Fast wie ein Märchen: Thomas Inniger’s überraschender Kranzgewinn am «Eidgenössischen»

Text: feldwaldwiesenblogger

Thomas Inniger darf sich seit vergangenem Sonntag Eidgenössischer Kranzschwinger nennen! Mit diesem überraschenden Erfolg hätten wohl nur die wenigsten gerechnet. Er zeichnete sich aber dank einer starken Saison ab. Der Berner Oberländer gewann diese Saison drei Gauverbands-Kränze, nämlich am Bern-Jurassichen, Seeländischen und Oberländischen Schwingfest. Und quasi als Nagelprobe kam am Bernisch Kantonalen in Münsingen der erste Teilverbandskranz hinzu. Dann schlugen die Stunden von Thomas: In Zug wuchs er vor allem am Sonntag förmlich über sich hinaus, gewann insgesamt fünfmal und bodigte dabei die beiden Eidgenossen Raphael Zwyssig und Michael Bless. Der verdiente Lohn ist Rang 9b mit 75.25 Punkten und der erste Eidgenössische Kranz.
Wer aber ist Thomas Inniger? Im folgenden Beitrag versuche ich den jungen Adelbodner etwas besser kennen zu lernen. Nur so viel vorweg: Es mutet fast wie ein Märchen an, nach einer dreijährigen Verletzungs-Odyssee.


Überglücklich durfte Thomas Inniger den Eidgenössischen Kranz in Empfang nehmen
Bild: Thomas Inniger

Mitglied bei der Schwingersektion Adelboden
Das Geburtsdatum von Thomas, welcher aus Adelboden stammt, ist der 9. Mai 1997. Der 22-Jährige wohnt derzeit in Diemtigen, ist ledig und weist mit seiner Grösse (180 Zentimeter) und seinem Gewicht (103 Kilogramm) athletische Masse für den Schwingsport auf. Der frisch gebackene «Eidgenosse» absolvierte eine Ausbildung zum Heizungs-Installateur, später eine Weiterbildung zum Heizungsplaner und arbeitet momentan auf diesem Beruf in Adelboden. Die Zeit, die nebst der Arbeit und dem Schwingsport übrigbleibt, nimmt er sich für seine Freundin und für das Biken.
Der Sennenschwinger ist Mitglied bei der Schwingersektion Adelboden, welche dem Oberländischen Schwingerverband angehört. Da die Schwingersektion Adelboden nur über vier Aktive verfügt, trainieren sie zusammen mit den Schwingklubs Reichenbach, Frutigen und Aeschi. Thomas gehört zudem einer Trainingsgruppe mit Berner Oberländer Schwingern an.
Im Winter wird sechs- bis siebenmal pro Woche trainiert, wovon zwei bis drei Schwingtrainings und der Rest aus Kraft- und Konditionseinheiten besteht. Während der Saison trainiert der Heizungsplaner viermal: Zwei Schwingtrainings und zwei Kraft- und Konditionseinheiten stehen dann auf dem Programm.

Der zehnte Kranzgewinn ist zugleich der erste Eidgenössische Kranz
Das am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest gewonnene Eichenlaub ist Kranz Nummer zehn für Thomas, und stellt sein bisheriges Karrieren-Highlight dar. Nebst den eingangs erwähnten Saisonkränzen holte sich Thomas letztes Jahr am Schwarzsee den ersten Bergkranz und gewann bisher insgesamt sieben Gauverbands-Kränze. Sehr wichtig ist für ihn der Kranz 2018 am Mittelländischen Schwingfest, welchen er nach drei Jahren Verletzungspause erreichen konnte. Diesen Erfolg stuft er gleich nach dem Gewinn des Eidgenössischen Kranzes ein. Weitere schöne Erfolg sind der diesjährige Sieg am Engstlig-Schwinget ob Adelboden, die Schlussgangteilnahmen am Engstlig-Schwinget 2014 und am Rellerialp-Schwinget 2018.
Die bevorzugten Schwünge sind der Kurz, Wyberhaken und der Fussstich. Der Sennenschwinger schwingt seit 2004 und gewann als Jungschwinger 147 Zweige und errang etwas mehr als 70 Siege.
Zum Schwingsport kam der Adelbodner durch seinen Vater: «Mein Vater nahm mich als Siebenjähriger an ein Training vom Schwingklub Adelboden mit, und es hat mich von Anfang an gepackt. Mein Vater hatte früher auch geschwungen, musste seine Karriere aber wegen Verletzungen früh beenden. Während meinen Jungschwingerjahren schwang ich zusammen mit sieben Cousins von mir, diese sind heute aber nicht mehr aktiv.»


Thomas bezwang im alles entscheidenden achten Gang Michael Bless
Bild: Yves Brechbühler

Herzliche Gratulation zum Eidgenössischen Kranz! Was für Gedanken begleiteten dich bei der Krönung?
«Das ist schwierig in Worte zu fassen, und ich habe den Kranzgewinn noch nicht ganz realisiert. Während der Krönung empfand ich einfach nur pure Freude und ich war überglücklich, diesen Moment erleben zu dürfen.»

