 2017 den guten Platz 27 und war somit der beste Südwestschweizer. Er fand sich dabei in guter Gesellschaft, unmittelbar vor ihm war der Innerschweizer Sieger Marcel Mathis klassiert. Gleich hinter dem Freiburger lag mit Stefan Arnold der beste Urner. Steven erreichte diese Position mit fünf Kränzen (Freiburger und Waadtländer Kantonales, Schwarzsee Bergschwinget sowie Südwestschweizer Schwingfest und Berner Kantonales). Beim Waadtländer Kantonalen gelang dem Leistungsträger mit dem verdienten Kranzfestsieg gar eine Premiere. Dabei können auch der Schwarzsee und der Berner Kantonalkranz nicht hoch genug eingeschätzt werden. Übrigens: Der zweitbeste Südwestschweizer 2017 war Johann Borcard und folgte auf Rang 48.


Steven beim Gespräch, inmitten der schönen Natur auf dem Menzisberg
Bild: feldwaldwiesenblogger

Berg- und Teilverbandskranzer
Der Freiburger erblickte am 29. März 1996 als jüngstes Kind von Ruedi und Marlis Moser in Brünisried das Licht der Welt. Steven hat noch zwei ältere Geschwister, nämlich Kevin und Tanya. Bruder Kevin schwang auch, hängte den Schwingsport mit 17 Jahren aber nach einem Kreuzbandriss an den Nagel. Steven wohnt bei seinen Eltern in einem schönen Bauernhof auf dem Menzisberg und ist gelernter Polymechaniker. Der Bauernsohn beginnt kommenden September eine dreijährige Ausbildung als Maschinenbau-Ingenieur. Zu seinen Hobbys zählt der Polysportive nebst dem Schwingsport Ringen, Velofahren, Bergwandern und Skifahren.
Der 22-Jährige bringt mit seiner Grösse (192 Zentimeter) und seinem Gewicht (109 Kilogramm) optimale Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Der Sennenschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Sense. Steven schwingt seit seinem achten Lebensjahr und gewann um die 100 Zweige sowie etwa 15 Schwingfeste als Jungschwinger. Beim ENST 2012 in Hasle gewann er den Doppelzweig. Das weitere Palmarès des Brünisrieders beinhaltet 19 Kränze: 4 Teilverbandskränze, 1 Bergkranz und 14 Kantonalkränze. Den ersten Kranz gewann der Polymechaniker am 21. April 2013 beim Genfer Kantonalschwingfest in Satigny. Dazu kommen der Kranzfestsieg beim Waadtländer Kantonalen (2017), fünf regionale Festsiege und 6 Schlussgangteilnahmen an Kranzfesten.


Neuenburger Kantonales 2018: Steven bei einem seiner vier gewonnenen Gänge
Bild: Facebook

Gespräch:

Letztes Jahr lief es dir mit fünf gewonnenen Kränzen (Vorjahr vier) am besten von allen Südwestschweizern.
«Anfang letzter Saison ging es sehr gut. Ab Mitte der Saison lief es nicht mehr so optimal. Dafür gibt es aber eine Erklärung: Ich musste im Sommer in die Rekrutenschule (RS) und es blieb mir nicht mehr viel Zeit für das Training. Ich wurde beim Militär als Fliegersoldat eingeteilt und wurde während 21 Wochen zum Heli-Wart ausgebildet. Den Berner Kantonalkranz machte ich noch zu Beginn der RS. Dann wurde es leider immer harziger. Beim Saisonhöhepunkt am Unspunnen-Schwinget lief es nicht nach meinen Vorstellungen. Ich habe versucht, bei der Sport-RS unterzukommen. Es wurde mir leider nicht ermöglicht.»

2017 gewannst du den Schwarzsee-Kranz und den Berner Kantonalkranz. Liegt der Schwarzsee-Kranz dieses Jahr wieder drin?
«Ich weiss nicht, ob dieser wieder drin liegt, ich werde aber sicher mein bestes versuchen. Es kommt auch auf die körperliche Verfassung an.»

Bist du derzeit fit? Wie lief das Wintertraining?
«Ich startete im Januar, mit einem Rückstand von zwei Monaten, ins Wintertraining. Die RS ging bis Ende November, dann machte ich im Dezember Ferien und über die Weihnachts-Festtage wird gewöhnlich nicht trainiert. Die Aufbauphase dauerte dann nur drei Monate. Den Trainingsrückstand habe ich soweit aber wett gemacht.
Die ersten drei Regionalfeste liefen mässig und aus meiner Sicht gab es zu viele gestellte Gänge. Beim Genfer Kantonalen konnte ich glücklicherweise kranzgeschmückt heimkehren. Kleine Blessuren hat man als Schwinger sowieso meistens. Momentan musste ich wegen Nackenschmerzen, welche von einem verschobenen Wirbel herrühren, ein wenig schonen. Ich bin aber bereit für das Neuenburger Kantonale.»

