Besuch beim Schwingklub Sense

Text: feldwaldwiesenblogger

Auf meiner Reise durch die Teilverbände, in welchem ich seit anfangs 2017 je einen Schwingklub besuche, bin ich nun bei den Südwestschweizern angelangt. Einen Zwischen-Stopp machte ich beim Schwingklub Sense. Dies vor allem aus sprachlichen Überlegungen, aber auch deshalb, weil einige von mir besuchte Schwinger diesem Schwingklub angehören.
Nichtsdestotrotz versperre ich mich nicht französisch-sprechenden Klubs und Schwingern. Notfalls organisiere ich einen Dolmetscher, wie beispielsweise beim Gespräch mit Benjamin Gapany vom Schwingklub La Gruyère.

Am Samstag, 16. März, fuhr ich ins freiburgische Plaffeien und traf mich dort mit dem Präsidenten Adrian Piller. Das Gespräch fand im 2015 erbauten Schwingkeller in der Orientierungsschule Plaffeien statt.
Da das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sense ziemlich gross ist, verfügt dieser in Tafers über einen zweiten Schwingkeller.


Adrian Piller, Präsident vom Schwingklub Sense, im Schwingkeller Plaffeien
Bild: feldwaldwiesenblogger

Wann wurde der Schwingklub Sense gegründet?
«Der Schwingklub Sense wurde 1957 gegründet.»

Mit wem erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten?
«Der Schwingklub Sense hatte eigentlich zu allen Zeiten gute Schwinger. 1983 gewannen Josef Bielmann und Roland Riedo die ersten eidgenössischen Kränze. Guido Sturny sicherte sich 1989 in Stans einen weiteren eidgenössischen Kranz.
Ab Mitte der 90er bis Ende der 2010er Jahre war wohl die erfolgreichste Zeit. In dieser Epoche hatten wir mit unserem wohl bekanntesten Mitglied, Hans-Peter Pellet, weiter mit Stefan Zbinden und André Riedo drei Schwinger, welche fast an jedem Schwingfest einen Kranz gewannen. Zudem holten alle drei am Eidgenössischen 1998 in Bern den begehrten Kranz.
Mit Michael Nydegger, welcher sich am ESAF 2007 in Aarau den eidgenössischen Kranz aufsetzen liess, befinden sich nun sieben Eidgenossen mit insgesamt 16 eidgenössischen Kränzen in unserem Schwingklub.»

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sense aus?
«Dazu gehört der ganze Bezirk Sense, von Flamatt bis zum Schwarzsee. Die meisten Schwinger sind aber vom Oberland, rings um Plaffeien.»

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
«Wir zählen um die 25 bis 30 Aktive und nochmals so viele Jungschwinger, also insgesamt rund 55 Schwinger.»

Wie sieht die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger für 2018 aus?
«Die Jungschwinger erkämpften sich 69 Zweige und 10 Festsiege. Die Aktiven sicherten sich 11 Kränze. Wir registrierten leider einige Verletzte, wie schon in den Vorjahren.»

Wurden die anvisierten Ziele 2018 erreicht?
«Eigentlich schon. Erreichen möchte man natürlich stets mehr. Wir mussten aber akzeptieren, dass einige Kranzschwinger ausfielen.»

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Freiburger Schwingklubs und ganz allgemein im Südwestschweizer Teilverbandsgebiet aus?
«Die Zusammenarbeit ist besser als auch schon. Das Problem bei uns ist halt vor allem die Sprache. Es gibt gerade mal zwei Schwingklubs in Freiburg, welche deutsch sprechen: Kerzers und wir. Dazu ist auch die Mentalität nicht ganz gleich.»


