DER SCHWINGERKÖNIG – Das offizielle Schwinger-Sammelalbum 2019 ist da!

Text und Bilder: Michèle Gut / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Passend zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug wurde nach 2010 und 2016 zum dritten Mal ein Schwinger-Sammelalbum lanciert. Das Heft beinhaltet 64 Seiten und umfasst 350 Stickerbilder zum Sammeln, Tauschen und Einkleben. In Stans, auf der Rigi und in Zug wurde beim Taufanlass der „Sammelspass 2019“ so richtig lanciert.


«Der Schwingerkönig» wird auch 2019 für Sammelspass sorgen!

Neben dem Altbekannten wie der Vorstellung der einzelnen Teilverbände mit seinen Athleten, vielen Detailinformationen zum Schwingsport und zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug, wird neu auch dem Nachwuchs mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die Jungen erhalten im neuen Heft ein eigenes Kapitel mit Impressionen und Porträts vom Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag 2018 in Landquart. Somit ist das Sammelalbum nicht nur ein Klebeheft, sondern vielmehr auch ein Nachschlagewerk und betreibt auch Werbung für potenziellen neuen Nachwuchs – denn der Schwingsport soll auch in 20, 50 oder 100 Jahren noch die Schweiz begeistern, wie er es jetzt macht.

Schwinger räumten Regale ein
Schwingerkönig Matthias Glarner, der im Sammelalbum auch das Editorial verfasste, kam die Ehre zu, die ersten Sammelalben und Bilderboxen im Guetli Shop in Stans in die Regale zu stellen. Ihm zur Unterstützung standen mit Benji von Ah und Roger Rychen zwei aktive Schwinger zur Seite, sowie mit Harry Knüsel der einzige Schwingerkönig, welchen die Innerschweiz je stellte. Das Quartett machte nicht nur die erste Belieferung für den Verkauf, sondern genoss sichtlich auch das Einkleben ihrer eigenen Bilder im Sammelalbum.

Zwei Könige besuchen die Königin der Berge
Nach dem Einräumen der Regale beim Guetli Shop in Stans machte man sich auf den Weg via Beckenried (Schiff) und Vitznau (Bahn) auf die Rigi, die Königin der Berge. Und natürlich rückten auf der Königin der Berge die beiden Schwingerkönige Matthias Glarner und Harry Knüsel ins Zentrum. Ob das Sammelalbum auch schon zu seiner Aktivzeit in den 80er- und 90er-Jahren auf solch grosses Interesse gestossen wäre, konnte Knüsel zwar nicht sagen. Aber: «Die Ausgabe 2019 ist sehr gelungen. Den Machern ist ein grosses Kompliment auszusprechen.» Auch Matthias Glarner zeigte sich von den Inhalten überzeugt.


Die beiden Schwingerkönige Harry Knüsel (links) und Matthias Glarner im Gespräch auf der Rigi

Treffen in Zug
Der Abschluss der Feierlichkeiten vor dem ersten Verkaufstag wurden in Zug auf dem Festgelände vom Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest vorgenommen. Matthias Glarner, Titelverteidiger in Zug, traf auf dem Schwingplatz auf Marcel Bieri. Bieri ist einer der grössten Hoffnungsträger aus dem Kanton Zug und natürlich auch ein Bestandteil im Sammelalbum. Auch der Zuger Marcel Bieri durfte auf jenem Platz, bei dem in 130 Tagen die begehrten Kränze am Eidgenössischen Schwingfest vergeben werden, ein Sammelalbum mit seinem eigenen Bild entgegennehmen.

