Vier Wochen vor dem «Eidgenössischen»: Samuel Giger avanciert zum absoluten Topfavorit

Text: feldwaldwiesenblogger

Genau vier Wochen vor dem «Eidgenössischen» in Zug verzieht sich langsam der Nebel der Unwägbarkeiten. Die Königsanwärter kristallisieren sich dank ihrem Leistungsausweis heraus. Für mich avanciert Samuel Giger nach dem bärenstarken Auftritt auf dem Weissenstein zum absoluten Topfavorit. Nachfolgend erküre ich sechs weitere Spitzenschwinger zu Topfavoriten um den Schwingerkönig-Titel.


Samuel Giger avanciert zum absoluten Topfavorit
Bild: Schwingen-Foto.ch

Wegen riesiger Medienaufmerksamkeit «Auszeiten» genommen
Folgende Frage stellte der «Blick» vor etwas mehr als zwei Wochen: «Will denn niemand Schwingerkönig werden?» Wir alle wissen, dass mit grösster Wahrscheinlichkeit einer der selektionierten 276 Schwinger Ende August zum Schwingerkönig erkoren wird. Aber: Den Athleten mit Ambitionen auf den höchsten Schwinger-Olymp bereitet die riesige Medienaufmerksamkeit zusätzlichen Druck. Gerade deswegen hat der eine oder andere, aus welchen Gründen auch immer, eine Art «Auszeit» aus dieser «Maschinerie» genommen. Teilweise bewusst, teilweise natürlich unbewusst. Beispielsweise wegen einer Verletzung oder einer Blessur. Es ist den Herren Giger, Reichmuth, Orlik und Co. gewiss nicht zu verübeln. Dieser Fokus und das permanente «Halligalli» um die Favoritenrolle können zermürben.

Die SCHLUSSGANG-Wertung gibt Einblick
Das am 11. Mai begonnene «Schwingerkönig-Barometer» habe ich bewusst zurückgestellt. Es ist schwierig, und war mir wegen dem Umstand aus obigem Abschnitt teilweise zuwider, ständig die Favoriten auf den Titel zu benennen. Zudem konnte man in etlichen Medien fast täglich Einschätzungen nachlesen. Ich beschränke mich bis zum ESAF nun darauf, wöchentlich meine Sicht der Dinge darzulegen.
Wenn man so will, kann man auch die SCHLUSSGANG-Wertung, die offizielle Jahrespunkteliste des Eidgenössischen Schwingerverbandes, heranziehen. Diese gibt einen wunderbaren Einblick über den Leistungsausweis der Schwinger. Angeführt wird diese (Stand heute, einen Tag vor dem Brünig-Schwinget) von Armon Orlik. Gefolgt von Joel Wicki, Nick Alpiger, Sven Schurtenberger, Pirmin Reichmuth, Daniel Bösch, Matthias Aeschbacher, Samir Leuppi, Joel Strebel und Bernhard Kämpf. Sind das die zehn Topfavoriten auf den Schwingerkönig-Titel? Ich meine Nein.

Giger, Stucki, Wiget, Schuler, Staudenmann, Wenger und von Ah
Wegen Verletzungen oder mässigem Start in die Kranzfestsaison sind Samuel Giger, Christian Stucki, Christian Schuler, Fabian Staudenmann, Kilian Wenger und Benji von Ah nicht zuvorderst in der SCHLUSSGANG-Wertung anzutreffen. Summa Summarum wird meiner Einschätzung nach einer aus diesem erlauchten Siebzehner-Kreis Ende August in Zug Schwingerkönig.

Reichmuth und Orlik nahmen nach der Saisonhälfte etwas Wind aus den Segeln
Vor etlichen Wochen machte es den Anschein, dass Armon Orlik und Pirmin Reichmuth den Titel untereinander ausmachen werden. Den beiden ist diese Tatsache wohl ziemlich in die Knochen gefahren. Pirmin Reichmuth schwang ab dem Stoos-Schwinget nicht mehr alles in Grund und Boden. Weitere Kranzfestsiege blieben aus, und eine leichte Oberschenkel-Blessur machte sogar eine «Auszeit» nötig. Wer weiss, vielleicht hat die kurze Pause dem Zuger gutgetan, und macht ihn wieder unwiderstehlich, wie zu Beginn der Saison. Der 23-Jährige gehört für mich eindeutig zu den Topfavoriten. Seine zielgerichtete Schwingweise in der ersten Saisonhälfte überzeugte, und liess, wie etwa am Luzerner Kantonalen, keine Fragen offen.
Armon Orlik liess bis zum Innerschweizer Schwing- und Älplerfest nichts anbrennen und gewann bei sämtlichen angetretenen Kranzfesten. In Erstfeld liess der Bündner den absoluten Killer-Instinkt erstmals in dieser Saison etwas vermissen und belegte in der Endabrechnung den dritten Platz. Für den Weissenstein-Schwinget liess sich Orlik wegen einer leichten Blessur im Schulter-Nackenbereich entschuldigen, und nahm sich wie Reichmuth ebenfalls eine «Auszeit». Das Gesamtpaket aus Technik, Athletik und Kampfübersicht macht den 24-Jährigen nach wie vor zu einem der heissesten Kandidaten auf den Königstitel. Und wie man an einem ESAF in den Schlussgang vorstösst, weiss der 17-fache Kranzfestsieger seit Estavayer-le-Lac aus eigener Erfahrung.


