Franz Wobmanns glänzender Sieg in Paris

Quelle: 50 Jahre Entlebucher Schwingerverband (1919 – 1969)

Im „Bild aus dem Schweizerischen Volksleben“ von Hans Nydegger findet man folgende interessante Geschichte vom bekannten Franz Wobmann, Schüpfheim, der von 1831 bis 1884 gelebt hat und wohl der gefürchteste Entlebucher Schwinger der damaligen Zeit war. Wobmann war in der Nähe von Paris auf einem Landgut in Stellung. Da vernahm er, dass auf dem Marsfeld zu Paris ein Athlet seine Bude aufgeschlagen hatte. Dieser rühmte sich als den stärksten Mann der Welt und nannte sich „Löwe von Barcelona“. Der „wilde Hämmel“, so nannte sich Franz Wobmann, entschloss sich, mit diesem Herkules einen Kampf auszufechten. Ganz Paris und eine weite Umgebung sei in Aufruhr gekommen, als durch Plakate bekannt wurde, dass ein Schweizer ab dem Landgut des Herrn Legrand mit dem Herkules der Marsfeldbude einen Ringkampf bestehen wolle. Franz habe sich auf den Zweikampf gut vorbereitet durch Üben unter der Instruktion eines Berner „Jäggel“, der auf dem gleichen Gut tätig war. Selbst der Gutsherr von Franz Wobmann war begeistert vom bevorstehenden Kampfe und versprach dem Entlebucher einen Extrapreis, falls er als Sieger die Arena verlasse. Aber auch der Budenbesitzer wurde nicht enttäuscht. Schon lange vor Beginn dieser Auseinandersetzung füllten sich die Sitzreihen mit Schaulustigen und bald war der letzte Platz ausverkauft.


Franz Wobmann war einer der gefürchtesten Entlebucher Schwinger der damaligen Zeit

Der Gegner von Wobmann nannte sich „Löwe von Barcelona“
Der „Löwe von Barcelona“ sei zuerst allein vor das Publikum getreten und habe als Einleitung einige Kraftstücke vorgeführt. Doch die Zuschauer hätten daran kein Interesse gezeigt und stürmisch den Beginn des Ringkampfes verlangt. Dann habe sich der Herkules in die Bude zurückgezogen, um sich bereit zu machen. Auch Franz Wobmann wurde das Zeichen gegeben, dass es nun soweit sei. Nicht ohne etwas Herzklopfen sei er dann in den Ring gestiegen, denn sein Kampfpartner habe gar unheimlich ausgesehen. Nichts habe er am Leibe gehabt als eine enganliegende Hose aus rotem Zwilch. Sonst sei er splitternackt gewesen und habe geglänzt wie ein frischlackierter Kleiderschrank. Er hatte sich nämlich am ganzen Leib mit Öl eingeschmiert. Wobmann habe sich dann ebenfalls bis auf das Hemd und die Hose ausgezogen, die Hemdärmel aufgestülpt, wie man das beim Schwingen heute noch tut, und vom Wein, den er aus der Hand des Kampfrichters erhalten habe, nur die Hälfte getrunken und die andere Hälfte nach Schwingerart über seine Arme gegossen und mit den Händen eingerieben. Dann mussten sie drei Schritte auseinander und so das Kommando zum Angriff abwarten.

Mit Nachtbubentrick zum ersten Sieg
Als das „Los“ ertönte, habe der Berner „Jäggel“ dem Entlebucher zugerufen: „Wahre deinen rechten Arm!“ Wie eine Katze habe sich der Herkules gegen den Boden geduckt und Wobmann umkreist und sei immer näher auf ihn zugerückt. Wobmann habe aber alle Bewegungen des Spaniers genau im Auge behalten und ihm immer wieder die linke Seite zugekehrt. Plötzlich sei der Spanier emporgeschnellt und habe wie ein Tier einen Sprung auf Wobmann gemacht. Franz habe sich aber nicht überrumpeln lassen und ebenfalls einen Sprung nach rückwärts getan. So sei der Angreifer an ihm vorbeigeschossen wie eine Bombe. Aber sofort habe der Spanier kehrt gemacht und zum zweiten Sprung angesetzt. Doch Wobmann habe die Situation im rechten Moment erfasst und sei ihm mit dem Kopf in die Bauchgegend geschossen, und im gleichen Augenblick habe er ihm mit beiden Armen die Kniegelenke umklammert. Dieser Nachtbubentrick sei ihm vollkommen gelungen, denn mit einem ächzenden „Higg“ habe er den Menschenkoloss auf den Rücken gedonnert, dass fast der Boden gezittert habe. Stürmischer Beifall quittierte diese Prachtsleistung des Entlebuchers. Der Meister von Franz Wobmann sei in die Arena gestiegen und habe einen fast klafterhohen Freudensprung gemacht, dem Entlebucher auf die Schulter geklopft und gesagt, dass er ihm 1000 Franken extra gebe, wenn er noch einmal Sieger werde.

Mit Beinstellen und Aufreissen zum zweiten Sieg
Das zweite Mal sei es nicht mehr so leicht gegangen. Der „Löwe von Barcelona“ sei über diese Niederlage furchtbar zornig gewesen und wollte unter allen Umständen den Sieg diesmal an seine Fahne heften. Deshalb habe er eine andere Taktik eingeschlagen und sei nicht mehr mit Gewalt auf den „wilden Hämmel“ losgegangen. Vielmehr wäre ihm bald sein Kunstgriff geglückt. Dieser bestand darin, den Gegner mit beiden Händen am rechten Arm zu packen, um sich blitzschnell ringsherum zu drehen und diesen nach einigen Schwingungen über seine eigene Schulter kopfüber auf den Rücken zu werfen. Auf allen Schwingplätzen ist dieser Schwung, weil viel zu gefährlich, streng verboten. Dem Herkules sei es in der zweiten Begegnung wirklich gelungen, die rechte Hand Wobmanns zu erwischen. Dem Schüpfheimer sei es vorgekommen, als befände er sich in einem Schraubstock, und schon habe er sich im Kreise gedreht. Der Entlebucher, seiner Niederlage in dieser Situation voll bewusst, gab dem Herkules einen Schlag in das Ellenbogengelenk und tat einen kräftigen Ruck mit dem eingeklemmten Arm und konnte sich so im letzten Moment vor der sichern Niederlage befreien. Franz habe dem Spanier schnell das Bein gestellt und ihn so in Bauchlage befördert. In dieser Stellung habe er seinen Gegner an den kurzen Höschen aufgerissen und ihn kopfüber auf den Rücken geworfen.

Vor Freude zu einem Entlebucher Jodel angestimmt
Nun hatte er zum zweiten Male gesiegt. Sein Widersacher habe ihm die Hand gereicht und nach Schwingerart zum Siege gratuliert. Er sei umzingelt worden wie ein Hirte, der seinen Schafen zu lecken gibt. Der Herr habe ihm die tausend Franken gegeben und andere Herren aus Paris wollten nicht nachstehen. Schnell wurde eine Sammlung veranstaltet und in der Zeit einer Viertelstunde sei er in den Besitz von rund fünftausend Franken gekommen. Darauf habe Wobmann seiner Freude nicht mehr widerstehen können und habe einen richtigen Entlebucher Jodel angestimmt. Zwar habe es auf dem Marsfeld nicht widerhallt wie in den heimatlichen Bergen, aber den Zuhörern sehr gefallen.

feldwaldwiesenblogger

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