Nachgefragt bei Joel Strebel, dem diese Saison stark auftrumpfenden Aargauer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Joel Strebel

Heute lasse ich mit Joel Strebel wieder einmal einen Schlussgang-Verlierer zu Wort kommen. Der Freiämter stand sowohl am vergangenen Sonntag am Aargauer Kantonalschwingfest in Zofingen, wie auch am Auffahrtstag am Baselstädtischen Schwingertag im Schlussgang. Joel hat zwar beide Endausmarchungen verloren, forderte aber jedes Mal seinem Kontrahenten alles ab. Schlussendlich brauchte es von Joel Wicki und Nick Alpiger eine herausragende Leistung, um den Sieg davonzutragen.
Heute führte ich mit dem diese Saison bisher stark auftrumpfenden Aargauer ein interessantes Gespräch und wollte von ihm unter anderem wissen, wie er die beiden Schlussgänge erlebte, und was die Gründe für seine glänzende Form sein könnten.


Joel Strebel durfte sich nach dem Aargauer Kantonalen verdient den Kranz aufsetzen lassen

113. Aargauer Kantonalschwingfest in Zofingen
Sieger des ersten Kranzfestes in der Nordwestschweiz wurde Joel Wicki. Der Entlebucher bezwang im Schlussgang, wie bereits erwähnt, Joel Strebel nach genau sechs Minuten mit Wyberhaken und vervollständigen am Boden. 3’450 Zuschauer fanden bei angenehmem Frühlingswetter den Weg nach Zofingen. Der Rahmen des diesjährigen Aargauer Kantonalen war aussergewöhnlich: Mitten in der Altstadt, auf dem Niklaus-Thut-Platz, massen sich 150 Schwinger.
Das Organisationskomitee unter der bewährten Leitung von Dominik Gresch scheute keinen Aufwand und führte ein stimmungsvolles Schwingfest durch. Am Schluss sprach auch Festsieger Joel Wicki von einem «genialen, und emotionalen Fest vor einer speziellen Kulisse».

100. Baselstädtischer Schwingertag
Nick Alpiger zeigte eine souveräne Leistung und gewann verdient den Jubiläumsanlass. Im Schlussgang standen sich mit Alpiger und Joel Strebel zwei Trainingskameraden gegenüber. Aus diesem Grund gestaltete sich der Gang zu Beginn eher taktisch. Mit zunehmender Kampfdauer kamen die beiden Finalisten immer besser in Fahrt. Wegen Nasenbluten von Joel musste der Gang immer wieder unterbrochen werden. Nach etwas mehr als sieben Minuten gelang Nick Alpiger mit einem energischen Übersprung der entscheidende Plattwurf.
5’000 Zuschauer und 140 Schwinger fanden bei schönstem Wetter den Weg in die Sandgrube. Der Schwingerverband Basel-Stadt und der ebenfalls jubilierende Fussballclub BCO-Allemannia (100-jähriges Bestehen) organisierten gemeinsam ein wunderbares Fest bei besten Bedingungen.

Joel Strebel stand erstmals bei einem Kranzfest im Schlussgang
Der Sennenschwinger stand beim Aargauer Kantonalen zum ersten Mal überhaupt in einem Kranzfest-Schlussgang. Beide Male erreichte er mit einer starken Leistung den Endkampf. In Zofingen resultierten fünf Siege und eine Niederlage, in Basel fanden sich vier gewonnene Gänge, ein Gestellter und die Schlussgangniederlage auf dem Notenblatt.
Joel’s Geburtsdatum ist der 25. März 1997. Der 22-Jährige wohnt in Aristau AG, ist ledig und weist mit seiner Grösse (192 Zentimeter) und seinem Gewicht (113 Kilogramm) Idealmasse für den Schwingsport auf. Der Aargauer ist gelernter Landmaschinenmechaniker und arbeitet derzeit als Gartenbauer im Betrieb seines Vaters. Zu seinen Hobbys zählt er nebst dem Schwingen die Mithilfe auf dem elterlichen Bauernbetrieb und seine Kollegen.
Joel ist Mitglied beim Schwingklub Freiamt und hat insgesamt 10 Kränze herausgeschwungen. In der laufenden Saison kamen die beiden Kantonalkränze hinzu. Zu seinen bisher grössten Erfolgen zählt der Freiämter unter anderem die beiden Nordwestschweizer Teilverbandskränze, die Siege am Guggibad-Schwinget 2018 und am Frühjahrsschwinget Oberhallau 2018. Nebst den beiden Schlussgängen in Zofingen und Basel stand Joel dieses Jahr auch am Hallenschwinget Brunegg im Schlussgang. Dort zog er ebenfalls gegen Nick Alpiger den Kürzeren.
Der Modelathlet schwingt seit 2004 und benennt als schwingerisches Vorbild den siebenfachen Schwyzer Eidgenossen Martin Grab.


