Adrian Käser – der jüngste Schwingerkönig aller Zeiten

In diesem (noch jungen) eidgenössischen Jahr blicken wir heute aufs Jahr 1989 zurück, wo in Stans ein gewisser Adrian Käser jüngster Schwingerkönig aller Zeiten wurde. Praktisch niemand hätte anfangs jenes Jahres den Namen des jungen Berners im August zuoberst auf dem Schwinger-Olymp gesehen.
Ob sich dieses Jahr in Zug ähnliches abspielen wird?

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit IV (1992) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger


Beim damals neuen Sport «Mountainbiking» war der frischgebackene Schwingerkönig auch mit von der Partie
Bild: Heinz Huber

Als 18-Jähriger Schwingerkönig geworden
Adrian Käser fasste in Stans für seine Niederlage im dritten Gang gegen den Bündner Lorenz Arpagaus die Note 8,5. Danach drehte er mächtig auf und wurde Schwingerkönig. Arpagaus dagegen verlor viermal in Folge und verpasste den Kranz. So unberechenbar ist der Zweikampf schweizerischer Prägung — der Sport allgemein, könnte man beifügen.
«Ädu» war eben 18 geworden, als ihm dieser Exploit gelang. Er wurde jüngster Schwingerkönig aller Zeiten und tat einem so leid, als ihn Eugen Hasler im Schlussgang zunächst nach Strich und Faden dominierte und mehrmals haarscharf an den Rand der Niederlage brachte. Doch nach acht Minuten war der Berner noch ziemlich unverbraucht, er hatte ja nichts zu verlieren. Als Hasler erneut angriff, konterte er mit Gammen und kam zum sensationellen Sieg.

Erzrivale Eugen Hasler
Der frühe Titel hat zwar das Leben Käsers einschneidend verändert, doch er verlor den Blick für die Realität nie. Er wusste, dass er als König unvermeidlicherweise etliche Taucher in Kauf nehmen müsse, und das ist ja zeitweise fast im Übermass eingetroffen. Adi riskierte eben immer wieder viel und liess sich von den Rückschlägen nicht ins Bockshorn jagen. Seinen Erzrivalen Hasler hat er seither am Schwarzenbergschwinget nochmals besiegt; am Kilchberg 1990 trennten sie sich unentschieden. So blieb alle Spannung für ein weiteres Duell in Olten gewahrt. Dazu ist es in der Tat gekommen, und Hasler gewann nach wenigen Sekunden. Käser verkraftete den Schock, kämpfte an beiden Tagen bravourös und holte einen der vorderen Kränze. Er war mit diesem Ergebnis zufrieden.

Mehrere verletzungsbedingte Ausfälle
Adrian hatte aber auch mehrere verletzungsbedingte Ausfälle. 1990 und 1991 konnte er weder am Berner Kantonalen noch am Brünigschwinget teilnehmen. Besonders die Rippenverletzung im gewonnenen Schlussgang am Emmentalischen Schwingfest 1991 kam zu einem denkbar ungünstigen Moment. Adi war eben daran, sich als König zu bestätigen, hatte 3 Festsiege in Folge (Oberaargauisches, Mittelländisches, Emmentalisches) realisiert. Für den Rest der Saison fiel er aus. Nicht nur aus dem Bundesfeierschwinget in Flüelen wurde nichts, er musste auch für das Nordostschweizerische Forfait geben, wo ein Spitzenrang, vielleicht gar ein Sieg, absolut dringelegen wäre.

Faire Schwingerkameradschaft zwischen Hasler und Käser
Bereits 1990 hatte ihn ein Bluterguss unter der Knochenhaut am Schienbein und eine anschliessende Angina für 2 Monate ausser Gefecht gesetzt. Sonst wäre es schon damals zum erneuten Duell mit Hasler gekommen, der am Kantonalen geladen war. Die beiden grossen Rivalen lassen es an der sprichwörtlichen Schwingerkameradschaft nicht mangeln. Hasler hat Adi seinerzeit sportlich fair gratuliert und ihn sogar nach der für ihn ärgerlichen Niederlage zuhause in Alchenstorf besucht, um ihm einen Laib Käse zu überreichen (damit er noch stärker wird?). Freimütig bekannte er zudem nach der dritten Begegnung mit dem jungen Berner im Sägemehlring, er mache gegen Adi «einfach alles falsch». Damit war der Berner die Sorge los, dass sein Schlussgangsieg in Stans als allzu glückhaft bezeichnet werden konnte.

