Fast wie ein Märchen: Thomas Inniger’s überraschender Kranzgewinn am «Eidgenössischen»

Text: feldwaldwiesenblogger

Thomas Inniger darf sich seit vergangenem Sonntag Eidgenössischer Kranzschwinger nennen! Mit diesem überraschenden Erfolg hätten wohl nur die wenigsten gerechnet. Er zeichnete sich aber dank einer starken Saison ab. Der Berner Oberländer gewann diese Saison drei Gauverbands-Kränze, nämlich am Bern-Jurassichen, Seeländischen und Oberländischen Schwingfest. Und quasi als Nagelprobe kam am Bernisch Kantonalen in Münsingen der erste Teilverbandskranz hinzu. Dann schlugen die Stunden von Thomas: In Zug wuchs er vor allem am Sonntag förmlich über sich hinaus, gewann insgesamt fünfmal und bodigte dabei die beiden Eidgenossen Raphael Zwyssig und Michael Bless. Der verdiente Lohn ist Rang 9b mit 75.25 Punkten und der erste Eidgenössische Kranz.
Wer aber ist Thomas Inniger? Im folgenden Beitrag versuche ich den jungen Adelbodner etwas besser kennen zu lernen. Nur so viel vorweg: Es mutet fast wie ein Märchen an, nach einer dreijährigen Verletzungs-Odyssee.


Überglücklich durfte Thomas Inniger den Eidgenössischen Kranz in Empfang nehmen
Bild: Thomas Inniger

Mitglied bei der Schwingersektion Adelboden
Das Geburtsdatum von Thomas, welcher aus Adelboden stammt, ist der 9. Mai 1997. Der 22-Jährige wohnt derzeit in Diemtigen, ist ledig und weist mit seiner Grösse (180 Zentimeter) und seinem Gewicht (103 Kilogramm) athletische Masse für den Schwingsport auf. Der frisch gebackene «Eidgenosse» absolvierte eine Ausbildung zum Heizungs-Installateur, später eine Weiterbildung zum Heizungsplaner und arbeitet momentan auf diesem Beruf in Adelboden. Die Zeit, die nebst der Arbeit und dem Schwingsport übrigbleibt, nimmt er sich für seine Freundin und für das Biken.
Der Sennenschwinger ist Mitglied bei der Schwingersektion Adelboden, welche dem Oberländischen Schwingerverband angehört. Da die Schwingersektion Adelboden nur über vier Aktive verfügt, trainieren sie zusammen mit den Schwingklubs Reichenbach, Frutigen und Aeschi. Thomas gehört zudem einer Trainingsgruppe mit Berner Oberländer Schwingern an.
Im Winter wird sechs- bis siebenmal pro Woche trainiert, wovon zwei bis drei Schwingtrainings und der Rest aus Kraft- und Konditionseinheiten besteht. Während der Saison trainiert der Heizungsplaner viermal: Zwei Schwingtrainings und zwei Kraft- und Konditionseinheiten stehen dann auf dem Programm.

Der zehnte Kranzgewinn ist zugleich der erste Eidgenössische Kranz
Das am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest gewonnene Eichenlaub ist Kranz Nummer zehn für Thomas, und stellt sein bisheriges Karrieren-Highlight dar. Nebst den eingangs erwähnten Saisonkränzen holte sich Thomas letztes Jahr am Schwarzsee den ersten Bergkranz und gewann bisher insgesamt sieben Gauverbands-Kränze. Sehr wichtig ist für ihn der Kranz 2018 am Mittelländischen Schwingfest, welchen er nach drei Jahren Verletzungspause erreichen konnte. Diesen Erfolg stuft er gleich nach dem Gewinn des Eidgenössischen Kranzes ein. Weitere schöne Erfolg sind der diesjährige Sieg am Engstlig-Schwinget ob Adelboden, die Schlussgangteilnahmen am Engstlig-Schwinget 2014 und am Rellerialp-Schwinget 2018.
Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz, Wyberhaken und der Fussstich. Der Sennenschwinger schwingt seit 2004 und gewann als Jungschwinger 147 Zweige und errang etwas mehr als 70 Siege.
Zum Schwingsport kam der Adelbodner durch seinen Vater: «Mein Vater nahm mich als Siebenjähriger an ein Training vom Schwingklub Adelboden mit, und es hat mich von Anfang an gepackt. Mein Vater hatte früher auch geschwungen, musste seine Karriere aber wegen Verletzungen früh beenden. Während meinen Jungschwingerjahren schwang ich zusammen mit sieben Cousins von mir, diese sind heute aber nicht mehr aktiv.»


Thomas bezwang im alles entscheidenden achten Gang Michael Bless
Bild: Yves Brechbühler

Herzliche Gratulation zum Eidgenössischen Kranz! Was für Gedanken begleiteten dich bei der Krönung?
«Das ist schwierig in Worte zu fassen, und ich habe den Kranzgewinn noch nicht ganz realisiert. Während der Krönung empfand ich einfach nur pure Freude und ich war überglücklich, diesen Moment erleben zu dürfen.»

Hast du vorgängig je mit diesem Kranzgewinn gerechnet?
«Wenn man nicht daran glaubt, muss man nicht ans Eidgenössische. Ich rechnete nicht unbedingt damit, aber ich habe daran geglaubt, dass es funktionieren könnte.»

Mit zwei bezwungenen Eidgenossen bist du förmlich über dich hinausgewachsen. Wie kommt das?
«Am Sonntag bin ich tatsächlich über mich hinausgewachsen. Am Samstag lief es weniger gut. Ich wusste am Sonntag, dass ich jetzt muss. Es zeigte mir dabei, dass es aufgeht, wenn man daran glaubt.»

Wie lief der für dich alles entscheidende achte Gang ab?
«Von dem Moment an, als die Paarung bekannt war, befand ich mich im Tunnel. Ich wusste, dass ich ihn nehmen muss. Ich legte mir meine Taktik zurecht, und es ging für mich auf. Ich konnte Michael Bless mit einem Kurz bezwingen. Ein anderes Mal klappt’s vielleicht nicht, diesmal war das Glück aber auf meiner Seite.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Eidgenössischen Schwingfest?
«Dass vieles möglich ist, wenn man daran glaubt und die Tagesform stimmt. Wir Athleten erlebten ein toporganisiertes Fest und der Berner Staff machte für uns alles. Es war ein wunderschönes ESAF. Mein erstes Eidgenössisches samt Kranzgewinn wird mir immer in bester Erinnerung bleiben.»