Der Schwingklub Sense verfügt in Plaffeien seit 2015 über einen zusätzlichen, schön angelegten Schwingkeller
Bild: feldwaldwiesenblogger

2018 erlebte der Schwingsport in der Südwestschweiz einen regelrechten Aufschwung. Auf was führst du das zurück?
«In erster Linie, weil wir näher zusammengerückt sind und mehr zusammen trainieren. Man wird nur stärker, wenn die Besten zusammen trainieren. Weiter gehört auch der Exploit von Lario Kramer auf dem Stoos dazu, das gibt allen eine zusätzliche Motivation. Letztes Jahr war effektiv ein gutes Jahr, nachdem die Südwestschweizer vorher im Vergleich zu den anderen Teilverbänden etwas abfielen. Neben Lario’s Stoos-Sieg wurden auch auswärtige Kränze erobert, wie beispielsweise auf dem Weissenstein. Auch das motiviert zusätzlich.»

Wie lief es den Sensler Schwingern 2018?
«Es lief uns eigentlich recht gut. Dabei darf man sicher die auswärtigen Bergkränze von Steven Moser und Michel Dousse auf dem Weissenstein erwähnen. Wie bereits erwähnt, hatten wir einige Verletzte zu beklagen. Dies führte zu einem kleinen Loch. Überdies haben wir einige junge Schwinger, welche neu zu den Aktiven stiessen. Diese wollen wir nun behutsam aufbauen und heranführen.»

Wann erfolgte der Trainingsstart für die neue Saison?
«Ende Oktober erfolgte mit dem Konditionstraining der Trainingsstart. Mitte/Ende November begannen die Athleten mit dem Schulschwingen. Ab Januar galt der Augenmerk dem wettkampfmässigen Schwingtraining, auch mit längeren Gängen, um an der Ausdauer zu feilen. Vor der Kranzfestsaison wird die Kampfdauer wieder verkürzt, um die nötige Explosivität zu kriegen.»

Sind alle Aktiven fit und gesund?
«Steven Moser fiel im Januar mit einem Kreuzbandriss aus. Sonst ist der grosse Teil der Aktiven fit. Die letztjährigen Verletzten sind wieder im Training, spüren noch ein wenig die Nachwehen und arbeiten nun am Selbstvertrauen.»

Auf was habt ihr im Wintertraining besonderen Wert gelegt?
«Das lief ziemlich individuell ab. Die meisten versuchten, an ihrer Technik zu feilen. Besonderen Wert wurde vor allem auf eine lange Gangdauer gelegt. Im Eidgenössischen Jahr sind vielfach die Gänge an den Kranzfesten länger, nicht nur beim ESAF.»

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
«Wir haben einige gute Talente, diesen muss man aber einfach die nötige Zeit geben. Ein Augenmerk gilt Lukas Zbinden, welcher am ENST in Landquart bei seiner Kategorie im Schlussgang stand. Dieses Jahr startet Lukas zum ersten Mal bei den Aktiven.»


Auf der Homepage vom Schwingklub Sense wird man als erstes herzlich von den Klubmitgliedern begrüsst
Bild: http://www.schwingklubsense.ch

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
«Im Sommer bieten wir beispielsweise im Rahmen des Ferienpasses Schwingen an. Kürzlich erhielt ich von einer Gemeinde eine Anfrage: Diese möchten mit ihren Schülern an einem Freitag sich dem Schwingsport widmen. Daraus können wir am besten Jungschwinger rekrutieren. Es ist leider nicht immer einfach, dazu kommen auch die vielen Möglichkeiten für andere Sportarten.
Unsere Jungschwinger müssen nicht speziell motiviert werden. Denn sie sind sehr trainingsfleissig. Wir führen darüber Buch und überreichen denjenigen Jungschwingern ein Präsent, wenn ihre Trainingsbesuchs-Quote 90 Prozent und mehr ist. In den letzten Jahren erhielten jeweils um die 12 Schwinger dieses Präsent. Dazu gibt es auch zu sagen, dass wir über gute Jungschwinger-Trainer verfügen, welche ein vielseitiges Training anbieten.»

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
«Die Jungschwinger trainieren zweimal die Woche. Die Aktiven absolvieren am Dienstag das Kantonaltraining, am Mittwoch ein Konditionstraining, welcher unser Klub anbietet und am Donnerstag das Klubtraining. Daneben trainieren die Aktiven individuell nach ihrem eigenen Gusto.»