Sehr vielseitiges Training
Adrian gehört zu den Schwingern, die ein sehr vielseitiges Training absolvieren. Wöchentlich steht zweimal Schwingen auf dem Programm. Dazu kommt Kraftraum, Fitness, Beweglichkeit, konditionsfördernde Läufe und Velofahren, Eishockey und Volleyball. «Der Spitzenschwinger von heute muss ein kompletter Sportsmann sein», äusserte Adrian Käser in der «Sonntags Zeitung». Weiter beschrieb er die vielen Verpflichtungen, die sein Königstitel mit sich brachte. Plötzlich hätten ihn viele Leute gekannt und seine Freizeit sei immer mehr beschnitten worden. Das ging vom Superzehnkampf für den guten Zweck bis zur Autogrammstunde.

Die bitterste Stunde am Kilchberger-Schwinget 1990
Wie fast alle Könige vor ihm, musste er erkennen, dass König werden einfacher ist als es zu bleiben. Er hatte höchstens den Vorteil, dass man ihm als «Greenhorn» etwas mehr verzieh als anderen Königen. Die bitterste Stunde war der Kilchberger-Schwinget 1990, wo er sieglos blieb und den Ausstich nicht erreichte. Doch er hat zäh weitergearbeitet, an seiner Technik gefeilt, den Brienzer vervollkommnet, Fussstich und Gammen weiterentwickelt. 1992 wurde er erstmals Berner Kantonalfestsieger und wiederholte den Ehrenplatz vom Brünig, mit dem er 1989 hatte aufhorchen lassen.
Übrigens: für den angehenden Futtermitteltechniker — Beginn der Ausbildung Herbst 1992 — kann es fast nicht heiss genug sein beim Schwingen. Wenn andere schlapp machen, ist ihm richtig wohl. Mit zehn Jahren absolvierte er seinen ersten Bubenschwinget. Sein Vater hatte ihn auf die Idee gebracht.

Beim neuen Sport «Mountainbiking» mit dabei
Im Kühermutz, mit passender brauner Hose, wirkt er ganz wie ein urchiger Bursche vom Lande, der nur dem bodenständigen Brauchtum verpflichtet ist. Doch so einfach ist das heute meist nicht mehr. Ihm gefällt nun mal Hardrock und Pop besser als Ländler, und dazu steht er auch. Und wenn ein neuer Sport wie Mountainbiking auftaucht, ist er mit von der Partie.
Die «Schweizer Illustrierte» zeigte, wie er mit seiner Freundin Lisi Rüfenacht an die Cote d‘Azur in die Ferien fuhr. Lisi ist die Schwester von Silvio Rüfenacht, ebenfalls Schwingerkönig. Die Bedeutung des Schwingens weiss Adrian mit einem Wort auszudrücken: «Kameradschaft».

feldwaldwiesenblogger

Ein Gedanke zu “Adrian Käser – der jüngste Schwingerkönig aller Zeiten

  1. Heinz Huber schreibt:

    Gratuliere dir zu diesem Blog. Ich habe damals dieses BIld geschossen. Ja praktisch niemand setzte damals auf den jungen Käser. Ausser meine damals einjährige Tochter Angela, für die ich im Wettbewerb der damaligen „Luzerner Neueste Nachrichten“ auf Käser setzte. Sie erhielt dafür einen Jassteppich und war auf dem vierten Platz von damals 11 Lesern die auf den Namen Käser tippten. Ich habe damals 20 Porträts verfasst, das letzte erschien im Juni 2018 und handelte von Adrian Käser.
    Liebe Grüsse
    Heinz Huber

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