Verkaufsstart am 18. April
Ab dem 18. April steht das Schwinger-Sammelalbum in den Verkaufsregalen von Avec, Landi, Lekkerland, Migros, Press & Books, Top Shop, Transgourmet / Prodega / Growa, Valora KKiosk, Volg, Webstar sowie im freien Handel.
Onlinebestellungen laufen über www.schlussgangshop.ch oder www.derschwingerkoenig.ch. Fehlende Bilder (max. 20 Stück) können ebenfalls unter www.schlussgangshop.ch nachbestellt werden.

feldwaldwiesenblogger

Vorschau: Jungschwingertag und Abendschwinget Küssnacht (27. April)

Text und Bilder: Andrea Herger / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am Samstag, 27. April findet in Küssnacht am Rigi SZ auf dem Sportplatz Ebnet der Jungschwingertag und Abendschwinget statt. Nebst dem kostenlosen Eintritt wird den Gästen ein abwechslungsreiches Programm geboten. Mit der Möglichkeit, den Schwingsport hautnah und in einer familiären Atmosphäre zu geniessen.


Mit einem schön gestalteten Plakat wird auf den Jungschwingertag und Abendschwinget Küssnacht aufmerksam gemacht

09.00 Uhr: Beginn des Jungschwinger-Wettkampfes
Während die Jungschwinger ihren Wettkampf um 09.00 Uhr starten, greifen die Aktivschwinger, mit Gästen aus dem Fricktal und dem Zürcher Oberland, ab 16.30 Uhr zum ersten Gang zusammen. Zusätzlich findet ab 15.00 Uhr ein Volkssteinstossen mit Frauenkategorie statt, bei dem Alle zum Mitmachen eingeladen sind. Mit einer effizienten Festwirtschaft ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.


Rind Nessel mit den Spendern Urs Rickenbach sowie Nadia Studer vom Restaurant Winkelried, Züchter Ruedi Stettler und OK Präsident Cornel Suter (von links nach rechts)

Wer gewinnt das trächtige Rind Nessel?
Den Höhepunkt des Tages bildet der Schlussgang der Aktivschwinger um 21.00 Uhr, wo die beiden tagesbesten Schwinger die Nachfolge des Siegers von 2018, Christian Schuler, unter sich ausmachen.
Im Gabentempel wartet das trächtige Rind Nessel von den Züchtern Ruedi und Remo Stettler (Meierskappel SZ). Dank der grosszügigen Spende von Nadia Studer und Urs Rickenbach zum 5-jährigen Jubiläum vom Restaurant Winkelried (Küssnacht am Rigi SZ) kann Rind Nessel dem Sieger übergeben werden kann.

Der Schwingklub Küssnacht bedankt sich bereits heute bei allen Helfern, Gönnern und Sponsoren für die Unterstützung und heisst alle Besucher herzlich willkommen.

feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger – Eine etablierte Grösse der Innerschweizer

Text: feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger stammt aus Nottwil LU, wuchs dort auf und wohnt jetzt in Buttisholz LU. Der Sennenschwinger wird am 10. November 28 Jahre jung und gehört zu den etablierten Kräften der Innerschweizer. Sein Palmarès umfasst 38 Kränze (unter anderem ein Eidgenössischer) sowie vier Kranzfest- und neun Regionalfestsiege.

Der Buttisholzer erlernte den Zimmermann-Beruf, arbeitet derzeit aber als Landschaftspfleger in einem Betrieb in Sursee LU. Nebst dem Schwingsport fährt der kräftige Athlet viel Velo und hält sich gerne in der Natur auf.

Sven weist mit seinen 190 Zentimeter Grösse und einem Gewicht von 135 Kilogramm sehr gute Masse für den Schwingsport auf. Ihm wurden keine Schwingergene in die Wiege gelegt. «Eher solche vom Fussball», ergänzt der Luzerner lachend.
Zum Schwingsport kam Sven als 14-jähriger durch einen Nachbar, welcher ihn an ein Training vom Schwingklub Rottal und Umgebung mitnahm. Dem Burschen gefiel der Schwingsport auf Anhieb, und blieb ihm von da an treu.

Das Gespräch mit dem Luzerner fand diese Woche in Ruswil LU statt, kurz bevor das Schwingtraining im Schwingkeller der Rottaler begann.


