Sven Schurtenberger – Eine etablierte Grösse der Innerschweizer

Text: feldwaldwiesenblogger

Sven Schurtenberger stammt aus Nottwil LU, wuchs dort auf und wohnt jetzt in Buttisholz LU. Der Sennenschwinger wird am 10. November 28 Jahre jung und gehört zu den etablierten Kräften der Innerschweizer. Sein Palmarès umfasst 38 Kränze (unter anderem ein Eidgenössischer) sowie vier Kranzfest- und neun Regionalfestsiege.

Der Buttisholzer erlernte den Zimmermann-Beruf, arbeitet derzeit aber als Landschaftspfleger in einem Betrieb in Sursee LU. Nebst dem Schwingsport fährt der kräftige Athlet viel Velo und hält sich gerne in der Natur auf.

Sven weist mit seinen 190 Zentimeter Grösse und einem Gewicht von 135 Kilogramm sehr gute Masse für den Schwingsport auf. Ihm wurden keine Schwingergene in die Wiege gelegt. «Eher solche vom Fussball», ergänzt der Luzerner lachend.
Zum Schwingsport kam Sven als 14-jähriger durch einen Nachbar, welcher ihn an ein Training vom Schwingklub Rottal und Umgebung mitnahm. Dem Burschen gefiel der Schwingsport auf Anhieb, und blieb ihm von da an treu.

Das Gespräch mit dem Luzerner fand diese Woche in Ruswil LU statt, kurz bevor das Schwingtraining im Schwingkeller der Rottaler begann.


Sven beim Gespräch in Ruswil LU
Bild: feldwaldwiesenblogger

Saisonbilanz von 2018
Sven ist zufrieden mit der letzten Saison, in welcher er stolze acht Kränze gewann. Er hätte gerne einen Kranzfestsieg errungen, dies blieb ihm 2018 leider verwehrt. «Das nötige Glück hat mir dabei gefehlt. Ich erreichte aber Spitzenplätze und weitere gute Rangierungen», ergänzt der Landschaftspfleger.

Gesundheitszustand
Sven fiel letzten Herbst beim Allweg-Schwinget unglücklich aufs Schambein und zog sich dabei eine Entzündung zu. Die Adduktoren bereiteten ihm deswegen bis Mitte März Probleme, was ein intensives Schwingtraining verunmöglichte. Teilweise musste er das Schwingtraining sogar unterbrechen. Seit drei Wochen kann der 135 Kilogramm-Mann beim Schwingtraining wieder Vollgas geben. «Richtig schmerzfrei bin ich erst seit dieser Woche», schliesst Sven dieses leidige Kapitel ab. Nachdem er den Badschwinget Wolhusen noch ausliess, möchte der vierfache Kranzfestsieger nun angreifen. Morgen Samstag startet er in Sursee beim Surentaler Schwinget, tags darauf am Hallenschwinget Thörigen.

Der Trainingsaufwand für die neue Saison – grösser wegen dem ESAF?
Der Trainingsumfang wurde grösser, vor allem im Fitnessbereich. Sven absolvierte letztes Jahr schon drei Schwingtrainings pro Woche, und hält dies auch jetzt so bei. Nebst den Schwingtrainings absolviert der 190 Zentimeter Hüne zwei Fitness-Trainings. In den Fitness-Einheiten sind auch die Bereiche Kraft und Ausdauer integriert. Der 38-fache Kranzschwinger fügt hinzu: «Eine Fitness-Einheit variert meist zwischen anderthalb und drei Stunden und ein Schwingtraining dauert um zwei Stunden. Momentan trainiere ich fünfmal pro Woche und wenn noch ein Verbandstraining auf dem Programm steht, sind es gar sechs Trainings. Auf die Wettkampf-Saison hin wird das Training etwas angepasst und man reduziert sogar gewisse Bereiche.»