Am diesjährigen Engstlig-Schwinget ob Adelboden schwang Thomas obenaus
Bild: Thomas Inniger

Du hast deinen ersten Kranz 2014 gewonnen, den Zweiten letztes Jahr. Was ist in dieser langen Zeitspanne passiert?
«Ich musste in dieser Zeit etliche Operationen über mich ergehen lassen, eine jagte quasi die andere. Der Ausgangspunkt war vor einigen Jahren ein Bike-Unfall, dabei wurde mir ein Knorpel an einem Knie abgesprengt. Beim Schwingen sprengte es wegen diverser Schläge noch mehr Knorpel ab, und zwar links wie rechts. Meine beiden Knie mussten gesamthaft achtmal operiert werden, fünfmal am linken und dreimal am rechten Knie. 2015 und 2016 bestritt ich je ein Kranzfest, musste aber beide Male wieder abbrechen, da meine Knie den Belastungen nicht standhielten. 2017 bestritt ich gar kein Fest.»

Rücktritt war nie ein Thema?
«Eine Zeit lang ging man davon aus, dass es nicht mehr geht, und ein Rücktritt unumgänglich ist. Als ich im Herbst 2017 wieder das Schwingtraining aufnahm, stellte ich zu meiner Erleichterung fest, dass meine Knie den Belastungen standhielten. In dieser Zeit kam die Hoffnung zurück, dass meine Karriere weitergeht.»

Woran hast du dich in dieser Zeit geklammert?
«2012 habe ich auf ein Blatt Papier geschrieben, dass ich 2019 den Eidgenössischen Kranz gewinnen werde. Ich habe immer daran geglaubt, und wollte dies unbedingt schaffen. Vorher wäre ich nicht zufrieden gewesen.»

Wie würdest du deine Schwingweise bezeichnen?
«Lange galt für mich: Entweder – oder, und ich nahm volles Risiko. Nach den Knieproblemen habe ich meine Schwingweise etwas umgestellt. Deswegen und auch aufgrund meiner Körpergrösse entwickelte ich mich zu einem Konterschwinger. Ich schwinge aber auch offensiv, wenn es sein muss.»

2014: Erster Kranz, 2018: Erster Bergkranz, 2019: Erster Teilverbands- und Erster Eidgenössischer Kranz. 2020: Erster Kranzfestsieg?
Thomas lacht. «Diese Woche habe ich mir überlegt, was ich nächstes Jahr will, denn mein langersehntes Ziel mit dem Eidgenössischen Kranz habe ich nun erreicht. Ich werde aber in der Winterpause schon etwas finden, was mich auch nächstes Jahr motiviert. Ein Kranzfestsieg im Bernbiet mit den vielen Spitzenschwingern und dem breiten Mittelfeld ist sicher hochgegriffen. Das wird hart.»

An welchen Rangschwingfesten wird man dich 2019 noch antreffen?
«Eventuell am Chemihütte-Schwinget in Aeschiried. Ich lege bis Ende Oktober eine Trainingspause ein. Anfangs November beginne ich den Aufbau mit Kraft- und Konditionstraining sowie mit Schulschwingen.»

feldwaldwiesenblogger

Beobachtet: Die Gänge von Schwingerkönig Christian Stucki und vom Erstgekrönten Joel Wicki

Text: feldwaldwiesenblogger

Das wunderbare Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug ist bereits wieder Geschichte. Als Innerschweizer mag ich nicht mit unserem Schicksal hadern, und nehme es so sportlich wie der Erstgekrönte Joel Wicki. Hut ab vor dem Mann aus Sörenberg, wie sich dieser hinterher fair, dankbar und glücklich zeigte.
Klar ist auch: Der neue Schwingerkönig Christian Stucki hat den Titel nicht gestohlen. Man blicke nur auf sein Notenblatt, und staune einfach nur.
Deshalb würdige ich diesen Beitrag den beiden besten Schwingern an diesem ESAF, und schaue auf deren Gänge zurück. Denn diese habe ich vor Ort live beobachtet, zusammengefasst und auf den Schwinger-Blog gestellt.


Schwingerkönig Christian Stucki und der Erstgekrönte Joel Wicki werden geschultert
Bild: suedostschweiz.ch

1. Gang
Wicki Joel – Aeschbacher Matthias: Wicki kommt im ersten Zug mit einem wuchtig gezogenen Kurz zu einem Plattwurf. Die Arena tobt!

Reichmuth Pirmin – Stucki Christian: Auch in diesem Gang ist Pep drin. Stucki legt Reichmuth nach kurzer Gangdauer mit einem hoch gezogenen Kurz platt ins Sägemehl. Stucki ist heiss und hungrig, und avanciert zu einem Topfavoriten auf den Königstitel.

2. Gang
Stucki Christian – Bieri Christoph: Stucki versucht sich mit Kurz, beim dritten Anlauf kommt er durch, und kann Bieri zum Resultat überdrehen. Stucki ist auf Kurs.

Anderegg Simon – Wicki Joel: Wicki kommt zu seinem zweiten Sieg. Beim zweiten Kurzversuch bringt er Anderegg zu Boden und kann dort vervollständigen. Auch der Sörenberger ist auf Kurs.

3. Gang
Stucki Christian – Suppiger Werner: Man darf gespannt sein, wie der Verteidigungskünstler Suppiger sich gegen den Seeländer Hünen verhält. Erst geht‘s für den Luzerner gut, bis Stucki zu einem wuchtigen Kurzzug ansetzt und Suppiger platt bezwingt. Dabei staucht es Suppiger derart zusammen, dass er erst liegen bleibt und gepflegt werden muss. Er kann schliesslich selber aus der Arena laufen.

Wicki Joel – Lengacher Jonas: Wicki kommt im ersten Zug mit einem wuchtigen Kurz zu einem Plattwurf und zu seinem dritten Sieg. Stark!