Adrian Piller, wie erfolgreich warst du als aktiver Schwinger?
«Nicht so, wie ich wollte. Ich gewann zehn Kränze, war aber leider ein sehr verletzungsanfälliger Schwinger. Beinahe jede Saison behinderte mich irgendeine Verletzung. Wegen einer Knieverletzung beendete ich schliesslich meine Aktiv-Karriere.»

Seit wann bist du Klubpräsident?
«Seit 2017 bin ich Klubpräsident und stehe nun im dritten Amtsjahr.»

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
«Ich bin soweit zufrieden, und ziehe eine positive Bilanz. Die Schwingerzahlen sind in dieser Zeit konstant geblieben. Was wir gerne möchten, sind mehr Jungschwinger. Und zwar bei den jüngsten Jahrgängen. Übrigens: Wir sind trotzdem der grösste Schwingklub in der Westschweiz.
Letztes Jahr führte unser Schwingklub den Kantonalen Jungschwingertag durch und dieses Jahr organisieren wir das Kantonalschwingfest für die Aktiven. Da fällt doch einiges an Arbeit an, aber ich mache es gerne.»

Wie lauten die Ziele für 2019?
«Schön wäre es, wenn wir möglichst viele Schwinger ans Eidgenössische schicken könnten. Das Ziel wäre ein Eidgenössischer Kranzschwinger, als zusätzliche Werbung für den Sport. Denn: In der Zeit, als wir drei aktive Eidgenossen hatten, stiegen die Jungschwingerzahlen merklich an.
Ziele hinsichtlich Kränze oder Zweige machen wir keine. Schön wäre, wenn die Zahlen sich in dem Rahmen bewegen wie letzte Saison. Bei den Aktiven hoffen wir auf den einen oder anderen zusätzlichen Kranz. Wenn alle gesund sind, dürfte es durchaus mehr Eichenlaub geben.»

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2019?
«Am 5. Mai organisieren wir das Freiburger Kantonalschwingfest in Heitenried, und wie jedes Jahr den Schwarzsee-Schwinget. Gewöhnlich organisieren wir für anfangs Saison jeweils einen Abendschwinget. Da wir dieses Jahr gleich zwei Kranzfeste durchführen, entfällt dieses. Wir möchten unsere Helfer nicht übers Mass beanspruchen.

Wann und wo treten die Sensler Aktiv- und Jungschwinger 2019 zu den ersten Schwingfesten an?
«Der Start in die Saison erfolgte beim Hallenschwinget Collombier. Morgen Samstag treten unsere Schwinger beim Hallenschwinget Aigle an. Tags darauf nützen sie die Zeit für ein gemeinsames Training mit den anderen Schwingern aus der Westschweiz.
Am 13. April steht für unsere Athleten das Regionalschwingfest Ried bei Kerzers auf dem Programm. Am 28. April folgen das Regionalschwingfest Grolley und der Wislisau-Schwinget Rüschegg. Dann steht bereits unser Kantonales an.»


Auf dem Weissenstein holten sich letztes Jahr gleich vier Freiburger den begehrten Bergkranz, darunter zwei Schwinger vom Schwingklub Sense. Von links nach rechts: Steven Moser, Vincent Roch, Michel Dousse und Lario Kramer.
Bild: Steven Moser (Facebook)

Zum Schluss bedanke ich mich bei Adrian für das interessante und aufschlussreiche Gespräch. Man spürt deutlich, dass im kleinsten der fünf Teilverbände wieder etwas geht und die Schwinger im Aufwind sind. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Schwung ans Eidgenössischen nach Zug mitgenommen wird, und im Heimreise-Gepäck der eine oder andere Kranz sein wird.

feldwaldwiesenblogger

Michel Dousse – Eine etablierte Hoffnung der Südwestschweizer

Text: feldwaldwiesenblogger

Michel Dousse stammt aus Oberschrot bei Plaffeien FR, wohnt derzeit mit seiner Freundin, ausbildungsbedingt, in Murten FR und gilt als eine etablierte Hoffnung der Südwestschweizer. Er wird am 2. September 27 Jahre jung. Man darf behaupten, dass der Freiburger, derzeit noch hinter den arrivierten Kräften wie Lario Kramer, Benjamin Gapany oder Steven Moser, dereinst auch an die Südwestschweizer Spitze vordringen kann.

