Besuch beim Schwingklub Sense

Text: feldwaldwiesenblogger

Auf meiner Reise durch die Teilverbände, in welchem ich seit anfangs 2017 je einen Schwingklub besuche, bin ich nun bei den Südwestschweizern angelangt. Einen Zwischen-Stopp machte ich beim Schwingklub Sense. Dies vor allem aus sprachlichen Überlegungen, aber auch deshalb, weil einige von mir besuchte Schwinger diesem Schwingklub angehören.
Nichtsdestotrotz versperre ich mich nicht französisch-sprechenden Klubs und Schwingern. Notfalls organisiere ich einen Dolmetscher, wie beispielsweise beim Gespräch mit Benjamin Gapany vom Schwingklub La Gruyère.

Am Samstag, 16. März, fuhr ich ins freiburgische Plaffeien und traf mich dort mit dem Präsidenten Adrian Piller. Das Gespräch fand im 2015 erbauten Schwingkeller in der Orientierungsschule Plaffeien statt.
Da das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sense ziemlich gross ist, verfügt dieser in Tafers über einen zweiten Schwingkeller.


Adrian Piller, Präsident vom Schwingklub Sense, im Schwingkeller Plaffeien
Bild: feldwaldwiesenblogger

Wann wurde der Schwingklub Sense gegründet?
«Der Schwingklub Sense wurde 1957 gegründet.»

Mit wem erlebte der Schwingklub seine besten Zeiten?
«Der Schwingklub Sense hatte eigentlich zu allen Zeiten gute Schwinger. 1983 gewannen Josef Bielmann und Roland Riedo die ersten eidgenössischen Kränze. Guido Sturny sicherte sich 1989 in Stans einen weiteren eidgenössischen Kranz.
Ab Mitte der 90er bis Ende der 2010er Jahre war wohl die erfolgreichste Zeit. In dieser Epoche hatten wir mit unserem wohl bekanntesten Mitglied, Hans-Peter Pellet, weiter mit Stefan Zbinden und André Riedo drei Schwinger, welche fast an jedem Schwingfest einen Kranz gewannen. Zudem holten alle drei am Eidgenössischen 1998 in Bern den begehrten Kranz.
Mit Michael Nydegger, welcher sich am ESAF 2007 in Aarau den eidgenössischen Kranz aufsetzen liess, befinden sich nun sieben Eidgenossen mit insgesamt 16 eidgenössischen Kränzen in unserem Schwingklub.»

Wie sieht das Einzugsgebiet vom Schwingklub Sense aus?
«Dazu gehört der ganze Bezirk Sense, von Flamatt bis zum Schwarzsee. Die meisten Schwinger sind aber vom Oberland, rings um Plaffeien.»

Wie sehen die Zahlen der Aktiven und der Jungschwinger derzeit aus?
«Wir zählen um die 25 bis 30 Aktive und nochmals so viele Jungschwinger, also insgesamt rund 55 Schwinger.»

Wie sieht die Saison-Bilanz der Aktiven und der Jungschwinger für 2018 aus?
«Die Jungschwinger erkämpften sich 69 Zweige und 10 Festsiege. Die Aktiven sicherten sich 11 Kränze. Wir registrierten leider einige Verletzte, wie schon in den Vorjahren.»

Wurden die anvisierten Ziele 2018 erreicht?
«Eigentlich schon. Erreichen möchte man natürlich stets mehr. Wir mussten aber akzeptieren, dass einige Kranzschwinger ausfielen.»

Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen den Freiburger Schwingklubs und ganz allgemein im Südwestschweizer Teilverbandsgebiet aus?
«Die Zusammenarbeit ist besser als auch schon. Das Problem bei uns ist halt vor allem die Sprache. Es gibt gerade mal zwei Schwingklubs in Freiburg, welche deutsch sprechen: Kerzers und wir. Dazu ist auch die Mentalität nicht ganz gleich.»


