Nachgefragt bei Sandro Schlegel, dem starken Prättigauer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Sandro Schlegel

Sandro Schlegel stand am vergangenen Sonntag im Schlussgang des Bündner-Glarner Kantonalen in Cazis. Dort traf er auf seinen Bündner Teamkollegen Armon Orlik, welcher auch ihn unter die Verlierer reihte. Dies ist aber beim aktuellen Formstand von Überschwinger Orlik absolut keine Schande. Vielmehr möchte ich im nachfolgenden Beitrag Sandro’s Leistung und den verdienten Schlussgang-Einzug würdigen.
Heute führte ich mit dem Prättigauer ein interessantes Telefongespräch. Dabei wollte ich von Sandro unter anderem wissen, wie er das Schwingfest in Cazis erlebte und ob der Eidgenössische Kranz in Zug drin liegt.


Verdient den «Bündner-Glarner» Kranz in Cazis gewonnen

Bündner-Glarner Kantonalschwingfest in Cazis
Sieger des «Bündner-Glarner» wurde mit sechs gewonnenen Gängen Armon Orlik. Medienchefin Rosmarie Nef schreibt zu diesem Schwingfest: «Der Maienfelder feierte vor 2’900 Zuschauern den vierten Festsieg in Serie beim eigenen Kantonalfest. Ebenso gewinnt Orlik bereits sein viertes Kranzfest der laufenden Saison. In Cazis gelingt dem 24-Jährigen der Sieg im Schlussgang gegen seinen Verbandskollegen Sandro Schlegel, welcher sich die Schlussgangteilnahme mit einem Sieg über den Eidgenossen Marcel Kuster verdiente. Von den acht angetretenen Eidgenossen kämpften nicht alle gleich glücklich. Der Appenzeller Michael Bless musste sogar ohne Kranz die Heimreise antreten.
Orlik liess schon beim Anschwingen erahnen, dass der Sieg in Cazis nur über ihn führt. Er bodigte den Zürcher Samir Leuppi bereits im ersten Zug. Nicht besser erging es den nächsten Gegnern, darunter der Glarner Roger Rychen und der Appenzeller Raphael Zwyssig, welche sich allesamt das Sägemehl vom Rücken putzen lassen mussten. Im Schlussgang gegen Schlegel war zu Beginn etwas Abtasten Trumpf, kennen sich doch die beiden derzeit besten Bündner Schwinger von vielen gemeinsamen Trainings sehr gut. In der zweiten Minute ergriff Orlik die Initiative und besiegte seinen Gegner mit Kurz. Der Fideriser Sandro Schlegel belegte schlussendlich den vierten Schlussrang. Auf dem Ehrenplatz klassierte sich, wie bereits am Pfingstmontag in Glarus, Roger Rychen, gefolgt von Tobias Riget aus Schänis. Gemeinsam mit Schlegel auf Rang vier folgen der Winterthurer Samir Leuppi sowie der Näfelser Reto Landolt.»

Sandro stand überraschend im Schlussgang
Sandro stand in Cazis etwas überraschend zum zweiten Mal in einem Kranzfest-Schlussgang. Diesen erreichte er mit einer starken Leistung, das Notenblatt zierten vier Siegkreuzchen und eine Niederlage. Der Prättigauer schreibt dazu auf seiner Facebook-Seite: «Am letzten Sonntag durfte ich ein erfolgreiches Schwingfest in Cazis geniessen. Mit dem ersten gewonnen Gang gegen David Dumelin startete ich gelungen in den Wettkampf. Im zweiten Gang gegen Roger Rychen musste ich die erste Niederlage hinnehmen. Danach folgten zwei Siege mit der Maximalnote Zehn über Marc Hänni und den jungen Toggenburger Werner Schlegel. Im fünften Gang wurde mir der Appenzeller Eidgenosse Marcel Kuster zugeteilt. Nach kurzer Gangdauer konnte ich ihn mit einem Kurz gewinnen und mich für den Schlussgang qualifizieren. Der Schlussganggegner lautete Armon Orlik, der seiner Favoritenrolle gerecht wurde und mich in der zweiten Minute mit Kurz bezwang. Ich bin mit meinen Leistungen sehr zufrieden und bedanke mich herzlich für eure Unterstützung.»