Michel absolviert in Magglingen BE ein Sportwissenschafts-Studium und ist momentan am Masterabschluss. Letzten Sommer machte er bereits den Bachelor-Abschluss. Nun hat er bis zum kommenden Sommer noch Unterricht, und schreibt dann an der Masterarbeit. Nach der obligatorischen Schulzeit erlernte Michel den Zimmermann-Beruf. Neben dem Studium geht der Sportbegeisterte kleineren Teilzeit-Jobs nach.
Nebst dem Schwingsport und dem Studium bleibt dem Sennenschwinger praktisch keine Zeit für weitere Hobbys. Als Ausgleich baut Michel polysportive Sachen in sein Training ein. Denn: Zum Studium selber gehört schon viel Sport.

Michel weist mit seinen 186 Zentimeter Grösse und einem Gewicht von 105 Kilogramm gute Masse für den Schwingsport auf. Die Schwingergene wurden ihm väterlicherseits in die Wiege gelegt. Sein Vater Hanspeter war bereits ein guter Kranzschwinger. Zum Schwingsport kam der Südwestschweizer durch seinen Vater, welcher ihn als Siebenjähriger in den Schwingkeller mitnahm. Seit damals trainiert er regelmässig im Kurzholz, frönte in der Jugendzeit aber auch dem Fussball und während längerer Zeit dem Langlaufsport.


Michel Dousse im Schwingkeller Plaffeien
Bild: feldwaldwiesenblogger

Erfolge als Jungschwinger
Michel war bereits als Jungschwinger ziemlich erfolgreich, gewann um die sechs Schwingfeste und brachte etwa 75 Zweige nach Hause. Beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) 2009 in Le Mouret FR war Michel ebenfalls am Start. Rückblickend sagt er dazu: «Das war wohl mein schwärzester Schwingertag. In jener Saison war ich gut unterwegs und stand beinahe bei jedem Nachwuchsschwingfest im Schlussgang. In Le Mouret hingegen musste ich bereits nach vier Gängen unter die Dusche.»

2017 vier Kränze herausgeschwungen und ein Kranzfest gewonnen – Bilanz von 2018?
Der mittlerweile 12-fache Kranzschwinger sagt dazu: «Ein Tag in der Saison hat mich gerettet, nämlich der Bergkranz auf dem Weissenstein. Der Rest lief nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ausser dem Rangschwingfestsieg anfangs Saison. Ich startete optimal und war schon früh in sehr guter Form. Dann fingen mich Rückenprobleme zu behindern. Diese dauerten zwar nicht lange, aber im Hinterkopf blieb dies leider länger stecken. Weiter holte ich mir zwei Kantonalkränze. Trotz der nicht allzu rosigen Bilanz darf ich behaupten, dass ich 2018 im Vergleich zu 2017 einen Schritt vorwärts machen konnte.»
Die Teilnahme beim Eidgenössischen in Zug ist natürlich auch bei Michel bereits im Hinterkopf. Der 186 zentimetergrosse Athlet ergänzt: «Auf dieses Ereignis trainieren wir nicht erst seit diesem Jahr, sondern schon seit mehreren Jahren.»

Der Trainingsaufwand
Dieser sei phasenbedingt, erklärt Michel. Wenn Schwingfeste anstehen, trainiert er etwas weniger als im Winter. Der Freiburger absolviert zwischen fünf und sieben Trainings pro Woche. Dazu gehören zwei bis drei Schwingtrainings (unter anderem auch Zusammenzüge mit dem Südwestschweizer Kader), zwei bis drei Krafttrainings- und ein bis zwei Ausdauereinheiten. Nach einer intensiven Trainingsphase in letzter Zeit wird Michel auf die Kranzfestsaison hin den Trainingsumfang etwas runterschrauben und das Augenmerk auf die Explosivität legen.


