Vorfreude auf’s ESAF: Gedanken zu drei Stichpunkten

Text: feldwaldwiesenblogger

Heute wird in Zug das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) feierlich eröffnet. Zig-Tausend Besucher strömen heute schon an den Ort des Geschehens, um einen ersten Eindruck zu erhalten, zu feiern und ihr Nachtlager aufzuschlagen.
Meine Wenigkeit freut sich zusammen mit der Schwinger-Schweiz auf den Anlass, und hat sich unter der Woche Gedanken zu drei Stichpunkten gemacht: «Die Spitzenpaarungen», «Wer wird Schwingerkönig?» und «Was für Überraschungen erwarten uns?».


Samuel Feller, Chef-Einteiler am «Eidgenössischen»
Bild: Radio Central

Die Spitzenpaarungen
Am Mittwochabend, Punkt 22 Uhr, wurden die von Samuel Feller (ESV-TK-Chef) erstellten Spitzenpaarungen bekanntgegeben. Was darüber inzwischen geschrieben, diskutiert und «gewerweisst» wurde, ist unglaublich. Wenn man gewisse Medien aufmerksam verfolgt hatte, bekam man das Gefühl, dass der Schwingerkönig-Titel bereits im ersten Gang «gemacht» wird. Dabei gibt es etliche Beispiele, mit Jörg Abderhalden ein sehr prominentes, wo der erste Gang verloren ging und der Titel dennoch geholt wurde.
Samuel Feller wurde zudem unterstellt, dass er als Berner mit der «Berner Brille» die Spitzenpaarungen einteilte und die Einteilung ab dem zweiten Gang auch dementsprechend anführen wird. Wie wäre das, wenn der Chef-Einteiler aus der Nordwest- oder Südwestschweiz kommen würde? Wäre diesem gar das Prädikat «gekauft von den Bernern» angeheftet worden?
Desweiteren wird Thedy Waser (TK-Chef der Innerschweizer) nachgesagt, dass er ein lieber Kerl ist, und als der schwächste und am wenigsten durchsetzbare Mann in der Einteilung gilt. Wirklich? Wieso haben ihn dann die Innnerschweizer Verantwortlichen in dieses Amt gewählt? Nein, nein, «überhöht» mal bloss nicht die Einteilung und deren Mitglieder. Geschwungen wird auf dem Platz, und ein würdiger Schwingerkönig und ein würdiger Kranzgewinner muss seine Gegner bodigen, mögen sie heissen wie sie wollen.


Joel Wicki, einer der Königskandidaten
Bild: joelwicki.ch

Wer wird Schwingerkönig?
Diese Frage ist natürlich schwierig zu beantworten. Wenn man aber auf einen Schwinger aus dem Sextett Samuel Giger, Pirmin Reichmuth, Joel Wicki, Armon Orlik, Matthias Aeschbacher und Christian Stucki tippt, wird man wohl kaum gross daneben liegen. Wenn ich heute einen Königs-Tipp abgeben müsste, würde ich einfach auf die «Fantastischen Vier» mit Giger, Reichmuth, Wicki und Orlik setzen. Zuletzt habe ich auch bei einigen Experten rausgespürt, dass sie viel auf einen König Wicki setzen würden. Wenn der mal in einen Lauf gerät, wie beispielsweise anfangs Juni auf dem Stoos – dann Gnade seiner Konkurrenz. Ähnliches würde ich auch von Samuel Giger behaupten, welcher an zwei guten Tagen einfach keinen Gegner fürchten muss. Aber: Wenn Pirmin Reichmuth so schwingt wie zu seinen allerbesten Tagen in diesem Jahr, dann ist auch gegen ihn kein Kraut gewachsen. Oder: Ein topfitter Armon Orlik schwingt alles in Grund und Boden. Und dann? Möglich ist je nach Konstellation, dass zwei aus diesem Quartett im Schlussgang stehen, sich gegenseitig geschickt neutralisieren und miteinander stellen. Die Frage wäre dann, wer hätte am Schluss die meisten Punkte auf seinem Konto: Einer, welcher im Schlussgang stand, oder ein Schwinger, welcher nachrücken könnte? Das Resultat wäre dann ein «Erstgekrönter» und keine Vergabe des Schwingerkönig-Titels. Mit diesem Szenario muss man bei der Ausgeglichenheit der Spitzenleute tatsächlich rechnen. Hoffen tut dies keiner. Denn: Wie soll man das den ESAF-Zuschauern verklickern, welche sonst nie an einem Schwingfest anzutreffen sind?
Die Berner will ich natürlich nicht vergessen, ebenfalls Nick Alpiger nicht. Ein weiteres Mal beginne ich den Satz mit «wenn»: Wenn ein Stucki inzwischen seine Topform gefunden hat, oder Matthias Aeschbacher seinem Vornamen alle Ehre tut (die Schwingerkönige von 2016 und 2013 heissen «Matthias»), dann gibt es ein weiteres Mal einen Berner Schwingerkönig. Nichts ist unmöglich, ebenso bei einem gesunden Nick Alpiger. Wie dieser am «Innerschweizerischen» auftrat, und sich den Sieg im wohl derzeit besten Teilverband gewann, ist auch ein Kandidat für die Königskrone.


Sorgt Michael Wiget für die ganz grosse Überraschung?
Bild: Michael Wiget

Was für Überraschungen erwarten uns?
Ich sehe aber auch ganz gefährliche Überraschungsleute. Allen voran der Aufsteiger des Jahres, Michael Wiget, welcher diese Saison schon so manchen Eidgenossen ins Sägemehl gebettet hat. Aber auch Fabian Staudenmann ist so ein Kandidat. Über ihn habe ich schon gehört, dass er auftrete wie seinerzeit der junge Kilian Wenger. Weiter darf man die beiden Nordwestschweizer Talente Joel Strebel und Andreas Döbeli nicht vergessen. Hier gilt aber anzufügen, dass bisherige Schwingerkönige meist aus einem starken Teilverband hervorgingen, welche als Einheit auftraten.
Spinnt man aber das Szenario vom obigen Abschnitt weiter, und geht davon aus, dass sich die Topleute gegenseitige «Gestellte» anhängen, dann könnte letztendlich einer der Überraschungsleute im Schlussgang stehen – Und die Überraschung wäre perfekt.
Überraschungen dürfte es einige geben, auch «saftige». Die Einstellung und Vorbereitung auf den Tag «X» ist enorm wichtig. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest ist für die Schwinger wie Olympische Spiele. Und auch an diesen erleben wir immer wieder Überraschungen. Es wird Schwinger geben, die werden richtiggehend über sich hinauswachsen. Andere sind nicht wieder zu erkennen.
Der Verlauf am ESAF könnte beispielsweise überraschende Wendungen annehmen. Wenn etwa die etwas gar gebeutelt betitelten Berner sich in einen Rausch schwingen, und die Innerschweizer und Nordostschweizer einfach keine Antwort darauf finden. Möglich ist auch ein Hin- und Herwogen zwischen den drei besten Teilverbänden.
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Geschwungen wird in den sieben Sägemehlringen – Einteilung, Diskussionen und Brimborium hin oder her. Zu hoffen ist einfach, dass am Sonntagabend ein würdiger Schwingerkönig ausgerufen werden kann.

feldwaldwiesenblogger

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