Sven beim Gespräch in Ruswil LU
Bild: feldwaldwiesenblogger

Saisonbilanz von 2018
Sven ist zufrieden mit der letzten Saison, in welcher er stolze acht Kränze gewann. Er hätte gerne einen Kranzfestsieg errungen, dies blieb ihm 2018 leider verwehrt. «Das nötige Glück hat mir dabei gefehlt. Ich erreichte aber Spitzenplätze und weitere gute Rangierungen», ergänzt der Landschaftspfleger.

Gesundheitszustand
Sven fiel letzten Herbst beim Allweg-Schwinget unglücklich aufs Schambein und zog sich dabei eine Entzündung zu. Die Adduktoren bereiteten ihm deswegen bis Mitte März Probleme, was ein intensives Schwingtraining verunmöglichte. Teilweise musste er das Schwingtraining sogar unterbrechen. Seit drei Wochen kann der 135 Kilogramm-Mann beim Schwingtraining wieder Vollgas geben. «Richtig schmerzfrei bin ich erst seit dieser Woche», schliesst Sven dieses leidige Kapitel ab. Nachdem er den Badschwinget Wolhusen noch ausliess, möchte der vierfache Kranzfestsieger nun angreifen. Morgen Samstag startet er in Sursee beim Surentaler Schwinget, tags darauf am Hallenschwinget Thörigen.

Der Trainingsaufwand für die neue Saison – grösser wegen dem ESAF?
Der Trainingsumfang wurde grösser, vor allem im Fitnessbereich. Sven absolvierte letztes Jahr schon drei Schwingtrainings pro Woche, und hält dies auch jetzt so bei. Nebst den Schwingtrainings absolviert der 190 Zentimeter Hüne zwei Fitness-Trainings. In den Fitness-Einheiten sind auch die Bereiche Kraft und Ausdauer integriert. Der 38-fache Kranzschwinger fügt hinzu: «Eine Fitness-Einheit variert meist zwischen anderthalb und drei Stunden und ein Schwingtraining dauert um zwei Stunden. Momentan trainiere ich fünfmal pro Woche und wenn noch ein Verbandstraining auf dem Programm steht, sind es gar sechs Trainings. Auf die Wettkampf-Saison hin wird das Training etwas angepasst und man reduziert sogar gewisse Bereiche.»

Welches sind die bevorzugten Schwünge? Wurden im Winter neue ins Repertoire aufgenommen?
Der Wyberhaken, Kurz und der Kreuzgriff sind Sven’s bevorzugte Schwünge. «Wir sehen dann, ob die neuen Schwünge im Wettkampf zum Einsatz kommen», meint der Eidgenosse lachend zu neuen Schwüngen.


Sven im harten Kampf mit Christoph Bieri
Bild: svenschurtenberger.ch

Ziele für 2019?
Sven sagt dazu: «Eine gleich gute Saison hinkriegen wie 2018. Dazu möchte ich ein oder zwei Kranzfeste gewinnen und am Eidgenössischen mitreden können.»

Saisonhighlights neben dem Eidgenössischen?
«Das ist sicher das Luzerner Jubiläums-Kantonale. Dann wie jedes Jahr das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest, welches immer super besetzt ist», freut sich der begeisterte Velofahrer. Sven ist zudem Gast beim Baselstädtischen Schwingfest, denn dieser Kranz fehlt ihm noch in seiner schon ziemlich grossen Sammlung. Der Luzerner erklärt, dass er dieses Jahr deswegen kein Teilverbandsfest bestreiten wird. Aber er möchte irgendwann noch ein Nordostschweizer Schwingfest bestreiten, da ihm von den Teilverbandskränzen nur noch dieses Eichenlaub-Exemplar fehlt.