Der bisherige Karrierehöhepunkt: Michel’s Kranzgewinn 2018 auf dem Weissenstein. Mit auf dem Bild sind Bruno Gisler (Mitte) und Klubkollege Steven Moser (ganz rechts).
Bild: Silvio Zbinden (Facebook)

Könnte 2019 der Sprung an die Südwestschweizer Spitze erfolgen?
Der Start in die neue Saison erfolgte für Michel beim Hallenschwinget Colombier NE. Der Oberschroter belegte dort mit vier Siegen, einem gestellten und einem verlorenen Gang den guten dritten Platz. Beugen musste er sich dort nur Vincent Roch, dem Tagessieger. Anfangs Mai beginnt dann am Freiburger Kantonalen der Reigen der Kranzfeste. Der trainingsfleissige Schwinger darf als Gast am Nordwestschweizer Schwingfest in Wittnau AG antreten. An welchen Bergfesten er nebst dem Schwarzsee-Schwinget starten wird, ist noch unklar. Die Südwestschweizer sind dieses Jahr auf dem Brünig und auf der Schwägalp startberechtigt.
Michel erläutert: «Ich habe in den letzten Jahren mein Training professionalisiert, dadurch den Trainingsaufwand stetig erhöht und hoffe nun, dass ich der Spitze noch einen Schritt näherkomme. An die erweiterte Spitze habe ich es mehr oder weniger geschafft. Um auf die vordersten Plätze zu kommen, braucht es mittlerweile auch in der Südwestschweiz wieder viel. Denn unser Verband verfügt über einige sehr starke Schwinger. Weiter braucht es aber auch Glück und die erforderliche Gesundheit. Wenn alles zusammenstimmt, kann der Sprung an die Südwestschweizer Spitze erfolgen.»

Welche Schwinger sind seine Vorbilder?
Michel hat verschiedene Vorbilder, schwingerische und von der Persönlichkeit her. Da ist zum Beispiel der schöne Kurz von Matthias Siegenthaler, oder aber auch der perfekte Fussstich von Hanspeter Pellet. Michel schaut sich gerne Videos an und versucht so von diversen Schwingern Dinge abzuschauen und für sich zu personalisieren.

Welches sind die bevorzugten Schwünge?
«Meine bevorzugten Schwünge sind sicher der Kurz und der innere Haken. Diese beiden Schwünge wende ich schon seit meinen Jungschwingertagen an. In meiner Aktivzeit versuchte ich verschiedene Schwünge dazuzulernen, damit ich vielseitiger werde. Dazu gehört nun regelmässig der Fussstich. Auf dieses Jahr hin habe ich auch neue Sachen ausprobiert und geübt. Diese kann man dann hoffentlich das eine oder andere Mal an den Schwingfesten beobachten», hält der Schwinger vom Schwingklub Sense vielsagend fest.

Welches waren die bisher schönsten Erfolge?
Als Jungschwinger gewann Michel einmal das Teilverbandsfest der Südwestschweizer, an welchem gute Gäste teilnahmen. Der Höhepunkt in seiner bisherigen Aktiv-Karriere ist der Bergkranz auf dem Weissenstein, welchen der gelernte Zimmermann letztes Jahr gewann. Ein weiterer Meilenstein ist der bereits erwähnte Kranzfestsieg, und zwar 2017 am Walliser Kantonalen. Diesen durfte er zusammen mit Curdin Orlik als Co-Sieger feiern. Nebst dem Bergkranz hat der Sport-Student zwei Südwestschweizer Teilverbandskränze und neun Kantonalkränze auf dem Konto. Zudem feierte Michel letztes Jahr in Posieux seinen bisher einzigen Sieg an einem Rangschwingfest.