4. Gang
Bei der WC-Pause zwischen dem dritten und vierten Gang traf man vor dem stillen Örtchen Hausi Leutenegger an. Zu seinen Kollegen sagte er ziemlich laut, damit man es ja vernahm: „Dr Wicki nimmt hüt alli, au dr Stucki!“

Herger Matthias – Stucki Christian: Auf’s Gut legt Stucki gleich los und beim zweiten Zusammengreifen zieht der Berner wuchtig Kurz und legt den Urner platt ins Sägemehl. Was für ein starker Tag von Stucki!

Schneider Domenic – Wicki Joel: Wicki kommt im ersten Zug zu seinem vierten Sieg. Mittels einem wuchtig gezogenen Kurz legt der Luzerner den Thurgauer platt ins Sägemehl. Was für ein Ding! In der Arena wird’s kurzzeitig ziemlich laut.


Schwingerkönig Christian Stucki mit dem Siegermuni Kolin
Bild: zentralplus.ch

5. Gang
Stucki Christian – Wicki Joel: Der Grössenunterschied ist schon markant. Wer bei diesem Kampf wohl die Oberhand behält? Stucki zieht einmal mit Kurz an, Wicki kann dagegen halten. Beide Schwinger greifen sehr eng, und lassen seinem Gegner keine Chance. Schliesslich zieht Wicki ebenfalls mit Kurz, auch Stucki hält dagegen. Stucki zieht wieder und bringt Wicki zu Boden – noch kein Resultat. Wicki versucht sich mit Kurz und Innerem Haken und kann den Seeländer Hünen ins Sägemehl bugsieren – auch ohne Resultat. Der Gang kennt dennoch keinen Sieger – gestellt. Beiden Schwingern wird eine 9.00 geschrieben. Dieser Kampf hat sicher beide Athleten viel Kraft gekostet.

6. Gang
Wicki Joel – Bless Michael: Wicki zieht mit Kurz blitzschnell und wuchtig an und leert Bless übers Knie ab. Was für eine Schnellkraft des Sörenbergers!

Stucki Christian – Orlik Armon: Erst wird belauert. Stucki versucht sich dann mit Kurz, kommt aber nicht durch. Stucki probiert’s mit Fussstich, Orlik versucht nachzuziehen – erfolglos. Da wirken Riesenkräfte, hier Stucki mit seiner Rohkraft, da Orlik mit seiner tollen Athletik. Wer findet einen Weg? Oder versucht Orlik, wie Wicki, mit einem „Gestellten“ durchzukommen? Stucki versucht nochmals einen halbherzigen Angriff, Orlik belässt’s mit der Verteidigung. Der Gang endet schliesslich gestellt. Stucki erhält eine 9.00, Orlik die Note 8.75. Kann Stucki den Schlussgang trotzdem erreichen?

7. Gang
Stucki Christian – Schneider Domenic: Stucki greift sofort an, bringt Schneider mit einem Kurz ins Sägemehl und bearbeitet ihn dort zur endgültigen Kapitulation. Der Gang Orlik Armon – Schurtenberger Sven wird entscheiden, ob Christian Stucki den Einzug in den Schlussgang schafft.

Wicki Joel – Orlik Curdin: Wicki zieht mit Kurz an, und Orlik schlunggt am Boden ab – gefährlich. Der Sörenberger versucht’s wieder mit Kurz und kommt wieder nicht durch. Schliesslich bringt Wicki Orlik mit Übersprung zu Boden, das war’s aber noch nicht. Wicki versucht’s erneut, und bettet den Berner Schwinger mit einem satten Kurz ins Sägemehl – der Luzerner erhält dafür die Note 10 und steht im Schlussgang.

Fazit nach dem siebten Gang: Im Schlussgang stehen Joel Wicki und Christian Stucki. Da Wicki mit 1.25 Punkten vorausliegt, ist er jetzt schon mindestens Erstgekrönter.


Der Erstgekrönte Joel Wicki mit seinem Lebendpreis
Bild: blick.ch

Schlussgang
Christian Stucki bezwingt im Schlussgang beim zweiten Zusammengreifen Joel Wicki mit einem kräftigen Kurzzug und wird Schwingerkönig – Herzliche Gratulation!
Da Wicki zuvor einen grossen Vorsprung hatte, kommt er in der Endabrechnung auf gleich viele Punkte wie Stucki und darf sich von nun an Erstgekrönter nennen – Auch an seine Adresse: Herzliche Gratulation!

Mein Fazit – gleich nach dem Eidgenössischen
Dass es schon wieder keinen Innerschweizer König gibt, grenzt irgendwie an Ironie. Zudem gemahnt der Erstgekrönte Joel Wicki an die Tragik von Eugen Hasler, einfach mit anderen Vorzeichen.
Ein schönes Fest fand aber mit einem würdigen Schwingerkönig Christian Stucki einen märchenmässigen Abschluss. Chrigu steigt nun gewissermassen zu Jörg Abderhalden auf, und hat wie der Toggenburger auch den „Schwinger-Grand-Slam“ geschafft. Stark!
Bei Eidgenössischen Schwingfesten werden Legenden geboren, so auch heute! Mit einem lachenden, aber auch weinenden Auge (ich bin ja schliesslich Innerschweizer) mache ich mich nun auf den Heimweg. Tschüss und schönen Abend!

feldwaldwiesenblogger

Vorfreude auf’s ESAF: Gedanken zu drei Stichpunkten

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute wird in Zug das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) feierlich eröffnet. Zig-Tausend Besucher strömen heute schon an den Ort des Geschehens, um einen ersten Eindruck zu erhalten, zu feiern und ihr Nachtlager aufzuschlagen.
Meine Wenigkeit freut sich zusammen mit der Schwinger-Schweiz auf den Anlass, und hat sich unter der Woche Gedanken zu drei Stichpunkten gemacht: «Die Spitzenpaarungen», «Wer wird Schwingerkönig?» und «Was für Überraschungen erwarten uns?».