Provokative Frage: «Was passiert, wenn du am ESAF Christian Stucki zugeteilt bekommst? Stellst du dich in den Dienst der Innerschweizer, und versuchst ihm einen Gestellten abzuringen?»
Sven schmunzelt und sagt: «Die letzten beiden Begegnungen gingen gestellt aus. Wir schauen dann in Zug, wie die aktuelle Tagesform ist. Und man ordnet sich unter, wenn man sieht, dass ein Schwinger vom eigenen Teilverband besser klassiert ist. Wir Innerschweizer möchten halt schon wieder mal einen König.»

Wie bereitet Sven sich jeweils auf einen Gang vor?
Der Rigi-Sieger von 2017 meint: «Das ist meistens gleich. Ich habe einen Betreuer, welcher an den Schwingfesten stets dabei ist. Vor einem Gang schauen wir uns die Situation an, ich montiere die Ohrstöpsel und höre Musik. Dann laufe ich zum Schwingplatz und warte, bis ich an der Reihe bin.» Apropos Musik: Sven hört sich mehrheitlich Songs von Timmy Trumpet oder von Martin Garrix an. Sound, welcher ihn vor dem Kampf in Schwung bringen soll.


Sven als glücklicher Festsieger an einem Luzerner Kantonalen
Bild: svenschurtenberger.ch

Wie bestreitet der Buttisholzer einen Gang, eher taktisch oder eher aus dem Bauch heraus?
«Ich bin eher derjenige, welcher gefühlsmässig schwingt. Wenn ich aber weiss, dass mir ein Gestellter reicht, kann ich auch dementsprechend schwingen. Mehrheitlich schwinge ich aber offensiv, weil ich an die Spitze will. Mit meinem Status muss ich den Gang führen, sonst verhalten sich die meisten Gegner defensiv», erläutert Sven.

Welches waren die bisher schönsten Erfolge?
Der Luzerner schwärmt: «Sicher der Sieg auf der Rigi im Jahr 2017, zwei Festsiege am Luzerner Kantonalen (2013 und 2016) und 2017 der Sieg am Jubiläums-Kantonalen der Urner. Ich war in Altdorf zwar nicht im Schlussgang, aber auch ein geerbter Sieg ist schön.»

Was bedeutet Sven der Schwingsport?
«Es ist für mich ein Hobby. Da sich aber mein Leben um diesen Sport dreht, fühle ich mich derzeit manchmal wie ein «Halbprofi». Ich mache es gerne, sonst würde ich nicht so einen grossen Aufwand betreiben», schliesst der sympathische Athlet den Reigen der Fragen ab.

feldwaldwiesenblogger

Heinrich «Harry» Knüsel – Schwingerkönig 1986 in Sion

Es ist eigentlich unglaublich, aber trotzdem wahr: Die Innerschweizer als grösster Teilverband erkämpften sich bisher erst einmal die höchste Weihe im Schwingsport, den Schwingerkönigs-Titel. Diesen Kraftakt gelang 1986 Heinrich «Harry» Knüsel beim Eidgenössischen in Sion.
Bevor die Eidgenössische Saison anfangs Mai mit den Kranzfesten so richtig lanciert wird, blicken wir nochmals ins Eidgenössische Jahr 1986 zurück. Simon Gerber und Hans Trachsel skizzierten damals ein gelungenes Porträt von Schwingerkönig «Harry» Knüsel.