Michels bisher einziger Kranzfestsieg beim Walliser Kantonalen 2017, welchen er zusammen mit Curdin Orlik (rechts) feiern konnte
Bild: David Waser

Von was träumt ein junger Schwinger?
Michel meint, dass er nicht mehr zu den ganz jungen Schwingern gehört. Trotzdem hat er immer noch Ziele wie ein ganz junger und ergänzt: «Ich möchte von Jahr zu Jahr immer näher zur Spitze kommen. Das treibt mich an. Von Rang-Zielen bin ich dank guter Betreuung weggekommen, denn daran kann man zerbrechen. Ich möchte mich einfach Schritt um Schritt verbessern, die Resultate kommen dann von selber.»
Zum Aspekt, dass er immer noch Ziele hat wie ein ganz junger Schwinger, sagt der 105 Kilogramm-Mann: «Ich möchte hinzufügen, dass ich erst jetzt so richtig aufblühe. Denn ich hatte viele Unterbrüche. Wegen meinem Sportstudium setzte ich beispielweise zwei Jahre aus und musste viel Gewicht verlieren, damit ich die Aufnahmeprüfung schaffe. Meine Karriere hat sich deswegen nach hinten verschoben. Dafür bin ich noch fast so frisch wie ein ganz junger.»

Hanspeter Pellet, Michel’s Vorbild, war in dem Sinne auch ein Spätzünder und sicherte sich «erst» im Alter von 21 Jahren seinen ersten Kranz. Als 28-jähriger gewann Pellet den ersten Eidgenössischen Kranz und behauptete von sich, dass er erst mit zirka 30 Jahren so richtig voll im Saft stand. Wenn die Karriere von Michel in ähnlichen Bahnen verläuft, wird man in Zukunft noch einiges vom Plaffeier hören.

feldwaldwiesenblogger

Die Gästeschwinger fürs «Innerschweizerische» sind nun bekannt

Am Urnersee kommt es zum Familientreffen: Armon und Curdin Orlik nehmen als Gästeschwinger am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest teil. Doch die beiden Brüder kämpfen für zwei verschiedene Verbände.

Text: Elias Bricker, Medienchef ISAF 2019 / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am Sonntag, 7. Juli kommt es in Flüelen zur grossen Hauptprobe vor dem «Eidgenössischen», welches Ende August in Zug stattfinden wird. Denn der Schwingklub Flüelen führt am Urnersee das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest durch. Dabei werden die besten 192 Schwinger der Kantone Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Luzern, Tessin sowie Zug zusammengreifen.

Gäste sorgen für grosse Spannung
Mit von der Partie sind am «Innerschweizerischen» traditionellerweise auch acht Gästeschwinger von den vier übrigen Teilverbänden. Da pro Verband jeweils nur zwei Gästeschwinger antreten dürfen und der hart umkämpfte Innerschweizer-Kranz bei den Gästen grossen Stellenwert besitzt, selektionieren die Teilverbände nur bekannte Spitzenleute. Diese Athleten sorgen am «Innerschweizerischen» oft für grosse Spannung.


Ein erfolgreiches Brüderpaar aus der Bündner Herrschaft: Curdin Orlik (links) kämpft für die Berner, Armon für die Nordostschweizer
Foto: Website Armon Orlik

«Wir können uns auf ganz spannende Gänge freuen»
Die Teilverbände haben nun ihre Zweierdelegationen bestimmt, die sie in den Kanton Uri schicken werden. «Wir dürfen bei uns in Flüelen wirklich absolute Spitzenschwinger empfangen», sagt Christian Arnold, Präsident des Schwingklubs Flüelen und OK-Chef des Ressorts Schwingen/Steinstossen. «Wir können uns auf ganz spannende Gänge freuen, davon bin ich überzeugt.»