Hast du vorgängig je mit diesem Kranzgewinn gerechnet?
«Wenn man nicht daran glaubt, muss man nicht ans Eidgenössische. Ich rechnete nicht unbedingt damit, aber ich habe daran geglaubt, dass es funktionieren könnte.»

Mit zwei bezwungenen Eidgenossen bist du förmlich über dich hinausgewachsen. Wie kommt das?
«Am Sonntag bin ich tatsächlich über mich hinausgewachsen. Am Samstag lief es weniger gut. Ich wusste am Sonntag, dass ich jetzt muss. Es zeigte mir dabei, dass es aufgeht, wenn man daran glaubt.»

Wie lief der für dich alles entscheidende achte Gang ab?
«Von dem Moment an, als die Paarung bekannt war, befand ich mich im Tunnel. Ich wusste, dass ich ihn nehmen muss. Ich legte mir meine Taktik zurecht, und es ging für mich auf. Ich konnte Michael Bless mit einem Kurz bezwingen. Ein anderes Mal klappt’s vielleicht nicht, diesmal war das Glück aber auf meiner Seite.»

Was für ein persönliches Fazit ziehst du vom Eidgenössischen Schwingfest?
«Dass vieles möglich ist, wenn man daran glaubt und die Tagesform stimmt. Wir Athleten erlebten ein toporganisiertes Fest und der Berner Staff machte für uns alles. Es war ein wunderschönes ESAF. Mein erstes Eidgenössisches samt Kranzgewinn wird mir immer in bester Erinnerung bleiben.»


Am diesjährigen Engstlig-Schwinget ob Adelboden schwang Thomas obenaus
Bild: Thomas Inniger

Du hast deinen ersten Kranz 2014 gewonnen, den Zweiten letztes Jahr. Was ist in dieser langen Zeitspanne passiert?
«Ich musste in dieser Zeit etliche Operationen über mich ergehen lassen, eine jagte quasi die andere. Der Ausgangspunkt war vor einigen Jahren ein Bike-Unfall, dabei wurde mir ein Knorpel an einem Knie abgesprengt. Beim Schwingen sprengte es wegen diverser Schläge noch mehr Knorpel ab, und zwar links wie rechts. Meine beiden Knie mussten gesamthaft achtmal operiert werden, fünfmal am linken und dreimal am rechten Knie. 2015 und 2016 bestritt ich je ein Kranzfest, musste aber beide Male wieder abbrechen, da meine Knie den Belastungen nicht standhielten. 2017 bestritt ich gar kein Fest.»

Rücktritt war nie ein Thema?
«Eine Zeit lang ging man davon aus, dass es nicht mehr geht, und ein Rücktritt unumgänglich ist. Als ich im Herbst 2017 wieder das Schwingtraining aufnahm, stellte ich zu meiner Erleichterung fest, dass meine Knie den Belastungen standhielten. In dieser Zeit kam die Hoffnung zurück, dass meine Karriere weitergeht.»

Woran hast du dich in dieser Zeit geklammert?
«2012 habe ich auf ein Blatt Papier geschrieben, dass ich 2019 den Eidgenössischen Kranz gewinnen werde. Ich habe immer daran geglaubt, und wollte dies unbedingt schaffen. Vorher wäre ich nicht zufrieden gewesen.»

Wie würdest du deine Schwingweise bezeichnen?
«Lange galt für mich: Entweder – oder, und ich nahm volles Risiko. Nach den Knieproblemen habe ich meine Schwingweise etwas umgestellt. Deswegen und auch aufgrund meiner Körpergrösse entwickelte ich mich zu einem Konterschwinger. Ich schwinge aber auch offensiv, wenn es sein muss.»

2014: Erster Kranz, 2018: Erster Bergkranz, 2019: Erster Teilverbands- und Erster Eidgenössischer Kranz. 2020: Erster Kranzfestsieg?
Thomas lacht. «Diese Woche habe ich mir überlegt, was ich nächstes Jahr will, denn mein langersehntes Ziel mit dem Eidgenössischen Kranz habe ich nun erreicht. Ich werde aber in der Winterpause schon etwas finden, was mich auch nächstes Jahr motiviert. Ein Kranzfestsieg im Bernbiet mit den vielen Spitzenschwingern und dem breiten Mittelfeld ist sicher hochgegriffen. Das wird hart.»

An welchen Rangschwingfesten wird man dich 2019 noch antreffen?
«Eventuell am Chemihütte-Schwinget in Aeschiried. Ich lege bis Ende Oktober eine Trainingspause ein. Anfangs November beginne ich den Aufbau mit Kraft- und Konditionstraining sowie mit Schulschwingen.»

feldwaldwiesenblogger

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