«E ghörigi Portion Bruuchtum am Schwinget»

Text: Tobias Scheiwiller (Medienchef OLMA-Schwinget) und feldwaldwiesenblogger

Am letzten OLMA-Messetag, am Sonntag, 21. Oktober, wartet auf die Messebesucher ein besonderes Highlight. Am OLMA-Schwinget trifft sich, wer Rang und Namen hat: Samuel Giger, Gewinner des Schwägalp-Schwingets, und weitere Eidgenossen stehen im Ring.

Bereits zum 22. Mal treffen sich Schwinger des Nordostschweizerischen Schwingerverbandes zum traditionellen Wettstreit im Sägemehl der OLMA-Arena. Je drei Schwinger aus den anderen vier Teilverbänden (Berner Kantonaler Schwingerverband, Innerschweizer Schwingerverband, Nordwestschweizer Schwingerverband und Südwestschweizer Schwingerverband) treten als Gäste zum Wettkampf an. Auf die besten drei Schwinger warten wertvolle Lebendpreise.

Am kommenden Sonntag lassen es die Schwinger nochmals ordentlich stieben!
Bild: Regina Kühne

Hochkarätige Namen
Die Schwingerliste mit rund 90 Namen wird vom stärksten Schwinger der Saison, Samuel Giger, angeführt. Neben Giger kommen mit Domenic Schneider, Beni Notz und dem Routinier Stefan Burkhalter gleich nochmals drei Eidgenossen aus dem starken Thurgauer Kantonalverband. Zudem ist der Appenzeller Eidgenosse Raphael Zwyssig am Start. Zu den Ostschweizern gesellt sich mit Nick Alpiger ein starker Nordwestschweizer Eidgenosse.

Echt urchig
Der OLMA-Schwinget bietet Spitzensport, spannende Wettkämpfe und eine einzigartige Atmosphäre. Und wie es sich für ein Schwingfest gehört, zeigen Jodler, Fahnenschwinger und Alphornbläser zwischen den Wettkämpfen urchige Unterhaltung. Der OLMA-Schwinget ist voller Brauchtum und damit ein Event, wo Tradition nicht nur gezeigt, sondern auch gelebt wird. Ein Event für alle!

Veranstalter
Organisiert wird der OLMA-Schwinget vom Schwingerverband St.Gallen und Umgebung, sowie dem Bürgerturnerchörli St.Gallen in Zusammenarbeit mit der OLMA.

Das Schwingfest beginnt um 08.30 Uhr, Kassaöffnung beim Eingang G ist
um 08.00 Uhr. Der Zugang erfolgt bis 09.00 Uhr ausschliesslich via Eingang G.

feldwaldwiesenblogger

«Ich konnte wieder vorne mitschwingen und bin gesund» – Interview mit Spitzenschwinger Christian Schuler zum Saisonabschluss

Der 30-jährige Christian Schuler hat mit einem starken Spätsommer nach seiner schweren Knieverletzung im letzten Jahr den Anschluss zur Spitze wieder hergestellt. Obschon er auch diese Saison zwischenzeitlich verletzungsbedingt ausfiel, belegte er in der Jahreswertung den ausgezeichneten siebten Platz.

Text und Foto: Werner Schönbächler und feldwaldwiesenblogger

Wie schlimm ist die am Siebner Herbstschwingertag zugezogene Fingerverletzung?
«Es ist glücklicherweise nichts Gravierendes. Doch im Training konnte ich noch nicht wunschgemäss Griffe fassen, sodass ich mich entschied, die Saison zu beenden, um den Aufbau nicht hinausschieben zu müssen.»

Wie bist Du mit Deiner Saison zufrieden?
«Nach meiner letztjährigen Knieverletzung bin ich sehr zufrieden. Es hat sich für mich gelohnt, dass ich auf einen operativen Eingriff verzichtet und auf eine alternative Methode gesetzt habe. Ich gönnte dem Knie danach die nötige Erholungszeit, was mir einen zielgerichteten Aufbau ermöglich hat.»

Bereits der Start an den Frühlingsfesten verlief für Dich vielversprechend. Hast Du damit gerechnet?
«Damit durfte ich wirklich nicht rechnen, umso schöner war es für mich. Ich konnte viel mehr umsetzen, als ich mir eigentlich zum Ziel gesetzt habe.»