Welches sind die bevorzugten Schwünge? Wurden im Winter neue ins Repertoire aufgenommen?
Der Wyberhaken, Kurz und der Kreuzgriff sind Sven’s bevorzugte Schwünge. «Wir sehen dann, ob die neuen Schwünge im Wettkampf zum Einsatz kommen», meint der Eidgenosse lachend zu neuen Schwüngen.


Sven im harten Kampf mit Christoph Bieri
Bild: svenschurtenberger.ch

Ziele für 2019?
Sven sagt dazu: «Eine gleich gute Saison hinkriegen wie 2018. Dazu möchte ich ein oder zwei Kranzfeste gewinnen und am Eidgenössischen mitreden können.»

Saisonhighlights neben dem Eidgenössischen?
«Das ist sicher das Luzerner Jubiläums-Kantonale. Dann wie jedes Jahr das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest, welches immer super besetzt ist», freut sich der begeisterte Velofahrer. Sven ist zudem Gast beim Baselstädtischen Schwingfest, denn dieser Kranz fehlt ihm noch in seiner schon ziemlich grossen Sammlung. Der Luzerner erklärt, dass er dieses Jahr deswegen kein Teilverbandsfest bestreiten wird. Aber er möchte irgendwann noch ein Nordostschweizer Schwingfest bestreiten, da ihm von den Teilverbandskränzen nur noch dieses Eichenlaub-Exemplar fehlt.

Provokative Frage: «Was passiert, wenn du am ESAF Christian Stucki zugeteilt bekommst? Stellst du dich in den Dienst der Innerschweizer, und versuchst ihm einen Gestellten abzuringen?»
Sven schmunzelt und sagt: «Die letzten beiden Begegnungen gingen gestellt aus. Wir schauen dann in Zug, wie die aktuelle Tagesform ist. Und man ordnet sich unter, wenn man sieht, dass ein Schwinger vom eigenen Teilverband besser klassiert ist. Wir Innerschweizer möchten halt schon wieder mal einen König.»

Wie bereitet Sven sich jeweils auf einen Gang vor?
Der Rigi-Sieger von 2017 meint: «Das ist meistens gleich. Ich habe einen Betreuer, welcher an den Schwingfesten stets dabei ist. Vor einem Gang schauen wir uns die Situation an, ich montiere die Ohrstöpsel und höre Musik. Dann laufe ich zum Schwingplatz und warte, bis ich an der Reihe bin.» Apropos Musik: Sven hört sich mehrheitlich Songs von Timmy Trumpet oder von Martin Garrix an. Sound, welcher ihn vor dem Kampf in Schwung bringen soll.


Sven als glücklicher Festsieger an einem Luzerner Kantonalen
Bild: svenschurtenberger.ch

Wie bestreitet der Buttisholzer einen Gang, eher taktisch oder eher aus dem Bauch heraus?
«Ich bin eher derjenige, welcher gefühlsmässig schwingt. Wenn ich aber weiss, dass mir ein Gestellter reicht, kann ich auch dementsprechend schwingen. Mehrheitlich schwinge ich aber offensiv, weil ich an die Spitze will. Mit meinem Status muss ich den Gang führen, sonst verhalten sich die meisten Gegner defensiv», erläutert Sven.

Welches waren die bisher schönsten Erfolge?
Der Luzerner schwärmt: «Sicher der Sieg auf der Rigi im Jahr 2017, zwei Festsiege am Luzerner Kantonalen (2013 und 2016) und 2017 der Sieg am Jubiläums-Kantonalen der Urner. Ich war in Altdorf zwar nicht im Schlussgang, aber auch ein geerbter Sieg ist schön.»

Was bedeutet Sven der Schwingsport?
«Es ist für mich ein Hobby. Da sich aber mein Leben um diesen Sport dreht, fühle ich mich derzeit manchmal wie ein «Halbprofi». Ich mache es gerne, sonst würde ich nicht so einen grossen Aufwand betreiben», schliesst der sympathische Athlet den Reigen der Fragen ab.

feldwaldwiesenblogger