Samuel Feller, Chef-Einteiler am «Eidgenössischen»
Bild: Radio Central

Die Spitzenpaarungen
Am Mittwochabend, Punkt 22 Uhr, wurden die von Samuel Feller (ESV-TK-Chef) erstellten Spitzenpaarungen bekanntgegeben. Was darüber inzwischen geschrieben, diskutiert und «gewerweisst» wurde, ist unglaublich. Wenn man gewisse Medien aufmerksam verfolgt hatte, bekam man das Gefühl, dass der Schwingerkönig-Titel bereits im ersten Gang «gemacht» wird. Dabei gibt es etliche Beispiele, mit Jörg Abderhalden ein sehr prominentes, wo der erste Gang verloren ging und der Titel dennoch geholt wurde.
Samuel Feller wurde zudem unterstellt, dass er als Berner mit der «Berner Brille» die Spitzenpaarungen einteilte und die Einteilung ab dem zweiten Gang auch dementsprechend anführen wird. Wie wäre das, wenn der Chef-Einteiler aus der Nordwest- oder Südwestschweiz kommen würde? Wäre diesem gar das Prädikat «gekauft von den Bernern» angeheftet worden?
Desweiteren wird Thedy Waser (TK-Chef der Innerschweizer) nachgesagt, dass er ein lieber Kerl ist, und als der schwächste und am wenigsten durchsetzbare Mann in der Einteilung gilt. Wirklich? Wieso haben ihn dann die Innnerschweizer Verantwortlichen in dieses Amt gewählt? Nein, nein, «überhöht» mal bloss nicht die Einteilung und deren Mitglieder. Geschwungen wird auf dem Platz, und ein würdiger Schwingerkönig und ein würdiger Kranzgewinner muss seine Gegner bodigen, mögen sie heissen wie sie wollen.


Joel Wicki, einer der Königskandidaten
Bild: joelwicki.ch

Wer wird Schwingerkönig?
Diese Frage ist natürlich schwierig zu beantworten. Wenn man aber auf einen Schwinger aus dem Sextett Samuel Giger, Pirmin Reichmuth, Joel Wicki, Armon Orlik, Matthias Aeschbacher und Christian Stucki tippt, wird man wohl kaum gross daneben liegen. Wenn ich heute einen Königs-Tipp abgeben müsste, würde ich einfach auf die «Fantastischen Vier» mit Giger, Reichmuth, Wicki und Orlik setzen. Zuletzt habe ich auch bei einigen Experten rausgespürt, dass sie viel auf einen König Wicki setzen würden. Wenn der mal in einen Lauf gerät, wie beispielsweise anfangs Juni auf dem Stoos – dann Gnade seiner Konkurrenz. Ähnliches würde ich auch von Samuel Giger behaupten, welcher an zwei guten Tagen einfach keinen Gegner fürchten muss. Aber: Wenn Pirmin Reichmuth so schwingt wie zu seinen allerbesten Tagen in diesem Jahr, dann ist auch gegen ihn kein Kraut gewachsen. Oder: Ein topfitter Armon Orlik schwingt alles in Grund und Boden. Und dann? Möglich ist je nach Konstellation, dass zwei aus diesem Quartett im Schlussgang stehen, sich gegenseitig geschickt neutralisieren und miteinander stellen. Die Frage wäre dann, wer hätte am Schluss die meisten Punkte auf seinem Konto: Einer, welcher im Schlussgang stand, oder ein Schwinger, welcher nachrücken könnte? Das Resultat wäre dann ein «Erstgekrönter» und keine Vergabe des Schwingerkönig-Titels. Mit diesem Szenario muss man bei der Ausgeglichenheit der Spitzenleute tatsächlich rechnen. Hoffen tut dies keiner. Denn: Wie soll man das den ESAF-Zuschauern verklickern, welche sonst nie an einem Schwingfest anzutreffen sind?
Die Berner will ich natürlich nicht vergessen, ebenfalls Nick Alpiger nicht. Ein weiteres Mal beginne ich den Satz mit «wenn»: Wenn ein Stucki inzwischen seine Topform gefunden hat, oder Matthias Aeschbacher seinem Vornamen alle Ehre tut (die Schwingerkönige von 2016 und 2013 heissen «Matthias»), dann gibt es ein weiteres Mal einen Berner Schwingerkönig. Nichts ist unmöglich, ebenso bei einem gesunden Nick Alpiger. Wie dieser am «Innerschweizerischen» auftrat, und sich den Sieg im wohl derzeit besten Teilverband gewann, ist auch ein Kandidat für die Königskrone.


Sorgt Michael Wiget für die ganz grosse Überraschung?
Bild: Michael Wiget

Was für Überraschungen erwarten uns?
Ich sehe aber auch ganz gefährliche Überraschungsleute. Allen voran der Aufsteiger des Jahres, Michael Wiget, welcher diese Saison schon so manchen Eidgenossen ins Sägemehl gebettet hat. Aber auch Fabian Staudenmann ist so ein Kandidat. Über ihn habe ich schon gehört, dass er auftrete wie seinerzeit der junge Kilian Wenger. Weiter darf man die beiden Nordwestschweizer Talente Joel Strebel und Andreas Döbeli nicht vergessen. Hier gilt aber anzufügen, dass bisherige Schwingerkönige meist aus einem starken Teilverband hervorgingen, welche als Einheit auftraten.
Spinnt man aber das Szenario vom obigen Abschnitt weiter, und geht davon aus, dass sich die Topleute gegenseitige «Gestellte» anhängen, dann könnte letztendlich einer der Überraschungsleute im Schlussgang stehen – Und die Überraschung wäre perfekt.
Überraschungen dürfte es einige geben, auch «saftige». Die Einstellung und Vorbereitung auf den Tag «X» ist enorm wichtig. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest ist für die Schwinger wie Olympische Spiele. Und auch an diesen erleben wir immer wieder Überraschungen. Es wird Schwinger geben, die werden richtiggehend über sich hinauswachsen. Andere sind nicht wieder zu erkennen.
Der Verlauf am ESAF könnte beispielsweise überraschende Wendungen annehmen. Wenn etwa die etwas gar gebeutelt betitelten Berner sich in einen Rausch schwingen, und die Innerschweizer und Nordostschweizer einfach keine Antwort darauf finden. Möglich ist auch ein Hin- und Herwogen zwischen den drei besten Teilverbänden.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Geschwungen wird in den sieben Sägemehlringen – Einteilung, Diskussionen und Brimborium hin oder her. Zu hoffen ist einfach, dass am Sonntagabend ein würdiger Schwingerkönig ausgerufen werden kann.

feldwaldwiesenblogger

Die Schwyzer Schwinger sind bereit für das «Eidgenössische»

Text: Pascal Betschart / Foto: Marcel Steinauer / Bearbeitung: feldwaldwiesenblogger

Am letzten Freitag hat das letzte Schwingtraining im Aussenplatz in Rothenthurm stattgefunden. Die Schwyzer Schwinger sind nun bereit für den grossen Event. Dabei übten sie nochmals ihre Schwünge und führten auch rege Diskussionen über das bevorstehende Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) in Zug.


