Nachgefragt bei Domenic Schneider, dem kräftigen Thurgauer

Text: feldwaldwiesenblogger / Bilder: Domenic Schneider

Domenic Schneider erreichte am vergangenen Sonntag im heissen Hallau den Schlussgang. Dort traf er auf Armon Orlik, welcher ihn nach mehr als vier Minuten bezwingen konnte. Dabei bewies «Dodo», wie er in der Ostschweiz auch genannt wird, dass er mit der absoluten (NOS)-Spitze mithalten kann.
Eine Woche nach der mageren Leistung am Schwarzsee konnten sich die Nordostschweizer an ihrem Teilverbandsfest problemlos durchsetzen. Von den acht Gästen holten gerade deren drei das begehrte Eichenlaub. Wobei man Remo Käsers Aufgabe wegen einer Nackenverletzung in Betracht ziehen muss.
Auffällig ist zudem die starke Gesamtleistung der Thurgauer Schwinger, welche im nördlichsten Schweizer Kanton neun Kränze gewannen. Zu diesem Team gehört auch Domenic Schneider. Von ihm wollte ich heute am Telefon wissen, wie er das Nordostschweizer Schwingfest erlebte, und ob die schwache Kranzausbeute der Nordostschweizer am Schwarzsee ein einmaliger Ausrutscher ist.


Domenic Schneider gewann in Hallau nebst dem NOS-Kranz das Rind Edelweiss

Nordostschweizer Schwingfest
Wie eingangs erwähnt, gewann Armon Orlik das Nordostschweizer Schwingfest in Hallau. Im Schlussgang triumphierte der Maienfelder gegen Domenic Schneider nach 4:42 Minuten mit Kurz und Nachdrücken am Boden. Dies in einem beidseits offensiv geführten Kampf, bei welchem Domenic den mittlerweile dreifachen NOS-Sieger einmal in eine äusserst brenzlige Situation brachte. Am Morgen startete Orlik mit einem «Gestellten» gegen Remo Käser. Anschliessend liess der Bündner Überschwinger nichts mehr anbrennen und bezwang der Reihe nach Lars Geisser, Lario Kramer, Roman Schnurrenberger und um die Schlussgangqualifikation den Thurgauer Oldie Stefan Burkhalter. In der Endabrechnung konnte sich Samir Leuppi auf dem Ehrenplatz einreihen. Im dritten Rang klassierte sich «Rückkehrer» Samuel Giger, dies nach einer achtwöchigen Verletzungspause.
Im schaffhausischen Hallau war man zu Gast in einer Weinregion. Aus diesem Grund wurde jede Tribüne mit dem Namen einer Traubensorte versehen. OK-Präsident René Regli und sein Team bereiteten mit zwei Trägervereinen (Männerriege Hallau und STV Hallau) sowie dem Schaffhauser Kantonalen Schwingerverband ein stimmungsvolles Ambiente in der «Chläggi-Arena». Die acht Gästeschwinger und die 150 Nordostschweizer Schwinger boten den 4‘200 Zuschauern offensiven und spannenden Schwingsport. Für beste folkloristische Unterhaltung wussten Lisa Stoll mit ihren Solo-Auftritten am Alphorn, die Rhyfall Jodler, der Jodelklub Randen und die Musikgesellschaft Hallau zu begeistern.

Domenic stand verdient im Schlussgang
Domenic stand in Hallau mit vier gewonnenen und einem gestellten Gang absolut verdient im Schlussgang. Unter die Verlierer reihte der Thurgauer Joel Strebel, Reto Koch, Nicola Wey und um den Schlussgang-Einzug Marcel Kuster. Einzig dem Innerschweizer Eidgenossen Erich Fankhauser musste er im zweiten Gang einen «Gestellten» zugestehen.
Im Schlussgang verhielt sich Orlik erst passiv, was Domenic auszunützen versuchte. Mit einem kräftigen Kurzzug und anschliessendem Nachdrücken am Boden brachte er den mittlerweile 17-fachen Kranzfestsieger an den Rand einer Niederlage. Dieser konnte sich aber dank seiner kräftigen Muskulatur befreien. Nach einem weiteren Kurz-Versuch von Domenic konterte Orlik ebenfalls mit Kurz und vervollständigte am Boden mit Nachdrücken zum Sieg.
Nachdem «Dodo» am Schwarzsee wie die meisten Nordostschweizer Kollegen eine bescheidene Leistung gezeigt hatte, drehte er am vergangenen Sonntag so richtig auf. Sein wuchtiger Kurz funktionierte wieder und bei den entscheidenden Gängen war er erfolgreich. Die Gesamtleistung brachte den Eidgenossen schliesslich auf den sehr guten dritten Schlussrang.

