Andi Imhof – Der grosse Routinier der Innerschweizer

Text: feldwaldwiesenblogger

Der Urner Schwinger und Nationalturner Andi Imhof wurde in Altdorf geboren, wuchs in Bürglen auf und wohnt jetzt in Attinghausen. Der Turnerschwinger wird am 22. November 35 Jahre jung und ist einer der grossen Routiniers der Innerschweizer. Sein Palmarès umfasst 68 Kränze (unter anderem drei Eidgenössische) sowie fünf Kranzfest- und acht Regionalfestsiege. Nebst den Erfolgen im Schwingsport kommen auch etliche im Nationalturnen dazu: Siege an Eidgenössischen Nationalturnfesten, Eidgenössischen Turnfesten und an Schweizer-Meisterschaften.

Der Attinghauser erlernte erst den Beruf als Metallbauer, später liess er sich zum Metallbau-Konstrukteur ausbilden. Andi arbeitet derzeit als Metallbau-Konstrukteur in einem Betrieb im Kanton Uri. Nebst dem Schwingsport fährt der grossgewachsene Athlet gern Velo und frönt im Winter dem Langlaufsport. Das Nationalturnen ist zudem eine grosse Leidenschaft des Mitglieds vom Schwingklub Bürglen.

Andi weist mit seinen 190 Zentimeter Grösse und einem Gewicht von 122 Kilogramm sehr gute Masse für den Schwingsport auf. Ihm wurden väterlicherseits Schwingergene in die Wiege gelegt, denn dieser hatte schon geschwungen. Zum Schwingsport kam Andi denn auch durch seinen Vater Markus Imhof. Als Achtjähriger begann er mit regelmässigem Training, und blieb dem Schwingsport bis heute treu.

Das Gespräch mit Andi fand letzte Woche in der Trainingshalle in Attinghausen statt, kurz bevor das Training der Urner begann.


Andi beim Gespräch in der Trainingshalle in Attinghausen
Bild: feldwaldwiesenblogger

Saisonbilanz von 2018
Andi sagt, dass es für ihn eine sehr erfolgreiche Saison war, und ist dementsprechend zufrieden. Zu seinen Highlights gehören der Sieg am Ob- und Nidwaldner Kantonalen, der Tagessieg am Urnerboden-Schwinget und die sechs Saison-Kränze. «An allen angetretenen Kranzfesten konnte ich den Kranz gewinnen», ergänzt der Metallbau-Konstrukteur.

Gesundheitszustand
«Ich bin gesund, kann trainieren und bin guten Mutes, dass der Fahrplan bis zum ESAF in Zug stimmt», erklärt Andi. Im vergangenen Winter hatte er Probleme an einer Schuler, was zur Folge hatte, dass er im Training etwas zurückstecken musste. «Das ist aber gut verheilt und ich kann wieder voll angreifen», führt der dreifache Eidgenosse weiter aus.

Der Trainingsaufwand für die neue Saison – grösser wegen dem ESAF?
Andi verneint und meint, dass dieser in den letzten Jahren mehr oder weniger gleichblieb. «Auf’s Eidgenössische hin macht man instinktiv etwas mehr, grundsätzlich habe ich aber an meinem Trainingsplan nichts geändert», erläutert der Familienvater. Andi’s Trainingsprogramm sieht momentan wöchentlich zwei Schwingtrainings, zwei Krafttrainings- und eine Nationalturn-Einheit vor. Während dem Winter war der Aufwand zeitweise etwas grösser, zum Trainingspensum kam zudem Langlauf als Konditionstraining hinzu.

Welches sind die bevorzugten Schwünge? Wurden im Winter neue ins Repertoire aufgenommen?
Aus dem Stand heraus sind dies der Gammen und der Kurz. Am Boden hat Andi mittlerweile den «Münger» in sein Repertoire aufgenommen, weiter gehört hin und wieder auch das «Päckli» dazu. Zu der Aufnahme von neuen Schwüngen meint der 190 Zentimeter grosse Schwinger: «Neue Schwünge sind keine hinzugekommen. Ich habe verschiedene Kombinationen im Köcher, an welchen ich im Winter gearbeitet habe. Ob diese während der Saison zur Anwendung gelangen, werden wir dann sehen.»


Andi feierte bisher fünf Kranzfest- und acht Regionalfestsiege
Bild: andiimhof.ch

Ziele für 2019?
Der vierte Eidgenössische Kranz ist das grosse Ziel von Andi und auf das hin arbeitet er konsequent. «Beim Nationalturnen ist der Höhepunkt das Eidgenössischen Turnfest, bei welchem ich meinen Titel verteidigen möchte. Das wird schwer werden, aber auch auf dieses Ziel hin werde ich arbeiten», ergänzt der erfolgreiche Nationalturner.