Die Schwyzer Schwinger beim letzten Training vor dem «Eidgenössischen»

Ziele sind klar
«Die Ziele sind klar, auch wir streben den Schwingerkönigtitel an», war in Rothenthurm zu vernehmen. Es wurden jedoch auch einige Stimmen laut, welche dies anzweifeln. Und weiter: «Wollen wir den Schwingerkönigtitel in die Innerschweiz holen, muss der Innerschweizerische Schwingerverband (ISV) gemeinsam und als Team gestärkt in Zug antreten.»
Der Schwyzer Kantonale Schwingerverband wünscht den Schwyzer Schwingern alles Gute für das Eidgenössische, und hofft auf viele Kränze.
Der Schreibende ist selber Schwyzer, und schliesst sich den guten Wünschen an.

feldwaldwiesenblogger

Augenschein in Zug: Hier entsteht etwas Grossartiges!

Text und Fotos: feldwaldwiesenblogger

Das ging jetzt schnell! Noch eine Woche bleibt bis zum Saisonhöhepunkt, dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest (kurz ESAF) in Zug. Nachzulesen gibt es dieser Tage viel. Schliesslich will man ja am 24. und 25. August gut vorbereitet am Ort des Geschehens dabei sein.
Letzten Samstag nahm der Schreibende auf dem Gelände des «Eidgenössischen» selber einen Augenschein, und konstatierte hinterher: Hier entsteht etwas Grossartiges, noch aber herrscht die berühmte Ruhe vor dem Sturm.


Stierenmarkt-Areal
Auf dem Stierenmarkt-Areal, wo sich unter anderem der Gabentempel, die Lebendpreise, die Gabenbeiz, die Schwingerbar und die ESAF-Skulptur befinden, werden in einer Woche garantiert mehr Leute sein. Hier ist schön zu sehen, wie sich die Stadt Zug geschickt zwischen Tradition, Moderne und Natur versucht.


Gabentempel, zwischen Tradition und Moderne
Ähnlich im Gabentempel, in welchem für rund eine Million Franken «Gaben» für die kämpfenden Schwinger und die Steinstösser bereitstehen. Hier ist der «Schlungg» zwischen traditionellen und modernen Preisen ebenfalls perfekt gelungen. Jeder Schwinger und Steinstösser erhält ein schönes Präsent.


Siegermuni Kolin mit Betreuer Mändel Nussbaumer
Mändel Nussbaumer kümmert sich seit zweieinhalb Jahren einen Tag pro Woche um den Siegermuni. Mändel putzt und stylt Kolin, geht mit ihm spazieren und bereitet ihn auf Auftritte vor. Wenn der neue Schwingerkönig statt des Munis lieber das Geld möchte, würden ihm 30’000 Franken überreicht.


In Gabenbeiz das Team der Innerschweizer angetroffen
Zu einem Gabentempel gehört am ESAF auch eine ordentliche Gabenbeiz. In dieser nahm ich ein feines Mittagessen ein, genau wie das 85-köpfige Team der Innerschweizer Schwinger. Diese hatten just an jenem Tag einen Team-Event auf dem Festgelände und wurden überdies für das ESAF eingekleidet.


Neben der Gabenbeiz befindet sich die Schwingerbar
Der Schreibende konnte es sich nicht verkneifen, einen Blick in die gleich neben der Gabenbeiz befindliche Schwingerbar zu werfen. Auch hier: Es hatte in der wunderschön eingerichteten Bar noch viel Platz. Das wird sich aber in Bälde ändern. Die abgespielte Musik lief in einem dezenten Ton und trifft genau den Geschmack des Schwingervolkes.


ESAF-Skulptur von Stephan Schmidlin
Die vom Künstler Stephan Schmidlin erschaffene ESAF-Skulptur befindet sich auf dem Vorplatz des Gabentempels und der Gabenbeiz. Ein schmuckes Teil, und sie ist eindrücklich. Folgendes fand ich dazu in der Luzerner Zeitung: «Die Skulptur ist vier Meter hoch und drei Meter breit, auf einem Sockel aus Holz mit rund drei Meter Durchmesser und zehn Tonnen schwer.»


Schwingerallee
Der Weg vom Stierenmarkt-Areal zur Schwinger-Arena führt über die Allmendstrasse, oder die «Schwingerallee», wie sie am ESAF genannt wird. Letzten Samstag lief man diesen Weg ab, an welchem dann am Festwochenende zig-Stände ihre Waren und Köstlichkeiten feil haben werden.


Herzstück des Festgeländes
Nach der Schwingerallee folgt der Zugang zum Herzstück des Festgeländes: Eine äusserst beeindruckende Perspektive! Die Zug Arena bietet 56’500 Personen Platz, in welcher hoffentlich ein Feuerwerk an spektakulärem Schwingsport gezündet wird.


Zu – es wird noch fertig gebaut!
Natürlich konnte der staunende Betrachter nicht einfach so in die Arena reinlaufen. Schliesslich war sie zum Zeitpunkt der Entstehung des Fotos noch eine Baustelle. Und diese dürfen in der Schweiz nicht einfach so ohne Genehmigung und entsprechende Sicherheitsausrüstung betreten werden.
Richtig so!


Arena nahe an Wohnsiedlung
Die Zug Arena grenzt ziemlich nahe an eine Wohnsiedlung. Wie man sich aber vor Ort selber überzeugen konnte, sollte dies keine Probleme verursachen. Das Gelände ist entsprechend gekennzeichnet und abgegrenzt, und wie man weiss, verhalten sich die Schwingerfreunde anständig.


Allen ein schönes Fest!
Zum Schluss schliesse ich mich den Wünschen der Korporation Zug an, und wünsche allen ein schönes Fest!

feldwaldwiesenblogger

Was für ein herrlicher Tag auf der Schwägalp!