Das Neuenburger Kantonalschwingfest in Dombresson gewann Florian Gnägi. Steven belegte mit vier gewonnenen und zwei gestellten Gängen den guten Rang 5b.

Bei welchem Teilverbandsfest bist du Gast und bei welchen Bergkranzfesten kannst du antreten?
«Beim Jubiläums-Innerschweizerischen in Ruswil LU darf ich antreten. Das Ziel ist der Kranzgewinn, auch wenn dies bei diesem toll besetzten Anlass schwierig wird. Neben dem Schwarzsee-Schwinget bin ich zudem für den Weissenstein-Schwinget qualifiziert.»

Wie sieht dein Trainingsaufwand aus?
«Gewöhnlich trainiere ich vier- bis fünfmal pro Woche. Während der Schwingfestsaison trainiert man weniger als bei der Vorbereitung, um am Wochenende frisch zu sein. Den grössten Teil macht man im Winter, die Feste gewinnt man dann. Während dieser Zeit absolviere ich zwei bis drei Schwingtrainings und drei separate Kraft- und Konditionseinheiten.
Am Dienstag besuche ich gewöhnlich in Bern das Schwingtraining der Mittelländischen Schwinger. Am Donnerstag absolviere ich das Klubtraining, welches abwechslungsweise in Tafers oder Plaffeien stattfindet.
Einen Coach in dem Sinne habe ich nicht. Bei meinen Trainings sind Leute dabei, die mich beobachten. Für die Kraft- und Konditionseinheiten trainiert uns Christoph Feyer, ein ehemaliger Ringer, welcher uns ein spezifisches Programm zusammenstellt. Vor den Kantonalen legen wir jeweils eine Regenerationswoche ein, in welcher wir kein Krafttraining ausüben.»

Wie oft habt ihr Südwestschweizer 2018 einen Trainingszusammenzug? Auf was liegt bei diesen Zusammenzügen der Fokus?
«Einmal im Monat steht ein Südwestschweizer Trainingszusammenzug auf dem Programm. Entweder findet dieser in Oron-la-Ville oder in Cottens statt. Bei diesen Trainings wird vor allem geschwungen.»

Studiert man deine Kranzgewinne, stellt man fest, dass du seit deinem ersten Kranz regelmässig welche sammelst. Ist das auf einen guten und kontinuierlichen Trainingsaufbau zurückzuführen?
«Ja, ich denke schon. Wie bereits erwähnt, macht man die Kränze im Wintertraining. Ohne dieses läuft nichts. Ich darf behaupten, dass ich bei den Trainings nie gefehlt habe, ausser ich musste Blessuren auskurieren. Als Jungschwinger habe ich eigentlich mehr gemacht als die anderen und trainierte früh mit den Aktiven.»

Man hat das Gefühl, dass die Südwestschweizer letztes Jahr im Vergleich zu den anderen Teilverbänden deutlich aufgeholt haben. Wie erklärst du das?
«Es sind einzelne Athleten, welche wirklich gut schwingen. Wir müssen nun darauf achten, dass alle mitziehen. Wenn wir hier in der Südwestschweiz «nur» untereinander schwingen, fehlt der Vergleich mit «ausserhalb». Es gilt, noch mehr Trainingsmöglichkeiten bei anderen Verbänden zu organisieren. Damit jeder erkennt, wie es dort läuft. Denn ein Nichtkranzer bei uns schwingt anders als ein Nichtkranzer in den anderen Teilverbänden. Diese gehen viel aggressiver an die Sache ran. Bei uns schwingen diese oft defensiv. Aber diese Punkte haben sich zu früher doch ziemlich verbessert.»


Steven als glücklicher Kranzfestsieger beim Waadtländer Kantonalen 2017
Bild: schlussgang.ch

Die Südwestschweizer sind auch dieses Jahr auf einem guten Weg. Erst kürzlich gewann Johann Borcard als Gast beim Schwyzer Kantonalen den Kranz. Welche Südwestschweizer sind nebst dir zudem bereit und fähig ausserhalb der Südwestschweiz den Kranz zu gewinnen?
«Ich denke, das sind in erster Linie Benjamin Gapany, Michel Dousse (ein Klub-Kollege von mir), Samuel Dind, Marc Gottofrey und Marc Guisolan.»

