Nachgefragt bei Lario Kramer, einem der grössten Südwestschweizer Hoffnungsträger fürs «Eidgenössische»

Text: feldwaldwiesenblogger

Lario Kramer ist seit seinem Kranzfestsieg auf dem Stoos und den zehn Saisonkränzen im vergangenen Jahr eine etablierte Grösse in der Südwestschweiz. Zusammen mit Benjamin Gapany zählt er für viele Experten wie Schwingerfreunde zu potenziellen Südwestschweizer Kranzanwärtern am «Eidgenössischen» in Zug. Zwar blieb der Freiburger am Schwarzsee und als Gast am «Nordostschweizer» unter den Erwartungen und verpasste das begehrte Eichenlaub. Am eigenen Teilverbandsfest, dem Südwestschweizer Schwingfest in Leukerbad, zeigte der technisch versierte Schwinger aber eine tolle Leistung. Um die Schlussgang-Qualifikation besiegte Lario den Schwyzer Eidgenossen Mike Müllestein. Im Schlussgang lief’s dann weniger gut: Der Berner Matthias Aeschbacher konnte ihn im ersten Zug bezwingen.
Nichtsdestotrotz: Letztes Jahr stand der Kantonskollege Benjamin Gapany im Schlussgang des eigenen Teilverbandsfestes, dieses Jahr tat es ihm Lario gleich. Von ihm wollte ich am Montagabend am Telefon unter anderem wissen, wie er dieses Schwingfest erlebte, und wie die Stimmung derzeit im Südwestschweizer Team ist.


Lario Kramer (ganz links) als glücklicher Kranzgewinner in Leukerbad, zusammen mit Patrick Schenk (Mitte) und Joel Wicki
Bild: David Waser

Südwestschweizer Schwingfest in Leukerbad
Sieger in Leukerbad wurde der angesprochene Matthias Aeschbacher, welcher sich schon nach wenigen Sekunden gegen Lario durchsetzen konnte. Nach dem Sieg am Schwarzsee-Schwinget konnte der Emmentaler einen nächsten grossen Erfolg feiern, und avanciert so langsam aber sicher zu einem der Topfavoriten am «Eidgenössischen» in Zug. Auf dem Weg in den Schlussgang wurden dem 27-Jährigen Steve Duplan (Sieg), Samuel Giger (gestellt), Fredy Riedo (Sieg), Augustin Brodard (Sieg) und Stéphane Haenni (Sieg) vorgesetzt.
Am Teilverbandsfest der Südwestschweizer starteten 109 Schwinger, 4‘500 Zuschauer fanden den Weg in das Walliser Bäderdorf. Die acht angetretenen Gäste durften alle kranzgeschmückt heimkehren. Sechs Kränze gingen nach Freiburg und drei ins Waadtland.
Das stimmungsvolle Schwingfest wurde vom Schwingklub Leukerbad, unter der Leitung von OK-Präsident Kurt Roten, mit viel Herzblut organisiert. Dabei war den Organisatoren als Tüpfelchen auf dem „i“ schönstes Sommerwetter beschieden.

Lario stand zum ersten Mal im Schlussgang eines Teilverbandsfestes
Lario stand in Leukerbad mit vier gewonnenen und einem verlorenen Gang verdient zum ersten Mal in einem Schlussgang eines Teilverbandsfestes. Nach der Startniederlage gegen den Luzerner Joel Wicki bettete der Freiburger der Reihe nach Antoine Ducry, Carlo Buchs und Luc Gottofrey ins Sägemehl. Um den Schlussgang-Einzug bodigte Lario, wie bereits erwähnt, Mike Müllestein mit einer Kreugriff-Gammen-Abdrehen-Kombination. Im Schlussgang wurde er von Matthias Aeschbacher allerdings bereits nach acht Sekunden bezwungen. Der Berner Gast packte einmal mehr seine Wunderwaffe, den Inneren Haken, aus. In der Endabrechnung belegte der Freiburger Rang 5a.
Es scheint, dass Lario rechtzeitig seine tolle Form von letztem Jahr wiedergefunden hat. Denn: Nach zwei kranzlosen Resultaten am Schwarzsee (Rang 7d) und dem Nordostschweizer Schwingfest (Rang 9c) fand der letztjährige Stoos-Sieger am vorletzten Wochenende beim Walliser Kantonalen wieder auf die Erfolgsstrasse zurück. In Martigny gewann Lario nämlich sein zweites Kranzfest und in Leukerbad schaffte er es trotz sehr starken Gästen in den Schlussgang.