Bisher 20 Kränze herausgeschwungen
Sandros’s Geburtsdatum ist der 23. Mai 1990. Der 29-Jährige wohnt in Fideris, ist ledig und weist mit seiner Grösse (185 Zentimeter) und seinem Gewicht (108 Kilogramm) gute Masse für den Schwingsport auf. Der Fideriser erlernte den Zimmermann-Beruf und arbeitet heute als
Lieferschreiner bei der Möbel Pfister AG in Mels. Nebst dem Schwingsport unternimmt Sandro in der spärlichen Freizeit gerne etwas mit seinen Kollegen.
Der Bündner ist Mitglied beim Schwingklub Prättigau, welcher dem Bündner Kantonalen Schwingerverband angehört, und hat bisher 20 Kränze (19 Kantonal- und 1 Teilverbandskranz) herausgeschwungen. Zu seinen grössten Erfolgen zählt der Sennenschwinger die beiden ESAF- und die Unspunnen-Teilnahme, sowie die beiden Kranzfest-Schlussgänge (beide am «Bünder-Glarner»).
Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz und der Fussstich. Sandro schwingt seit 2001 und benennt als schwingerisches Vorbild Jörg Abderhalden. Zum Schwingsport kam der gelernte Zimmermann durch seinen Vater. 2001 verfolgten sie gemeinsam am TV das ESAF in Nyon. Anschliessend fragte der Jungspund, welcher sich schon damals gerne mit Gleichaltrigen auf dem Pausenplatz mass, nach einer Trainingsmöglichkeit in der Umgebung. Diese wurde dann beim Schwingklub Prättigau gefunden. In den Adern des Bündners fliesst kein «Schwingerblut». Sandro ergänzt: «So viel ich weiss, bin ich der erste in der Familie, der schwingt.»


Der Sieg im ersten Gang gegen David Dumelin war die sogenannte Initialzündung

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich dacht mir: Schade, einmal mehr einen Schlussgang verloren. Inzwischen der sechste verlorene Schlussgang in meiner bisherigen Karriere.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
Sandro lacht. «Nein, ich würde es gleich machen und würde wieder versuchen, in die Offensive zu schreiten.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Das war der erste Gang gegen David Dumelin. Der Sieg über ihn war die sogenannte Initialzündung für mich an diesem Tag.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom «Bündner-Glarner»?
«Wenn es gut läuft, kann ich sogar einen Eidgenossen bezwingen. Die Form stimmt und ich konnte in Cazis Selbstvertrauen tanken. Ich denke, ich kann zuversichtlich so weiterfahren.»

Du hast deinen ersten Kranz 2007 gewonnen. Welches war deine bisher stärkste Saison?
«Das ist eine gute Frage. Aus meiner Sicht war es die Saison 2017, wo ich drei Kränze gewann und dreimal mir ein Viertelpunkt für weitere Kränze fehlten. Ich konnte mich damals für den Unspunnen-Schwinget qualifizieren.»


Mit dem Sieg über den Eidgenossen Marcel Kuster sicherte sich Sandro die Schlussgang-Teilnahme

Mit deiner Leistung in Cazis hast du bewiesen, dass der Eidgenössische Kranz auch für dich drin liegt. Wie siehst du das?
«Ich denke, ich muss das relativieren. In Cazis hatte ich einen guten Tag, beim ESAF braucht’s aber zwei gute Tage. Im Moment schwirren keine Gedanken wegen diesem Kranz herum. Denn: Am St. Galler Kantonalen fehlte mir das berüchtigte Vierteli für den Kranz. Hingegen zog ich am Glarner-Bündner und am Bündner-Glarner einen guten, respektive einen sehr guten Tag ein. Vom Eidgenössischen Kranz träumen darf man natürlich. Bevor man dieses Eichenlaub gewinnt, sollte man halt schon einen Bergkranz gewinnen. Um zu zeigen, dass man bereit ist.»

Was meinst du, bist du mit deinen 29 Jahren und bisher sechs Schlussgang-Einzügen nun reif für den ersten Schwingfestsieg?
«Ich denke, nach sechs Schlussgang-Niederlagen wäre es mal an der Zeit, dass ich ein Schwingfest gewinne. Denn das ist schon ein Teilziel meiner Karriere.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Im Moment absolviere ich zwei Schwing-, zwei Kraft- und eine Ausdauereinheit pro Woche. Wenn ein Schwingfest ansteht, wird das Trainingsprogramm dementsprechend angepasst.»

Wie oft trainierst du mit Team-Kollege Armon Orlik? Und: Wie profitierst du von seiner Klasse?
«Ich trainiere pro Woche ein- bis zweimal mit ihm zusammen beim Schwingtraining. Dabei kann ich sehr von Armon profitieren. Es ist super, dass wir so einen Schwinger von seiner Klasse in unserem Verband haben. Schwingtechnisch kann man einiges von ihm lernen.»

Was nimmst du dir für deinen nächsten Einsatz, dem Nordostschweizer Schwingfest in Hallau, vor?
«Ich möchte den Schwung von Cazis nach Hallau mitnehmen. Es ist ein neues Fest, alles fängt wieder bei null an. Ich nehme mir vor, bereit zu sein. Mein Ziel ist, den Kranz zu gewinnen.»

feldwaldwiesenblogger