Der Schwingklub Sense verfügt in Plaffeien seit 2015 über einen zusätzlichen, schön angelegten Schwingkeller
Bild: feldwaldwiesenblogger

2018 erlebte der Schwingsport in der Südwestschweiz einen regelrechten Aufschwung. Auf was führst du das zurück?
«In erster Linie, weil wir näher zusammengerückt sind und mehr zusammen trainieren. Man wird nur stärker, wenn die Besten zusammen trainieren. Weiter gehört auch der Exploit von Lario Kramer auf dem Stoos dazu, das gibt allen eine zusätzliche Motivation. Letztes Jahr war effektiv ein gutes Jahr, nachdem die Südwestschweizer vorher im Vergleich zu den anderen Teilverbänden etwas abfielen. Neben Lario’s Stoos-Sieg wurden auch auswärtige Kränze erobert, wie beispielsweise auf dem Weissenstein. Auch das motiviert zusätzlich.»

Wie lief es den Sensler Schwingern 2018?
«Es lief uns eigentlich recht gut. Dabei darf man sicher die auswärtigen Bergkränze von Steven Moser und Michel Dousse auf dem Weissenstein erwähnen. Wie bereits erwähnt, hatten wir einige Verletzte zu beklagen. Dies führte zu einem kleinen Loch. Überdies haben wir einige junge Schwinger, welche neu zu den Aktiven stiessen. Diese wollen wir nun behutsam aufbauen und heranführen.»

Wann erfolgte der Trainingsstart für die neue Saison?
«Ende Oktober erfolgte mit dem Konditionstraining der Trainingsstart. Mitte/Ende November begannen die Athleten mit dem Schulschwingen. Ab Januar galt der Augenmerk dem wettkampfmässigen Schwingtraining, auch mit längeren Gängen, um an der Ausdauer zu feilen. Vor der Kranzfestsaison wird die Kampfdauer wieder verkürzt, um die nötige Explosivität zu kriegen.»

Sind alle Aktiven fit und gesund?
«Steven Moser fiel im Januar mit einem Kreuzbandriss aus. Sonst ist der grosse Teil der Aktiven fit. Die letztjährigen Verletzten sind wieder im Training, spüren noch ein wenig die Nachwehen und arbeiten nun am Selbstvertrauen.»

Auf was habt ihr im Wintertraining besonderen Wert gelegt?
«Das lief ziemlich individuell ab. Die meisten versuchten, an ihrer Technik zu feilen. Besonderen Wert wurde vor allem auf eine lange Gangdauer gelegt. Im Eidgenössischen Jahr sind vielfach die Gänge an den Kranzfesten länger, nicht nur beim ESAF.»

Welche von euren jungen Schwingern dürften in Zukunft auf sich aufmerksam machen?
«Wir haben einige gute Talente, diesen muss man aber einfach die nötige Zeit geben. Ein Augenmerk gilt Lukas Zbinden, welcher am ENST in Landquart bei seiner Kategorie im Schlussgang stand. Dieses Jahr startet Lukas zum ersten Mal bei den Aktiven.»


Auf der Homepage vom Schwingklub Sense wird man als erstes herzlich von den Klubmitgliedern begrüsst
Bild: http://www.schwingklubsense.ch

Wie betreibt ihr die Förderung der Jungschwinger?
«Im Sommer bieten wir beispielsweise im Rahmen des Ferienpasses Schwingen an. Kürzlich erhielt ich von einer Gemeinde eine Anfrage: Diese möchten mit ihren Schülern an einem Freitag sich dem Schwingsport widmen. Daraus können wir am besten Jungschwinger rekrutieren. Es ist leider nicht immer einfach, dazu kommen auch die vielen Möglichkeiten für andere Sportarten.
Unsere Jungschwinger müssen nicht speziell motiviert werden. Denn sie sind sehr trainingsfleissig. Wir führen darüber Buch und überreichen denjenigen Jungschwingern ein Präsent, wenn ihre Trainingsbesuchs-Quote 90 Prozent und mehr ist. In den letzten Jahren erhielten jeweils um die 12 Schwinger dieses Präsent. Dazu gibt es auch zu sagen, dass wir über gute Jungschwinger-Trainer verfügen, welche ein vielseitiges Training anbieten.»