Mitglied beim Schwingklub Kerzers
Larios Geburtsdatum ist der 9. Juli 1998. Der 21-Jährige wohnt in Galmiz, ist ledig und weist mit seiner Grösse (186 Zentimeter) und seinem Gewicht (100 Kilogramm) athletische Masse für den Schwingsport auf. Der frisch gebackene Kantonalfestsieger machte eine Ausbildung zum Gemüsegärtner und arbeitet derzeit von Montag bis Freitag als Gemüsebauer auf dem elterlichen Betrieb. Am Samstag drückt er die Schulbank und absolviert eine Ausbildung zum Agro-Kaufmann. Nebst der Arbeit, der Ausbildung und dem Schwingsport bleibt nur noch wenig Zeit übrig, in welcher Lario Kollegen und Freunde trifft.
Der Sennenschwinger ist Mitglied beim Schwingklub Kerzers, welcher dem Freiburger Kantonalen Schwingerverband angehört. Mitglied von diesem Schwingklub ist unter anderem auch sein Bruder Dorian. Dorian erkämpfte sich diese Saison bereits zwei Kränze. Zum erweiterten Team rund um den Schwingklub Kerzers gehört auch Vincent Roch vom Schwingklub Estavayer-le-Lac. Roch eroberte diese Saison bereits vier Kränze und gewann das Waadtländer Kantonale.

Zwei Kranzfestsiege und 24 Kränze auf seinem Konto
Larios Palmarès umfassen zwei Kranzfestsiege und 24 Kränze. Der eine Kranzfestsieg ist derjenige auf dem Stoos, welcher für die Südwestschweizer richtiggehend Balsam auf ihre geschundene Schwingerseele bedeutete. Der andere Sieg erfolgte erst kürzlich am Walliser Kantonalen in Martigny. Die gewonnenen Kränze setzen sich aus 16 Kantonal-, drei Berg- und fünf Teilverbandskränzen zusammen. Den ersten Kranz gewann der gelernte Gemüsebauer 2015 am Freiburger Kantonalschwingfest. Ein weiterer schöner Erfolg ist die Auszeichnung zum Aufsteiger des Jahres 2018, welche Lario an der Abgeordnetenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbandes am 9. März verliehen wurde.
Die bevorzugten Schwünge sind Hüfter, Wyberhaken, Kreuzgriff, Kurz und Übersprung. Der Sennenschwinger schwingt seit 2006 und zählte in den Jugendjahren Matthias Sempach zu seinem Vorbild. Mittlerweile ist der Schwingerkönig von 2013 ein guter Kamerad von ihm.
Zum Schwingsport kam Lario durch seine Eltern, welche aber mit dem Schwingsport sonst nichts am Hut haben. Er erklärt: «Eines schönen Sonntags gingen wir mit der Familie gemeinsam Mittagessen. Der Zufall wollte es, dass wir beim Regionalschwingfest in Ried bei Kerzers landeten. Der Schwingsport faszinierte uns dabei sehr, und mich im Besonderen. Und so ging ich am darauf folgenden Mittwoch als Achtjähriger zum ersten Schwingtraining.»


Lario zieht energisch mit festem Kreuzgriff
Bild: David Sigg

Herzliche Gratulation zum Erreichen des Schlussganges! Was ging dir hinterher durch den Kopf?
«Ich war natürlich enttäuscht, auch weil ich so schnell verloren habe. Man kann aus einer schnellen Niederlage wenig mitnehmen. Ich hätte schon gerne länger mit Matthias geschwungen, welcher aufs Gut gleich gezogen hat. Nach dem Schlussgang gingen mir viele Gedanken durch den Kopf, und ich musste mich kurz sammeln. Ich konnte mich trotzdem am erfolgreichen Tag erfreuen. Es war schön, dass ich im Schlussgang stand.»

Würdest du heute mit einer anderen Taktik den Schlussgang in Angriff nehmen?
«Das ist schwierig zu beantworten. Ich bin schon eher der Angriffsschwinger, und nicht so der Taktierer. Klar, man hat 12 Minuten Zeit, und braucht nicht sofort Vollgas zu geben. Matthias griff sehr stark und ist mit seinem Inneren Haken jeweils brandgefährlich.»