Quelle: Schwingergestalten unserer Zeit III (1986) / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Der Funke hat noch rechtzeitig gezündet — und wie!
Es ist für den Leser bestimmt reizvoll zu sehen, wie unser Porträt von Heinrich «Harry» Knüsel vor der Erringung seines Schwingerkönigstitels und vor seinem Brünigsieg 1986 ausgesehen hat. Sie können es nachstehend lesen. Nach Sitten haben wir es mit einem Anhang versehen. Mit 15 Jahren wollte Heinrich Knüsel Schwinger werden. Er meldete sich beim Schwingklub Cham-Ennetsee. Das Talent war unverkennbar, eine erfolgreiche Laufbahn schien möglich. Dann kam es anders. Der Jüngling konnte sich für diese Sportart nicht begeistern. Nach einem Jahr meldete er sich bei seinen Trainingskameraden bereits wieder ab. Zwei Jahre später kehrte er aus eigener Initiative in den Sägemehlring zurück. Der Funke hat noch rechtzeitig gezündet. Der Sennenschwinger ist gross und kräftig. Die Grundvoraussetzungen zum Klasseschwinger hat Mutter Natur dem Abtwiler auf den Lebensweg gegeben. Doch, dass er heute zu den besten Innerschweizern gehört, verdankt er nicht nur den körperlichen Idealmassen. Mit Leo Betschart und Josef Burch fand er Lehrmeister, die seine Karriere stark beeinflusst haben. «Harry ist sehr trainingsfleissig. In der letzten Zeit hat er viel an sich gearbeitet», stellt ihm Leo Betschart ein gutes Zeugnis aus.


«Harry» Knüsel bei der Arbeit als Betonelemente-Monteur

1983 am «Innerschweizerischen» erstmals für Aufsehen gesorgt
Erstmals für Aufsehen sorgte der gebürtige Luzerner beim Innerschweizer Schwingfest 1983 in Ruswil mit dem Vordringen in den Schlussgang. Dieser ging zugunsten seines Gegners, Peter Schelbert II, aus.
Wenige Wochen später zeigte der Krauskopf am Eidgenössischen Schwingfest in Langenthal abermals eine starke Leistung. Nach dem ersten Tag sah die Bilanz mit drei Siegen und einer Niederlage vielversprechend aus. «Am Sonntag hatte ich drei Mal Gelegenheit, um den Kranz kämpfen zu können. Die Begegnungen gegen Armin Thomi, Fritz Rietberger und Jakob Durand gingen verloren. Ich war nicht gewohnt, an zwei Tagen zu schwingen», analysierte er.
Heinrich Knüsel machte in den letzten drei Jahren kontinuierlich Fortschritte. Die Verbesserung ist die Summe von mehr Erfahrung, taktischer Reife und Verbesserung der Technik. 1984 wurde er Dritter auf dem Stoos und dank vier Maximalnoten auf der Rigi gar Zweiter. Eine hervorragende Saison, welche im Sieg beim Zuger Kantonalfest und den Ehrenplätzen auf dem Brünig, Stoos und Allweg gipfelten, brachte er auch 1985 hinter sich.

Bitterste Stunde am «Innerschweizerischen» 1985
Seine bitterste Stunde erlebte er beim Innerschweizer Schwingfest 1985 in Flüelen. Nach der Niederlage im letzten Durchgang gegen den Nichtkranzer Thomas Stöckli blieb er ohne Kranz. Das Schwingen spielt eine wichtige Rolle im Leben von Heinrich Knüsel. Er nimmt sich aber auch Zeit für anderes wie Skifahren, Jassen oder Festen, womit angetönt wäre, dass er durchaus eine gesellige Ader hat. Der Bauernsohn ist zusammen mit einer Schwester und drei Brüdern aufgewachsen. Wie sein Vater liess er sich zum Landwirt ausbilden. Seit 1982 ist er jedoch als Betonelemente-Monteur tätig. Der Anhänger von deutschen Schlagern und Volkstümlichem hat keine besonderen Zukunftspläne: «Das Wichtigste ist die Gesundheit. Alles andere ergibt sich dann», schreibt er.