Der Sieg über Erich Fankhauser beim Aargauer Kantonalen war ein Schlüsselgang

Herzliche Gratulation zum Erreichen der beiden Schlussgänge! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Am Aargauer Kantonalen rechnete ich nicht mit dem Schlussgang. Ich fühlte mich während dem Schwingfest gut. Nach der Niederlage gegen Joel Wicki war ich schon enttäuscht. Dennoch bin ich zufrieden, dass es nach der Verletzungspause von letztem Jahr so gut läuft. In Basel habe ich gut geschwungen. Nach dem verlorenen Schlussgang war die Enttäuschung gross. Wenn man im Schlussgang steht, will man natürlich gewinnen. Trotzdem bin ich mit dem Erreichten sehr zufrieden.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik die beiden Schlussgänge in Angriff nehmen?
«Nein. Gegen Joel Wicki war es schwierig, denn ich habe sieben Jahre nicht mehr gegen ihn geschwungen. Auf’s Gut zieht er, aber auch ich. Ich bin erstaunt, dass der Schlussgang so lange ging. Schlussendlich erwischte er mich etwas überraschend mit einem Wyberhaken.
Gegen Nick Alpiger habe ich diesen Frühling schon am Hallenschwinget Brunegg verloren. Er steht jeweils tief. Ich versuchte zu kontern, sobald er seine Deckung öffnet. Schlussendlich ging’s für mich nicht auf. Beide Schlussganggegner haben souverän gewonnen.»

Du hast beide Male souverän die Endausmarchung erreicht. Welche Gänge waren für dich sogenannte «Schlüsselgänge»?
«Am Aargauer waren die Siege gegen Erich Fankhauser (erster Gang) und im fünften Gang gegen Michael Bächli entscheidend. Gegen Bächli ist es jeweils äusserst schwierig zu gewinnen.
In Basel war der erste Gang gegen Daniel Bösch ein Schlüsselgang. Ich traf zum ersten Mal auf den St. Galler. Ich habe ihn zwar im ersten Zug hochgebracht. Daniel ist es sich aber gewöhnt gegen Topcracks wie Giger und Co. zu schwingen. Ich riskierte in der Folge nicht mehr allzu viel und konnte mit dem achtfachen St. Galler Kantonalfestsieger stellen.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Aargauer Kantonalen und vom Baselstädtischen Schwingertag?
«Im Nachhinein ist es ein super Gefühl. Früher war ich vor solchen Anlässen extrem nervös und kam beispielsweise nach einem gescheiterten Angriffsversuch ins Schleudern. Im Winter habe ich daran gearbeitet und bin nun ruhiger geworden. Ich bin sehr zufrieden, dass es so gut lief.»

Deine bisherige Saisonbilanz sieht hervorragend aus. Wie kommt das?
«Ich habe viel trainiert. Nebst den Klub-, Kantonal- und Teilverbandstrainings habe ich auch mit den Einsiedler Schwingern (unter anderem Christian Schuler) oder auch Pirmin Reichmuth trainiert. Das waren harte Trainings. Ich habe zudem fast komplett auf den Ausgang verzichtet und mich aufs Schwingen fokussiert. Ich habe den Trainingsaufwand gesteigert und zusätzliche Kraft- und Konditionstrainings eingebaut.»


Glücklich auf dem Weg zum Kranz-Empfang in Basel

Du hast deinen ersten Kranz 2013 beim Aargauer Kantonalschwingfest in Möhlin gewonnen. Von 2014 und 2018 resultieren keine Kränze. Warst du in jenen Jahren verletzt?
«2014 hatte ich eine Handverletzung und bestritt nur wenige Kranzfeste, bei welchen ich keinen Kranz gewinnen konnte. 2018 zog ich mir am Zürcher Kantonalen eine Schulterverletzung zu, und musste die Saison schon früh beenden.»

Du bist hervorragend in die 2019er-Saison gestartet. Der erste Kranzfestsieg ist eine Frage der Zeit?
Joel lacht. «Es läuft natürlich nicht immer so gut. Aber nach zwei erreichten Schlussgängen ist ein Kranzfestsieg schon ein Ziel. Das primäre Ziel ist und bleibt aber der Kranzgewinn. Irgendwann wird es schon klappen.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Ich absolviere pro Woche zwei bis drei Schwingtrainings und zwei Kraft-/Konditionseinheiten.»

Der erste eidgenössische Kranz ist ein reales Ziel. Wie gross ist das ESAF in Zug schon ein Thema?
«Eigentlich noch nicht gross. Ich wollte diese beiden Kränze gewinnen, um mich zu qualifizieren. Über diesen Riesenanlass wird so viel gesprochen. Es kann bis dahin aber noch einiges passieren. Das wichtigste ist, dass man gesund bleibt.»

Welches sind deine nächsten Wettkämpfe?
«Ich starte am Pfingstmontag auf dem Stoos und am Sonntag darauf steht das Solothurner Kantonale auf dem Programm. Am Nordostschweizer Schwingfest in Hallau bin ich Gast. Weiter werde ich bei den Bergfesten auf der Rigi und auf dem Weissenstein antreten.»

feldwaldwiesenblogger

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