Dein schwingerisches Vorbild ist Matthias Sempach. Ist dein Schwingstil ähnlich?
«Ich gab wohl mal Matthias Sempach an, orientiere mich aber nicht unbedingt an Vorbildern. Denn jeder bringt seine eigenen Voraussetzungen, Eigenheiten und Spezialitäten mit. Als Jungschwinger glich mein Schwingstil sicher jenem von Sempach. In der Zwischenzeit habe ich meinen Stil etwas angepasst, welcher nun jenem von Kilian Wenger näherkommen würde.
Zwei Wochen vor dem Eidgenössischen in Burgdorf (2013) riss ich mir das Kreuzband im linken Knie. Nach dem Kreuzbandriss habe ich meine Schwingweise etwas geändert und musste erst wieder das Vertrauen zurückgewinnen.»

Welches sind deine bevorzugten Schwünge? Mit welchem Schwung gewinnst du die meisten Zweikämpfe?
«Das ist vor allem der Kurz, mit diesem gewinne ich die meisten Zweikämpfe. Zudem gewinne ich einige Gänge mit einer Spezialkombination aus Kurz-Lätz-Fussstich. Ich wende weiter Standschwünge und Seiten-Flankenschwünge an. Die Bodenarbeit kommt auch zum Zug. Es ist mir aber lieber, wenn die Gegner gleich platt ins Sägemehl fliegen.»

Woran müsstest du arbeiten, um noch weiter an die Spitze vorzurücken?
«Ein grosses Manko von mir ist das Reagieren auf Schwinger, welche mit mir nur stellen wollen. Mein Ziel ist, ein Rezept zu finden, damit ich solche Gänge auch siegreich gestalten kann. Es ist für mich schwieriger Schwinger zu besiegen, welche nicht schwingen wollen.»

Bist du bereit für deinen zweiten Kranzfestsieg?
«Was soll ich sagen? Es kommt jeweils auf die Tagesform an. Wenn diese stimmt, ist ein weiterer Kranzfestsieg sicher möglich. Es wäre schön, wenn ich das in diesem Jahr als Bestätigung schaffen könnte. Beim Waadtländer Kantonalen letztes Jahr lief es mir sehr gut und im Schlussgang konnte ich Lario Kramer im ersten Zug bezwingen. Gegen Kramer ist das gewöhnlich nicht einfach.»

Du und Benjamin Gapany sind gewissermassen die Teamleader bei den Südwestschweizern? Welche sind es noch?
«Ich sehe Gapany und mich als Freiburger Teamleader, weiter auch Johann Borcard. Hinzu gekommen ist zudem Michel Dousse. Bei den Waadtländern sind es Pascal Piemontesi und Marc Gottofrey, welche auch schon einiges erreicht haben.»

Welche Ziele hast du dir für 2018 gesetzt? Welches werden deine persönlichen Highlights im Schwingerjahr 2018?
«Das Innerschweizerische Teilverbandsfest, der Schwarzsee- und der Weissenstein-Schwinget sind sehr wichtig für mich. Bei diesen Schwingfesten möchte ich viel erreichen. Das Ziel ist der Kranzgewinn und gut zu schwingen.»

Was meinst du, bist du mit dem eingeschlagenen Weg in Zug gar auf Eidgenössischem Kranz-Kurs? Oder müsstest du dafür noch eine Schippe drauflegen?
«Ich denke, auf diesem Weg bin ich bereit dazu. Ich war schon für Estavayer parat, es war dort aber auch eine Kopfsache. Bei meinem ersten Eidgenössischen war ich sehr nervös. Beim zweiten in Zug hoffe ich besser abschliessen zu können. Es bringt gar nicht viel, noch eine Schippe draufzulegen. In den drei Jahren um ein ESAF sollte der Trainingsaufwand eigentlich gleichbleiben und gleichmässig verteilt sein. Mehr trainieren sollte man auch nicht, nur schon wegen der Ermüdungs- und Verletzungsgefahr.»

Die Südwestschweizer machen nächstes Jahr zwei Kränze beim ESAF. Würdest du diese Aussage unterschreiben?
«Nein, würde ich nicht. Es liegt jeweils auch in den Sternen und wie eingeteilt wird.»


Steven vor dem Elternhaus in der Gemeinde Brünisried
Bild: feldwaldwiesenblogger

Übrigens: Beim Treffen sassen wir bequem draussen und ich durfte eine herrliche Aussicht auf die Freiburger Alpen geniessen. Zum Schluss sagte ich zu Steven: «Ich drücke dir meine Daumen, damit du auf deinem eingeschlagenen Weg erfolgreich bist. Und wenn der Eidgenössische Kranz in Zug gelingt, ist das umso schöner!»
Ich bedanke mich beim sympathischen Sennenschwinger für das offene Gespräch und wünsche ihm alles Gute und vor allem beste Gesundheit. Denn ohne diese geht es schlicht und einfach nicht.

feldwaldwiesenblogger

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