1986 gings steil bergauf
Im Winter nahm er neben den drei Standschwüngen Kurz, Lätz und Gammen, welche ihm meistens die Maximalnote einbringen, den Wyberhaken in das Repertoire auf. Diese Waffe scheint ihre Wirkung bei der Konkurrenz nicht zu verfehlen. Beim Stoos-Schwinget erreichte Heinrich Knüsel die Endausmarchung. Nach einem hochstehenden Schlussgang gegen den Berner Niklaus Gasser musste er sich erst in der letzten Minute geschlagen geben.
Der erste grosse Sieg liess nicht mehr lange auf sich warten. Beim verregneten Innerschweizer Schwingfest in Einsiedeln war es soweit. Dank fünf Maximalnoten gegen Adelbert Gisler, Heinz Vogel, Walter Wyrsch, Martin Odermatt und Josef Suter konnte sich der Schönschwinger im Schlussgang gegen den Luzerner Urs Grüter gar ein Unentschieden leisten. Der Sieg und der Muni gehörten ihm.
Eine respektable Karriere, die aber bestimmt ihre Fortsetzung finden wird, wenn Knüsel seine sportlichen Ziele mit einer gesunden Einstellung und dem nötigen Ehrgeiz weiterverfolgt. Das Eidgenössische Schwingfest in Sitten ist für den jungen Athleten eine wichtige Station. Von Unfällen blieb er bisher verschont.


Der frisch gekürte Schwingerkönig mit dem Siegerpreis, der Kampfkuh «Prune»

Etwas überraschend, aber absolut verdient Schwingerkönig geworden
Etwas überraschend, aber absolut verdient, ist Heinrich Knüsel Schwingerkönig geworden. Wie zwanzig Jahre vor ihm Ruedi Hunsperger hat «Harry», wie er seit dem 24. August 1986 in der ganzen Schweiz genannt wird, den amtierenden König mit dem Sieg im Schlussgang vom Thron gestossen, und am dritten Königstitel in ununterbrochener Reihenfolge gehindert. Ruhig stellte er sich nach seinem Husarenstreich dem Rummel, der um ihn entfacht wurde. Wie schaffte es «Harry» überhaupt, in die Endausmarchung vorzustossen? Mit einer Ausnahme bezwang er lauter Gegner, die am Sonntag den Kranz eroberten.
Am Samstag begann Knüsel mit einem Sieg durch Wyberhaken gegen Jörg Schneider, ehe er von Schläpfer die einzige Niederlage durch Brienzer kassierte. Plattwürfe gegen Andreas Schätti (Im ersten Zug mit Wyberhaken) und Hanspeter Rufer (Gammen nach vier Minuten) liessen Knüsel in den vordersten Positionen bleiben. Während Ernst Schläpfer am Sonntag wertvolle Punkte abgeben musste, eilte «Harry» von Sieg zu Sieg. Er fällte Lothar Herrsche nach kurzer Zeit mit Lätz, wandte gegen Urs Geissbühler eine Kreuzgriff-Lätz-Kombination an und liess dem starken Berner Johann Santschi mit Lätz keine Chance. Offensichtlich frisch und unbeschwert trat er zum Schlussgang an, für den er sich geschworen hatte, nicht nochmals zu verlieren wie im zweiten Gang. Als es Schläpfer dann nach sechs Minuten prompt nochmals mit Brienzer versuchte, war «Harry» auf der Hut, konterte glänzend und brachte Schläpfer die erste und einzige Niederlage der Saison 1986 bei.
Schläpfer hat mit dieser einen Niederlage wahrhaftig viel verloren, sein Bezwinger umso mehr gewonnen. Die Begeisterung der Innerschweizer über ihren ersten König war riesengross. Auch die übrige Schweiz stimmte in den Jubel ein. «Harry» ist zwar in Abtwil im aargauischen Freiamt wohnhaft, jedoch gebürtig von Meierskappel LU, und er liess denn auch nie Zweifel aufkommen, dass er den Titel für die Innerschweiz geholt habe. Ein schöneres Geschenk hätte er dem Schwingklub Cham-Ennetsee zum 25jährigen Jubiläum wirklich nicht bescheren können. Eigentlich war er «nur» mit dem Vorsatz, einen guten Kranzrang zu schaffen, nach Sitten gegangen.