Saisonhighlights neben dem Eidgenössischen?
Nebst dem bereits erwähnten Eidgenössischen Turnfest gehört einerseits das Urner Kantonale in Bürglen dazu, welches von Andi’s Schwingklub durchgeführt wird und letztmals 2007 dort stattfand. Andererseits das Innerschweizerische, welches mit dem Austragungsort Flüelen ebenfalls auf Urner Boden stattfinden wird. «An das letzte Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest im Urnerland habe ich sehr gute Erinnerungen», schwelgt der ISAF-Sieger von 2015, welches damals in Seedorf über die Bühne ging.

Provokative Vermutung: «Du belegst in Zug am ESAF ein weiteres Mal einen Spitzenplatz und rettest einmal mehr die Ehre der Innerschweizer?»
Andi grinst, sagt aber ganz bestimmt: «Ich hoffe nicht, dass ich am Eidgenössischen die Ehre der Innerschweizer retten muss. Ich glaube, wir haben eine sehr starke Truppe beisammen. Ich bin zuversichtlich, dass wir dort etwas bewegen können. In Zug sind natürlich auch andere starke Verbände am Start. Ich hoffe und glaube aber, dass der Saisonverlauf zeigen wird, dass mit uns Innerschweizern zu rechnen ist.»

Wie bereitet Andi sich jeweils auf einen Gang vor?
Der fünffache Kranzfestsieger erklärt: «Die eigentliche Vorbereitung beginnt für mich, wenn ich aufgerufen werde. Man erfährt dann, welcher Gegner einem zugeteilt wird. Zu diesem mache ich mir Gedanken, und wie ich mit ihm schwingen kann. Teilweise ziehe ich eine Drittperson bei, welcher mehr über diesen Schwinger weiss als ich. Dann begebe ich mich Richtung Schwingplatz und schätze ab, wie lange es noch bis zum Gang geht. Je nach Wetter suche ich Schatten auf, oder kühle mich am Trog ab. Kurz bevor’s los geht, fokussiere ich mich so richtig auf den bevorstehenden Zweikampf, und baue die nötige Spannung auf.»


Andi konnte auch im Nationalturnen grosse Erfolge feiern, wie beispielweise am Eidgenössischen Nationalturntag 2017 in Eschenbach
Bild: andiimhof.ch

Wie bestreitet der Urner einen Gang, eher taktisch oder eher aus dem Bauch heraus?
Andi legt sich vor jedem Gang eine gewisse Taktik zurecht. Je nachdem, wer der Gegner ist, wird eine offensivere oder defensivere Schwingart gewählt. Anhand dieser Überlegungen möchte der Urner den Gang auch gestalten. «Aber es gibt manchmal auch Zweikämpfe, da spürt man bereits beim Zusammengreifen, dass die gewählte Taktik heute so nicht funktioniert. Dabei erfolgt eine individuelle Umstellung und ich höre auch auf mein Bauchgefühl. Es ist letztendlich eine Mischung aus Taktik und aus dem Bauch heraus», erläutert der Gammen-Spezialist.

Welches waren die bisher schönsten Erfolge?
Andi überlegt: «Das waren eigentlich sehr viele. Der erste Kranz war damals ein Riesenerfolg für mich, aber auch der Sieg am Urner Kantonalen in Flüelen oder die drei Eidgenössischen Kränze. Der Gewinn des ersten war am eindrücklichsten, auch weil er aus einem Spitzenrang resultierte. Weiter gehören ebenso die Topleistung an einem Unspunnen-Schwinget, der Innerschweizer Sieg und der Rigi-Sieg dazu. Das waren alles Riesenhighlights. Aber auch jeder Kranzgewinn hat seine Erfolgsgeschichte, und alle Erfolge sind gewissermassen Unikate.»

Was bedeutet Andi der Schwingsport?
Der Schwingsport ist für den 34-Jährigen eine Lebensschule, welche er absolviert hat. Die Aktivzeit neigt sich bei Andi langsam dem Ende entgegen, und es erfolgt der Übergang in einen neuen Lebensabschnitt mit Vorstandstätigkeiten, was er bereits schon begonnen hat. «Das Schwingen hat mir sehr viel gegeben. Ich habe zudem viel investiert. Es ist etwas Grandioses. Auch die Kameradschaft untereinander, welche sich über die Jahre entwickelt hat, ist genial. Ich bin froh, dass ich diesen Weg so bestreiten durfte», schliesst Andi das Gespräch ab.

feldwaldwiesenblogger

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