Das Nordwestschweizer Duo
Der Nordwestschweizer Schwingerverband schickt mit Nick Alpiger ihren stärksten Trumpf ins Rennen. Der 22-jährige Aargauer hat in seiner noch jungen Karriere bereits 35 Kränze gewonnen, und stand bei drei Kranzfesten zuoberst. Der gelernte Maurer holte zudem bereits mit neunzehn Jahren seinen ersten eidgenössischen Kranz. Der zweite Schwinger aus der Nordwestschweiz heisst Roger Erb. Zum Palmarès des 26-jährigen Familienvaters aus dem Kanton Baselland zählen 32 Kränze und ein Kranzfestsieg.

Ruedi Roschi und Curdin Orlik für die Berner
Für den Berner Kantonalen Schwingerverband wird Ruedi Roschi in Flüelen in die Hosen steigen. Der Sohn von Schwingerkönig David Roschi gehört mit 38 Kränzen und einem Kranzfestsieg zur erweiterten Elite des Berner Kaders. Der Oberländer hat zudem die besten Erinnerungen an den Kanton Uri: Bei seinem bisher letzten Wettkampf im Urnerland, am Kantonalen 2017, konnte er den Kranz gewinnen. Weiter vertritt Curdin Orlik die Berner Farben am «Innerschweizerischen». Der 26-jährige sorgte vor allem vor zwei Jahren mit seiner Schlussgangteilnahme am Unspunnen-Schwinget national für Aufsehen. Der Agronom aus dem Kanton Graubünden, der 2014 kurzzeitig bei den Südwestschweizern schwang, lebt inzwischen in Kandersteg. Folglich tritt er seit 2017 für den Berner Kantonalverband an und gehört mit 29 Kränzen und vier Kranzfestsiegen zu deren stärksten Kräften.

Nebst Curdin tritt auch Bruder Armon Orlik in Flüelen an
Wie eingangs erwähnt, kommt es in Flüelen zu einem Familientreffen der Orlik’s: Der Nordostschweizer Schwingerverband hat nämlich Curdins jüngeren Bruder, Armon Orlik, selektioniert. Der Maienfelder gehört aktuell zu den schillerndsten Figuren im Schwingsport. 2016 stand der frühere Judokämpfer am «Eidgenössischen» im Schlussgang. Insgesamt gewann er bereits 35 Kränze und zwölf Kranzfeste – und dabei ist der 190 Zentimeter grosse Hüne erst 24 Jahre alt. Der zweite Nordostschweizer, Samir Leuppi, kommt aus Winterthur. Der 25-jährige Zürcher hat aktuell dreissig Kränze und einen Kranzfestsieg auf seinem Konto.

Die Südwestschweizer entsenden Benjamin Gapany und Pascal Piemontesi
Der Südwestschweizer Schwingerverband schickt ebenfalls zwei ihrer stärksten Schwinger nach Flüelen. Benjamin Gapany aus La Gruyère konnte sich bereits am «Innerschweizerischen» vor drei Jahren Eichenlaub aufsetzen lassen. In seiner Karriere holte sich der 23-jährige Landwirt bisher 23 Kränze und sechs Kranzfestsiege. Pascal Piemontesi, der zweite Mann aus der Romandie, prägt den Schwingsport in der französischsprachigen Schweiz seit rund zehn Jahren. Der 30-jährige Waadtländer gewann schon 38 Kränze, sowie drei Kranzfeste. Zudem gilt er als einer der bösesten Kantonspolizisten der Schweiz.

Hinweis: Mehr Infos zum Schwingfest findet man im Internet unter www.isaf2019.ch.

feldwaldwiesenblogger

Gelingt Mike Müllestein zum Saisonauftakt der zweite Sieg beim Grossen Hallenschwinget Sarnen?

Text: feldwaldwiesenblogger

Die Innerschweizer Schwinger steigen in einer Woche (Sonntag, 17. März) in Sarnen in die neue Saison. Bereits zum 46. Mal organisiert die Schwingersektion Sarnen den Grossen Hallenschwinget in der Reithalle. Wie jedes Jahr hat sich eine stattliche Anzahl Schwinger für eine erste Standortbestimmung angemeldet. Unter den Angemeldeten befinden sich mit Mike Müllestein, Reto Nötzli, Benji von Ah, Marcel Mathis und Mike Peng fünf Eidgenössische Kranzschwinger.