Text: feldwaldwiesenblogger

Einen Tag nach dem wunderbaren Schwingfest auf der Schwägalp, welches bei schönstem Sommerwetter durchgeführt werden konnte, verfasste ich aus meinen am Schwinget gemachten Notizen einen Blogbeitrag. Dabei beobachtete ich unter anderem auch die einzelnen Gänge der beiden Sieger Samuel Giger und Daniel Bösch.

Vor dem Schwingfest
Die Anfahrt auf die wunderschön gelegene Schwägalp lief ohne Probleme und Verkehrsbehinderungen. Der Schreibende fuhr ja schliesslich schon kurz nach fünf Uhr morgens in Muotathal ab. Angekommen am Ort des Geschehens wusste ich: Ein wunderbarer Tag mit schönstem Wetter erwartet uns auf der Schwägalp. Der Schwinget am Fusse des Säntis ist mittlerweile das grösste der fünf kranzberechtigten Bergschwingfeste. Dieses Jahr konnte sogar ein kleines Jubiläum gefeiert werden: Die Austragung als kranzberechtigtes Fest fand 2019 zum 20. Mal statt.


Medienchef Valentin Hörler (ganz rechts) und seine beiden Assistenten
Bild: feldwaldwiesenblogger

An der morgendlichen Medienorientierung erfuhr man, dass Valentin Hörler das Amt als Medienchef nach diesem Anlass an Karl Metzger weitergibt. Hörler versah dieses Amt umsichtig und souverän an zehn Schwägalp-Schwingfesten.


Die beiden SRF-Moderatoren Jörg Abderhalden (links) und Stefan Hofmänner
Bild: feldwaldwiesenblogger

Gleich links neben meinem Schreibplatz versahen die beiden SRF-Moderatoren Stefan Hofmänner und der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden ihren Job. Abderhalden ist notabene zweifacher Schwägalp-Sieger.

OK-Präsident Niklaus Hörler erklärte zu Beginn des Schwingfestes, dass in der Schwägalp-Arena 7‘692 Sitzplätze und eine unbegrenzte Anzahl Stehplätze angeboten werden. Die tatsächliche Zuschauerzahl wurde am Nachmittag mitgeteilt: 13‘250.

Notizen aus dem 1. Gang
Bösch Daniel – Mathis Marcel: Etwas überraschend brachte Mathis nach kurzem Abtasten Bösch zu Boden und konnte zum Resultat vervollständigen.

Giger Samuel – Nötzli Reto: Erst wurde abgetastet, und Nötzli versuchte zu verteidigen. Schliesslich kam Giger mit einem Plattwurf zum Erfolg.

Notizen aus dem 2. Gang
Während dem zweiten Gang wurde die Arena so langsam aber sicher von schönstem Sonnenschein in Beschlag genommen.


Armon Orlik musste den Wettkampf nach dem ersten Gang aufgeben
Bild: schlussgang.ch

Leider gab’s auch eine Hiobs-Botschaft: Armon Orlik musste den Wettkampf verletzt aufgeben. Wie man erfahren hatte, gab’s beim Einlaufen einen Zwick im Rücken. Die damit verbundenen Schmerzen liessen ein Weitermachen nicht mehr zu. Zudem soll es laut Medienchef Valentin Hörler explizit keine Vorsichtsmassnahme gewesen sein. Wie man aus dem Bündner Umfeld vernahm, soll die Rückenverletzung aber nicht allzu gravierend sein. Hoffen wir, dass der Bündner Eidgenosse in zwei Wochen beim Eidgenössischen mittun kann.

Bösch Daniel – Arztmann Beda: Bösch kam sehr rasch zum ersten Sieg. Im ersten Gang zog der St. Galler gegen Marcel Mathis den Kürzeren.

Kramer Lario – Giger Samuel: Giger kam beim dritten Zusammengreifen mit Kurz und vervollständigen am Boden zu seinem zweiten Siegkreuzlein.

Notizen aus dem 3. Gang
Bösch Daniel – Giger Urs: Bösch brachte Giger am Sägemehlrand mit Kreuzgriff zu Boden und konnte am Boden die starke Brücke des Appenzellers eindrücken. Urs ist der ältere Bruder von Samuel Giger.

Giger Samuel – Mathis Marcel: Giger versuchte sich mit Kurz, Mathis konterte sogleich mit dem Ansatz eines Übersprungs. Die Angriffsversuche des Thurgauers tropften erst am sich sehr gut verteidigenden Nidwaldner ab. Schliesslich brachte Giger seinen Gegner mit Übersprung zu Boden und konnte dort unter lauten „Sämi“-Rufen Mathis zum Resultat überdrehen.


Die Schwägalp-Arena erstrahlte in schönstem Sonnenschein
Bild: feldwaldwiesenblogger

Notizen aus dem 4. Gang
Bösch Daniel – Roth Martin: Mit Kurz und Nachdrücken bezwang der St. Galler Bösch den Appenzeller Roth.

Giger Samuel – Geisser Lars: Im ersten Zug kam Giger mit Wyberhaken zu einem Plattwurf, und dominierte so den Schwägalp-Schwinget auf eindrückliche Weise.


Nach dem vierten Gang folgte der Festakt
Bild: feldwaldwiesenblogger

Jetzt folgte der feierliche Festakt. Während diesem waren urchige Alphorn-, Jodel- und Trychler-Klänge zu vernehmen, unterstützt von zwei Fahnenschwingern. Während dem Festakt hielten OK-Präsident Niklaus Hörler und Bundespräsident Ueli Maurer stimmungsvolle Reden, welche mit viel Applaus quittiert wurden.

Notizen aus dem 5. Gang
Nun dauerten die Gänge acht Minuten.

Bösch Daniel – Schneider Domenic: Der animierte Gang zwischen den beiden Schwergewichten wogte hin und her. Schliesslich kam Bösch mit Fussstich und Lätz ableeren zu einem Plattwurf.

Giger Samuel – Müllestein Mike: Giger kam schon fast im ersten Zug mit Kurz zum Erfolg. Müllestein konnte sich aber geschickt ausdrehen. Müllestein versuchte sich aber auch mit Kurz-Lätz und Gammen. Einmal brachte er den Thurgauer fast auf den Rücken. Dennoch: Giger setzte sich mit einem wuchtigen Kurz und vervollständigen am Boden durch.