Mitglied beim Schwingklub Ottenberg
Domenics Geburtsdatum ist der 3. Juni 1994. Der 25-Jährige wohnt in Friltschen, ist ledig und hat mit seiner Lebenspartnerin Olivia eine gemeinsame Tochter (Leonie). Er weist mit seiner Grösse (179 Zentimeter) und seinem Gewicht (135 Kilogramm) kräftige Masse für den Schwingsport auf. Der Thurgauer machte eine Ausbildung zum Zimmermann und eine Zweitlehre als Landwirt. Derzeit arbeitet er auf dem elterlichen Bauernbetrieb in Friltschen. Nebst der Arbeit und dem Schwingsport bleibt noch etwas Zeit für den Turnverein Märwil und im Winter fürs Skifahren.
Domenic ist Mitglied beim Schwingklub Ottenberg, welcher dem Thurgauer Kantonalen Schwingerverband angehört. Bei diesem Schwingklub trifft er mit Samuel Giger, Stefan Burkhalter oder seinem Bruder Mario auf äusserst starke Sparringpartner.

Ein Kranzfestsieg und 42 Kränze auf seinem Konto
Domenic hat bisher 42 Kränze herausgeschwungen, darunter einmal Eidgenössisches Eichenlaub. Zudem feierte der gelernte Zimmermann 2015 am «Glarner-Bünder» in Näfels einen Kranzfestsieg. Weitere schöne Erfolge sind die drei Schwägalp-Kränze sowie die Bergkränze auf dem Brünig, der Rigi und dem Weissenstein.
Der bevorzugte Schwung ist der Kurz. Der Sennenschwinger schwingt seit 2003 und nahm sich im Jungschwinger-Alter Jörg Abderhalden zum Vorbild. Zum Schwingsport kam Domenic durch seinen älteren Bruder Mario und der Motivation der Eltern. Als Neunjähriger ging er zum ersten Schwingtraining. Dem mittlerweile fünffachen «Saisonkranzer» wurden keine Schwingergene in die Wiege gelegt. Sein Bruder und er sind die ersten Schwinger in der Familie.


Die starke Thurgauer Mannschaft, zu welcher auch Domenic gehört, gewann in Hallau neun Kränze

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Mein erster Gedanke war: Schade, dass ich verloren habe. Denn ich war dem Sieg sehr nahe.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Ich würde mit der gleichen Taktik vorgehen. Denn: Ich ging geladen in den Schlussgang und wollte gewinnen. Ein ‘Gestellter’ hätte mir nichts gebracht, darum war ich auf Angriff aus.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Einen Schlüsselgang gab es in dem Sinne nicht. Ich startete gut in den Wettkampf. Nach der Punkteteilung im zweiten Gang konnte ich wieder reüssieren und um den Schlussgang-Einzug konnte ich relativ schnell gewinnen. Ich wusste, wenn ich den fünften Gang gewinne, stehe ich im Schlussgang.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Nordostschweizer Schwingfest?
«Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Nach dem Schwarzsee-Schwinget kam ich ein wenig ins Grübeln. Am ‘NOS’ in Hallau hatte ich ein sehr gutes Gefühl und bin froh, dass wieder alles so gut funktioniert hat.»

Ist die schwache Kranzausbeute der Nordostschweizer am Schwarzsee ein einmaliger Ausrutscher?
«Ich hoffe doch sehr, dass es ein einmaliger Ausrutscher war. Einige unserer Spitzenleute fehlten am Schwarzsee. Trotzdem: Viele der anwesenden Spitzenleute zogen tatsächlich keinen guten Tag ein. Unter der Woche haben wir im Schwingklub darüber gesprochen. Uns ist bewusst, dass wir daran nichts mehr ändern können. Deshalb: Vorwärts schauen, und zeigen, was wir wirklich können.»


Domenic zieht mit Kurz, seinem Paradeschwung, den Zürcher Nicola Wey

Du hast deinen ersten Kranz 2011 gewonnen. Welches war deine bisher stärkste Saison?
«Die Saison 2017, als ich neun Kränze gewann. Das war für mich ein sehr spezielles Jahr. Der Berner-, der Brünig- und der Schwägalp-Kranz stellen für mich dabei Highlights dar.»

Bist du mit deiner am NOS gezeigten Leistung bereit für den zweiten Kranzfestsieg?
Domenic lacht. «Wenn es so läuft wie in Hallau, bin ich nicht mehr weit weg, erneut ein Kranzfest zu gewinnen. Ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg. Zudem stimmt das Gefühl.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Ich absolviere wöchentlich drei Schwingtrainings, nämlich am Montag, Mittwoch und Freitag. Dabei handelt es sich um ein Schwingklub- und zwei Thurgauer Kantonal-Trainings. Am Donnerstag bestreite ich zusätzlich ein Kraft- und Konditionstraining.»

Mit neun Kränzen in Hallau haben die Thurgauer eine starke Leistung gezeigt. Was macht euch so stark?
«Wir absolvieren gemeinsam am Montag und Freitag mit vielen starken Schwingern gute Trainings. Wir verfügen über einen guten Teamgeist und gönnen einander die Erfolge. Wir freuen uns miteinander und bauen uns gegenseitig auf, wenn’s mal nicht so gut gelaufen ist.»

Welches sind deine nächsten Einsätze, und was nimmst du dir dabei vor?
«Am kommenden Sonntag bestreite ich das Appenzeller Kantonalschwingfest in Stein, und eine Woche später trete ich auf der Rigi an. Mein Ziel ist es, an beiden Orten den Kranz zu gewinnen. Weiter bin ich am Nordwestschweizer Schwingfest anfangs August Gast. Ich möchte in Wittnau natürlich auch den Kranz gewinnen.»

feldwaldwiesenblogger