Schwingerkönig «Harry» Knüsel beim Empfang in Cham

«Tagesschau»-Moderatorin aus dem Häuschen gebracht
Die ersten Bewährungsproben nach dem Fest waren gesellschaftlicher Natur, und da kam ihm seine gesellige Natur zustatten. Bevor er am Montagbend nach dem Fest in Cham zu einem grossen Empfang antrat, brachte er in der «Tagesschau» des Fernsehens noch schnell die Moderatorin aus dem Häuschen, die den «chächen» Gast gebührend bewunderte. Danach feierten am Empfang des Schwingklubs Cham 2500 Leute den neuen König. Der Zuger Landammann Andreas Iten sagte, der Sieg sei zwar alles in allem überraschend gekommen, doch nach dem souveränen Triumph auf dem Brünig sei er nichts als folgerichtig gewesen.

Abtwil wurde zu «Harrywil»
Einige Tage später der Empfang in Abtwil, das flugs zu «Harrywil» umfunktioniert worden war: Auch hier war in der Person von Viktor Rickenbach ein Vertreter der Kantonsregierung dabei, als Fan des neuen Schwingerkönigs, wie er sagte, und nicht, um ihn als Aargauer zu beanspruchen. Der Geehrte zog mit dem Siegerpreis, der Kampfkuh «Prune», durch die rund 2000 spalierstehenden Zuschauer und durfte oder musste auch ans Rednerpult treten. Für ihn sei wichtig, auf dem Boden der Realität zu bleiben und kühlen Kopf zu behalten. In erster Linie aber dankte «Harry» für die vielen Sympathiebeweise. Diese waren zum Teil auch per Post gekommen, in riesiger Anzahl, wie zu erfahren war.

Die gleichen Probleme der Schwingerkönige
Was für ein Regiment wird der neue König, der erste aus der Innerschweiz, führen? Darüber lässt sich heute nur spekulieren. Es ist anzunehmen, dass er die gleichen Probleme antreffen wird, wie seine Vorgänger. Die Gegner werden verhaltener zu Werk gehen, den König mit Gestellten zurückbinden wollen und darauf hoffen, dass er sich eine Blösse gibt. «Harry» ist zwar «rüdig stolz» auf seinen Titel, den er auch seinem Trainingskameraden und Lehrmeister Leo Betschart verdankt, hat aber vor übertriebenen Erwartungen gewarnt. Er werde bestimmt auch ab und zu verlieren, sich dadurch aber nicht aus dem Konzept bringen lassen. Schläpfer bezeichnete er sportlich gesehen als «so etwas wie ein Vorbild».

Schwingen als bäuerlich-ländliches Spiel
Im Radio bekannte sich Knüsel zum Schwingen als bäuerlich-ländlichem Spiel. Er fände es nicht gut, wenn es durch übertriebenes, profimässiges Training zum Spitzensport umfunktioniert würde. Knüsel steht zu seiner geselligen Ader, und er hat auch einen wohltuend trockenen Humor. Auf die Frage eines Reporters, wie es denn heutzutage mit der Kameradschaft unter den Schwingern bestellt sei, meinte er: «Die ist am Abend meist besser als am Morgen».
Wer die Schwingerkönige der letzten Jahrzehnte persönlich kennt oder gekannt hat, wird uns recht geben: Es sind alles ausgeprägte, eigenständige Persönlichkeiten. Es gibt kein Rezept, Schwingerkönig zu werden und auch keins, es zu bleiben. Heinrich Knüsel wird seinen Platz als ein umgänglicher, mit einem unerhörten Instinkt für den Zweikampf ausgestatteter, kometenhaft aufgestiegener Schwingerkönig einnehmen.

«Harry» Knüsel sagt zum Schwingsport: «Kameradschaftlich bringt das Schwingen sehr viel. Es ist zwar ein harter Sport und nimmt auch viel Zeit weg, aber jedes gute Abschneiden ist für mich eine persönliche Bestätigung. Ich habe sehr Freude am Schwingen.»

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