Du hast die Endausmarchung souverän erreicht. Welcher Gang war für dich ein sogenannter «Schlüsselgang»?
«Ich denke, das war der fünfte Gang, wo ich Mike Müllestein besiegen konnte. Gegen ihn habe ich bereits letztes Jahr auf dem Stoos geschwungen. Dieses Jahr konnte ich mich besser gegen ihn behaupten. Auf dem Stoos musste ich ums Überleben kämpfen und konnte gegen ihn nur mit Glück gewinnen. In Leukerbad war es von Anfang an eine ausgeglichene Sache.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Südwestschweizer Schwingfest?
«Es war ein sehr schönes Schwingfest, inmitten der herrlichen Bergkulisse. Ich war bereits am Samstag angereist, um mich optimal vorbereiten zu können. Ich liess den Abend mit Schwingerkollegen ausklingen und habe gut geschlafen. Da ich ein Schönwetterschwinger bin, war ich froh um den herrlichen Sommertag. Schön, hatte es so viele Zuschauer. Denn das ist an einem Südwestschweizer Schwingfest, je nach Austragungsort, nicht selbstverständlich. Das Wallis zählt viele Schwingerfreunde, und es herrschte eine gute Stimmung im Bäderdorf.»

Du hast deinen ersten Kranz 2015 gewonnen. Deine bisher stärkste Saison war die letztjährige?
«Ja, das ist so. Der Knopf ist mir 2018 regelrecht aufgegangen. Es sprach allerdings erst nicht viel dafür, da ich von Januar bis Mai in der Rekrutenschule war. In dieser Zeit konnte ich die meiste Zeit nur einmal pro Woche trainieren, und jeweils an den Wochenenden. In den letzten sechs RS-Wochen hatten wir einen anderen Kommandanten. Dieser brachte mehr Verständnis auf, und liess mich viermal pro Woche trainieren. Am Genfer Kantonalen gewann ich den ersten Saisonkranz, und anschliessend lief es von Fest zu Fest immer besser.»


Der Sieg am Walliser Kantonalen ist für Lario der erste Kranzfestsieg auf Südwestschweizer Boden
Bild: David Waser

Wie ist die Stimmung derzeit im Südwestschweizer Team?
«Wir haben es gut zusammen, und bei den Zusammenzügen läuft‘s gut.
Es ist leider schade, dass sich etliche Schwinger von unserem Verband verletzt haben. Dazu gehören Michel Dousse, Victor Cardinaux, Steven Moser oder Pascal Piemontesi. Das sind alles Schwinger, welche eine Chance hätten, am Eidgenössischen um den Kranz zu schwingen. Wir brauchen halt wirklich jeden.»

Mit welchem Rezept fandest du nach den verpassten Kränzen am Schwarzsee und am NOS beim Walliser Kantonalen wieder auf die Erfolgsstrasse zurück?
«Am Schwarzsee ist es dumm gelaufen, und letztendlich fehlte mir ein Vierteli. Den letzten Gang um den Kranz habe ich zwar gewonnen, leider ohne Maximalnote. Am Nordostschweizer Schwingfest bin ich gut gestartet. Dann fing es an zu harzen: Ich brachte gewisse Schwinger, die ich für den Kranz hätte bezwingen müssen, einfach nicht auf den Rücken. Ich bin bereits am Vortag nach Hallau gereist und war zum ersten Mal in dieser schönen Gegend.
Am Walliser Kantonalen hatte ich erst schwere Beine, und fühlte mich am Morgen nicht unbedingt gut. Ich konnte mich schliesslich auf meine Gegner einstellen. Zwar war es nicht das bestbesetzte Fest, trotzdem muss man die Gegner erst bezwingen. Grundsätzlich lief es in Martigny sehr gut und ich konnte zum ersten Mal ein Kranzfest in der Südwestschweiz gewinnen. Das war nämlich auch ein erklärtes Jahresziel von mir.»

Wie sieht dein gegenwärtiges Trainingsprogramm aus?
«Während der Wettkampfsaison trainiere ich drei bis viermal pro Woche. Mein Programm beinhaltet ein Krafttraining und zwei bis drei Schwingtrainings. Ich möchte im Training nicht meine Batterien leeren, und achte daher auf genügend Erholung. Im Winter wird mehr trainiert.»

An was wirst du bis zum ESAF in Zug noch verstärkt arbeiten?
«Ich fahre eigentlich mit meinem Trainingsplan so weiter. Nach einem Schwingfest wird analysiert und verlorene Gänge werden nochmals unter die Lupe genommen. Es geht allerdings nur um den Feinschliff. Die Schwünge und die Abläufe werden im Wintertraining näher angeschaut. Man versucht sich aber auch während der Saison stets zu verbessern.»

Welches sind deine nächsten Einsätze, und welche Ziele verfolgst du dabei?
«Meine nächsten Einsätze sind der Brünig- und der Schwägalp-Schwinget. Das Ziel ist der Kranz. Ich habe dieses Jahr noch kein auswärtiges Eichenlaub gewonnen, und auch noch keinen Bergkranz. Beide Kränze fehlen mir noch in der Sammlung. Es wäre schön, wenn ich mindestens einen der beiden Kränze holen könnte.»

feldwaldwiesenblogger

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