Die Schlussgang-Paarung stand nun fest: Samuel Giger und Marcel Mathis.

Notizen aus dem 6. Gang
Während des sechsten Ganges forderte der Speaker die Zuschauer auf, die Welle zu starten. Diese folgten gut gelaunt und unter lautem Gröhlen der Aufforderung und liessen die „La Ola“ durch die Arena branden.


Die „La Ola“ brandete durch die Schwägalp-Arena
Bild: feldwaldwiesenblogger

Es zeigte sich, dass Acht Minuten-Gänge langatmig werden können. Etliche Kämpfe zogen sich in die Länge. Man hatte das Gefühl, dass sich einige Schwinger schon von Anfang an auf diese Tatsache eingestellt hatten. Erfreuliche Feststellung: Die Spitzenpaarungen liefen fast ausnahmslos rasch ab.

Bösch Daniel – Gwerder Michael: Bösch brachte Gwerder zweimal in eine brenzlige Situation, dieser konnte sich aber beide Male geschickt ausdrehen. Bei einem weiteren Kurz-Versuch von Gwerder überzog sich der Schwyzer und der St. Galler Eidgenosse fing den Schwung ab und konnte einen Plattwurf landen. Man wusste zu diesem Zeitpunkt, dass Bösch bei einem gestellten Schlussgang und der Note 8.75 für Giger, Chancen auf den Co-Sieg hatte.
Übrigens: Der 18-Jährige Schwyzer konnte sich trotz Niederlage das begehrte Eichenlaub abholen, notabene der dritte Bergkranz in dieser Saison.

Schlussgang
Der Schlussgang zwischen Samuel Giger und Marcel Mathis endete nach 12 Minuten gestellt. Da beiden Schwingern eine 8.75 geschrieben wurde, konnte Daniel Bösch zum Thurgauer aufschliessen.

Beim wenig attraktiven Schlussgang versuchte Giger zu ziehen, Mathis wusste das aber auf seine ihm eigene Art geschickt zu verteidigen. Angriffsversuche landete der Nidwaldner nur andeutungsweise, aber dann brandgefährlich.


Samuel Giger reichte ein „Gestellter“ im Schlussgang für den Festsieg
Bild: Schwingen-Foto.ch

Samuel Giger lieferte nach seinem entfesselten Wettkampf auf dem Weissenstein erneut einen tollen Wettkampf und liess von Anfang an nichts anbrennen. Bei einigen Entscheidungen benötigte der Thurgauer ein wenig mehr Zeit. Diese nutzte er aber geduldig, und zeigt dabei, dass er vielseitiger geworden ist. Trotz gestelltem Schlussgang darf man behaupten: Giger ist bereit fürs „Eidgenössische“.


Daniel Bösch rollte nach seiner Starniederlage das Feld von hinten auf
Bild: schlussgang.ch

Aber auch Daniel Bösch ist bereit für Zug und wird garantiert auf seine Chancen lauern. Wegen einer Ellbogen-Verletzung musste er auf einige Schwingfeste verzichten. Von dem war gestern nichts mehr zu spüren. Der St. Galler ist rechtzeitig wieder genesen. Nach der Startniederlage gegen Mathis rollte er das Feld von hinten auf, und liess danach nichts mehr anbrennen.

feldwaldwiesenblogger

ESAF-Gigantismus, Schwägalp-Schwinget und Bernisch-Kantonales

Text: feldwaldwiesenblogger

Nun sind es gerade mal noch zwei Wochen bis zum «Eidgenössischen», dem alle drei Jahre stattfindenden Höhepunkt der Saison. So wie man aus den Medien und von den Organisatoren in Erfahrung bringen konnte, ist man in Zug so langsam aber sicher bereit. Heute Freitag beispielsweise werden der Gabentempel und die Gabenbeiz offiziell eröffnet.


Die ESAF-Arena in Zug (Bildanimation) steht bald bereit
Bild: zug-tourismus.ch

feldwaldwiesenblog und Schwinger-Blog
Vor so grossen Anlässen berichten praktisch alle Medien vom ESAF, dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest. Da fällt es einem «kleinen» Blogger wie mir manchmal schwer, ein Thema oder eine Geschichte aufzugreifen, die nicht schon auf dieser oder jener Plattform aufgegriffen wurde. Ehrlich gesagt, in «normalen» Schwingerzeiten habe ich weniger Mühe, ein Thema oder eine Geschichte zu beackern und zu beschreiben.
Da ich neben diesem Blog hier, dem feldwaldwiesenblog auch den Schwinger-Blog auf Facebook betreibe, entdecke ich täglich, was momentan alles über das Schwinggeschehen und das Eidgenössische geschrieben wird. Nämlich extrem viel! Auf dem Schwinger-Blog teile und verlinke ich alle möglichen Artikel über den Schwingsport, die ich finde. Und zwar über alle fünf Teilverbände hinweg verteilt. Der Frauenschwingsport kommt dabei auch nicht zu kurz. Den Schwinger-Blog betreibe ich als eine Art News-Seite oder Ticker über unseren Nationalsport. Kürzlich durfte ich den 5000. Follower, der einen «Gefällt mir»-Klick tätigte, begrüssen. Das macht natürlich Freude, ein herzliches Vergelt’s Gott!

Erlebnisberichte
Zurück zum riesigen Medienwirbel rund ums ESAF. Bei ausgedehnten Läufen mache ich mir jeweils viele Gedanken zu meinen beiden Blogs, der Aufmachung, und was ich als nächstes Thema abhandeln könnte. So kam mir diese Woche der Einfall, bis zum Eidgenössischen und auch während diesem, Erlebnisberichte abzufassen. Denn: Vorschauen, Interviews, Berichte, Einschätzungen und was weiss ich noch alles kann man momentan zu Hauf lesen – siehe die geteilten Beiträge auf meinem Schwinger-Blog. Ich werde auf dem feldwaldwiesenblog nun Erlebnisberichte über meine Beobachtungen bis Zug, und dann auch was rund ums ESAF alles passiert, schreiben. Ich erhielt zu meiner grossen Freude nämlich eine Presse-Akkreditierung fürs Eidgenössische, und bin den Verantwortlichen dafür sehr dankbar.
Was dort in den Sägemehl-Ringen passiert, muss ich nicht nochmal nachbeten. Denn das Geschehen am ESAF wird während zwei Tagen von SRF live übertragen. Natürlich sind dort auch zig-Medienvertreter anwesend, welche ihre Leser bedienen sollen. Meine Wenigkeit «beschränkt» sich deshalb aufs Beschreiben der Beobachtungen und das Erlebte.