Schon bald trat am Ob- und Nidwaldner Kantonalen wieder eine Verletzung auf. Was dachtest Du im ersten Moment?
«Nach dem etwas harzigen Start am Schwyzer Kantonalen erwischte es mich am «Ob- und Nidwaldner» erneut. Im ersten Moment war ich niederschlagen. Zum Glück erwies sich die Verletzung nicht als allzu schlimm.»

Nachdem Du deswegen zwei Kantonalfeste sausen lassen musstest, gabst Du ausgerechnet beim Bergklassiker auf dem Stoos das Comeback. War das nicht etwas riskant?
«Mich verbinden gute Erinnerungen mit diesem Anlass, konnte ich doch 2009 auf dem Stoos mein erstes Kranzfest gewinnen. Im Grossen und Ganzen war ich zufrieden mit meiner Leistung, obschon ich die fehlende Wettkampfpraxis spürte und gerade noch den letzten Kranz holte. Ich bin da gerade noch mit einem «blauen Auge» davongekommen.»


Christian Schuler darf auf eine starke Saison zurückblicken

Dann wurdest Du von Fest zu Fest stärker?
«Das ist so. Nachdem ich mich am «Innerschweizerischen» im ersten Rang klassierte, wurde ich am «Südwestschweizerischen» Zweiter. Der Sieg in Ruswil bedeutete mir sehr viel und gab mir das das nötige Selbstvertrauen für den weiteren Verlauf. Ich merkte, dass ich endgültig wieder «bei den Leuten» angekommen bin.»

Auf dem Brünig und der Schwägalp hast Du das Fest an der Spitze mitgeprägt. Was hat für den Sieg gefehlt?
«Auf dem Brünig erhielt der punktgleiche Kilian Wenger gegenüber mir vom Einteilungskampfgericht den Zuschlag für den Schlussgang gegen Joel Wicki, was für mich in Ordnung war. Eine kurze Unaufmerksamkeit gegen Daniel Bösch auf der Schwägalp hatte fatale Folgen und brachte mich um den Schlussgang.»

Du wirkst derzeit rundum zufrieden. Oder täuscht dieser Eindruck?
«Nein, obschon nicht immer alles zusammenpasste, kann ich mit der Saison sicher zufrieden sein. Nach meiner nicht einfachen Knieverletzung konnte ich wieder vorne mitschwingen und bin gesund, was wohl das Wichtigste ist. All das ist ein Resultat von dem, was ich in den Sport investiert habe, inklusive der vielen Trainingsstunden.»

Wie bringst Du es fertig, Familie, Job und Sport unter einen Hut zu bringen?
«Ich kann zum Glück auf einen grosszügigen Arbeitgeber zählen, dank dem ich meine Zeit gut einteilen kann. Weiter habe ich ein gutes Umfeld, welches es mir ermöglicht, ein Stück weit fürs Schwingen zu leben.»

Wie geht es nun weiter?
«Nach einer kurzen Pause werde ich den Aufbau für die nächste Saison mit Schulschwingen beginnen. Da wird das Augenmerk auf die richtige Ausführung von Schwüngen gelegt. Das Konditionstraining werde ich nicht unterbrechen. Mein Ziel ist es, wieder vorne mitschwingen zu können.»

Hast Du das nächstjährige «Eidgenössische» in Zug bereits im Hinterkopf?
«Nein, ich versuche es noch möglichst lange auszublenden und den Fokus auf mich zu legen. Ich habe ja bereits an fünf «Eidgenössischen» mitgemacht und weiss, was da abgeht. Doch wird der Medien-Hype gegenüber den letzten Austragungen wohl noch grösser werden. Da muss man sich gut abgrenzen können, um noch genügend Zeit für sich zu haben.»

feldwaldwiesenblogger

Nachgefragt bei Marco Fankhauser, dem Schlussgang-Verlierer von Unteriberg

Text: feldwaldwiesenblogger

Wieder einmal lasse ich einen Schlussgang-Verlierer zu Wort kommen: Marco Fankhauser. Der Entlebucher stand am vergangenen Sonntag in Unteriberg SZ im Schlussgang und verlor diesen leider. Dennoch hat es Marco auch verdient, erwähnt zu werden. Denn er erreichte die Endausmarchung mit einer starken Leistung. Mit dem Luzerner führte ich ein Tag später ein interessantes Gespräch und wollte von ihm unter anderem wissen, wie er den Schlussgang erlebte. Weiter aber auch, wie seine Saisonbilanz aussieht und wann er in die Vorbereitung für 2019 einsteigt.

