Beobachtet: Die Gänge von Schwingerkönig Christian Stucki und vom Erstgekrönten Joel Wicki

Text: feldwaldwiesenblogger

Das wunderbare Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug ist bereits wieder Geschichte. Als Innerschweizer mag ich nicht mit unserem Schicksal hadern, und nehme es so sportlich wie der Erstgekrönte Joel Wicki. Hut ab vor dem Mann aus Sörenberg, wie sich dieser hinterher fair, dankbar und glücklich zeigte.
Klar ist auch: Der neue Schwingerkönig Christian Stucki hat den Titel nicht gestohlen. Man blicke nur auf sein Notenblatt, und staune einfach nur.
Deshalb würdige ich diesen Beitrag den beiden besten Schwingern an diesem ESAF, und schaue auf deren Gänge zurück. Denn diese habe ich vor Ort live beobachtet, zusammengefasst und auf den Schwinger-Blog gestellt.


Schwingerkönig Christian Stucki und der Erstgekrönte Joel Wicki werden geschultert
Bild: suedostschweiz.ch

1. Gang
Wicki Joel – Aeschbacher Matthias: Wicki kommt im ersten Zug mit einem wuchtig gezogenen Kurz zu einem Plattwurf. Die Arena tobt!

Reichmuth Pirmin – Stucki Christian: Auch in diesem Gang ist Pep drin. Stucki legt Reichmuth nach kurzer Gangdauer mit einem hoch gezogenen Kurz platt ins Sägemehl. Stucki ist heiss und hungrig, und avanciert zu einem Topfavoriten auf den Königstitel.

2. Gang
Stucki Christian – Bieri Christoph: Stucki versucht sich mit Kurz, beim dritten Anlauf kommt er durch, und kann Bieri zum Resultat überdrehen. Stucki ist auf Kurs.

Anderegg Simon – Wicki Joel: Wicki kommt zu seinem zweiten Sieg. Beim zweiten Kurzversuch bringt er Anderegg zu Boden und kann dort vervollständigen. Auch der Sörenberger ist auf Kurs.

3. Gang
Stucki Christian – Suppiger Werner: Man darf gespannt sein, wie der Verteidigungskünstler Suppiger sich gegen den Seeländer Hünen verhält. Erst geht‘s für den Luzerner gut, bis Stucki zu einem wuchtigen Kurzzug ansetzt und Suppiger platt bezwingt. Dabei staucht es Suppiger derart zusammen, dass er erst liegen bleibt und gepflegt werden muss. Er kann schliesslich selber aus der Arena laufen.

Wicki Joel – Lengacher Jonas: Wicki kommt im ersten Zug mit einem wuchtigen Kurz zu einem Plattwurf und zu seinem dritten Sieg. Stark!

4. Gang
Bei der WC-Pause zwischen dem dritten und vierten Gang traf man vor dem stillen Örtchen Hausi Leutenegger an. Zu seinen Kollegen sagte er ziemlich laut, damit man es ja vernahm: „Dr Wicki nimmt hüt alli, au dr Stucki!“

Herger Matthias – Stucki Christian: Auf’s Gut legt Stucki gleich los und beim zweiten Zusammengreifen zieht der Berner wuchtig Kurz und legt den Urner platt ins Sägemehl. Was für ein starker Tag von Stucki!

Schneider Domenic – Wicki Joel: Wicki kommt im ersten Zug zu seinem vierten Sieg. Mittels einem wuchtig gezogenen Kurz legt der Luzerner den Thurgauer platt ins Sägemehl. Was für ein Ding! In der Arena wird’s kurzzeitig ziemlich laut.