Der Sieg auf der Schwägalp wird nebst Samuel Giger über Armon Orlik führen
Bild: schlussgang.ch

ESAF-Gigantismus
Und das ist jedes Mal einfach unglaublich! Die schiere Grösse der ESAF-Arenen und das Drumherum entlockten mir bisher jedes Mal ein grosses Staunen. Die Diskussionen über die Grösse und die Ausmasse sind in diesem Moment eigentlich zweitrangig. Den Organisatoren darf man dabei gleich mehrere Kränzchen winden. So einen Anlass aus dem Boden zu stampfen ist eine gewaltige Leistung, benötigt ein gut organisiertes Team, einen ausgezeichneten Standort und natürlich einen Haufen Geld. In meinen Augen sollten die Leitplanken für die Dimensionen nämlich nicht die Organisatoren selber, sondern der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) setzen.
Der ESAF-Gigantismus sollte meines Erachtens in Zug nun die Grenze des Machbaren erreicht haben. Es bleibt zu hoffen, dass für künftige «Eidgenössische» dementsprechend weitsichtig geplant und eine Art Redimensionierung ins Auge gefasst wird. Denn ein Anlass in dieser Grösse hat mit dem Kern des Schwingsportes nicht mehr viel zu tun. Zudem kann man derzeit täglich lesen, dass die wahren Schwingerfreunde nur schwer an Billette kommen. Viele der begehrten Tickets seien für Sponsoren und VIP’s reserviert, welche sich sowieso nicht für das Schwingfest interessieren. Stattdessen stopfen sich diese lieber den Bauch voll und gönnen sich literweise «Cüplis». Das mag ich nicht weiter kommentieren, enthält aber sicher einen Kern Wahrheit. Auch das Drumherum und die vielen Festhütten erinnert mehr an eine Chilbi oder an ein riesiges Musikfestival. Dazu kommt, dass man alle Konzerte gratis besuchen kann. Wenn die Veranstalter nur mal nicht überrannt werden…

Schwägalp-Schwinget
Nun stehen aber am kommenden Wochenende erstmal die letzten beiden Kranzfeste vor dem «Eidgenössischen» auf dem Programm: Der Schwägalp-Schwinget und das Bernisch-Kantonale Schwingfest in Münsingen. Diese beiden hochkarätig besetzten Anlässe sind für die Schwinger eine letzte Hauptprobe vor Zug. Wer jetzt nicht parat ist, wird es wohl auch in zwei Wochen nicht sein.
Auf der Schwägalp führt der Sieg ziemlich sicher über die beiden Topfavoriten Samuel Giger und Armon Orlik. Giger zeigte unlängst auf dem Weissenstein, in was für einer beneidenswerten Form er ist. Der in dieser Saison fünffache Kranzfestsieger Orlik dürfte nach seiner kurzen Verletzungspause wohl ebenfalls in einer Topverfassung antreten. Gefordert werden die Nordostschweizer von den Innerschweizern und den Südwestschweizer Gästen. Das ISV-Team ist diesmal nicht mit ihren grössten Tenören vertreten. Dennoch darf man auf das Abschneiden der vier Eidgenossen Marcel Mathis, Mike Müllestein, Reto Nötzli und Alex Schuler gespannt sein. Dem einen oder anderen NOSV-Topcrack werden sie garantiert ein Bein stellen können. Wer weiss, vielleicht schafft’s einer von ihnen gar in den Schlussgang. Die SWSV-Leistungsträger rund um Lario Kramer und Steven Moser, welcher nach einer langen Verletzungspause sein Comeback gibt, werden ebenfalls einem Härtetest unterzogen. Gewinnen sie auf der Schwägalp den Kranz, ist dies in Zug auch möglich.
Ich freue mich, live dabei sein zu können. Denn ich erhielt ebenfalls eine Medien-Akkreditierung und bedanke mich dafür bei Valentin Hörler, dem Pressechef. Anders als bei kleineren Schwingfesten, wo ich jeweils Gang für Gang für den Schwinger-Blog zusammenfasse und online stelle, werde ich am Fusse des Säntis ebenfalls einen Erlebnisbericht abfassen.


Ob Christian Stucki am Bernisch-Kantonalen zu alter Form zurückfindet?
Bild: bluewin.ch

Bernisch-Kantonales Schwingfest in Münsingen
Gespannt bin ich auf das Abschneiden von Rückkehrer Christian Stucki. Kann er gleich nach so einer langen Verletzungspause eine Duftmarke setzen, und dem Fest seinen Stempel aufdrücken? Schwingerkönig Kilian Wenger, der letztjährige Sieger, fehlt leider wegen Knieproblemen. Ein anderer Leistungsträger, nämlich Remo Käser, gibt nach einer Verletzungspause sein Comeback.
Die Ausgangslage ist offen, denn es mauserte sich während der Saison kein Berner zu einem totalen Überflieger. Die Siegschwinger Bernhard Kämpf, Matthias Aeschbacher oder Curdin Orlik zeigten bei ihren Einsätzen ihre Stärken, offenbarten aber auch gewisse Schwächen. Ich traue Michael Wiget, dem Aufsteiger der Saison, zu, dass er gar in den Schlussgang vorstossen könnte. Des Weiteren haben mich diese Saison die jungen wilden «Mutzen» Fabian Staudenmann, Kilian von Weissenfluh und Patrick Gobeli überzeugt. Allesamt Kandidaten für den Eidgenössischen Kranz. Für den amtierenden Schwingerkönig Matthias Glarner wird das Bernisch-Kantonale ein weiterer Belastungstest. An der Spitze wird er aber ziemlich sicher nicht mittun können.
Aus der Ferne werde ich das Geschehen in Münsingen verfolgen. Der Sieger auf der Schwägalp und jener am Bernisch-Kantonalen werden gute Chancen auf den Königstitel in Zug haben.

feldwaldwiesenblogger