Der 49. Herbstschwinget Unteriberg
Sieger des letzten Schwingfestes in der Innerschweiz wurde Pirmin Reichmuth. Der zum Glück wiedergenesene Chamer bezwang im Schlussgang nach 40 Sekunden Marco Fankhauser mit einem Wyberhaken. 800 Zuschauer fanden bei prächtigem und mildem Herbstwetter den Weg nach Unteriberg. Das Organisationskomitee unter der bewährten Leitung von Kurt Marty scheute keinen Aufwand und führte beim Bezirkschulhaus ein stimmungsvolles Schwingfest durch. Bei diesem kam die volkstümliche Unterhaltung natürlich auch nicht zu kurz. Zudem wurde ein kleiner, aber nicht minder feiner Gabentempel hergerichtet.
58 Schwinger, die Mehrzahl aus dem Kanton Schwyz, traten am Sonntagmittag an. Darunter war mit dem Sieger nur ein Eidgenosse am Start. Der ursprünglich gemeldete Rothenthurmer Christian Schuler musste wegen einer Fingerverletzung, welche er sich im Schlussgang des Herbstschwingertages Siebnen zuzog, Forfait erklären. Weiter figurierten unter dem Teilnehmerfeld einige starke Kranzschwinger.

Marco Fankhausers zweite Teilnahme in Unteriberg
Nachdem Marco vor einigen Jahren schon einmal in Unteriberg antrat, belegte er bei der zweiten Teilnahme in der sonnigen Hochybrig-Region den zweiten Schlussrang. Der Sennenschwinger qualifizierte sich mit fünf Siegen verdient für den Schlussgang. Darunter befanden sich mit Roland Kälin, Ursin Battaglia und im fünften Gang mit Philipp Schuler Berg- und Teilverbandskranzer.
Marco Fankhauser’s Geburtsdatum ist der 8. März 1996. Der 22-Jährige wohnt in Hasle LU, ist ledig und weist mit seiner Grösse (187 Zentimeter) und seinem Gewicht (103 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Der Entlebucher ist gelernter Plattenleger, absolviert derzeit eine Zweitausbildung als Maurer und befindet sich im ersten von zwei Lehrjahren. Zu seinen Hobbys zählt er nebst dem Schwingen Biken, Skifahren, Schwyzerörgeli- und Handorgelspielen.
Marco ist Mitglied beim Entlebucher Schwingerverband und hat bisher 13 Kränze herausgeschwungen. In der nun zu Ende gehenden Saison konnte er am Zuger und Schwyzer Kantonalen sowie am Innerschweizerischen und am Rigi-Schwinget vor die Kranzdamen treten. Diese vier Kranzgewinne und die vier an Kranzfesten bezwungenen Eidgenossen brachten ihm den 43. Rang in der SCHLUSSGANG-Wertung, der offiziellen Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, ein.
Marco schwingt seit 2002 und benennt als schwingerisches Vorbild den Gersauer Eidgenossen Andreas Ulrich.


Ein strahlender Marco Fankhauser nach dem Herbstschwinget Unteriberg
Foto: Gebrüder Fankhauser (Facebook)

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir nach dem verlorenen Schlussgang durch den Kopf?
„Als Erstes ging mir der Schlussgang vom Herbstschwinget Schachen durch den Kopf. Dort nahm ich mir vor, es das nächste Mal besser zu machen. Dazu muss man aber auch sagen, dass die Voraussetzungen betreffs Favoritenrolle in Schachen anders waren. Dort war ich eigentlich Favorit, in Unteriberg nicht unbedingt. Ich wusste auch nicht so genau, wie stark Reichmuth schon wieder ist.“

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
„Das ist schwierig zu sagen. Beim Herbstschwinget Schachen hat’s einen Sieger gebraucht. In Unteriberg hätte mir ein Gestellter gereicht. In Schachen zog ich aufs Gut des Kampfrichters und wurde ausgekontert. In Unteriberg wartete ich leider ab. Das würde ich nächstes Mal nicht mehr so machen. Ich würde gleich aufs Gut ziehen und weniger taktieren.“