Schwingerkönig Christian Stucki mit dem Siegermuni Kolin
Bild: zentralplus.ch

5. Gang
Stucki Christian – Wicki Joel: Der Grössenunterschied ist schon markant. Wer bei diesem Kampf wohl die Oberhand behält? Stucki zieht einmal mit Kurz an, Wicki kann dagegen halten. Beide Schwinger greifen sehr eng, und lassen seinem Gegner keine Chance. Schliesslich zieht Wicki ebenfalls mit Kurz, auch Stucki hält dagegen. Stucki zieht wieder und bringt Wicki zu Boden – noch kein Resultat. Wicki versucht sich mit Kurz und Innerem Haken und kann den Seeländer Hünen ins Sägemehl bugsieren – auch ohne Resultat. Der Gang kennt dennoch keinen Sieger – gestellt. Beiden Schwingern wird eine 9.00 geschrieben. Dieser Kampf hat sicher beide Athleten viel Kraft gekostet.

6. Gang
Wicki Joel – Bless Michael: Wicki zieht mit Kurz blitzschnell und wuchtig an und leert Bless übers Knie ab. Was für eine Schnellkraft des Sörenbergers!

Stucki Christian – Orlik Armon: Erst wird belauert. Stucki versucht sich dann mit Kurz, kommt aber nicht durch. Stucki probiert’s mit Fussstich, Orlik versucht nachzuziehen – erfolglos. Da wirken Riesenkräfte, hier Stucki mit seiner Rohkraft, da Orlik mit seiner tollen Athletik. Wer findet einen Weg? Oder versucht Orlik, wie Wicki, mit einem „Gestellten“ durchzukommen? Stucki versucht nochmals einen halbherzigen Angriff, Orlik belässt’s mit der Verteidigung. Der Gang endet schliesslich gestellt. Stucki erhält eine 9.00, Orlik die Note 8.75. Kann Stucki den Schlussgang trotzdem erreichen?

7. Gang
Stucki Christian – Schneider Domenic: Stucki greift sofort an, bringt Schneider mit einem Kurz ins Sägemehl und bearbeitet ihn dort zur endgültigen Kapitulation. Der Gang Orlik Armon – Schurtenberger Sven wird entscheiden, ob Christian Stucki den Einzug in den Schlussgang schafft.

Wicki Joel – Orlik Curdin: Wicki zieht mit Kurz an, und Orlik schlunggt am Boden ab – gefährlich. Der Sörenberger versucht’s wieder mit Kurz und kommt wieder nicht durch. Schliesslich bringt Wicki Orlik mit Übersprung zu Boden, das war’s aber noch nicht. Wicki versucht’s erneut, und bettet den Berner Schwinger mit einem satten Kurz ins Sägemehl – der Luzerner erhält dafür die Note 10 und steht im Schlussgang.

Fazit nach dem siebten Gang: Im Schlussgang stehen Joel Wicki und Christian Stucki. Da Wicki mit 1.25 Punkten vorausliegt, ist er jetzt schon mindestens Erstgekrönter.


Der Erstgekrönte Joel Wicki mit seinem Lebendpreis
Bild: blick.ch

Schlussgang
Christian Stucki bezwingt im Schlussgang beim zweiten Zusammengreifen Joel Wicki mit einem kräftigen Kurzzug und wird Schwingerkönig – Herzliche Gratulation!
Da Wicki zuvor einen grossen Vorsprung hatte, kommt er in der Endabrechnung auf gleich viele Punkte wie Stucki und darf sich von nun an Erstgekrönter nennen – Auch an seine Adresse: Herzliche Gratulation!

Mein Fazit – gleich nach dem Eidgenössischen
Dass es schon wieder keinen Innerschweizer König gibt, grenzt irgendwie an Ironie. Zudem gemahnt der Erstgekrönte Joel Wicki an die Tragik von Eugen Hasler, einfach mit anderen Vorzeichen.
Ein schönes Fest fand aber mit einem würdigen Schwingerkönig Christian Stucki einen märchenmässigen Abschluss. Chrigu steigt nun gewissermassen zu Jörg Abderhalden auf, und hat wie der Toggenburger auch den „Schwinger-Grand-Slam“ geschafft. Stark!
Bei Eidgenössischen Schwingfesten werden Legenden geboren, so auch heute! Mit einem lachenden, aber auch weinenden Auge (ich bin ja schliesslich Innerschweizer) mache ich mich nun auf den Heimweg. Tschüss und schönen Abend!

feldwaldwiesenblogger

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