2018 traten 161 Schwinger in Sarnen an, deren Zweikämpfe wurden von rund 1000 Zuschauern interessiert verfolgt
Foto: feldwaldwiesenblogger

Fünf Eidgenossen und über 50 Kranzer am Start
Nebst den fünf Eidgenossen werden über 50 Kranzschwinger am Start sein. Aus Luzern werden unter anderem die Topschwinger Roman Fellmann, Michael Müller und Werner Suppiger erwartet. Die Schwyzer entsenden neben ihren beiden Eidgenossen mit Carlo Gwerder, Michael Gwerder, Bruno Linggi und Adrian Steinauer weitere Spitzenschwinger. Die Urner schicken mit Raphael Arnold, Stefan Arnold und Matthias Herger drei heisse Eisen an den Start. Die arrivierten Kräfte Rainer Betschart und Marcel Bieri führen die Zuger Delegation an. Den einheimischen Benji von Ah und Marcel Mathis zur Seite stehen die Topleute Simon Zimmermann, Linus Fessler, Stefan Ettlin, Thomas Hurschler, Marco Lussi, Lutz Scheuber, Martin Zimmermann, Ivan Rohrer und Marco Rohrer.
Als Gäste erwartet die Schwingersektion Sarnen eine kleine Delegation vom Schwingklub Chur, welche vom Eidgenossen Mike Peng angeführt wird.

Drei Lebendpreise
Die Organisatoren haben nebst einem Gabentempel auch drei Lebenpreise parat. Als erster Preis winkt dem Festsieger Jährling Bluma aus der Zucht von Erich Burch (Stalden). Kuhkalb Sina bildet den zweiten und Kuhkalb Barona den dritten Preis.


Siegerpreis Rind Bluma mit Züchter Erich Burch (Stalden) und Spender Bruno von Wyl (Leister Technologies AG, Kägiswil)
Foto: schwinger-sarnen.ch

Joel Wicki und Mike Müllestein standen 2018 im Schlussgang
Werner von Wyl amtet als OK-Präsident und die Einteilung wird von Thomas Achermann präsidiert. Ihnen zur Seite stehen viele Helfer, welche alles daran setzen werden, um die Reithalle in eine stimmungsvolle Schwingarena zu verwandeln. Am Sägemehlrand wird man mit Wurst, Käseschnitte und Cheli bestens versorgt. Dazu gehört auch die traditionelle Berner Platte, welche mit der Bankettkarte erhältlich ist.
Das Anschwingen ist auf 08.15 Uhr angesetzt, der Schlussgang wird wohl gegen 17 Uhr über die Bühne gehen. Apropos Schlussgang: Im letztjährigen Schlussgang standen sich Joel Wicki und Mike Müllestein gegenüber. Bekanntlich zog der Sörenberger damals als Sieger von dannen. Kann sich nun der Steinerberger nach 2017 zum zweiten Mal in Sarnen als Festsieger ausrufen lassen? Denn so würde Müllestein dort weitermachen, wo er zum Saisonabschluss 2018 beim Herbstschwinget Siebnen aufgehört hatte: nämlich zu oberst.


Kann Mike Müllestein in einer Woche wieder jubeln, wie zum Saisonabschluss 2018 beim Herbstschwinget Siebnen?
Foto: Schwingklub March-Höfe

Wichtiger Gradmesser zum Saisonstart
Der traditionelle Sarner Hallenschwinget gilt als wichtiger Gradmesser für den schwingerischen Saisonstart. Nach einem langen und intensiven Wintertraining stellen sich die Innerschweizer Schwinger einem ersten Härtetest. In einer Saison, welcher mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug seinen absoluten Höhepunkt finden wird.
Die gut besetzte Teilnehmerliste lädt auf alle Fälle zu einem spannenden Schwingertag in der Reithalle Sarnen ein.

feldwaldwiesenblogger