Mit fünf souveränen Siegen hast du den Schlussgang erreicht. Welcher dieser Gänge war der härteste Kampf?
„Der Kampf gegen Ursin Battaglia war der härteste. Philipp Schuler und Roland wie Remo Kälin waren defensiv sehr stark. Diese muss man zuerst auch bezwingen.“

Was für ein Fazit ziehst du vom Herbstschwinget Unteriberg?
„Ich ziehe ein gutes Fazit. Die Organisatoren zeigten am Vormittag grosse Freude, als ich mich für den Schwinget anmeldete. Solche Schwingfeste kann man zum Teil mehr geniessen als Kranzfeste. Denn es herrscht weniger Hektik, sondern vielmehr eine angenehme Atmosphäre.“

Wie sieht deine Saisonbilanz insgesamt aus?
„Ich bin zufrieden und konnte die Saison gesund beenden. Mitte der Saison hatte ich eine Verletzung am Ellbogen, und liess mir dabei genügend Zeit. Am Berner Kantonalen und auf der Schwägalp lief es mir nicht wie gewünscht, diese beiden Kranzfeste waren eigentlich meine Saisonhöhepunkte.
Ich durfte aber drei Premieren feiern: Mit dem ersten Innerschweizer- und dem ersten Rigi-Kranz. Ich konnte zudem meine Kantonalkranz-Sammlung vervollständigen. Bei den Bergkränzen fehlen mir noch drei auswärtige, nämlich jener am Schwarzsee, auf dem Weissenstein und der Schwägalp. Der Gewinn dieser Kränze bilden meine nächsten Ziele.“


Marco Fankhauser gewann 2017 und 2018 jeweils vier Kränze
Foto: Entlebucher Anzeiger

Du hast deinen ersten Kranz 2012 beim Luzerner Kantonalen in Wolhusen gewonnen. Welches war deine bisher erfolgreichste Saison?
„Die letztjährige Saison genoss ich am meisten, da ich 2016 den grössten Teil der Saison verletzungsbedingt fehlte. Es war einfach nur schön, wieder dabei zu sein. Ich freute mich an jedem Kranzgewinn und ging mit einer riesigen Freude an den Unspunnen-Schwinget, welchen ich im vierten Rang abschloss. Diese Saison war auch toll, denn ich konnte gleich viele Kränze wie letzte Saison gewinnen: Nämlich vier.“

2017 hast du den Schlussgang beim Luzerner Kantonalen bestritten, dabei leider verloren. 2019 ist der erste Kranzfestsieg fällig?
Marco lacht. „Ich hätte nichts dagegen. Es muss einfach alles passen, und vor dem Schlussgang steht es immer 50 zu 50. In Malters war ich nahe dran. Wenn der Tag stimmt, ist alles möglich.“

Es ist allgemein bekannt, dass die Gebrüder Fankhauser sich gegenseitig „pushen“. Wie sieht das konkret aus?
„Im Training spornen wir uns gegenseitig an und klopfen Sprüche. Es ist immer speziell, wenn man gegen seine Brüder schwingt. Wir brauchen das einfach, weil wir nichts anderes kennen. Schön ist zudem, gemeinsam an die Schwingfeste zu reisen. Ich habe das in Unteriberg festgestellt: Es ist schon anders, wenn man ohne seine Brüder antritt.“

Du wirst im kommenden März 23 Jahre jung. Das ideale Alter für den ersten eidgenössischen Kranz?
Marco lacht erneut. „Das Ziel ist es sicher. Die Gesundheit muss einfach mitmachen. Ich habe es 2016 gesehen: Ich durfte damals im Frühling super Rangschwingfeste erleben und plötzlich kam der „Chlapf“ und mit der schweren Verletzung war es vorbei. Es muss an jenem Wochenende einfach alles stimmen. Es wäre sicher schön und ich arbeite auch auf darauf hin.“

Wann steigst du in die Saisonvorbereitung für 2019? Wie wird diese aussehen?
„Meine Saisonvorbereitung starte ich anfangs November mit Kraftaufbau und Ende November beginnen wir mit dem Schulschwingen. Zu anstrengend wird es am Anfang noch nicht sein. Wir werden gewisse Schwünge näher anschauen und möchten nicht ausgepowert sein, wenn es im Frühling wieder losgeht.“

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