Wie oft trainieren die Aktiven und die Jungschwinger?
«Die Jungschwinger trainieren zweimal die Woche. Die Aktiven absolvieren am Dienstag das Kantonaltraining, am Mittwoch ein Konditionstraining, welcher unser Klub anbietet und am Donnerstag das Klubtraining. Daneben trainieren die Aktiven individuell nach ihrem eigenen Gusto.»

Adrian Piller, wie erfolgreich warst du als aktiver Schwinger?
«Nicht so, wie ich wollte. Ich gewann zehn Kränze, war aber leider ein sehr verletzungsanfälliger Schwinger. Beinahe jede Saison behinderte mich irgendeine Verletzung. Wegen einer Knieverletzung beendete ich schliesslich meine Aktiv-Karriere.»

Seit wann bist du Klubpräsident?
«Seit 2017 bin ich Klubpräsident und stehe nun im dritten Amtsjahr.»

Was für eine persönliche Bilanz ziehst du über deine Arbeit seit deinem Amtsantritt?
«Ich bin soweit zufrieden, und ziehe eine positive Bilanz. Die Schwingerzahlen sind in dieser Zeit konstant geblieben. Was wir gerne möchten, sind mehr Jungschwinger. Und zwar bei den jüngsten Jahrgängen. Übrigens: Wir sind trotzdem der grösste Schwingklub in der Westschweiz.
Letztes Jahr führte unser Schwingklub den Kantonalen Jungschwingertag durch und dieses Jahr organisieren wir das Kantonalschwingfest für die Aktiven. Da fällt doch einiges an Arbeit an, aber ich mache es gerne.»

Wie lauten die Ziele für 2019?
«Schön wäre es, wenn wir möglichst viele Schwinger ans Eidgenössische schicken könnten. Das Ziel wäre ein Eidgenössischer Kranzschwinger, als zusätzliche Werbung für den Sport. Denn: In der Zeit, als wir drei aktive Eidgenossen hatten, stiegen die Jungschwingerzahlen merklich an.
Ziele hinsichtlich Kränze oder Zweige machen wir keine. Schön wäre, wenn die Zahlen sich in dem Rahmen bewegen wie letzte Saison. Bei den Aktiven hoffen wir auf den einen oder anderen zusätzlichen Kranz. Wenn alle gesund sind, dürfte es durchaus mehr Eichenlaub geben.»

Welche Schwingfeste organisiert euer Schwingklub 2019?
«Am 5. Mai organisieren wir das Freiburger Kantonalschwingfest in Heitenried, und wie jedes Jahr den Schwarzsee-Schwinget. Gewöhnlich organisieren wir für anfangs Saison jeweils einen Abendschwinget. Da wir dieses Jahr gleich zwei Kranzfeste durchführen, entfällt dieses. Wir möchten unsere Helfer nicht übers Mass beanspruchen.

Wann und wo treten die Sensler Aktiv- und Jungschwinger 2019 zu den ersten Schwingfesten an?
«Der Start in die Saison erfolgte beim Hallenschwinget Collombier. Morgen Samstag treten unsere Schwinger beim Hallenschwinget Aigle an. Tags darauf nützen sie die Zeit für ein gemeinsames Training mit den anderen Schwingern aus der Westschweiz.
Am 13. April steht für unsere Athleten das Regionalschwingfest Ried bei Kerzers auf dem Programm. Am 28. April folgen das Regionalschwingfest Grolley und der Wislisau-Schwinget Rüschegg. Dann steht bereits unser Kantonales an.»


Auf dem Weissenstein holten sich letztes Jahr gleich vier Freiburger den begehrten Bergkranz, darunter zwei Schwinger vom Schwingklub Sense. Von links nach rechts: Steven Moser, Vincent Roch, Michel Dousse und Lario Kramer.
Bild: Steven Moser (Facebook)

Zum Schluss bedanke ich mich bei Adrian für das interessante und aufschlussreiche Gespräch. Man spürt deutlich, dass im kleinsten der fünf Teilverbände wieder etwas geht und die Schwinger im Aufwind sind. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Schwung ans Eidgenössischen nach Zug mitgenommen wird, und im Heimreise-Gepäck der eine oder andere Kranz sein wird.

feldwaldwiesenblogger

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