Die konsequente Schwingweise von Joel Wicki macht ihn zu einem der Topfavoriten
Bild: schwingenonline.ch

Giger überzeugte auf dem Weissenstein
Wegen einer Schulterverletzung musste Samuel Giger wochenlang pausieren. Am Nordostschweizer Schwingfest in Hallau gab der Thurgauer sein Comeback und bewies, dass mit ihm bald wieder zu rechnen ist. Die fehlende Wettkampfpraxis wahr dem Modellathleten aber anzumerken. Zwei Wochen später, als Gast beim Südwestschweizer Schwingfest in Leukerbad, hatte man das Gefühl, dass Giger sich selbst mit mässigen Kranzschwingern schwertut. Man fragte sich, was mit dem stärksten Schwinger der letzten Saison wohl los ist. Diese Frage beantwortete der 21-Jährige mit dem überlegenen Sieg auf dem Weissenstein. Mit Ausnahme des Kampfes gegen Patrick Räbmatter zeigte Giger keine Schwächen und überzeugte mit seiner wieder gewonnenen Unwiderstehlichkeit. Wenn man einen Schwingerkönig schon nach sieben Sekunden ins Sägemehl wuchtet, ist man eigentlich auch reif für diesen Titel. Der nunmehr 14-fache Kranzfestsieger liess in Interviews denn auch durchblicken, dass er bei seinem Comeback zu «verkopft» an die Sache ranging. Auf dem Weissenstein zeigte sich der Thurgauer zudem lockerer und offener als auch schon. Der sonst so zurückhaltende Sennenschwinger machte nach seinem Sieg auf dem Solothurner Hausberg gar die Welle mit dem Publikum. Giger ist parat für die Aufgabe in Zug.

Stucki könnte der Spielverderber werden
Christian Stucki liess dieser Tage verlauten, dass er am Bözingenberg-Schwinget (3. August) sein Comeback geben wird und am Bernisch Kantonalschwingfest dabei sein wird. Die Knieverletzung des Seeländer Hünen soll verheilt sein. Eine Prognose für Zug ist dementsprechend schwierig abzugeben. Aber: Christian Stucki ist routiniert und weiss wie man grosse Anlässe gewinnt. Der Berner braucht keine grosse Vorlaufzeit, und wird vermutlich in Zug ein wichtiges Wörtchen mitreden. In diesem Zusammenhang fällt mir die Rolle des sogenannten «Spielverderbers» ein. Gut möglich, dass sein Umfeld den Bären in ihm wecken kann, und dieser seinen Gegnern das Fürchten lehrt. Die Folge wäre dann der Schwingerkönig-Titel. Denkbar ist aber auch, dass Stucki nach seiner längeren Verletzungspause nicht so parat sein wird wie in seinen besten Tagen. Gestellte Gänge mit anderen Topfavoriten könnten diese dennoch ins straucheln bringen.

Wie weit kann es Wicki bringen?
Bisher habe ich vier Topfavoriten aus dem Siebzehner-Kreis ausgewählt. Aus diesen möchte ich noch Joel Wicki, Michael Wiget und Kilian Wenger herauspicken. Nick Alpiger hätte ich sofort auch dazu gezählt. Die auf dem Weissenstein zugezogene Beckenverletzung scheint zwar nicht so schlimm zu sein. Dennoch wird die Zeit für den jungen Aargauer knapp, überhaupt in Zug am Start zu sein.
Joel Wicki ist ein begnadeter Schwinger. Seine fehlende Körpergrösse macht er mit einem unglaublichen Kampfwillen und einer tollen Technik wett. Da der Sörenberger konsequent am Boden arbeitet und so etliche Gänge gewinnt, fehlten ihm für den Schlussgang-Einzug auch schon die berühmten «Vierteli». Dies Konsequenz könnte ihm beim «Eidgenössischen» mit acht Gängen aber zu Gute kommen. Wenn der 22-Jährige in Zug ans Limit gehen kann wie beispielsweise dieses Jahr auf dem Stoos, dann ist für ihn das Tor zu den höchsten Weihen im Schwingsport ganz weit offen.


Schafft Michael Wiget am «Eidgenössischen» gar die Sensation?
Bild: Michael Wiget

Michael Wiget, der Aufsteiger des Jahres
Michael Wiget ist definitiv der Aufsteiger des Jahres. Anfangs Saison hatte der Berner einen Kranz auf seinem Konto. In vier Wochen schwingt Wiget um den ESAF-Kranz – mehr noch: Der 20-Jährige gehört inzwischen gar zum Favoritenkreis um den Schwingerkönig-Titel. Der junge Berner lernt sehr schnell. Ich bin überzeugt, dass er aus den beiden Niederlagen gegen Giger am Weissenstein-Schwinget seine Lehren gezogen hat. Das beeindruckende Notenblatt des Sennenschwingers mit Innerschweizer Wurzeln lässt aufhorchen. Und wie er Nick Alpiger, den Sieger des «Innerschweizerischen», bodigte, zeugt von Extraklasse. Schafft der Berner Mittelländer am «Eidgenössischen» gar die Sensation?
Mit Kilian Wenger habe ich einen weiteren Berner als Topfavoriten auf meiner Liste. Trotz manchmal unkonstanten Auftritten hat der Schwingerkönig von 2010 eine Klasse, welche ihn durchaus nochmals auf den Königsthron hieven könnte. Ich habe öfters das Gefühl, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Da kommt doch irgendwann nochmal was… Wenn der 29-Jährige sich seiner Stärken auch gegen Top-Schwinger wieder vermehrt bewusst ist und wieder so konsequent schwingt wie zu seinen besten Zeiten, dann ist tatsächlich nichts unmöglich. Die Auftritte auf dem Brünig und am Bernisch Kantonalen werden diesbezüglich noch mehr Aufschluss geben.

feldwaldwiesenblogger

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